Ginters Kindheitstraum und Nevens Rückkehr

Wie angekündigt hat Borussia Dortmund noch am Mittwochabend Matthias Ginter vom SC Freiburg verpflichtet. Der 20-jährige Abwehrspieler hat einen Vertrag bis Juni 2019 unterschrieben und soll die Schwarz-Gelben zehn Millionen Euro plus Bonuszahlungen kosten. Und es gibt wohl kaum schönere Musik in den Ohren der BVB-Fans als Matthias’ erstes Statement:

Für mich geht heute ein Kindheitstraum in Erfüllung. Ich war immer großer BVB-Fan und darf nun das Trikot meines Lieblingsvereins tragen. In Dortmund möchte ich den nächsten Schritt meiner sportlichen Entwicklung machen.

Beste Voraussetzungen also für eine goldene Zukunft in schwarz-gelb? Bekannt ist, dass sich die Transferverhandlungen zwischen den Vereinen hingezogen haben und der SC Freiburg einen Wechsel zwischenzeitlich ausgeschlossen haben soll. Ein Argument der Breisgauer war, dass es für die Entwicklung Ginters besser sei, Woche für Woche zu spielen. Ob er das beim BVB in seiner ersten Saison schaffen wird, ist sehr fraglich.

Ginter wird von den Dortmunder Offiziellen primär als Innenverteidiger gesehen, doch Michael Zorcs Aussage zu seinen Fähigkeiten ist offener geworden. “Matthias ist als spielstarkes und flexibel einsetzbares deutsches Toptalent für uns immer in höchstem Maße interessant gewesen”, sagte der Sportdirektor nach der Vertragsunterzeichnung. Man traut dem Neuzugang offensichtlich zu, im defensiven Mittelfeld oder womöglich im Notfall auch auf den Außenpositionen einzuspringen. Was dann doch etwas mehr Sinn ergibt als noch einen reinen Innenverteidiger zu verpflichten.

Klar, zu Beginn der Saison könnte Ginter in die Startelf rutschen. Mats Hummels ist wegen seines Urlaubs erst zum Ligaauftakt wieder eingeplant. Bei Neven Subotic muss man abwarten, ob ihm die Vorbereitungsphase reicht, um wieder auf die notwendige Match-Fitness zu kommen – auch in qualitativer Hinsicht. Der Kreuzbandriss scheint ausgestanden: Gestern wurde Neven beim Testspiel in Heidenheim in der 74. Minute eingewechselt. Der BVB gewann 4:3 und kassierte während Nevens Einsatzzeit kein Gegentor mehr. Mkhitaryan gelangen in glühender Hitze im Albstadion zwei Treffer, Aubameyang erzielte das 1:0 und Gyau den Endstand.

Ginter muss also bis zum Supercup gegen Bayern Neven oder Sokratis hinter sich lassen. Keine einfache Aufgabe, da Jürgen Klopp verdienten Spielern gewöhnlich erst mal Rückendeckung gibt. Gut möglich, dass Matthias deshalb in den Testspielen auch mal auf der ’6′ ausprobiert wird. Ein weiterer Aspekt seiner Verpflichtung ist die schwarz-gelbe Abwehr der Zukunft. Es wird in der kommenden Saison unweigerlich Gerüchte über einen möglichen Wechsel von Mats Hummels geben. Die starke WM und seine Fähigkeiten nach vorne machen ihn zu einem äußerst begehrten Spieler. Ob er auch angesichts des privaten Umfelds weiterhin voll auf Dortmund fixiert bleibt, ist offen. Gut möglich, aber wer will dafür die sprichwörtliche Hand ins Feuer legen? Neven Subotic wird selbstverständlich diese Saison in schwarz-gelb spielen, aber er äußerte in der Vergangenheit, sich irgendwann die Premier League vorstellen zu können.

Ginter scheint also in jedem Fall eine lohnende Investition in die Zukunft zu sein – und ein Spieler, der zum Verein steht. Bleibt die Frage nach dem Zeitpunkt des Transfers. Wie glücklich der gewählt ist, muss die Saison erweisen. Unabhängig davon freue ich mich auf den jungen Weltmeister. Willkommen, Matthias Ginter!

Ein Hoch auf die Sommerpause – aber halt…

Es hat Spaß gemacht, diese Fußball-WM, und sie hat einen würdigen Sieger gefunden. Aber nach dem schönen Finalerfolg war es auch gut. Nicht nur, dass die vielen späten Spiele ihren Tribut bei den Fans zu Hause gefordert haben. Was danach kam, der Feiertaumel, die Elogen, die O-Töne, das war besonders ermüdend und ich hatte doch wieder die Gefühle, die Sylvia1985 sehr gut im Blog “Rote Erde” beschrieben hat.

Kevins ‘Tanz’ mit Manuel Neuer auf dem Spielfeld schaute man noch belustigt-ungläubig zu, aber da waren auch Schweinsteigers Hoeneß-Gruß und mal mehr, mal weniger peinliche Jubel-Choreografien, deren Kritiker sich von ‘Schland’-Fans über Fußballkultur aufklären lassen mussten. Schwamm drüber, ist ja jetzt vorbei.

Doch anderswo geht es schon weiter und das ist gut so. In Kassel etwa, wo eine Borussia Dortmund-Auswahl gestern im mit 17.000 Zuschauern fast ausverkauften Aue-Stadion 4:1 gegen den örtlichen Regionalligisten gewann. Nach einer schwachen ersten Hälfte und anschließenden sechs Auswechslungen drehten die Schwarz-Gelben die Partie und gewannen durch Tore von Jordanov, Mkhitaryan, Harder und Kirch. Wer alles fehlte, ist bekannt – Neven Subotic wurde von Jürgen Klopp noch geschont.

Wer einen urlaubenden Mats Hummels und einen Neven ohne Pflichtspielpraxis in den ersten Partien ersetzen könnte, steht nun auch so gut wie fest: Der Wechsel von Nationalspieler Matthias Ginter zum BVB steht nach Informationen der “Ruhr Nachrichten” unmittelbar bevor; der Defensivmann wurde bereits vor dem Dortmunder Knappschaftskrankenhaus gesehen, wo er den Medizincheck absolviert haben dürfte. Mehr dazu nach Vollzug - Any Given Weekend bleibt dran.

Zehn laufen wieder – Neven auch

Naturgemäß ist der Trainingsauftakt bei Borussia Dortmund wie bei den anderen Bundesligisten dank der Ereignisse in Brasilien medial ein wenig untergegangen. Nicht bei uns Fans natürlich. Bei den Schwarz-Gelben ging es am Samstag los – mit zehn Profis. Bekanntermaßen gibt es eine Reihe von Spielern, die noch bei der WM beschäftigt sind oder waren und deshalb erst später zum Kader stoßen werden. Und Jürgen Klopp muss auf die Verletzten Marco Reus, Ilkay Gündogan und Marian Sarr verzichten.

Die erfreulichste Nachricht nicht nur für den Trainer dürfte daher gewesen sein, dass unter den zehn Trainingsteilnehmern Neven Subotic war. Der beliebteste Autofahrer Dortmunds hat seinen Kreuzbandriss überwunden und die Chancen stehen gut, dass er zu Saisonbeginn im August wieder voll einsatzfähig, wenn auch vielleicht qualitativ noch nicht bei 100 Prozent ist. Zunächst steht für die per Medizin- und Laktattest Gemusterten das erste Trainingslager in den Kitzbühler Alpen an. Das erste Testspiel bestreitet der BVB erst danach, am 15. Juli bei Hessen Kassel.

Im Gegensatz zu den letzten Turnieren bekommen die involvierten Borussen in diesem Sommer länger frei – bis zu vier Wochen. Dadurch soll eine ausreichende Regeneration gewährleistet werden, obwohl der späte Einstieg ins Mannschaftstraining natürlich Abstimmungsschwierigkeiten mit sich bringen könnte. Auch das “mentale Tief”, von dem Mats Hummels nach der EM 2012 gesprochen hat, dürfte bei der veränderten Einschätzung der Urlaubsbedürftigkeit eine Rolle gespielt haben. Ob die Vor- letztendlich die Nachteile überwiegen, wird sich im Lauf der Saison zeigen. Das frühe Ausscheiden Italiens könnte immerhin für die Eingliederung von Ciro Immobile nützlich sein.

Ob in Matthias Ginter ein weiterer Nationalspieler zu Borussia Dortmund stoßen wird, ist unterdessen weiterhin unklar. Nach der vermeintlichen Absage des SC Freiburg haben die Schwarz-Gelben nun laut Michael Zorc ein finales Angebot abgegeben. Was man als Big Player in der Bundesliga vermutlich nicht machen würde, wenn die Sache absolut chancenlos wäre. Der Trainer des Sportclubs Christian Streich sagte dem “Kicker”, er sei “gewappnet für Dinge, die sich verändern können”.

Schiebers Abgang: Kein Grund für Spott

Stürmer Julian Schieber verabschiedet sich wie erwartet vom BVB, mit freundlichen Worten und “im Guten”. Der 25-jährige “Bulle von Backnang” wechselt mit sofortiger Wirkung zu Hertha BSC und unterschreibt dort einen Vierjahresvertrag. Die Ablösesumme soll 2,5 Millionen Euro plus Zuschläge betragen. Sie könnte somit auf über drei Millionen steigen, wird aber weit von den 5,5 entfernt sein, die die Schwarz-Gelben einst an den VfB zahlten.

Ob die vergangenen zwei Jahre in Dortmund für Julian Schieber verschenkt waren, lässt sich nicht so einfach sagen. Sicher hätte er gerne häufiger gespielt, doch andererseits wird er wahrscheinlich nie mehr aktiv an einem Champions League-Finale teilnehmen. Es gibt sicher schlimmere Lose, als diese beiden Jahre Ergänzungsspieler bei der Borussia gewesen zu sein. Und so klingen die freundlichen Abschiedsworte von allen Beteiligten halbwegs glaubwürdig – auch wenn allen klar war, dass der Verein nach den Verpflichtungen von Immobile und Ramos nicht mehr ernsthaft mit Julian plante.

Wie ist das Engagement des Schwaben aus Vereins- und Fansicht zu beurteilen? Felix Meininghaus schreibt für den “Tagesspiegel” von “Schmähgesängen” der BVB-Fans zur Melodie eines Mallorca-Hits. Das hört sich extremer an als es vielleicht von den Interpreten gemeint war. Und eigentlich gibt es auch keinen Grund zum Nachtreten. Nicht nur, weil sich Julian Schieber immer anständig verhalten hat. Die Bilanz des Stürmers hört sich zwar zunächst bescheiden an: in 57 Spielen sechs Tore und vier Vorlagen. Doch Schieber war eine absolute Teilzeitkraft: Seine durchschnittliche Einsatzdauer pro absolvierter Partie betrug nur gut 23 Minuten. Er hat nie die Chance bekommen, sich über einen längeren Zeitraum zu beweisen.

Jürgen Klopp wird seine Gründe dafür gehabt haben. Der beste ist vermutlich: Er hatte genügend Alternativen. Wenn Schieber spielte, hatte er immer mal wieder unglücklich aussehende Torabschlüsse. Aber wer im Team hatte die nicht? Und der “Bulle” brachte mit seiner Physis eine Qualität ein, die zwar im Klopp’schen System nicht zu den Primärtugenden zählt, aber den Kader doch etwas vielseitiger machte. Spielerische Ansätze waren bei Julian ebenfalls gelegentlich zu sehen. Ob sie wegen der geringen Einsatzzeit verkümmerten oder er tatsächlich mit dem hohen Niveau der Mannschaft nicht mithalten konnte, wird nicht mehr zu klären sein. Seine Zukunft in Berlin wird uns höchstens Hinweise darauf geben.

Danke für alles und viel Glück in Berlin, Julian! Bis bald im Olympiastadion!

Neuer Deal: Ist das die nächste Dimension?

Der Chemiekonzern Evonik ist künftig nicht mehr nur Hauptsponsor sondern auch Anteilseigner bei Borussia Dortmund, zahlt für 9,06 Prozent der Aktien – hervorgegangen aus einer Kapitalerhöhung – 26,7 Millionen Euro. Außerdem wurde der bestehende Sponsorenvertrag bis 2025 verlängert. Das Internetportal “Der Westen” schreibt von jährlichen Zahlungen von über 20 Millionen Euro. Zusammen mit einer weiteren geplanten Kapitalerhöhung – bis zu 24 Millionen Aktien könnten noch ausgegeben werden – sind in den nächsten gut zehn Jahren Einnahmen von etwa 350 Millionen Euro nur aus diesen beiden Quellen realistisch.

Ob die von “Der Westen” kolportierte jährliche Summe dann nur im Erfolgsfall zustande kommt, ist schon beinahe egal. Der Vertrag mit dem Hauptsponsor verkleinert auf jeden Fall die Lücke zu den Dimensionen des Telekom-Deals beim FC Bayern. Ist der BVB damit aber schon insgesamt auf Augenhöhe mit dem Rekordmeister? Wohl kaum. Der finanzielle Vorsprung der Münchener auf allen Ebenen ist groß. Ohne genaue Vergleiche anstellen zu können, muss man darauf hinweisen, dass es sich ja um ein Gesamtpaket bis Mitte des nächsten Jahrzehnts handelt. ‘Nur’ die Kapitalerhöhungen kämen dem Verein bzw. der KgaA direkt zugute – der Vorgriff auf weitere Zahlungen wäre gleichbedeutend mit neuen Schulden.

Natürlich wird aber der Spielraum der Schwarz-Gelben größer und die Lücke zu den Roten etwas kleiner. BVB-Geschäftsführer Hans-Joachim Watzke kann sich vorstellen, die Hypothek auf das Westfalenstadion vorzeitig abzulösen und die Geschäftsstelle des Vereins zu kaufen. Auch weitere Investitionen in die Infrastruktur sind denkbar. Derzeit ist nicht die Rede davon, dass neue Rekordeinkäufe geplant sind – aber das würde der Verein auch kaum kommunizieren. Es ist dennoch nicht zu erwarten, dass nun gleich die Angel nach unrealistischen Transferzielen ausgeworfen wird. Dranbleiben will die Borussia vorerst nur an Matthias Ginter vom SC Freiburg.

Der FC Bayern bleibt vorne – aber enteilt der BVB immerhin dem Rest der Konkurrenz? Sollte es den Anschein danach haben, könnten die Werksklubs aus Wolfsburg und Leverkusen möglicherweise noch einmal eine Schippe Kohle drauflegen. Dem Schalker Hauptsponsor ist ohnehin vieles zuzutrauen. Zu befürchten ist, dass dann eine noch viel größere Kluft zwischen fünf bis sechs Topklubs und dem Rest der Liga entsteht. Zu Letzterem würden dann auch ehrliche, hart arbeitende und in ihren Dimensionen erfolgreiche Vereine wie Mainz, Augsburg oder (bald wieder?) Bremen gehören. Eine solche Entwicklung hielte ich für zwiespältig bis bedenklich. Mehr Konkurrenz für die Bayern – bestens! Aber Langeweile gegen die restlichen Klubs wäre schade.

Positiv ist jedoch, dass die Borussia nun vorerst gegen den Ansturm eines Konstrukts wie RB Leipzig gerüstet zu sein scheint. Auch in der Zukunft – und nicht nur gestern, als die schwarz-gelben B-Junioren durch ein 2:1 bei den Kunstkickern in Leipzig Meister wurden.

Topspiel zum Auftakt, Schalke im September

Borussia Dortmund hat für die Saison 2014/15 von der DFL ein sehr ausgewogenes Startprogramm zugewiesen bekommen, das auf dem Papier schwerer ist als im Vorjahr. Am ersten Spieltag, voraussichtlich am Samstag, 22. August, trifft man zu Hause auf Bayer Leverkusen – wie 2010, als der BVB eine Heimniederlage kassierte, am Ende der Saison jedoch Meister wurde.

Die ersten fünf Partien im Überblick: Bayer Leverkusen (H), FC Augsburg (A), SC Freiburg (H), Mainz 05 (A), VfB Stuttgart (H)

Ansonsten geht es zunächst gegen Klubs aus dem oberen Mittelfeld und unteren Tabellenregionen – wobei sich etwa der VfB in der kommenden Spielzeit sicher woanders sieht.

Schon am sechsten Spieltag (26.-28. September) kommt es zum Revierderby beim FC Schalke. Diese Partie nicht in die ganz heiße Phase der Saison zu legen, ist nach den Vorkommnissen von 2013 sicher richtig. Mitten in Hin- und Rückserie, am 10. und 27. Spieltag, wartet der FC Bayern – ebenfalls zunächst auswärts. Und während der letzte Spieltag in diesem Mai für Berliner Borussen denkbar günstig gewählt war, ist es natürlich andererseits schön, 2015 wieder ein potenziell spannendes Abschlussspiel zu Hause gegen Werder Bremen zu haben. Das gab es übrigens auch – mancher wird sich erinnern – 2002.

Ein Stadion mit vier Seiten

Wer sich die gravierenden Unterschiede hinsichtlich des Potenzials (nicht nur) im englischen Profifußball vergegenwärtigen möchte, kann sich den ‘Topklub’ der 103.000-Einwohner-Stadt Oldham genauer anschauen. Dessen Fans freuen sich auf die neue Saison, weil ihr Stadion Boundary Park im Lauf der Spielzeit nach mehreren Jahren endlich wieder vier Tribünen haben wird. Der neue, derzeit in Bau befindliche North Stand wird die Kapazität der Heimstätte von Oldham Athletic um rund 2600 auf gut 13.000 Plätze erhöhen. Dazu kommen VIP- und andere Räumlichkeiten sowie ein fesches, modernes Aussehen. Über den Baufortgang können sich die Anhänger der ‘Latics’ auf der Vereins-Homepage auf einer eigenen Unterseite informieren.

Für Außenstehende erschließt sich die Notwendigkeit der neuen Nordtribüne nicht unmittelbar: Der Zuschauerschnitt des Drittligisten schwankt zwischen 3000 und 5000. Die Lage des Klubs (Grundlegendes dazu an anderer Stelle) in unmittelbarer Nähe zu Manchester macht es nicht leicht, außerhalb der höchsten Spielklasse neue Fans zu gewinnen. Doch den Faktor, endlich wieder ein vollständiges Stadion zu haben – nachdem zwischenzeitlich ein Neubau außerhalb der Stadt zur Diskussion stand – sollte man nicht unterschätzen. Den Fans gibt der Anblick nach langen Jahren von Niedergang und später Stagnation wieder Selbstbewusstsein zurück.

Spielerisch war schon die vergangene Saison ein Fortschritt für die Latics – obwohl sie ‘nur’ auf Platz 15 endete. Doch für einen Verein, dessen Leistungsträger sich selten auf langfristige Verträge einlassen und der daher im Grunde jede zweite Saison einen Neuaufbau starten muss, ist die Leistung unter dem 33 Jahre jungen Trainer Lee Johnson dennoch beachtlich. Oldham spielt erfrischenden offensiven Fußball und will dies auch in der kommenden Spielzeit beibehalten.

Wieder muss Johnson drei wichtige Spieler ersetzen, die es zu scheinbar ambitionierteren oder besser zahlenden Klubs gezogen hat – unter ihnen der von den Fans gewählte ‘Player of the Season’, Mittelfeldmotor James Wesolowski. Mit dem jungen Linksverteidiger Joseph Mills vom Neu-Erstligisten Burnley, dem erfahrenen Rechtsverteidiger Brian Wilson (Colchester United) und Mittelfeldmann Mike Jones (Crawley Town) hat er die Abgänge bereits halbwegs kompensiert – nun arbeitet Johnson an der Stärkung der Offensive. Dabei setzt er auch auf die eigene Jugendarbeit: Der 18-jährige Stürmer Jordan Bove hat wie Torwart Joel Coleman seinen ersten Profivertrag unterschrieben. Ein weiteres positives Zeichen – auch wenn er sicher zu Beginn nicht im Zentrum von Johnsons Überlegungen stehen dürfte.

Jung, sympathisch und verhältnismäßig mittellos – vielleicht können die Latics mit dieser Mischung im hoffentlich bald fertigen Stadion für eine Überraschung sorgen. Allgemein wird die League One ohne die Wolves im Schafspelz – die wieder aufgestiegenen Wolverhampton Wanderers, die schon bald wieder Premier League spielen könnten – und ohne Top-Absteiger als ausgeglichener angesehen. Ob es aber gleich für einen Platz in den Play-Offs reicht?

Gute Spiele, schwache Schiris?

Nach den ersten drei Tagen der Fußball-Weltmeisterschaft zeichnet sich ein deutlich besseres Niveau ab als bei den letzten großen Turnieren – nicht nur wegen des Krachers Niederlande gegen Spanien. Es macht Spaß, es gibt Überraschungen wie Costa Rica und spektakuläre Tore wie durch van Persie und Robben.

Diskussionswürdig sind die Schiedsrichter-Leistungen. In den jüngsten Partien waren sie unauffällig; gesprochen wird vor allem über Brasilien v Kroatien, Mexiko v Kamerun sowie die eben in jeder Hinsicht denkwürdige Final-Wiederholung. Fehl am Platz ist jedenfalls die eurozentristische Sichtweise, in Topspielen wie der WM-Eröffnung müsse ein Referee aus einem der großen, sprich: europäischen, Verbände pfeifen. Das klang heute Vormittag auch im Sport1-WM-Doppelpass an – einer Sendung, die mit dem Anbruch des Sommers und dem Ende der Bundesliga-Saison nicht besser wird. Die Runde war noch nicht mal informiert über den Schiedsrichter des Deutschland-Spiels, den Serben Milorad Mazic, der schon am Samstag bekannt gegeben worden war.

Während die lächerliche Elfmeter-Entscheidung des Japaners Nishimura für Brasilien dem Spiel tatsächlich eine entscheidende Wendung gegeben haben könnte, stehen dem zwei klare Schnitzer des Italieners Rizzoli gegenüber – der folgerichtig vom “Kicker” ebenso wie Nishimura die Note 5 bekam. Für mich war der Elfer für Costa schon beim ersten Ansehen sehr zweifelhaft, auch wenn das der Kommentator anders gesehen hatte. Das Foul gegen Casillas vor dem 3:1 war dagegen vor dem Bildschirm zunächst schwer zu erkennen – dafür umso deutlicher in der Wiederholung. Und auch zumindest einer der Unparteiischen hätte es sehen müssen.

Dass in den Medien auch der Kolumbianer Perez (leitete Mexiko v Kamerun) so scharf kritisiert wurde, scheint mir eine Überreaktion nach dem Auftaktspiel gewesen zu sein. Ja, er pfiff zwei Treffer zu Unrecht zurück, aber die Abseitssituation war knapp und nur das nicht existente Foul nach einer halben Stunde wirklich schwer verständlich. Ob die Europäer also wirklich die besseren Spielleiter sind – Brych und Kuipers waren tatächlich gut drauf – muss sich noch zeigen.

Reus verpasst Saisonstart

Die Teilentwarnung für Dortmund-Fans ist Vergangenheit: Marco Reus hat sich beim Test-Länderspiel gegen Armenien nicht nur einen Teilriss des vorderen Syndesmosebands, sondern auch einen “knöchernen Bandausriss an der Fersenbein-Vorderseite” zugezogen. Hört sich mindestens genauso unschön an, ist es auch: Die Ausfall-Zeit für den schwarz-gelben Kreativspieler verdoppelt sich dadurch von sechs Wochen auf etwa drei Monate. Marco wird also mit Sicherheit den Auftakt in Pokal und Liga verpassen. Für den BVB ist das ebenso unglücklich wie für das Nationalteam. In der Findungsphase einer Mannschaft zu Saisonbeginn hätte der formstarke und torgefährliche Reus für Impulse und Stabilität sorgen können.

Die “Erweiterung der Diagnose” (O-Ton BVB-Homepage) wurde in den vergangenen Tagen im Dortmunder Knappschaftskrankenhaus nach eingehenderen Untersuchungen des Verletzten vorgenommen. Während für Reus persönlich das Verpassen der WM in Brasilien sicher der schwerere Schlag war, dürfte ihn die mit der neuen Diagnose gestiegene Unsicherheit über den Zeitpunkt seines Comebacks nicht gerade beruhigt haben. Immerhin sind mit dem jetzigen Befund der Ärzte die ohnehin unglaubwürdigen Gerüchte über einen baldigen Transfer von Reus vom Tisch. Gute Besserung, Marco!

Ginter will nach Dortmund, Reus bleibt zu Hause

Katastrophen-Nachricht für Marco Reus: Im letzten Vorbereitungsspiel vor der Fußball-WM in Brasilien hat sich der Dortmunder Mittelfeldstar einen “Teilriss des vorderen Syndesmosebandes oberhalb des linken Sprunggelenks” zugezogen und fällt für das Turnier aus. Bundestrainer Löw, der Shkodran Mustafi nachnominiert hat, zeigte sich betroffen:

Für ihn und für uns ist dies extrem bedauerlich. Marco war super drauf, (…) hat vor Spielfreude gesprüht. In unseren Überlegungen für Brasilien hat er eine zentrale Rolle gespielt.

Zwar hat die deutsche Nationalmannschaft sicher genügend Alternativen im offensiven Mittelfeld, aber das unberechenbar-kreative Element von Marco Reus wird tatsächlich schwer zu ersetzen sein.

Ein schwerer Schlag für Joachim, aber auch für den BVB? Nach DFB-Angaben wird Marco erst in sechs bis sieben Wochen wieder ins Training einsteigen können. Das wäre Mitte bis Ende Juli. Die Saisonvorbereitung der Borussia ist dann zwar schon voll im Gange, sie beginnt am 5.7., aber natürlich steigen die zahlreichen WM-Fahrer ohnehin später ein. Bei normalem Heilungsverlauf könnten wir zum Saisonstart also einen gesunden und trainierten Marco Reus in der Startelf haben. Wie sehr den 25-jährigen das verpasste Turnier belasten wird, ist eine andere Frage – allerdings würde ich ihn nicht so einschätzen, dass er daran Mitte August noch täglich denkt. Für Marco kann es einem sehr leid tun; der Verein könnte dagegen sogar den Vorteil haben, dass der Spieler nicht in einem weiteren internationalen Schaufenster vorspielt.

Unterdessen verdichten sich die Anzeichen, dass Defensiv-Allrounder Matthias Ginter zum BVB wechseln wird. Zumindest ist das nach Lesart des “Kicker” der Wunsch des Spielers. Dem SC Freiburg ist es dagegen verständlicherweise nicht recht. Auch wenn bei den Breisgauern derzeit kein vergleichbarer Exodus wie im Sommer 2013 zu befürchten ist, würden sie mit Ginter erneut einen ihrer Topspieler verlieren. Zwar wird nach den Worten von Sportdirektor Hartenbach der Wunsch des Spielers respektiert, aber Michael Zorc dürfte ein harter Verhandlungspartner gegenübersitzen.

Für die Borussia stellt sich die Frage, ob das Ausgeben einer weiteren zweistelligen Millionensumme mit dem Standing korrespondiert, das Ginter in absehbarer Zeit im Team haben könnte. An einer direkten Rückleihe an Freiburg scheint der 20-jährige nicht interessiert zu sein. Der große Vorzug bei ihm ist seine Vielseitigkeit. Zwar wird kolportiert, dass Michael Zorc ihn vorwiegend als Innenverteidiger sieht, doch Ginter wäre nicht der erste Spieler, den Jürgen Klopp auf einer anderen Position erfolgreich einsetzt – zumal der Noch-Freiburger diese Allrounder-Qualitäten bereits hat. Die Möglichkeit, einen derartigen jungen deutschen Nationalspieler zu bekommen, der auch noch eine alte Affinität zum BVB hat, ist verlockend. Warum sollte man Ginter nicht zutrauen, sich auf einer der möglichen Positionen auch gegen Konkurrenz durchzusetzen?

Der Fortschritt der Verhandlungen zwischen Sportclub und Borussia ist allerdings unklar. Jüngst hatte die “Badische Zeitung” berichtet, die Gespräche lägen auf Eis. Freiburg will offenbar die WM abwarten – entweder um Ginter noch mal umzustimmen oder einen höheren Preis zu erzielen. Dem Spieler wäre es lieber gewesen, die Sache vor dem Turnier zu klären. Deshalb war noch unter der Woche gemeldet worden, der Transfer könne bald über die Bühne gehen. Gibt es die Hängepartie oder eine weitere Wendung? Relativ sicher scheint nur zu sein, dass Dortmund Ginters bevorzugtes Ziel ist.