Alle außer Götze

Man kann es auch positiv sehen: nach heutigem Stand wird nur ein einziger Spieler aus dem Profikader von Borussia Dortmund am Samstag gegen die TSG Hoffenheim nicht zur Verfügung stehen. Sind das etwa keine guten Aussichten? Beim ungeliebten Gast, gegen den die Schwarz-Gelben zuhause noch nicht gewonnen haben, ist die Stimmung so ähnlich wie die aktuellen Temperaturen. Dietmar Hopp fürchtet sich vor dem Untergang in Dortmund und kritisiert, dass in den letzten Jahren vom Verein zu viel Geld ausgegeben wurde. Holger Stanislawski will nichts vom Abstieg hören und kritisiert die Ungeduld des Umfelds. Und folgt man der offiziellen Vereinslinie, dann ist Manager Tanner dafür verantwortlich, dass soeben Vedad Ibisevic zum VfB gewechselt ist und ein 13-jähriger Spieler verpflichtet wurde.

Bisher hat die TSG unabhängig von ihrer Platzierung und Form Punkte aus dem Westfalenstadion entführt. Es spricht einiges dafür, dass sich das an diesem Samstag ändert. Auch wenn ein anderer Plagegeist, der ebenfalls in Stuttgart im Gespräch ist, dann noch in den Reihen der Gäste stehen dürfte: Sejad Salihovic, der mit seinen Standards den Hoffenheimern schon öfter den Hintern gerettet hat (der Mittelfeldspieler ist allerdings angeschlagen). Doch wer den BVB in Hamburg gesehen hat, kann einfach nicht glauben, dass der Gegner in seiner momentanen Verfassung gegen hochmotivierte Borussen erneut Punkte holen wird. Klopps Plan gegen die aggressive Gangart der Gäste könnte aufgehen:

Wir haben inzwischen gelernt, mit dieser Art der Zweikampfführung geschickter umzugehen, intelligenter zu spielen und das Freilaufverhalten ohne Ball zu intensivieren.

Schneller sein als die Grätschen des Gegners – das hört sich nach einem flotten und intensiven Spiel an. Jürgen Klopp ist der vielleicht lernfähigste Trainer der Bundesliga und wird seinen Spielern den Plan noch etwas präziser erläutern.

Bei Hoffenheim ist neben Salihovic auch Stürmer Ryan Babel fraglich. Besonders prekär stellt sich jedoch die Situation in der Innenverteidigung dar. Die Stammkräfte Marvin Compper (Verletzung) und Isaac Vorsah (Afrika Cup) fehlen. Daher werden Jannik Vestergaard und möglicherweise der Allrounder Daniel Williams zum Einsatz kommen. Letzterer spielt eigentlich lieber vor der Abwehr. Bei der Borussia sollte die gleiche Elf wie in Hamburg auflaufen – bis auf Mitch Langerak, der von Roman Weidenfeller wieder auf die Bank verdrängt wird.

Es ist Zeit, gegen diesen Gegner zu gewinnen und es gibt Grund zur Zuversicht. Obwohl Stanislawski voraussichtlich wie der BVB im 4-2-3-1 spielen lassen wird, um ein dichtes Mittelfeld auf dem Platz zu haben. Wer meine optimistischen Worte noch mal in kompakter Form hören möchte, kann dies in der neuesten Ausgabe der Sportradio360-Big Show, in der ansonsten über Fußball, Basketball und Eishockey diskutiert wird. Der Liga-Globus mit den Blogger-Stimmen ist auch einzeln anwählbar.

Ernstfall ohne Götze

Der Auswärtssieg in Hamburg war nur die äußerst reizvolle Generalprobe für das, was Borussia Dortmund in den nächsten Wochen erwartet: kein Mario Götze. Der 19-jährige Topspieler des Vereins wird nun sogar sechs bis acht Wochen ausfallen. Schuld ist eine Überlastung mit folgender Stressreaktion des Schambeins. Für die nächsten zwei Wochen darf sich Mario erst mal zur Ruhe setzen. Eine „Überlastung“ heißt natürlich nicht, dass der Mittelfeldspieler mutwillig überfordert wurde – schließlich ist der Spielrhythmus für Spitzenmannschaften gang und gäbe. Doch 23 Spiele in der Hinserie, davon 22 von Beginn an, hinterlassen Spuren, bei Mario nun leider stärkere als erhofft.

Am Sonntag hat die Borussia das Fehlen des Schlüsselspielers hervorragend kompensiert. Für kommenden Samstag kann man aus diversen Gründen ebenfalls optimistisch sein. Doch es wäre illusorisch zu glauben, dass der Ausfall an der Mannschaft spurlos vorbeigeht. Mario hat allein in der Hinserie der Bundesliga fünf Tore erzielt und fünf vorbereitet. Dabei sind die vielen vorletzten Pässe nicht eingerechnet. Durch seine Übersicht, seine Tricks und allein durch seine Präsenz hatte er eine öffnende Funktion für das BVB-Spiel. Kagawa, Lewandowski, Kuba und Großkreutz in Topform können im Zusammenspiel Vergleichbares leisten, aber schon, wenn zwei von ihnen abfallen, wird es schwierig. Und an Götzes Konstanz kam keiner von ihnen ran.

Glücklicherweise kann man leicht pauschalisierend sagen, dass die erste Hälfte der Rückserie auf dem Papier einfacher aussieht als das Ende. Götze wird nach heutigem Stand Auswärtsspiele in Nürnberg, Berlin und möglicherweise Augsburg verpassen. Zuhause geht es für den BVB in den nächsten Wochen im Anschluss an Hoffenheim gegen Leverkusen, Hannover und Mainz. Das sind alles keine Selbstläufer, aber dank des ausgeglicheneren Kaders dieser Saison braucht man auch nicht zu verzweifeln. In diesem Sinne: Gute Besserung, Mario Götze!

Moderner Vierkampf

1. Bundesliga, 18. Spieltag / Hamburger SV 1 BVB 5

Zu den vielen neuen Qualitäten von Borussia Dortmund gehört, dass die Mannschaft nach längeren Spielpausen gut vorbereitet und auf den Punkt konzentriert zu Werke geht – und beeindruckende Ergebnisse erzielt. Selbst wenn ein australischer Ersatztorwart im Kasten steht und nicht Deutschlands Nummer Eins. Die Bundesliga ist dadurch so spannend wie lange nicht mehr Ende Januar. Das mag eine Momentaufnahme sein, aber dem modernen Fußball tut es gut, wenn der BVB, die Bayern und S04 Kopf an Kopf platziert sind. Und eine Überraschungsmannschaft wie Gladbach knapp dahinter.

Also, um es noch mal zu sagen: Da gewinnt der BVB mal eben 5:1 bei einem Verein, der unter seinem neuen Trainer noch nicht verloren hat. Nun kann man mit gewisser Berechtigung auf die zeitweise desolate Abwehrreihe der Gastgeber hinweisen. Beim 1:0 ließen sich die Hamburger komplett düpieren, waren unentschlossen, schienen noch über eine Abseitsfalle nachzudenken, als schon der entscheidende schöne Pass von Kagawa auf Großkreutz kam. Beim zweiten Tor setzte sich Lewandowski alleine gegen Westermann, Bruma und Aogo durch. Und das späte 5:0, erneut durch den polnischen Torjäger, war zwar von Schwarz-Gelb gut kombiniert, aber zur selben Zeit arg statisch verteidigt vom HSV. Was will man auch erwarten, wenn der Abwehrchef und Kapitän einer Mannschaft Heiko Westermann ist?

Auf der anderen Seite konnte der HSV phasenweise, vor allem in der ersten Halbzeit und dann noch mal, als alles gelaufen war, mitspielen. Er hätte nur häufiger so gefährlich werden müssen wie beim verunglückten Kopfball von Paolo Guerrero direkt vor dem Tor. Von links segelten einige Flanken in den BVB-Strafraum, Lukasz Piszczek hatte ein paar Probleme mit der Schnelligkeit von Nationalspieler Aogo. Doch die Abnehmer oder wahlweise die Präzision fehlten. Solange die schwarz-gelbe Viererkette die Orientierung behielt – also zu fast jedem Zeitpunkt – und solange es durch die Mitte ging, lief bei den Hamburgern auch offensiv wenig zusammen. Damit wären wir endgültig beim starken Auftritt der Borussia, denn im zentralen Mittelfeld sorgten Sven Bender und Sebastian Kehl für Ruhe und Ordnung. Sehr souverän fingen sie fast alle Angriffe ab, die nicht schon ihre Mitspieler durch frühes Pressing (TM) in der gegnerischen Hälfte unterbunden hatten. Und Geburtstagskind Marcel Schmelzer zeigte links hinten eine sehr engagierte, defensiv tadellose Leistung. Lies mehr …

Der neue Favorit

Gewinnt Borussia Dortmund morgen zum Rückrundenauftakt beim Hamburger SV, dann haben wir einen neuen Meisterschaftsfavoriten. Denn Mönchengladbach hat gestern das Double gegen Tabellenführer Bayern München perfekt gemacht – mit tatkräftiger Unterstützung des zukünftigen BVB-Spielers Marco Reus. Der BVB könnte also punktemäßig zu Bayern aufschließen und spielt doch ohnehin den moderneren Fußball.

So in etwa klang auch die Fiktion, der manche Medien und fußballinteressierte Menschen nach dem ersten Spiel der Saison erlegen sind. Die Attraktivität von Momentaufnahmen ist in dieser Branche unverändert hoch. In Wahrheit ist der finanzstarke Branchenführer aus Bayern natürlich unverändert Meisterschaftsfavorit. Sollte sich Innenverteidiger Daniel van Buyten gestern tatsächlich den Mittelfuß gebrochen haben, könnte sich der FCB ohne Probleme mit einem Top-Ersatzmann verstärken. Und für die schwarz-gelbe Borussia gilt es erst mal, eine schwierige Auswärtsaufgabe zu bestehen. In Hamburg gab es letztmals vor sechs Jahren drei Punkte.

Nach der Winterpause starten die Gastgeber als eine der großen Unbekannten in die Rückrunde. Kaum jemand dürfte daran glauben, dass der HSV ähnlich desolat auftreten wird wie in den ersten Saisonspielen unter Michael Oenning. Den viele weiterhin für einen sympathischen Menschen halten, der allerdings den Beweis der Bundesliga-Tauglichkeit schuldig geblieben ist. Ich traue ihm zu, sich eines Tages in der ersten Liga durchzusetzen – allerdings nur mit einer funktionierenden Mannschaft. Der HSV 2012 scheint sich unter dem neuen Mann Thorsten Fink in diese Richtung entwickelt zu haben, doch kaum ein Beobachter kann genau sagen, wie weit die Hanseaten auf ihrem Weg gekommen sind. Insofern wird die morgige Partie für die Gastgeber noch mehr ein Wegweiser sein als für die Gäste.

Dem HSV wird dabei vor allem der verletzte offensive Mittelfeldspieler Gökhan Töre fehlen – der Neuzugang, der sich ohne Zweifel am besten durchgesetzt hat. Es bleibt abzuwarten, inwiefern die Kreativabteilung der Hamburger diesen Ausfall kompensieren kann. Neben Töre stehen Mittelfeldkollege Ilicevic und Stürmer Marcus Berg verletzungsbedingt nicht zur Verfügung. Ex-Borusse Mladen Petric dürfte zumindest auf der Bank sitzen.

Bei den Schwarz-Gelben gab es in dieser Woche einige prominente Fragezeichen. Mario Götze musste Jürgen Klopp für Hamburg bereits ‘abschreiben’ – er soll in Ruhe für die nächste Partie gegen Hoppenheim aufgebaut werden. Die Torwartfrage wird sich voraussichtlich heute entscheiden. Sollte Roman Weidenfeller nach seinen Rückenproblemen problemlos trainieren können, wird er morgen im Tor stehen. Es ist jedoch gut möglich, dass er durch Mitchell Langerak ersetzt wird, der nach einer Bauchmuskelzerrung gerade erst wieder ins Training eingestiegen ist. Erleidet auch der einen Rückschlag, könnten Johannes Focher oder Zlatan Alomerovic zum Zug kommen.

Die personelle Situation bei der Borussia ist also suboptimal, jedoch nicht besorgniserregend. Lukasz Piszczek wird aller Voraussicht nach rechts hinten spielen können. Im offensiven Mittelfeld hat Shinji Kagawa seine Position sicher, für die zwei Außenbahnen kommen drei Spieler – Kuba, Großkreutz und Perisic  – in Frage. Spannend ist auch die Besetzung der Position im defensiven Mittelfeld neben Sven Bender. Bei einem anspruchsvollen Auswärtsspiel wie in Hamburg könnte Jürgen Klopp auf Kapitän Sebastian Kehl zurückgreifen.

Der Rückrundenauftakt hat durch das gestrige Ergebnis vom ‘Eröffnungsspiel’ noch mal an Würze gewonnen. Fußballfans im ganzen Land freuen sich auf die nächsten 17 Spieltage. Manche sicher weniger (wie die Freiburger), manche mehr (wie alle Borussen). Wie schon im letzten Jahr gibt es für Schwarz-Gelb keinen Grund, von den vor der Saison postulierten Saisonzielen abzurücken. Die sehr positiven Aussichten könnten bereits morgen durch eine Niederlage relativiert werden. Ein Ziel ist jedoch Pflicht: Das Erreichen des Pokal-Halbfinales mit einem Sieg gegen die ungezogenen Kieler.

Das Ende der Toleranz

Am vergangenen Sonntag trat Borussia Dortmund beim Blitzturnier in Düsseldorf an. Sportlich ist das Geschehen schnell zusammengefasst: Im ersten Spiel verloren die Schwarz-Gelben mal wieder ein Elfmeterschießen, so dass dem Gastgeber und späteren Turniersieger Fortuna eine Mini-Revanche für das Pokalaus glückte. Im mäßigen Spiel um Platz 3 gelang dann ein 1:0-Sieg über Werder Bremen durch ein weiteres Tor des abwanderungswilligen Mohamed Zidan.

Die BVB-Fans im geschlossenen Stadion zogen sich den Unmut des restlichen Publikums und aller Beobachter zu, weil es aus dem schwarz-gelben Fanblock zu (mindestens) zwei Böllerwürfen kam. Einer davon ging in Richtung Spielfeld. Wir reden hier über Exemplare, die schon im Fernsehen sehr laut rüberkamen. Natürlich muss jetzt der Hinweis erfolgen, dass sicher nur ganz wenige Fans, eventuell sogar nur eine Einzelperson, daran beteiligt waren. Trotzdem habe ich die Schnauze gestrichen voll von den Typen, die so was werfen und sich dann feige in der Menge verstecken. Man weiß nicht erst seit dem Karriereende von Georg Koch oder nur wenn man Silvester öfter in Berlin verbringt, wie gefährlich diese Knallkörper sind.

Kein normaler Fan, Ultra oder was auch immer unterstützt diese kriminellen Handlungen. Aber tut jemand aus Fankreisen etwas dagegen? Hat irgendjemand Strafanzeige wegen Körperverletzung gestellt wie gegen die TSG Hoffenheim? Sollte ein Leser in Düsseldorf dabei gewesen sein, würde mich interessieren, ob er/sie irgendetwas von Reaktionen anderer BVB-Fans mitgekriegt hat. Ich möchte mal wieder Mats Hummels zitieren, weil er einfach so häufig recht hat:

Es [die Böllerwerferei] beweist weder, dass ihr uns besonders unterstützt, es hilft der Mannschaft nicht (es nervt uns sogar) und es ist gefährlich. Bei mehreren tausend Leuten außenrum sollte es eigentlich möglich sein, diese Randalierer zu stoppen.

Natürlich ist eine Reaktion aus dem Fanblock nicht einfach. Vor allem als Einzelperson oder Kleingruppe möchte man sich nur ungern mit Personen anlegen, die Böller dieses Kalibers werfen. Aber man kann es sich auch nicht so einfach machen, alle Verantwortung an die Sicherheitskräfte abzuschieben. Denn die sind unter anderem aus Gründen der Deeskalation nicht in größerer Anzahl im Block. Nehmen wir an, die Polizei und/oder Ordner würden wegen der Wiederholungsgefahr versuchen, identifizierte Übeltäter mit Gewalt aus dem Block zu holen – würde es nicht möglicherweise zu einer Solidarisierung mit den Gesuchten kommen?

Die Sache ist schwierig, ein Dilemma. Denn niemand will Gewalt oder Selbstjustiz unter Fans. Aber müssten sich nicht die Fans gegen die Böllerwerfer solidarisieren und dafür sorgen, dass sie den Ordnungskräften ‘zugeführt’ werden? Größere Fangruppen und gerade auch die Ultras sollten ein Interesse daran haben, dass im Fanblock und auf dem Spielfeld niemand zu Schaden kommt und der Ruf des Vereins nicht leidet. Fanvertreter werden erst dann als Gesprächspartner ernst genommen werden, wenn es ihnen gelingt, in solchen Situationen Verantwortung zu übernehmen.

Auf die Belehrbarkeit der Leute, die solch extreme Pyrotechnik im Stadion zünden, braucht man nicht zu hoffen. Genau das Gleiche gilt für jene, die rassistische oder antisemitische Sprüche machen. Es muss unter organisierten Fans und größeren Gruppen einen Konsens geben, gegen solche Taten angemessen vorzugehen. Oft kann das nur heißen, bei der schnellen Identifikation der Täter behilflich zu sein – das hat nichts mit Denunziation zu tun. In einigen Fällen können möglicherweise auch deutliche Warnungen helfen. Der Satz „es darf keine Toleranz gegenüber Intoleranz geben“ ist wahr – und Riesenböller im Stadion zu zünden ist verdammt intolerant.

Der Kapitän spricht

Ich wüsste gar nicht: Wohin sollten Mats oder Mario denn wechseln? Im Inland fällt mir kein Verein ein, und im Ausland gibt es höchstens eine Handvoll Adressen, über die sie sich Gedanken machen müssten. (Sebastian Kehl im Kicker Nr. 4/2012, S.9)

Allein für diese Aussage sollte man Kehls Vertrag schon verlängern. Und es sieht gar nicht schlecht aus, wenn man die weiteren Worte des Kapitäns vernimmt:

Michael Zorc und ich werden uns im Trainingslager sicher mal zusammensetzen (…). Grundsätzlich fühle ich mich beim BVB sehr wohl. Natürlich kann ich mir gut vorstellen, in Dortmund zu bleiben.

Zwischen den Hügeln von La Manga

Testspiel / BVB 3 Standard Lüttich 0

So sieht wohl das perfekte Auftaktspiel eines Trainingslagers aus. In der Januarsonne von La Manga hat Borussia Dortmund die erste Partie des neuen Jahres gegen den belgischen Erstligisten Standard Lüttich souverän gewonnen. Das Ganze war dank eines Sponsors per Livestream zu verfolgen, kommentiert von Norbert Dickel und Boris Rupert. Genauso wird es auch bei der Begegnung am Mittwoch gegen den FC Elche sein.

Einer der Höhepunkte dieses Testspiels war die Rückkehr von Sven Bender und Neven Subotic. Beide machten nach ihren Verletzungen einen guten Eindruck und Neven verwandelte sogar den Foulelfmeter zum 2:0. Es war allgemein sehr erfreulich, wie sicher die BVB-Defensive die Partie über 90 Minuten im Griff hatte. Die Belgier konnten die zur Halbzeit umbesetzte Viererkette kaum in Verlegenheit bringen. Da musste Roman Weidenfeller schon mal über den Ball treten, um etwas Aufregung reinzubringen. In der zweiten Halbzeit wurde er – sicher nicht wegen dieser Szene – durch Zlatan Alomerovic ersetzt, da Mitchell Langerak zurzeit verletzt nicht zur Verfügung steht und auch den Rückrundenauftakt verpassen könnte. Das Spiel wurde von den Schwarz-Gelben allenthalben ernst genommen – eine professionelle Einstellung, wie man sie unter Jürgen Klopp gewohnt ist.

Was kann man aus einem solchen Testspiel ablesen, ohne es überzuinterpretieren? Von Interesse war der Auftritt derjenigen Spieler, die noch im Januar oder im Sommer den Verein verlassen könnten. Mohamed Zidan wirkte engagiert und erzielte im Nachschuss das 1:0, das Kuba über rechts vorbereitet hatte. Der Pole zeigte sich ebenfalls aktiv und wechselte desöfteren die Seiten. Zidans Offensivpartner der ersten Hälfte war Lucas Barrios. Es mag eine Überinterpretation sein, aber der Argentinier wirkte lustlos und wurde kaum gefährlich – im Gegensatz zu seinem Konkurrenten Lewandowski, der in der zweiten Halbzeit zum Zug kam und den Endstand erzielte, übrigens nach einer schönen hohen Flanke von Damien Le Tallec, der ja auch noch da ist.

Um Lucas Barrios gibt es Gerüchte, aber Michael Zorc hat dementiert, dass ein konkretes Angebot vorliegt. Ein Verkauf wäre ein Wagnis, wenn nicht umgehend Ersatz geholt wird. Zorc wird einige Namen auf dem Zettel haben – was jedoch zu vernünftigen Konditionen im Januar realisiert werden kann ist eine andere Frage. Zidan und Le Tallec als Lewandowski-Backups für die Rückrunde wären okay, wenn es nicht um die Champions League-Qualifikation ginge. Toni da Silva kam gegen Lüttich ebenfalls zum Einsatz – bei dem Mittelfeldspieler, der von Anfang an als Backup eingeplant war, gibt es keine Gründe und Anzeichen für eine erneute Vertragsverlängerung.

Defensiv souverän, offensiv zeitweise kombinationsfreudig, personell gut aufgestellt – das Fußballjahr 2012 hat gut begonnen. Und es fällt mir momentan außer möglichem Verletzungspech kein Grund ein, warum es für die Borussia nicht genauso weitergehen sollte.

Marco Reus wird wieder Dortmunder!

Macht die Borussia doch tatsächlich ernst und holt den Jungen heim. Der große Star der Bundesliga-Hinrunde, der  Mönchengladbach zusammen mit Lucien Favre von der Relegation auf den vierten Tabellenplatz geführt hat, spielt ab der kommenden Saison beim BVB! Der 22-jährige offensive Mittelfeldspieler wird für die festgeschriebene Ablösesumme von 17,5 Millionen Euro verpflichtet und unterschreibt bis 2017. Damit bekommen die Schwarz-Gelben einen Spieler von außergewöhnlicher Qualität, den auch einige andere Vereine, die in der Champions League weitergekommen sind als der BVB, verpflichten wollten.

Zur Ablösesumme, die für die Post-Beinahepleite-Borussia einen Quantensprung darstellt, sagte Geschäftsführer Hans-Joachim Watzke: „Der Transfer ist aus unseren Rücklagen der letzten Jahre solide finanziert.“ Der Verein hat in den letzten Jahren sehr vernünftig gewirtschaftet. Trotzdem dürfte die Finanzierung noch solider sein, wenn der BVB erneut die Champions League erreicht. Was wohl alle Beteiligten hoffen. Jedem, der dem Verein wohlgesonnen oder gar zugetan ist, dürfte jedenfalls schon der Mund wässrig werden, wenn man sich ein Mittelfeld mit – beispielsweise – Reus, Götze und Kagawa vorstellt. Zumindest Mario Götze, der medial meistdiskutierte BVB-Spieler, wird nach den Worten von Michael Zorc in der nächsten Saison weiterhin in Dortmund spielen.

Herzlichst willkommen zurück, Marco Reus! Und allen noch ein gutes neues Jahr! Einen besseren schwarz-gelben Beginn hätte man sich jedenfalls nicht vorstellen können.

Wer hat einen Preis für Uli?

Was mich jetzt wieder gewundert hat: Dortmund wird deutscher Meister, fliegt in der Champions League in hohem Bogen raus – wird aber Mannschaft des Jahres. Ein Jahr vorher wurden wir deutscher Meister, Pokalsieger, waren im Champions-League-Finale, wurden aber nicht Mannschaft des Jahres. (…) Die Relation ist manchmal schon komisch.           (Uli Hoeneß im Stern)

Ein guter Verlierer wird der Bayern-Präsident im Leben nicht mehr.

Hinrundenzeugnisse 11/12

Weihnachten – Zeit der Besinnlichkeit und Kontemplation. Zeit, sich Gedanken über die Hinrunde der schwarz-gelben Borussia zu machen und den Spielern ihre Noten zu bescheren. Mir geht es wie vermutlich der großen Mehrheit der Fangemeinde: Ich bin sehr zufrieden. Die Mannschaft hat das berühmte ‘Jahr danach’ bisher besser gemeistert als zu erwarten war. Es gab eine holprige Phase, es gab den Schönheitsfehler Champions League, aber in den Wettbewerben, auf die es ankam, stehen die Schwarz-Gelben prächtig da. Das andere kann sich in den kommenden Jahren noch entwickeln. Die Zufriedenheit schlägt sich selbstverständlich in den Noten der hinreichend eingesetzten BVB-Spieler nieder. Vergeben werden 1-10 Punkte, die Hinrundennote entspricht nicht automatisch dem Schnitt der bewerteten Spiele.

Roman Weidenfeller: Kann er jetzt auch Elfmeter? In Düsseldorf hatte Weidenfeller mal wieder die Gelegenheit, sich gegen fünf Schützen vom Punkt auszuzeichnen und ging endlich einmal als Sieger hervor. Ansonsten war es keine spektakuläre Hinrunde der klaren Nummer 1 im BVB-Tor, was erneut daran lag, dass die Abwehr mit den meisten Problemen fertig wurde. Schnelle Reaktionen inklusive rechtzeitigem Hinauslaufen, gute Strafraumbeherrschung und die richtigen Entscheidungen, wenn es darum geht, zu fausten oder zu fangen, zeichnen Weidenfeller nach wie vor aus. Immer mal wieder gelingt ihm ein schneller Abwurf, der für Gefahr sorgt. Unsicherheiten waren selten, sensationelle Paraden gab es vereinzelt. 7 P. Lies mehr …

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