Zum Jubiläum Görlitz?
Im Dezember 2009 wird Borussia Dortmund 100 Jahre alt. Das freudige Ereignis wird in der Westfalenhalle mit einer großen Gala gefeiert. Zu den Gästen gehören unter anderem Udo Jürgens, Sasha und Atze Schröder. Ich würde gerne tauschen und dem Publikum lieber einen guten Spieler als einen schlechten Komiker präsentieren: Andreas statt Atze!
Der „Kicker“ berichtet heute, dass nach Jose Ernesto Sosa auch Andreas Görlitz den FC Bayern verlassen will, und zwar noch im Winter. Louis van Gaal und Uli Hoeneß haben bereits erklärt, dass der Kader des Rekordmeisters verkleinert werden soll – natürlich nur, wenn Spieler „freiwillig“ gehen wollen. Görlitz ist gelernter Rechtsverteidiger, eine Position, auf der man beim BVB über Verstärkungen nachdenken sollte – wenn sich Gelegenheiten ergeben. Schon mit Mats Hummels, einem weiteren Spieler vom Abstellgleis der Bayern, hat der BVB einen Treffer gelandet. Zugegeben, Görlitz ist älter und ihm fehlt die Spielpraxis. Um eine Konkurrenzsituation für Patrick Owomoyela zu schaffen, wäre er aber genau der Richtige. Ein fairer Zweikampf, bei dem der Bessere gewinnen möge.
Das ist noch eine Fantasie, keine Frage. Aber nicht utopisch, wenn der soziale Uli Hoeneß dem BVB zum 100-jährigen eine kleine Freude machen möchte. Und außerdem sollen auch niemandem Steine in den Weg gelegt werden, oder?
Gerissen
Vorgestern hat Borussia Dortmund die Stange der Mittelmäßigkeit, die schon fast überquert schien, mit den Füßen doch noch gerissen. Nach dem „Bilanz-Spieltag“ 10 bleibt daher unter dem Strich ein bescheidener Saisonauftakt stehen. Wäre der BVB, wie auch immer, ins Pokal-Viertelfinale eingezogen, hätte man die verbesserten Leistungen in den letzten Wochen als hoffnungsvoll bezeichnen können. So wie es nun ist, fängt man wieder bei null an.
Die Gründe für den mäßigen Start sind vielfältig. Neben Offensichtlichem wie dem gegenüber vielen Konkurrenten begrenzten finanziellen Spielraum sind drei Erklärungsansätze besonders plausibel: Formschwäche bestimmter Spieler, Verletzungen und Formschwäche im Anschluss an Verletzungen. Scheinbar grundlos formschwach zeigt sich schon fast die ganze Saison Patrick Owomoyela. In den letzten Spielen glücklos und am Dienstag richtig schwach war Nelson Valdez.
Verletzungen zentraler Spieler sind für einen Verein, der qualitativ nicht durchgehend hochkarätig besetzt ist, besonders unangenehm. Wir brauchen wohl nicht über den Wert von Sebastian Kehl zu diskutieren. Jürgen Klopp hat im defensiven Mittelfeld mehrere Varianten ausprobiert und mit (dem vorgestern verletzten) Sven Bender eine akzeptable Alternative gefunden. Wäre jedoch der Kapitän fit, wäre mMn ein Lapsus wie die grottige Ausführung des Freistoß vor dem Osnabrücker Gegenzug zum 1:3 und die darauffolgenden Fehler nicht passiert. Kehl kann selbstredend allein keine spielerische Unterlegenheit ausgleichen – er hätte aber an der Bremer Brücke in mancher Situation die passenden Worte gefunden und Anweisungen gegeben.
Um Tamas Hajnal gibt es in Fankreisen Diskussionen. Ein nicht unbedeutender Teil der Anhänger scheint von ihm nicht restlos überzeugt und weist vor allem auf den aktuell schwachen Saisonstart hin. Nun fällt Tamas für den Rest der Hinrunde aus und wer nicht von seiner Kreativität überzeugt ist, muss zumindest zugeben, dass er bei der Ausführung von Standardsituationen fehlt. Die Standards haben sich im Kontrast zur letzten Saison beim BVB wieder zu einem Problem entwickelt – sowohl defensiv als auch offensiv. Dede gelang gegen Bochum per Freistoß ein Assist – ansonsten sind mir wenig gute Ecken und noch weniger gute Freistöße in Erinnerung, die nicht Hajnal getreten hat.
Formschwäche nach Verletzungen muss man bei Kuba und immer noch bei Dede konstatieren. Beide sind noch nicht die Alten und rufen ihr Potenzial noch nicht wieder ab. Was kann Jürgen Klopp in den nächsten Wochen tun? Ein einfacher Tipp: Standards trainieren – in beide Richtungen - und verhindern, dass noch mal ein Freistoß so ausgeführt wird wie besagter in Osnabrück. Außerdem muss Klopp schnell das System finden, das ohne Kehl und Hajnal am besten funktioniert. Möglicherweise ist es das in den letzten Partien praktizierte 4-2-3-1. Klopp wird jedoch nichts anderes übrigbleiben als personell zu rotieren, wenn die Leistungen der Spieler so sehr schwanken. Valdez hat sich eine Pause verdient und Markus Feulner eine Chance. Auf der Position hinten rechts kann man auf Owomoyela bis zum Winter scheinbar nicht verzichten – sollte sich jedoch jemand aus dem erweiterten Kader oder der Zweiten Mannschaft aufdrängen, bin ich für Experimente offen! Mehr …
Der VFL
(Updated) Wie ich auf der Suche nach Informationen über den nächsten Pokalgegner des BVB entdeckt habe, hat sich Osnabrück tatsächlich die Homepage www.vfl.de gesichert. Diese ist jedoch ziemlich mit Werbung überfrachtet. Der VFL hat jedenfalls inzwischen den Kontakt mit der Spitze der Dritten Liga hergestellt und ist mit vier Punkten Rückstand auf Tabellenführer Offenbach Fünfter. An diesem Wochenende gewannen unsere Gastgeber vom Dienstag an der Bremer Brücke 3:1 gegen Aue – der Sieg wurde erst kurz vor Schluss sichergestellt.
Niemand sollte deshalb Osnabrück unterschätzen und niemand wird das im BVB-Team tun – dafür wird Jürgen Klopp schon sorgen. Der Sieg über den HSV ist allen bekannt, die DVD davon wird in diesen Tagen in Dortmund in der „heavy rotation“ laufen. Ob dann jeder auf dem Platz 90 Minuten hellwach ist, bleibt trotzdem abzuwarten. Ein Sieg ist Pflicht, der Pokal ist schließlich die Abkürzung nach Europa – ich könnte noch mehr wahre Platitüden anführen, aber lasse es dabei.
Es ist noch offen, ob der am Freitag angeschlagen ausgewechselte Kuba bis übermorgen fit wird. Ansonsten spricht wenig gegen Startelf und System der letzten beiden Partien.
UPDATE: Nun sind auch Nelson Valdez, aber vor allem Sven Bender für Osnabrück fraglich. Als Bender-Ersatz stünde Tinga wieder zur Verfügung.
Kuba gehört zu Dortmund
Bis Juni 2013 hat Jakub „Kuba“ Blaszczykowski seinen Vertrag bei Borussia Dortmund verlängert. Michael Zorc hat es geschafft, einen weiteren Spieler mit sehr guten Perspektiven langfristig an den Verein zu binden. Gute Arbeit vom Sportdirektor, der offenkundig den richtigen Zeitpunkt abgepasst hat:
Wir haben die letzten Wochen, in denen es etwas ruhiger um ihn herum war, dazu genutzt, die Gespräche zu einem guten Abschluss zu bringen.
Ist ja klar: Wenn Kuba in den letzten Monaten durchgehend sein volles Potenzial gezeigt hätte, wären die Verhandlungen schwierig bis unmöglich geworden. So konnten Zorc, Klopp etc. ihn überzeugen, dass es gut für ihn ist, noch eine Weile zu bleiben. Natürlich kann man bei Vertragsabschlüssen heute nie sicher sein, ob es nicht irgendwelche Klauseln gibt. Normalerweise gehört das aber nicht zur Vertragspolitik in Dortmund.
Nach zwei Siegen ist diese Nachricht ein weiteres positives Zeichen. Ein Zeichen dafür, dass die junge Mannschaft längerfristig zusammenbleiben und etwas heranwachsen könnte.
Tradition und leere Ränge
Wir kennen die Geschichte aus Deutschland: Traditionsvereine, die im unterklassigen Fußball verschwunden sind und vor halb bis weitgehend leeren Rängen spielen. Meist ist das eine Folge von sportlichem Misserfolg und Misswirtschaft. Nur der Vereinsname weckt noch Erinnerungen an bessere Zeiten.
Nicht ganz so einfach zu erklären ist der aktuelle Zuschauerschwund bei einem der traditionsreichsten englischen Klubs, Preston North End. Gegründet wurde der Verein aus dem Nordwesten im Jahr 1881, sieben Jahre später wurden die ‘Lilywhites’ erster Meister der Football League (dies und mehr gibts hier nachzulesen). Inzwischen spielen sie in der zweiten Liga und haben einen guten Saisonstart hingelegt – erst in den letzten drei Spielen ist der Lauf ins Stocken geraten (1 Unentschieden, 2 Niederlagen). PNE steht immer noch auf Platz 6, auf einem Play-Off-Rang. Trotzdem ist das Stadion, Deepdale, allenfalls halb voll. Gegen Reading kamen nicht einmal 11.000, im Spitzenspiel gegen West Bromwich Albion knapp 12.500.
Neben dem offensichtlichen Grund, der langen Erstliga-Abstinenz, wird unter anderem in den Kommentaren beim Web-Portal der Lokalzeitung „Lancashire Evening Post“ (LEP) nach weiteren Erklärungen gesucht. Trotz Erfolgen ist der Zuschauerschnitt gegenüber der letzten Saison nochmals gesunken. Neben viel Ratlosigkeit wird von den Kommentatoren (i.e. den Fans) der Verkauf von Leistungsträgern wie Sean St. Ledger (nach Middlesbrough – zunächst ausgeliehen, jedoch mit Kaufoption) und die unattraktive Spielweise angeführt. Beide Gründe wollen nicht so richtig einleuchten. Das Abgeben von Spielern ist bei Preston aus finanziellen Gründen unvermeidlich. Und – Achtung, Phrase – attraktiv ist, was Erfolg bringt. Wobei es zur Spielweise ohnehin verschiedene Meinungen gibt.
Mir scheint, im unterklassigen englischen Fußball macht sich eine gewisse Ungeduld breit. Die Fans sehen die Stars der Premier League, die flüssigen Spielzüge dort, die reichen Gönner, die manchem unterklassigen Konkurrenten unter die Arme greifen. Die Schieflage wird immer deutlicher, was selbst bei durchaus ambitionierten, aber verhältnismäßig klammen Vereinen wie PNE die Fans vertreibt.
Inzwischen hat es immerhin einen starken Schulterschluss gegeben, um das National Football Museum in Preston zu halten. Der Stiftungsrat hatte Überlegungen angestellt, das Museum ins größere Manchester zu verlegen (ebenfalls unter obigem Link nachzulesen). Nun haben der Stadtrat, der Rat der Grafschaft Lancashire und die University of Central Lancashire ein Finanzpaket geschnürt, um die unmittelbare Zukunft des Museums in Preston zu sichern. Gleichzeitig berichtet die „LEP“ (die eine Kampagne für den Verbleib des Museums fährt), dass die Verlegung nach Manchester 8 Millionen Pfund kosten würde, und die Finanzierung nicht gesichert sei. Eine Aufwertung des Museums am Standort Preston sei dagegen bedeutend günstiger.
Im Nordwesten Englands spielt sich ein interessantes Kräftemessen zwischen einer Großstadt und einer richtigen Großstadt ab; es geht um Entwicklungschancen und Tradition. Welche Rolle der Fußball dabei noch spielen kann, wird zu beobachten sein.
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