Fortsetzung zum Pokal

Borussia Dortmund schafft die Wunder-Halbzeit, verpflichtet Adrian Ramos, steht kurz vor dem Bayern-Spiel – und Any Given Weekend bleibt stumm? Genauso ist es, liebe Leserinnen und Leser. Anders geht es aus Zeitgründen derzeit leider nicht. Doch zum Pokalspiel gegen Wolfsburg geht es weiter – inzwischen ja ohnehin der spannendste Wettbewerb für uns Schwarz-Gelbe.

Zwei Sichtweisen, ein Ergebnis

Champions League, Viertelfinale / Real Madrid 3 BVB 0

Es gibt ziemlich genau zwei Ansichten, die man zu der deutlichen Niederlage des BVB im Bernabeu haben kann, und die sich nicht komplett gegenseitig ausschließen. Man kann von Fehlern in der eigenen Hälfte und in Strafraumnähe reden. Beim 0:1, als sich Durm auf links ausspielen lässt und zentral Kehl nicht eingreifen kann. Beim 0:2, als Mkhitaryan sich am eigenen Sechzehnmeterraum freidribbeln will und den Ball verliert – oder beim 0:3, als Piszczek einen gefährlichen Querpass spielt, der einem Fehlpass gleichkommt.

Man darf die Chancenverwertung der Schwarz-Gelben kritisieren, die das Ergebnis etwas angenehmer hätten gestalten können. Aubameyang hätte präziser zielen oder abspielen dürfen, ‘Miki’ agierte ohnehin eher unglücklich.

Ein 1:3 war drin und nach der zweiten Hälfte auch verdient. Aber die zweite Sichtweise hat ebenfalls Argumente schweren Kalibers auf ihrer Seite. Sie besagt, dass der BVB mit dem verfügbaren Kader Real Madrid schlicht qualitativ und technisch unterlegen war und die eigenen Unzulänglichkeiten nur Ausdruck oder Folge dieses strukturellen Ungleichgewichts darstellten. Nur im Tor und in der Innenverteidigung konnte die Borussia das Niveau der Gastgeber replizieren und das wirkt sich früher oder später aus.

Aubameyang ist eben kein Lewandowski, Sahin derzeit kein Gündogan, Kehl kein ‘Manni’. Und selbst mit diesen dreien kann man in Madrid verlieren. Was bleibt? Eine Minimalchance, weil man eben schwarz-gelb und nicht königsblau ist. Aber vor allem die Hoffnung, dass dieser Wettbewerb in dieser Saison nicht den naheliegenderen Zielen im Weg steht.

Die Aufstellung: Weidenfeller – Piszczek (67. Schieber), Sokratis, Hummels, Durm – Kehl (74. Jojic), Sahin – Reus, Mkhitaryan (64. Hofmann), Großkreutz – Aubameyang. Gelbe Karten: Reus, Kehl (gesperrt), Großkreutz

Gladbach ist Borussenmeister

1. Bundesliga, 25. Spieltag / BVB 1 Mönchengladbach 2

Die zweite Niederlage im zweiten Borussen-Duell war weniger schmerzhaft als die Erkenntnis, dass die Schwarz-Gelben in der Liga derzeit keine Konstanz in ihre Leistungen bringen können und nicht auf der Höhe sind, sobald mehr als zwei Schlüsselspieler ausfallen. Die Gladbacher, seit Wochen alles andere als in Topform, praktizierten ansehnliches Pressing, waren zielstrebiger und in den entscheidenden Szenen passsicherer – das reichte gestern zum Auswärtssieg in Dortmund, obwohl die Gäste inklusive Nachspielzeit 25 Minuten in Unterzahl spielten.

Es ist naturgemäß zweifelhaft, den Trainer zu kritisieren, wenn man nicht täglich das Training beobachten kann. Dennoch: Die Entscheidung Jürgen Klopps, Jonas Hofmann auf der ’10′ aufzubieten, ist schwer verständlich. Der Junge kam bisher meistens von der Bank auf der rechten Außenbahn zum Einsatz. Was ihn eher als den zentral erfahreneren Jojic für die Position befähigt haben soll, müsste man Klopp mal fragen. Der Torschütze des Dortmunder Anschlusstreffers wirkte nach seiner Einwechslung jedenfalls deutlich zielstrebiger.

Insgesamt fehlte unserer Borussia jedoch die Kreativität der Herren Reus, Mkhitaryan und Gündogan. Die Partie war auch mal wieder ein Beweis dafür, dass es keinen Grund gibt, über die noch nicht verkündete, aber von den Medien immer mal wieder als sicher vermeldete endgültige Rückkehr von Nuri Sahin in Riesenjubel auszubrechen.

Und wo wir schon bei Einzelkritik sind: Marcel Schmelzer ist ein guter Typ, aber die Nibelungentreue, mit der Klopp an ihm festhält, ist leistungsmäßig einfach nicht gerechtfertigt. Vergleicht man ihn etwa mit Bayerns Alaba, der ja nun keiner von den teuren Transfers des Rekordmeisters war, hat er deutlich an Boden verloren. Schmelle hat immer mal wieder richtig starke Spiele zwischendrin, aber deutlich öfter sieht es so aus wie gestern: Auf der Außenbahn kann der Linksverteidiger sich offensiv gegen präsente Gegenspieler selten durchsetzen; ein herausgeholter Freistoß oder Eckball ist das Höchste der Gefühle. Viel öfter sieht man Quer- und Rückpässe. Defensiv stehen starke Abwehraktionen neben verbesserungswürdigem Positionsspiel. Weiterlesen

Hoeneß und Hybris

(Updated) Immer wieder haben sich Funktionäre des FC Bayern in den letzten Jahrzehnten über, sagen wir, schillernde Persönlichkeiten des Fußball-Geschäfts wie Roman Abramowitsch oder den ehemaligen Präsidenten von Deportivo La Coruna, Augusto Cesar Lendoiro mokiert. Heute nun wurde der amtierende Bayern-Präsident Uli Hoeneß in erster Instanz zu dreieinhalb Jahren Haft wegen Steuerhinterziehung verurteilt. Mit Karl-Heinz Rummenigge hat ein Vorbestrafter den Vorstandsvorsitz des Vereins inne.

Nun wird dem nahezu jeder Bayern-Fan entgegenhalten, dass es sich um private Verfehlungen der FCB-Verantwortlichen handle und diese selbst immer nur das unseriöse Geschäftsgebaren mancher internationaler Konkurrenten gebrandmarkt hätten. Das Fußball-Business des Klubs werde selbstverständlich vorbildlich geführt.

Das ist nach allem was man weiß, zutreffend. Doch gibt es wirklich keine Verbindung zwischen den Handlungen des Sportfunktionärs Hoeneß und seinem privaten Verhalten? Gibt es keine Parallele zwischen einer Vereinspolitik nach dem Motto “Wenn wir mal nicht die Besten sind, kaufen wir so lange bis wir es wieder sind” und Hoeneß’ privater Zockerei mit der Einstellung “Mache ich mit meinen Finanzgeschäften mal Verluste, setze ich einfach noch einen drauf”?

Der Bayern-Präsident hat sein damaliges Verhalten selber als eine Sucht charakterisiert. Doch entsprang sie nicht der gleichen Hybris wie die Vereinshaltung “Wir machen etwas, weil wir es können”? Ist es nicht vielmehr eine Hybris der Macht, die ihn beim FC Bayern wie privat angetrieben hat? Was auch immer es war, letztendlich hat es dazu geführt, dass aus dem Fußball-Uli der Angeklagte und Verurteilte Ulrich Hoeneß geworden ist.

UPDATE: Nun hat es Hoeneß tatsächlich noch zu einem so gut wie möglichen Ende gebracht. Respekt, ULI. Und wann kommt der Sat1-Fernsehfilm?

Sommer, Sonne, Sonntagsspiel

1. Bundesliga, 24. Spieltag / SC Freiburg 0 BVB 1

Es war ja schon sehr heiß im Breisgau. Gefühlt sollen es immerhin 20 Grad gewesen sein und relativ gesehen ist das doch ziemlich viel. Oder gibt es noch andere Gründe, dass das Spiel der Borussia eine ganze Zeit lang frappierend dem Auftritt in Hamburg ähnelte? Das Ergebnis sah zum Glück anders aus.

Die Parallelen zum desaströsen Auftritt an der Elbe waren jedoch erstaunlich, zumindest für jemanden, der die beiden folgenden Spiele gesehen hat. Eine Viertelstunde bis 20 Minuten sah es kontrolliert und ordentlich aus, was die Gäste im Dreisamstadion auf den Platz brachten. Doch dann häuften sich die Fehlpässe, der Spielaufbau wurde immer bruchstückhafter, das Freiburger Pressing zeigte Wirkung. Und man konnte nur froh sein, dass die Innenverteidigung und auch Kapitän Kehl sich davon zumindest in ihrer Defensivarbeit nicht beeindrucken ließen.

Die Problemfelder ähnelten auch personell dem Hamburg-Spiel: Über die Außen kamen generell zu wenig Impulse. Und speziell Marcel Schmelzer und Pierre-Emerick Aubameyang knüpften phasenweise an ihre damalige Leistung an: Schmelle nach vorne zwar etwas besser, aber bei den wenigen gelungenen Freiburger Spielzügen oft schlecht positioniert und zu weit weg von den Gegnern. Und ‘Auba’ muss schlicht hart an seinem Passspiel arbeiten. Was Jürgen Klopp vor laufenden Kameras dem ausgewechselten Nuri Sahin zu sagen hatte, wollte er den Medienvertretern verständlicherweise nicht sagen. Doch mit dessen Leistung kann er nicht ganz zufrieden gewesen sein.

Was war im Süden anders als im Norden? Nun, Marco Reus und Robert Lewandowski standen heute gar nicht zur Verfügung. Dennoch bekam die Borussia das Spiel schließlich in den Griff. Was natürlich maßgeblich mit Sebastian Kehls Sonntagsschuss gegen seinen Ex-Klub zu tun hatte. Das ist übrigens gar nicht abwertend gemeint, denn der Schuss war technisch gut gemacht. Trotzdem sah Torwart Baumann vier Meter vor dem Tor etwas gestrandet aus – die Position war nachvollziehbar, aber hätte er nicht wenigstens noch ein, zwei Schritte zurück machen können?

Für den BVB war das Tor natürlich ein Segen. Der Sportclub war zuvor schon selten gefährlich und danach wurde sein Spiel unstrukturierter, die Überzeugung schien zu schwinden. Bezeichnend war allerdings, wie die Schwarz-Gelben zwei Riesenchancen kurz vor Schluss vergaben. Zunächst fehlte Aubameyang das Auge für besser postierte Mitspieler. Als er dann schließlich abgab, kam einer seiner eher in den eigenen Reihen gefürchteten Pässe heraus – dass Hofmann aus dem Hintergrund noch über das Tor schießen konnte, war glücklich. Noch ärgerlicher war Mkhitaryans Alleingang wenig später, der links und rechts mitgelaufene Kollegen übersah und an Baumann scheiterte.

Letztlich kann die Borussia mit einem solchen Sonntagssieg natürlich besser leben als Christian Streich mit null Punkten im Abstiegskampf. Dessen Schiedsrichterkritik im Anschluss sollte man ihm nachsehen. Peter Gagelmanns Entscheidung, Sokratis in der 43. Minute nur Gelb zu zeigen, war allerdings absolut richtig, denn bei der Entfernung des gefoulten Zulechner zum Ball kann man kaum von einer vereitelten Großchance sprechen. Der BVB muss allerdings künftig auch bei schönem Wetter wieder sein schönes Gesicht zeigen, denn die Gegner werden nicht leichter.

Die Aufstellung: Weidenfeller – Piszczek, Sokratis, Hummels, Schmelzer – Kehl, Sahin (63. Kirch) – Aubameyang, Mkhitaryan (90. +2 Friedrich), Großkreutz – Schieber (74. Hofmann). Gelbe Karten: Mkhitaryan (gesperrt), Sokratis. Tor: Kehl

Unerwartet wundervoll

Aaron Hunt von Werder Bremen war bisher kein Lieblingsspieler von mir. Ich fand es bezeichnend, dass er in einer scheinbar indifferenten Mannschaft mit seinen Qualitäten als Lichtblick galt. Außerdem wirkte er bei den wenigen Gelegenheiten, zu denen man als Fan eines anderen Vereins mal einen Einblick bekam, tendenziell arrogant. Ich würde nicht sagen, dass ich Hunt abgestempelt hatte, aber er passte doch in das Werder-Bild, das in den letzten zwei Jahren bei mir entstanden war – einem Verein, dem ich früher sehr zugetan war.

Nun gewinnt eben jener Klub gestern nicht nur 2:0 beim ‘Glubb’, der vor seiner Niederlage in Dortmund blendend in die Rückserie gekommen war. Nein, es zeigt sich auch, dass Aaron Hunt ein Großer ist. Ein Sportsmann, wie man ihn heute kaum noch für möglich hält. Es ist das eine, wenn man wie der Nürnberger Kiyotake zugibt, den Ball noch berührt zu haben, bevor er ins gegnerische Toraus rollt. Das ist eine sehr faire Geste. Aber Schiedsrichter Gräfe zu sagen, dass ein gepfiffener Elfmeter keiner war, den man selber herausgeholt hat, das ist ganz großer Sport.

Ja, es stand bereits 2:0 und es war im Fernsehen zu sehen, dass es tatsächlich eine klare Fehlentscheidung von Gräfe gewesen wäre. Trotzdem steckt auch Bremen noch im Abstiegskampf, jedes Tor kann am Ende entscheidend sein und Aaron Hunt scheint sich tatsächlich sehr schnell zu seinem Geständnis entschieden zu haben. Und deshalb rührt sein Verhalten auch langjährige Fußballfans. Weil in Zeiten, in denen das Erfolgsstreben mit Tunnelblick nicht nur an der Spitze des deutschen Fußballs als Nonplusultra ausgegeben wird, solche Zeichen überraschend sind und die Schönheit des Spiels und der Sportlichkeit wieder in Erinnerung rufen. Danke Aaron Hunt!

Kälte in der Freiburger Wärme gefragt

Über 20 Grad im Breisgau, ein sympathischer Klub mit einem ebensolchen Trainer, dem vor der Saison die halbe Mannschaft weggekauft wurde und der nun erwartbar im Abstiegskampf steckt. Freiburg strahlt Wärme aus, auch und gerade an diesem Wochenende. Christian Streich und die Fans des Sportclubs haben notgedrungen gelernt, nach jedem Rückschlag wieder aufzustehen und es wäre ihnen allemal zu gönnen, wenn sie erstklassig blieben.

Man kann davon ausgehen, dass sich Jürgen Klopp und die schwarz-gelben Jungs vergleichbare Gedanken vor und während des Spiels im Dreisamstadion nicht machen werden. Dennoch wird es am Sonntagnachmittag darum gehen, in möglicherweise hitziger Atmosphäre auf dem Platz kühl zu bleiben und nicht unaufmerksam und fahrig aufzutreten wie beim anderen Abstiegskandidaten in Hamburg. Der Sportclub hat prinzipiell eine gute Spielkultur, doch reicht die Qualität aufgrund des personellen Aderlasses selten für fehlerfreie Auftritte. Jürgen Klopp charakterisiert die Freiburger Leistungen in der heutigen Pressekonferenz treffend, wenn er sagt, dass Streichs Team immer im Spiel sei. Ein Zusammenbruch wie etwa gelegentlich bei den Blauen wird man von den Breisgauern nicht erleben – was nicht heißen muss, dass man gegen sie nicht mal höher gewinnen kann.

Christian Streich muss übermorgen auf Mittelfeldmann Vaclav Pilar und Stürmer Sebastian Freis verzichten. Beide sind keine absoluten Stammkräfte; der von Wolfsburg ausgeliehene Pilar hatte in dieser Saison besonders lange mit Verletzungen zu kämpfen. Jürgen Klopp ließ einen Einsatz von Robert Lewandowski, der mit einer Bänderdehnung von der Nationalmannschaft abreiste, offen. Ein Verletzungsrisiko scheint der BVB-Trainer beim Tabellen-17. nicht eingehen zu wollen, Gedanken über den Ersatz hat er sich schon gemacht. Ob im Fall der Fälle aber Schieber oder Aubameyang den Vorzug im Sturmzentrum erhalten würde, wollte er noch nicht verraten. Die Variante mit dem treffsicheren Neuzugang in der Mitte und Reus sowie Großkreutz auf den Flügeln erscheint jedoch deutlich wahrscheinlicher. Marvin Duksch kommt wegen einer Verletzung nicht in Frage. In der Innenverteidigung dürfte unterdessen das Duo Hummels / Sokratis wiedervereint werden.

Nebenbei konterte Jürgen Klopp heute auch mit deutlichen Worten und feiner Ironie den immer unerträglicher egozentrischen Matthias Sammer, der die Arbeit der Bayern-Konkurrenten in Frage gestellt hatte. Endlich mal keine Ergebenheitsadressen an den größten Klub aller Zeiten – und Klopp stellt es auch noch deutlich geschickter als ‘Aki’ Watzke an.

Als ob nichts gewesen wäre

1. Bundesliga, 23. Spieltag / BVB 3 1. FC Nürnberg 0

Die Borussia siegt gegen formstarke Nürnberger dank einer sehr guten Mannschaftsleistung garniert mit Nachweisen individueller Klasse. Also allem, was man braucht, um in der Bundesliga erfolgreich zu sein. Der Dortmunder Auftritt beweist, dass die Pleite beim HSV nur einen Ausrutscher darstellte – der Bremer, dass sie unnötig war.

Das Auftreten der Schwarz-Gelben legt auch nahe, dass die Nicht-Leistung in Hamburg nicht auf die leichte Schulter genommen wurde. Der Einsatz wirkte 50 Prozent besser, etwa beim auch hier kritisierten Marcel Schmelzer, der ein gutes Spiel machte. Mit Hummels und Sokratis war die aktuelle 1A-Innenverteidigung am Werk, die jedoch für die einzige Chance der Nürnberger aus dem Spiel heraus sorgte. Es war die Schuld des Griechen, der einen schlampigen Pass auf Mats spielte, den Pekhart abfangen konnte – zum Glück traf er im Anschluss nur den Pfosten. Sokratis, der am Dienstag in der CL noch beängstigend lange verletzt auf dem Feld gelegen hatte, musste wegen seiner Achillessehne noch vor der Pause runter.

Der BVB hatte das Spiel im Griff, obwohl er den Gästen in der ersten Hälfte verhältnismäßig viel Ballbesitz gestattete – oder deswegen? Konstantes Pressing ließ Jürgen Klopp jedenfalls nicht praktizieren; dafür stand die Abwehr mit der erwähnten Ausnahme sicher und die Offensivabteilung ließ sich die Partie unter der Woche nicht anmerken. Nürnberg tat sich schwer nach vorne und offenbarte Lücken, wenn Mkhitaryan, Lewandowski, Großkreutz oder gelegentlich Sahin schnelle Angriffe inszenierten. Den Schwarz-Gelben konnte man gestern nur vorwerfen, dass es zu lange 0:0 stand. Die Chancenverwertung bleibt ausbaufähig, doch immerhin war Konsequenz in den gut anzusehenden Spielzügen zu spüren.

In der 49. Minute hätte es für Schiedsrichter Dingert nur eine richtige Entscheidung gegeben, als Pogatetz Mkhitaryan am Strafraumeck von hinten in die Beine grätschte – es gibt wenig klarere Elfer. Dafür stand beim erlösenden 1:0 Lewandowski leicht im Abseits, als er den Ball von Sahins Freistoß aufs Tor köpfte. Schäfer konnte abwehren, aber Hummels stocherte die Kugel auf der Torlinie ins Netz. Henrikh Mkhitaryan sorgte mit seinem Querpass auf Lewa für die Vorbereitung zum 2:0 und erzielte selbst ganz cool das dritte, nachdem Hofmann Pogatetz zuvor einen tollen Pass durch die Beine gespielt hatte. In Abwesenheit von Reus spielten ‘Miki’ und Lewa richtig stark auf, assistiert von enorm fleißigen Außenspielern. Nicht zu vergessen: Kapitän Sebastian Kehl findet mehr und mehr zu früherer Souveränität zurück.

Es war eine schöne zweite Halbzeit, auch wenn das Spannendste nach dem 2:0 die Frage war, wie viele Sekunden Milos Jojic nach seiner Einwechslung für ein Tor brauchen würde. Der einzige Wermutstropfen: Es wird noch gezählt.

Die Aufstellung: Weidenfeller – Piszczek, Sokratis (36. Friedrich), Hummels, Schmelzer – Sahin, Kehl – Aubameyang (71. Hofmann), Mkhitaryan (85. Jojic), Großkreutz – Lewandowski. Tore: Hummels, Lewandowski, Mkhitaryan

Unter der Woche wird gearbeitet

Champions League, Achtelfinale / Zenit St. Petersburg 2 BVB 4

Eine gegenüber Samstag nicht wiederzuerkennende schwarz-gelbe Mannschaft gewinnt in St. Petersburg und hat beste Chancen, erneut das Viertelfinale der Champions League zu erreichen. Die Akteure waren allerdings zum großen Teil dieselben wie am Wochenende; nur Kehl und Reus kamen neu ins Team. Ein hervorragendes Beispiel für den Unterschied wie Tag und Nacht: Marcel Schmelzer. Von dem sehr behäbigen, unkonzentrierten ‘Schmelle’ vom Hamburg-Spiel war nichts mehr zu sehen – gestern Abend war er ein Vorbild an Laufbereitschaft, Zweikampfverhalten und Einsatz. Wollen wir hoffen, dass er und die anderen eine Lektion gelernt und nicht nur einfach in den Champions League-Overdrive geschaltet haben.

Die vier Auswärtstore des BVB hatten auch viel mit Marco Reus zu tun – an dreien war er direkt beteiligt. Ein ganz großer Schritt war bereits mit dem Doppelschlag in der 4. und 5. Minute zu tun. Zunächst schnappt sich Reus den Ball und läuft einfach immer weiter, obwohl er von Zenit-Spielern mehrfach angegangen wird. Erst im Strafraum kommt er zu Fall, doch den freien Ball schießt Mkhitaryan ins Tor. Der Neuzugang bereitet kurz darauf mit einer Vorlage für Großkreutz das 2:0 vor. Kevin lässt in den Lauf von Reus abtropfen und der vollendet von rechts ins lange Eck, fast wie ‘Miki’ eine Minute zuvor.

Auch wenn in der ersten Hälfte eine Reihe von vielversprechenden Spielzügen gegen scheinbar wirklich sehr kalt gestartete St. Petersburger nicht effektiv genug zu Ende geführt wurden, hatte die Borussia die Partie für eine Auswärtsmannschaft beeindruckend im Griff. Da brannte auch nichts an, als die Gastgeber durch ein Abseitstor und einen viel zu harten Elfmeter in der zweiten Halbzeit zweimal verkürzen konnten. Denn es gibt ja noch den talentierten Mr. Lewandowski, der von Piszczek und eben wieder Reus mustergültig bedient wurde und aus zentraler Position zweimal traf. Es war erneut eine Glanzvorstellung des polnischen Torjägers und es bleibt erneut die Erkenntnis, dass der BVB ihn in der nächsten Saison extrem vermissen wird.

Eine großartige Vorstellung zeigte allerdings auch fast die komplette Belegschaft, nur Nuri Sahin fiel leicht ab. Richtig zu schätzen kann man das trotzdem erst wissen, wenn am Samstag drei Punkte gegen Nürnberg raus springen.

Die Aufstellung: Weidenfeller – Piszczek, Friedrich, Sokratis, Schmelzer – Kehl, Sahin – Großkreutz (90. +1 Durm), Mkhitaryan (70. Aubameyang), Reus (85. Hofmann) – Lewandowski. Gelbe Karte: Piszczek. Tore: Mkhitaryan, Reus, Lewandowski (2)

Dinos trampeln über Aufbaugegner

1. Bundesliga, 22. Spieltag / Hamburger SV 3 BVB 0

Was bleibt einem angesichts eines ganz tristen Nachmittags, an dem sich schwarz-gelb ziemlich grau präsentierte, übrig, als noch mal mit der Saurier-Analogie etwas Farbe reinzubringen? Ist das letzte Mal, versprochen. Um es kurz und schmerzhaft zusammenzufassen: Der BVB machte es in Hamburg genauso, wie ich mir das Worst-Case-Szenario ausgemalt hatte, mit dem ich aber nicht ernsthaft rechnete.

Wie so ein bevorstehendes CL-Achtelfinale genau auf die Psyche der Spieler einwirkt, ist sicher schwerer zu erklären, als es einige Medien nahelegen. Doch schon die Leichtigkeit, mit der Nuri Sahin die Niederlage beim HSV scheinbar wegsteckte, gibt zu denken: “Das Spiel ist viel zu wichtig, um uns jetzt runterziehen zu lassen”sagte der wie so viele Borussen sehr mäßig agierende Mittelfeldregisseur in Bezug auf die Partie gegen St. Petersburg. Klingt nach schnell abhaken und nach vorne blicken – was nun zwar alternativlos ist, aber dafür Wiederholungsgefahr birgt

Es war eines der Ergebnisse, von denen man am Saisonende sagen muss: Qualitätsunterschiede hin oder her, diese drei Punkte Rückstand auf den FC Bayern sind überflüssig. Nicht dass die Schwarz-Gelben das derzeit kümmern müsste, doch wurde natürlich die Gelegenheit versäumt, an Leverkusen ranzukommen und die Blauen auf Distanz zu halten. Der Borussia fiel offensiv zu wenig ein. Die gegen Frankfurt endlich mal überzeugende linke Seite war wieder ein Ausfall. Nehmen wir Marcel Schmelzer: 85 Minuten stand er neben sich, ließ immer wieder ein vernünftiges Positionsspiel vermissen, schlug lange Bälle und war in Richtung Hamburger Strafraum erschreckend uneffektiv. Dann wachte er scheinbar kurz vor Schluss auf und rannte alle in Grund und Boden.

Nehmen wir Pierre-Emerick Aubameyang. Der hatte eine gefühlte Fehlpassquote von 80 Prozent – in der Realität immer noch schwache 35 Prozent. Und dann war da noch sein Tritt gegen Arslans Brust, der statt Gelb auch Rot hätte bedeuten können. Nach Absicht sah es zwar nicht aus, aber nach einer Schlampigkeit, die sich durch das Auftreten eines Großteils der Mannschaft zog. Die Gegentore sprechen eine deutliche Sprache: Beim 0:1 wird Lasogga von Friedrich und Schmelzer an der Torauslinie gestellt, kann dennoch an den langen Pfosten flanken, wo Piszczek und Aubameyang Jiracek nicht am Kopfball ins Tor hindern können. Das 0:2 in der 58. Minute verursacht scheinbar Sahin mit seinem Ballverlust im Mittelfeld. Allerdings steht er dort allein gegen zwei Hamburger und ausreichende Absicherung ist nicht vorhanden.

Das 0:3 kurz vor Schluss hinterlässt einen dann vollends ratlos: Der 40-Meter-Freistoß von Calhanoglu dreht sich wenige Meter vor dem Tor tückisch in die linke Ecke, so dass Weidenfeller hier ein wenig, wenn auch nicht ganz zu entlasten ist. Man könnte sagen “Schwamm drüber”, man hätte aber auch eine Ein- oder Zwei-Mann-Mauer stellen. Wurst oder Wurstigkeit?

Natürlich hatte die Borussia einige Chancen. Es gab ein, zwei ordentliche und ein paar schwache Distanzschüsse. Und bei den Versuchen aus kürzerer Distanz war Rene Adler zur Stelle, der gegen Braunschweig noch doppelt gepatzt hatte. Doch allgemein fehlte der unbedingte Wille eines Mats Hummels, die Übersicht eines Ilkay Gündogan – und in der zweiten Hälfte musste der BVB auch noch auf Sven Bender verzichten. Heute wurde bekannt: ‘Manni’ leidet an einer Schambeinentzündung und muss voraussichtlich zehn Wochen pausieren! So schnell kann sich das Wohlfühl-Klima verflüchtigen. Mirko Slomkas neuem HSV reichte volle Konzentration, um sich gegen einen CL-Teilnehmer durchzusetzen.

Vor der Partie gegen St. Petersburg ist neben Mats Hummels auch Robert Lewandowski wegen einer Erkältung fraglich. Es gibt viel mehr Arbeit für Jürgen Klopp, als er es sich noch am Samstagmorgen gedacht hatte.

Die Aufstellung: Weidenfeller – Piszczek, Friedrich, Sokratis, Schmelzer – Bender (46. Reus), Sahin – Aubameyang, Mkhitaryan, Großkreutz (75. Hofmann) – Lewandowski (67. Duksch). Gelbe Karten: Aubameyang, Reus.