Kein Unglückslos für Dortmund

In Topf 2 fühlt sich so eine Champions League-Auslosung doch gleich viel besser an. Und der BVB hatte obendrein noch etwas Glück: Mit dem FC Arsenal wurde den Schwarz-Gelben aus Topf 1 der Klub zugelost, den man nicht nur aus den letzten Jahren sehr gut kennt, sondern der als englischer Vertreter auch Liverpool aus Topf 3 verhinderte. Dafür loste Karl-Heinz Riedle unsere Gruppe D Galatasaray zu. Sicherlich kein einfacher Gegner, aber einer, der zuletzt mit einigen Turbulenzen zu kämpfen hatte – so durfte Bremens Neuzugang Izet Hajrovic ablösefrei wechseln, weil ihm der türkische Klub Gehalt schuldete. Aus Topf 4 kam schließlich RSC Anderlecht raus, die zwar eine veritable Talentschmiede haben, aber immer wieder Schlüsselspieler abgeben müssen und in Europa schon länger auf höchster Ebene, sprich der Champions League, nichts reißen konnten.

Ein sehr ordentliche Los also für unsere Borussia – mit vergleichsweise bequemen Reisezielen. Per Flugzeug sind London, Brüssel und Istanbul zumindest gut zu erreichen. Im ersten Spiel am Dienstag, 16. September, geht es gleich zu Hause gegen den FC Arsenal. Es folgen die zwei Auswärtsspiele in Anderlecht (1.10.) und Istanbul (22.10.).

Kellerduell in Augsburg

BVB-Fans, die nach der Auftaktpleite gegen Leverkusen erst mal wieder Mut fassen müssen, sollten sich einfach Jürgen Klopps Pressekonferenz zum Freitagabendspiel in Augsburg anschauen (z.B. bei BVB Total). Die Niederlage hat den Trainer offensichtlich beschäftigt, so dass zwei seiner Grundtugenden besonders deutlich zutage traten: Einerseits ging er ins Detail und analysierte messerscharf, was in erfolgreichen Zeiten nicht in jeder PK der Fall ist. Andererseits hatte er genügend Zeit für Späßchen – ein Indiz für seine positive Haltung und die Lust am Fußball, die er immer wieder auf die Spieler zu übertragen versteht.

Nicht, dass alles plötzlich wieder zum Besten stünde. Von den zuletzt geschonten Spielern kehrte im Benefiz-Testspiel bei Waldhof Mannheim (4:0) nur Roman Weidenfeller ins Team zurück. Dortmunds Nummer 1 wird auch morgen im Kasten stehen. Adrian Ramos und Sven Bender nahmen gestern am Mannschaftstraining teil. Klopp konnte jedoch noch keine Auskunft zu ihrer Verfügbarkeit für Freitag geben. Auf Mats Hummels verzichtet der Trainer jedenfalls noch – die Abwesenheit des Weltmeister-Innenverteidigers wird mit muskulären Problemen begründet. Alle anderen Verletzten sind frühestens nach der Länderspiel-Pause ein Thema.

Taktisch führte Klopp sehr nachvollziehbar aus, dass ein ‘flaches’ 4-4-2-System zwar defensive Stabilität verleihen kann, die Borussia aber (derzeit) nicht unbedingt die passenden Spieler dafür hat. Um die zentral offensiv starken Spieler wie Reus oder Mkhitaryan bestmöglich zur Geltung kommen zu lassen, dürfte er erneut auf eine 4-4-2-Raute mit nur einem defensiven Mittelfeldspieler oder das 4-2-3-1 der letzten Saison setzen. Matthias Ginter könnte unter Umständen wie in Mannheim auf der ‘6’ zum Einsatz kommen – wenn Neven Subotic als fit und spielstark genug für die Innenverteidigung erachtet wird.

Der FC Augsburg hat in der Bundesliga einen ebenso schlechten Start wie die Schwarz-Gelben hingelegt, sich aber bereits aus dem Pokal verabschiedet – beim Regionalligisten 1. FC Magdeburg. Nach den derzeitigen Eindrücken könnte dem Überraschungsteam der Vorsaison ein tiefer Fall drohen, doch Trainer Markus Weinzierl wurde damals ja nicht umsonst gelobt. Es wird darauf ankommen, wie schnell er die schmerzenden Abgänge von unter anderem André Hahn und Matthias Ostrzolek kompensieren und die insgesamt hohe Zahl neuer Spieler integrieren kann. Halbwegs prominente Ausfälle gibt es in Jan Moravek und Alexander Esswein nur zwei.

Dennoch: So wie der erste Spieltag der denkbar ungünstigste Zeitpunkt war, um auf Leverkusen zu treffen – auch Klopp merkte das in der PK an – so ist doch dieser kommende zweite Spieltag vielleicht ein idealer Termin, um nach Augsburg zu fahren. Beim BVB stimmt noch vieles nicht, aber aus dem bayerischen Schwaben ein paar Punkte mitzunehmen, scheint derzeit alles andere als unmöglich. Dort könnte es übrigens ein Wiedersehen mit Mittelfeldspieler und Ex-Borusse Markus Feulner geben, der einer der neun Neuen ist. Ich freue mich drauf, aber vor allem auf ein tolles Freitagabendspiel!

Aki und der Feind seines Feindes

Ende letzten Monats kritisierte BVB-Geschäftsführer Hans-Joachim Watzke das Transfergebaren des Red Bull-Konzerns und seiner Fußballvereine, nachdem ein Spieler aus Österreich per Auslands-Ausstiegsklausel von RB Leipzig verpflichtet und dann direkt zu RB Salzburg weiterverschoben wurde. Nur wenige Tage später verkündete er, wenn die DFL die “demokratischen Regeln des Fußballs” überwache, sei er “überhaupt kein Gegner von RB Leipzig”. Nun machte er sich gegenüber der “FAZ” erneut für das Leipziger Projekt stark:

Leipzig wird in meinen Augen ein richtig großer Verein. Ein großer Verein ist für mich nicht derjenige, der zweihundert Jahre alt ist, ein großer Verein ist in meinen Augen ein Klub, der die Herzen vieler Fans bewegt, die regelmäßig in großer Zahl ins Stadion gehen oder auch Sky-Abos kaufen und so dazu beitragen, den deutschen Fußball in Gänze zu stärken.

Vor nicht allzu langer Zeit hatte Watzkes neuer Intimfeind Karl-Heinz Rummenigge vor einer Missachtung der Financial Fair Play-Regeln durch RB Leipzig gewarnt. Dass dabei das stetige Bemühen der Bayern-Granden, einen künftigen Konkurrenten klein zu halten, auch eine Rolle gespielt haben dürfte, ist naheliegend

Macht ‘Aki’ mit seinem Eintreten für den Ost-Fußball also nur wieder Front gegen die Bayern? So einfach ist es – leider – nicht. Über solche Kinderspielchen könnte man hinwegsehen. Doch Watzke vertritt nicht zum ersten Mal eine rein betriebswirtschaftlich geprägte Auffassung des Sports, die auf dem Recht des Stärkeren, dem Recht des Erfolgreichen basiert – und sich damit gerade doch an die beim Kontrahenten im Süden verbreiteten Denkmuster anlehnt.

Weil er in Leipzig ein so großes Potenzial an Fans, Stadiongängern und “Sky”-Kunden ausmacht, geht er in seinen jüngsten Äußerungen über die keineswegs demokratischen Strukturen des Klubs hinweg. RB verlangte bisher bekanntlich horrende Mitgliedsbeiträge, um eine Mitbestimmung durch dem Imperium nicht ergebene Personen auszuschließen. Bei der DFL muss der Werksverein, den es eigentlich nicht mehr hätte geben dürfen, noch ein Konzept vorlegen, wie an diesem Punkt nachgebessert werden kann. Von weichen Werten und Wettbewerbsverzerrung braucht man da eigentlich gar nicht mehr anzufangen.

Doch Hans-Joachim Watzke scheint mal wieder nur die Euro-Zeichen zu sehen. So war es auch bei dem von ihm selbst im FAZ-Artikel noch mal erwähnten Vorschlag, bei der Verteilung der Fernsehgelder Faktoren wie Tradition und Zuschaueraufkommen zu berücksichtigen – “Any Given Weekend” kommentierte das bereits 2009. Dass er mit dem populistischen Vorschlag nicht nur die einstmals ungeliebten Hoffenheimer und Wolfsburger, sondern auch Klubs wie Paderborn und Augsburg träfe, die gerade aus eigener Kraft ihren sportlichen Traum leben und versuchen, möglichst lange nicht aufzuwachen, ist ihm scheinbar egal. Seine ohnehin kaum umsetzbare Idee – wie misst man Tradition, wenn selbst die TSG Hoffenheim angeblich 115 Jahre alt ist? – würde auch Vereine aus dünner besiedelten Regionen benachteiligen.

Nein, Aki, bei dieser rein profitorientierten Haltung, die wesentliche Werte außer Acht lässt, kann ich nicht mit. Die Aussagen über RB Leipzig dürften für viele Fußballfans – auch und gerade von Ost-Traditionsvereinen – wie Hohn klingen. Was uns in der neuen Brause-Welt noch alles blühen könnte, ist doch gar nicht so schwer auszumalen: Was passiert eigentlich, wenn eines (hoffentlich fernen) Tages RB Leipzig und RB Salzburg in eine Champions League-Gruppe gelost werden und einer der beiden Klubs noch ein bestimmtes Ergebnis braucht?

Der extrafrühe Fehlstart

1. Bundesliga, 1. Spieltag / BVB 0 Bayer Leverkusen 2

Das kann ja nur eine sehr erfolgreiche Saison werden: Borussia Dortmund verliert am ersten Spieltag zu Hause 0:2 gegen Leverkusen. Wie 2010. Und die Parallelen gehen noch weiter: Am Freitag zuvor gewann vor vier Jahren Bayern München 2:1 gegen den VfL Wolfsburg. Erstaunlich. Wäre ich doch abergläubisch.

Da ich nun aber eben nicht der Typ bin, der allzu viel auf historische Statistiken gibt oder allzu intensiv über das nächste Frühjahr spekuliert, hatte ich keinen großen Spaß am gestrigen Spiel. Dass Leverkusen der derzeit schwierigste Gegner sein könnte, war zu erwarten. Dass die Gäste gegen uns das früheste Bundesliga-Tor aller Zeiten schießen würden, sicher nicht. Und für ein Gegentor nach neun Sekunden – da hat Jürgen Klopp Recht – gibt es dann auch keine Entschuldigungen wie die Anzahl der Verletzten oder die WM. Es waren auch nicht alle elf Schwarz-Gelbe in gleicher Weise schuld daran. Der Angriff lief über die rechte BVB-Seite – Pizszcek war nicht auf Position, Jojic und Ginter verloren die entscheidenden Zweikämpfe, wogegen Durm nicht mehr viel ausrichten konnte.

Den zunächst tatsächlich sehr früh störenden Leverkusenern spielte das natürlich in die Karten. Ein eingespieltes Team hat bei einer frühen Führung natürlich leichteres Spiel. Auch wenn es ein bisschen verpönt ist, will ich mal den Konjunktiv bemühen: Hätte das 0:0 länger gehalten, hätten sich die elf Schwarz-Gelben in das Spiel hineinfinden können. Es wurde ja deutlich besser in der zweiten Hälfte, zumindest was die Spielkontrolle angeht. Sebastian Kehl, der in den ersten 45 Minuten im Mittelfeld komplett die Bindung fehlte, steigerte sich. Und inspiriert vom bärenstarken Sokratis, mit Abstand bester Dortmunder, hielt auch die Abwehr bis in die Nachspielzeit dicht.

Auf der Gegenseite machten es jedoch die Leverkusener ebenfalls gut und beschränkten die Schwarz-Gelben auf nur wenige herausgespielte Chancen. Andererseits hätte Schiedsrichter Aytekin durchaus mehrmals taktische Fouls der Gäste mit Gelb ahnden können. Ganz sauber brachten sie den Sieg nicht über die Runden. Unverständlich war beispielsweise, dass Stefan Kießling das Spiel ohne gelbe Karte beendete.

Was waren die Problemzonen beim BVB? Das kreative Moment blieb arg an Henrikh Mkhitaryan hängen, da Marco Reus noch nicht in Topform ist und Milos Jojic nach passabler erster Hälfte abbaute und gelbverwarnt war. Es gab in der zweiten Halbzeit einige ansehnliche Kombinationen, aber gefährlich sah das nur aus, wenn der Ball rechts raus gespielt wurde und Aubameyang den Turbo zündete. Leider mangelte es seinen Pässen und Flanken wie gewohnt an Präzision. Beide Außenverteidiger wirkten außerdem defensiv anfällig. Während Durm immer wieder vorne in Strafraumnähe auftauchte, spielte er auch den katastrophalsten Fehlpass der Partie und ließ sich den Ball vor dem 0:2 abnehmen – allerdings durch einen sehr robusten Einsatz von Bellarabi.

Ein Stürmer wie Ciro Immobile hat es natürlich schwer, wenn die Flanken und die Pässe in die Füße nicht ankommen. Wir kommen allerdings nicht drum herum, ihm auch zu attestieren, dass er mit dem Ball am Fuß gestern meistens die falschen, nämlich eigensinnigen, Entscheidungen traf und sich nicht gegen die starken Innenverteidiger Toprak und vor allem Spahic durchsetzen konnte. Ein Grund zur Sorge? Sicher nicht beim BVB, nach einem Spiel.

Schauen wir nicht ans Ende der Saison, sondern auf nächsten Freitag. Dann geht’s nach Augsburg, zum ‘Kellerduell’ gegen die sehr bescheiden gestarteten Schwaben. In der Kneipe kann man mit einem Freitagabendspiel sehr gut leben und ohne Zweifel wird Jürgen Klopp das gestrige Auftaktspiel mit seinen Jungs noch mal sehr genau durchgehen. Und auch das Los für die zweite Pokalrunde hat doch Spaß gemacht: Da geht es für den BVB ans Millerntor zum FC St. Pauli.

Die Aufstellung: Langerak – Piszczek, Sokratis, Ginter, Durm – Kehl – Jojic (75. Großkreutz), Mkhitaryan – Reus (75. Hofmann) – Aubameyang, Immobile. Gelbe Karte: Jojic

Zahlen und (kaputte) Beine

Die Bücher stimmen: Rechtzeitig vor dem Bundesliga-Auftakt hat Borussia Dortmund bekanntgegeben, dass die KgaA wie berichtet eine weitere Kapitalerhöhung durchführt und neben Evonik auch Signal Iduna und Puma als Großaktionäre einsteigen. Der BVB könnte damit nochmals gut 114 Millionen Euro erlösen. Das Geld soll für die Rückführung der übrig gebliebenen Verbindlichkeiten und als Liquiditätsreserve genutzt werden. Ab 2018 will Hans-Joachim Watzke auch deutlich mehr in das Budget der Mannschaft investieren. Nicht explizit eingegangen wurde auf die Möglichkeit, schon zuvor Marco Reus und Mats Hummels mit großzügigen Angeboten langfristig an den Verein zu binden.

Heute schreiben wir jedoch den 22. August 2014. Es ist der Tag, an dem Meister Bayern München die neue Bundesliga-Saison eröffnet. Der Tag vor dem ersten Topspiel zwischen der Borussia und Bayer Leverkusen. Reus und Hummels sind noch da, aber eine lange Verletztenliste, die jene des FCB noch übertrifft, beutelt Jürgen Klopp und das Team. Am Dienstag holten sich die Schwarz-Gelben das Verletzten-Triple. Zumindest wurde an diesem Tag bekannt, dass der formstarke Oliver Kirch zwei Monate, Ji Dong-Won sechs Wochen und Adrian Ramos zumindest für die Partie am Samstag ausfällt. Eine Reihe von Spielern wird derzeit langsam an das Mannschaftstraining herangeführt, darunter Gündogan, Sahin, Kuba und Hummels.

Noch hat Trainer Klopp kompetenten Ersatz im Kader, doch die Variationsmöglichkeiten gegen einen sehr starken Kontrahenten wie Leverkusen werden geringer. Unsicher ist derzeit, ob Roman Weidenfeller anstelle von Mitch Langerak schon morgen ins Tor zurückkehrt. In der Abwehr spricht einiges für Sokratis und Ginter innen sowie Piszczek und Durm außen. Sven Bender dürfte im defensiven Mittelfeld den Vorzug vor Kehl kriegen und an der Seite von Milos Jojic stehen. Noch etwas sicherer sollte die Offensive aus Aubameyang, Reus, Mkhitaryan und Immobile bestehen, in welcher Formation auch immer.

Der Gegner hat in Roger Schmidt einen neuen Trainer, der sich bisher in Parderborn und beim Plastikklub aus Salzburg empfohlen hat. Dazu kommt in Hakan Calhanoglu noch ein umstrittener neuer Star. Dennoch ist nicht abzustreiten, dass die Werkself eine kompetente Führung hat, die auch in diesem Jahr wieder eine originelle Transferpolitik betreibt. Der junge Kroate Tin Jedvai und der Ex-Braunschweiger Bellarabi haben in der Champions League-Quali schon angedeutet, dass sie etwas drauf haben. Außerdem steht weiterhin Dortmund-Schreck Son Heung-Min im Aufgebot und Nicht-WM-Fahrer Stefan Kießling ist schon in beängstigender Frühform.

Ob der Kader der Gäste am Ende der Spielzeit reicht, um wirklich die Top 3 anzugreifen, ist wieder eine andere Frage. Es gab ja auch prominente Abgänge wie Sidney Sam und Emre Can. Doch derzeit sind die Leverkusener womöglich der härtestmögliche Gegner – wenn man sich die Ausfall-Liste bei den drei Topklubs der letzten Saison anschaut. Bei der Werkself könnten sogar die einzigen zuletzt Angeschlagenen, Lars Bender und Neuzugang Papadopoulos, zum Kader für das Westfalenstadion gehören. Da wird es Roger Schmidt kaum stören, dass seine Jungs schon am Dienstag in Kopenhagen ran mussten – und am Mittwoch das Rückspiel austragen. Sollte der BVB diesen Kracher siegreich bestreiten, wäre das ein echtes Ausrufezeichen. Auf ein Neues, schwarz-gelbe Jungs!

Hinten wackelts, vorne krachts

DFB-Pokal, 1. Runde / Stuttgarter Kickers 1 BVB 4

Borussia Dortmund hat sich standesgemäß in die zweite Pokalrunde geschossen, auch wenn das Ergebnis nicht die ganze Geschichte der Partie im Gottlieb-Daimler-Stadion erzählt. Die Schwarz-Gelben setzten sich vor allem wegen ihrer deutlich effizienteren Offensivabteilung durch, während die Abwehrreihen beider Klubs häufig wackelten.

Natürlich hatten der Stuttgarter Trainer Horst Steffen und seine Schützlinge ihre Hausaufgaben gemacht und nahmen außerdem noch Selbstvertrauen aus der Liga mit. Pressing ist als probates Mittel gegen den BVB bekannt, erfordert jedoch hohe Konzentration. Den Kickers gelang das zunächst sehr ordentlich; sie ließen bis auf eine Szene, als Jojic zentral im Strafraum frei stand, kaum etwas zu, so dass sich eine halbe Stunde lang in Tornähe wenig tat. Marco Reus stand überraschend bereits wieder in der Startformation. Der ideelle Wert seiner Rückkehr schien aber fast größer als der sportliche. Wie zunächst auch viele seiner Kollegen hatte der stellvertretende Kapitän kein glückliches Füßchen beim letzten Pass in die Spitze.

Deshalb musste es wohl ein präziser langer Pass sein, der das erste Tor vorbereitete. Oliver Kirch, zu diesem Zeitpunkt der Saison absolut verdient in der Startelf, schlug ihn aus der eigenen Hälfte auf Lukasz Piszczek auf dem rechten Flügel, der bei seiner Flanke das richtige Auge für den nachrückenden Henrikh Mkhitaryan hatte. Piszczu sollte später noch das dritte Tor vorbereiten, doch darf auch nicht verschwiegen werden, dass er defensiv einige Male ausgespielt wurde und ihm manches zu schnell zu gehen schien. Jürgen Klopp hatte die Viererkette auf zwei Positionen verändert, Subotic für Ginter und Durm für den verletzten Schmelzer gebracht. Richtig überzeugen konnte gestern jedoch keiner der vier. Neven merkte man die fehlende Spielpraxis an; Sokratis war bis auf seinen schlampigen Fehlpass, der in der Folge fast zu einem Tor durch Soriano geführt hätte, der stärkere Innenverteidiger. Erik Durm spielte unauffällig, aber nicht immer sicher im Positionsspiel.

Kurz vor und kurz nach der Pause hatten die Kickers mehrere gute Szenen, scheiterten aber an Langerak oder verzogen. Das ist dann halt der Unterschied: Pierre-Emerick Aubameyang, den manche schon aus Dortmund wegschreiben wollten, zeigte sich wieder sehr gut aufgelegt und nutzte einen zu schwachen Rückpass von Fennell, um den Torwart zu umspielen und auf 2:0 zu erhöhen. Schon zuvor war ein weiterer Schuss von ihm gerade noch von einem Abwehrspieler geklärt worden. Die Kickers nutzten zwar eine weitere Unentschlossenheit in der Dortmunder Abwehr zum Anschlusstreffer, der aber wegen Abseitsstellung nicht hätte zählen dürfen. Andererseits konnten sich die Gastgeber über ein nicht mit Gelb-Rot geahndetes Handspiel von Mkhitaryan ärgern, dessen erste Verwarnung aber fragwürdig war.

Nach Aubameyangs straightem 3:1 nach erneuter Piszczek-Flanke war es schön, noch einen der neuen Stürmer treffen zu sehen. Wieder war ‘die Spinne’ beteiligt: Pierre-Emericks Pass setzte Adrian Ramos ein, der von links präzise ins lange Eck abschloss. Schön zu sehen, dass gestern Aubas Zuspiele vermehrt ankamen.

Nach dem verdienten Erfolg gegen einen starken Drittligisten sehen wir jetzt natürlich gespannt dem Bundesliga-Auftaktkracher gegen Leverkusen entgegen. Vor allem an der Viererkette muss Jürgen Klopp tüfteln. Während sich die Außenverteidiger beinahe von selbst aufstellen, ist innen fast alles offen. Nur an einen Einsatz von Neven von Beginn an glaube ich derzeit nicht. Die Auslosung der zweiten Pokalrunde erfolgt übrigens nach dem Topspiel am Samstag live auf Sky.

Die Aufstellung: Langerak – Piszczek, Subotic, Sokratis, Durm – Kirch – Jojic, Mkhitaryan – Reus – Ramos, Aubameyang. Gelbe Karten: Mkhitaryan, Ramos. Tore: Mkhitaryan, Aubameyang (2), Ramos

Kickers gefährlicher als Bayern?

Werden die Stuttgarter Kickers, am Samstagnachmittag Pokalgegner des BVB, mehr Schüsse aufs Tor der Schwarz-Gelben abfeuern als der deutsche Rekordmeister vorgestern? Vorstellbar wäre es, eigentlich ist es sogar wahrscheinlich. Die Unterschiede zwischen Supercup und DFB-Pokal, zwischen relativer Gleichgültigkeit bei den Einen und Höhepunkt für die Anderen, sind offensichtlich. Nichts wäre fahrlässiger, als nach dem Gewinn des Supercups einen Drittligisten zu unterschätzen. Aber vielleicht bekommt jetzt die Pleite von Liverpool doch noch einen Sinn.

Der Drittligist aus Stuttgart, der wegen Umbauarbeiten nicht ins eigene Stadion auf der Waldau, sondern ins Daimlerstadion des Lokalrivalen VfB lädt, hat einen richtig ordentlichen Saisonstart hingelegt. Die Kickers stehen mit sieben Punkten aus vier Spielen unmittelbar hinter der U23 der Borussia, getrennt nur durch das Torverhältnis. Nur am ersten Spieltag gab es eine Niederlage gegen den derzeitigen Tabellendritten SV Wehen-Wiesbaden. Aktuelle, aus dieser Saison stammende Verletzungen gibt es nicht.

Der BVB wird es mit einer Mannschaft zu tun kriegen, die bereits im Wettbewerbsmodus ist. Gegen die Bayern hat er gezeigt, dass er es auch schon kann. Dennoch: Als gefestigt und eingespielt kann man das neue Mannschaftsgefüge und die Taktik noch nicht bezeichnen. Wie das Team mit Rückschlägen umgeht, bleibt vorerst offen. Liverpool wollen wir da mal nicht hervorholen.

Allerdings: Mit der zunehmenden Kaderdichte, auf die Jürgen Klopp zurückgreifen kann, lässt sich auf vieles reagieren. Roman Weidenfeller sollte am Samstag mindestens auf der Bank sitzen. Ob Hummels, Reus und Kuba schon dort Platz nehmen, bleibt abzuwarten. Neven Subotic könnte eine Bewährungsprobe bekommen. In der Offensive und der Zentrale wird es für die Spieler darum gehen, sich für den Ligastart zu positionieren. Allzu viel Grund für Pessimismus besteht also nicht.

Zur Kritik am Supercup

Eins mal vorweg: Klar soll mit dem DFL-Supercup Geld verdient werden. Wie mit jedem anderen Profi-Fußballspiel. Und man kann über die in diesem Jahr unglücklich frühe Terminierung streiten. Aber zwei Argumente gegen den ‘Wettbewerb’, die in den letzten Tagen häufig zu hören und lesen waren, sind für mich absolut nicht nachvollziehbar.

1. Von manchen Fans ist zu hören, der Supercup habe keine Tradition. Diese Kritik wird dann häufig mit dem Geld-Argument verbunden. Zugegeben, DFL und DFB haben in den letzten Jahrzehnten viel an diesem Wettbewerb herumgedoktert. Der Modus wurde mehrmals verändert, zwischendurch der Cup ganz abgeschafft. Natürlich ging es gerade beim Versuch, die Zahl der Spiele zu erhöhen, um Profitmaximierung. Aber in seiner jetzigen Form kann man dem Cup international gesehen Tradition nicht absprechen. Es gibt das Duell Meister gegen Pokalsieger vor der Saison in vielen Ländern, von England bis Spanien. Und die Wurzeln der ganzen Supercups reichen durchaus schon einige Jährchen zurück.

2. Ziemlich hanebüchen ist das Argument, der BVB habe als zweifacher Vize ja gar nicht verdient gehabt, den Supercup zu spielen. Kann man einen Wettbewerb, den man pushen und ernsthaft betreiben will, denn einfach absagen, wenn ein Verein das Double gewinnt? Wie gesagt, ziemlicher Blödsinn! Nicht zu vergessen: In der Liga und im Pokal unterlegene Vereine können auch in die Europa League nachrücken, wenn die erfolgreicheren Klubs Champions League spielen – darüber hat sich noch niemand aufgeregt.

Trotzdem Super

Supercup / BVB 2 Bayern München 0

Is’ ja nur Supercup… aber trotzdem schön, ihn zu haben! Mit einer deutlichen Leistungssteigerung wichtiger Akteure gegenüber dem Liverpool-Spiel und dank des Spieler-Roulettes von Pep Guardiola hat sich Borussia Dortmund die erste Trophäe der Saison gesichert. Nicht zu vergessen: die Arbeit von Jürgen Klopp, der den schwarz-gelben Jungs viel taktische Flexibilität verordnet hatte.

Gerade in der Offensive wurde innerhalb des Spiels immer wieder rotiert: So fanden sich mal Hofmann, mal Mkhitaryan in der zentralen Position wieder – und der starke Aubameyang wich immer wieder mal auf die Flügel aus. Bayern gewann die Ballbesitz-Wertung der ersten Halbzeit, aber kriegte nur einen Schuss von Shaqiri aufs Tor. Vor allem die schwarz-gelbe Innenverteidigung zeigte sich stark verbessert gegenüber dem Auftritt an der Anfield Road – Sokratis ohnehin, Neuling Ginter nach einem Flüchtigkeitsfehler ebenfalls.

Pep Guardiola hatte eine gewagte Mittelfeld-Formation gewählt: Vor einer nominellen Dreier-Abwehr spielten die Nachwuchskräfte Hojberg und Gaudino neben den Neuzugängen Rode und Bernat. Dortmund hatte im Zentrum in entscheidenden Situationen Vorteile. Der Spielaufbau lief flüssiger, auch weil Kirch und vor allem Mkhitaryan mehr Platz hatten – und der Armenier richtig viel draus machte. In der 23. Minute zog “Miki” an, gab zu Aubameyang weiter, dessen unfreiwilligen Abpraller er dann wuchtig versenkte. Der Junge kann so viel und ich bin ziemlich sicher, dass er in dieser Saison noch mehr davon zeigen wird.

Nach dem Dortmunder Führungstreffer verschob sich das spielerische Moment endgültig zugunsten des BVB – und dabei sollte es bleiben. Guardiola musste nach einer guten halben Stunde Martinez mit Verdacht auf eine Knieverletzung ersetzen, doch auch die nicht erzwungenen Wechsel – Lahm und Götze kamen für Müller und Höjberg – änderten nichts an der Richtung, in die das Spiel lief. Lewandowski konnte sich nur einmal kurz nach der Pause nachhaltig in Szene setzen, doch Keeper Mitch Langerak bestätigte in dieser Szene seine blitzsaubere Leistung. Mehr zu tun hatte freilich Manuel Neuer – x Bälle wehrte er mit zwei Fäusten ab. Ein etwas platzierterer Abschluss und die Partie hätte früher entschieden sein können.

Das folgerichtige 2:0 durch Pierre-Emerick Aubameyangs Kopfball fiel nach einem Doppelpass mit dem ebenfalls verbesserten Lukasz Piszczek. Da dachte man gerade, Auba sei seriös geworden mit seiner braven Frisur, da holt unsere Nummer 17 eine Spiderman-Maske aus dem Stutzen und setzt sie auf. Manche mögen das albern finden, ich fands gerade in diesem Spiel richtig cool – ein bisschen Spaß muss sein.

Was in Hälfte 2 noch auffiel: Eric Durm durfte für Marcel Schmelzer ran, der bei der Martinez-Verletzung vom Spanier am Arm getroffen worden war. Und mit ihm kam einfach deutlich mehr Schwung auf die linke Seite – eine Tatsache, die irgendwann auch mal Jürgen Klopp zu denken geben muss. Ciro Immobile war noch etwas zu eigensinnig – einige seiner Schüsse waren ordentliche Torannäherungen, jedoch in Szenen, wo der italienische Neuzugang mit einem Abspiel für noch mehr Gefahr hätte sorgen können.

Und dann war da die hässliche Bayern-Verlierer-Fratze in Form des frustrierten Jerome Boateng, der Oliver Kirch an der Seitenlinie übel umsenste und dafür mit Gelb zu gut bedient war. Ist aber auch hart, wenn man gegen den Konkurrenten eine Torschussbilanz von rund 3:21 aufweist.

Muss man jetzt noch mal erwähnen, dass diese Bayern nicht die Bayern der nächsten Monate sein werden? Wir bleiben lieber bei Schwarz-Gelb: Da haben Spieler und Trainer heute erneut bewiesen, wie lernfähig sie sind. Wir haben den Supercup und auf einmal auch keine Angst mehr vor Leverkusen!

Die Aufstellung: Langerak – Piszczek, Sokratis, Ginter, Schmelzer (46. Durm) – Kehl, Kirch (85. Bender), Mkhitaryan, Hofmann – Aubameyang (63. Ramos), Immobile. Tore: Mkhitaryan, Aubameyang

Endlich Klarheit: Watzke wechselt nicht zum FC Bayern

Kurz vor dem Supercup wurden Fakten geschaffen: Der Transfer von BVB-Geschäftsführer Hans-Joachim Watzke zu Bayern München ist geplatzt; stattdessen verlängert der 55-jährige seinen Vertrag in Dortmund bis 2019. Bisher ungehörten Gerüchten zufolge hatten in den letzten Monaten interessierte Kreise in München an einer Verpflichtung des auch ehrfurchtsvoll “Häuptling Scharfe Zunge” genannten Watzke zur kommenden Saison gearbeitet. Demnach sollte Scharfe Zunge als Nachfolger des Vorstandsvorsitzenden Karl-Heinz Rummenigge installiert werden, der dem Bayern-Umfeld in den letzten Jahren zu viel herumlaviert hatte.

So hatte der in der bayerischen Hauptstadt oft abschätzig nur noch als “KHR” bezeichnete Rummenigge im Herbst 2012 den Zweikampf mit Borussia Dortmund begrüßt und beteuert, keinen Spieler nur deshalb zu kaufen, um die Konkurrenz zu schwächen. Diese unbedachten Äußerungen waren in der Folgezeit in einen offensichtlichen Widerspruch zur Transferpolitik des Rekordmeisters geraten. Das Umfeld hatte sich dagegen mehr klare Kante und “Miasanmia” gewünscht.

Doch Hans-Joachim Watzke wird seine klaren Ansagen und seine erfolgreiche Entwicklungspolitik nun an der Seite von Michael Zorc und Jürgen Klopp weiter in den Dienst seines schwarz-gelben Herzensvereins stellen. Aus Respekt vor dem angeschlagenen Rummenigge hat er die Teilnahme an einem gemeinsamen Essen vor dem Supercup am Mittwoch abgesagt.

Während die sportlichen Vorzeichen vor dem Duell im Westfalenstadion nach der Pleite von Liverpool alles andere als günstig für den BVB stehen, machte zumindest der Blick auf den Trainingsplatz gestern Mut: Der neue Kapitän Mats Hummels und sein Stellvertreter Marco Reus konnten die komplette Einheit mit der Mannschaft absolvieren. Ein Comeback schon morgen ist zwar sehr unwahrscheinlich; in weiter Ferne dürfte es aber für beide Spieler nicht mehr liegen.

Beim FC Bayern werden Rafinha mit Außenbandriss im Sprunggelenk und Franck Ribery mit Patellasehnen-Problemen fehlen. Dennoch lässt die Frühform des bei den Münchenern in wenigen Wochen zum weltbesten Stürmer gereiften Robert Lewandowski nichts Gutes erahnen. Ein verzwickter Fall für unseren Sherklopp.