1. Bundesliga, 21. Spieltag / BVB 2 Eintracht Frankfurt 3

Jürgen Klopps Bastelstunde.

Die Aufstellung: Ziegler – Schmelzer (88. Santana), Hummels, Subotic, Owomoyela – Sahin, Großkreutz – Valdez (77. Dede), Zidan, Le Tallec (77. Götze) – Barrios. Tore: Hummels, Barrios.

Eine 2:3-Heimniederlage gegen Frankfurt ist das, was nicht unbedingt passieren sollte, wenn man in den Europapokal will. Im Duell zweier ersatzgeschwächter Mannschaften machte die Eintracht zwar nicht das Spiel, aber vieles richtig, zeigte gepflegten und effizienten Konterfußball. Ein großes Manko bei Schwarz-Gelb war das Fehlen aller echten defensiven Mittelfeldspieler: Nach Kehl und Tinga musste auch Sven Bender passen. Jürgen Klopp berief stattdessen Kevin Großkreutz auf die zweite zentral-defensive Position neben Nuri Sahin. Kevin hatte diese Rolle in einem Testspiel vor der Rückrunde einmal inne – dass diese ‘Übung’ nicht reichte, stellte sich gegen Frankfurt heraus. Im nachhinein ist man klüger: Womöglich wäre es mit der ungeliebten Variante, Hummels ins Mittelfeld zu stellen, besser gelaufen. Eine Systemumstellung auf 4-4-2 Raute wäre ebenfalls möglich gewesen, aber auch dann hätte uns ein echter ‘6er’ gefehlt.

Für die Gegentore war allerdings eine schwache Leistung der Abwehr-Viererkette viel entscheidender. Beim 0:1 waren es vor allem die Innenverteidiger, die bei der Flanke zu weit weg vom Kopfballschützen Köhler standen. Das 2:2 war noch der unglücklichste Treffer: Owomoyela klärte nach einer Ecke per Kopfball vor die Füße des frei stehenden Jung, der zieht aus über 20 Metern ab, der Ball wird von Sahin ins Tor abgefälscht. Und beim 2:3 lässt sich die Viererkette durch einen hohen Ball aus dem Mittelfeld überrumpeln, Owo kann Meier nicht am Abschluss hindern, der Frankfurter lupft die Kugel über Ziegler ins Tor. Der Sky-Kommentator sah unseren Torwart ziemlich kritisch – dieser Meinung kann ich mich nicht anschließen. Viel hätte Ziegler nicht anders machen können. Der erste Treffer war sehr platziert, der dritte im richtigen Moment abgeschlossen. Weiterlesen

Der Quantensprung

Das neue Mitgliedermagazin

Endlich kann ich mir meine eigene Meinung bilden. Die erste Ausgabe des neuen Mitgliedermagazins von Borussia Dortmund, erschienen vor dem Heimspiel gegen den HSV, war mir nicht zugestellt worden. Der Verein hat sich wie berichtet dafür entschieden, zwei (etwas) unterschiedliche Hefte herauszubringen: Eine klassische Stadionzeitung, die ich noch nicht gesehen habe, die angeblich vor allem Features zu Spielern und Informationen zum jeweiligen Spiel enthalten soll. Und eben das Mitgliedermagazin, das zusätzliche Informationen über Vereinsbelange, wie etwa die anderen sportlichen Abteilungen, liefert.

Meine Sorge als Bezieher des Mitgliedermagazins war, dass ich deswegen auf einige der Features aus dem Stadionheft verzichten müsste. Ob das der Fall ist, weiß ich immer noch nicht, aber “Borussia” ist in mehrerer Hinsicht ein Quantensprung. Grafik und Layout unterscheiden sich vom auf Zeitungspapier gedruckten Vorgänger wie Tag und Nacht. Das neue Heft sieht modern aus (inklusive Typografie), es dominieren die Farben schwarz und gelb und viele Fotos sorgen für Abwechslung.

In diesem Fall ist das schon die halbe Miete, denn wer jahrelang “Borussia Aktuell” auf Zeitungspapier gelesen hat, der freut sich schon über frische Farben und die gute ‘Haptik’. Natürlich will ich aber den Inhalt ebenfalls kritisch würdigen. Auch da hat sich etwas getan. Es gibt offensichtlich weniger Content, den man schon von der Homepage kennt. Geblieben ist das große Spielerfeature, diesmal mit Ersatztorwart Marc Ziegler. Kein weltbewegender, aber ein für Fans interessanter Text. Es gibt mehrere nette neue Rubriken: Ein Q&A mit Marcel Schmelzer, eine Kolumne von Fernseh-Kommentator Hansi Küpper und “Spieler mal anders” – darin stellt Tamas Hajnal seinen Heimatort in Ungarn vor. Auffällig am Artikel über Mohamed Zidans Triumph beim Afrika-Cup ist, dass seine martialischsten Äußerungen vor dem Halbfinale gegen Algerien nicht vorkommen.

Erweitert und dadurch besser wurde die Berichterstattung über den kommenden Gegner, in dieser Woche bekanntlich Eintracht Frankfurt. Weitaus ausführlicher als bisher wird über die Zweite Mannschaft, den Nachwuchs und die anderen sportlichen Abteilungen berichtet. Auch die Fanseiten haben von der Neugestaltung profitiert. Die Vereinstradition wird unter anderem mit der Rubrik “Wo ist eigentlich…” gewürdigt. Sehr gut gefallen hat mir “Auf ein Pils mit…” – in dieser Ausgabe ist der Gesprächspartner Schauspieler Joachim Krol, BVB-Fan und aktuell als Kriminalkommissar in der guten Ruhrgebiets-Krimiserie “Lutter” (ZDF) tätig.

Mein Fazit: “Borussia” ist ein Riesenfortschritt, es liest sich wirklich gut und im Gegensatz zum Vorgänger ist es mehr als bloße Pflichtlektüre. Wirklich kritischen Journalismus kann man von einem Mitgliedermagazin nicht wirklich erwarten – immerhin gibt es die Fanseiten. Bleibt die Frage nach dem Unterschied zum Stadionheft. Ein, zwei Artikel mehr über die erste Mannschaft könnte “Borussia” noch vertragen.

Ärzteduell

Bis zum Anstoß der Partie Borussia Dortmund v Eintracht Frankfurt am Sonntag um 17:30 Uhr werden die Mediziner beider Seiten im Mittelpunkt stehen. Sowohl Westfalen als auch Hessen haben neben einer Reihe von sicheren Ausfällen einige angeschlagene Spieler zu beklagen. Beim BVB kann man seit gestern wieder etwas klarer sehen: Felipe Santana und glücklicherweise auch Lucas Barrios werden trotz Problemen unter der Woche dabei sein. Wichtig wäre die Rückkehr eines ausreichend fitten Sven Bender – hier gibt es die größten Fragezeichen und Arbeit für die Ärzte. Mit Kuba ist wegen einer Adduktorenzerrung wohl nicht zu rechnen.

Ziemlich eindeutig waren gestern Klopps Aussagen zu zwei Spielern, die gesund sind und beide spielen wollen. Das Problem: Im aktuellen System haben sie dieselbe Position inne. Mohamed Zidan “sprühte bei seiner Rückkehr zum BVB im Training kerngesund vor Tatendrang”, schreiben die “RN”. Ich sehe auch keinen Grund, warum der Ägypter nach dem Gewinn des Afrika-Cups morgen nicht spielen sollte. Und da Barrios fit ist, wird Zidan wieder die “10″ übernehmen. Tamas Hajnal fehlt dagegen laut Klopp noch die “Wettkampfhärte”. Die nächsten Wochen werden zeigen, ob und wie Klopp den Regisseur wieder in die Startelf einbaut – morgen soll er im Lauf des Spiels eingewechselt werden.

Bei der Eintracht ist die Verletztenliste – fast schon traditionell – noch länger. Es fehlen unter anderem der amerikanische Neuzugang Ricardo Clark, mit Amanatidis und Fenin zwei Stürmer, Vasoski, Korkmaz… und das ist nur ein Auszug. Blog-G vermutet, dass die Gäste mit einem massierten Mittelfeld antreten werden, einem 4-1-4-1, das natürlich nur auf dem Papier offensiver ausgerichtet ist als unser 4-2-3-1. Die einzige Spitze dürfte Halil Altintop sein, der nun endlich wieder spielen und ein schöneres Trikot tragen darf. Fünfer-Mittelfeld gegen Fünfer-Mittelfeld – nicht schwer auszurechnen, wo sich das Spiel entscheiden wird.

Die Eintracht bemüht sich unter Michael Skibbe um etwas mehr Spielkultur. Dabei sind sie ein bisschen weiter gekommen, aber noch nicht so weit, wie es der Trainer gerne hätte. Skibbe hat wiederholt eine ambitioniertere (=teurere) Transferpolitik gefordert und wurde mehrmals vom Vorstandsvorsitzenden Heribert Bruchhagen zurechtgewiesen. Die öffentlichkeitswirksame Aussöhnung gab es vor Beginn der Rückrunde auf einer Pressekonferenz.

Ob sich Skibbe in sein ‘Schicksal’ fügt und zumindest in dieser Saison den Spielstil an die personellen Gegebenheiten anpasst? Schlecht steht die Eintracht nun wirklich nicht da – das hat aber auch mit der Schwäche von stärker besetzten Mannschaften wie Bremen, Wolfsburg und Hoffenheim zu tun. Ein Selbstläufer wie manchmal in der Vergangenheit wird das morgen nicht – drei Punkte müssen trotzdem her.

Ein leiser Abschied?

Tinga hat sich in Brasilien an den Adduktoren-Ansätzen operieren lassen und wird dem BVB sechs bis acht Wochen fehlen. Die Meldung vom Montag hört sich so weit wie eine Routinenachricht über einen schon länger verletzten Fußballspieler an. In dem Artikel wird jedoch auch kurz erwähnt, was für den 32-jährigen Brasilianer auf dem Spiel steht. Tingas Vertrag läuft im Sommer aus und nachdem Jürgen Klopp in seiner Abwesenheit ein junges, effektives Mittelfeld zusammengebaut hat, standen seine Chancen auf eine Vertragsverlängerung ohnehin nicht gut. Nun wird Tinga frühestens in der Schlussphase der Saison wieder ins Geschehen eingreifen können – dann, wenn in der Regel die Kaderplanungen eines vorausschauenden Vereins schon im fortgeschrittenem Stadium sind.

Der Name “Tinga” steht für die Post-Krisenzeit bei der Borussia. Im Sommer 2006, als der Verein zwar schon wieder in stabiler Lage war, aber eisern sparen musste, kam Tinga für geschätzte drei Millionen Euro von Internacional aus Porto Alegre nach Dortmund. Sein Spielstil passte in die Zeit: Unermüdliche Arbeit, Knochen hinhalten, keinen Zweikampf verloren geben. Bälle im Mittelfeld erobern und sinnvoll weiterverteilen. Der BVB spielte damals nicht schön, aber so lange wie bei Tinga der Einsatz stimmte, konnte man damit leben.

Jürgen Klopp hat in Dortmund wieder attraktiveren Fußball eingeführt und zusammen mit Michael Zorc einige passende Spieler verpflichtet. Zu Beginn der Saison zeigte sich, dass Tinga für dieses Spiel ein Element fehlte: Die Kreativität, öffnende Pässe in die Spitze oder auf die Außen zu spielen. Oder diese Pässe so zu spielen, dass sie auch ankommen. Er wird es daher schwer haben, sich wieder in die Stammelf zurückzuarbeiten.

Bei Wikipedia wird Tinga wie folgt zitiert:

Wenn es gut läuft, bin ich nicht der Beste. Und wenn es Schwierigkeiten gibt, nicht der Schlechteste.

Diese Selbsteinschätzung ist realistisch und ich will ihr nicht widersprechen. Für mich folgt daraus, dass ein Spieler wie Tinga, der im Mittelfeld defensiv oder auf den Halbpositionen einer Raute eingesetzt werden kann, weiterhin ein guter Back-Up für uns wäre. Tinga selbst möchte angeblich gerne in Dortmund bleiben, weil sich seine Familie dort wohlfühlt. Ob es letztlich Sinn machen würde, hängt von der Vertragsgestaltung ab. Wenn Tinga einen stark leistunsbezogenen Vertrag mit in jedem Fall reduzierten Bezügen akzeptieren würde, sollten sich Klopp und Zorc dem nicht von vorneherein verschließen. Wirklich glauben kann ich an eine Verlängerung jedoch nicht mehr.

Der Vier-Monats-Mann

Nicht nur Vereinswechsel von Trainern während der Saison sind in England häufiger als hierzulande. Deutlich öfter wird dort auch mit Leihgeschäften gearbeitet. Ab der Championship (2. Liga) abwärts gilt die Regelung, dass Vereine während zweier ‘Leihperioden’ im Herbst und Februar/März Spieler temporär verpflichten können – außerhalb der allgemeinen Transferperiode. Gerade in den unteren Ligen führt das dazu, dass Spieler manchmal nur ein bis drei Monate bei einem Verein spielen und dann zu ihren eigentlichen Clubs zurückkehren.

Über den Wert solcher kurzzeitigen Leihgeschäfte lässt sich trefflich streiten. Viele der englischen Dritt- und Viertligisten haben keinen Scheich und sind knapp bei Kasse. Fallen dann wichtige Spieler durch Verletzungen aus, sind solche Deals mit Spielern bzw. Vereinen aus Championship und Premier League eine Möglichkeit, eine personelle Durststrecke zu überbrücken. Das Gegenargument liegt auf der Hand: Wird sich der Leihspieler wirklich einen Monat voll mit seinem Kurzzeit-Arbeitgeber identifizieren?

Premier League-Klubs müssen sowohl permanente wie auch temporäre Transfers von vertraglich gebundenen Spielern während des “transfer window” abwickeln, das sich heute um Mitternacht schließt. Auch in der Premier League greifen bevorzugt die finanziell weniger gut ausgestatteten Vereine zum Mittel des Ausleihgeschäfts. Die Bolton Wanderers und ihr neuer Trainer Owen Coyle haben sich am Freitag die Dienste eines interessanten jungen Mannes gesichert: Vom FC Arsenal kommt der 18-jährige Mittelfeldspieler Jack Wilshere – bis zum Ende der Saison im Mai. Wilshere gilt als eines der größten englischen Talente und hat alle Junioren-Nationalmannschaften durchlaufen.

Kreativität im Mittelfeld haben die Trotters nötig, wie sich offensichtlich wieder beim 0:2 an der Anfield Road zeigte. Auch wenn Liverpool nicht der Maßstab sein kann – es mangelt zu oft an zündenden Ideen, Chancen ergeben sich häufig nur aus Einzelaktionen oder langen Bällen in die Spitze. Kann ein junger Arsenal-Spieler, der im ersten Team der Londoner natürlich nur wenig Einsatzzeiten erhält, da Abhilfe schaffen? Solche Geschäfte sind ein Vabanque-Spiel. Hat der Leihspieler ein schnelles Erfolgserlebnis wenn er seine Chance erhält, kann sich auch eine kurzzeitige Ausleihe für beide Seiten lohnen. Allzu viel Geduld kann man im Abstiegskampf natürlich nicht haben. Wilshere scheint für sein Alter jedoch weit zu sein – ihm sind Ruhe und Wettkampfhärte zuzutrauen.

Die gleichen Modalitäten wie für den Wilshere-Transfer gelten auch für die Ausleihe des 20-jährigen slowakischen Flügelspielers Vladimir Weiss von Manchester City. Zu 95% ist im Mai sein Engagement im Reebok Stadium wieder beendet. Fest verpflichtet haben die Wanderers dagegen den amerikanischen Mittelfeldspieler Stuart Holden, der zuletzt in der MLS bei Houston Dynamo spielte – allerdings läuft auch sein Vertrag vorerst nur bis Sommer.

1. Bundesliga, 20. Spieltag / VFB Stuttgart 4 BVB 1

Eins zu was?

Die Aufstellung: Ziegler – Schmelzer, Santana (85. Hajnal), Subotic, Owomoyela – Sahin, Hummels – Großkreutz, Valdez (85. Götze), Kuba (22. Le Tallec) – Barrios. Tor: Barrios.

Die begeisternd aufspielende Borussia ist ein fragiles Gebilde. Nimmt man ein Puzzle-Teil vom Tisch, heute Sven Bender, stimmt das Bild nicht mehr. In der erwarteten Aufstellung mit Sahin und Hummels im defensiven Mittelfeld und Santana in der Innenverteidigung hatten die Schwarz-Gelben Mühe, ins Spiel zu kommen. Trotzdem fällt das nackte Ergebnis um etwa drei Tore zu hoch aus.

Die Umstellungen gingen nicht spurlos an der Mannschaft vorbei. In der Anfangsphase wirkte das Mittelfeld weit weniger präsent als gegen Hamburg und das Stellungsspiel der Viererkette hinten ließ zu wünschen übrig. Leider fiel in dieser Phase das umstrittene 0:1. Nach einer Flanke stochert ein am Boden liegender Stuttgarter, der Ziegler vor den Füßen rumliegt, den Ball zurück zu Pogrebnyak. Umstritten ist vor allem, was folgt. Santana bekommt den Ball an den Oberschenkel, danach nimmt Pogrebnyak den Ball anscheinend mit der Hand mit. Fragwürdige Führung der Gastgeber.

Im Anschluss versuchte der BVB, das Spiel in den Griff zu bekommen, was vorerst nur mäßig gelang. Die Spieler hatten den schönen Fußball der letzten Partien verinnerlicht und spielten viele spekulative Pässe, die einem den Atem geraubt hätten, wenn sie durchgekommen wären. Heute  gingen sie jedoch meist entweder ins Leere oder wurden von der in der ersten Hälfte gut stehenden VFB-Defensive abgefangen. Trotzdem hatte der BVB nach einer halben Stunde das Momentum auf seiner Seite, von den Gastgebern kam wenig. Weiterlesen

Die unheimliche Serie

Als BVB-Fan ist man Siegesserien nicht mehr gewöhnt. Schon zum zweiten Mal in der Ära Klopp könnten die Schwarz-Gelben morgen mit einem Erfolg in Stuttgart den Vereinsrekord von sieben Siegen in Folge einstellen. Und ich frage mich wieder, wie das passieren konnte. Sollte es tatsächlich dazu kommen, wäre es erneut eine ausgesprochen beachtliche Leistung von Mannschaft und Trainerstab. Mit VFB und BVB treffen die beiden Mannschaften der Stunde aufeinander, wenn man die erfolgsverwöhnten Bayern mal außer Acht lässt. Unter dem Schweizer Christian Gross haben sich die Schwaben schnell stabilisiert und streben nun Tabellenregionen entgegen, die ihrem Kader eher angemessen sind. Der VFB ist auch das Team mit den meisten fragwürdigen Nationalspielern, aber das ist ein anderes Thema.

Was uns ein bisschen Sorgen machen muss, ist der Ausfall von Sven Bender, der gemeinsam mit Nuri Sahin das BVB-Mittelfeld vor allem gegen Hamburg zu lange nicht gekannten Höhen geführt hat. Bender litt schon seit Rückrundenbeginn an einer Kapselreizung im Knie – nun hat sich das entzündet und er muss endgültig pausieren. Als wahrscheinlichste Variante, ihn  zu ersetzen, können wir die Rückkehr von Mats Hummels ins defensive Mittelfeld ansehen. Die Vergangenheit hat gezeigt, dass diese Lösung nicht optimal ist, aber immerhin wäre sie schon erprobt. Nicht auszuschließen ist jedoch, dass Klopp einen Überraschungszug macht und einen Spieler abseits seiner eigentlichen Position einsetzt. Als Kandidaten wurden in den letzten Tagen Tamas Hajnal und Kevin Großkreutz genannt. So richtig würde mir das auch nicht schmecken – vielleicht gibt es ja eine Systemumstellung.

Eine ‘Nummer 10′ wird es wohl in jedem Fall geben. Mohamed Zidan hat seinen markigen Worten vor dem Halbfinale des Afrika-Cups Taten folgen lassen und mit einem Tor zum 4:0 Ägyptens gegen Algerien beigetragen. Somit steht er nun im Finale am Sonntag und dem BVB nicht zur Verfügung. Nelson Valdez hat seine Sache auf der Position gegen Hamburg gut gemacht – die klassischere Besetzung wäre allerdings die Rückkehr von Tamas Hajnal, der ein echter Regisseur ist. Ich würde damit jedoch bis zum nächsten Heimspiel warten und dem ‘Kämpfer’ Valdez in Stuttgart eine weitere Chance geben.

Fraglich für morgen ist zudem Kuba – bei der angespannten Personallage wäre ein weiterer Ausfall sehr unangenehm. Beim VFB fällt nur der Ausfall von Abwehrchef Delpierre ins Gewicht. Für ihn wird vermutlich der nun fest vom FC Bayern verpflichtete Georg Niedermeier spielen. Jens Lehmann kehrt ins Tor zurück und wird bei Dortmunder Ecken wieder auf Neven Subotic treffen. Wir können uns auf ein spannendes Spiel und eine harte Prüfung in Stuttgart einstellen. Sollte es zu einem weiteren Auswärtssieg reichen, wäre das wirklich unheimlich – und unheimlich schön.

Owen Coyle’s Superwhite Army

Der Applaus kam bei seinen ehemaligen Bewunderern nicht sonderlich gut an. Als Owen Coyle am Dienstagabend zur Gästetribüne des Reebok Stadium lief, um den Fans des FC Burnley Tribut zu zollen, waren “Judas”-Rufe noch das Harmloseste, was ihm entgegenschallte. Mit Transparenten und Sprechchören hatten die Fans der “Clarets” das ganze Spiel über ihrem Unmut Luft gemacht.

Dass die Stimmung angespannt sein würde, war klar. Coyle war vor kurzem, vor Ablauf seines Vertrages und mitten in der Saison, von Burnley zum Konkurrenten im Abstiegskampf der Premier League, den Bolton Wanderers, gewechselt. Die “Trotters” hatten eine ansehnliche Kompensation gezahlt – trotzdem fühlten sich nicht nur die Burnley-Fans verraten. Vereinspräsident Barry Kilby bezichtigte Coyle, mit dem Wechsel auf der Stelle zu treten und ihn nur des Geldes wegen vollzogen zu haben. Mit Burnley war der schottische Traineraufsteiger 2009 in die Premier League aufgestiegen und hatte mit seinem Team zumindest zu Beginn der Saison einiges Aufsehen erregt. Bis vor der Partie am Dienstag lag Burnley immerhin noch vor dem Tabellenneunzehnten Bolton.

Gegen die Vorwürfe aus den Reihen seines Ex-Arbeitgebers hat sich Coyle zu Recht zur Wehr gesetzt. In Deutschland wäre solch ein vorzeitiger Trainerwechsel während der Saison gewiss ein Affront – in England ist sowas nicht ganz so ungewöhnlich. Coyle wies nach seiner Vorstellung in Bolton darauf hin, dass er im Sommer ein besser dotiertes Angebot von Celtic zugunsten von Burnley abgelehnt hatte. Was ein bezeichnendes Licht auf den schottischen Fußball wirft. In Bolton dagegen hat der Schotte mehrere Jahre erfolgreich gespielt und war beliebt bei den Fans. Die unterstützten ihn auch am Dienstag nicht nur mit dem in der Überschrift zitierten Banner.

Den vermutlich ausschlaggebenden Unterschied zum Abstiegskonkurrenten Burnley räumte Coyle freimütig ein: Bei den Wanderers stimmt die Perspektive. Acht Jahre in der Premier League haben dafür gesorgt, dass der Club eine weitaus bessere Infrastruktur hat: Stadion, Scouting und Jugendakademie liegen deutlich über dem Standard des Neulings. Dass die Wege der beiden Clubs bald wieder auseinanderführen könnten, zeigte sich dann auch am Dienstag. In einer anscheinend eher schwachen Begegnung bezwangen die Trotters die unter dem neuen Trainer Brian Laws noch punktlosen Clarets mit 1:0, den entscheidenden Treffer erzielte Chong-Yong Lee. Einen amüsanten Spielbericht gibt es beim vielleicht besten Bolton-Fanzine, “The Wanderer”. Und auch im Duell der Worte behielt Owen Coyle am Ende mit diesem biblischen Vergleich die Oberhand:

I was God last year and Judas tonight, but if you want to get biblical about it I should be Moses because we led them into the Premier League after so many years in the wilderness. [Quelle: Guardian.co.uk]

Der Mann der vielen Worte

Viel Sonnenschein dieser Tage in Dortmund, zumindest was die Borussia angeht. Gestern wurde bekanntgegeben, dass der Vertrag mit dem “Vorsitzenden der Borussia Dortmund Geschäftsführungs-GmbH”, Hans-Joachim Watzke, vorzeitig bis 2014 verlängert wird.

Langfristige Verträge für Führungspersonal sind zumindest bei einem Fußballverein absolut zu begrüßen – insbesondere wenn man schlicht gute Arbeit gemacht hat wie Watzke. Es war nicht selbstverständlich, dass der BVB die Finanzkrise vor fünf Jahren so gut übersteht. In diesen Wochen ernten wir endgültig die Früchte dessen, was Watzke & Co aussäten. Das, was den Fans damals versprochen wurde – bessere Zeiten – scheint eingetroffen zu sein. Da verzeiht man gerne, wenn “Aki” wieder mal den Lautsprecher einschaltet und schrille Töne verbreitet.

Neues Theme: Monochrome

Als WordPress.com vor wenigen Tagen dieses neue Theme veröffentlichte, wusste ich sofort, dass Any Given Weekend wieder mal ein ‘Themenwechsel’ bevorstand. “Monochrome” ist sicher eher ein minimalistisches Theme, hat diese sehr schicken Sidebars und ist sogar hier und da schwarz-gelb. Als einzige sonstige Änderung habe ich nun meinen Willen ausdrücklich postuliert, künftig noch mehr über britischen Fußball zu schreiben. Ob es klappt? Watch this space!