Jetzt hilft nur noch der Voodoo-Priester

1. Bundesliga, 9. Spieltag / BVB 0 Hannover 96 1

Vielleicht hätte Borussia Dortmund beim kürzlichen Austausch des Rasens gleich mal überprüfen sollen, ob nicht Karl-Heinz Rummenigge die Asche früherer Bayern-Legenden im Westfalenstadion vergraben hat. Denn es ist wie verhext: Trotz einer klaren Leistungssteigerung gegenüber dem letzten Ligaspiel in Köln stehen die Schwarz-Gelben auch an diesem Wochenende mit leeren Händen da. Trotz einem Übergewicht bei allen wichtigen Statistiken im Spiel gegen Hannover reichte den Gästen ein direkter Freistoß von Hiroshi Kiyotake zum Sieg.

Tatsächlich sah die Partie nach leichten Anfangsschwierigkeiten bis zum Gegentor nach einer guten Stunde sehr ordentlich vom BVB aus. Keine Anzeichen von Nervosität mehr und trotz der üblichen gegnerischen Verdichtung des Mittelfelds und vor dem Strafraum eine größere Anzahl von Chancen durch Reus, Aubameyang, Mkhitaryan und Ramos. Doch die gingen knapp daneben, drüber oder wurden von 96-Keeper Ron-Robert Zieler teilweise prachtvoll pariert.

Der Freistoß von Kiyotake kann so passieren – weder Gündogan noch Weidenfeller ist da mehr als eine kleine Portion Mitschuld zuzusprechen. Bedenklich war, dass die Borussia im Anschluss doch noch wie in den letzten Ligaspielen den Faden verlor und bis auf die Schlussphase zu wenig kreierte, um die nächste Heimniederlage abzuwenden. Atmosphärische Störungen in der Mannschaft sind bei einer solchen Negativserie dagegen kaum komplett zu vermeiden – größere Probleme aus diesen Gründen aber schon.

Über die Aufstellung muss man nach dem gestrigen Spiel auch nicht diskutieren. Schließlich funktionierte die offensive Ausrichtung mit zwei gelernten Stürmern und Durm links hinten nicht schlecht. Und auch das Fehlen von Shinji Kagawa machte sich nicht negativ bemerkbar.

Es half alles nichts – auch nicht das leicht peinliche Ausweichen auf die Champions League-Trikots. Von den nächsten beiden Spielen ist nun tatsächlich das gegen St. Pauli das wichtigere. Ein Ausscheiden aus dem Pokal wäre höchstwahrscheinlich bereits das Ende aller Titelträume und in dieser Situation ein noch größerer Tiefschlag als eine Auswärtsniederlage in München. Ob Jürgen Klopp es mit dem Aberglauben nun auf die Spitze treibt?

Die Aufstellung: Weidenfeller – Piszczek, Subotic, Hummels, Durm (77. Sokratis) – Mkhitaryan, Bender, Gündogan (66. Kagawa) – Aubameyang, Ramos (77. Immobile), Reus. Gelbe Karten: Mkhitaryan, Gündogan, Reus

Der seltsame Fall des zweiten Gesichts

Champions League, 3. Spieltag / Galatasaray 0 BVB 4

Borussia Dortmund cruiset durch die Champions League und ist bereits so gut wie qualifiziert fürs Achtelfinale. Der bemerkenswerte und weitgehend unerklärliche Kontrast zur Situation in der Bundesliga setzt sich fort. In der Königsklasse ist der BVB neben dem aus Russland gesponserten AS Monaco der einzige Klub ohne Gegentor nach der Hälfte der Gruppenphase. Allerdings hat das Team aus dem Fürstentum selbst erst ein einziges Tor erzielt – die Schwarz-Gelben dagegen neun.

Ich habe nicht die Absicht, die Diskrepanz zur nationalen Liga erklären zu wollen. Es wäre weitgehend spekulativ; ich würde wie alle anderen im Nebel stochern. Immerhin war zu erkennen, was der BVB gegenüber der erneuten Pleite in Köln verändern wollte: Die defensive Stabilität stand im Vordergrund. Sokratis als Linksverteidiger, Kehl und Bender im defensiven Mittelfeld, Aubameyang als einziger gelernter Stürmer in der Startelf – Jürgen Klopp wusste, worauf es ankam.

Dass bereits nach gut sechs Minuten die Führung fiel, spielte der Borussia wie gegen Anderlecht in die Karten. Man hatte es in Istanbul mit einem Gegner zu tun, der sicher nicht in den späteren Runden des Wettbewerbs auftauchen wird. Jürgen Klopps Team machte aber auch einiges richtig: Gegen Galatasaray reichte ein einfaches, direktes Spiel aus, um zum Erfolg zu kommen. Da wurden auch mal Bälle einfach nach vorne oder ins Seitenaus geschlagen, wenn es opportun erschien. Das große Plus des BVB war das Positionsspiel in der Defensive: Im Gegensatz zu den Gastgebern ließ man sich da nur einige wenige Male kalt erwischen.

Auch vorne reichten verhältnismäßig einfache Mittel. Eingeleitet durch die sehr gut aufgelegten Henrikh Mkhitaryan und später Ilkay Gündogan knackten die Schwarz-Gelben zweimal über außen die Gala-Abwehr. Ein Pass von Reus und eine Flanke von Piszczek konnte Aubameyang zentral verwerten. Marco Reus zeigte sich auf internationaler Bühne wieder prächtig aufgelegt und schoss dann mal eben so aus knapp 25 Meter ein Traumtor zum 3:0. Typisch auch das spätere 4:0: Ganz kurz nach seiner Einwechslung zeigte Adrian Ramos wieder sein CL-Gesicht und traf nach Gündogans Pass. Bis auf eine Phase von gut zehn Minuten nach Wiederanpfiff wirkte Galatasaray aber auch nie so, als ob sie wirklich ernsthaft ins Spiel zurückfinden könnten. Dementsprechend leer wurde es gegen Ende im Stadion.

Hiobsbotschaften für Schwarz-Gelb gab es dennoch: Sven Bender musste mit einer Armverletzung ausgetauscht werden, auch Shinji Kagawa verließ nach 82 Minuten humpelnd den Platz. Pierre-Emerick Aubameyang schien zwischendurch auf der Kippe zu stehen, beendete das Spiel aber ohne sichtbare Probleme. Die Personallage wird also auch vor der nächsten Wendemöglichkeit in der Bundesliga gegen Hannover wieder Thema sein. Trotz allem kann, wer dieses Spiel gesehen hat nicht glauben, dass ein Sieg gegen die 96er in weiter Ferne liegt. Muss ja mal klappen jetzt.

Die Aufstellung: Weidenfeller – Piszczek, Subotic, Hummels (69. Gündogan), Sokratis – Bender (55. Ginter), Kehl – Mkhitaryan, Kagawa (82. Ramos), Reus – Aubameyang. Tore: Aubameyang (2), Reus, Ramos

Dortmund steckt fest

1. Bundesliga, 8. Spieltag / 1. FC Köln 2 BVB 1

Warum sollte uns das nicht passieren – ein echter Rückschlag, nachdem es jahrelang bergauf gegangen ist? Nahezu alle Teams außer dem FC Bayern haben so etwas schon mitgemacht, allen voran unsere Reviernachbarn aus Gelsenkirchen. Ich habe nie geglaubt, dass dieser Rückschritt nicht kommen und der BVB Seit’ an Seit’ mit dem Rekordmeister an der Tabellenspitze einsam seine Kreise ziehen würde. Erneute Verletzungsmisere, die WM, der Verlust eines weiteren Schlüsselspielers – da kann man schon mal hinter Vereine wie Mönchengladbach, Wolfsburg oder sogar die Blauen zurückfallen.

Was nicht mehr normal ist: Nach acht Spieltagen steht die Borussia sogar zwei bzw. fünf Punkte hinter den Aufsteigern Köln und Paderborn. Für Letztere haben heute die Ex-Dortmunder Marvin Duksch und Uwe Hünemeier beim 3:1 gegen Frankfurt getroffen. Im direkten Duell mit den Ersteren hat der BVB zwar deutlich mehr Torschüsse und Ballbesitz zu verzeichnen, aber das Muster der letzten Wochen bleibt bestehen: Den Schwarz-Gelben fehlt die Effektivität nach vorne und hinten leistet man sich zwei bis drei entscheidende Fehler pro Spiel. Ob es nur an Details liegt, etwa dem kurzfristigen Ausfall von Erik Durm, wegen dem Kevin Großkreutz nicht so weit vorne wie gewohnt spielen konnte? Eher nicht. Es dürfte eine Mischung aus fehlender Eingespieltheit der Akteure und zunehmender Verunsicherung sein.

Entscheidend für den Kölner Erfolg war, dass die Gastgeber rechtzeitig zum momentanen Erfolgsrezept gegen Schwarz-Gelb fanden. Während der FC die Borussia in der ersten Viertelstunde noch zu frei agieren ließ, verschoben die Kölner danach besser von hinten raus, standen nicht mehr so tief und stellten das Mittelfeld gut zu. Die Konsequenz: Ballverluste und Fehlpässe des noch nicht eingespielten Mittelfelds, aber auch durch Mats Hummels, der ein besonders schwaches Spiel zeigte, allerdings auch eine lächerliche Gelbe Karte kassierte. Beim 0:1 konnte Rückkehrer Ilkay Gündogan einen Abschlag von Weidenfeller nicht unter Kontrolle bringen. Daraufhin sprintete Hummels ohne Not und Erfolg zum Ort des Geschehens und ließ so eine Zwei-gegen-zwei-Situation hinten entstehen, die letztlich Kölns Vogt nutzen konnte.

Nach dem schönen 1:1, das mit dem Zusammenspiel von Reus und Immobile ein Vorgeschmack auf das hätte sein können, was sich die meisten Borussen-Fans von ihrem Verein nach der Länderspiel-Pause eigentlich erwarten, gab es eine kurze Drangphase. Es waren aber zu unpräzise und letztlich keine brandgefährlichen Schüsse, die etwa Reus und Mkhitaryan noch abgaben. Damit die Kölner die Partie mit drei Punkten beenden konnten, war allerdings noch ein dicker Patzer von Roman Weidenfeller nötig. Nun haben wir in der Hinsicht eigentlich die komplette Hintermannschaft durch, und nicht nur die.

Also doch Krise? Temporär sicher, aber wie schwer die derzeitige Flaute wiegen wird, zeigt sich erst im Frühjahr. Wenn für die Schwarz-Gelben dann die Aufholjagd zu lang sein sollte und die internationalen Plätze nicht erreicht würden, könnten sich weitere Leistungsträger verabschieden. Erst dann muss man sich langfristig Sorgen machen.

Die Aufstellung: Weidenfeller – Piszczek, Sokratis, Hummels, Großkreutz – Gündogan (90. Subotic), Kehl – Mkhitaryan (68. Aubameyang), Kagawa, Reus – Immobile (75. Ramos). Gelbe Karten: Mkhitaryan, Hummels, Sokratis. Tor: Immobile

Vierzehnter Effzeh Köln

“In Frankfurt war vieles okay. Aber offensiv haben wir zu wenig aus unseren Möglichkeiten gemacht und uns defensiv individuell nicht so verhalten wie es eine Bundesligamannschaft machen sollte.”

Gesagt hat das Köln-Trainer Peter Stöger im aktuellen Kicker, Nr. 85 / 2014, S.14. Genau das Gleiche hätte auch Jürgen Klopp nach dem Stuttgart-Spiel oder dem Derby formulieren können. Und so sind die Parallelen zwischen dem Aufsteiger Effzeh und Vizemeister Borussia damit auch noch nicht zu Ende. Die beiden Klubs sind Tabellennachbarn, durch nur einen Punkt getrennt. Bei Köln lag das Augenmerk der Kritiker bisher allerdings eher auf der stotternden Offensive (erst vier Treffer), beim BVB auf der ungewohnt offenen Defensive (schon zwölf Gegentore).

Am Samstagnachmittag treffen die Vereine in der Stadt am Rhein aufeinander. Die Floskel vom 6-Punkte-Spiel kann man sich zu diesem Zeitpunkt der Saison getrost sparen. Die Partie ist aus schwarz-gelber Sicht eine von vielen, die darüber entscheiden werden, ob die Borussia ihre Saisonziele noch erreichen kann. Natürlich sind mit der möglichen Rückkehr der Kreativabteilung – namentlich Marco Reus, Henrikh Mkhitaryan und natürlich Ilkay Gündogan – Erwartungen verbunden. Nur ist sich der FC genauso bewusst, dass eine Trendwende nach drei Niederlagen ganz schön wäre – und wird im eigenen Stadion alles dafür geben.

Dabei stehen Peter Stöger bis auf Patrick Helmes alle mehr oder weniger illustren Namen zur Verfügung. Jürgen Klopp muss dagegen noch auf Kuba, Nuri Sahin und Oliver Kirch verzichten. Pierre-Emerick Aubameyang wird erst am Freitag in Dortmund zurück erwartet und könnte zunächst auf der Bank Platz nehmen. Natürlich werden die schwarz-gelben Hoffnungen auf dem ‘neuen’ Mittelfeld ruhen. Da könnte Kehl neben Bender, aber eben auch Gündogan auflaufen. Der wohl gesetzte Shinji Kagawa könnte von Marco Reus und ‘Miki’ flankiert werden. Oder von Kevin Großkreutz, wenn der nicht in der Defensive gebraucht wird.

Auf die Frage in der Pressekonferenz zum Spiel, was er in den zwei Länderspielwochen wirklich verbessern konnte, antwortete Jürgen Klopp: den körperlichen Zustand der Spieler. Das könnte ganz entscheidend sein, wenn sich die positiven Vorzeichen aus Länder- und Testspielen bewahrheiten. Freuen darf man sich auf diese Partie in stimmungsvoller, vielleicht sogar freundschaftlicher Atmosphäre ohnehin. Egal wie tief nun diese Fanfreundschaft mit dem Effzeh wirklich geht: Sie ist neben den ganzen Rivalitäten bis hin zu Hass, neben der Abneigung gegen Konstrukte wie RB Leipzig etwas erfrischend Positives. Auch mir ist Köln tendenziell sympathisch – wie bei Dortmund mit Ausnahme einiger Gruppierungen. Möge der Gelbere gewinnen!

Das erste Weihnachtsgeschenk

In diesen Tagen, an denen sich die ersten Menschen bereits mit ihren Weihnachtsgeschenken beschäftigen, ist auch Borussia Dortmund beschert worden. Mittelfeld-Ass Ilkay Gündogan stand gestern – an der Seite von Marco Reus – bei einem Testspiel der U23 des BVB eine Halbzeit lang auf dem Platz. Es ging hinter verschlossenen Türen gegen die U23 des VfL Bochum. Die Schwarz-Gelben gewannen 2:0 und Ilkay erzielte sogar das zweite Tor – mit einem “sehenswerten Lupfer”, wie unsere Homepage vermeldet. Sportdirektor Michael Zorc über die Leistung der beiden Rückkehrer:

“Das sah bei beiden schon sehr gut aus. Insbesondere wenn man bedenkt, das Ilkay solange nicht mehr dabei war. Er war bereits wieder sehr ballsicher, aber es war nur ein erster Test eine Halbzeit lang.”

Man sollte den Tag nicht vor dem nächsten Pflichtspiel loben, aber wenn Gündogan wirklich in absehbarer Zeit wieder an seine Leistungen von vor über einem Jahr (!) anknüpfen kann, hat der BVB bald wieder ein extrem starkes Mittelfeld beisammen und Jürgen Klopp wird bei der Wahl der Startelf aus anderen Gründen Kopfschmerzen bekommen als zuletzt.

Reus, Mkhitaryan, vielleicht auch Kuba, könnten nach der Länderspiel-Pause wieder zur Verfügung stehen. Mit Ilkay kriegen wir einen zurück, der, wir erinnern uns, bei den ganz Großen Europas im Gespräch war. Es freut mich, ihn bald wieder in schwarz-gelb spielen zu sehen. Wenn personelle Rückschläge nun endlich mal ausbleiben, ist es fast zwangsläufig, dass die Borussia sich in der Tabelle schnell verbessern wird. Denn Klopp, Watzke & Co ist zuzustimmen, wenn sie sagen, dass es der Mannschaft nicht an der Einstellung gemangelt hat. Willkommen zurück, Ilkay – auf dass es bis zum nächsten Spiel nicht bis Weihnachten dauert!

Unterdessen in Gelsenkirchen …

In Dortmund ist Ergebniskrise, in Gelsenkirchen Drama: Schalke 04 hat heute – zu diesem Zeitpunkt überraschend – Jens Keller, Co-Trainer Peter Hermann und Torwarttrainer Holger Gehrke entlassen. Als Nachfolger kommt Roberto di Matteo, der mit dem FC Chelsea in München gegen den FC Bayern die Champions League gewonnen hat.

Was mit Blick auf den Revier-Vergleich überzogen erscheint – immerhin steht S04 dank des Derbysiegs vor der Borussia – macht im Rückblick auf die Ära Keller durchaus Sinn. Die Blauen sind der Inbegriff fehlender Konstanz. Nie gelang es ihnen, eine positive Serie zu starten, in der sie auch durchgängig spielerisch überzeugen konnten. Angesichts der Qualität des Kaders ist das keine überzogene Forderung.

Nicht alle in Gelsenkirchen haben Keller so kritisch gesehen und natürlich wird nun wieder eifrig über alles und jeden diskutiert. Doch ganz unbescheiden: Es gibt Außenstehende, die schon ganz am Anfang etwas ahnten. Fragen sollte man sich lieber, warum die Verantwortlichen Roberto di Matteo nicht schon eher geholt haben.

Vielleicht hatte man Angst vor der eigenen Courage. Denn natürlich ist bei einem bodenständigen, aber auch fantasielosen Typen wie Jens Keller das Risiko eines spektakulären Scheiterns mit internationalem Medienrummel geringer als beim Champions League-Sieger di Matteo. Dass der sich in einem gegenüber Chelsea ganz anderen Milieu zurechtfinden wird, ist nicht sicher. Einen Hinweis darauf gibt aber sein positives Wirken bei seinem zweiten Premier League-Klub, dem absolut bodenständigen West Bromwich Albion. Nach all dem typischen Drama könnte aus den Blauen unter di Matteo in dieser Saison zumindest ein ernsthafter Konkurrent um die Revier-Meisterschaft werden.

BVB vermasselt Rehabilitation

1. Bundesliga, 7. Spieltag / BVB 0 Hamburger SV 1

Da muss man nicht drum herumreden: Das war nichts als eine Enttäuschung, vielleicht die größte 2014. Denn trotz allem, was wir in dieser Bundesliga-Saison bereits erlebt haben, war dieses 0:1 nicht zu erwarten. Nicht gegen diesen HSV, eine Truppe von Tretern, Schauspielern, Nicolai Müller und Johan Djourou.

Begeben wir uns also auf die Suche nach der Lösung des Rätsels, wie dieses Heimspiel verloren gehen konnte. Am Anfang steht wie immer die Aufstellung. Jürgen Klopp setzte im Gegensatz zur Champions League auf Durm rechts hinten, Hummels in der Innenverteidigung und Adrian Ramos im Sturm. Diese Entscheidungen sind nachvollziehbar und doch darf man auch an ihnen zweifeln. Der Prämisse “Safety first” haben sie jedenfalls nicht gedient.

Mats Hummels ist eigentlich ein Klasse-Verteidiger und braucht Spielpraxis. Bei ihm sprach gegen den HSV sicher am wenigsten gegen einen Platz in der Startelf. Lukasz Piszczek vor den Länderspielen eine Pause zu gönnen, war verständlich, aber im nachhinein angesichts seiner vergleichsweise guten Form doch fragwürdig. Erik Durm konnte am Samstag leider keine ähnlichen offensiven Akzente setzen. Adrian Ramos war am Mittwoch Doppel-Torschütze, davor jedoch Fehlpasser im Derby. Letztere Rolle erfüllte er auch vorgestern wieder und war eindeutig der Auslöser des Gegentors, selbst wenn sich dann noch Hummels und Sokratis täuschen ließen. Im Sinne eines risikoärmeren Spiels hätte Ciro Immobile beginnen sollen.

Doch wenn auch der Rest der Mannschaft viel zu oft auf planlos ins Mittelfeld oder hoch nach vorne geschlagene Bälle zurückgreift, können diese zwei Personalien nicht so ausschlaggebend gewesen sein. Stattdessen landen wir dann bei der fehlenden Kreativität. Das Problem wurde dadurch verstärkt, dass Kevin Großkreutz und Pierre-Emerick Aubameyang zwar wie immer ihre Kilometer liefen, aber gänzlich ideen- und glücklos blieben. Da reicht ein Shinji Kagawa allein eben nicht, der in der ersten Hälfte und gegen Ende noch ein paar brauchbare Szenen hatte. Weiterlesen

Der Wende erster Teil

Champions League, 2. Spieltag / RSC Anderlecht 0 BVB 3

Es ist ja schon komisch, wie schnell das geht mit den Wenden im Fußball. Der FC Schalke erlebt sie ungefähr nach jedem zweiten Spiel. Und die Sport Bild kann eigentlich heute ihr gestern erschienenes Heft schon einstampfen. Denn Borussia Dortmund ist wieder da, hat mit einem 3:0-Auswärtssieg seine blitzsaubere Champions League-Bilanz gewahrt. Und hofft nun, mit einem Sieg gegen den Tabellenletzten HSV in die Länderspielpause zu gehen, nach der einige Topspieler in den Kader zurückkehren könnten.

Die Schwarz-Gelben starteten gestern mit intensivem Pressing ins Spiel, was sich schon nach drei Minuten auszahlte. Nach einem Pass von Bender lupfte Kagawa den Ball in den Lauf von Immobile, der erzielte ein frühes und schönes Tor für die Gäste. Dass der BVB in der Folge den Fuß ein wenig zu sehr vom Pedal nahm und sich ein paar Unachtsamkeiten leistete – geschenkt. Denn die Phase ging vorüber. Über weite Strecken dominierte die Borussia, hatte weitere Chancen durch Aubameyang. Mit ihm, einem prächtig aufgelegten Shinji Kagawa, dem immer besser zurecht kommenden Immobile und dem wieder toll ackernden Kevin Großkreutz sah die Offensive trotz der ganzen fehlenden Akteure prima aus.

Jürgen Klopp setzte auf ein 4-2-3-1 und auf die Akteure aus dem zum Glück breiten Kader, die die nötige Form haben. Mats Hummels zunächst auf der Bank zu lassen entpuppte sich als ebenso richtig wie die Maßnahme, Adrian Ramos als Joker zu bringen. Prompt verwertete der zwei Hereingaben von Piszczek und Aubameyang zu zwei Treffern. Überlegt, ruhig, humorlos, wie ein Torjäger.

Das frühe Tor half der Borussia und schockte die Gastgeber, die eine Viertelstunde vor Schluss noch mal den Pfosten trafen. Aber eine solche Reaktion auf Derbypleite und Krisengerede musst du erst mal zeigen. Und deswegen hat Jürgen Klopp natürlich recht, wenn er es für lächerlich hält, den Charakter dieser Mannschaft in Frage zu stellen. Mir schwant nichts Gutes – für den HSV.

Die Aufstellung: Weidenfeller – Piszczek, Subotic, Sokratis, Schmelzer – Bender (82. Hummels), Kehl – Aubameyang, Kagawa, Großkreutz (65. Ramos) – Immobile (72. Durm). Tore: Immobile, Ramos (2)

Favorit gegen Spitzenreiter

Eine interessante und schwer vorherzusagende Konstellation erwartet die schwarz-gelbe Gemeinde am Mittwoch in der Champions League. Auf der einen Seite der unangefochtene Tabellenführer der ersten belgischen Liga, der in dieser Saison wettbewerbsübergreifend noch ungeschlagen ist. Aber andererseits seit der Einführung der Champions League noch nie gegen ein deutsches Team gewonnen hat und im neuen Jahrtausend bei Teilnahme immer als Letzter der Gruppenphase ausgeschieden ist.

Auf der anderen Seite steht der Tabellenzwölfte der Bundesliga, der momentan der Abstiegszone näher ist als der Spitze. Doch der BVB kommt mit der Empfehlung einer CL-Final- und Viertelfinal-Teilnahme und zwei nationalen Vizemeisterschaften in den letzten beiden Jahren. Und dann war da noch der Gala-Auftritt gegen Arsenal.

Der RSC Anderlecht hat einen jungen Kader, der keinesfalls zu unterschätzen ist, wenn es wie derzeit gerade läuft. Auf die Borussia kommt daher fraglos eine schwere Aufgabe zu. Einiges wird übermorgen vom Trainer abhängen. Aus dem den Belgiern zweifellos überlegenen Kader muss Jürgen Klopp jene Spieler auswählen, die nicht nur für gewöhnlich, sondern gerade an diesem Mittwoch die höchste Qualität anbieten. Die also auch fit und in Form sind. Das gewohnte 4-2-3-1-System erscheint in der momentanen Situation die beste Lösung.

Stand heute Morgen sähe meine Startelf so aus: Weidenfeller – Piszczek, Sokratis, Hummels, Durm – Kehl (Jojic), Bender – Aubameyang, Kagawa, Großkreutz – Immobile.

Don’t call it Krise!

1. Bundesliga, 6. Spieltag / FC Schalke 2 BVB 1

Borussia Dortmund verliert das Derby und versinkt im Mittelfeld. Sieben Punkte Rückstand auf die Bayern, immerhin fünf auf die zweite Borussia – befriedigend ist das selbstverständlich nicht.

Die Geschichte des im und um das Stadion vergleichsweise Randale-freien Spiels ist recht schnell erzählt: Der BVB machte erneut zweimal eine ausgesprochen schlechte Figur in der Defensive und wurde dafür bestraft. 10. Minute: Ecke Aogo, Mats Hummels bleibt nicht an Matip dran, so dass der unbedrängt einköpfen kann. Noch schlimmer die Szene vor dem 0:2: Nach einem von Weidenfeller abgewehrten Schuss schlägt Adrian Ramos den Ball weg – nur dummerweise direkt in die Mitte des Strafraums, wo Choupo-Moting bereitsteht. Blöde Sache, selbst für einen Stürmer.

Erneut führten zwei absolut vermeidbare Fehler zu einem Zwei-Tore-Rückstand. Es wäre allerdings zu kurz gegriffen, nur über die Abwehrarbeit zu sprechen. Der FC Schalke spielte die Schwarz-Gelben ja nicht schwindlig, nicht mal in der ersten Halbzeit, in der die Tore fielen. Insgesamt hatte der BVB mehr vom Spiel; es fehlte allerdings zu oft der Punch. Vor allem kamen durch die Mitte zu wenig klare Spielzüge mit genauen Pässen. Besser, aber nicht perfekt wurde es in Hälfte 2, als Shinji Kagawa kam. Den hatte Jürgen Klopp zugunsten von Adrian Ramos auf der Bank gelassen und dann ausgerechnet für Ciro Immobile eingewechselt – beide Entscheidungen kann man hinterfragen, aber natürlich ohne Informationen aus erster Hand nicht abschließend beurteilen.

Tatsache ist, dass ohne Shinji (und Reus und Mkhitaryan und Gündogan und Sahin) nicht die nötige Kreativität aus dem Mittelfeld da war. Eine schnelle rechte Seite mit Piszczu und Aubameyang reichte da nicht. Haben wir nach der Derbyniederlage und Platz 12 jetzt also eine Krise? Vielleicht für diejenigen, die viel mehr erwartet haben und einen solchen Start für ausgeschlossen hielten. Aber solange die Situation erklärbar bleibt und temporär erscheint, muss man mit solchen Rückschlägen leben. Schauen wir uns die Startelf von gestern an: Wer von den Spielern daraus ist weder neu noch durch längere Verletzungen oder die WM belastet? Es sind nur zwei: Pierre-Emerick Aubameyang und Lukasz Piszczek. Beide gehören zu den besten oder besseren Akteuren.

Ich werde jedenfalls weiterhin gegenüber allen, die die Augenhöhe mit dem FCB einfordern, seien es Medien oder triumphierende Bayern-Fans, die finanzielle Kluft anführen, die ohne Zweifel noch lange existieren wird. Nur der amtierende Meister kann es sich erlauben, mal eben auf eine Verletzung kurz vor Transferschluss mit der Verpflichtung eines rund 25 Millionen Euro teuren Abwehrspielers zu reagieren. Die Borussia wird sich wieder nach oben arbeiten und sollte damit möglichst gegen den Tabellenletzten anfangen.

Die Aufstellung: Weidenfeller – Piszczek, Subotic, Hummels (80. Sokratis), Durm – Aubameyang, Bender, Ginter, Großkreutz (69. Jojic) – Ramos, Immobile (57. Ramos). Gelbe Karte: Subotic. Tor: Aubameyang