Jeder Verein hat die Fans, die er verdient
Der „Akademiker-Fanclub Hoffenheim“ hat zur Partie TSG v BVB ebenfalls einen Beitrag veröffentlicht, dessen Fazit ich euch nicht vorenthalten will:
Und auch unsere Mannschaft braucht mehr Ruhe und Erfahrung: Borussia gelang es, unserer Mannschaft ihre emotionale Art aufzuzwingen. Dabei bringt man doch schon seinen Kindern bei:
Streite dich nie mit einem Idioten. Er zieht dich runter auf sein Niveau und schlägt dich dort mit seiner Erfahrung.
Ich habe lange nach einem Augenzwinkern gesucht, da die Homepage ansonsten eher halb ernst daher kommt. Dann habe ich entschieden, dass es nicht existent ist oder zumindest zu gut versteckt. Liebe Akademiker: Der schlechteste Witz ist der, den keiner findet. Und zwischen Ironie und Arroganz verläuft oft nur ein verdammt schmaler Grat. Kommentieren kann man den Beitrag übrigens nicht, denn auf der bescheiden gestalteten Seite gibt es (wohlweislich?) keine Kommentarfunktion. Zitiert und treffend kommentiert wurden andere Teile der Abhandlung aber in der aktuellen 11 Freunde-Blogschau.
Man merkt dem Akademiker-Fanclub deutlich an, dass er in der ehemaligen Fußball-Diaspora Heidelberg aus der Retorte entstanden ist. Geben wir den Damen und Herren noch ein paar Jahre, um sich an die Bundesliga-Höhenluft zu gewöhnen!
Eine Wiederholung zu viel
Der Geschäftsführer der Borussia Dortmund KgaA, Hans-Joachim Watzke, ist ein Mann der offenen Worte. Manchmal macht er auch einfach zu viele. Die vergangenen Tage sind dafür wieder einmal Beispiel gewesen. Am Sonntag nahm Watzke an der Mitgliederversammlung des Vereins in der Westfalenhalle teil. Während seiner Rede ließ er noch einmal die entscheidende Szene vom letzten Spieltag der vergangenen Saison, die Abseitsposition mehrerer HSV-Spieler vor deren Siegtor gegen Frankfurt, einspielen – um zu illustrieren, dass der BVB „nur wegen dieser Fehlentscheidung“ nicht international spiele.
Ich bin wohl nicht der Einzige, dem diese Darstellung zu einfach und selbst für eine Mitgliederversammlung zu populistisch ist. Man kann nicht diese Szene zeigen und unerwähnt lassen, dass ein weiteres BVB-Tor gegen in der zweiten Halbzeit so gut wie gerettete Gladbacher gereicht hätte, um Platz 5 zu verteidigen.
Am Dienstag war Aki Watzke bei einer weiteren Versammlung, der der BVB-Aktionäre, erneut in der Westfalenhalle. Diesmal echauffierte er sich über den Geldregen des Dietmar Hopp, der unserem nächsten Gegner TSG Hoffenheim erst ermöglicht habe, dorthin zu kommen, wo sie momentan stehen. In der Sache ist das natürlich richtig und unbestritten, aber der Tonfall war überflüssig und das erneute Entfachen der Empörung irgendwie langweilig. Am nächsten Tag bat Watzke die Dortmunder Fans dann um Mäßigung bei der kommenden Auswärtsfahrt.
Ebenso unnötig wie populistisch fand ich seine Einlassungen zu einem möglichen neuen Verteilungsschlüssel für die Fernsehgelder. Dabei kritisierte er insbesondere die Werksvereine und wieder Hoffenheim und benutzte erneut den Begriff der „Verursachergerechtigkeit“. Gemeint ist letztendlich, dass die Vereine mit den meisten Fans auch das meiste Fernsehgeld kassieren sollten. Schöne Idee – aber wie sollte das in der Praxis umsetzbar sein? Außerdem wäre es weniger im Sinne des sportlichen Wettbewerbs als die jetzige Regelung, denn Fanstrukturen ändern sich langsamer als Platzierungen. Aki Watzke hat in den letzten Jahren einen guten Job für Borussia Dortmund gemacht – bei seinen öffentlichen Äußerungen sollte er sich jedoch eher an BVB-Präsident Rauball orientieren.
Nun fahren die Schwarz-Gelben morgen also ausgerechnet nach Sinsheim. An den Hoeneß-Effekt vorausgeschickter Worte habe ich noch nie so richtig geglaubt. Ob die Spieler sich gegen den Tabellenvierten wieder so gut präsentieren wie beim letzten Auswärtsspiel und etwas mitnehmen, wird nicht von Hans-Joachim Watzke abhängen. Sven Bender wird in den Kader zurückkehren und vielleicht sogar von Beginn an spielen. Tingas Nominierung nach seiner Verletzung könnte davon abhängen, ob der leicht angeschlagene Nelson Valdez dabei sein kann. Hält unser Lauf gegen spielstarke Gegner an? Hoffnung und Skepsis halten sich bei mir die Waage.
1. Bundesliga, 13. Spieltag / BVB 0 FSV Mainz 0
Mit Unentschieden lässt sich nichts gewinnen.
Die Aufstellung: Weidenfeller – Schmelzer, Santana, Subotic, Owomoyela – Sahin, Hummels – Valdez (70. Großkreutz), Feulner (62. Zidan), Kuba (88. Götze) – Barrios.
Seien wir realistisch: So wie es läuft wird der BVB in dieser Saison nichts holen. Die Chance auf eine weitere Fahrt nach Berlin wurde leichtfertig vergeben und Platz 5 in der Liga ist momentan utopisch. Nicht weil der Abstand schon so groß wäre – fünf Punkte sind selbstverständlich aufzuholen – sondern weil die Konstanz komplett fehlt. Leistungen, die Hoffnung auf einen Europapokal-Platz machen sind selten. Ein gutes 1:1 in Bremen hilft uns wenig weiter, wenn danach ein schwaches 0:0 gegen Mainz folgt.
Ja, wenn alle Leistungsträger unverletzt und fit wären… aber wann sind sie das bei uns schon mal? Am Freitag hat sich Dimitar Rangelov mit einem Mittelfußbruch in die Verletztenliste eingereiht. Nicht dass er der große Hoffnungsträger wäre, aber es fehlt eine weitere Alternative, um aktuell leistungsschwache Spieler wie zum Beispiel Nelson Valdez zu ersetzen.
Die Spieler, die gestern gegen Mainz auf dem Platz standen, können in Bestform um Platz 5 mitspielen. Von der Bestform sind jedoch zu viele weit entfernt. So krankte vor allem das Flügelspiel. Rechts war Owomoyela sogar noch stärker als Kuba – und das will was heißen. Beide gingen jedoch nicht völlig fit in die Partie. Schmelzer und Valdez waren über links nur marginal besser. Und Markus Feulner, der sein Startelf-Debüt gab, wurde von Jürgen Klopp zentral offensiv aufgestellt, obwohl er bekanntlich lieber zentral defensiv spielt. Auf der „10″ konnte er nicht so recht überzeugen – im jetzigen System könnte ich mir einen Positionstausch mit Sahin gut vorstellen.
Die Schwarz-Gelben waren überlegen, aber nicht überzeugend. Vielen Spielzügen mangelte es an Genauigkeit, so dass sie ungefährlich blieben. Der BVB hatte ein Übergewicht im Mittelfeld, dafür fehlte es vorne an Durchschlagskraft. Ausgerechnet Mats Hummels hatte die meisten und besten Chancen, vergab aber knapp oder scheiterte am starken Mainzer Keeper Heinz Müller. Mit Schüssen aus der Distanz versuchte manch anderer Spieler, die fehlende Kreativität zu kompensieren – immer ein schlechtes Mittel gegen einen guten Torwart. Lucas Barrios hatte die ein oder andere vielversprechende Szene, blieb gestern aber ebenfalls glücklos. Die Mainzer kamen ihrerseits zu zwei bis drei guten Chancen – einmal musste Schmelzer für den umlaufenen Weidenfeller klären – taten insgesamt aber zu wenig, um sich mehr als einen Punkt zu verdienen.
Richtig positiv hervorgestochen hat gestern niemand bei Schwarz-Gelb. Am ehesten noch Mats Hummels. Er hatte mit einem schönen Volleyschuss die vielleicht beste Chance des Spiels, ein weiterer Schuss von ihm traf einen Mainzer Spieler im Strafraum am Arm, allerdings aus kurzer Distanz – einen Elfmeter war das nicht wert. Demgegenüber hatte Mats jedoch auch unnötige Ballverluste im Mittelfeld. Die Innenverteidiger, vor allem Neven Subotic, zeigten ebenfalls eine ansprechende Leistung. Leider brachte der Rest nicht das, was nötig ist, um gegen den stärksten Aufsteiger zu gewinnen.
Trotz der gestrigen Leistung ist natürlich nicht auszuschließen, dass der BVB nächstes Wochenende in Hoffenheim ein beachtliches Unentschieden erreicht. In der Tabelle wird uns das aber genauso wenig weiterbringen. Damit muss man unter den gegebenen Umständen finanzieller und personeller Art leben – ich für meinen Teil kann das, auch wenn der Fußball im Frühjahr mehr Spaß gemacht hat.
Fußball schauen
Man hätte als Fußballblogger vieles schreiben können in den letzten zwei Wochen. Von der Trauerfeier für Robert Enke, Händen für Frankreich und von Geld für verschobene Spiele. Mir fehlte jedoch die Muße und andere haben die Themen inzwischen erschöpfend behandelt. Ich bin dafür wieder dabei, wenn es um das Hauptthema dieses Blogs geht: Fußball schauen. Viele werden sich wieder auf den ganz normalen Bundesliga-Fußball umstellen müssen, vielleicht mehr als nach anderen Länderspielpausen, aber es wird gelingen. Dafür sorgen schon die Interviews von Uli Hoeneß.
Das „Topspiel“ an diesem Samstag heißt Borussia Dortmund v FSV Mainz und ich freue mich darauf. Es sollte ein offensives Spiel werden, möglicherweise mit vielen Toren. Das Spiel der Mainzer in Wolfsburg könnte ein Fingerzeig sein – das Ergebnis darf gerne anders lauten. In der möglichen Aufstellung des BVB gibt es unterdessen noch viele Fragezeichen, besonders im Mittelfeld. Neben den sicheren Ausfällen von Kehl, Hajnal und dem wahrscheinlichen von Tinga wird es knapp für Nuri Sahin, Kuba und vor allem Sven Bender. So könnte sich die Besetzung am Samstag quasi von alleine ergeben.
Unser (scheinbar) einziger Rechtsverteidiger Patrick Owomoyela soll nach einem Infekt wie Kuba erst morgen wieder trainieren. Jürgen Klopp könnte unter Umständen also gezwungen sein, hinten rechts jemand ganz neuen, sprich einen Nachwuchsmann wie etwa Julian Koch, zu testen. Links wird Marcel Schmelzer für den verletzten Dede spielen. Wer auch immer auflaufen wird, gegen einen Aufsteiger sind zu Hause drei Punkte nicht zu viel verlangt. Die Gäste müssen allerdings nur auf den gesperrten Linksverteidiger Zsolt Löw verzichten – und scheinen somit bessere Möglichkeiten zu haben, trotz Pause ein eingespieltes Team aufs Feld zu schicken.
Trotzdem: Das Ziel übermorgen kann nur lauten, zu den Mainzern punktemäßig halbwegs aufzuschließen. Ich freue mich auf packenden Fußball!
Ein ganz besonderer Torwart
Eigentlich wollte ich heute noch einen Beitrag über die erneute Knieverletzung von Dede schreiben, die ihn zu einer Zwangspause bis Ende des Jahres verurteilt. Dann kam die schockierende Nachricht vom Tod Robert Enkes. Der 32-jährige Torwart von Hannover 96 hat sich allem Anschein nach das Leben genommen. In der Nähe von Hannover wurde er an einem Bahnübergang von einem Zug erfasst.
Für Außenstehende verbieten sich Spekulationen, was letztlich der Auslöser für den vermutlichen Freitod war. Robert Enke hat jedenfalls mehr Schicksalsschläge als die meisten seiner Kollegen einstecken müssen. Er war vielleicht der sympathischste Nationalspieler der letzten Jahre – nach allem was man hört, ein ruhiger, reflektierter Zeitgenosse, der nichts übrig hatte für das Posertum, das in der Branche nicht selten ist. Das ist ein trauriger Abend für Fußballfans, aber natürlich in erster Linie für die Menschen, die Robert Enke persönlich kannten. Ich bin sicher, dass ich nicht der Einzige bin, der ihm die WM-Teilnahme und auch sonst alles Glück gegönnt hätte.
P.S. Ein Armutszeugnis ist, wie zurzeit (Dienstagabend) bei Spox.com die Nachricht von Enkes Tod ständig von einem riesigen Werbebanner eines bayrischen Automobilkonzerns überlagert wird.
Zum Jubiläum Görlitz?
Im Dezember 2009 wird Borussia Dortmund 100 Jahre alt. Das freudige Ereignis wird in der Westfalenhalle mit einer großen Gala gefeiert. Zu den Gästen gehören unter anderem Udo Jürgens, Sasha und Atze Schröder. Ich würde gerne tauschen und dem Publikum lieber einen guten Spieler als einen schlechten Komiker präsentieren: Andreas statt Atze!
Der „Kicker“ berichtet heute, dass nach Jose Ernesto Sosa auch Andreas Görlitz den FC Bayern verlassen will, und zwar noch im Winter. Louis van Gaal und Uli Hoeneß haben bereits erklärt, dass der Kader des Rekordmeisters verkleinert werden soll – natürlich nur, wenn Spieler „freiwillig“ gehen wollen. Görlitz ist gelernter Rechtsverteidiger, eine Position, auf der man beim BVB über Verstärkungen nachdenken sollte – wenn sich Gelegenheiten ergeben. Schon mit Mats Hummels, einem weiteren Spieler vom Abstellgleis der Bayern, hat der BVB einen Treffer gelandet. Zugegeben, Görlitz ist älter und ihm fehlt die Spielpraxis. Um eine Konkurrenzsituation für Patrick Owomoyela zu schaffen, wäre er aber genau der Richtige. Ein fairer Zweikampf, bei dem der Bessere gewinnen möge.
Das ist noch eine Fantasie, keine Frage. Aber nicht utopisch, wenn der soziale Uli Hoeneß dem BVB zum 100-jährigen eine kleine Freude machen möchte. Und außerdem sollen auch niemandem Steine in den Weg gelegt werden, oder?
Neueste Kommentare