Bitte generalproben!

Wirklich Kontroverses war Jürgen Klopp auf der heutigen Pressekonferenz zur TSG Hoffenheim nicht zu entlocken. Dass die Kraichgauer einmal dank einer winterlichen Einkaufstour den FSV Mainz noch um den Aufstieg brachten, liegt in der Vergangenheit. Doch man muss sich auch keine Sorgen machen, dass der BVB-Trainer das letzte Spiel vor dem großen Spiel unprofessionell angehen könnte. Nicht weil er im Abstiegskampf Sympathien für den FC Augsburg erkennen ließ, sondern weil es durchaus darum geht, vor Wembley keine Schlenker mehr zu machen. Geradeaus gehts zum Titel und für Hoffenheim in die zweite Liga.

Obwohl Klopp das letzte Heimspiel der Saison nicht als Generalprobe betiteln wollte, dürfte das Ziel sein, sich quasi für London einzugrooven. Mit einer Startelf, die sich nicht komplett von der folgenden unterscheiden wird. Und mit dem Mut, den der Trainer auch für die Partie gegen die Bayern fordert. Eine Garantie, dass die Konzentration bei jedem Spieler zu 100 Prozent da sein wird, gibt es natürlich nicht. Aber jeder muss sich im Klaren sein, dass die eigene Leistung am Samstag Auswirkungen auf die Woche darauf haben könnte.

Sorgen macht sich der Trainer wegen der teilweise martialischen Äußerungen der Hoffenheimer, die in den letzten Jahren immer mehr für ihre harte Gangart bekannt wurden. Es steht zu befürchten, dass sie sich nun mit gestreckten Beinen aus der ersten Liga verabschieden. Als Schiedsrichter der Partie wurde Dr. Jochen Drees eingeteilt. Er hatte in dieser Saison elf Erstliga-Einsätze, verteilte dabei 34 Gelbe Karten und eine Rote – keine besonders auffälligen Zahlen. Drees pfiff 2012/13 eine Partie des BVB – den 3:1-Heimsieg gegen Fürth. Von Hoffenheim leitete er zwei Spiele, bei denen er den Hopp-Kickern immerhin siebenmal Gelb zeigte. Übergroße Zurückhaltung ist von ihm also nicht zu erwarten.

Ich sehe den BVB übermorgen leider zum letzten Mal in dieser Saison live im Stadion. Von mir aus darf es gerne eine echte Generalprobe für Wembley werden. Jürgen Klopp sprach in der unterhaltsamen PK davon, dass die Schwarz-Gelben in den letzten Jahren öfter am letzten Spieltag in den Abstiegskampf eingreifen mussten, ohne selber noch um viel zu spielen. Am Samstag könnte nicht nur Robert Lewandowski doch noch Torschützenkönig werden – es geht um mehr.

Abschied der großen Männer

Die Fußball-Szene erlebt dieser Tage einen beispiellosen Abschiedsreigen. Spieler und Trainer von höchster Reputation sagen “auf Wiedersehen” und verdrängen für einige Tage Transfergerüchte und Champions League-Finale aus den Schlagzeilen. Besonders betroffen ist einer der weltweit bekanntesten Vereine, Manchester United. Trainer-Legende Sir Alex Ferguson gab letzte Woche seinen Rückzug zum Saisonende bekannt, der ‘stille Star’ Paul Scholes tritt in diesem Monat bereits zum zweiten Mal zurück und nun hat auch United’s ehemaliger Topseller David Beckham bekanntgegeben, seine Karriere bei PSG nicht fortzusetzen. Beim (wenn auch nicht sportlich) großen Konkurrenten FC Liverpool verabschiedet sich nach dieser Spielzeit ‘One-Club-Man’ Jamie Carragher.

Und in Deutschland? Vieles spricht dafür, dass Bayern-Trainer Jupp Heynckes nach dem CL-Finale leise “servus” sagt, ob mit oder ohne Titel, ob mehr oder weniger freiwillig. Seit gestern wissen wir, dass auch Thomas Schaaf geht. Zumindest weg aus Bremen. Und wenn man nur die Klubzugehörigkeit betrachtet, schlägt Schaaf sogar Sir Alex um Längen: 41 Jahre war er als Spieler und Trainer beim SV Werder – das sind 15 Jahre mehr als der Schotte in Manchester waltete. Natürlich war Ferguson von der Zahl und Art der Titel her erfolgreicher – und bekommt auch einen deutlich angemesseneren Abgang beschert.

Man kann selbstverständlich darüber diskutieren, ob in Bremen nach 14 Jahren Cheftrainer Schaaf die Zeit für einen Wechsel gekommen war. Man darf allerdings auch darauf hinweisen, dass der ruhige gebürtige Mannheimer nicht allein verantwortlich für die verfehlte Transferpolitik der letzten Jahre war – meiner Meinung nach der Hauptgrund für die miserable Saison 2012/13. Und aus welchem Grund musste der ‘Strategiegipfel’, bei dem die Zukunft von Werder besprochen wurde, zwischen dem vorletzten und letzten Spieltag stattfinden, wenn es eine wahrscheinliche Option war, sich vom langjährigen Trainer zu trennen? So einvernehmlich dürfte es nicht zugegangen sein, wenn das Ergebnis ist, dass Schaaf beim letzten Saisonspiel nicht mehr auf der Bank sitzt.

Werder Bremen war ein Verein, den ich immer zu den Guten gezählt habe. Die Wahl des neuen Trikotsponsors war bereits mehr als unglücklich. Nun endet eine missratene Spielzeit auch noch mit einer Stillosigkeit.

Doppel-Marco repariert Aussetzer

1. Bundesliga, 33. Spieltag / VfL Wolfsburg 3 BVB 3

Icon_spielbericht_newMit Nachdruck und der individuellen Klasse von Marco Reus hat Borussia Dortmund die eigenen Aussetzer aus einer schlimmen halben Stunde in der VW-Arena gerade noch so übertüncht und die zweite Saisonniederlage gegen den Autoclub verhindert. Es war abzusehen, dass die Schwarz-Gelben im Warm-Up zum Champions League-Finale am ehesten in dieser Partie schwächeln würden – auch wenn man gehofft hatte, es ließe sich vermeiden.

Der Vergleich mit dem FC Bayern zeigt, dass der Borussia in diesen Dingen noch ein wenig Routine fehlt. In diesen Wochen geht es ja nicht nur darum, sich würdig aus einer Bundesligasaison zu verabschieden, in der es kaum noch etwas Zusätzliches zu erreichen gibt. Ziel der Spieler ist es natürlich auch, körperlich unbeschadet nach Wembley zu kommen. Diese Diskrepanz zu überbrücken gelang den Münchenern gestern trotz eines zunächst ebenfalls mäßigen Spiels besser. Ein Grund dafür ist die höhere Qualität im Kader, die den Akteuren, die nicht regelmäßig spielen, keine Aussetzer erlaubt, wenn sie eine Chance bekommen. Der zweite Grund war natürlich die höhere Qualität im Kader des BVB-Gegners: Mit einem zweiten Sieg über den Meister hätten die Wölfe eine unbefriedigend verlaufene Spielzeit noch ein klein wenig versöhnlicher gestalten und ihre Minimalchance auf einen Europa League-Platz wahren können.

Zunächst war jedoch nicht zu ahnen, welch gruslige Vorstellung die Schwarz-Gelben abliefern würden. Zu Beginn des Spiels schenkten sich beide Seiten nichts und die Gäste wirkten zumindest im Mittelfeld präsent und engagiert. Schon in der 5. Minute lobbte Nuri Sahin einen Freistoß von Reus in den Strafraum und Sven Bender vollendete zu seinem ersten Tor seit 2011 – Robert Lewandowski war erst hinter der Linie ebenfalls noch am Ball. Leider gab dieser Treffer nur den Wölfen einen Schub und Vorbereiter Sahin erlebte für den Rest der Halbzeit einen kleinen Albtraum inklusive schwerer Fehler und verlorener Kreativität.

Natürlich musste König Fußball dafür sorgen, dass ausgerechnet Ivan Perisic seine beiden ersten VfL-Treffer gegen die Borussia erzielte. Schon bei seinem Ausgleich zum 1:1 sah die Deckung schlecht aus. Santana prallte zwar noch mit dem Neu-Wolfsburger zusammen, konnte das Tor jedoch nicht verhindern. Beim 2:1 war etwas Glück dabei, da Ivans Schuss aus etwa 17 Metern noch abgefälscht wurde, doch es war inzwischen ja auch der katastrophale Spielaufbau des BVB, der den Gastgebern die schnelle Wende ermöglichte. Beim 3:1 nach einer Ecke stand Naldo komplett blank. Es benötigte eine Portion Glück, dass es nach 45 Minuten nur 1:3 stand. Zur Halbzeit hätte man nicht nur Großkreutz und Bender herausnehmen können, wie es Jürgen Klopp tat. Neben Sahin wären auch Felipe Santana, Lukasz Piszczek oder Marco Reus Kandidaten gewesen. Weiterlesen

Noch ein Deutscher in Wembley

Vor Borussia Dortmund und Bayern München steht ein weiterer Deutscher im Finale von Wembley. Bereits am Sonntag in einer Woche trifft Uwe Rösler mit dem von ihm trainierten FC Brentford im Play-Off-Finale der englischen League One auf Yeovil Town. Der Gewinner steigt als dritter Verein in die zweite Liga auf. Und wenn das Champions League-Endspiel nur annähernd so dramatisch wird wie die entscheidenden letzten Wochen beim Londoner Vorstadtverein, wäre es besser, den Defibrillator gleich mitzunehmen.

Nachdem Rösler, an dessen trockene, direkte Art sie sich in Brentford schnell gewöhnt haben, mit dem Team in seiner ersten Saison einen Play-Off-Platz knapp verpasste, standen die “Bees” in dieser Saison schon länger sehr aussichtsreich da. Sogar der direkte Aufstieg, für den man einen der ersten beiden Ränge belegen muss, war bis zum Schluss möglich. Mit einem Sieg im direkten Duell gegen die Doncaster Rovers am letzten Spieltag wäre man am Konkurrenten vorbei direkt in die höhere Liga eingezogen. Das Spiel im heimischen Griffin Park war mit 12.300 Zuschauern restlos ausverkauft – was bei dem im Schatten der großen Londoner Clubs stehenden Drittligisten eine Seltenheit ist.

Lange Zeit hielt die resolute Defensive der Gäste aus Doncaster stand. Sehr lange. In der vierten Minute der Nachspielzeit wurde Brentfords Mittelfeldspieler Toumani Diagouraga im Strafraum gefoult, Schiedsrichter Oliver zeigte auf den Punkt. Schießen sollte Klubveteran Kevin O’Connor – so war es zumindest von Uwe Rösler angeordnet. Doch den Ball schnappte sich der junge Stürmer Marcello Trotta, der vom benachbarten Premier League-Club Fulham ausgeliehen ist – und schoss an die Latte. Im Gegenzug erzielte Doncasters James Coppinger das 0:1 und beförderte seinen Verein somit in die zweite Liga. Den Aufstieg vor Augen – der Tiefschlag so nah. Bitterer kann Fußball gar nicht sein.

Trainer Rösler kritisierte in seiner direkten Art sogar die Mitspieler Trottas dafür, dass sie diesen nicht eindringlicher daran erinnerten, wer als Schütze auserkoren war. Gleichzeitig richtete er seine Spieler rechtzeitig zum nun folgenden Play-Off-Halbfinale gegen Swindon Town wieder auf. Das Hinspiel fand in Swindon statt. In der 70. Minute schoss Massimo Luongo die Gastgeber in Führung. In der dritten Minute der Nachspielzeit grätschte Luongo Brentfords Mittelfeldspieler Harry Forrester im Strafraum um. Schiedsrichter Eltrigham entschied auf Elfmeter. Marcello Trotta saß weit weg auf der Bank – es trat diesmal tatsächlich Kevin O’Connor an und sicherte den Bees ein sehr spätes Unentschieden.

Das Rückspiel im Griffin Park am Dienstag hat viele Engländer, die es live im Fernsehen verfolgt haben, wieder für den unterklassigen Fußball eingenommen. Es geht doch so viel spannender als in der Premier League. Die Bees führten vor heimischen Publikum mit 2:0 und kurz nach der Pause mit 3:1. Torjäger Clayton Donaldson hatte erneut zweimal getroffen – unter Mithilfe des ‘Sünders’ vom letzten Heimspiel, Marcello Trotta. Doch auch diese Begegnung hielt wieder spätes Drama bereit. Swindon war nach 57 Minuten auf 3:2 herangekommen. In der fünften Minute der Nachspielzeit gab es noch mal Ecke für die Gäste und Swindons Flint brachte den Ball über die Linie.

Im Gegensatz zum Tiefschlag aus dem Doncaster-Spiel folgten vorgestern allerdings noch 30 Minuten Verlängerung – die Auswärtstorregel gilt in den englischen Play-Offs nicht. In dieser halben Stunde wurde Swindons Linksverteidiger Byrne mit Gelb-Rot vom Platz gestellt, doch auch das half nicht: Es kam zum Elfmeterschießen. Ob es daran lag, dass Uwe Rösler noch mal eindringlich nach dem Feeling seiner Schützen fragte, oder an etwas anderem – alle fünf Auserwählten trafen. Und Brentfords junger, aber sehr begabter Torwart Simon Moore hielt den vierten Versuch der Gäste.

Nach drei Nervenschlachten sondergleichen stehen die Bees in Wembley. Und wer so etwas mitgemacht hat, ist wohl auch gestählt für ein weiteres atemberaubendes Spiel. Also noch mal schnell den Malaga-Mitschnitt rauskramen, Herr Klopp!

Die Nummer 1 im Pott bleibt hier

Roman Weidenfeller hat seinen Vertrag bei Borussia Dortmund bis 2016 verlängert. Die Entscheidung des langjährigen BVB-Torhüters war erwartet worden; Roman selber hatte wiederholt betont, bei den Schwarz-Gelben bleiben zu wollen. Nun äußerte sich unsere Nummer 1 nochmals wie folgt zu den Gründen:

Was beim BVB in den vergangenen Jahren entstanden und gewachsen ist, ist eine einzigartig positive Fußball-Geschichte, an der ich auch in Zukunft maßgeblich mitschreiben will.

Ganz offensichtlich weiß Weidenfeller auch, wem er in seiner Karriere am meisten zu verdanken hat. Von den Nationaltrainern konsequent ignoriert, hatte er lange Zeit nur in Dortmund echten Rückhalt. Und während er auf den Anruf von Joachim Löw weiter und wahrscheinlich umsonst wartet, hat er sich inzwischen bei Fans und Experten deutschlandweit Anerkennung erarbeitet – auch wenn ihn nicht jeder persönlich mag. Jedenfalls ist Roman weit mehr als nur die beste Nummer 1 im Pott – das hat er spätestens mit seinen sensationellen Champions League-Leistungen bewiesen.

Gleichzeitig ist er auch der Spieler, der am meisten in Dortmund ‘gesettlet’ wirkt – vielleicht neben Marcel Schmelzer, dessen Karriere ähnlich stark vom Rückhalt des Vereins geprägt wurde. Hoffentlich ist Romans Verlängerung ein Zeichen an andere, die der bevorstehende Götze-Wechsel nervös gemacht hat.

Einen gegensätzlichen Effekt könnte sein Bleiben allerdings auf Mitch Langerak, den jungen Mann dahinter, haben. Schon bei Weidenfellers letzter Verlängerung war klar, dass es keine einfache Zeit für den Australier werden würde – als klare Nummer 2. Mitch hat seither ein paar Einsätze gehabt und kann eine erstaunliche Statistik vorweisen – keins der Pflichtspiele mit ihm in der Startelf ging verloren. Dennoch zweifelt weniger denn je irgendjemand an Weidenfellers Status. Dessen Leistungen waren einfach zu stark. Nun hat Roman einen Vertrag bis 2016 und sollte er wie zuletzt nahezu verletzungsfrei bleiben, werden Langeraks Auftritte weiterhin sehr unregelmäßig sein. Mal sehen, ob er trotzdem noch ein oder zwei Jahre abwartet.

Keine Freundschaft im Spiel

1. Bundesliga, 32. Spieltag / BVB 1 Bayern München 1

Icon_spielbericht_newWer gedacht hatte, dass aus der sportlich vergleichsweise bedeutungslosen Liga-Begegnung zwischen Borussia Dortmund und dem FC Bayern ein harmloser Frühlingskick werden würde, verkennt den Charakter des Fußballs. Zwischen diesen beiden Vereinen ist in den letzten Monaten und Jahren einiges vorgefallen und es war klar, dass schon ein kleiner Funke genügen würde, um so richtig Feuer ins Spiel zu bringen. Der Blutdruck vieler BVB-Fans dürfte spätestens bei den lächerlichen Freistoßentscheidungen zugunsten der Bayern in der letzten Viertelstunde vor der Pause deutlich angestiegen sein.

Natürlich ließen beide Trainer wie erwartet und teilweise schon angekündigt nicht alle ihre Topspieler aufs Feld. Jupp Heynckes rotierte noch etwas mehr als Klopp und setzte vor allem im Mittelfeld auf Akteure, die eher unregelmäßig auflaufen. Nach einer Anfangsphase mit deutlich mehr Ballbesitz für die Bayern gelang dem BVB bereits nach elf Minuten die Führung. Nuri Sahin spielte einen präzisen langen Pass auf Kuba, der von halblinks Richtung langer Pfosten flankte. Dort war Kevin Großkreutz zur Stelle, nahm den Ball schön volley und netzte gegen seinen speziellen Freund Manuel Neuer aus wenigen Metern ein.

Kurze Zeit später wurde Ilkay Gündogan wegen einer Oberschenkelverhärtung durch Moritz Leitner ersetzt. Eine verständliche Vorsichtsmaßnahme; ein Ausfall des Mittelfeldregisseurs ist daher nicht zu befürchten. Allerdings zeigte sich erneut, dass Leitner (noch?) nicht das Format hat, wichtige Funktionen im Spielaufbau zu erfüllen – schon gar nicht gegen Mannschaften vom Kaliber Bayern. Bis auf wenige gelungene Aktionen lief die Partie auch gestern wieder am Ex-60er vorbei. Gut möglich, dass sie mit einem fitten Gündogan anders geendet hätte.

So fehlte trotz ansehnlicher Ansätze auf beiden Seiten den Angriffen meist die Durchschlagskraft. Wenn allerdings Mario Gomez – wie gestern in der 23. Minute durch einen Fehler von Schmelzer und schlechtes Stellungsspiel von Subotic – frei zum Kopfball kommt, lässt er sich die Gelgenheit selten entgehen. Nach diesem 1:1 passierte recht wenig Erwähnenswertes – bis auf die eingangs angesprochenen kleinlichen bis schlichtweg falschen Pfiffe von Schiedsrichter Gagelmann und eine Eins-gegen-Eins-Situation, bei der Weidenfeller mit dem Bein toll gegen Gomez klärte. Weiterlesen

Akis kurzes Gedächtnis

BVB-Geschäftsführer Hans-Joachim Watzke hat der Süddeutschen Zeitung ein Interview gegeben und darin eine Ankündigung gemacht, die alle Fans der Schwarz-Gelben sehr gerne hören werden: Zukünftig werde man bei Vertragsverhandlungen keinem Spieler mehr eine Ausstiegsklausel gewähren. Gut hören sich auch folgende Worte an:

Nach zwei Meisterschaften, einem Double und dem Erreichen des Champions-League-Endspiels haben wir als Borussia Dortmund jetzt einen Status, dass wir von jedem Spieler erwarten, sich ohne Wenn und Aber an diesen Klub zu binden.

Ein ähnliches Trauma wie das zum Glück schnell überwundene rund um den Götze-Wechsel soll es also nicht mehr geben.

Allerdings geht in Zeiten des Internets kaum etwas verloren, was in der Vergangenheit gesagt wurde, und in diesem Fall hätte sogar mein Gedächtnis gereicht. Denn etwas ganz Ähnliches versprach ‘Aki’ Watzke schon 2011, als der Transfer von Nuri Sahin zu Real Madrid bekannt wurde. Den musste man damals aufgrund einer Ausstiegsklausel für geschätzte zehn Millionen Euro ziehen lassen. Watzke damals:

Wir waren damals [bei der Vertragsverlängerung von Sahin 2009] nicht die schönste Braut. Heute würden wir solche Klauseln nicht akzeptieren.

Nun kann man dem Geschäftsführer natürlich das Wort im Mund umdrehen und argumentieren, er habe ja nicht gesagt, man werde überhaupt keine Ausstiegsklauseln mehr akzeptieren. Ich bin dennoch überrascht über sein kurzes Gedächtnis – oder dass er den Fans ein solches zutraut.

Die doppelten Bayern

Seit gestern steht fest, dass der BVB in dieser Saison noch zweimal gegen Bayern München spielen wird. Die eine Partie elektrisiert nicht nur die Fans beider Vereine, sondern scheinbar ganz Deutschland. In Berlin soll am 25. Mai sogar die Fanmeile auf der Straße des 17. Juni reaktiviert werden. Zu dumm, dass die Begegnung an diesem Samstag jetzt nur noch wie ein harmloses Vorspiel wirkt. Der FCB hat bereits die Meisterschaft sicher, der BVB wird mit höchster Wahrscheinlichkeit Zweiter. Das hatten sich die Terminplaner der DFL wohl anders vorgestellt.

Jürgen Klopp gab sich denn auch keine Mühe, die Bedeutung des Ligaspiels hochzustilisieren. Manche Bayern wird das ärgern, wollen sie es doch den Schwarz-Gelben auf ganzer Linie, also auch in der Liga, heimzahlen. Doch letztendlich unterscheidet sich die Perspektive von Jupp Heynckes in diesem Punkt nicht wesentlich von der Klopps. Der Vorteil des FCB ist nur, dass er sich einen ausgeglichenen Kader auf höchstem Niveau leisten und Heynckes deshalb problemloser rotieren kann. Mit der BVB-Startelf vom Düsseldorf-Spiel wird gegen den designierten Meister jedenfalls nichts zu holen sein.

Es ist jedoch weder davon auszugehen, dass Jürgen Klopp auf diese elf Spieler zurückgreifen wird, noch dass er die Champions League-Starter bringt. Eine Mischung ist die wahrscheinlichste Option – mit Tendenz zu den stärkeren Akteuren. Schließlich gibt es im Mai keine englischen Wochen mehr. Unausweichlich ist ein Wechsel auf der ’10′. Mario Götze arbeitet nach seinem Muskelfaserriss darauf hin, für das Finale in Wembley wieder fit zu werden. Übermorgen dürfte ihn wahrscheinlich erneut Kevin Großkreutz ersetzen. Neben Sven Bender haben sich nach Klopps Auskunft auf der heutigen Pressekonferenz auch Schmelzer, Gündogan und Reus leichte Blessuren zugezogen. Bei keinem ist ein Einsatz am Samstag bereits ausgeschlossen – Genaueres konnte und wollte der Trainer allerdings noch nicht preisgeben.

Auch der FC Bayern wird mit Sicherheit rotieren, hat aber bis auf die Langzeit-Ausfälle Badstuber und Kroos nach derzeitigem Stand alle Optionen.

Hergeschenkt wird am Samstag nichts. Weder von der einen noch der anderen Seite. Über 80.000 Fans können niemand egal sein. Diese Fans würden es aber akzeptieren, wenn man sich bemüht, es dann aber nicht reicht. Überzogene Dinge erwartet wohl niemand. Einerseits ist die Situation ein bisschen bedauerlich, andererseits wird man sich im nachhinein nicht lange damit aufhalten. Ein Sieg wäre dennoch schön und sicher kein Nachteil für den 25. Mai.

Bambule, Randale, Dortmund im Finale!

Champions League, Halbfinale / Real Madrid 2 BVB 0

Icon_spielbericht_newWembley. Ein neues Stadion, doch wenigstens der Name bleibt ein Fußballmythos. Borussia Dortmund wird dort am 25. Mai spielen. Der unglaubliche Turnaround ist fast perfekt: Acht Jahre nach der Beinahe-Insolvenz stehen die Schwarz-Gelben im Champions League-Finale! Acht Jahre, in denen die neuen Verantwortlichen wunderbare Arbeit geleistet haben. Nicht völlig ohne Rückschläge, aber es geht ja bekanntlich um immer mal wieder unberechenbaren Sport. Zum Ende dieser Periode dann die unfassbare Steigerung: Meister, Doublesieger, Finale in Wembley.

Ganz ohne Drama ging es nicht. Zu viel Drama für den ohnehin nie überoptimistischen Geschäftsführer Hans-Joachim Watzke, der an der im ersten Absatz skizzierten Entwicklung so großen Anteil hat. Viele wunderten sich gestern in der Schlussphase, warum Watzkes Sitz plötzlich leer war. Die Erklärung:

Das erste Mal in meinem Leben musste ich wegen Herzproblemen aufgeben. Ich bin die letzten 20 Minuten auf die Toilette gegangen und konnte nicht mehr hinsehen. Ich habe mich eingeschlossen, mir die Ohren zugehalten und auf die Uhr geschaut. Da gehen einem alle möglichen Gedanken durch den Kopf.

Und darum hat dieser Verein die Kurve gekriegt. Weil es Menschen gibt, die ihn so sehr lieben. Die all die Jahre für ihn gearbeitet haben, ins Stadion gegangen oder Mitglieder geworden sind. Die Unterstützung war immer da und immer groß – deshalb steht der BVB jetzt in Wembley.

Jürgen Klopp hatte in Madrid die gleiche Startelf gewählt, die schon das Hinspiel begann. Der von Real bekundete Wille zur Aufholjagd war von Beginn an sichtbar, was keine sonderliche Überraschung darstellte. Das Ziel der Gastgeber schien ein frühes Tor um jeden Preis zu sein. Und sie hatten eine Reihe von Chancen und viele Ecken. Zum Glück war das alles lange Zeit ungewohnt hektisch, so dass die hohe Abschlussqualität von Mourinhos Spielern nicht zum Tragen kam. Was aufs Tor kam, parierte ein erneut fantastischer Roman Weidenfeller. Weiterlesen

Back in yellow and black

Nach einer kurzen zeitbedingten Schreibpause geht es hier in neuem Gewand weiter. Das Theme “Fanwood Light” passt aber auch wirklich zu gut zum Lieblingsverein und wird zumindest bis zur Sommerpause unterstreichen, was Schwarz-Gelb in dieser Saison schon wieder erreicht hat und noch erreichen kann.

Borussia Dortmund steht nach der Sternstunde vom Mittwoch vor einem weiteren nicht für möglich gehaltenen Erfolg: dem Einzug ins Champions League-Finale in Wembley. Man muss das einfach noch mal aufschreiben. Und da gibt es ja gewisse historische Parallelen, die zwar ebenfalls schon mancherorts publiziert wurden, aber trotzdem zu schön sind, um hier nicht aufzutauchen. 2007, nach zwei Meisterschaften in den Jahren zuvor, gewann der BVB bekanntlich die Champions League. Kleine Pointe am Rande: Pokalsieger wurde der VfB Stuttgart.

Völlig klar ist jedoch eins: 90 Minuten im Bernabeu können sehr lang sein, trotz 4:1 im Hinspiel. Natürlich wird Real Madrid brennen, natürlich wird Jose Mourinho seinen Spielern den Glauben ans Weiterkommen mitgegeben haben. Und schon bei einer 1:0-Führung der Gastgeber würden viele Fanhände zu schwitzen beginnen. Wichtig ist allerdings nur, dass sich die Mannschaft davon nicht anstecken lässt. Es ist schwer zu glauben, dass es morgen Abend keine Rückschläge geben wird – doch selbst ein weitgehend sorgenfreies Spiel halte ich nach dieser CL-Kampagne nicht für unmöglich.

Personell gibt es ein großes Fragezeichen hinter Lukasz Piszczek. Der Rechtsverteidiger, der im Hinspiel Cristiano Ronaldo so gut im Griff hatte, kämpft mit Adduktorenproblemen – sein Einsatz soll sich erst kurz vor dem Spiel entscheiden. Mario Götze und Ilkay Gündogan gehörten am Samstag in Düsseldorf zu jenen, die nicht nur rotationsbedingt geschont wurden. Sie dürften in Madrid jedoch von Anfang an dabei sein – wobei nicht ganz ausgeschlossen ist, dass Jürgen Klopp im Fitness-Zweifelsfall Nuri Sahin den Vorzug vor Ilkay gibt.

Bei Real werden Marcelo und Arbeloa voraussichtlich fehlen, die ebenfalls angeschlagenen Ronaldo und Pepe dagegen zur Verfügung stehen. Madrid wird alles versuchen und hat vorsorglich auch das Publikum noch mal um Unterstützung gebeten. Sicher werden aber auch die bis zu 8.000 Dortmunder von sich hören machen. Schiedsrichter der Partie ist Howard Webb. Guter Mann, Engländer. Wie jeder andere macht auch er mal Fehler, doch die expressive Art von ‘CR7′ wird bei ihm wohl weniger Eindruck machen als beim Hinspiel-Referee.

Dann kann es also losgehen. Jürgen Klopp hat vor jedem Champions League-Spiel die richtigen Worte gefunden und uns alle richtig heiß gemacht. Dieses Halbfinalrückspiel ist keine Ausnahme:

Es ist sicher, dass morgen etwas Historisches passiert. Entweder wir kommen weiter – das wäre historisch. Oder wir fliegen raus – auch das wäre historisch. Wir werden daher alles raushauen.