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Killt Kalle die Bundesliga?

Vor gut zwei Wochen traf sich der Vorstandsvorsitzende des FC Bayern München, Karl-Heinz Rummenigge, mit Mitarbeitern des Bundeskartellamts zu einem ‘Informationsgespräch’. Gestern nun wurde bekannt, dass die Behörde jetzt rechtliche Einwände gegen die zentrale Vermarktung der Bundesliga-Fernsehrechte geltend macht und den Vereinen deshalb einen Fragebogen zugeschickt hat. Kann das Zufall sein? Angesichts der Tatsache, dass sich die Damen und Herren in Bonn bisher nie bemüßigt sahen, die seit vielen Jahren gängige Praxis zu durchleuchten, erscheint ein Zusammenhang naheliegend. Gut, es steht auch ein neuer TV-Vertrag an, der viel Macht in den Händen der DFL bündelt (Stichwort: Eigenproduktion der Übertragungen). Aber das Kartellamt zielt genau ins Herzstück der Rechtevermarktung:

“Die Zentralvermarktung von Medienrechten hat dieselbe Wirkung wie ein Preiskartell.”

Da haben die Wettbewerbshüter gemäß ihrer üblichen Logik Recht, nur geht es bei den Fußballverträgen um die Vereinbarkeit von marktwirtschaftlichen Grundsätzen und sportlichem Wettbewerb, und um letzteren zu hüten, müsste die zentrale Vermarktung im wesentlichen unangetastet bleiben.

Wenn KHR das bisher geltende Prinzip als “wichtiges Gut” bezeichnet, ist das der Tatsache geschuldet, dass er sich mit seiner eigentlichen Meinung und seinem Vorgehen gegen fast alle Fußballfans (vielleicht sogar einige Bayern) und -Funktionäre stellt. Ein klarer Fall von ‘öffentlich reden – hintenrum (konträr) handeln’. Dass es Rummenigge in Wirklichkeit darum geht, mit dem FCB um jeden Preis wieder im Konzert von Europas Großen mitzuspielen, hat er durch zahlreiche andere Äußerungen angedeutet.

Der Preis wäre sehr, sehr hoch. Sollte es wirklich zu einer dezentralen Vermarktung der TV-Rechte kommen, könnte es noch schlimmer kommen als in Spanien, Italien oder England. Sind schon dort die sportlichen Machtverhältnisse stark zementiert, mit zwei bis vier Teams, die die Ligen nach Belieben dominieren (in England allerdings nicht in erster Linie wegen den Fernsehrechten), dürften die Bayern aufgrund ihrer immensen Popularität im deutschen Fernsehen noch mächtiger werden was den nationalen Vergleich angeht. Drei, vier andere Vereine würden die Europapokal-Plätze unter sich ausmachen, Überraschungen ‘von unten’ würden immer unwahrscheinlicher.

Noch ist es nicht soweit; DFB und DFL werden zusammen versuchen, das Kartellamt zu beschwichtigen; es gab ein Treffen von Theo Zwanziger und Reinhard Rauball mit dem Präsidenten und der Beschlussabteilung der Behörde. Trotzdem: Karl-Heinz Rummenigge gefährdet mit seinem Vorgehen mutwillig das Erfolgsprodukt Bundesliga und sollte deshalb aus dem Ligavorstand zurücktreten (oder zurückgetreten werden).

Eingetragen unter:Bayernwatch, Die dunkle Seite, Strippen ziehen , , , , ,

5 Responses

  1. Joshtree sagt:

    Der Form halber: Du weißt nicht, was KHR mit dem Kartellamt besprochen hat, worum es ging. Damit ist Deine Schlussfolgerung, dass das Kartellamt auf sein Betreiben hin agiert, fahrlässig und eine ziemlich bösartige Unterstellung. Und damit wiederum wird Deine ganze Argumentation hinfällig.

    Beide(!) Seiten haben im übrigen betont, dass die aktuelle Untersuchung nichts mit Rummenigge zu tun haben.

    Also besser Klappe halten, wenn einem außer dem Antibayerngeifer nix einfällt!

  2. Nick sagt:

    Frage: Was glaubst du denn, was KHR mit dem Kartellamt besprochen hat? Da wir das höchstwahrscheinlich nie erfahren werden, kann man darüber nur spekulieren. Dass das Kartellamt den neuen TV-Vertrag, der ja einige Änderungen beinhalten soll, untersuchen würde, war klar; dass es jetzt auch an der zentralen Vermarktung Anstoß nimmt, ist neu.

    Natürlich gibt es eine Bundesbehörde nicht zu, wenn sie von irgendjemand ‘zum Jagen getragen’ worden sein sollte. Es könnte auch eine schleichende Beeinflussung sein; Rummenigges Taktieren passt dazu: Seinen Lippenbekenntnissen zur Zentralvermarktung stehen wiederholte Drohungen mit dem Ausstieg entgegen.

    Dass von unreflektierten Bayern-Fans zu diesem Thema nichts zu erwarten ist, war mir klar. Mir geht es um die Zukunft des Bundesliga-Fußballs, nicht um einen einzelnen Verein. Wenn du dir die Mühe gemacht hättest, meinen vorigen Beitrag zu lesen, wäre dir aufgefallen, dass ich trotz Bayern-Antipathie auch positive Entwicklungen an der Säbener Straße nicht verschweige.

  3. Joshtree sagt:

    Holla! “Unreflektiert” ist schön!

    Was meinst Du? Dass Du dem Uli großzügig die Fähigkeit zuerkannt hast, sinnvolle Gedanken zu äußern? Da wird er sich aber freuen über soviel Objektivität!

    Die Untersuchungen des Kartellamtes zur Zentralvermarktung laufen trotzdem schon länger als seit letzter Woche. Habe mir extra ne unverdächtige Quelle rausgesucht, um Dein erstes Gegenargument zu entkräften:

    http://www.taz.de/1/sport/artikel/1/zentralvermarktung-in-gefahr/?src=MT&cHash=c6b1e83a99

    Die Taz ist mir bisher nicht als Bayern-Fanzine aufgefallen, könnte also als objektiv durchgehen, oder?

    Darin ist auch das wichtigste Gegenargument: Rummenigge bzw. der FCB hat nicht zwingend etwas von einem Eingreifen des Kartellamtes. Im Gegenteil.

    Und: Woher nimmst Du die moraliscghe Überlegenheit, öffentliche Äußerungen von Rummenigge von vornherein als Lippenbekenntnisse abzutun? Hättest Du das bei Klaus allofs auch getan? Da gibt’s die gleiche Gemengelage – Werder würde massiv von einer Einzelvermarktung profitieren.

  4. Nick sagt:

    “Lippenbekenntnisse” deshalb, weil KHR schon wiederholt mit dem Ausstieg aus der Zentralvermarktung gedroht hat, um höhere Forderungen des FCB durchzusetzen. Vielleicht hast du den Link zu einem “Welt”-Artikel in meiner ersten Antwort übersehen?

    Ob Werder massiv von einer Einzelvermarktung profitieren würde, wage ich zu bezweifeln. An das Vermarktungspotenzial der Marke “Bayern München” kommt in der Liga niemand annähernd heran. Mit Sicherheit würde die Liga insgesamt nicht profitieren, der Bayern-Vorsprung würde noch viel größer.

    Zum Taz-Artikel: Das Kartellamt hatte also schon früher Bauchschmerzen bei der Zentralvermarktung, okay. Diesmal scheint es aber wirklich eng zu werden.
    Desweiteren steht in dem Artikel auch, dass sich die Bayern schon lange lieber selbst vermarkten wollen – qed. Der Weg ist indirekt ebenfalls vorgegeben: Bleibt der FCB (und andere Topklubs) bei den Forderungen des Kartellamts nach einer Umverteilung zugunsten der kleineren Vereine stur, könnte die zentrale Vermarktung kippen.

  5. [...] kippen könnte. Was sich die Bayern wohl insgeheim wünschen und worauf sie vielleicht hinter den Kulissen schon hinarbeiten. Dann würden sich riesige finanzielle Diskrepanzen innerhalb der Bundesliga [...]

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