Pokalsieger sind wir nicht geworden gestern, aber wir hatten die Bayern am Rande einer Niederlage und die BVB-Fans haben die Bazis zahlenmäßig und vom Support her aber sowas von geschlagen. Trösten kann das natürlich allenfalls ein bisschen; die Schwarz-Gelben haben die bescheidene Saison nicht mit einem Titel krönen können. Die Spielanalyse könnte man eigentlich Ottmar Hitzfeld überlassen, der die Partie mit folgenden Worten sehr anständig zusammenfasste:
“Wir haben im Finale gut begonnen, konnten in Führung gehen, haben dann aber nicht energisch genug nachgelegt und uns zu weit zurück gezogen. Dortmund kam zehn Minuten vor der Halbzeit sehr stark ins Spiel, und auch nach dem Wechsel bekamen wir das Spiel nicht mehr so richtig in den Griff. Wir haben zu viel verteidigt und hatten nach vorne zu wenige torgefährliche Aktionen. Der Ausgleich für den BVB in der 90. Minute war verdient. Dieses Spiel hätte auch ins Elfmeterschießen gehen können. Das Siegtor war sehr glücklich. Genau so gut hätten wir auch nach dem Schuss von Kringe, als Kahn sensationell hielt, in Rückstand geraten können. Wir sind der glückliche Sieger gegen einen starken Gegner Borussia Dortmund.” (Quelle: BVB)
Ganz ohne eigenen Kommentar geht es natürlich nicht. Das Pokalfinale war für uns Fans ein Erlebnis, das mit einem normalen Ligaspiel, zumal in Berlin, nicht zu vergleichen ist. Nachdem ich nachmittags am Breitscheidplatz endlich meine Karte in Empfang genommen hatte, ging es dann nach diversen Verzögerungen und ‘Umleitungen’ endlich in Richtung Stadion und spätestens, wenn man dann im Block ist, spürt man gleich das besondere Pokalflair, die Festtagsstimmung, die allgemeine Vorfreude. Von der BVB-Seite des Stadions wurde beinahe kontinuierlich gesungen, auch nach dem Rückstand später im Spiel.
Zum Spielverlauf hat Ottmar Hitzfeld ja das Wesentliche gesagt. Die ‘konservative’ Aufstellung des BVB, also kein Höttecke im Tor und ohne Valdez im Mittelfeld (wurde erst später als Stürmer eingewechselt), dafür mit der ‘reifen’ Verteidigung Wörns / Kovac und Kuba mal wieder im rechten Mittelfeld in der Startelf, bewährte sich, auch wenn die Schwarz-Gelben schwer ins Spiel kamen und die Bayern erstmal überlegen und schon nach elf Minuten durch Toni erfolgreich waren. Aber spätestens nach einer halben Stunde gestaltete der BVB das Spiel ausgeglichen, hatte zeitweise ein Übergewicht und war mindestens die aktivere Mannschaft, lange auch die bessere. Ach ja, Herr Joachim Löw, ich wäre Ihnen verbunden, wenn sie mir mal ihren folgenden Satz erläutern könnten: “Über das gesamte Spiel war Bayern der verdiente Sieger, weil sie sehr gut angefangen hatten.”
Die Chancen waren relativ ausgeglichen verteilt, der Ausgleich in der Nachspielzeit war jedenfalls hochverdient. Petric macht dat Ding irgendwie rein, nach Wörns-Kopfball, aber so genau kann ich mich nicht mehr erinnern, es war auch am anderen Ende des Stadions, vor den Bayern-Fans, die mit der Führung im Rücken fünf Minuten vor dem Spielende mal angefangen hatten, etwas Stimmung zu machen. Was nach dem Ausgleich im BVB-Block los war? Unbeschreiblich. Eigentlich hat sich dafür das Eintrittsgeld schon gelohnt. Und gestärkt durch diesen späten Ausgleich und den Dauer-Support der Kurve gingen die Schwarz-Gelben mit viel Rückenwind in die Verlängerung. Die Bazis waren erstmal abgemeldet. Kahn musste bei einem Kringe-Schuss sein ganzes Können zeigen. Aber mit dem ersten vernünftigen Angriff in der Verlängerung machten sie dann das 1:2. Glücklich schon allein deshalb, weil Toni die Podolski-Vorlage mehr abfälschte als schoss, so dass Ziegler auf dem falschen Fuß erwischt wurde und machtlos war. Einige Minuten später gab es dann Gelb-Rot für Kuba; in dieser Szene lag Schiri Kircher wohl richtig, ansonsten pfiff er gegenüber Schwarz-Gelb oft kleinlicher als gegen die Rot-Weißen. Das Spiel war damit so ziemlich gelaufen, der BVB hatte in den letzten Minuten nicht mehr die Kraft, zu zehnt nochmal richtig draufzugehen. Man könnte sich auch noch über das theatralische am-Boden-wälzen diverser Bayern-Spieler, insbesondere Luca Toni, auslassen, aber das solls zum Spiel gewesen sein.
Die Nacht ging dann für mich nach einigem Hin und Her in Kreuzberg noch recht entspannt zu Ende, dank einiger Bierchen und einem trotzigen, aber positiven “Wir haben alles gegeben”-Gefühl. Für dieses Spiel muss sich auch die Mannschaft bestimmt nicht schämen. Trotzdem – den vor dem Spiel aufkommenden Gerüchten über eine Verpflichtung von Jürgen Klopp zur neuen Saison, an denen vermutlich nichts dran ist, habe ich mit Interesse gelauscht.
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