Das ist ein Plädoyer. Auch an mich selbst, aber mehr noch an die vielen BVB-Fans, die ungeduldiger sind als ich. Uns alle hat die Chancenverwertung von Nelson Valdez in seinen ersten beiden Spielzeiten in Dortmund so manchen Nerv gekostet. Und viele haben ihn zwischendurch sonst wohin gewünscht, vielleicht nach Usbekistan oder Gelsenkirchen, jedenfalls nicht ins Westfalenstadion. Ich kann mich da halbwegs ausnehmen, aber auch ich hielt zeitweise die Ersatzbank für den geeignetsten Ort für Nelson, wenn es Samstag, halb vier war in Deutschland.
Unter Jürgen Klopp wandelt sich nun langsam das Bild, das die schwarz-gelben Anhänger von Valdez haben. Die ersten Plakate und Banner mit seinem Gesicht tauchen auf, bei Auswechslungen wird er inzwischen meistens gefeiert. Das liegt natürlich in erster Linie an der Leistungssteigerung, die deutlich zu erkennen ist und sich endlich auch in Toren ausdrücken lässt. Ein wirklich schönes gelang ihm am Sonntag gegen Hannover. Sein Einsatzwillen war allerdings schon unter Thomas Doll zu erkennen; gerackert hat Nelson immer. Und Tore geschossen auch – zu seiner Bremer Zeit.
Es gibt Spielertypen, denen sollte man Zeit geben. Weil sie wichtig für eine Mannschaft sein können, auch ohne zu treffen. Oder einfach, weil sie das verkörpern, was man lange Zeit für den Inbegriff des Ruhrpottfußballs hielt. Dass Nelson Valdez ein fähiger Fußballspieler ist, war klar; nur leider fehlte die Effektivität. Wenn die sich jetzt dauerhaft einstellen sollte, wird Nelson uns noch richtig begeistern; gerade auch, weil er zum Glück nicht dem Klischee vom satten, verwöhnten, arroganten Profi entspricht. Sondern ein sympathischer Typ ist.
Eine ähnliche Entwicklung konnte man übrigens auch bei Florian Kringe sehen. Er hat lange gebraucht und wird sicher kein Goalgetter mehr werden, aber er hat seinen Wert für die Mannschaft bewiesen und ist ein korrekter Typ. Auch wenn er vielleicht nicht immer in der Stammelf stehen wird. Spieler wie Valdez und Kringe können vielleicht die Entfremdung zwischen Fans und Mannschaften verlangsamen – weil man sich mit ihnen freut und nicht nur über das Ergebnis. Deshalb sollten wir Geduld mit ihnen haben!
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