BL 9.Spieltag / BVB 1-1 Hertha Berlin
Die Kunst, aus Sch…. Gold zu machen – oder zumindest einen Punkt.
Die Aufstellung: Weidenfeller – Schmelzer (60. Owomoyela), Hummels, Subotic, Lee – Kehl – Kringe, Tinga (72. Zidan) – Hajnal – Valdez, Kuba (20. Frei).
Irgendwie haben sie es wieder geschafft, die Berliner. Dank einer defensiven Kontertaktik, dank Dortmunder Abschluss- sowie Verletzungspech, dank eines guten Torwarts und eines nicht immer guten Schiedsrichter-Teams. Der BVB spielt eine begeisternde erste halbe Stunde, mit schönem, schnellem Kombinationsspiel, wie man es im Westfalenstadion (zumindest von der Heimmannschaft) seit gefühlten Ewigkeiten nicht gesehen hat und wird dann für den ersten größeren Patzer in der Abwehr bitter bestraft. Raffael überwindet die Viererkette und wird im Strafraum vom herauseilenden Weidenfeller mit der Hand am Fuß berührt – ein harter Elfmeter, noch vertretbar, aber wenn man sieht, wie der Berliner die Situation professionell ausnutzt, dann wünscht man sich schon, dass auch in Deutschland etwas zurückhaltender gepfiffen wird. Und noch ein Tipp an die deutschen Lottogesellschaften: Vielleicht sollte hierzulande nicht mehr um sechs Richtige, sondern um einen gehaltenen Elfer von Roman Weidenfeller gespielt werden – mit dem Jackpot könnte man wahrscheinlich schon ein paar Banken sanieren.
Der Rückstand (durch Cicero) war ein Schock für den BVB, und das Tor tat dem Spiel nicht gut. Den Schwarz-Gelben gelang nur noch wenig, die Blau-Weißen taten nicht mehr als nötig. Aber kurz vor der Pause hätte es trotzdem 1:1 stehen müssen. Nach einer Ecke von Frei gab es Chaos im Berliner Strafraum, mehrere Dortmunder scheiterten mit ihren Schüssen an Torwart Drobny und Feldspieler Chahed – wobei die beiden offensichtlich ihre Rollen getauscht hatten, denn Drobny klärte zweimal mit dem Fuß, Chahed dagegen einmal mit dem Arm auf der Torlinie, unbemerkt von den hoffentlich Unparteiischen.
Die zweite Hälfte war zwar von BVB-Seite nicht besser als die ersten 30 Minuten, aber es wurde noch einseitiger. Die Gäste standen massiert hinten drin, lauerten natürlich auf Konter, von denen es allerdings zunächst wenige gab. Leider stand die Abwehr gut und der Frust bei den meist schwarz-gelben Kneipengästen (inklusive mir) wuchs – nicht über die eigene Mannschaft, sondern über die immer nihilistischer spielenden Gäste. Im Stadion gab es gleichzeitig aber tollen Support und letztendlich wurde die ungerechteste Niederlage seit langem noch abgewendet, ganz banal durch einen Standard: Ecke Frei, Kopfball Kehl, 1:1.
Nun wollte der BVB mehr und das Spiel blieb packend. Erst jetzt gelangen den Berlinern einige vielversprechende Konter, die allerdings ebenso erfolglos blieben, wie die Dortmunder Bemühungen. Bleibt noch die Frage, was gewesen wäre, wenn Kuba nicht nach 20 Minuten mit vermutlich gebrochenem Nasenbein (Ellbogen von Stein im Gesicht, wohl unabsichtlich) raus gemusst hätte – der Kreativspieler der letzten Wochen. Egal, zu spät, sehr glücklicher Punkt für Hertha und beim BVB fehlt eben, wie ich es vermutet habe, das gewisse Quäntchen nach ganz oben. Zur Zeit Platz 8; bestätigt meine Erwartungen, ist aber trotzdem schade angesichts der guten Leistung heute. Auszunehmen davon Tinga, der eigentlich zu spät ausgewechselt wurde. Durchwachsen Alex Frei, dessen Nichtberücksichtigung für die Startelf im nachhinein erklärbar war – viel mehr als der Hammerschuss kurz nach seiner Einwechslung kam da nicht.
Schön ist, dass es gleich weitergeht. Am Mittwoch in Köln, am Sonntag gegen Bochum. Mindestens ein Dreier sollte da zu holen sein. Vielleicht gelingt dann zumindest der Sprung an die Spitze des Potts – so wie die Blauen gerade auftreten. Die zweite Mannschaft haben die Schwarz-Gelben am Samstag 2:0 geschlagen; die erste zu überholen, wäre mal ein schönes Etappenziel.
ein harter Elfmeter, noch vertretbar, aber wenn man sieht, wie der Berliner die Situation professionell ausnutzt, dann wünscht man sich schon, dass auch in Deutschland etwas zurückhaltender gepfiffen wird.
Ich habe die entsprechende, aktuelle Statistik gerade nicht parat, aber in den letzten Jahren war es in der Regel so, dass ich keiner der anderen großen europäischen Ligen weniger Strafstösse gepfiffen wurden als in der Bundesliga.
Zumal der Elfmeter nicht hart war sondern absolut und vollkommen in Ordnung ging. Oder klarer formuliert: Das war ein Foul im Strafraum und dementsprechend Elfmeter. Das hat überhaupt nix mit Ermessensspielraum zu tun.
Da kann man schon eher über das „Handspiel“ von Chahed diskutieren – im laufenden Spiel meiner Meinung nach nicht wirklich perfekt zu erkennen und selbst in der Zeitlupe noch eher strittig.
Dass die Berliner aus den letzten drei Begegnungen mit insgesamt 7 Punkten rausgegangen sind, wird mir dennoch ein absolutes Rätsel bleiben. Hoffe, dieser Spuk ist bald vorbei und sie werden bald wieder nach hinten durchgereicht.
Tja, ich glaube mittlerweile, dass Hertha eine ganz gute Saison spielen wird und sich hinterher die meisten fragen, wie das nun wieder passieren konnte. Sie spielen halt nicht spektakulär…
Zum Elfer muss man sagen: Klar berechtigt. Die Hand ist am Fuß, Raffael kommt aus dem Gleichgewicht und fällt. Da gibt es nichts zu diskutieren.
Über die Situation mit Chahed kann man dagegen durchaus mal reden. Da haben wir Glück gehabt.
Aber dann müssen wir auch darüber sprechen, dass das Foul an Cicero nicht geahndet wurde, sodass der BVB den Konter fahren konnte, der direkt zur Ecke geführt hat, nach der das Tor entstanden ist. Cicero wird von zwei Dortmundern umgerannt und verliert nur deshalb den Ball.
Unter dem Strich sehe ich da ausgleichende Gerechtigkeit, was die Entscheidungen angeht.
Insgesamt geht das Unentschieden vollkommen in Ordnung, weil Hertha zwar massiert stand, aber auch vernünftig nach vorne gespielt hat. Dass sie das Spiel als Auswärtsmannschaft nicht die ganze Zeit machen müssen, ist doch wohl klar…
Also ich habe beim besten Willen bei Chahed kein Handspiel gesehen. Selbst wenn ich kein Herthafan wäre, würde ich das Spiel ohne mit der Wimper zu zucken weiterlaufen lassen. Easyfunk hat natürlich recht mit dem nicht gebenen Freistoß für Hertha und dem daraus resultierenden Angriff. Die Zweikämpfe hat der Schiedsrichter in meinen Augen ohnehin nicht so optimal bewertet. Kleinigkeiten wurden geahndet, klare Fouls übersehen und Valdez sah’ kein Rot. Für mich war das eine klare Überreaktion, die einen Platzverweis zur Folge hätte haben müssen.
Bei Hertha sind derzeit allerhand Spieler verletzt, die never-ending-story Pantelic belastet die Mannschaft und am Mittwoch gab es ein sehr anstrengendes Spiel gegen Benfica, bei dem fast die selbe Elf spielte wie in Dortmund. Unter diesen Gesichtspunkten habe ich mit einer Niederlage gerechnet und mir einen Punkt gewünscht. Dass die Mannschaft gestern so gut aussah hat mich positiv überrascht und meine Erwartungen komplett erfüllt.
@hirngabel: Keine Frage ein Einbruch wird früher oder später kommen. Wie schon erwähnt: Es gibt sehr viele Verletzte und die, die auf de Patz stehen, spielen derzeit im 3-4 Tagesrhytmus.
@Torsten: Ich kenne die Statistik nicht, aber wenn das so ist, dann stellt sich mMn die Frage nach Ursache und Wirkung. Vielleicht sind die Verteidiger durch die hiesige ‘Pfeiffreudigkeit’ auch so konditioniert, dass sie eben vorsichtiger in den Zweikampf gehen. Was per se nicht schlecht ist, aber im vorliegenden Fall ist Raffael für meinen Geschmack sehr leicht gefallen. Das „zurückhaltender pfeifen“ bezog sich auch auf die gesamte Spielleitung.
@Hirngabel: Na ja, der Elfer. Den kann man schon geben. Aber der Kontakt von Weidenfellers Hand mit Raffaels Schuh war mMn nicht besonders intensiv und zudem vom Berliner auch gesucht. Der hätte auch locker weiterlaufen bzw. drüberspringen können, die Hand war ganz dicht am Boden. Da frage ich mich schon, ob jeder Kontakt auch gleich ein Foul ist. Für den Schiedsrichter aber natürlich schwer zu erkennen.
@Easyfunk: Nochmal zum Elfer. Raffael fällt, so viel steht fest. Ob er aus dem Gleichgewicht kommt? Hmm. Zum Ergebnis: Hertha hatte ein paar Konterszenen. Und in der ersten Hälfte kurze Phasen, in denen sie mitgespielt haben. Das Spiel hat fast immer der BVB gemacht (zeitweise sehr ansehnlich), Druck entwickelt hat fast nur der BVB. Es ist natürlich legitim, abwartend zu spielen, aber die Berliner hätten sich sicher nicht beschweren können wenn sie verloren hätten. Ich behaupte mal, einen Rückstand hätten sie nicht mehr wettgemacht.
@Kingqde: Bei Chahed ist die Armbewegung zum Ball in der Zeitlupe offensichtlich, das einzige kleine Fragezeichen bleibt, ob er ihn mit der Schulter oder mit dem Arm berührt hat.
Und für Valdez willst du Rot? Das wäre genauso überzogen gewesen wie ein Platzverweis für Stein, als er Blaszczykowski mit dem Ellbogen unabsichtlich das Nasenbein gebrochen hat. Wenn du für jeden Schubser gleich Rot gibst, stehen am Ende vielleicht noch 15 Leute auf dem Platz.
@Nick
Du hast doch sicherlich auch schon mal Fußball gespielt. (Vermutlich sogar länger als ich) Und da müsstest Du doch eigentlich wissen, dass schon eine verhältnismäßig kleine Bewegung einen Spieler im vollen Lauf komplett rausbringen kann.
Aber darum geht es auch nur bedingt, denn letztlich sind hier alle Bedingungen für einen Strafstoß gegeben, inklusive eines klaren Haltens am Fuß. Und da ist nur eine Entscheidung korrekt.
Ähnliches gilt auch für die Szene mit Demichelis von Samstag – nur mit dem Unterschied, dass das eigentlich ausserhalb des Strafraums war.
Nuja, Rot für Valdez wäre in der Tat übertrieben gewesen. Gelb wg. Unsportlichkeit wäre da ausreichend.
Stein/Kuba war einfach nur ein dummer Zwischenfall (v.a. im Verhältnis zu den Aktionen diverser Herthaner letzte Woche – aber will ja nicht nachkarten… =)).
Soviel zum Regelexkurs. =)
Bei Stein, Kuba und Valdez sind wir uns ja einig
. Bei Weidenfeller v Raffael habe ich eher ein Streicheln als ein Halten gesehen. Ich war natürlich nicht dabei und habs nicht selbst erlebt. Und bei meinen (überschaubaren) Fußballerfahrungen komme ich eher selten in Situationen, in denen ich in vollem Lauf gefoult werden müsste…
Da muss ich schmunzeln, weil ich grad bei mir auf deinen Kommentar geantwortet habe. Und da heißt es: Der BVB hätte sich über eine Niederlage nicht beschweren dürfen. Ich nehme an, das liegt an den jeweiligen Vereinsbrillen und unter dem Strich ist das Ergebnis also vollkommen in Ordnung. Die Wahrheit liegt halt manchmal in der Mitte…
Moin Nick,
sicherlich will ich für Valdez Rot. Das war kein Schubser, sondern in meinen Augen eine Tätlichkeit. Der Ball war längst im Seitenaus, als Valdez auf ihn los ging. Zu Stein kann ich nichts sagen. Erst ab der 32. Minute habe ich es geschafft den Fernseher anzumachen. Sicherlich bewegt Chahed seinen Arm, aber Hand ist Hand und nicht Schulter oder die paar Zentimeter, die darunter liegen (oberster Oberarm).
@Kingqde: Na ja, ich finde, das war Emotion und nichts Bösartiges von Valdez – kein wirkliches Schlagen, Würgen, Nachtreten o.ä.. Bin generell kein Freund von schnellen Karten, auf beiden Seiten.
Und die Fußball-Anatomie sagt nun mal, dass Arm Hand ist
.