Ein Schafsbock wie sein Vater
Verwandtschaften sind im Profifußball keine Seltenheit und weltweit anzutreffen. In Deutschland fallen einem spontan die Gebrüder Rummenigge, Hoeneß und Förster oder in der Gegenwart die Altintops ein. Weit weniger häufig hört man dagegen, dass zwei bekannte Trainer durch Familienbande verknüpft sind. Hierzulande ist mir kein geläufiger Name in den Sinn gekommen (kennt jemand wen?). Etwas anders ist das in England. Dort haben zwei Nachkommen von zwei der anerkanntesten und charismatischsten Trainern der Nachkriegsgeschichte dieselbe Laufbahn eingeschlagen wie ihre Väter und haben Erfolg damit. Der eine heißt Darren Ferguson und ist der Sohn des allseits bekannten Sir Alex, der seit vielen Jahren Old Trafford regiert. Ferguson Junior ist Trainer des League One-Clubs Peterborough United, die nach dem Aufstieg im letzten Jahr nun schon wieder auf einem Play Off-Platz (4.) stehen. Und übrigens nächsten Dienstag im FA Cup-Replay auf meine ‘englischen Lieblinge’ West Brom treffen.
Der zweite Junior mit großem Namen ist Nigel Clough. Dessen Vater Brian ist in Großbritannien in den 70er und 80er Jahren zur Legende geworden. Ganz besonders verehrt wird er in den East Midlands, wo er seine mit Abstand erfolgreichsten Trainerstationen hatte. Zunächst führte er in seiner Zeit bei Derby County (1967-1973) den Klub in die First Division, die höchste Spielklasse. 1972 gewannen die ‘Rams’ unter Brian Clough den ersten Meistertitel ihrer Geschichte und in der folgenden Saison standen sie im Halbfinale des Europapokals der Landesmeister, wo sie unter kontroversen Umständen an Juventus scheiterten.
Noch erfolgreicher und länger war Clough Seniors Regentschaft beim Lokalrivalen Nottingham Forest. Sie dauerte von 1975-1993 (kaum vorstellbar heutzutage); während dieser Zeit gewann Forest einmal die Meisterschaft, zweimal den Europapokal und dreimal den Ligapokal. Der Kultstatus den Brian Clough genießt, wurde aber auch durch seine ausgesprochen direkte Art begründet, denn er schreckte nie davor zurück, sich auch mit renommierten Größen des englischen Fußballs anzulegen, wenn es ihm angebracht erschien. Die letzten Jahre seiner Karriere wurden allerdings durch zunehmende Alkoholprobleme und einen Bestechungsskandal getrübt. Nach seiner Zeit in Nottingham kehrte Clough Sr. nicht mehr auf die Trainerbank zurück. Leider verstarb er 2004 im Alter von 69 Jahren. Wer mehr über die schillernde Karriere von Brian Clough erfahren will: Das Buch des Journalisten Duncan Hamilton über seine 20-jährige Arbeitsbeziehung mit Clough, „Provided You Don’t Kiss Me“, wurde in Großbritannien 2007 zum Sportbuch des Jahres gewählt (ich selber habe es noch nicht gelesen).
Mit dieser ‘Vorgeschichte’ kann man vielleicht ganz gut verstehen, was es für die englische Presse bedeutet, wenn jetzt Nigel Clough die Nachfolge seines Vaters bei Derby, den Rams, den Schafsböcken, antritt. Und zumindest die älteren Derby-Fans werden sich womöglich beim Anblick des neuen Trainers wie auf einem Trip in die Vergangenheit fühlen, denn der sieht aus wie seinem Vater aus dem Gesicht geschnitten. Eine interessante Parallele gibt es schon: Auf seinem bisher einzigen Trainerposten beim Amateurklub Burton Albion hat es Clough Jr. zehn Jahre ausgehalten. Der 42-jährige begann dort als Spielertrainer, ist bis heute noch als Spieler registriert, spielte allerdings in der Saison 2005/06 zuletzt regelmäßig.
Mittlerweile steht Burton Albion an der Spitze der Blue Square Premier (auch „Conference National“), der höchsten Amateurliga, hat einen Vorsprung von 13 Punkten auf die Play Off-Plätze (allerdings mehr absolvierte Spiele als die Konkurrenten) und könnte somit zum ersten Mal in der Geschichte des Vereins die Football League, den Profi-Ligaverband unterhalb der Premier League, erreichen. Es gibt sicher schlechtere Momente, um einen Klub zu verlassen, und der Vater des möglichen Aufstiegs wird sicher Nigel Clough heißen – trotzdem wird er den Triumph nicht mehr hautnah miterleben.
Stattdessen erwartet den jungen Clough in Derby eine Aufgabe, die nicht ohne ist. In der letzten Saison sind die Rams als schlechtestes Team aller Zeiten aus der Premier League abgestiegen und in der Championship läuft es bisher ebenfalls sehr holprig. Zur Zeit stehen sie auf Platz 18, mit fünf Punkten Vorsprung auf die Abstiegsränge. Aber die Clough’sche Magie scheint schon zu wirken: Obwohl Nigel nur auf der Tribüne saß und noch keine Verantwortung trug, besiegte Derby gestern Abend im Hinspiel des Carling Cup-Halbfinals Manchester United mit 1-0! Man kann jedenfalls davon ausgehen, dass sich niemand auf eine kurze Verweildauer des neuen Trainers einstellt, am allerwenigsten Clough selbst:
I know the club inside out. It has always had a special place in mine and my family’s heart, and I know that this is one of the most exciting jobs in football.
Ob der Sohn annähernd die Fußstapfen seines Vaters ausfüllen kann? Als Spieler war er ein Star bei Nottingham Forest. Wiederholt er jetzt als Trainer den Erfolg beim Lokalrivalen? Um das zu beurteilen, lasse ich doch lieber einem BBC-Journalisten und Kenner der Familie Clough den Vortritt…
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