Typisch Fussball
Vielleicht macht die Winterpause im deutschen Fußball doch Sinn. Auf vielen Plätzen hätte dieses Wochenende sicher nicht gespielt werden können. In England war das nicht anders. Sogar in der Premier League mussten zwei Spiele wegen gefrorenem Untergrund abgesagt werden: In Craven Cottage (Fulham/London) und Fratton Park (Portsmouth). In der Football League (zweite bis vierte Liga) wurden mehr als die Hälfte der Spiele verschoben.
Was man dagegen beim Derby im Villa Park, Aston Villa v West Bromwich Albion, zu sehen bekam, war einfach typisch Fußball. Der Außenseiter startet couragiert und überzeugend in die Partie, hat mehr vom Spiel, sogar ein paar kleinere Chancen durch Valero und Koren. Der von Arsenal ausgeliehene Jungstürmer Jay Simpson steht in der Startelf, wirkt engagiert und wach und zeigt einige sehenswerte Dribblings. In der 18.Minute folgt dann der erste ernstzunehmende Angriff von Villa: Zweimal können West Brom-Spieler den Ball von der Linie kratzen, dann kann Barry frei flanken und Ex-Baggie Davies ungehindert zum 1-0 einköpfen.
Diese zu diesem Zeitpunkt unverdiente Führung verändert das Spiel dramatisch. Die Gastgeber sind jetzt voll drin und haben ihre Chancen, West Brom wankt. Spätestens durch Sidwell in der 31.Minute hätte das 2-0 fallen müssen. Dann endlich wieder eine Baggies-Chance nach einer Flanke des bis dahin schwachen Linksverteidiger-Veteranen Paul Robinson, aber Morrisons Kopfball geht direkt auf Torwart Friedel. Kommt nun West Brom vielleicht zurück? Nein, denn wie das in solchen Spielen und gerade bei Abstiegskandidaten eben ist, schlagen sie sich quasi selber. Der bekanntermaßen gefährliche junge Villa-Stürmer Agbonlahor wird auf links nicht angegriffen, kann in den Strafraum eindringen und feuert einen eher harmlosen Schuss aus spitzem Winkel ab. Der rutscht West Brom-Keeper Scott Carson unter dem Bauch durch und wird dadurch ins Tor abgelenkt. 2-0 in der 41.Minute. Carson ist halt ein typisch englischer Torwart: Eigentlich mit guter Übersicht und Strafraumbeherrschung, aber immer wieder mit einem ‘howler’ drin.
Das Spiel scheint also zur Pause gelaufen, aber West Brom-Trainer Tony Mowbray stellt um und bringt den großen Tschechen Roman Bednar für den ineffektiven Luke Moore im Angriff. Das zahlt sich unmittelbar in der 49.Minute aus, so unmittelbar, dass ich es erst in der Wiederholung gesehen habe: Bednar legt für James Morrison vor, der verlädt einen Abwehrspieler und trifft mit einem schönen Schuss zum Anschluss. Der Außenseiter ist wieder im Spiel, aber in der restlichen Spielzeit offensiv nicht effektiv genug, um Villa ernsthaft zu gefährden. Erschwerend kommt hinzu, dass Torschütze Morrison, der bis dahin eine gute Leistung gezeigt hatte, in der 65.Minute verletzt raus muss und durch Brunt ersetzt wird. Zwei umstrittene Szenen im Villa-Strafraum kurz vor Schluss werden wohl zu Recht nicht mit Elfmetern geahndet.
Ein typisches Fußball-Strickmuster war das gestern, das man so ähnlich aus vielen Ligen inklusive der Bundesliga zu kennen meint. Kleiner Trost für West Brom: Die Konkurrenz zieht erstmal nicht davon. Das Spiel von Blackburn in Fulham wurde wie erwähnt abgesagt, Stoke erreicht ein sehr respektables 0-0 gegen Liverpool, das aber trotzdem nur einen Punkt bringt, und heute verliert Tottenham in der Nachspielzeit in Wigan. Nächsten Samstag kommt ein weiterer Abstiegskandidat, Middlesbrough, ins The Hawthorns. Zum Problem könnte es werden, dass schon am Dienstag im FA Cup bei Peterborough wieder volle Konzentration gefragt ist.
Weit weg von Fernsehkameras hat unterdessen der BVB sein erstes Testspiel in Marbella gegen den SC Freiburg mit 1-2 verloren. Auch irgendwie ein ‘typisches’ Resultat: Die junge Zweitliga-Mannschaft mit Aufstiegsambitionen investiert scheinbar mehr ins Spiel, siegt verdient. Hoffentlich sehen wir die Freiburger bald auch wirklich in der Bundesliga wieder.
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