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Nichts außer Fußball

Es ist eine Meldung, die außerhalb Dortmunds etwas untergegangen ist. Bekanntgegeben wurde sie an einem Wochenende, an dem der BVB in der Fußball-Bundesliga auf Herbstmeister TSG Hoffenheim traf. Der „Kicker“ erwähnte es in der Montagsausgabe immerhin mit einem Satz. Folgendes hatte Präsident Reinhard Rauball am Samstag mitzuteilen: Borussia Dortmund beendet nach Ablauf dieser Saison sein Engagement im Profisport! Außer im Fußball, versteht sich.

Konkret heißt das, dass die Tischtennis-Herren, die sportlich kurz vor dem Aufstieg in die erste Liga stehen, und die Handball-Damen, die in der 1.Bundesliga gegen den Abstieg spielen, nach dieser Saison vom Spielbetrieb abgemeldet werden und künftig nur noch auf Amateurebene antreten werden. Eine Entscheidung, die erstmal – ausgerechnet – an den Umgang der Bayer AG mit den Bundesliga-Basketballern aus Leverkusen erinnert: Der Konzern stieg vor knapp zwei Jahren als Hauptsponsor aus (nach 40 Jahren), um sich mehr auf u.a. den Fußball zu konzentrieren. In der Folge musste die Mannschaft nach Düsseldorf umziehen; die erste Basketball-Herrenmannschaft von Bayer Leverkusen spielt nun in der Regionalliga West.

Nun hat natürlich der BVB nicht die finanziellen Möglichkeiten des Chemie-Riesen und abgesehen davon auch eine bessere ‘Entschuldigung’. Ums Geld geht es trotzdem. Der Hintergrund ist, dass die KGaA (Kommanditgesellschaft auf Aktien) mit der Profi-Fußballabteilung und der eingetragene Verein Borussia Dortmund mit den restlichen Abteilungen getrennt wirtschaften müssen. Für die finanziellen Mittel des e.V. gibt es zudem weitere steuer- bzw. vereinsrechtliche Beschränkungen, die Rauball am Samstag folgendermaßen erläuterte:

Die Mittel des e.V. sind satzungsmäßig und steuerbegünstigt gebunden. Wir können die Verluste des wirtschaftlichen  Geschäftsbetriebs Handball und Tischtennis nicht durch die Einnahmen des gemeinnützigen Teils des BVB (durch die Mitgliedsbeiträge) abdecken.

Sollte das Vereinsvermögen durch die Verluste zur Neige gehen, drohe der Verlust der Gemeinnützigkeit.

Diese Argumentation ist für sich genommen nachvollziehbar. Es leuchtet auch weitgehend ein, dass es ‘in Zeiten wie diesen’ schwierig ist, Sponsoren für Mannschaften und Abteilungen zu finden, die beim BVB Randsportarten betreiben. Denn natürlich stehen Handball und Tischtennis bei uns im Schatten des Fußballs und das wird sich angesichts von Bedeutung und Tradition der Sportart Nummer 1 auch nicht ändern. Ich selber bin Fußball- und kein Handball- oder Tischtennisfan. Aber ich bin auch Vereinsmitglied und die Entscheidung ist schon ein Schlag ins Gesicht für die Sportlerinnen und Sportler, die Woche für Woche für den BVB auflaufen bzw. an die Platte treten. Ganz zu schweigen von Trainern, Betreuern und anderen Angestellten der betroffenen Abteilungen, für die es noch fraglicher ist, ob sie ihre Jobs behalten oder vergleichbare finden werden.

Vielleicht ist dieser harte Schnitt sinnvoller als das Austrocknenlassen der beiden Abteilungen. Und es geht ja auf niedrigerer Ebene weiter. Aber es muss die Frage gestellt werden, ob das Aus wirklich unvermeidlich war. Die Verantwortlichen müssen sich zumindest den Vorwurf der Kurzsichtigkeit in der Vergangenheit gefallen lassen. Vielleicht wurden die anderen Sportarten doch zu stiefmütterlich behandelt (z.B. was Partner-/Sponsorensuche angeht), vielleicht hätte man bei einer Abteilung früher die Reißleine ziehen sollen, um die andere zu retten. Fehleinschätzungen und -kalkulationen sind wohl kaum von der Hand zu weisen.

Als BVB-Fan und Mitglied mit eindeutiger Präferenz für den Fußball stört es mich trotzdem, dass es jetzt bei uns auf Profiebene wieder ‘monokulturell’ zugehen wird. Ein Imageverlust ist es obendrein.

(Quelle: Ruhr Nachrichten)

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