Archiv | April 2009

Der Schlüssel zum Erfolg

Gegen Frankfurt gewinnen…wäre für den BVB ein wichtiger, wahrscheinlich entscheidender Schritt zu einem erfolgreichen Saisonabschluss, was immer das heißen mag. Der inflationäre Gebrauch des Begriffs „Schlüsselspiel“ nervt mich zwar wie sicher einige andere auch, aber schauen wir uns die nächsten Spiele an: Daheim gegen die in dieser Saison legendär torungefährlichen Karlsruher müssen und werden wir gewinnen, und nach Wolfsburg kann man ohnehin nur ohne konkrete Erwartungen fahren – da muss man einfach schauen, was an dem Tag möglich ist. Ein Sieg in Frankfurt würde die Tür nach Europa auf jeden Fall einen Spalt breit offen halten, alles andere und sie wäre nach menschlichem Ermessen zu.

Die Eintracht. Der Verein ist ein typischer Vertreter des unteren Mittelfelds der Bundesliga. Gegen größere Klubs verliert man in der Regel, gegen die kleineren sieht es besser aus. Am 28.Spieltag gab es ein 4:1 gegen Gladbach, letztes Wochenende ein klares 0:2 in Stuttgart. In Sachen Abstieg ist man so gut wie durch (sieben Punkte Vorsprung vor dem Relegationsplatz). Trainer Friedhelm Funkel ist Realist und sicher nicht überambitioniert – von einem Teil der Fans wird ihm vorgeworfen, dass er zu sehr auf solide Arbeiter und zu selten auf den technisch starken, aber flatterhaften Brasilianer Caio setzt. Der wird am Samstag ebenso wenig dabei sein können wie eine Reihe von anderen wichtigen Spielern. „Blog-G“ hat dazu eine wirklich übersichtliche Übersicht erstellt; neu hinzugekommen sind die gelbgesperrten Ochs und Fink sowie der verletzte Inamoto.

Nach den Gesetzen der Serie, der Statistik und der Personallage sollten wir uns also auf drei Punkte einstellen können. Bei den Schwarz-Gelben fehlt als einziger Stammspieler nach wie vor und wohl wirklich bis Saisonende Mats Hummels. Alleine – ich traue der Sache nicht so ganz. Es gibt ja Leute, die wähnen den BVB am Saisonende auf Platz 2 hinter den Bayern. Davon bin ich weit entfernt. In Frankfurt gewinnt man nur mit höchster Konzentration – gerade angesichts deren momentaner Situation werden die sehr schwer zu spielen sein. Bei jeder Erfolgsserie, auch der des BVB, ist immer ein Quäntchen Glück dabei und das hält nicht ewig. Was ich damit sagen will, ist nicht, dass wir übermorgen keine drei Punkte holen, sondern lediglich, dass ich mich mit Prognosen feige zurückhalte und einfach sehr gespannt bin! ;-)

Gerüchte und Wahrheit

Dieser Tage werden viele Namen gehandelt im Fußball. Teils planmäßig, weil das Saisonende naht und die Planungen für die kommende Spielzeit schon auf vollen Touren laufen, teils aufgrund von besonderen Umständen. Ein Name, der schon seit einigen Wochen auf Sportseiten und in diversen Blogs im Zusammenhang mit Hertha BSC kursiert, ist der des argentinischen Welttorjägers von 2008: Lucas Barrios. Der 24-jährige hat im letzten Jahr in Chile für Erstligist Colo Colo 37 Tore in 36 Spielen erzielt. Nun soll der Spieler selber bestätigt haben, dass auch von Seiten Werder Bremens und des BVB Interesse an ihm besteht.

In Wahrheit würde ein solcher Transfer für uns nur in Frage kommen, wenn lukrative Abgänge wie Alex Frei oder vor allem Kuba zu verzeichnen wären, denn Barrios hat noch Vertrag bis 2013 und soll etwa sechs Millionen Euro kosten. Beides keine besonders verlockenden Optionen.

Näher an der Wahrheit könnte ein Gerücht sein, von dem die seriöse „Stuttgarter Zeitung“ berichtet: Felix Magath soll in der kommenden Saison in Personalunion Trainer und Manager bei Schalke 04 werden. Das Ganze wird angeblich noch unter der Decke gehalten, um den Endspurt in der Liga nicht zu beeinträchtigen. Das wäre natürlich ein Hammer und die überzeugendste Lösung, die man auf der Großbaustelle Gelsenkirchen präsentieren könnte. Magaths Vertrag in Wolfsburg läuft noch bis 2010, die Vertragsverhandlungen stocken jedoch. Der Alleinherrscher beim Autoklub soll eine Verdoppelung seines Gehalts von 2,5 Millionen Euro anstreben.

Da fragt man sich natürlich, wie das mit dem angekündigten Sparkurs der Blauen zusammenpassen soll, zumal noch eine Entschädigung für den vorzeitigen Wechsel Magaths fällig werden dürfte. Legt etwa der Gasriese was drauf oder setzen die Fachleute aus Vorstand und Aufsichtsrat alles auf eine Karte?

Ein Schritt in die Zukunft: Heynckes kommt für Klinsmann

Größer kann der Unterschied auf den ersten Blick nicht sein: Jupp Heynckes, ein Mann aus einer längst vergangenen Bayern-Epoche, ersetzt den als Erneuerer geholten Jürgen Klinsmann als Trainer beim FCB. Welches Trainingsprogramm der Altmeister in den nächsten Wochen fahren wird, weiß ich natürlich nicht, und zudem soll Heynckes durch Hermann Gerland, den Trainer der zweiten Bayern-Mannschaft, unterstützt werden. Trotzdem wirkt der Wechsel zunächst mal wie eine Rückkehr zu ganz alten Tugenden.

Mit denen soll mindestens die Champions League-Teilnahme gesichert werden; zur nächsten Saison will man natürlich einen neuen Mann verpflichten. Man kann davon ausgehen, dass das dann ein gestandener, erfahrener Trainer sein wird – vielleicht nicht ganz so gestanden wie Heynckes. Ob es auch weiterhin Raum für Innovationen beim FCB geben wird, werden wir sehen.

Jupp Heynckes kehrt nach über zweijähriger Abstinenz vom Traineramt zurück ins Geschäft. Seine letzte Station in Mönchengladbach endete mit zwei erfolglosen Rückrundenspielen (da findet sich schon mal eine Parallele zum FC Bayern). Ob er diese Bayern-Mannschaft, bestehend aus zwei Stars mit großem Ego, einer Reihe von guten bis sehr guten Bundesligaspielern, einigen Mitläufern und mindestens zwei ‘Problemfällen’ innerhalb von fünf Spielen auf Kurs bringen kann? Mit seinen ‘alten’ Rezepten? Oder eher in Teamarbeit mit Gerland und mit Hilfe von Ratschlägen von weiter oben? Einfach wird das nicht, ich habe meine Zweifel. Vielleicht haben sich die Bayern diese Lösung aber auch in Dortmund abgeschaut: Dort kehrte 2000 bekanntlich Udo Lattek als Feuerwehrmann zurück, um den BVB im Verbund mit Matthias Sammer vor dem Abstieg zu retten. Und war erfolgreich. Was bedeutet das jetzt für den FCB? Dass Gerland nächste Saison Trainer wird?

Das Ende des Projekts

Zukünftig wird die TSG Hoffenheim ein ganz normaler reicher Bundesliga-Verein sein. Darauf deuten alle Anzeichen und Äußerungen hin, die sich aus dem tiefen Fall des Herbstmeisters in der laufenden Rückrunde ergeben. In Sinsheim scheint man mit der Geduld am Ende zu sein und gibt jetzt schon mal sehr ambitionierte Ziele für die kommende Saison vor: Laut Dietmar Hopp soll es schon der Europapokal sein, also die Teilnahme daran. Auch das Konzept, fast ausschließlich auf junge Talente zu setzen, steht zur Disposition. Hier formuliert Manager Schindelmeiser unzweideutig:

Wir haben dazu gelernt und sehen auch die Notwendigkeit, auf routiniertere Profis zu setzen.

Der Klub ist also in der Bundesliga angekommen, das ‘Projekt Hoffenheim’ beendet, die Mechanismen des Profifußball-Geschäfts werden auch in diesem Fall greifen. Das ist natürlich legitim und es bleibt eine beachtliche Erfolgsgeschichte, wie die TSG aus der fußballkulturellen Retorte in die höchste deutsche Spielklasse geschossen wurde, aber es braucht niemand mehr den Fußballfans zu erzählen, wie besonders und einzigartig dieser Verein doch sei.

(Quelle: Spox.com)

BL 29.Spieltag / BVB 2 Hamburger SV 0

Nächster Sieg für die Stadt des Fußballs.

Die Aufstellung: Weidenfeller – Dede, Santana, Subotic, Owomoyela – Kehl – Sahin, Kuba (66. Tinga) – Hajnal (68. Boateng) – Frei, Valdez (78. Zidan)

Drei Punkte also auch gegen den HSV, dem im Endspurt die Luft auszugehen scheint. Inzwischen sind es schon 49, allerdings ist der Abstand auf Platz 5 wieder nicht kleiner geworden, dafür der auf Platz 3 ;-) . Aber wer meine Beiträge hier regelmäßig verfolgt, wird wissen, dass ich aber so gar nicht nach da oben schaue. Nein, einmal mehr können wir uns einfach über einen schönen Auftritt bei offensichtlich blendender Stimmung im Westfalenstadion freuen.

Auch gestern war ich wieder überrascht von der HSV-Aufstellung. Am Mittwoch im Pokal hatte Trochowski zunächst auf der Bank gesessen – gestern ließ Martin Jol den zukünftigen Bayern Olic in der ersten Halbzeit draußen, wegen angeblicher Müdigkeit. Eine Rotationsmaßnahme, die angesichts des verletzungsbedingten Fehlens von Petric ungewöhnlich erschien; so spielte Guerrero nominell erstmal einzige Spitze. Sinn zu machen schien diese Aufstellung nur in den ersten Minuten, als sich der BVB wie schon gegen Köln schwer tat. Das schnelle Führungstor, auf das die Gäste sicher aus gewesen waren, fiel jedoch, auch dank der schwarz-gelben Abwehr, nicht. Und was in diesen Wochen das Schöne am BVB ist: Früher oder später kämpfen die Jungs sich rein und zeigen dann einen beeindruckenden Spielfluss.

Es baute sich so langsam auf. Erst ein Abseitstor von Valdez, dann ein Distanzschuss von Subotic an die Latte, ein Seitfallzieher knapp neben das Tor wieder von Nelson, und als sich die Schwarz-Gelben so richtig warmgeschossen und eingespielt hatten, fiel dann auch der Treffer. Wieder mal eine hervorragende Vorarbeit von Nuri Sahin, der irgendwie die Erfolgsserie des BVB verkörpert – nicht als Einziger, aber als der, der den größten Schritt gemacht hat. Nuri also mit einem hohen Ball auf den freien Sebastian Kehl, die Abwehr nicht im Bilde, und der Kapitän schiebt den Ball Torwart Rost präzise durch die Beine. Einfach schöne Spielkultur, was da vor allem in der ersten Hälfte zu sehen war. Das beruht natürlich nicht nur auf Technik, wir haben ja keinen Ribery (zum Glück, sollte ich hinzufügen), sondern mindestens genauso auf Engagement.

Spielkulturell war die zweite Halbzeit nicht ganz so ansehnlich, aber dafür zeigte sich erneut die wiedergewonnene Konstanz der schwarz-gelben Defensive. Das Mittelfeld war zwar zeitweise zu weit weg vom Gegner, aber hinten ließen Dede, Santana, Subotic und Owo wenig zu. Zwei, drei brenzlige Szenen gab es natürlich schon. Nach einem falsch getimeten Herauslaufen von Weidenfeller war das Tor gefährlich leer, aber Olics Schuss wurde vom Hamburger Streit und vom Dortmunder Santana irgendwie an die Latte abgefälscht. Der BVB kam, ob Zufall oder nicht, wieder besser ins Spiel, als Tinga für den einzigen enttäuschenden Schwarz-Gelben, Kuba, ins Spiel kam (das is besser als Delling oder – war keine Absicht). Der Brasilianer legte gleich voller Engagement los, wie man ihn kennt, aber vergab zweimal aus aussichtsreichster Position, weil er schlecht passte anstatt gut zu schießen. Lies mehr …

Die Kunst, um nichts zu spielen

Vorgestern ist Werder Bremen durch den Sieg in Hamburg in einem spannenden, aber nicht hochklassigen Spiel verdient ins Pokalfinale eingezogen. Die Bremer wirkten reifer und kreativer, im Gegensatz zur jeweiligen Tabellenposition. Durch das Ausscheiden des HSV wird nun der Sechste der Bundesliga definitiv nicht in der Europa League spielen.

Drei Tage zuvor schienen die Bremer lange Zeit das Spiel bei Hertha BSC zu kontrollieren und führten 1:0. Nach dem Berliner Ausgleich war keinerlei aggressive Reaktion zu sehen und die Gastgeber gewannen die Partie bekanntlich noch glücklich mit 2:1. Was zur Folge hatte, dass der BVB nicht drei oder vier, sondern weiter fünf Punkte Rückstand auf Platz 5 hat.

Jetzt soll es in diesem Beitrag natürlich nicht darum gehen, den Bremern deswegen Vorwürfe zu machen. Die sind nun mal in der unglücklichen Situation, dass es für sie in der Liga um wirklich (fast) gar nichts mehr geht, während ihre Gegner und deren Konkurrenten noch voll im Wettbewerb stehen. Der ‘Mechanismus’, der da abläuft, ist ja kein Einzelphänomen. Anderes Land, anderes Beispiel: Zu den Vereinen, die ich in England etwas näher verfolge, gehört auch Zweitligist Coventry City. Die ‘Sky Blues’ stehen schon seit einigen Wochen um Platz 15 rum, das ist in der Championship Mittelfeld, und Abstiegsgefahr bestand kaum noch, auch wenn der rechnerische Klassenerhalt erst am vorletzten Spieltag sichergestellt wurde.

Nun hat der Klub in den letzten vier Partien gegen vier Abstiegskandidaten gespielt, für die es natürlich noch um etwas ging, und hat keinen Sieg mehr einfahren können. In Plymouth, übrigens der westlichste Profiklub Englands, gab es beim 0:4 eine ganz peinliche Vorstellung. Danach folgte ein 0:0 gegen das danach abgestiegene Charlton, ein 0:1 in Nottingham und zuletzt, wieder in der heimischen Ricoh Arena, ein 1:1 in letzter Minute gegen Barnsley, durch einen fragwürdigen Handelfmeter. Klar, in Coventry wie in Bremen gab bzw. gibt es Verletzte, klar, der Trainer appelliert hier wie da, die Saison nicht abzuschenken und mit einem Hoch zu beenden. Vor dem letzten Heimspiel der Sky Blues gegen das allenfalls noch theoretisch vom Abstieg bedrohte Watford fordert Trainer Chris Coleman noch mal einen Sieg für die Fans:

Our supporters deserve it for sticking by us and to finish with three points would be nice.

Aber irgendwie scheinen solche oder ähnliche Appelle bei vielen Vereinen in vergleichbarer Situation nicht zu fruchten. Auch die Einwechslungen von talentierten Nachwuchsspielern (Coventry hat eine der besten Jugendakademien Englands) brachten zwar frischen Wind, aber nicht genug, um die Spiele für sich zu entscheiden.

Weder in Bremen noch in Coventry wollen sie diese Spiele verlieren. Meistens funktioniert es so: Die Spieler sind bemüht und spielen ordentlich, solange es gut läuft. Um aber Gegentore wegzustecken und zurückzukommen, fehlt dann doch das 100%ige Engagement und die 100%ige Konzentration. Letzteres kann zu weiteren Gegentoren führen, gerne durch Konter nach eigenen, halbherzigen und fehlerhaften Angriffen. Gegen diese ‘Saisonendkrankheit’ scheint fast nichts zu helfen, nur wenn wirklich jeder Spieler die Einstellung voll aufrechterhalten kann. Eine Sisyphus-Arbeit für den Trainerstab.

Noch ein Satz zum Spiel von morgen: Der HSV, den ich am Mittwoch im Pokal gesehen habe, macht mir keine Angst! Wetten, dass Trochowski in Dortmund wieder dabei ist?

Nelson Valdez: Nicht perfekt, aber schwarz-gelb

Eine Vertragsverlängerung, auf die viele BVB-Fans letzten Sommer noch mit Unverständnis reagiert hätten (mich eher nicht eingeschlossen), die aber nach einem 3/4 Jahr unter Klopp und sechs Toren sowie sechs Vorlagen inzwischen für die meisten Sinn macht: Nelson Valdez bleibt bis 2012 in Dortmund. Der 25-jährige, der als typischer Joker aus Bremen kam, aber auch schon 42 Länderspiele für Paraguay bestritten hat, galt noch bis vor wenigen Monaten als einer der Transferflops, die Michael Zorc letzte Saison arg in die (meiner Ansicht nach überzogene) Kritik brachten. Positiv hervorgehoben wurde immer sein Engagement, aber letztlich war Valdez als ineffizient und ‘Chancentod’ verschrien – für einen Stürmer natürlich ein vernichtendes Urteil.

In der Hinrunde dieser Saison war Valdez noch kein Stamm- sondern eher Rotationsspieler. Es zeigte sich aber immerhin schon, dass Nelson im laufintensiven, tendenziell offensiven Spiel, das Jürgen Klopp predigt, eine gute Rolle spielen kann – mit Toren geizte er jedoch noch. Nun ist nach dem sehr schönen Treffer in Bochum nicht gleich alles anders; natürlich muss Valdez weiter an seiner Torquote arbeiten, aber wenn man sich die Scorer-Wertung, also Tore plus Vorlagen, anschaut, ist unsere Nummer 9 inzwischen auf einem guten Weg. Sein offensichtlicher Vorteil gegenüber Mohamed Zidan: Die Mannschaftsdienlichkeit.

Und das ist nur der erste Grund, warum man dieser Vertragsverlängerung positiv gegenüberstehen sollte. Desweiteren kriegt man einen qualitativ vergleichbaren Stürmer nicht zum Nulltarif. Ablösefreie Torjäger haben in der Regel die freie Auswahl unter verschiedenen Angeboten und würden vermutlich nicht zu einem Klub gehen, der vermutlich nicht international spielt. Die Ablöse für einen vertraglich gebundenen Stürmer von Format kann sich der BVB schlichtweg nicht leisten. Und überhaupt: Genauso wie es kontraproduktiv sein KANN, eine Mannschaft über Jahre hinweg unverändert zu lassen, ist es meistens schwierig, einen Klub zum Erfolg zu führen, dessen Stammelf jedes Jahr komplett umgekrempelt wird – zu letzterem braucht man schon absolute Topspieler.

Nelson Valdez kommt nun ins angeblich beste Fußballer-Alter – das darf er gerne in Dortmund verbringen. Ein vom charakterlichen ohnehin, vom qualitativen inzwischen überzeugender Borusse.

Spielfrei

Ich konnte das sogenannte ‘kleine Derby’ gestern nicht sehen. Da scheine ich durchaus was verpasst zu haben. Natürlich den vierten Sieg der Schwarz-Gelben in Folge, aber anscheinend auch einen sehr ansehnlichen Auftritt. Sagen sie hier, hier und anderswo.

Sechs Spieltage vor Schluss rücken jetzt unweigerlich die Perspektiven fürs Saisonfinale in den Blickpunkt. Es wird wieder über den Europapokal, genauer gesagt die neue „UEFA Europa League“ (was denn nun, Deutsch oder Englisch?), diskutiert in Dortmund. Ich halte es da wie Felix Magath bei den Wolfsburgern: Der BVB ist mit Sicherheit Außenseiter und das natürlich noch viel mehr als der Autoverein im Kampf um die Meisterschaft. Wir haben noch zwei schwere Spiele, gegen eben jene Wolfsburger am 32.Spieltag und gegen den wieder Dritten HSV am Samstag. Und leider hat die Hertha das Spiel gegen Bremen noch gedreht, so dass es bei fünf Punkten Rückstand auf Platz 5 bleibt.

Realistischer wäre Platz 6, denn ob sich die Hoffenheimer und Leverkusener in dieser Saison noch mal berappeln, ist zweifelhaft. Und Gelsenkirchen ist am Samstag in München zu Gast. Platz 6, der unter gewissen Umständen, die uns die Vereins-Website netterweise erläutert, auch zur Teilnahme am Europapokal berechtigen würde. Aber da wirds dann schon arg konstruiert: Wenn der HSV den Pokal gewinnen und gleichzeitig in der Liga 4. oder 5. werden sollte, wäre der 6. im europäischen Geschäft. Noch besser: Im Falle eines Hamburger UEFA Cup-Sieges und eines 4. oder 5.Platzes national ist gar nicht sicher, was dann mit dem Sechsten wäre! Anscheinend hat die UEFA für die neue „Europa League“ versäumt festzulegen, ob der sichere Platz des vorigen Titelgewinners zu Lasten des entsprechenden nationalen Verbands geht – legt zumindest Thomas Böker vom „Kicker“ nahe.

Sehr viele ‘wenns’ und ‘abers’ für meinen Geschmack und deshalb ist der defensive Kurs der Verantwortlichen im Verein zur ‘Europa-Frage’ genau richtig. Freuen wir uns lieber noch auf ein paar schöne Spiele, jetzt wo es gerade so gut läuft – die Serie wird mit ziemlicher Sicherheit vor Saisonende zu Ende gehen. Nach dem Wolfsburg-Spiel kann man dann noch mal schauen.

BL 27.Spieltag / BVB 3 1.FC Köln 1

Der dritte Sieg.

Die Aufstellung: Weidenfeller – Dede, Santana, Subotic, Owomoyela – Kehl – Sahin, Kuba (70. Tinga) – Hajnal – Frei (86. Zidan), Valdez (80. Boateng).

Zum ersten Mal unter Jürgen Klopp holt der BVB drei Siege hintereinander und auch in den Jahren zuvor war das alles andere als alltäglich. Dabei hatte man nach einer Viertelstunde erstmal den Eindruck, der alte Trainerfuchs Daum könnte uns mit einem recht simplen Schachzug, einer kleinen Personal-Rochade, tatsächlich mattgesetzt haben. Durch die Hereinnahme von Vucicevic ins zentrale offensive Mittelfeld begannen die Kölner deutlich angriffslustiger als erwartet und waren durchaus gewillt, aktiv mitzuspielen. Zunächst lief der Ball bei den Gästen viel lockerer durch die Reihen und sie wurden schon nach zehn Minuten belohnt. Ich bin ja kein Freund von häufigen Weitschüssen und sah mich – erstmal – bestätigt, als Kehls Versuch abgeblockt wurde und die Kölner einen schnellen Gegenangriff starteten, den der nachrückende und freistehende Vucicevic nach einem überlegten Hackentrick von Ehret mit dem 0:1 abschloss.

So hatte man sich das natürlich nicht vorgestellt. Der FC konnte nun zu seinem defensiveren Stil zurückkehren und auf Konter lauern. Voraussetzung für einen Erfolg ist dabei aber, dass man in der Abwehr sicher steht. Das gelang den Kölnern knapp 20 Minuten (nach dem Tor). Dann gab es nach einem Hajnal-Weitschuss Ecke für den BVB, Frei führte aus und es hieß mal wieder Kopfball Subotic – Tor! Der torgefährlichste Abwehrspieler der Liga stand auf Höhe des langen Pfostens erstaunlich frei und kam so zu seinem ersten Rückrundentreffer.

Die Schwarz-Gelben hatten das Spiel im Anschluss weitgehend unter Kontrolle; die Kölner machten nicht den Eindruck, noch mal so viel Elan wie am Anfang aufbringen zu können. Richtig überzeugend wurde das BVB-Spiel aber erst in der zweiten Hälfte. Kurz nach der Pause gabs erst einen Pfostentreffer durch Santana und wenige Minuten später mal wieder einen Weitschuss – und was für einen. Nach zu kurzer Klärung der Kölner kam wieder Hajnal an den Ball und zog aus gut 20 Metern ab; diesmal ging er gleich rein, über den Innenpfosten. Ich war eigentlich schon immer überzeugt vom ungarischen Spieler des Jahres und er sowie Alex Frei dürfen von mir aus gerne weiterhin aus der Distanz schießen!

Zwangsläufig mussten die Gäste nun wieder etwas mehr tun, aber viel gelang ihnen nicht. Im letzten Viertel des Spiels zeigte dafür der BVB noch mal richtig feine Kombinationen; das sah dann schon deutlich besser aus als das eher bemühte Spiel der ersten Hälfte. Der FC-Torwart Mondragon machte mMn keine schlechte Partie, rettete ein paar Mal, das 2:1 war nicht völlig unhaltbar, aber auch keine ernster Fehler. Die Entscheidung fiel dann  knapp zehn Minuten vor Schluss durch ein ziemlich unbedrängtes Eigentor, als nach einer Frei-Flanke FC-Verteidiger Geromel den Ball ins eigene Tor klärte, obwohl keine unmittelbare Gefahr bestand. Hier wäre wohl eine bessere Abstimmung mit Mondragon nötig gewesen.

Uns solls recht sein. Warum auch immer, aber der FC liegt uns und wir liegen dem FC nicht! Das Hinspiel galt ja schon als eins der besten Saisonspiele des BVB. Letztendlich fehlt es den Kölnern an Kreativität im Spiel nach vorne, die haben da keinen Spieler, der über außergewöhnliche Eigenschaften im Aufbau verfügt, und die Abwehr schwankt zu stark zwischen guten und schlechten Tagen. Dagegen machten Subotic und Santana ihre Sache nach der schweren Anfangsphase souverän; ansonsten wussten vor allem Frei, Hajnal und Owomoyela zu gefallen.

So langsam geht es nun wirklich in die heiße Phase der Saison, es ist in allen Tabellenregionen noch spannend, und hätte der VFB nicht noch in letzter Minute gegen Hamburg gewonnen… Jedenfalls wartet auf die Schwarz-Gelben nun ein schweres Auswärtsspiel in Bochum, da haben wir in den letzten Jahren selten gut ausgesehen, und der Hammer dieses Spieltags war ja sicher der 0:3-Auswärtssieg unserer Nachbarn beim Ex-Meisterschaftsaspiranten Hoffenheim (ob sich die van Almsick da noch mal blicken lässt?).

Das Moment bewahren

Wörtliche Übersetzung des englischen „keeping the momentum“. Sehr frei übersetzt könnte man auch vom „Lauf“ sprechen. Die englische „FourFourTwo“ hat sich neben Paul Lambert in ihrer Mai-Ausgabe auch diesem wolkigen Fußball-Begriff, der eigentlich aus der Physik stammt, gewidmet. Was macht dieses Moment aus, das, wenn man es einmal hat, eine Mannschaft Spiele umbiegen, scheinbar mit Leichtigkeit gewinnen (–> Wolfsburg, –> Barcelona) und Serien starten lässt?

Neben dem großen Einfluss der Fans sieht der englische Sportpsychologe Dr Chris Harwood von der Loughborough University innerhalb eines Teams sechs entscheidende Voraussetzungen: Engagement, Kommunikation, Zusammenhalt, Konzentration (sich während eines Spiels nicht ablenken lassen), Kontrolle (über die eigenen Emotionen auf dem Platz) und Vertrauen (in die eigene Stärke und die der Mannschaft). Hat der BVB das Moment auf seiner Seite, haben wir einen Lauf? Auf den ersten Blick sind das genau die Eigenschaften, die die Schwarz-Gelben bei den überzeugenden Siegen gegen Bremen und Berlin an den Tag legten. In Hannover fehlte noch etwas die Konzentration und das Vertrauen, um drei Punkte einzufahren. Technische und taktische Überlegenheit können wir gegen gute Teams erstmal nicht erwarten – man kann sie sich aber im Laufe eines Spiels durch die konsequente Umsetzung der sechs Punkte Harwoods u.U. erarbeiten.

Auch gegen den 1. FC Köln werden diese Bedingungen am Samstag eine Rolle spielen. Natürlich werden die Kölner technisch nicht überlegen sein. Aber taktisch werden sie uns eine Nuss zu knacken geben – oder eine Mauer. In den letzten Spielen setzte Christoph Daum, auch verletzungsbedingt, auf eine sehr defensive Aufstellung und Ausrichtung. In Cottbus funktionierte das, im schwachen Derby gegen Leverkusen gab es dagegen ein 0:2. Auch in Dortmund ist ein Kölner 4-1-4-1 zu erwarten, obwohl die Verletzten Ishiaku und Wome u.U. in den Kader zurückkehren könnten. Auf jeden Fall ausfallen wird Marvin Matip. Lies mehr …

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