Archiv | Mai 2009

Elfmeterschießen ist nicht schwarz-gelb

Freitag, 29. Mai, gegen halb neun abends: Der BVB verliert mal wieder ein Elfmeterschießen. Nicht zum ersten Mal habe ich mich ein bisschen englisch gefühlt. Zuvor war es ein sehr schöner Abend gewesen. Einen Tag vor dem ‘großen Pokalfinale’ in Berlin stand in Potsdam-Babelsberg das DFB-Pokalfinale der A-Junioren an – zwischen dem SC Freiburg und dem BVB, beide zur Zeit auch Tabellenführer ihrer jeweiligen Liga-Staffeln. Die Partie wurde im Karl-Liebknecht-Stadion ausgetragen, sonst Heimstätte des Regionalligisten SV Babelsberg, und die Voraussetzungen waren exzellent: Babelsberg ist ein schöner Ort, das angenehm altmodische Stadion von Bäumen gesäumt und nach einem wechselhaften Tag war es ein sonniger, warmer Frühlingsabend geworden.

Man muss dem DFB zugestehen, dass er sich Mühe gab, das Spiel zu einem würdigen Finale zu machen. Für nur zwei Euro wurden die Tickets für die Stehränge hinter dem Tor verkauft – dort fand sich der Dortmunder Fanblock zusammen, der den Freiburgern zahlenmäßig und stimmlich deutlich überlegen war. Nicht so schön war das Netz, das zusätzlich zum Zaun vor der gesamten Kurve hing, aber für den Preis kann man darüber hinwegsehen sowie über den fehlenden Bier-Ausschank und das flache DFB-Entertainment, das vor und nach dem Spiel geboten wurde (ganz so schlimm wie gestern in Berlin war es zum Glück nicht).

BVBaSCF_Pokalfinale01

Aufstellung vor dem Spiel

Das Stadion war zwar bei weitem nicht ausverkauft, aber rund 2.400 Zuschauer sorgten für eine ordentliche Kulisse und die BVB-Fans für gute Stimmung. Bei den Schwarz-Gelben mussten drei Leistungsträger in Dortmund bleiben, um am nächsten Tag für die Zweite Mannschaft in Münster aufzulaufen (dazu später mehr). Die erste Halbzeit im Karl-Liebknecht-Stadion wurde zwar offen und engagiert gespielt, die BVB-Junioren hatten mehr vom Spiel, konnten sich aber kaum echte Chancen erarbeiten. Die besten Szenen waren zwei Aluminium-Treffer, einer auf jeder Seite. Lies mehr …

Die unergründlichen Wege des Schicksals?

Es hat sich ganz zum Schluss noch mal gegen Schwarz-Gelb gewendet – das, was ich jetzt mal als Schicksal bezeichnen möchte. Man hätte vorgewarnt sein können: Seit der letzten Meisterschaft 2002 hat der BVB nur einmal das letzte Saisonspiel gewonnen. Aber so richtig glaube ich nicht an ein ‘Vereinsschicksal’, das die Zeit überdauert und von Jahr zu Jahr vererbt wird. Sowas gibt es nur in Gelsenkirchen. Also kein ‘Fluch des letzten Spieltags’ gestern. Normalerweise trägt man zu seinem eigenen Schicksal ein großes Stück bei – wie groß das Stück gestern war, ist eine Frage, über die es sich noch mal kurz nachzudenken lohnt.

Nicht in unserer Macht lag gestern der Ausgang des Spiels in Frankfurt, das leider vom Schiedsrichter und seinen Assistenten in eklatanter Weise beeinflusst wurde: Der Siegtreffer, das 3:2 der Hamburger, war deutlich Abseits. Einzige Entschuldigung für den zuständigen Assistenten: Die Laufwege der Spieler schienen in der Szene etwas irritierend. So kurz vor Schluss ist sowas doppelt bitter. Wenn eine der Fehlentscheidungen, auf deren Basis auch in dieser Saison wieder die beknackte ‘Wahre Tabelle’ aufgestellt wurde, spielentscheidend war, dann wohl diese. Niemand konnte von den geretteten Frankfurtern erwarten, dass sie das so kurz vor dem Ende noch mal ausgleichen. Also doch ungerechtes Schicksal und nicht in unseren Händen?

Das ist natürlich nur ein kleiner Teil der Wahrheit. Letztendlich war es genau, was ich gestern geschrieben habe: Ein Unentschieden zu viel. Das Spiel in Gladbach war zu gewinnen, wie auch einige andere Remis im Lauf der Saison (beide Spiele gegen Hannover, zuhause gegen Cottbus etwa). Auch die Spieler sahen das nach der Partie zum Teil so. Sehr vehement vertrat Roman Weidenfeller die Meinung, die Feldspieler hätten nach dem Ausgleich mehr und gezielter nach vorne arbeiten müssen. Darüber geriet der Torwart direkt nach Schlusspfiff verbal heftig mit Kapitän Sebastian Kehl aneinander. Der wiederum später selbstkritisch oder einfach nur ratlos einräumte, das Zwischenergebnis aus Frankfurt sei sicher in den Köpfen gewesen.

Das ist menschlich schon verständlich, konterkariert aber, was die Mannschaft in den letzten Monaten ausgezeichnet hat: Unbedingtes Engagement bis zum Schluss. Da überzeugt auch nicht der Erklärungsversuch von Hans-Joachim Watzke, man hätte ja in einen Konter laufen können, wenn man früher alles nach vorne geworfen hätte. Die Gladbacher wirkten gerade nach dem 1:1 und den Zwischenständen aus den für sie relevanten anderen Spielen wirklich nicht mehr sonderlich gefährlich. Bezeichnend ist, dass der BVB nach dem Ausgleich keine große Chance mehr herausspielte. Die verantwortlichen Problemzonen waren naturgemäß Sturm, aber vor allem Mittelfeld (siehe Spielbericht von gestern). Lies mehr …

BL 34.Spieltag / Mönchengladbach 1 BVB 1

Ein Unentschieden zuviel.

Die Aufstellung: Weidenfeller – Dede, Santana, Hünemeier, Owomoyela – Kehl – Sahin, Kuba (70. Zidan) – Hajnal (86. Tinga) – Frei, Valdez (79. Kullmann).

Der BVB setzt seine düstere Serie an letzten Spieltagen fort – das Unentschieden bei Gladbach reicht nicht, da dem HSV kurz vor Schluss noch der Siegtreffer in Frankfurt gelingt. Das muss man eigentlich erst mal sacken lassen, aber die Erkenntnis wird sich nicht ändern: Die Aufholjagd des BVB in dieser Saison kam ein klein wenig zu spät, das große Spiel in Wolfsburg wurde verloren, es war letztlich das EINE Unentschieden zu viel. Trotzdem war es eine sehr gute Saison!

Nelson Valdez wurde nach einer ansprechenden Saison doch ein wenig zur tragischen Figur, als er in der ersten Hälfte dreimal in quasi 1-zu-1-Situationen vor dem Tor scheiterte – etwas zehn Minuten vor Schluss musste er dann mit Krämpfen ausgewechselt werden. Außerdem hätte es nach Foul von Daems gegen ihn Elfmeter geben müssen. Der BVB spielte in den ersten 45 Minuten zwar kultivierter, hatte mehr vom Spiel, aber zumindest die Gladbacher Defensive machte ihre Sache gut. Kurz vor der Pause gelang den Gastgebern sogar ein veritabler Pfostentreffer durch einen Kopfball von Dante.

Der dann in der zweiten Halbzeit die Gladbacher Führung besorgte: Nach einem Eckball völlig allein gelassen, konnte der Brasilianer quasi im ‘Nachrück-Verfahren’ einköpfen. Das einzige Mal, dass die umformierte BVB-Innenverteidigung mit Santana und Hünemeier nicht im Bilde war.  Dann wurde es mehr und mehr das sprichwörtliche ‘Wechselbad der Gefühle’: Dem wiedererstarkten Kuba gelang nach hoher Vorlage von Kehl das verdiente 1:1 und beinahe zeitgleich fällt in Frankfurt der Ausgleich, nach 0:2-Führung des HSV.

Was dann noch kam, war allerdings nicht überzeugend von den Schwarz-Gelben und auch nicht überzeugt genug vorgetragen. Klopp setzte ohne Zweifel auf Sieg, an ihm lag es sicher nicht. Er brachte den dritten Stürmer. Nur schien den Spielern die allerletzte Entschlossenheit zu fehlen, gegen defensive Gladbacher nun den Sieg zu erzwingen. Sicher, sie versuchten es und die Defensive der Gastgeber stand gut, aber ein ‘Anrennen’ war es nun auch nicht. Das Ergebnis aus Frankfurt zu dem Zeitpunkt war natürlich durchgesickert, wurde im Stadion offensichtlich auch angezeigt. Und der späte Siegtreffer des HSV kam zu spät, um noch mal effektiv reagieren zu können.

Letztendlich hat es auch deshalb nicht gereicht, weil die offensiv orientierten Mittelfeldspieler Sahin und Hajnal heute blass blieben, weil Valdez heute wieder mit Abschlusspech zu kämpfen hatte und Alex Frei oft einen Schritt zu spät kam. Und weil leider in der entscheidenden Phase das bisschen Extra-Druck fehlte. Ein Herzensbrecher in letzter Minute, der vermeidbar gewesen wäre (ein ausführlicheres Spiel- und Saisonfazit folgt morgen)!

Notizen zu Funkel

Friedhelm Funkel soll um die Auflösung seines Vertrags bei Eintracht Frankfurt zu Ende Juni gebeten haben. Oder es ist ihm aus Vereinskreisen nahegelegt worden. Wahrscheinlich wollte er sein Schicksal in die eigene Hand nehmen. Trotzdem ist der zweite Trainerwechsel in der Bundesliga so kurz vor Saisonschluss ungewöhnlich. Wobei es bei der SGE kein sofortiger Wechsel ist, sondern Funkel im letzten Saisonspiel noch ein letztes Mal auf der Bank sitzen wird.

Aus Frankfurter Sicht ist das nachvollziehbar, denn dieses letzte Spiel zuhause gegen den HSV ist FÜR FRANKFURT völlig bedeutungslos. Man kann Funkel somit einen hoffentlich würdigen Abschied bereiten, den er nach fünf Jahren ohne Zweifel verdient hat, wie die Besonnenen unter den Eintracht-Fans sagen. Viel mehr als erreicht wurde war nicht drin für die Frankfurter – auch wenn die Rückrunde nicht besonders schön gewesen sein kann.

Um jetzt noch schnell eine Prise Eigennutz zu verstreuen: Sollte es nicht so sein, dass die Spieler, die eine einwandfreie Moral haben, und die, die mit Funkel ohnehin klar kamen, am Samstag alle für einen würdigen Abschied arbeiten? Und wollen nicht alle, egal ob pro Funkel oder nicht, noch einmal die Chance nutzen, sich im Wettbewerb dem noch zu bestimmenden Nachfolger, den Vereinsverantwortlichen oder eventuell anderen Vereinen zu präsentieren? So gesehen doch kein so schlechtes Timing! ;-)

Das finale Endspiel

Das UEFA Cup-Finale in Istanbul? Nö, musste nicht sein. Der Meisterschaftsendspurt? Kriegt man irgendwie mit am Samstag. Es gibt nur noch ein Endspiel, das zählt, und das heißt Borussia gegen Borussia und die richtige Borussia möge bitte gewinnen. Dass es für den BVB noch um etwas geht am letzten Spieltag, ist schon Anlass zum Feiern, und wenn wir dann nächste Saison in diesem ‘neuen’ europäischen Wettbewerb spielen – wäre das fantastisch.

Ich kann mir nicht vorstellen, dass irgendein Spieler der Schwarz-Gelben die Partie in Gladbach auf die leichte Schulter nimmt, und die personellen Voraussetzungen sind mit Ausnahme des Ausfalls von Neven Subotic sehr gut. Würde Boateng in so einem Finale spielen – ich hätte mittlerweile eher Angst. Bei den anderen Borussen werden Gohouri (Abwehr), Alberman (Mittelfeld) und Friend (Sturm) fehlen, Matmour ist noch fraglich. Angesichts des Ergebnisses aus Düsseldorf vom letzten Wochenende sollte diese Aufgabe machbar sein. Ich freue mich auf Samstag und hoffe, dass dieses Spiel nicht durch Verletzungen oder falsche Schiedsrichter-Entscheidungen beeinflusst wird. Höchstens zu unseren Gunsten! ;-)

Der englische Absteiger

Seit letzten Sonntag steht der erste Absteiger aus der englischen Premier League fest: Es ist leider West Bromwich Albion, die nach der 0:2-Niederlage gegen Liverpool keine Chancen mehr haben, am letzten Spieltag am Sonntag den rettenden Platz 17 zu erreichen.

Das Spiel war ein Spiegelbild der ganzen Baggies-Saison: Gut gestartet, eigentlich auch gut gespielt, mangelnde Chancenverwertung bzw. fehlender letzter Pass, defensive Böcke, ein bisschen Pech mit dem Schiedsrichter. Das Team von Tony Mowbray wirkte in dieser Premier League-Saison etwas zusammengewürfelt, aus finanziellen Gründen fehlten die großen Namen (nicht verwunderlich bei einem Aufsteiger) – trotzdem ist es erstaunlich, was für einen ansehnlichen Fußball die Baggies oft gezeigt haben (in den Spielen, die ich gesehen habe). Flüssiges Passspiel im Mittelfeld, gegen Liverpool waren sogar ein paar ‘Kabinettstückchen’ dabei. Wenn man das mit dem vergleicht, was die fünf, sechs schlechtest platzierten Bundesliga-Mannschaften für einen Fußball spielen…

Jedenfalls könnte West Brom wirklich direkt zurückkommen – die Fans, die nach dem zweiten Tor der Gäste am Sonntag überragend Stimmung machten, scheinen daran zu glauben, auf jeden Fall werden die meisten in der Championship wieder ins „The Hawthorns“ kommen. Finanziell steht der Verein solide da – man riskierte nicht zuviel für den Klassenerhalt in der Premier League; was gewesen wäre, wenn… ist müßig zu diskutieren, jedenfalls sollten die Baggies in der zweiten Liga eine sehr gute Rolle spielen können. Wobei diese Liga in England immer sehr schwer einzuschätzen und daher sehr spannend ist. Vielleicht werden auch daher ab nächster Saison zehn Live-Spiele aus der Championship bei der BBC übertragen.

BL 33.Spieltag / BVB 6 Arminia Bielefeld 0

Darauf ein leckeres Kölsch!

Die Aufstellung: Weidenfeller – Dede, Santana, Subotic, Owomoyela – Kehl (74. Tinga) – Sahin, Kuba – Hajnal (74. Kringe) – Frei, Valdez (70. Zidan).

Eins habe ich mir wirklich genehmigt gestern Abend, und das hat sehr gut geschmeckt. Ich hatte dem FC ehrlich gesagt nichts zugetraut in Hamburg – die waren gerettet, ohne Novakovic und dümpelten so vor sich hin in den letzten Wochen. Dass die Mannschaft von Christoph Daum noch mal so kompakt und entschlossen gegen einen offensichtlich sehr schwachen HSV auftreten würde – Respekt! Die Kölner haben gezeigt, dass es im Fußball ums Gewinnen geht, 34 Spieltage lang.

Damit aber zum BVB-Spiel. Alle Ereignisse anderswo hätten ja nichts genutzt, wenn wir nicht die drei Punkte geholt hätten. Und die hingen in der ersten Halbzeit am seidenen Faden bzw. lagen auf den Schlappen von Chris Katongo und Robert Tesche, die das sperrangelweit offene Dortmunder Tor nicht trafen. Ein Trio von erstklassigen Bielefelder Gelegenheiten komplettierte ein Kopfball von Kirch, den Roman Weidenfeller sensationell parierte. Der BVB hatte nach einem ordentlichen Beginn stark nachgelassen; der Versuch, das Mittelfeld mit schnellen Pässen zu überbrücken, scheiterte immer wieder an deren Ungenauigkeit. Die Gäste standen gut gestaffelt und nutzten immerhin dreimal die Unaufmerksamkeiten, die sich bei Schwarz-Gelb auch hinten einschlichen. „Nutzen“ ist natürlich zuviel gesagt – mal abgesehen von Romans Parade vergaben die Bielefelder die Chancen kläglich. Wer solche Hochkaräter nicht macht, der wird nicht nur im Laufe des Spiels bestraft, sondern kann auch gut und gerne absteigen.

Als Dortmunder siehst du dir das mit einer Mischung aus Ärger, Unglauben und Schadenfreude über die Bielefelder Unfähigkeit an – zum Glück sollten wir noch vor der Pause erlöst werden. Nach einem Freistoß von Frei köpft Sebastian Kehl zum 1:0 ein, prallt dabei mit Torwart Eilhoff zusammen und muss kurz behandelt werden. Die Bielefelder hatten die Wahrheit einer der größten Binsenweisheiten des Fußballs erfahren: Wer solche Dinger nicht macht…

Es war ein Spiel der zwei Hälften, auch wenn es kurz nach dem Seitenwechsel nicht direkt danach aussah. Wir diskutierten in der Kneipe gerade, ob besser Sahin oder Hajnal ausgewechselt werden sollten, da macht der Ungar plötzlich das 2:0! Der in der zweiten Halbzeit stark verbesserte Kuba hatte sich rechts toll durchgesetzt und nach innen gepasst. Lies mehr …

Das Spiel danach

Es hat ja auch alles seine guten Seiten. Nach der Niederlage in Wolfsburg und den Ergebnissen von gestern wird sich die Medienaufmerksamkeit noch mehr auf den Titelkampf fokussieren, der BVB wird spätestens zur Mitte der „Sportschau“ laufen (die ich sowieso selten ganz anschaue) und meine Stamm-Fußballkneipe wird  wohl halb so voll sein wie am Dienstag – was immer noch voll genug wäre.

Der BVB muss und wird sich auf das Spiel gegen Bielefeld konzentrieren. Was anderswo geschieht, interessiert jetzt erst mal nur peripher – zumindest für die Spieler muss das gelten. In der Kneipe wird es am Samstag wieder Leute geben, die über ihre Handys die anderen Spielstände abrufen – was früher der ‘Knopf im Ohr’ war, geht heute angenehmer, wenn auch meist teurer. Nur sollten wir uns davon erst mal nicht so viel erhoffen: Der VFB braucht nur noch einen Punkt, um sicher im Europapokal zu sein; der HSV ist wieder drei vor uns – und will man wirklich darauf setzen, dass gegen Köln, die gerade den Ligaverbleib feiern können, und in Frankfurt, die zuhause gerade 0:5 gegen Bremen verloren haben, noch etwas schief läuft?

Das ist nicht völlig ausgeschlossen, aber ich mache doch lieber etwas in Zweckpessismismus. Na ja, vielleicht in Frankfurt… Grundvoraussetzung für alle Überlegungen sind zwei Siege des BVB. Und zumindest gegen Bielefeld sollte es bei allem Respekt für einen Dreier reichen. Meinetwegen haben die gestern gegen Hoffenheim ganz ordentlich gespielt, aber das Ergebnis ist bekannt. Vor keinem Mannschaftsteil muss man da Angst haben; nur Torwart Eilhoff ist ein richtig Guter. In der Innenverteidigung werden den Arminen am Samstag gleich zwei Leute fehlen, Mijatovic gesperrt und Bollmann verletzt. Und überhaupt, ich habe den Ostwestfalen von Anfang an nicht viel zugetraut. Wenns schiefgeht, war das jetzt zu weit aus dem Fenster gelehnt, na gut.

Jürgen Klopp und der BVB können unterdessen darauf hoffen, ein angeschlagenes bzw. vorsorglich geschontes Quartett, bestehend aus Tamas Hajnal, Alex Frei, Sebastian Kehl und Felipe Santana, wieder zur Verfügung zu haben. Kevin Prince Boateng ist wegen seiner Roten Karte erwartungsgemäß für vier Spiele gesperrt worden – am Dienstag könnte er seine letzten neun Minuten für Schwarz-Gelb gespielt haben.

Also ich werde mich am Samstag zurücklehnen, genießen – die Sommerpause wird lang – , und natürlich trotzdem mitfiebern. Geht ja nicht anders.

BL 32.Spieltag / VFL Wolfsburg 3 BVB 0

Mehr als eine Wahrheit.

Die Aufstellung: Weidenfeller – Dede, Santana, Subotic, Owomoyela – Kehl – Sahin, Kuba (77. Kringe) – Hajnal (66. Boateng) – Frei, Valdez (67. Zidan).

Wahrheit 1: Schiedsrichter Lutz Wagner (warum eigentlich diese Ansetzung?) wollte sich in diesem wichtigen Spiel sicher nicht dem Verdacht aussetzen, ein Herz für Schwarz-Gelb zu haben. Deshalb gab er in der ersten Halbzeit keinen von zwei möglichen (eher aktiver als passiver Arm im Strafraum von Hasebe) bis zwingenden (Santana wird im Strafraum zu Boden gezogen, bevor er an den Ball kommen kann) Elfmetern für den BVB. Dafür gab er zwei lächerliche Gelbe Karten gegen Subotic (das war KEIN Handspiel) und Zidan (das war KEIN Abseits).

Richtig war nur seine Entscheidung, Boateng wegen gefährlichem Spiel Rot zu zeigen. So wird das nichts mehr mit dir und uns, Kevin. Klar wolltest du nur Einsatz zeigen und Hasebe nicht verletzen. Tatsache ist, dass du mit dem Fuß den Gegenspieler am Kopf triffst und verletzt.

Wahrheit 2 ist allerdings, dass es zum Zeitpunkt von Boatengs Platzverweis , in der 75. Minute, ohnehin nicht mehr so gut aussah für den BVB. Viele Vorwürfe kann man den schwarz-gelben Jungs aber nicht machen. Die Wolfsburger Offensive war das entscheidende Quäntchen besser als unsere. Der BVB begann gut und vergab durch Alex Frei die erste Riesenchance, als der in der 11. Minute freistehend über das Tor schoss – normalerweise ein ‘sitter’ für ihn, wie man in England sagen würde. Der VFL dagegen hat diese tollen Offensiv-Kombinationen drauf, die bei uns heute immer wieder an der Ungenauigkeit der Pässe scheiterten. Josue, Grafite und Schütze Dzeko machen das 0:1.

Zu dieser Wahrheit gehört auch, dass sich die BVB-Abwehr beim zweiten Wolfsburger Treffer wenige Minuten nach der Pause zwei entscheidende Fehler leistete: Der bis dahin starke Owomoyela legt mit einem fehlerhaften Kopfball Dzeko den Ball vor, der dann von Subotic nicht mehr entscheidend gestört werden kann und deshalb Grafite den Ball zum 0:2 vorlegt. Ganz klar, in erster Linie Owos Ding. Das 0:3 spät im Spiel gegen auch mit zehn Mann nie aufgebende Schwarz-Gelbe will ich nun wirklich niemand ankreiden.

Ich spekuliere bekanntlich nicht, wie ein Spiel bei anderen Schiedsrichter-Entscheidungen ausgegangen wäre. Wahrheit ist nur: Wagner war schwach und Wolfsburg ein wenig besser als wir. Und wir nicht schlechter als in den letzten Spielen, nur etwas unglücklicher. Und noch eine einfache Wahrheit zum Schluss: Genauso wenig, wie vor dem Spiel irgendetwas erreicht war, ist jetzt etwas verloren. Es geht um Platz 5, es gibt noch Spiele morgen und an den nächsten beiden Samstagen.Hold your heads up high!

Das Spiel

Was kannst du da schreiben? Ist ja nicht viel passiert seit gestern. Der BVB steht zum ersten Mal seit dem 6. Spieltag wieder auf Platz 5 und wir sind gekommen, um zu bleiben! Jetzt ist englische Woche; find ich gut, dass es morgen schon weitergeht, dass schon morgen dieses Spiel auf dem Programm steht. In Wolfsburg, das vielleicht gerade die letzten Tage des Glamours erlebt. Jeder weiß um was es geht, aber erst morgen Abend werden wir wissen, was die letzten Wochen mittelfristig wert waren.

Personell wird Jürgen Klopp nach wie vor nichts verändern, wenn er nicht dazu gezwungen ist, und Stand heute gibt es nur bei Dede ein kleines Fragezeichen. Bei den Gastgebern haben sich ja in Stuttgart zwei der bekannteren Gesichter verletzt, Zvjezdan Misimovic und Sascha Riether. Beim bosnischen Spielmacher, neben den Stürmern bisher vielleicht der wichtigste Wolfsburger, werden sie alles versuchen und es könnte bis morgen reichen, um ihn fit zu kriegen; bei Riether sieht es aufgrund einer Kapselverletzung weniger gut aus.

Die Erwartungen für morgen? Wie ich schon Ende April geschrieben habe: Hinfahren und schauen, was möglich ist. Der Einsatz der Spieler wird da sein. Vielleicht ein gutes Omen: Das Spiel wird geleitet vom Derbysieger der Hinrunde, Lutz Wagner. Oder ist der diesmal besonders kritisch? Alles Fragen, die in rund 24 Stunden beantwortet werden. Ganz ehrlich, ich bin gespannter als auf die Derbys, denn die waren ja recht früh in dieser Saison.

Follow

Get every new post delivered to your Inbox.