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Die unergründlichen Wege des Schicksals?

Es hat sich ganz zum Schluss noch mal gegen Schwarz-Gelb gewendet – das, was ich jetzt mal als Schicksal bezeichnen möchte. Man hätte vorgewarnt sein können: Seit der letzten Meisterschaft 2002 hat der BVB nur einmal das letzte Saisonspiel gewonnen. Aber so richtig glaube ich nicht an ein ‘Vereinsschicksal’, das die Zeit überdauert und von Jahr zu Jahr vererbt wird. Sowas gibt es nur in Gelsenkirchen. Also kein ‘Fluch des letzten Spieltags’ gestern. Normalerweise trägt man zu seinem eigenen Schicksal ein großes Stück bei – wie groß das Stück gestern war, ist eine Frage, über die es sich noch mal kurz nachzudenken lohnt.

Nicht in unserer Macht lag gestern der Ausgang des Spiels in Frankfurt, das leider vom Schiedsrichter und seinen Assistenten in eklatanter Weise beeinflusst wurde: Der Siegtreffer, das 3:2 der Hamburger, war deutlich Abseits. Einzige Entschuldigung für den zuständigen Assistenten: Die Laufwege der Spieler schienen in der Szene etwas irritierend. So kurz vor Schluss ist sowas doppelt bitter. Wenn eine der Fehlentscheidungen, auf deren Basis auch in dieser Saison wieder die beknackte ‘Wahre Tabelle’ aufgestellt wurde, spielentscheidend war, dann wohl diese. Niemand konnte von den geretteten Frankfurtern erwarten, dass sie das so kurz vor dem Ende noch mal ausgleichen. Also doch ungerechtes Schicksal und nicht in unseren Händen?

Das ist natürlich nur ein kleiner Teil der Wahrheit. Letztendlich war es genau, was ich gestern geschrieben habe: Ein Unentschieden zu viel. Das Spiel in Gladbach war zu gewinnen, wie auch einige andere Remis im Lauf der Saison (beide Spiele gegen Hannover, zuhause gegen Cottbus etwa). Auch die Spieler sahen das nach der Partie zum Teil so. Sehr vehement vertrat Roman Weidenfeller die Meinung, die Feldspieler hätten nach dem Ausgleich mehr und gezielter nach vorne arbeiten müssen. Darüber geriet der Torwart direkt nach Schlusspfiff verbal heftig mit Kapitän Sebastian Kehl aneinander. Der wiederum später selbstkritisch oder einfach nur ratlos einräumte, das Zwischenergebnis aus Frankfurt sei sicher in den Köpfen gewesen.

Das ist menschlich schon verständlich, konterkariert aber, was die Mannschaft in den letzten Monaten ausgezeichnet hat: Unbedingtes Engagement bis zum Schluss. Da überzeugt auch nicht der Erklärungsversuch von Hans-Joachim Watzke, man hätte ja in einen Konter laufen können, wenn man früher alles nach vorne geworfen hätte. Die Gladbacher wirkten gerade nach dem 1:1 und den Zwischenständen aus den für sie relevanten anderen Spielen wirklich nicht mehr sonderlich gefährlich. Bezeichnend ist, dass der BVB nach dem Ausgleich keine große Chance mehr herausspielte. Die verantwortlichen Problemzonen waren naturgemäß Sturm, aber vor allem Mittelfeld (siehe Spielbericht von gestern).

Die Enttäuschung ist jetzt groß; bei mir wie sicher bei allen Fans und offensichtlich Spielern und Verantwortlichen auch. Die Scharmützel gestern nach dem Spiel sollte man nicht so eng sehen – auch wenn sie vielleicht ein schlechtes Bild abgaben, aber das zeigt doch nur, dass PRINZIPIELL alle gebrannt haben. Wenn sich die erste Enttäuschung ein bisschen gelegt hat, wird man wieder daran denken, was alles erreicht wurde: Platz 6, mit dem ich vor der Saison nicht gerechnet hätte, und vor allem attraktiveres Spiel und bessere Stimmung in Dortmund, die auch durch das Scheitern im Kampf um Platz 5 nicht zerstört werden wird.

Natürlich wurde auch etwas verpasst. Der Weg zurück in die Bundesliga-Spitze könnte nun länger werden. Weitere Investitionen in Spieler die den BVB direkt verstärken, werden nur möglich sein, wenn auch gute Spieler abgegeben werden. In dieser Hinsicht beginnt jetzt der übliche Sommer der Gerüchte, Spekulationen und Verhandlungen. Trotzdem, das Konzept, das Michael Zorc und Jürgen Klopp erarbeitet haben, bessere Verzahnung von Erster, Zweiter und Jugendmannschaften sowie generell das Vertrauen auf junge und/oder entwicklungsfähige Spieler, ist und bleibt sympathisch, und die Fans werden weiter dahinter stehen. Ein Einbruch in der nächsten Saison ist nicht zu erwarten, wohl aber auch kein Durchmarsch in die Europa League.

Es ist vorbei, aber nicht so ganz: Vor einer Sommerpause voller Gerüchte folgt in den nächsten Tagen auf Any Given Weekend noch das Zeugnis für alle Spieler, die in dieser alles in allem schönen Rückrunde ausreichend im Einsatz waren.

  1. 25. Mai 2009 um 20:50 | #1

    „Der Weg zurück in die Bundesliga-Spitze könnte nun länger werden.“ Das ist ein lustiger Satz.

  2. 25. Mai 2009 um 22:27 | #2

    Jaa? Da lässt du mich jetzt mit dicken Fragezeichen zurück. Soll ich noch verdeutlichen, dass ich mit „Spitze“ meine, regelmäßig oder fast regelmäßig unter den ersten fünf zu stehen? Oder gefällt dir tatsächlich die Formulierung?

  3. 25. Mai 2009 um 23:28 | #3

    Schicksal, Vererbung, alles Kokolores. Trotzdem schön die folgenden Zitate:

    Zitat schwatzgelb:

    Mit nahezu beängstigender Sicherheit hat der BVB seit 2003 keinen Matchball mehr verwandelt. Cottbus, Genk, Rotterdam, Olmütz, Udine und jetzt Mönchengladbach – die Serie hält. Borussia kann einfach keine wichtigen Spiele für sich entscheiden.

    Zitat M. J. Ost (11Freunde):

    Cottbus – Genk – Rotterdam – Olmütz – Udine – Mönchengladbach. Das hört sich an wie die Stationen der Welttournee der Jakob-Sisters. Kein Wunder, dass die Dortmunder sich schon wieder die europäische Butter vom Brot haben nehmen lassen.

    (Quelle)

  4. 26. Mai 2009 um 10:11 | #4

    Eine etwas konstruierte Mischung sehr verschiedener Spiele, die alle irgendwas mit Europa zu tun haben und die der BVB ohne Zweifel alle nicht gewinnen konnte. Andere wichtige Spiele wurden jedoch gewonnen, wenn auch nicht unbedingt am allerletzten Spieltag.

  5. 26. Mai 2009 um 18:26 | #5

    Weil er impliziert, dass der Weg nur eine Frage der Zeit ist und so einfach wird’s nicht werden.

  6. 31. Mai 2009 um 14:34 | #6

    Das impliziert der Satz ja auch, dass es nicht einfach werden wird. Für mich ist es durchaus eine Frage von mehreren Jahren. Längerfristig müsste das Potenzial aber da sein – schau dir nur mal die Kulisse in jedem Heimspiel an; das wird sich bei vernünftigem Wirtschaften irgendwann auszahlen, diese Unterstützung, die sich auch finanziell niederschlägt.

    Außerdem: Hast du uns nicht schon vor dieser Saison kräftig unterschätzt? ;-)

  1. 7. Juni 2009 um 21:34 | #1
  2. 13. August 2009 um 23:14 | #2
  3. 27. November 2009 um 0:33 | #3