Es kommt dicker
Für Sebastian Kehl. Und für uns. Heute wurde auf der BVB-Homepage verkündet, dass es weitere sechs (!) Wochen dauern wird, bis der Kapitän überhaupt wieder ins Mannschaftstraining einsteigen kann. Nach einem Besuch bei zwei Spezialisten steht fest, dass die Adduktoren-Sehnenentzündung am Schambein, die Kehl seit längerem plagte, noch nicht ausgeheilt ist. Nun will man die Sache offensichtlich ganz langsam angehen lassen. Was sicher richtig ist. Und ein herber Rückschlag für den BVB, denn Kehls Fehlen wird nicht nur von mir als ein wichtiger Grund für den schwachen Saisonstart gesehen. Es fehlt die berühmte ‘ordnende Hand’ und der ‘Antreiber’.
Die Optionen für die Besetzung der defensiven Mittelfeldrolle sind nicht knapp, aber eine voll überzeugende Lösung hat Jürgen Klopp noch nicht gefunden. Mats Hummels, Tinga und Lars Bender haben in dieser Saison schon auf der Position gespielt, Markus Feulner wäre eine weitere Alternative. Komisch, dass der bisher so wenig zum Zug kam. Für mich drängt sich eine Rückversetzung von Hummels in die Innenverteidigung (anstelle von Santana) auf. Auf der ’6′ sollte Lars Bender eine weitere Chance bekommen. Und Feulner sollte man nicht vergessen.
Jede Woche geht ein halber Trainer
Genau genommen sogar noch etwas mehr als ein halber. Nach sieben Spieltagen sind in der 1. Bundesliga inzwischen vier Trainer entlassen worden. Gestern erwischte es Lucien Favre von Hertha BSC. Nach der erneuten hohen Niederlage am Sonntag nicht wirklich überraschend, aber an der Weisheit der Entscheidung darf man zweifeln.
Das Märchen konnte nicht wahr werden. Hertha hatte in der letzten Saison einen leicht überdurchschnittlichen Kader und hat dank Lucien Favre und eines veritablen Laufs fast das Optimum rausgeholt. Im Sommer wurden Leistungsträger abgegeben und aufgrund der wirtschaftlichen Lage kein adäquater Ersatz geholt. Das konnte nicht gut gehen. Favre ist kein Zauberkünstler mit einem Wundersystem. Was jedoch überrascht, ist die Heftigkeit des Absturzes.
Bis hierher hört sich diese Zustandsbeschreibung ein wenig nach BVB an? Ich habe gestern Szenen aus dem Spiel der Hertha in Hoffenheim gesehen, die erschreckende Leistungen der Abwehr zeigen. Fast schon teilnahmslos wirkten die zeitweise. So weit wird es in Dortmund nicht kommen, zumal auch das Potenzial höher einzuschätzen ist. Allenfalls die zweite Hälfte gegen Bayern wirkte bei Schwarz-Gelb ähnlich hilflos.
Es ist wie es ist, die Spieler kannst du nur bedingt bestrafen, das wird sonst teuer. Also suchen sie jetzt in Berlin einen neuen Mann für die Trainerbank. Vielleicht finden sie jemand wie Hans Meyer, der die Talfahrt stoppt und den Verein am Ende auf Platz 14 führt. Eine Lösung für die Zukunft ist jedoch nicht in Sicht. Oder gibt es da draußen noch einen großen Unbekannten?
Einen im Tee gehabt?
Oder einfach nur schamlose Vorwärtsverteidigung? Felix Magath zur Leistung von Schiedsrichter Wolfgang Stark im Derby:
Er war überragend, hat das Spiel immer im Griff gehabt, alles korrekt gepfiffen und war auch in hektischen Phasen souverän. (Quelle: Spox.com)
Nächtliche Ablenkung
Ich meine natürlich die Pokalauslosung, die heute in den frühen Morgenstunden (irgendwann nach Mitternacht) im ZDF-Sportstudio vorgenommen wurde. Die hinreißende Carmen Nebel hatte den ohnehin späten Sendetermin weiter verzögert und vor der Auslosung wurde dann noch der Liga-Spieltag zusammengefasst. Trotzdem, die BVB-Fans die zu dieser Stunde noch wach oder schon zu Hause waren, konnten sich mal zehn Minuten ablenken vom gestrigen Ärger.
Der BVB schien ein Heimspiel zu bekommen, jedoch wurde dann als Gegner Drittligist und HSV-Bezwinger Osnabrück zugelost. Dort sitzt der ehemalige Schwarz-Gelbe Karsten Baumann auf der Bank. Ein Los, mit dem man gut leben kann, denn die Pleite des Erstliga-Tabellenführers an der Bremer Brücke sollte Warnung genug gewesen sein. Andere interessante Spiele: Im Duell der Finanzexperten trifft 1860 München auf den FC Schalke und in Frankfurt dürfte es zwischen der Eintracht und dem FC Bayern hoch hergehen. Irgendwie habe ich schon wieder Lust auf Pokal. ;-)
P.S. Zum Thema verdient auch dieser Beitrag auf Schwatzgelb.de Beachtung.
Wie entlasse ich einen Trainer?
Vergleicht man die letzten beiden Trainer-Entlassungen in der 1. Bundesliga, ergibt sich eine offensichtliche Parallele. Ob man schon von einem Trend sprechen kann, sei mal dahingestellt. Sowohl bei der Entlassung von Dieter Hecking in Hannover als auch bei der von Marcel Koller jüngst in Bochum begründeten die Vereinsverantwortlichen ihre Entschlüsse unter anderem mit dem Druck der Fans. Der VFL-Aufsichtsratsvorsitzende Werner Altegoer sagte ganz offen:
Wenn man sich dann zusammensetzt und feststellt, dass die Stimmung im Großteil der Anhängerschaft nun einmal so ist wie sie ist, dann muss man dem irgendwie Rechnung tragen.
Früher hätte man es von Vereinsseite weit von sich gewiesen, sich dem ‘Druck der Straße’ zu beugen. Ist die neue Wertschätzung der Fans, egal ob als Verbündete oder nur Konsumenten, ein Zeichen der Einsicht, kommt sie von Herzen? Oder ist sie im Falle von Trainerentlassungen doch eher die einfachste Erklärung für eigentlich schwer Erklärbares? Ab wann ist bei Fanprotesten eine ‘kritische Masse’ erreicht, die Handeln nötig macht?
Gerade in Bochum ist die Entlassung zu diesem frühen Zeitpunkt der Saison schwer nachzuvollziehen. Marcel Koller hat schon Recht, wenn er davon spricht, dass die Erwartungshaltung angesichts der finanziellen Möglichkeiten des Vereins überzogen war. Auch das räumt Altegoer indirekt ein:
Der Arbeit von Herrn Koller wird unsere Maßnahme auch nicht gerecht. Aber wir können ihm keinen besseren Kader zur Verfügung stellen. Wenn sich der Torwart den Kiefer bricht und der beste Angreifer die Hand, dann ist das eine Schwächung, die wir nicht regulieren können.
Für mich ist diese Entlassung ein Zeichen von Ratlosigkeit und Ungeduld. Bei Fans und Verantwortlichen. Es gibt im Verhältnis zwischen Anhängern und Verein andere Bereiche, die eher nach einer Demokratisierung verlangen als die Trainerfrage. In Berlin immerhin werden die Herren Preetz, Gegenbauer et al. eine Entlassung von Lucien Favre nach der neuerlichen Pokalpleite in München nicht auf das Publikum schieben können. Die Hertha-Fans hatten die Mannschaft sogar nach dem desaströsen 0:4 gegen Freiburg gefeiert und im Training mit Transparenten unterstützt.
(Quelle: Sport1.de)
BL 6.Spieltag / Hannover 96 1 BVB 1
Hard Times.
Die Aufstellung: Weidenfeller – Dede (34. Schmelzer), Hummels, Subotic, Owomoyela – Bender – Sahin, Tinga – Hajnal – Zidan (65. Kuba), Valdez (79. Barrios). Tor: Sahin.
Soll man sich jetzt über einen Punkt in Hannover freuen? Weil der BVB in den letzten Jahren gegen den kleinen HSV auch nicht gewinnen konnte? Das fällt verdammt schwer, denn in der Form der letzten Rückrunde (bzw. deren zweiter Hälfte) hätten wir die ersatzgeschwächten Gastgeber locker geschlagen. Aber die Probleme bei Schwarz-Gelb scheinen so tief zu sitzen, dass sie nicht mal eben durch ein zweitägiges Trainingslager zu beseitigen sind.
Es gab sichtbare Veränderungen gegenüber letztem Wochenende. In erster Linie betrafen sie die Aufstellung. Jürgen Klopp griff zu Maßnahmen, die mir letzten Sonntag auch vorschwebten: Hummels rückte für Santana in die Innenverteidigung, Neuzugang Sven Bender ins defensive Mittelfeld. Kuba wurde auf der rechten Seite von Tinga ersetzt. Und es gab die Rückkehr zur gewohnten 4-4-2 Raute mit Hajnal auf der ’10′.
Der Erfolg der Maßnahmen war mal wieder nur eine Halbzeit lang wirklich sichtbar. Vor allem in der ersten halben Stunde stand die Defensive sehr sicher und ließ keine Hannoveraner Chance zu. Bender überzeugte bei seinem ersten Einsatz. Das Manko, wie gegen die Bayern: Die herausgespielten 4-5 Chancen wurden nicht genutzt. Und ähnlich wie letzten Samstag im Westfalenstadion ließ der BVB den Gegner nach etwa 30 Minuten wieder ins Spiel kommen. Zum Glück war der heutige Gegner weniger gefährlich. So gelang den Schwarz-Gelben kurz vor der Pause tatsächlich doch noch die Führung: In einer seiner wenigen guten Szenen spielte Owomoyela einen langen Pass in die Spitze, den Nuri Sahin mit etwas Glück unter Kontrolle bekam und schön über den herauseilenden Fromlowitz ins Tor hob.
Überhaupt Fromlowitz. Der Hannoveraner Ersatzkeeper, der erneut den an einem Magen-Darm-Bakterium erkrankten Robert Enke vertrat, hatte die Gastgeber in der ersten Hälfte mit mehreren starken Reaktionen im Spiel gehalten. Unsere Nummer 1, Roman Weidenfeller, war dagegen am viel zu schnellen Ausgleich wenige Minuten nach der Pause nicht unschuldig. Es war ein harter Schuss von Ya Konan von rechts ins rechte Eck, aber es war auch Weides Eck. Er ließ den Ball jedoch passieren. Lies mehr …
BL 5.Spieltag / BVB 1 Bayern München 5
Ein Superstar zu viel.
Die Aufstellung: Weidenfeller – Dede, Santana, Subotic, Owomoyela – Hummels – Sahin, Tinga – Rangelov (62. Großkreutz), Zidan (62. Barrios), Kuba (71. Valdez). Tor: Hummels.
Fangen wir mit dem Umstrittenen an. Jung und verdorben II – in der Hauptrolle Bastian Schweinsteiger. Mal ehrlich, die Lausbubenzeiten, damals mit der ‘Cousine’ im Pool oder Podolski bei der WM, sind lange vorbei. Schon vor dem Spiel war Schweinsteiger für mich das rote Tuch bei Bayern – viel mehr als ein van Bommel oder gar ein Uli Hoeneß, dessen im Ton zwar übertriebene, aber im Kern richtige Kritik an den Länderspielterminen ich teile. Schweinsteiger gegen Tinga gestern, das war beileibe nicht die erste fiese Aktion des überschätzten Nationalspielers.
Was ist passiert? Schweinsteiger tritt zweimal (!) auf den am Boden liegenden Tinga, einmal auf dessen Bein, einmal auf den Arm. Mit voller Absicht und nicht aus dem laufenden Spiel im Kampf um den Ball. Tinga wälzt sich nicht mit schmerzverzerrtem Gesicht auf dem Boden. Schiedsrichter Knut Kircher gibt nur Freistoß; obwohl er die Szene nicht perfekt gesehen haben kann (er kommt erst angerannt), fragt er nicht beim vierten Schiedsrichter nach. Was ist das anderes als eine Tätlichkeit? Gelten nur Ellbogenschläge als solche? Was wäre passiert, wenn Tinga auf den deutschen Nationalspieler Schweinsteiger getreten wäre? Das ist Spekulation, aber eine, die sich anzustellen lohnt.
Schweinsteiger trifft in der zweiten Halbzeit mit einem Sonntagsschuss zum 1:2. Hätte der BVB gegen zehn Bayern gewonnen? Keine Ahnung. Hätte der BVB gegen dezimierte Bayern 1:5 verloren? Nein!
Kommen wir von dieser unerfreulichen Episode zum unerfreulichen Rest des Spiels. Es begann jedoch, für Dortmund nicht charakteristisch, erfreulich. Die Schwarz-Gelben waren gleich voll da und ließen die Bayern nicht zur Entfaltung kommen. In der 10. Minute erzielte ausgerechnet Mats Hummels per Kopfball nach einem Freistoß von Sahin das 1:0. Man durfte von schönen Geschichten träumen, und der BVB setzte nach, hatte mehrere Möglichkeiten, zu erhöhen. Es ist so banal, dass es weh tut, aber gegen eine Spitzenmannschaft muss man solche Chancen nutzen. So aber gab es das 1:1. Keinen Vorwurf hier an Kircher, es war schwer zu entscheiden, ob Gomez im Abseits stand. Der Ball kam von van Buyten, aber berührte noch Subotic. Lies mehr …



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