Archiv | Oktober 2009

1. Bundesliga, 11. Spieltag / BVB 2 Hertha BSC 0

Wir haben einen Torjäger.

Die Aufstellung: Weidenfeller – Dede (17. Schmelzer), Hummels, Subotic, Owomoyela – Valdez (90. Großkreutz), Sahin, Sven Bender, Kuba – Zidan (70. Rangelov), Barrios. Tore: Sahin (FE), Barrios.

Genau einen. Lucas Barrios, der in der Nachspielzeit mit einem schönen Treffer den Sieg über Hertha endgültig besiegelte. Zuvor hatte man angesichts der schwarz-gelben Chancenverwertung wieder mit dem Schlimmsten gerechnet. Aber wollen wir mal nicht zu viel meckern. Das war gegenüber Dienstag schon wieder ganz ansehnlich.

Auf dem Papier hatte Jürgen Klopp ein 4-4-2 mit „flacher Vier“ aufgestellt, in der Praxis ähnelte das System stark der Aufstellung der letzten Spiele. Zidan ließ sich immer wieder ins Mittelfeld zurückfallen und die Außen Valdez und Kuba starteten erwartungsgemäß zahlreiche Vorstöße nach vorne. Nelson erhielt seine neue Chance nach der äußerst schwachen Leistung von Osnabrück, da Markus Feulner grippebedingt kurzfristig ausfiel – ebenso wie Marc Ziegler und Yasin Öztekin.

Das Spiel begann etwas anders, als man sich das vorgestellt hatte. Mit aggressiven Berlinern, die durchaus mitspielen wollten. So entwickelte sich ein offener Schlagabtausch, jedoch mit wenigen Torraumszenen. Dede musste nach einer Rettungsaktion, bei der er mit Hummels zusammenprallte und dann noch auf den am Boden liegenden Valdez stürzte, ausgewechselt werden. Er hatte sich offensichtlich einiges vorgenommen gestern und war schwer enttäuscht, als er runter musste.

Zur Hälfte der ersten Halbzeit bekam der BVB das Spiel dann in den Griff und die Gäste nahmen die ihnen zugedachte Rolle an: Sie standen tief und warteten auf Konter. Die Chancen für Schwarz-Gelb kamen. Durch den sehr agilen Kuba, der ein gutes Spiel machte; durch Zidan, der wieder an Tunnelblick litt, oder durch Mats Hummels nach einem Freistoß. Kurz nach der Pause konnte Nelson Valdez allein vor dem Tor Jaroslav Drobny nicht überwinden. Wie erwartet lieferte die Berliner Nummer 1 eine tadellose Leistung ab. Andererseits hat sich Nelson in den letzten Partien wieder in sein Alter Ego „Chancentod“ verwandelt. Zu hart? Eigentlich schon, denn der Begriff wird seinen Leistungen, mit Ausnahme von Dienstag, nicht gerecht. Das gleiche Problem hatte ja Florian Kringe in Dortmund – aber lassen wir das Thema heute mal weg. ;-) Valdez hätte gestern übrigens auch einen Elfmeter kriegen können, als Drobny kurz vor der Pause in sein Gesicht anstatt gegen den Ball faustete.

Die Sorgen, dass sich die ausgelassenen Chancen rächen könnten, waren auch gegen Hertha da und sie waren nicht völlig unbegründet – einmal knallte Kacar den Ball aus guter Position übers Tor, später gab es sogar einen Pfostentreffer. Für einen oder drei Punkte war das, was die Gäste anboten, aber zu wenig. Zu viele Fehler und zu wenig Torgefahr gab es da zu sehen.

Die Ausdauer und der Glaube der Schwarz-Gelben wurden in der 60. Minute belohnt. Nach einer Ecke umklammerte Kacar den Hals von Owomoyela und wollte gar nicht mehr loslassen. „Uwe“ versuchte sich zu befreien und fiel dann irgendwann hin. Ob er fallen musste? Wer weiß. Das Foul war klar, trotzdem hätte der Schiedsrichter wohl nicht gepfiffen, wenn er nicht gefallen wäre – weil der Strafraum bei Ecken immer ein Rummelplatz ist. Außerdem musste die Dummheit von Kacar bestraft werden. Nuri Sahin verwandelte den Elfmeter und zeigte damit erneut, dass er für den BVB in Abwesenheit von Kehl und Hajnal ein entscheidender Mann ist.

Der BVB hatte weitere Chancen, scheiterte aber mehrmals an Drobny. Und so musste eben doch bis in die Nachspielzeit gezittert werden – bis Lucas nach Einwurf von Owomoyela zur Stelle war. Somit hat Patrick Owomoyela gestern quasi beide Treffer vorbereitet. Ein richtig überzeugendes Spiel war es trotzdem nicht von ihm. Dass vieles über die rechte Seite gut lief, war in erster Linie dem starken Kuba zu verdanken. Lob verdient haben sich auch die defensiv orientierten Mittelfeldleute Sahin und Bender, die gut abräumten und sich wenn möglich in Angriffe einschalteten. Das letzte Wort gebührt aber dem Torjäger: Der letzte Borusse, der Torschützenkönig der Liga wurde, war Marcio Amoroso mit 18 Treffern – als die Borussia zum letzten Mal Meister wurde. Lucas Barrios ist zuzutrauen, dass er zumindest einen der beiden „Titel“ holt.

Gerissen

Vorgestern hat Borussia Dortmund die Stange der Mittelmäßigkeit, die schon fast überquert schien, mit den Füßen doch noch gerissen. Nach dem „Bilanz-Spieltag“ 10 bleibt daher unter dem Strich ein bescheidener Saisonauftakt stehen. Wäre der BVB, wie auch immer, ins Pokal-Viertelfinale eingezogen, hätte man die verbesserten Leistungen in den letzten Wochen als hoffnungsvoll bezeichnen können. So wie es nun ist, fängt man wieder bei null an.

Die Gründe für den mäßigen Start sind vielfältig. Neben Offensichtlichem wie dem gegenüber vielen Konkurrenten begrenzten finanziellen Spielraum sind drei Erklärungsansätze besonders plausibel: Formschwäche bestimmter Spieler, Verletzungen und Formschwäche im Anschluss an Verletzungen. Scheinbar grundlos formschwach zeigt sich schon fast die ganze Saison Patrick Owomoyela. In den letzten Spielen glücklos und am Dienstag richtig schwach war Nelson Valdez.

Verletzungen zentraler Spieler sind für einen Verein, der qualitativ nicht durchgehend hochkarätig besetzt ist, besonders unangenehm. Wir brauchen wohl nicht über den Wert von Sebastian Kehl zu diskutieren. Jürgen Klopp hat im defensiven Mittelfeld mehrere Varianten ausprobiert und mit (dem vorgestern verletzten) Sven Bender eine akzeptable Alternative gefunden. Wäre jedoch der Kapitän fit, wäre mMn ein Lapsus wie die grottige Ausführung des Freistoß vor dem Osnabrücker Gegenzug zum 1:3 und die darauffolgenden Fehler nicht passiert. Kehl kann selbstredend allein keine spielerische Unterlegenheit ausgleichen – er hätte aber an der Bremer Brücke in mancher Situation die passenden Worte gefunden und Anweisungen gegeben.

Um Tamas Hajnal gibt es in Fankreisen Diskussionen. Ein nicht unbedeutender Teil der Anhänger scheint von ihm nicht restlos überzeugt und weist vor allem auf den aktuell schwachen Saisonstart hin. Nun fällt Tamas für den Rest der Hinrunde aus und wer nicht von seiner Kreativität überzeugt ist, muss zumindest zugeben, dass er bei der Ausführung von Standardsituationen fehlt. Die Standards haben sich im Kontrast zur letzten Saison beim BVB wieder zu einem Problem entwickelt – sowohl defensiv als auch offensiv. Dede gelang gegen Bochum per Freistoß ein Assist – ansonsten sind mir wenig gute Ecken und noch weniger gute Freistöße in Erinnerung, die nicht Hajnal getreten hat.

Formschwäche nach Verletzungen muss man bei Kuba und immer noch bei Dede konstatieren. Beide sind noch nicht die Alten und rufen ihr Potenzial noch nicht wieder ab. Was kann Jürgen Klopp in den nächsten Wochen tun? Ein einfacher Tipp: Standards trainieren – in beide Richtungen -  und verhindern, dass noch mal ein Freistoß so ausgeführt wird wie besagter in Osnabrück. Außerdem muss Klopp schnell das System finden, das ohne Kehl und Hajnal am besten funktioniert. Möglicherweise ist es das in den letzten Partien praktizierte 4-2-3-1. Klopp wird jedoch nichts anderes übrigbleiben als personell zu rotieren, wenn die Leistungen der Spieler so sehr schwanken. Valdez hat sich eine Pause verdient und Markus Feulner eine Chance. Auf der Position hinten rechts kann man auf Owomoyela bis zum Winter scheinbar nicht verzichten – sollte sich jedoch jemand aus dem erweiterten Kader oder der Zweiten Mannschaft aufdrängen, bin ich für Experimente offen! Lies mehr …

DFB-Pokal, Achtelfinale / VFL Osnabrück 3 BVB 2

WTF?

Die Aufstellung: Weidenfeller – Dede, Hummels, Subotic, Owomoyela – Sahin, Tinga (75. Rangelov) – Valdez, Zidan (68. Le Tallec (73. Feulner)), Kuba – Barrios. Tore: Sahin, Barrios.

Der BVB verliert ein Spiel, das er niemals hätte verlieren dürfen und beendet abrupt den zarten Aufwärtstrend. In der Startaufstellung hatte es außer dem Ausfall von Sven Bender keine Veränderungen gegeben. An Ersatzmann Tinga lag die Niederlage jedoch nicht.

Die Schwarz-Gelben begannen die Partie extrem dominant, schnürten die Gastgeber 20 Minuten in der eigenen Hälfte ein, spielten bis zum Strafraum sehenswerten Kombinationsfußball, kamen aber gegen die dicht gestaffelte Osnabrücker Abwehr nicht entscheidend durch. Eine der ersten nennenswerten Aktionen der Gastgeber führt dagegen zum 0:1. Bezeichnenderweise nach einem Einwurf. Der segelt von rechts in den Dortmunder Strafraum. Subotic springt zum falschen Zeitpunkt halbherzig hoch, Valdez ist falsch positioniert – deshalb gelingt Innenverteidiger Barletta ein Fallrückzieher-Tor! Schöne Aktion vom Osnabrücker, aber trotzdem absolut vermeidbar.

Es war nur der Auftakt für eine miserable Defensivleistung – dabei war die Defensive höchstens 4-5x im Spiel richtig gefordert. Leider verlor auch die Offensivabteilung erstmal den Faden. Fünf Minuten nach der Führung musste Weidenfeller zur Ecke klären. Die kommt wieder auf Barletta, Valdez sieht wieder schlecht aus, der Osnabrücker köpft das 0:2. Im Anschluss und vor allem zu Beginn der zweiten Hälfte hat der BVB erneut seine Chancen. Die größte, als Kuba von rechts flankt und mehrere Schwarz-Gelbe nicht an den Ball kommen, der durch den Fünf-Meter-Raum segelt.

Aber das 1:2 fällt und es ist auch hochverdient. Kuba flankt wieder von rechts, der Ball wird verlängert und Sahin kann links vom Tor volley abstauben. Danach hatte es der BVB erneut in der Hand. Bei der größten Chance trifft Lucas Barrios sehenswert den Pfosten. Diesmal gelingt kein Abstauber. In der 68. Minute kriegt die halbe Kneipe die Krise: Owomoyela möchte einen Freistoß aus aussichtsreicher Position schießen. WARUM? Warum darf der das? Der Ball bleibt in der Mauer hängen, Osnabrück kontert blitzschnell, die BVB-Defensive ist nicht schnell genug zurück, 1:3 durch Siegert.

Patrick Owomoyela. Es ist unverzeihlich, dass der rechts hinten keine Konkurrenz hat. Der Auftritt war mit wenigen Ausnahmen wieder völlig lethargisch. Ich wiederhole mich, aber immerhin habe ich das schon Ende August und nach dem Bayern-Spiel gesagt: Jemand wie Florian Kringe wäre eine Alternative gewesen. Es ist spekulativ, ob etwas und wie viel dann besser gelaufen wäre. Tatsache ist, dass der BVB durch das Ausscheiden aus dem Pokal mehr verlieren kann als das Gehalt von Kringe gekostet hätte.

Natürlich waren Owos Kollegen in der Abwehr heute nicht besser. Und Subotic besonders schwach. Ob es in der Hintermannschaft an der Einstellung gefehlt hat? Nur dort gibt es Anzeichen dafür. Ausnahme war Dede. Das andere massive Problem der Schwarz-Gelben war die Chancenverwertung. In der Liga haben wir die drittschlechteste und auch heute hatten wir genug Möglichkeiten zum Sieg. Bitter war natürlich, dass sich der junge Le Tallec wenige Minuten nach seiner Einwechslung schwer verletzte, vermutlich an Hand, Arm oder Schulter. Nelson Valdez machte heute nicht nur hinten, sondern auch vorne alles falsch. Der BVB rannte zwar an, aber erst in der fünften Minute der Nachspielzeit gelang Lucas Barrios nach Ecke von Dede noch das 2:3. Zu spät. Die für Deutschland selten langen sechs Minuten Zugabe waren übrigens absolut berechtigt angesichts zahlreicher notwendiger und ein paar fragwürdiger Verletzungspausen, in denen Osnabrücker Spieler behandelt wurden.

Es ist also vorbei, das Spiel um die Fahrt nach Berlin, das sich inzwischen wieder lohnt. Es war eine unnötige, aber aufgrund des Sekundenschlafs in entscheidenden Situationen nicht unverdiente Pokalpleite. Ein Rückfall in vergangen geglaubte Pokalpleiten-Zeiten. Der Super-GAU, zumindest für die Stimmung, wäre nun eine weitere Niederlage gegen bisher, mit Ausnahme von letztem Sonntag, weitgehend unterklassig agierende Berliner. Um das zu verhindern, muss sich Jürgen Klopp etwas einfallen lassen.

Der VFL

(Updated) Wie ich auf der Suche nach Informationen über den nächsten Pokalgegner des BVB entdeckt habe, hat sich Osnabrück tatsächlich die Homepage www.vfl.de gesichert. Diese ist jedoch ziemlich mit Werbung überfrachtet. Der VFL hat jedenfalls inzwischen den Kontakt mit der Spitze der Dritten Liga hergestellt und ist mit vier Punkten Rückstand auf Tabellenführer Offenbach Fünfter. An diesem Wochenende gewannen unsere Gastgeber vom Dienstag an der Bremer Brücke 3:1 gegen Aue – der Sieg wurde erst kurz vor Schluss sichergestellt.

Niemand sollte deshalb Osnabrück unterschätzen und niemand wird das im BVB-Team tun – dafür wird Jürgen Klopp schon sorgen. Der Sieg über den HSV ist allen bekannt, die DVD davon wird in diesen Tagen in Dortmund in der „heavy rotation“ laufen. Ob dann jeder auf dem Platz 90 Minuten hellwach ist, bleibt trotzdem abzuwarten. Ein Sieg ist Pflicht, der Pokal ist schließlich die Abkürzung nach Europa – ich könnte noch mehr wahre Platitüden anführen, aber lasse es dabei.

Es ist noch offen, ob der am Freitag angeschlagen ausgewechselte Kuba bis übermorgen fit wird. Ansonsten spricht wenig gegen Startelf und System der letzten beiden Partien.

UPDATE: Nun sind auch Nelson Valdez, aber vor allem Sven Bender für Osnabrück fraglich. Als Bender-Ersatz stünde Tinga wieder zur Verfügung.

1. Bundesliga, 10. Spieltag / Bayer Leverkusen 1 BVB 1

Fast zufrieden.

Die Aufstellung: Weidenfeller – Dede, Hummels, Subotic, Owomoyela – Sahin, Sven Bender – Valdez (84. Feulner), Zidan (72. Rangelov), Kuba (46. Großkreutz) – Barrios. Tor: Barrios.

Jürgen Klopp ließ seinen Worten Taten folgen und trat wirklich mit derselben Formation an wie gegen Bochum. Ohne Zweifel muss er die richtigen Anweisungen gegeben haben, denn die nominell eher offensive Mannschaft machte ihre Sache defensiv sehr gut.

Es war beeindruckend, wie die Schwarz-Gelben nach überstandenen ersten Leverkusener Angriffen bereits in der 8. Minute in Führung gingen. Der Torschütze Lucas Barrios erkämpft sich selber im Mittelfeld den Ball und passt auf Sahin, der mit einem präzisen Pass in den freien Raum Valdez einsetzt. Der flankt beinahe von der Torauslinie in die Mitte. Dort wartet schon wieder Barrios, der allen beweist, wie gut er köpfen kann.

Im Anschluss standen die Schwarz-Gelben defensiv sehr gut. Die Leverkusener Bemühungen blieben weitestgehend harmlos. Bei einer Ecke faustet Weidenfeller mal am Ball vorbei – nun gut. Der BVB hätte bei eigenen Angriffsversuchen etwas präziser sein können – nun gut. Insgesamt konnte man mit der ersten Hälfte sehr zufrieden sein, auch wenn die Gastgeber deutlich mehr Ballbesitz hatten.

Nach dem Seitenwechsel wurden die Gastgeber etwas überzeugender nach vorne, doch meistens nur bis zum Strafraum. So war es eine Standardsituation, die zum Ausgleich führte: Eine Barnetta-Ecke kam bei Manuel Friedrich an, der zu frei stand und den Ball aus größerer Entfernung reinköpfte. Der kurze Pfosten war zu diesem Zeitpunkt leider nicht mehr abgedeckt. Aufs gesamte Spiel gesehen war der Ausgleich verdient, denn Leverkusen war in der zweiten Hälfte offensiv besser, gerade nach dem Tor. Die Chancen blieben jedoch vergleichsweise harmlos; ein Friedrich-Schuss aus aussichtsreicher Position ging weit übers Tor, ansonsten hatten Weidenfeller und die Abwehr wenig Probleme.

Warum zur völligen Zufriedenheit mit diesem Auswärtspunkt etwas fehlt: Gegen diese Leverkusener wäre möglicherweise mehr drin gewesen. Das Fehlen von Rolfes und Renato Augusto manifestierte sich im Fehlen von Inspiration. Mit etwas mehr Cleverness und Mut in der zweiten Hälfte, als die Gastgeber drängten, hätte der BVB womöglich drei Punkte mitnehmen können. Ein fitter Kuba hätte uns da weiterhelfen können, aber der musste zur Halbzeit mit Muskelproblemen draußen bleiben und wurde durch Kevin Großkreutz ersetzt. Bei allem Respekt für das Engagement des „Dortmunder Jungen“: Seine Pässe in die Spitze waren zu unpräzise und überhastet. Gerade über die linke Leverkusener Seite wäre mehr möglich gewesen.

Ich bin aber fast zufrieden mit dem Punkt und wenn das Pokalspiel in Osnabrück und natürlich das Heimspiel gegen Hertha gewonnen werden, kann man getrost von der Trendwende bei Schwarz-Gelb sprechen. Die Sicherheit in der Defensive ist ermutigend. Das perfekte Tackling von Hummels gegen Derdiyok, das einige Zuschauer als elfmeterwürdiges Foul gesehen hatten, ist ein Beispiel. In dieser Szene lag Schiedsrichter Rafati richtig, ansonsten bot er eine durchwachsene Leistung. Er pfiff dem BVB in aussichtsreichster Position einen Vorteil ab und traf einige fragwürdige Freistoßentscheidungen, obwohl er insgesamt das Spiel angenehm laufen ließ.

Drei Tore in den drei letzten Spielen für Lucas Barrios sind natürlich ebenfalls erwähnenswert und erinnern daran, wie vorschnell die Medien-Maschinerie da wieder eine Krise herbeigeschrieben hat.

Spitzenprüfung

Das Freitagabend-Spiel des kommenden Bundesliga-Spieltags wird ein Härtetest für beide Seiten werden. Die Gastgeber und Spitzenreiter aus Leverkusen müssen beweisen, dass sie auch ohne zwei eminent wichtige Spieler, Simon Rolfes und Renato Augusto, einen ordentlichen Gegner schlagen können. Rolfes ist mit einer Durchschnittsnote von 2,56 beim „Kicker“ zurzeit der zweitbeste Feldspieler der Liga. Für den BVB geht es darum, den Aufwärtstrend zu bestätigen oder zumindest eine weitere Klatsche gegen ein Topteam zu vermeiden.

Angesichts der personellen Lage sollte letzteres möglich sein. Die angeschlagenen Stürmer Mohamed Zidan und Lucas Barrios werden morgen Abend voraussichtlich spielen können. Darüberhinaus ist eine Rückkehr von Tinga in den Kader möglich. Jürgen Klopp deutete gestern an, dass er sowohl die personelle als auch die taktische Aufstellung vom Bochum-Spiel übernehmen könnte:

Ich kann so viele offensive Spieler bringen, wenn sie sich an allen defensiven Aktionen beteiligen. Das Risiko ist kalkulierbar.

Ob er wirklich erneut ein 4-2-3-1 mit drei gelernten Stürmern aufbieten wird, halte ich für zweifelhaft. Beim Pokern wird ja auch viel geredet, bevor man die Karten aufdeckt.

Leverkusen wird morgen trotz allem ein gefährliches Team aufbieten, das aber für einen Sieg seine Ausrichtung vom Hamburg-Spiel deutlich verändern muss. Das Gleiche gilt für den BVB: So offensiv wie gegen Bochum kann man nicht auftreten – es geht darum, die richtige Balance zu finden. Ich freue mich drauf: Freitagabend-Spiele haben ein besonderes Flair und auf die morgige Partie könnte das besonders zutreffen.

Kuba gehört zu Dortmund

Bis Juni 2013 hat Jakub „Kuba“ Blaszczykowski seinen Vertrag bei Borussia Dortmund verlängert. Michael Zorc hat es geschafft, einen weiteren Spieler mit sehr guten Perspektiven langfristig an den Verein zu binden. Gute Arbeit vom Sportdirektor, der offenkundig den richtigen Zeitpunkt abgepasst hat:

Wir haben die letzten Wochen, in denen es etwas ruhiger um ihn herum war, dazu genutzt, die Gespräche zu einem guten Abschluss zu bringen.

Ist ja klar: Wenn Kuba in den letzten Monaten durchgehend sein volles Potenzial gezeigt hätte, wären die Verhandlungen schwierig bis unmöglich geworden. So konnten Zorc, Klopp etc. ihn überzeugen, dass es gut für ihn ist, noch eine Weile zu bleiben. Natürlich kann man bei Vertragsabschlüssen heute nie sicher sein, ob es nicht irgendwelche Klauseln gibt. Normalerweise gehört das aber nicht zur Vertragspolitik in Dortmund.

Nach zwei Siegen ist diese Nachricht ein weiteres positives Zeichen. Ein Zeichen dafür, dass die junge Mannschaft längerfristig zusammenbleiben und etwas heranwachsen könnte.


Tradition und leere Ränge

Wir kennen die Geschichte aus Deutschland: Traditionsvereine, die im unterklassigen Fußball verschwunden sind und vor halb bis weitgehend leeren Rängen spielen. Meist ist das eine Folge von sportlichem Misserfolg und Misswirtschaft. Nur der Vereinsname weckt noch Erinnerungen an bessere Zeiten.

Nicht ganz so einfach zu erklären ist der aktuelle Zuschauerschwund bei einem der traditionsreichsten englischen Klubs, Preston North End. Gegründet wurde der Verein aus dem Nordwesten im Jahr 1881, sieben Jahre später wurden die ‘Lilywhites’ erster Meister der Football League (dies und mehr gibts hier nachzulesen). Inzwischen spielen sie in der zweiten Liga und haben einen guten Saisonstart hingelegt – erst in den letzten drei Spielen ist der Lauf ins Stocken geraten (1 Unentschieden, 2 Niederlagen). PNE steht immer noch auf Platz 6, auf einem Play-Off-Rang. Trotzdem ist das Stadion, Deepdale, allenfalls halb voll. Gegen Reading kamen nicht einmal 11.000, im Spitzenspiel gegen West Bromwich Albion knapp 12.500.

Neben dem offensichtlichen Grund, der langen Erstliga-Abstinenz, wird unter anderem in den Kommentaren beim Web-Portal der Lokalzeitung „Lancashire Evening Post“ (LEP) nach weiteren Erklärungen gesucht. Trotz Erfolgen ist der Zuschauerschnitt gegenüber der letzten Saison nochmals gesunken. Neben viel Ratlosigkeit wird von den Kommentatoren (i.e. den Fans) der Verkauf von Leistungsträgern wie Sean St. Ledger  (nach Middlesbrough – zunächst ausgeliehen, jedoch mit Kaufoption) und die unattraktive Spielweise angeführt. Beide Gründe wollen nicht so richtig einleuchten. Das Abgeben von Spielern ist bei Preston aus finanziellen Gründen unvermeidlich. Und – Achtung, Phrase – attraktiv ist, was Erfolg bringt. Wobei es zur Spielweise ohnehin verschiedene Meinungen gibt.

Mir scheint, im unterklassigen englischen Fußball macht sich eine gewisse Ungeduld breit. Die Fans sehen die Stars der Premier League, die flüssigen Spielzüge dort, die reichen Gönner, die manchem unterklassigen Konkurrenten unter die Arme greifen. Die Schieflage wird immer deutlicher, was selbst bei durchaus ambitionierten, aber verhältnismäßig klammen Vereinen wie PNE die Fans vertreibt.

Inzwischen hat es immerhin einen starken Schulterschluss gegeben, um das National Football Museum in Preston zu halten. Der Stiftungsrat hatte Überlegungen angestellt, das Museum ins größere Manchester zu verlegen (ebenfalls unter obigem Link nachzulesen). Nun haben der Stadtrat, der Rat der Grafschaft Lancashire und die University of Central Lancashire ein Finanzpaket geschnürt, um die unmittelbare Zukunft des Museums in Preston zu sichern. Gleichzeitig berichtet die „LEP“ (die eine Kampagne für den Verbleib des Museums fährt), dass die Verlegung nach Manchester 8 Millionen Pfund kosten würde, und die Finanzierung nicht gesichert sei. Eine Aufwertung des Museums am Standort Preston sei dagegen bedeutend günstiger.

Im Nordwesten Englands spielt sich ein interessantes Kräftemessen zwischen einer Großstadt und einer richtigen Großstadt ab; es geht um Entwicklungschancen und Tradition. Welche Rolle der Fußball dabei noch spielen kann, wird zu beobachten sein.

1. Bundesliga, 9. Spieltag / BVB 2 VFL Bochum 0

Drei Punkte mit Stil.

Die Aufstellung: Weidenfeller – Dede, Hummels, Subotic, Owomoyela – Sahin, Bender – Valdez (46. Le Tallec), Zidan (79. Schmelzer), Kuba (86. Großkreutz) – Barrios. Tore: Barrios, Subotic.

Nicht fehlerfrei, aber sehr dominant und mit der besten Saisonleistung gewinnt der BVB das Nachbarschaftsduell gegen Bochum. Ein gelungener Wochenendausklang für Schwarz-Gelb (und wir sind die Guten!). Jürgen Klopp löste das Aufstellungspuzzle auf überzeugende Weise: Das Fehlen von Spielmacher Hajnal kompensierte er durch eine sehr offensive Dreierformation hinter Lucas Barrios als nominell einziger Spitze. Valdez, Zidan und Kuba haben schließlich  reichlich Sturmerfahrung. Sahin und Sven Bender übernahmen die Defensivarbeit im Mittelfeld.

Das System funktionierte auf Anhieb ordentlich, der BVB machte schnell Druck gegen erwartungsgemäß defensive Bochumer. Die Gäste versuchten dagegenzuhalten, was in den ersten Minuten angesichts einiger Ungenauigkeiten bei Schwarz-Gelb noch halbwegs gelang, im weiteren Spielverlauf dann immer weniger. Sagen wir einfach, Barrios und Valdez schossen sich warm. Der Argentinier hatte spätestens in der 20. Minute Betriebstemperatur. Zidan hatte einen schwachen Bochumer Pass abgefangen und gut auf Kuba weitergeleitet. Dem gelang von rechts eine punktgenaue Flanke auf Lucas Barrios. Der schüttelte mit einem schnellen Schritt seinen Gegenspieler ab, drehte sich und schoss den Ball rein. Erstes Heimtor für Lucas und endlich Schluss mit dem verfrühten Krisengerede um den Welttorjäger.

Von Bochum kam in der ersten Hälfte nach vorne neben zwei harmlosen Schüssen in die Arme von Weidenfeller nur ein gefährlicher Angriff nach einer guten halben Stunde, als Klimowicz knapp über das Tor schoss. Zu diesem Zeitpunkt hätte der BVB nach einer weiteren Riesenchance durch Barrios eigentlich schon 2:0 führen müssen.

Wir haben in dieser Saison schmerzhaft gelernt, eine Führung nicht überzubewerten. Der BVB zeigte jedoch in der ersten Hälfte phasenweise endlich wieder richtig guten Kombinationsfußball, so dass man in der Pause angesichts der Überlegenheit doch an das 2:0 glaubte. Bei Wiederanpfiff kam Damien Le Tallec, der frische Franzose, für den aufgrund seiner Reisestrapazen nicht ganz so frischen Nelson Valdez ins Spiel. Le Tallec hatte in den letzten Wochen durch gute Leistungen in der Zweiten Mannschaft auf sich aufmerksam gemacht und wurde daher von Jürgen Klopp Dimitar Rangelov vorgezogen. Wenige Minuten später vergab Le Tallec seine einzige große Chance, ansonsten war er engagiert, aber da gibt es noch Raum für Verbesserungen.

Das beruhigende 2:0 fiel, weil der BVB eine weitere Stärke der letzten Saison wiederfand: Gefährliche Standards. Nach einem Foul an Kuba schlug Dede den fälligen Freistoß von halbrechts in den Strafraum, fand Subotic und der traf per Kopf. Auch, weil die Bochumer Abwehr nicht im Bilde war, wie häufig in der Partie. Den durchaus ansehnlichen Rest des Spiels kann man so zusammenfassen: Dortmund ließ die Gäste besser ins Spiel kommen, aber kaum gefährlich werden, kam dafür selber immer wieder mit gefährlichen Angriffen durch. Der Bochumer Ersatztorwart verhinderte mehrmals den dritten Treffer, etwa gegen einen harten Kuba-Schuss oder knapp vor Barrios. Gegen Ende übertrieb es der BVB etwas mit der Lockerheit, so dass Klimowicz noch mal gegen den Pfosten schießen durfte.

Viele Haare in der Suppe gab es heute nicht und warum sollte ich danach suchen? Die Abwehr war fast immer zur Stelle, Dede und Owomoyela setzten deutlich mehr Akzente nach vorne als zuletzt. Die neue Formation im Mittelfeld funktionierte überraschend gut. Bender war ebenfalls (noch) überzeugender als in den letzten Partien, Zidan und Kuba wirkten hellwach, auch wenn Zidan mehrmals aussichtsreich vergab. Barrios ist in der Spur. Sah alles gut aus. Bochum war allerdings schwach. Mit der heutigen Formation am Freitag in Leverkusen aufzulaufen, sollte und wird Jürgen Klopp sich dreimal überlegen. Es dürfte jedenfalls ein richtiger Freitagabend-Krimi werden.

Liverpool erlässt Strandball-Verbot

Nun werden in Liverpool womöglich die Strandbälle aus den Läden verbannt. Hamburg-Fans sollten jetzt nicht weiterlesen, alle anderen werden sich hoffentlich amüsieren. Beim gestrigen Spiel Sunderland v Liverpool gelang den Gastgebern der Siegtreffer, als Darren Bents Schuss von einem ballonartigen Strandball ins Tor abgefälscht wurde. Reds-Torwart Pepe Reina konzentrierte sich offensichtlich darauf, den Strandball zu halten und musste den echten Ball passieren lassen. Wie bei einer gewissen UEFA Cup-Begegnung waren auch gestern die Fans die Leidtragenden, die das Hindernis aufs Feld befördert hatten.

Der ehemalige Premier League-Schiedsrichter Jeff Winter zeigte sich gegenüber BBC Radio 5 Live jedoch extrem verwundert, dass das Tor vom Referee im Stadium of Light, Mike Jones, gegeben wurde. Bei einem eindeutigen Einfluss von außen auf das Spielgeschehen müsse das Spiel unterbrochen und mit Schiedsrichterball fortgesetzt werden. Bitter für Liverpool, aber Futter für alle Highlights-DVDs.

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