Archiv | Januar 2010

1. Bundesliga, 20. Spieltag / VFB Stuttgart 4 BVB 1

Eins zu was?

Die Aufstellung: Ziegler – Schmelzer, Santana (85. Hajnal), Subotic, Owomoyela – Sahin, Hummels – Großkreutz, Valdez (85. Götze), Kuba (22. Le Tallec) – Barrios. Tor: Barrios.

Die begeisternd aufspielende Borussia ist ein fragiles Gebilde. Nimmt man ein Puzzle-Teil vom Tisch, heute Sven Bender, stimmt das Bild nicht mehr. In der erwarteten Aufstellung mit Sahin und Hummels im defensiven Mittelfeld und Santana in der Innenverteidigung hatten die Schwarz-Gelben Mühe, ins Spiel zu kommen. Trotzdem fällt das nackte Ergebnis um etwa drei Tore zu hoch aus.

Die Umstellungen gingen nicht spurlos an der Mannschaft vorbei. In der Anfangsphase wirkte das Mittelfeld weit weniger präsent als gegen Hamburg und das Stellungsspiel der Viererkette hinten ließ zu wünschen übrig. Leider fiel in dieser Phase das umstrittene 0:1. Nach einer Flanke stochert ein am Boden liegender Stuttgarter, der Ziegler vor den Füßen rumliegt, den Ball zurück zu Pogrebnyak. Umstritten ist vor allem, was folgt. Santana bekommt den Ball an den Oberschenkel, danach nimmt Pogrebnyak den Ball anscheinend mit der Hand mit. Fragwürdige Führung der Gastgeber.

Im Anschluss versuchte der BVB, das Spiel in den Griff zu bekommen, was vorerst nur mäßig gelang. Die Spieler hatten den schönen Fußball der letzten Partien verinnerlicht und spielten viele spekulative Pässe, die einem den Atem geraubt hätten, wenn sie durchgekommen wären. Heute  gingen sie jedoch meist entweder ins Leere oder wurden von der in der ersten Hälfte gut stehenden VFB-Defensive abgefangen. Trotzdem hatte der BVB nach einer halben Stunde das Momentum auf seiner Seite, von den Gastgebern kam wenig. Lies mehr …

Die unheimliche Serie

Als BVB-Fan ist man Siegesserien nicht mehr gewöhnt. Schon zum zweiten Mal in der Ära Klopp könnten die Schwarz-Gelben morgen mit einem Erfolg in Stuttgart den Vereinsrekord von sieben Siegen in Folge einstellen. Und ich frage mich wieder, wie das passieren konnte. Sollte es tatsächlich dazu kommen, wäre es erneut eine ausgesprochen beachtliche Leistung von Mannschaft und Trainerstab. Mit VFB und BVB treffen die beiden Mannschaften der Stunde aufeinander, wenn man die erfolgsverwöhnten Bayern mal außer Acht lässt. Unter dem Schweizer Christian Gross haben sich die Schwaben schnell stabilisiert und streben nun Tabellenregionen entgegen, die ihrem Kader eher angemessen sind. Der VFB ist auch das Team mit den meisten fragwürdigen Nationalspielern, aber das ist ein anderes Thema.

Was uns ein bisschen Sorgen machen muss, ist der Ausfall von Sven Bender, der gemeinsam mit Nuri Sahin das BVB-Mittelfeld vor allem gegen Hamburg zu lange nicht gekannten Höhen geführt hat. Bender litt schon seit Rückrundenbeginn an einer Kapselreizung im Knie – nun hat sich das entzündet und er muss endgültig pausieren. Als wahrscheinlichste Variante, ihn  zu ersetzen, können wir die Rückkehr von Mats Hummels ins defensive Mittelfeld ansehen. Die Vergangenheit hat gezeigt, dass diese Lösung nicht optimal ist, aber immerhin wäre sie schon erprobt. Nicht auszuschließen ist jedoch, dass Klopp einen Überraschungszug macht und einen Spieler abseits seiner eigentlichen Position einsetzt. Als Kandidaten wurden in den letzten Tagen Tamas Hajnal und Kevin Großkreutz genannt. So richtig würde mir das auch nicht schmecken – vielleicht gibt es ja eine Systemumstellung.

Eine ‘Nummer 10′ wird es wohl in jedem Fall geben. Mohamed Zidan hat seinen markigen Worten vor dem Halbfinale des Afrika-Cups Taten folgen lassen und mit einem Tor zum 4:0 Ägyptens gegen Algerien beigetragen. Somit steht er nun im Finale am Sonntag und dem BVB nicht zur Verfügung. Nelson Valdez hat seine Sache auf der Position gegen Hamburg gut gemacht – die klassischere Besetzung wäre allerdings die Rückkehr von Tamas Hajnal, der ein echter Regisseur ist. Ich würde damit jedoch bis zum nächsten Heimspiel warten und dem ‘Kämpfer’ Valdez in Stuttgart eine weitere Chance geben.

Fraglich für morgen ist zudem Kuba – bei der angespannten Personallage wäre ein weiterer Ausfall sehr unangenehm. Beim VFB fällt nur der Ausfall von Abwehrchef Delpierre ins Gewicht. Für ihn wird vermutlich der nun fest vom FC Bayern verpflichtete Georg Niedermeier spielen. Jens Lehmann kehrt ins Tor zurück und wird bei Dortmunder Ecken wieder auf Neven Subotic treffen. Wir können uns auf ein spannendes Spiel und eine harte Prüfung in Stuttgart einstellen. Sollte es zu einem weiteren Auswärtssieg reichen, wäre das wirklich unheimlich – und unheimlich schön.

Owen Coyle’s Superwhite Army

Der Applaus kam bei seinen ehemaligen Bewunderern nicht sonderlich gut an. Als Owen Coyle am Dienstagabend zur Gästetribüne des Reebok Stadium lief, um den Fans des FC Burnley Tribut zu zollen, waren „Judas“-Rufe noch das Harmloseste, was ihm entgegenschallte. Mit Transparenten und Sprechchören hatten die Fans der „Clarets“ das ganze Spiel über ihrem Unmut Luft gemacht.

Dass die Stimmung angespannt sein würde, war klar. Coyle war vor kurzem, vor Ablauf seines Vertrages und mitten in der Saison, von Burnley zum Konkurrenten im Abstiegskampf der Premier League, den Bolton Wanderers, gewechselt. Die „Trotters“ hatten eine ansehnliche Kompensation gezahlt – trotzdem fühlten sich nicht nur die Burnley-Fans verraten. Vereinspräsident Barry Kilby bezichtigte Coyle, mit dem Wechsel auf der Stelle zu treten und ihn nur des Geldes wegen vollzogen zu haben. Mit Burnley war der schottische Traineraufsteiger 2009 in die Premier League aufgestiegen und hatte mit seinem Team zumindest zu Beginn der Saison einiges Aufsehen erregt. Bis vor der Partie am Dienstag lag Burnley immerhin noch vor dem Tabellenneunzehnten Bolton.

Gegen die Vorwürfe aus den Reihen seines Ex-Arbeitgebers hat sich Coyle zu Recht zur Wehr gesetzt. In Deutschland wäre solch ein vorzeitiger Trainerwechsel während der Saison gewiss ein Affront – in England ist sowas nicht ganz so ungewöhnlich. Coyle wies nach seiner Vorstellung in Bolton darauf hin, dass er im Sommer ein besser dotiertes Angebot von Celtic zugunsten von Burnley abgelehnt hatte. Was ein bezeichnendes Licht auf den schottischen Fußball wirft. In Bolton dagegen hat der Schotte mehrere Jahre erfolgreich gespielt und war beliebt bei den Fans. Die unterstützten ihn auch am Dienstag nicht nur mit dem in der Überschrift zitierten Banner.

Den vermutlich ausschlaggebenden Unterschied zum Abstiegskonkurrenten Burnley räumte Coyle freimütig ein: Bei den Wanderers stimmt die Perspektive. Acht Jahre in der Premier League haben dafür gesorgt, dass der Club eine weitaus bessere Infrastruktur hat: Stadion, Scouting und Jugendakademie liegen deutlich über dem Standard des Neulings. Dass die Wege der beiden Clubs bald wieder auseinanderführen könnten, zeigte sich dann auch am Dienstag. In einer anscheinend eher schwachen Begegnung bezwangen die Trotters die unter dem neuen Trainer Brian Laws noch punktlosen Clarets mit 1:0, den entscheidenden Treffer erzielte Chong-Yong Lee. Einen amüsanten Spielbericht gibt es beim vielleicht besten Bolton-Fanzine, „The Wanderer“. Und auch im Duell der Worte behielt Owen Coyle am Ende mit diesem biblischen Vergleich die Oberhand:

I was God last year and Judas tonight, but if you want to get biblical about it I should be Moses because we led them into the Premier League after so many years in the wilderness. [Quelle: Guardian.co.uk]

Der Mann der vielen Worte

Viel Sonnenschein dieser Tage in Dortmund, zumindest was die Borussia angeht. Gestern wurde bekanntgegeben, dass der Vertrag mit dem „Vorsitzenden der Borussia Dortmund Geschäftsführungs-GmbH“, Hans-Joachim Watzke, vorzeitig bis 2014 verlängert wird.

Langfristige Verträge für Führungspersonal sind zumindest bei einem Fußballverein absolut zu begrüßen – insbesondere wenn man schlicht gute Arbeit gemacht hat wie Watzke. Es war nicht selbstverständlich, dass der BVB die Finanzkrise vor fünf Jahren so gut übersteht. In diesen Wochen ernten wir endgültig die Früchte dessen, was Watzke & Co aussäten. Das, was den Fans damals versprochen wurde – bessere Zeiten – scheint eingetroffen zu sein. Da verzeiht man gerne, wenn „Aki“ wieder mal den Lautsprecher einschaltet und schrille Töne verbreitet.

Neues Theme: Monochrome

Als WordPress.com vor wenigen Tagen dieses neue Theme veröffentlichte, wusste ich sofort, dass Any Given Weekend wieder mal ein ‘Themenwechsel’ bevorstand. „Monochrome“ ist sicher eher ein minimalistisches Theme, hat diese sehr schicken Sidebars und ist sogar hier und da schwarz-gelb. Als einzige sonstige Änderung habe ich nun meinen Willen ausdrücklich postuliert, künftig noch mehr über britischen Fußball zu schreiben. Ob es klappt? Watch this space!

Die Jagdsaison ist eröffnet

Alle Jahre wieder wird im Januar in Deutschland zur Jagd auf Bundesliga-Trainer geblasen. Auch in diesem Jahr wurden bereits zwei der durch Schnee und Kälte ohnehin geschwächten Exemplare erlegt. Nach Andreas Bergmann von Hannover 96 traf es nun heute Armin Veh vom VFL Wolfsburg (!). Ganz unschuldig sind die scheuen Kitze an ihrem Schicksal nicht, aber es verblüfft doch jedes Mal aufs Neue, wie manche Jagd Fußballvereine bereits nach ein bis drei Spielen in der Rückrunde hektisch zur Flinte greifen.

Ernsthaft: Wenn man von einem Trainer nicht überzeugt ist, warum ergreift man nicht die Chance und wagt einen Neuanfang in der Winterpause, am besten noch vor Trainingsbeginn? Das klappt zwar nicht immer und schon gar nicht langfristig, wie auch wir Dortmunder seit Jürgen Röber wissen, aber so bleiben dem neuen Mann mehrere Wochen, um mit der Mannschaft zu arbeiten und neue Dinge einzustudieren. Und, falls nötig, auf dem Transfermarkt aktiv zu werden. Hannover bleiben mit dem wenig überraschend als Nachfolger von Bergmann engagierten Mirko Slomka nur wenige Tage, um ein paar Last-Minute-Deals klarzumachen.

Die niedersächsischen Nachbarn und gestürzten Meister aus Wolfsburg haben das zwar weniger nötig, werkeln aber trotzdem angeblich an der Verpflichtung von Rafinha vom FC Schalke. 14 Millionen Euro Ablöse entspringen dabei wohl eher den feuchten Träumen der ohnehin klammen Gelsenkirchener. Die Nachfolge auf dem Trainerstuhl wird ein klein wenig spannender als in Hannover: Kommt tatsächlich Bernd Schuster zurück nach Deutschland? Es wäre Zeit, dass er sich auch hierzulande mal wieder auf einer Trainerbank und nicht nur im Fernsehstudio beweist. Oder kommt es zur Wiedervereinigung von Dieter Hoeneß und Huub Stevens? Zur Rückkehr von Matthias Sammer in den Vereinsfußball? Der neue Platzhirsch sollte jedenfalls nicht lange auf sich warten lassen.

1. Bundesliga, 19. Spieltag / BVB 1 Hamburger SV 0

Wo soll das noch enden?

Die Aufstellung: Ziegler – Schmelzer, Hummels, Subotic, Owomoyela – Sahin, Bender (75. Santana) – Großkreutz, Valdez, Kuba (90. Dede) – Barrios. Tor: Valdez.

Der BVB gewinnt mal ein echtes Spitzenspiel und überholt den HSV in der Tabelle. Dass der Sieg auch eine kleine Revanche für das Hinrundenspiel und den letzten Rückrundenspieltag 2009 war, interessiert da nur am Rande. Jürgen Klopp konnte für die Partie auf alle unter der Woche fraglichen Spieler zurückgreifen, von ihnen wurde nur Sven Bender vorzeitig ausgewechselt, Kuba ging erst kurz vor Schluss. Für die Gäste macht es oberflächlich betrachtet Sinn, jetzt einen klangvollen Namen wie Ruuuud van Nistelrooy zu verpflichten, denn sonderlich torgefährlich waren sie gestern nicht. Andererseits werden sich nicht nur Dortmunder, sondern auch andere Außenstehende fragen, warum Elia gestern so lange auf der Bank saß.

Es ist erstaunlich, welche Souveränität unsere Mannschaft inzwischen an den Tag legt. Nehmen wir das mit Ausnahme von Nelson Valdez sehr junge Fünfer-Mittelfeld. Die Spieler haben das während der Hinrunde eingeführte neue System beeindruckend verinnerlicht. Das BVB-Mittelfeld strahlte gestern gegen den bisherigen Tabellenvierten Dominanz aus, wie es wahrscheinlich kein Fan für möglich gehalten hätte. Dem HSV wurde das Kombinieren schwer gemacht, gefährliches Offensivspiel der Gäste weitgehend unterbunden. Zu Buche stehen ganze zwei Chancen, ein Kopfball von Petric knapp übers Tor und einen Schuss von Berg, den Marc Ziegler glänzend parierte. Sonst kann ich mich allenfalls noch an zwei Szenen erinnern, die brenzlig aussahen, aber im Endeffekt ungefährlich blieben.

Der BVB hatte weit mehr zu bieten, ohne den ganz großen spielerischen Glanz zu verbreiten. Das war auf dem Rasen, der nach dem Ende der Kälteperiode hoffentlich ausgetauscht wird, auch nicht möglich. Und so weit, Glanz einzufordern, sind wir in Dortmund noch lange nicht. Die Schwarz-Gelben hatten jedoch eine Reihe von Möglichkeiten und da kommen wir jetzt zu Nelson Valdez. Der ist sicher nicht die Idealbesetzung fürs offensive Mittelfeld und er scheiterte auch gestern wieder etliche Male beim Torabschluss. Aber in der 36. Minute ließ er sich die Gelegenheit nicht entgehen, die im Aogo mit einer mißglückten Abwehraktion bot. Der Ball springt Nelson vor die Füße und der packt dann einen sowas von platzierten Schuss aus 18 Metern aus. Letzte Woche der Dortmunder Großkreutz, diese Woche Pechvogel Valdez – die schwarz-gelbe Märchenstunde geht weiter.

Toll war, wie die Mannschaft in der zweiten Hälfte das Spiel im Griff behielt. Sich durch den Hamburger Doppelwechsel (Berg und Elia kamen) allenfalls kurz unter Druck setzen ließ. Durch eigenes Spiel nach vorne den Gegner aus der eigenen Hälfte fernhielt. Dabei auch noch zu Chancen kam, wie durch einen von Rost nur zur Seite abgewehrten Schuss von Kuba. Ja, unter den Dortmunder Chancen waren einige Weitschüsse – das war gestern aber unvermeidlich. Natürlich zitterten wir in der Kneipe bis zum Schluss, beim Stand von 1:0 gegen ein Topteam ist auch das unvermeidlich. Aber letztlich war es ein souveränerer Sieg als das Ergebnis aussagt.

Hervorheben sollte man die angeschlagenen Spieler: Sahin und Bender zeigten eine tolle Leistung, Kuba zeigte sich leicht verbessert, Owomoyela, na ja, war ok, das geht dann hoffentlich nächste Woche noch mal ein bisschen aufwärts. Tagesaktuell sind wir jetzt wohl zur Euphorie berechtigt: Vierter, acht Punkte Vorsprung auf Platz 6. Die nächsten Wochen, bis mindestens zum Derby, werden richtungsweisend sein. Schon nächste Woche geht es zum unter Christian Gross wieder in die Spur gekommenen VFB. Nach dem Spiel in Gelsenkirchen könnte dann eine Zwischenbilanz Sinn machen.

Endlich nicht mehr billig

Viele Jahre musste man sich als BVB-Fan für eine Sache ein wenig schämen. Das Stadionmagazin „Borussia Aktuell“ galt allgemein als das schlechteste der Liga, was auch schon mal von einer bekannten Designagentur bestätigt wurde. Das Heft war vor allem eins: Billig. Das hatte in der Vergangenheit seine Berechtigung, aber Spaß machte es nicht, diese auf Zeitungspapier gedruckte Publikation zu lesen. Zumal dort größtenteils Content recyclet wurde, den man schon von der Vereins-Homepage kannte.

Zum ersten Heimspiel der Rückrunde wird es nun ein neu konzipiertes Stadionmagazin auf neuem Papier geben. Der Titel: „Echt“. Das ist direkt, vielleicht ein klein wenig platt, aber das passt schon zu Dortmund. An Design und Konzeption hat eine Düsseldorfer Agentur maßgeblich mitgearbeitet. Das Wenige, was man hier schon sehen kann, lässt hoffen. Stutzig macht mich die Ankündigung, dass ich als Vereinsmitglied ein anderes Heft nach Hause geschickt bekomme. Es wird „Borussia“ heißen und auf der Homepage kann man dazu folgendes lesen:

Konzeptionell entspricht es dem Stadionmagazin, beinhaltet auch zahlreiche Elemente von „Echt“, legt aber bei der Themensetzung zusätzlich deutliche Schwerpunkte auf die Berichterstattung über das Vereinsleben.

Es soll „zahlreiche Elemente“ beinhalten – aber womöglich nicht den Premium Content? Nun, ich lasse mich überraschen und werde erst hinterher urteilen. Jedenfalls erwarte ich die Ankunft des Hefts mit deutlich mehr Vorfreude als die von „Borussia Aktuell“.

Gute Fernsicht

Die Zeiten, als der BVB sich ernsthaft Sorgen um die Zukunft machen musste, sind schon länger vorbei. Dank finanzieller Konsolidierung und sportlichem Aufschwung, dank der Arbeit von Jürgen Klopp, Michael Zorc, Reinhard Rauball, Hans-Joachim Watzke und ALLEN im Hintergrund, deren Namen nicht so häufig in den Medien sind. Dass Borussia Dortmund wieder langfristig planen kann, haben wir ihrer soliden bis ausgezeichneten Arbeit zu verdanken.

Nehmen wir die Vertragssituation der Spieler: Alle Säulen der Mannschaft haben langfristige Verträge bis mindestens 2013. Einer jetzt sogar noch ein Jahr länger. Der Vertrag mit Torjäger Lucas Barrios wurde um ein weiteres Jahr bis Juni 2014 verlängert. Über seine Bedeutung für die Schwarz-Gelben in dieser Saison wird es keine zwei Meinungen geben. Natürlich laufen Verträge heute selten aus, aber ein Herauskaufen aus dem Kontrakt wird für interessierte Vereine nun noch teurer. Dementsprechend wurde auch das Gehalt von Lucas angehoben. Mit dieser ‘Politik der kleinen Schritte’ bauen Zorc und Klopp am BVB der Zukunft und der sieht ziemlich gut aus.

Der BVB der Gegenwart steht jedoch vor einer schweren Aufgabe. Gegen den auswärtsstarken HSV, gegen den man in Hamburg die zweithöchste Hinrunden-Niederlage kassierte, müssen die Schwarz-Gelben am Samstag womöglich noch ersatzgeschwächter als bisher antreten. Owomoyela, Kuba, Nuri Sahin und Sven Bender konnten in den letzten Tagen wegen verschiedener Blessuren nicht trainieren. „Uwe“ sollte heute, Sahin eventuell morgen wieder mittrainieren können. Bender wird wahrscheinlich spielen können, vermutlich auch Kuba, aber genau wissen wir das wohl frühestens morgen Abend. Je nach Personallage im Mittelfeld könnte Tamas Hajnal etwas früher als geplant schon an diesem 19. Spieltag wieder in den Kader rücken – im Gegensatz zu Tinga, der einen Rückschlag erlitten hat. Mohamed Zidan ist nach wie vor in Angola, auch wenn er zwischendurch wieder mal Probleme mit dem ägyptischen Nationaltrainer hatte.

Die Gäste haben ebenfalls hochkarätige Ausfälle zu beklagen, sind allerdings auch in der Breite sehr gut aufgestellt. Es fehlen unter anderem Ze Roberto, Guerrero, Reinhardt, Pitroipa und der angeblich wechselwillige Demel. Großen Respekt habe ich vor Eljero Elia und dem stark in die Rückrunde gestarteten Jansen. Dat Ding wird nich einfach, aber ein Hit. Teilnahmeberechtigt ist glücklicherweise auch Jürgen Klopp, der in Köln für den vergleichsweise harmlosen Satz „das war ein Foul, verdammt noch mal“ vom Schiedsrichter auf die Tribüne geschickt worden war. Dafür wurde er nun mit einer Geldstrafe belegt.

Also: Topspiel am Samstagabend und mit drei Punkten könnte der BVB einen großen Schritt tun, um längerfristig Platz 5 zu sichern. Ja, von mehr werde ich nicht so bald reden.

1. Bundesliga, 18. Spieltag / 1.FC Köln 2 BVB 3

Die Gebrüder Grimm drehen sich mal wieder im Grabe um.

Die Aufstellung: Weidenfeller (22. Ziegler) – Schmelzer, Hummels, Subotic, Owomoyela – Sahin, Bender – Großkreutz, Valdez (85. Götze), Kuba (90.+2 Santana) – Barrios. Tore: Hummels (2), Großkreutz.

Irrer BVB-Sieg in Köln. Wird der Boulevard so oder so ähnlich morgen schreiben und hat damit ausnahmsweise nicht unrecht. Irre, weil die Schwarz-Gelben in den letzten zehn Minuten noch den Ausgleich kassierten und dann ausgerechnet Kevin Großkreutz in der Nachspielzeit doch noch den Sieg klarmachte. Da lebt gerade jemand seinen Traum.

Zuvor sahen wir in Köln ein kampfbetontes, engagiert geführtes Spiel beider Mannschaften, so wie es auf dem schwer bespielbaren Untergrund kommen musste. Das war kein technisch anspruchsvoller Fußball, aber spannend anzuschauen. Die Gastgeber hatten in der ersten Hälfte lange Zeit ein optisches Übergewicht, einige ordentliche Schüsse von Petit und Maniche. Am gefährlichsten wirkte aber Milivoje Novakovic, bei dessen erster Großchance sich Roman Weidenfeller verletzte, als Subotic in letzter Sekunde klärte. Unsere Nummer 1 erlitt eine Fleischwunde und wird nach Angaben von Jürgen Klopp vier bis fünf Wochen ausfallen. Kurz vor der Pause hatte Novakovic eine weitere Großchance, verzog aber knapp. Lukas Podolski? Den habe ich nur bei seiner gelben Karte gesehen – und als er nach seiner Auswechslung wütend in die Katakomben stapfte.

Warum lief es beim BVB offensiv nicht so flüssig wie zuletzt? Nun, Nelson Valdez war nicht mehr als eine engagierte Notlösung für die 10er-Position. Er ist kein Leser des Spiels und dementsprechend kamen nur wenige gefährliche Bälle in die Tiefe. Weitestgehend enttäuschend war außerdem unsere rechte Seite. Wir sahen den Owomoyela vom Anfang der Saison, der zumindest offensiv phlegmatisch wirkte und einen bis zur Nachspielzeit sehr ineffektiven Kuba – dann gab er die Vorlage für Großkreutz. Der zuletzt angeschlagene Lucas Barrios war engagiert, vergab aber seine zwei bis drei guten Möglichkeiten.

Zu danken haben wir dem FC Bayern. Die uns freundlicherweise, wenn auch nicht ganz umsonst, ihren Bankdrücker Mats Hummels überlassen haben. Denn wenn aus dem Spiel nichts geht, richten es halt die großen Abwehrleute über Standards. Präzise Ecke von Nuri Sahin auf den langen Pfosten – Kopfball Hummels – 1:0. In der Nachspielzeit der ersten Hälfte Freistoß Sahin von rechts – Hummels diesmal mit der Fußspitze zum 2:0. Schön zu sehen, dass wir jetzt auch in nicht perfekten Spielen effektiv sein können.

Zu danken haben wir auch unserem großartigen Ersatzkeeper Marc Ziegler. Ich habe es schon öfter gesagt: Ich halte ihn nicht nur für einen erstklassigen Ersatz, den man immer bedenkenlos bringen kann, sondern auch für einen sehr sympathischen Charakter. In Köln bekam Ziegler noch genug zu tun, parierte mehrmals souverän, einmal sensationell bei einem Freis-Kopfball. Beim 2:2 durch Mohamad kam er Sekundenbruchteile zu spät, wurde aber auch unglücklich vom gestreckten Bein des Kölners getroffen.

Womit wir bei FIFA-Schiedsrichter Florian Meyer wären, der mMn einen sehr guten Spielleiter abgab. Er pfiff, was gepfiffen werden musste und pfiff nicht, was nicht unbedingt gepfiffen werden musste. Wie den leichten Rempler von Großkreutz im Strafraum gegen einen Kölner, wie den Luftzweikampf zwischen Subotic und Mc Kenna, nachdem der Amerikaner kurzzeitig bewusstlos war. Und wie eben das 2:2 durch Mohamad, das ebensowenig ein eindeutiges Foul war. Ansonsten ließ Meyer auch außerhalb des Strafraums das Spiel mehrmals angenehm weiterlaufen.

Es war ein denkwürdiger Rückrundenauftakt. In der zweiten Halbzeit wirkte der BVB eigentlich souveräner als in der ersten – bis Fehler von Sven Bender und dem spät eingewechselten Mario Götze den Kölner Ausgleich ermöglichten. Man spürte jedoch in der 89. Minute, dass da noch nicht das letzte Wort gesprochen sein musste. Eine Mannschaft von Jürgen Klopp lässt sich da nicht hängen. Der Trainer gab auch alles, musste wegen Protestierens auf die Tribüne, ‘unterhielt’ sich dort mit einigen FC-Fans und legte nach dem 3:2 einen sehenswerten Jubellauf über die erste Sitzreihe hin.

Also: Sieg in der Nachspielzeit, glänzender Hummels, Platz 5 konsolidiert. Jetzt Revanche gegen den HSV. Die Rückrunde kann kommen.

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