Die unheimliche Serie
Als BVB-Fan ist man Siegesserien nicht mehr gewöhnt. Schon zum zweiten Mal in der Ära Klopp könnten die Schwarz-Gelben morgen mit einem Erfolg in Stuttgart den Vereinsrekord von sieben Siegen in Folge einstellen. Und ich frage mich wieder, wie das passieren konnte. Sollte es tatsächlich dazu kommen, wäre es erneut eine ausgesprochen beachtliche Leistung von Mannschaft und Trainerstab. Mit VFB und BVB treffen die beiden Mannschaften der Stunde aufeinander, wenn man die erfolgsverwöhnten Bayern mal außer Acht lässt. Unter dem Schweizer Christian Gross haben sich die Schwaben schnell stabilisiert und streben nun Tabellenregionen entgegen, die ihrem Kader eher angemessen sind. Der VFB ist auch das Team mit den meisten fragwürdigen Nationalspielern, aber das ist ein anderes Thema.
Was uns ein bisschen Sorgen machen muss, ist der Ausfall von Sven Bender, der gemeinsam mit Nuri Sahin das BVB-Mittelfeld vor allem gegen Hamburg zu lange nicht gekannten Höhen geführt hat. Bender litt schon seit Rückrundenbeginn an einer Kapselreizung im Knie – nun hat sich das entzündet und er muss endgültig pausieren. Als wahrscheinlichste Variante, ihn zu ersetzen, können wir die Rückkehr von Mats Hummels ins defensive Mittelfeld ansehen. Die Vergangenheit hat gezeigt, dass diese Lösung nicht optimal ist, aber immerhin wäre sie schon erprobt. Nicht auszuschließen ist jedoch, dass Klopp einen Überraschungszug macht und einen Spieler abseits seiner eigentlichen Position einsetzt. Als Kandidaten wurden in den letzten Tagen Tamas Hajnal und Kevin Großkreutz genannt. So richtig würde mir das auch nicht schmecken – vielleicht gibt es ja eine Systemumstellung.
Eine ‘Nummer 10′ wird es wohl in jedem Fall geben. Mohamed Zidan hat seinen markigen Worten vor dem Halbfinale des Afrika-Cups Taten folgen lassen und mit einem Tor zum 4:0 Ägyptens gegen Algerien beigetragen. Somit steht er nun im Finale am Sonntag und dem BVB nicht zur Verfügung. Nelson Valdez hat seine Sache auf der Position gegen Hamburg gut gemacht – die klassischere Besetzung wäre allerdings die Rückkehr von Tamas Hajnal, der ein echter Regisseur ist. Ich würde damit jedoch bis zum nächsten Heimspiel warten und dem ‘Kämpfer’ Valdez in Stuttgart eine weitere Chance geben.
Fraglich für morgen ist zudem Kuba – bei der angespannten Personallage wäre ein weiterer Ausfall sehr unangenehm. Beim VFB fällt nur der Ausfall von Abwehrchef Delpierre ins Gewicht. Für ihn wird vermutlich der nun fest vom FC Bayern verpflichtete Georg Niedermeier spielen. Jens Lehmann kehrt ins Tor zurück und wird bei Dortmunder Ecken wieder auf Neven Subotic treffen. Wir können uns auf ein spannendes Spiel und eine harte Prüfung in Stuttgart einstellen. Sollte es zu einem weiteren Auswärtssieg reichen, wäre das wirklich unheimlich – und unheimlich schön.
Der Mann der vielen Worte
Viel Sonnenschein dieser Tage in Dortmund, zumindest was die Borussia angeht. Gestern wurde bekanntgegeben, dass der Vertrag mit dem „Vorsitzenden der Borussia Dortmund Geschäftsführungs-GmbH“, Hans-Joachim Watzke, vorzeitig bis 2014 verlängert wird.
Langfristige Verträge für Führungspersonal sind zumindest bei einem Fußballverein absolut zu begrüßen – insbesondere wenn man schlicht gute Arbeit gemacht hat wie Watzke. Es war nicht selbstverständlich, dass der BVB die Finanzkrise vor fünf Jahren so gut übersteht. In diesen Wochen ernten wir endgültig die Früchte dessen, was Watzke & Co aussäten. Das, was den Fans damals versprochen wurde – bessere Zeiten – scheint eingetroffen zu sein. Da verzeiht man gerne, wenn „Aki“ wieder mal den Lautsprecher einschaltet und schrille Töne verbreitet.
Neues Theme: Monochrome
Als WordPress.com vor wenigen Tagen dieses neue Theme veröffentlichte, wusste ich sofort, dass Any Given Weekend wieder mal ein ‘Themenwechsel’ bevorstand. „Monochrome“ ist sicher eher ein minimalistisches Theme, hat diese sehr schicken Sidebars und ist sogar hier und da schwarz-gelb. Als einzige sonstige Änderung habe ich nun meinen Willen ausdrücklich postuliert, künftig noch mehr über britischen Fußball zu schreiben. Ob es klappt? Watch this space!
Die Jagdsaison ist eröffnet
Alle Jahre wieder wird im Januar in Deutschland zur Jagd auf Bundesliga-Trainer geblasen. Auch in diesem Jahr wurden bereits zwei der durch Schnee und Kälte ohnehin geschwächten Exemplare erlegt. Nach Andreas Bergmann von Hannover 96 traf es nun heute Armin Veh vom VFL Wolfsburg (!). Ganz unschuldig sind die scheuen Kitze an ihrem Schicksal nicht, aber es verblüfft doch jedes Mal aufs Neue, wie manche Jagd Fußballvereine bereits nach ein bis drei Spielen in der Rückrunde hektisch zur Flinte greifen.
Ernsthaft: Wenn man von einem Trainer nicht überzeugt ist, warum ergreift man nicht die Chance und wagt einen Neuanfang in der Winterpause, am besten noch vor Trainingsbeginn? Das klappt zwar nicht immer und schon gar nicht langfristig, wie auch wir Dortmunder seit Jürgen Röber wissen, aber so bleiben dem neuen Mann mehrere Wochen, um mit der Mannschaft zu arbeiten und neue Dinge einzustudieren. Und, falls nötig, auf dem Transfermarkt aktiv zu werden. Hannover bleiben mit dem wenig überraschend als Nachfolger von Bergmann engagierten Mirko Slomka nur wenige Tage, um ein paar Last-Minute-Deals klarzumachen.
Die niedersächsischen Nachbarn und gestürzten Meister aus Wolfsburg haben das zwar weniger nötig, werkeln aber trotzdem angeblich an der Verpflichtung von Rafinha vom FC Schalke. 14 Millionen Euro Ablöse entspringen dabei wohl eher den feuchten Träumen der ohnehin klammen Gelsenkirchener. Die Nachfolge auf dem Trainerstuhl wird ein klein wenig spannender als in Hannover: Kommt tatsächlich Bernd Schuster zurück nach Deutschland? Es wäre Zeit, dass er sich auch hierzulande mal wieder auf einer Trainerbank und nicht nur im Fernsehstudio beweist. Oder kommt es zur Wiedervereinigung von Dieter Hoeneß und Huub Stevens? Zur Rückkehr von Matthias Sammer in den Vereinsfußball? Der neue Platzhirsch sollte jedenfalls nicht lange auf sich warten lassen.
1. Bundesliga, 19. Spieltag / BVB 1 Hamburger SV 0
Wo soll das noch enden?
Die Aufstellung: Ziegler – Schmelzer, Hummels, Subotic, Owomoyela – Sahin, Bender (75. Santana) – Großkreutz, Valdez, Kuba (90. Dede) – Barrios. Tor: Valdez.
Der BVB gewinnt mal ein echtes Spitzenspiel und überholt den HSV in der Tabelle. Dass der Sieg auch eine kleine Revanche für das Hinrundenspiel und den letzten Rückrundenspieltag 2009 war, interessiert da nur am Rande. Jürgen Klopp konnte für die Partie auf alle unter der Woche fraglichen Spieler zurückgreifen, von ihnen wurde nur Sven Bender vorzeitig ausgewechselt, Kuba ging erst kurz vor Schluss. Für die Gäste macht es oberflächlich betrachtet Sinn, jetzt einen klangvollen Namen wie Ruuuud van Nistelrooy zu verpflichten, denn sonderlich torgefährlich waren sie gestern nicht. Andererseits werden sich nicht nur Dortmunder, sondern auch andere Außenstehende fragen, warum Elia gestern so lange auf der Bank saß.
Es ist erstaunlich, welche Souveränität unsere Mannschaft inzwischen an den Tag legt. Nehmen wir das mit Ausnahme von Nelson Valdez sehr junge Fünfer-Mittelfeld. Die Spieler haben das während der Hinrunde eingeführte neue System beeindruckend verinnerlicht. Das BVB-Mittelfeld strahlte gestern gegen den bisherigen Tabellenvierten Dominanz aus, wie es wahrscheinlich kein Fan für möglich gehalten hätte. Dem HSV wurde das Kombinieren schwer gemacht, gefährliches Offensivspiel der Gäste weitgehend unterbunden. Zu Buche stehen ganze zwei Chancen, ein Kopfball von Petric knapp übers Tor und einen Schuss von Berg, den Marc Ziegler glänzend parierte. Sonst kann ich mich allenfalls noch an zwei Szenen erinnern, die brenzlig aussahen, aber im Endeffekt ungefährlich blieben.
Der BVB hatte weit mehr zu bieten, ohne den ganz großen spielerischen Glanz zu verbreiten. Das war auf dem Rasen, der nach dem Ende der Kälteperiode hoffentlich ausgetauscht wird, auch nicht möglich. Und so weit, Glanz einzufordern, sind wir in Dortmund noch lange nicht. Die Schwarz-Gelben hatten jedoch eine Reihe von Möglichkeiten und da kommen wir jetzt zu Nelson Valdez. Der ist sicher nicht die Idealbesetzung fürs offensive Mittelfeld und er scheiterte auch gestern wieder etliche Male beim Torabschluss. Aber in der 36. Minute ließ er sich die Gelegenheit nicht entgehen, die im Aogo mit einer mißglückten Abwehraktion bot. Der Ball springt Nelson vor die Füße und der packt dann einen sowas von platzierten Schuss aus 18 Metern aus. Letzte Woche der Dortmunder Großkreutz, diese Woche Pechvogel Valdez – die schwarz-gelbe Märchenstunde geht weiter.
Toll war, wie die Mannschaft in der zweiten Hälfte das Spiel im Griff behielt. Sich durch den Hamburger Doppelwechsel (Berg und Elia kamen) allenfalls kurz unter Druck setzen ließ. Durch eigenes Spiel nach vorne den Gegner aus der eigenen Hälfte fernhielt. Dabei auch noch zu Chancen kam, wie durch einen von Rost nur zur Seite abgewehrten Schuss von Kuba. Ja, unter den Dortmunder Chancen waren einige Weitschüsse – das war gestern aber unvermeidlich. Natürlich zitterten wir in der Kneipe bis zum Schluss, beim Stand von 1:0 gegen ein Topteam ist auch das unvermeidlich. Aber letztlich war es ein souveränerer Sieg als das Ergebnis aussagt.
Hervorheben sollte man die angeschlagenen Spieler: Sahin und Bender zeigten eine tolle Leistung, Kuba zeigte sich leicht verbessert, Owomoyela, na ja, war ok, das geht dann hoffentlich nächste Woche noch mal ein bisschen aufwärts. Tagesaktuell sind wir jetzt wohl zur Euphorie berechtigt: Vierter, acht Punkte Vorsprung auf Platz 6. Die nächsten Wochen, bis mindestens zum Derby, werden richtungsweisend sein. Schon nächste Woche geht es zum unter Christian Gross wieder in die Spur gekommenen VFB. Nach dem Spiel in Gelsenkirchen könnte dann eine Zwischenbilanz Sinn machen.
Endlich nicht mehr billig
Viele Jahre musste man sich als BVB-Fan für eine Sache ein wenig schämen. Das Stadionmagazin „Borussia Aktuell“ galt allgemein als das schlechteste der Liga, was auch schon mal von einer bekannten Designagentur bestätigt wurde. Das Heft war vor allem eins: Billig. Das hatte in der Vergangenheit seine Berechtigung, aber Spaß machte es nicht, diese auf Zeitungspapier gedruckte Publikation zu lesen. Zumal dort größtenteils Content recyclet wurde, den man schon von der Vereins-Homepage kannte.
Zum ersten Heimspiel der Rückrunde wird es nun ein neu konzipiertes Stadionmagazin auf neuem Papier geben. Der Titel: „Echt“. Das ist direkt, vielleicht ein klein wenig platt, aber das passt schon zu Dortmund. An Design und Konzeption hat eine Düsseldorfer Agentur maßgeblich mitgearbeitet. Das Wenige, was man hier schon sehen kann, lässt hoffen. Stutzig macht mich die Ankündigung, dass ich als Vereinsmitglied ein anderes Heft nach Hause geschickt bekomme. Es wird „Borussia“ heißen und auf der Homepage kann man dazu folgendes lesen:
Konzeptionell entspricht es dem Stadionmagazin, beinhaltet auch zahlreiche Elemente von „Echt“, legt aber bei der Themensetzung zusätzlich deutliche Schwerpunkte auf die Berichterstattung über das Vereinsleben.
Es soll „zahlreiche Elemente“ beinhalten – aber womöglich nicht den Premium Content? Nun, ich lasse mich überraschen und werde erst hinterher urteilen. Jedenfalls erwarte ich die Ankunft des Hefts mit deutlich mehr Vorfreude als die von „Borussia Aktuell“.


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