Archiv | Februar 2010

1. Bundesliga, 24. Spieltag / FC Schalke 2 BVB 1

Maria Riesch holt Slalom-Gold in Whistler!

Die Aufstellung: Weidenfeller – Schmelzer, Hummels (82. Santana), Subotic, Owomoyela – Sahin, Bender (86. KEHL) – Großkreutz, Zidan (73. Hajnal), Kuba – Valdez. Tor: Sahin (EM).

Ansonsten gab es noch ein unspektakuläres Fußballspiel in Gelsenkirchen. Es war ein Derby, in dem sich zwei Mannschaften mit gut stehenden Abwehrreihen trafen, die aber nach vorne herzlich wenige Ideen hatten. Letztlich gewann das Team, das einen Fehler weniger machte.

Die Derbys sind selten technisch gute Spiele gewesen. Die Begegnung gestern war ebenfalls vom Kampf geprägt, jedoch weitgehend unkontrovers. Trotzdem war es erstaunlich, dass so wenig Konstruktives dabei rauskam. Der S04 spielte in der ersten Hälfte wie eine Auswärtsmannschaft und versuchte, den BVB zu locken. Woran das gelegen haben könnte, zeigte sich nach der Dortmunder Führung durch einen berechtigten Elfmeter (Foul an Valdez): Die Schalker haben Probleme, gegen gut stehende Mannschaften das Spiel zu machen. Sie sind meilenweit von den momentan einzigen echten Spitzenmannschaften Bayer und Bayern entfernt. Erst eine Standardsituation brachte sie zurück.

Für einen Derbysieg kam zu wenig von Schwarz-Gelb, die Niederlage war jedoch unnötig. Der Ausgleich fiel nach dem präzise getretenen Freistoß von Schmitz, als es Valdez und Owomoyela am Rand des Fünfmeterraums versäumten, Abwehrspieler Höwedes am Kopfball zu hindern. Ebenso vermeidbar war das Siegtor: Ein blöder Fehler des ansonsten sehr ordentlichen Sven Bender brachte Rakitic knapp 20 Meter vor dem Tor in Schussposition. Dass der den Ball dann so perfekt trifft, das war eben Kategorie „Sonntagsschuss“. Lies mehr …

Worte, die nicht fehlen

…denn viele von ihnen sind überflüssig. Am Freitagabend ist Derby und jeder weiß, um was es geht. Angesichts des Tabellenstandes ist die Partie ohnehin richtungsweisend. Vieles ist gesagt worden – hier kommen nur die richtigsten und wichtigsten Zitate:

Es ist viel mehr als nur ein Bundesligaspiel, aber auch bei einem Derby handelt es sich um die schönste Nebensache der Welt, die sich nicht außerhalb des Verstandes und der Regeln eines gemeinsamen Miteinanders abspielt. [...] Gewalt und Rassismus haben auch in einem Derby nichts, aber auch gar nichts verloren. (Marco Blumberg, Vorsitzender der Fan- und Förderabteilung von Borussia Dortmund)

Die müssen ja keine Freunde sein. Im Sport gehört es doch dazu, dem Gegner nichts zu gönnen. (Jürgen Klopp, bezogen aufs Derby)

Ich hätte wahrscheinlich dieselbe Antwort gegeben, weil’s die witzigste war. (Jürgen Klopp letzte Woche, bezogen auf unseren Kevin)

Ich übrigens auch. Bleiben nur noch ein paar trockene Personalfragen: Die leicht angeschlagenen Sven Bender und Patrick Owomoyela trainieren wieder und werden morgen höchstwahrscheinlich spielen. Wer den gesperrten Lucas Barrios ersetzen wird, wollte Jürgen Klopp verständlicherweise noch nicht verraten, aber es spricht wenig gegen einen Einsatz von Nelson Valdez. Heiß machen muss man den jedenfalls nicht. Ich habe gelesen, dass für die Gastgeber Heiko Westermann wieder einsatzbereit sein soll, einer der wenigen Spieler, die man noch kennt bei denen, aber ehrlich gesagt: I couldn’t care less.

1. Bundesliga, 23. Spieltag / BVB 4 Hannover 96 1

Pflichtprogramm.

Die Aufstellung: Weidenfeller – Schmelzer, Hummels, Subotic, Owomoyela – Sahin, Bender (83. Santana) – Großkreutz, Zidan (62. Hajnal), Kuba – Barrios (62. Valdez). Tore: Subotic, Eggimann (ET), Valdez, Großkreutz.

Heute verstehe ich vielleicht erstmals die Ansichten eines Bayern-Fans, der nach einem hohen Sieg noch etwas zu meckern hat. Meine Kritik wird aber im Rahmen bleiben, denn der gestrige Sieg war hochverdient und die Leistung der Schwarz-Gelben über 2/3 des Spiels ordentlich.

Probleme hatte ich mit der ersten Halbzeit. Natürlich, der BVB hatte in der ersten Viertelstunde drei gute Chancen, die beste vergab Zidan nach 14 Minuten, als er knapp letzter Mann vor Fromlowitz war und vorbeischoss. Aber die Möglichkeiten hatten sich aus gravierenden Unachtsamkeiten der Hannoveraner Defensive ergeben und weniger aus großer Dortmunder Kreativität. Unbefriedigend war, was im Rest der ersten Hälfte folgte. Gegen ordentlich verteidigende, aber sehr harmlose Gäste fehlten den Schwarz-Gelben die Ideen. Wir sahen viele Fehlpässe (nicht dass es dadurch gefährlich wurde, aber trotzdem) und, was mich gerne mal zur Weißglut treibt, Weitschüsse aus aussichtsloser Position – hier muss ich Nuri Sahin nennen, der damit gleich zweimal auffiel.

Nicht viel lief zusammen – wie so oft muss dann ein Standard helfen. Zum Glück ist das eine der vielen Schwächen des kleinen HSV. Es war bereits kurz vor der Pause, als Sahin eine Ecke in den Fünfmeterraum trat und der gegenüber dem Cover des neuen Mitgliedermagazins stark verändet aussehende Neven Subotic zur Führung einköpfte.

Nach gut zehn Minuten der zweiten Halbzeit war die einzige ernstzunehmende Torchance der Gäste abgesehen vom Treffer zu verzeichnen, als Weidenfeller nach einem Fehler von Subotic vor Jan Schlaudraff retten musste. Der Keeper kam rechtzeitig aus dem Kasten, wirkte bei seiner Rückkehr ins Team auch sonst souverän – war allerdings auch stark unterfordert. Die Gäste entwickelten keinerlei echten Offensivdrang. Da scheint einerseits der Glaube zu fehlen, auf jeden Fall aber eine Reihe von wichtigen Spielern. Um mal auf die unausweichliche Frage einzugehen, wie viel das mit dem Tod von Robert Enke zu tun hat: Einer der schwächsten 96er war Abwehrspieler Jan Durica, der erst im Januar von Lokomotiv Moskau ausgeliehen wurde. Eine abschließende Beurteilung soll und kann das nicht sein – mir scheint, es gibt da in Hannover eine ungute Gemengelage. Lies mehr …

Ausnahmeregelung für 96?

Jan Christian Müller forderte am Montag im Sportteil der „FR“ eine „Lex Hannover 96″ (FR 15.2.2010, S. S22). Die Mannschaft der Niedersachsen sei weitgehend schuldlos in die jetzige prekäre Situation geraten. Sollte der Fall der Fälle – der Abstieg – eintreten, müsse die Bundesliga in der kommenden Saison eben mit 19 Vereinen starten. Müller plädiert also für eine ‘humanitäre Lösung’, ist sich aber natürlich bewusst, dass diese nicht verwirklicht werden wird.

Beim Lesen kam mir dieser Vorschlag, wie wohl jedem Fußballfan, zunächst absurd und unsportlich vor. Nach erneutem Nachdenken erschien er schon plausibler, schließlich handelt es sich um eine tragische Ausnahmesituation und niemand würde geschädigt. Zwei Probleme habe ich dennoch damit: Hätte der sportliche Absturz nicht auch ohne den Suizid Robert Enkes eintreten können? Und was passiert, wenn es einen weiteren Fall geben sollte – was wir alle nicht hoffen wollen? Man würde einen Präzedenzfall schaffen, der in Zukunft auf jeden betroffenen Verein übertragen werden müsste, egal, ob Meisterschafts- oder Abstiegskandidat.

Trotzdem – eine Diskussion wäre der Vorschlag eigentlich wert. Der Absturz des kleinen HSV war zu krass, um rein sportlich erklärbar zu sein. Deswegen haben sie sich nun auch einen Kölner Sportpsychologen ins Haus geholt. Am Samstag gastieren die 96er im Westfalenstadion. In den letzten Jahren waren sie stets ein unangenehmer Gegner für den BVB: Seit sieben Spielen warten wir auf einen Sieg. Andererseits wartet Hannover inzwischen seit sieben Spielen auf einen Punkt und zu allem Überfluss ist die Verletztenliste der Gäste lang: Bruggink, Haggui, Ya Konan, Rosenthal und Cherundolo sind nur die prominentesten Namen.

Bei der Borussia sieht es dagegen personell zunehmend besser aus. Noch fehlen zwar neben Kapitän Kehl auch Feulner, Tinga und Rangelov, aber die Spieler, die in den letzten Monaten besonders positiv aufgefallen sind, sollten morgen dabei sein. Sven Bender, der sich im Training weh getan hatte, wird wohl spielen können. Roman Weidenfeller wird ins Tor zurückkehren. Bei der Aufstellung wird sich sonst womöglich gar nichts ändern, die guten Ansätze waren in München ja durchaus da. Somit dürfte Tamas Hajnal als Option auf der Bank sitzen, neben Nelson Valdez, Dede und ein paar anderen.

Wird wegen der traurigen Hannoveraner Serie morgen das Mitleid die Oberhand gewinnen? Werde ich etwa nur leise jubeln, wenn wir treffen? Nein, natürlich nicht. Es ist ein Spiel, dass das Potenzial hat, einen am Fußball verzweifeln zu lassen – dann, wenn wir nicht gewinnen. Was nicht auszuschließen ist.

Eine Schwalbe macht noch keinen König

Aber gleich drei in drei Spielen? Als ich mir heute Mittag das Spiel VFB v HSV im DSF anschaute, fühlte ich mich schnell an die Begegnung des BVB in Stuttgart erinnert. Und Pawel Pogrebnyak setzte noch einen drauf: Kaum weniger eindeutig als gegen uns ließ sich der VFB-Stürmer gestern gleich zweimal im Strafraum fallen. Zum Glück fiel der Schiedsrichter nicht darauf herein – komisch allerdings, dass Pogrebnyak anders als gegen uns ohne gelbe Karte davonkam. Mir scheint, da ist einer dabei, Andy Möller seine (nur teilweise berechtigte) Krone streitig zu machen.

1. Bundesliga, 22. Spieltag / Bayern München 3 BVB 1

Alles schon gesehen!?

Die Aufstellung: Ziegler – Schmelzer, Hummels, Subotic, Owomoyela – Sahin, Bender – Großkreutz, Zidan (74. Hajnal), Kuba (74. Götze) – Barrios (85. Le Tallec). Tor: Zidan.

Nach fünf Minuten dieser Partie fühlte man sich gestern eklatant an den letzten BVB-Auftritt in München erinnert. Die Borussia war mit Elan in die Begegnung gegangen und hatte den FC Bayern damit offensichtlich erneut überrascht. Besonders die Abwehr der Gastgeber legte einen katastrophalen Kaltstart hin. Zweimal mussten Bayern-Spieler gegen Sven Bender auf oder kurz vor der Linie klären, die dritte hochkarätige BVB-Chance saß dann. Sie war zunächst mal Daniel van Buyten zu verdanken, der einen weiten Abschlag von Marc Ziegler nicht unter Kontrolle brachte und sich von Mohamed Zidan überrumpeln ließ. Der Ägypter ließ sich vom nachsetzenden Belgier nicht mehr abdrängen und erzielte das frühe 0:1. Wie Nelson Valdez vor einem knappen Jahr.

Dass eine frühe Führung gegen den FC Bayern nicht unbedingt positiv sein muss, haben nicht nur unsere letzten beiden Spiele gegen diesen Gegner gezeigt. Das Ergebnis ist das gleiche wie in der Vorsaison, als die Bayern das Spiel drehten und dank eines Sturmlaufs und vieler Chancen verdient 3:1 gewannen. Gestern war es anders. Lassen wir Mats Hummels zu Wort kommen, der mit der folgenden Stellungnahme nach dem Spiel wieder einmal bewies, dass er nicht nur ein großartiger Sportler, sondern auch ein großartiger Sportsmann ist:

Dass das Tor zum 1:3 eigentlich Abseits war, haben wir während des Spiels schon vermutet. Dass dem 1:2 ein Foulspiel an Zidan voranging, haben die meisten gesehen. Es war keineswegs eine schlechte Schiedsrichterleistung. Aber es ist leider so, dass viele Zweikämpfe zugunsten der Bayern gepfiffen wurden. Allerdings war das nicht der ausschlaggebende Grund für die Niederlage. Wir hätten unsere Chancen nutzen können – die hat der Schiedsrichter nicht abgepfiffen.

Eigentlich könnte man die Analyse komplett unserer Nummer 15 überlassen. Ich würde mich jedenfalls freuen, Mats hier einmal als Gastautor zu begrüßen. ;-)

Tatsächlich hatte der BVB gestern mehr Torschüsse und -chancen als die Bayern, auch wenn die Gastgeber nach dem Ausgleich optisch überlegen waren. Die Bayern-Abwehr blieb das ganze Spiel über anfällig und konnte sich bei Torwart Butt bedanken, dass das Ergebnis so ausfiel. Andererseits hatten es die Dortmunder Angreifer selbst in der Hand, die Bälle besser zu platzieren und nicht Butt direkt auf den Körper zu spielen. Lies mehr …

Frisches Gras

Dieser Tage wird im Westfalenstadion eifrig gearbeitet. Die BVB-Homepage hält uns regelmäßig auf dem Laufenden: Ein neuer Rasen wird verlegt und das bei Eis und Schnee. Nötig war es ohne Zweifel. Bei den Partien gegen den HSV und die Eintracht wurde das Spiel doch immer wieder durch Unebenheiten des Platzes beeinträchtigt. Ob es uns geschadet hat, bleibt Spekulation. Bis zum Spiel gegen Hannover soll das frische Grün nun trotz Dauerwinter angewachsen sein. Anscheinend ist die Verlegung bei solchen Verhältnissen ein Novum und erweckt das Interesse vieler Greenkeeper der Liga.

In Dortmund kann in Ruhe gearbeitet werden, denn die erste Mannschaft der Borussia geht an diesem Wochenende auf Dienstreise nach München. Prognosen brauchen wir vor diesem Spiel nicht anstellen, personell hat sich die Lage immerhin verbessert: Nach heutigem Stand wird Jürgen Klopp auf Sven Bender, Kuba und eventuell auch Roman Weidenfeller zurückgreifen können. Die Startelf könnte ähnlich aussehen wie in den erfolgreichen Wochen vor Weihnachten.

Die Gastgeber hatten in den letzten Tagen einen mysteriösen Virus zu Gast, der den Einsatz einiger Spieler gegen Fürth verhinderte. Bis zum Samstag wird nun eine  Kontaktsperre mit den Kranken eingehalten. Sollte es zu keinen Ansteckungen kommen, sind nur Pranjic und Klose fraglich – für die Bayern wären das verschmerzbare Ausfälle. Unsere Defizite gerade auf den Außenbahnen sind bekannt, so dass ich nicht mehr sagen möchte als: Gehts raus und spielt Fußball! Niemand glaubt an uns – we don’t care!

Der Star auf der Trainerbank

Neben der wachsenden Anzahl von südeuropäischen Trainern im englischen Fußball gibt es einen weiteren Mini-Trend, der nicht so neu ist: Ehemalige Stars, die ihr Glück auf der Trainerbank versuchen. Und das oft an der Stätte ihrer einstmals größten Erfolge. In der Premier League ist Owen Coyle umstrittenerweise zu seinem ehemaligen Club, den Bolton Wanderers, gewechselt, für die er allerdings ‘nur’ gut zwei Jahre spielte. Auf zwei weitere Beispiele trifft man in der League Two (4. Liga) und diese beiden Herren sind wirkliche Vereinslegenden. Trotzdem meint es das Schicksal offensichtlich unterschiedlich gut mit ihnen.

Am Samstag Nachmittag gegen 16:50 Uhr Ortszeit ging Stuart McCall auf eine emotionale Ehrenrunde im Stadion „Valley Parade“. Sein Verein, Bradford City, hatte soeben gegen den Tabellendritten Bury eine erneute Heimniederlage kassiert. Die „Bantams“ lagen nun 12 Punkte hinter den Play-Off-Rängen abgeschlagen auf Platz 16. McCall winkte ins Publikum und jedem Fan war klar, dass es sein letztes Spiel als Trainer gewesen war. Der ehemalige Premier League-Club Bradford hat die höchsten Zuschauerzahlen der League Two, am Samstag waren es beinahe 12.000. So wurde es eine würdige Abschiedsrunde für den rothaarigen Schotten, der als Spieler eines der größten Klubidole der Bantams gewesen war. Es gab langen Applaus und auf den diversen Fanseiten im Netz berichteten die Anhänger später von ihrer Ergriffenheit.

McCall hatte in den 80er Jahren sechs Jahre und um die Jahrtausendwende weitere vier Jahre für Bradford gespielt, insgesamt kam er auf 395 Einsätze allein in der Liga. Deshalb empfingen ihn die allermeisten Fans mit offenen Armen, als er vor gut 2 1/2 Jahren als unerfahrener Trainer zurückkehrte. Jeder wollte, dass es funktionierte und natürlich stand McCalls Engagement nie in Frage. Die Ergebnisse blieben jedoch hinter den Erwartungen zurück. In der ersten Saison unter McCall verpasste Bradford mit deutlichem Punkteabstand als 10. die Play-Off-Plätze. Vor der folgenden Spielzeit nahm der Verein für Viertliga-Verhältnisse viel Geld in die Hand, aber auch mit den neuen Spielern wurden die Play-Offs knapp verpasst.

Das Konzept vor dieser Saison sah anders aus. Eine weitere Spielzeit mit einer teuren Mannschaft in der League Two konnte oder wollte sich der Verein nicht mehr leisten. Einige Besserverdiener wurden abgegeben und dafür einige ‘junge, hungrige’ Leute aus den Amateurligen geholt. Dieses Konzept hatte in der jüngeren Vergangenheit bei einigen Konkurrenten Früchte getragen – nicht jedoch bei den Bantams. Warum weder das eine noch das andere funktioniert hat, dürfte die Fans noch eine Weile beschäftigen. War McCall doch zu unerfahren und vielleicht zu sehr emotional verbunden mit seinem Ex-Verein? Fehlte ihm daher der kühle Kopf, wurde er zu schnell nervös? Ein Charakteristikum der letzten Wochen seiner Amtszeit waren neben unglücklichen Schiedsrichterentscheidungen seine häufigen Umstellungen. Lies mehr …

1. Bundesliga, 21. Spieltag / BVB 2 Eintracht Frankfurt 3

Jürgen Klopps Bastelstunde.

Die Aufstellung: Ziegler – Schmelzer (88. Santana), Hummels, Subotic, Owomoyela – Sahin, Großkreutz – Valdez (77. Dede), Zidan, Le Tallec (77. Götze) – Barrios. Tore: Hummels, Barrios.

Eine 2:3-Heimniederlage gegen Frankfurt ist das, was nicht unbedingt passieren sollte, wenn man in den Europapokal will. Im Duell zweier ersatzgeschwächter Mannschaften machte die Eintracht zwar nicht das Spiel, aber vieles richtig, zeigte gepflegten und effizienten Konterfußball. Ein großes Manko bei Schwarz-Gelb war das Fehlen aller echten defensiven Mittelfeldspieler: Nach Kehl und Tinga musste auch Sven Bender passen. Jürgen Klopp berief stattdessen Kevin Großkreutz auf die zweite zentral-defensive Position neben Nuri Sahin. Kevin hatte diese Rolle in einem Testspiel vor der Rückrunde einmal inne – dass diese ‘Übung’ nicht reichte, stellte sich gegen Frankfurt heraus. Im nachhinein ist man klüger: Womöglich wäre es mit der ungeliebten Variante, Hummels ins Mittelfeld zu stellen, besser gelaufen. Eine Systemumstellung auf 4-4-2 Raute wäre ebenfalls möglich gewesen, aber auch dann hätte uns ein echter ’6er’ gefehlt.

Für die Gegentore war allerdings eine schwache Leistung der Abwehr-Viererkette viel entscheidender. Beim 0:1 waren es vor allem die Innenverteidiger, die bei der Flanke zu weit weg vom Kopfballschützen Köhler standen. Das 2:2 war noch der unglücklichste Treffer: Owomoyela klärte nach einer Ecke per Kopfball vor die Füße des frei stehenden Jung, der zieht aus über 20 Metern ab, der Ball wird von Sahin ins Tor abgefälscht. Und beim 2:3 lässt sich die Viererkette durch einen hohen Ball aus dem Mittelfeld überrumpeln, Owo kann Meier nicht am Abschluss hindern, der Frankfurter lupft die Kugel über Ziegler ins Tor. Der Sky-Kommentator sah unseren Torwart ziemlich kritisch – dieser Meinung kann ich mich nicht anschließen. Viel hätte Ziegler nicht anders machen können. Der erste Treffer war sehr platziert, der dritte im richtigen Moment abgeschlossen. Lies mehr …

Der Quantensprung

Das neue Mitgliedermagazin

Endlich kann ich mir meine eigene Meinung bilden. Die erste Ausgabe des neuen Mitgliedermagazins von Borussia Dortmund, erschienen vor dem Heimspiel gegen den HSV, war mir nicht zugestellt worden. Der Verein hat sich wie berichtet dafür entschieden, zwei (etwas) unterschiedliche Hefte herauszubringen: Eine klassische Stadionzeitung, die ich noch nicht gesehen habe, die angeblich vor allem Features zu Spielern und Informationen zum jeweiligen Spiel enthalten soll. Und eben das Mitgliedermagazin, das zusätzliche Informationen über Vereinsbelange, wie etwa die anderen sportlichen Abteilungen, liefert.

Meine Sorge als Bezieher des Mitgliedermagazins war, dass ich deswegen auf einige der Features aus dem Stadionheft verzichten müsste. Ob das der Fall ist, weiß ich immer noch nicht, aber „Borussia“ ist in mehrerer Hinsicht ein Quantensprung. Grafik und Layout unterscheiden sich vom auf Zeitungspapier gedruckten Vorgänger wie Tag und Nacht. Das neue Heft sieht modern aus (inklusive Typografie), es dominieren die Farben schwarz und gelb und viele Fotos sorgen für Abwechslung.

In diesem Fall ist das schon die halbe Miete, denn wer jahrelang „Borussia Aktuell“ auf Zeitungspapier gelesen hat, der freut sich schon über frische Farben und die gute ‘Haptik’. Natürlich will ich aber den Inhalt ebenfalls kritisch würdigen. Auch da hat sich etwas getan. Es gibt offensichtlich weniger Content, den man schon von der Homepage kennt. Geblieben ist das große Spielerfeature, diesmal mit Ersatztorwart Marc Ziegler. Kein weltbewegender, aber ein für Fans interessanter Text. Es gibt mehrere nette neue Rubriken: Ein Q&A mit Marcel Schmelzer, eine Kolumne von Fernseh-Kommentator Hansi Küpper und „Spieler mal anders“ – darin stellt Tamas Hajnal seinen Heimatort in Ungarn vor. Auffällig am Artikel über Mohamed Zidans Triumph beim Afrika-Cup ist, dass seine martialischsten Äußerungen vor dem Halbfinale gegen Algerien nicht vorkommen.

Erweitert und dadurch besser wurde die Berichterstattung über den kommenden Gegner, in dieser Woche bekanntlich Eintracht Frankfurt. Weitaus ausführlicher als bisher wird über die Zweite Mannschaft, den Nachwuchs und die anderen sportlichen Abteilungen berichtet. Auch die Fanseiten haben von der Neugestaltung profitiert. Die Vereinstradition wird unter anderem mit der Rubrik „Wo ist eigentlich…“ gewürdigt. Sehr gut gefallen hat mir „Auf ein Pils mit…“ – in dieser Ausgabe ist der Gesprächspartner Schauspieler Joachim Krol, BVB-Fan und aktuell als Kriminalkommissar in der guten Ruhrgebiets-Krimiserie „Lutter“ (ZDF) tätig.

Mein Fazit: „Borussia“ ist ein Riesenfortschritt, es liest sich wirklich gut und im Gegensatz zum Vorgänger ist es mehr als bloße Pflichtlektüre. Wirklich kritischen Journalismus kann man von einem Mitgliedermagazin nicht wirklich erwarten – immerhin gibt es die Fanseiten. Bleibt die Frage nach dem Unterschied zum Stadionheft. Ein, zwei Artikel mehr über die erste Mannschaft könnte „Borussia“ noch vertragen.

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