Nicht mehr Herrlich
Die Bundesliga hat erneut einen sehr späten Trainerwechsel zu vermelden. Heute wurde Heiko Herrlich, bekanntlich ehemaliger BVB-Stürmer und -Jugendtrainer, beim VFL Bochum entlassen; bis Saisonende wird Dariusz Wosz die Mannschaft betreuen. Als Grund nannte Sportdirektor Thomas Ernst die sportliche Durststrecke, zehn Spiele ohne Sieg, aus der das Abrutschen auf Platz 16 resultierte. Er räumte aber ein, dass es auch andere Faktoren gegeben habe.
Man kann sicher über die Wirkung des öffentlichen und internen Auftretens von Heiko Herrlich spekulieren. Manche werden die Pressekonferenz, auf der sich Herrlich mit meinen speziellen Freunden von der Springer-Presse anlegte, als unprofessionell bezeichnen – ich fand sie authentisch und ehrlich. Niemand muss sich von denen alles gefallen lassen. Über Mannschafts-Interna aus Bochum bin ich nicht informiert.
Trotzdem wird die sportliche Situation den Ausschlag für die Entlassung gegeben haben und deshalb kommen die Bochumer Verantwortlichen und Fans nicht umhin, die frühe Trennung von Marcel Koller im September neu zu bewerten. Weder der erfahrene Koller noch der Neuling Herrlich haben es geschafft, aus diesem Kader eine Mannschaft zu formen, die den Ansprüchen der ersten Liga voll und ganz genügt. Was darauf hindeutet, dass eher die Transferpolitik bzw. die finanziellen Möglichkeiten der Bochumer das Problem waren und nicht die Person Koller.
Es ist möglich, dass Trainer vom Kaliber Magath oder Hitzfeld den VFL ins gesicherte Mittelfeld geführt hätten, aber die waren für den Verein nicht zu haben. Es ist ebenso möglich, dass Marcel Koller, der den Verein und die Spieler kannte, noch die Wende geschafft und die Bochumer zumindest aus dem Gröbsten herausgehalten hätte. Mehr war mit diesem Kader nicht drin.
3 Antworten zu “Nicht mehr Herrlich”
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- - 30. Mai 2010


Mir hat Herrlichs Auftritt in der Pressekonferenz auch gefallen. Die Kritik an der Springer-Presse ist völlig berechtigt. Allerdings befürchte ich, dass Medienschelte nur selten sinnvoll ist – egal gegen wen sie sich richtet. Letztlich kann man dadurch viel verlieren und nur wenig gewinnen.
Der Grund für Herrlichs Entlassung dürfte aber tatsächlich in dem zerütteten Verhältnis zur Mannschaft bestanden haben.
In einem Interview mit der SZ hat Herrlich selber ein paar Einblicke in Internas gegeben. Lesenswert.
Wirklich ein lesenswertes Interview mit Herrlich. Es bestätigt meinen Eindruck von ihm als einem Typen, der geradeaus und ehrlich ist. Mag sein, dass das nicht jedem in der Mannschaft gefallen hat. Bedenklich finde ich, dass der VFL-Vorstand erneut vor dem Druck eingeknickt ist. Diesmal kam er aus internen Kreisen, sprich der Mannschaft, aber ob jetzt ein Großteil der Spieler oder nur Einzelne ‘gemeutert’ haben, ist ja wohl noch unklar.