Archiv | Mai 2010

Nicht ganz wie der Vater

Die wenigsten Fans des englischen Zweitligisten Derby County waren im letzten Jahr so naiv zu glauben, dass mit dem Sohn der Club-Legende Brian Clough auf der Trainerbank plötzlich alles besser würde. Trotzdem ist heute, nach knapp 1 1/2 Jahren unter Nigel Clough, ein nicht unbedeutender Teil der großen Fangemeinde des Clubs enttäuscht vom Wirken des Juniors. In seiner ersten vollen Saison hat dieser mit den ‘Rams’ Platz 14 in der Championship erreicht, die Mannschaft steckte bald zwischen Abstiegskampf und unterem Mittelfeld fest.

Clough Junior’s Dilemma ist, dass sich die Zeiten seit den 1960/70er Jahren geändert haben. Die wenigsten Trainer können sich noch die Sturheit und den schillernden Charakter eines Brian Clough leisten. Ausnahmen sind über Jahre erfolgreiche Ikonen wie Sir Alex Ferguson oder Jose Mourinho. Normalerweise wird mit exzentrischen Charakteren so umgegangen wie mit Heiko Herrlich in Bochum. Und so muss sich auch Nigel Clough den Zwängen des Geschäfts beugen. Der Sohn ist ohnehin ein gemäßigterer Typ als sein Vater, auch wenn er ihm äußerlich stark ähnelt.

Die jüngste Geschichte von Derby County und die Gründe für die derzeitige Situation ähneln den Fakten, mit denen eine Reihe von englischen Proficlubs unterhalb der Premier League zu kämpfen haben. Nach dem Wegbrechen lukrativer TV-Verträge gerieten viele in arge finanzielle Bedrängnis. In den letzten Jahren konnten mehrmals erst Konkursverwalter bedrohte Clubs retten – was Punktabzüge und häufig Abstiege nach sich zog. Noch mehr Vereine wurden, manchmal in letzter Sekunde, von neuen Investoren vor dem Ruin bewahrt. Lies mehr …

Warten auf Lewandowski

Vielerorts wurde der Wechsel von Robert Lewandowski zum BVB schon als sicher dargestellt. Doch obwohl der aktuelle polnische Torschützenkönig letzte Woche zur medizinischen Untersuchung in Dortmund war, lässt die Vollzugsmeldung weiter auf sich warten. Inzwischen ist weitgehend klar, woran die Verzögerung liegt: Lewandowskis Vertrag in Posen enthielt eine Klausel, die ihm und seinem Berater (natürlich…) eine hohe sechsstellige Summe von einem möglichen Transfererlös zusichert. Lech Posen scheint nun diese Vertragsklausel nicht erfüllen zu wollen, da für den Stürmer lukrativere Angebote von den Blackburn Rovers und Sampdoria Genua vorgelegen hätten, dieser aber unbedingt nach Dortmund wollte.

Das ist zunächst einmal schmeichelhaft und freut den Fan, aber dieses Geschacher im Anschluss an die vermeintliche Einigung wirkt natürlich unprofessionell. Auf den ersten Blick ist der Schwarze Peter schnell verteilt: Lech Posen und dessen Besitzer Jacek Rutkowski hatten mit der Borussia eine Übereinkunft erzielt und waren sich der Vertragsdetails bewusst. Trotzdem kann man die Argumente aus Posener Sicht nachvollziehen. Für den besten Torjäger des Landes soll der aktuelle polnische Meister nach Abzug des Anteils von Spieler und Berater nur gut 3,5 Millionen Euro bekommen. Das ist bitter, aber Vertrag ist Vertrag. Trotzdem könnte Lewandowski die Sache beschleunigen, indem er sich kompromissbereit zeigt. Ob sein Berater allerdings bereit dafür ist, wage ich erst mal zu bezweifeln.

Es sind schon öfter Transfers an solchen ‘Lappalien’ gescheitert. Bisher gehen jedoch alle Beteiligten davon aus, dass der Wechsel in absehbarer Zeit über die Bühne geht. Gestern zitierte der „Kicker“ Rutkowski so:

Es sind nur Kleinigkeiten, die uns aufhalten. Sie zu klären ist schwer. Trotzdem glaube ich, dass Robert nach Dortmund gehen wird.

In der Montagsausgabe hatte schon Hans-Joachim Watzke bekräftigt, dass er vollkommen überzeugt vom Gelingen des Geschäfts sei. Warten wir also weiter.

Unterdessen hat Jürgen Klopp deutliche Worte für den abwanderungswilligen Nelson Valdez gefunden und wie im Fall Kringe gezeigt, dass er vor harten Entscheidungen nicht zurückschreckt: „Nelson könnte eine Luftveränderung möglicherweise guttun.“ Es gibt für Nelson angeblich Interesse aus der Premier League – ob es von dort oder aus anderer Richtung zu einem vernünftigen Angebot kommt, wird nicht unwesentlich von der Weltmeisterschaft des paraguayanischen Top-Torschützen (in der Qualifikation) abhängen.

Entscheidung in Hamburg

Armin Veh neuer Trainer und Bastian Reinhardt neuer Sportdirektor in Hamburg? Erinnert mich irgendwie an Hertha BSC…

Der coolste Hund

Jose Mourinho hat Inter Mailand zum ersten Europapokal-Sieg seit 12 Jahren und zum ersten Landesmeister-Pokal seit 45 Jahren geführt. Und obwohl Deutschland nach dem 0:2 der Bayern nun keinen vierten CL-Platz für die übernächste Saison bekommt, muss man anerkennen, dass der Sieg Inters vollkommen verdient war. So cool wie Trainer Mourinho ist, so cool spielte dessen Mannschaft. Effektiv und – wenig überraschend – nach dem Führungstor abwartend. Inter konnte es sich leisten, denn die Defensive machte so gut wie keine Fehler und die Bayern bissen sich die Zähne aus. Echte Chancen des FCB waren selten, häufiger dagegen Verzweiflungsschüsse, die mehrere Meter über das Tor flogen.

Dieser Jose Mourinho kann ohne Zweifel besser gewinnen als verlieren, aber gegenüber seiner Arroganz wirkt die (gelegentlich an den Tag gelegte) der Bayern-Bosse provinziell und vorhersehbar. Und die Jubelgesten und Post-Match-Auftritte von ‘the Special One’, wie er in England genannt wird, sind allemal unterhaltsamer als die von van-gute-Laune-Gaal. Insofern hat die Saison 2009/10 am Samstag einen würdigen Abschluss gefunden und Real Madrid kann sich für die Zukunft berechtigte Hoffnungen machen, mal wieder über das Achtelfinale der Champions League hinauszukommen. Leider ist der spanische Rekordmeister bei weitem nicht so cool wie sein wahrscheinlicher neuer Trainer.

Zweite Liga – Dortmund ist dabei

(Updated) So langsam bekommt man das Gefühl, die halbe zweite Liga bestünde aus Ex-Dortmundern. Es gibt diejenigen, die sich in unserer ersten Mannschaft nicht durchsetzen konnten und diejenigen, denen die Zweite zu wenig Herausforderung bot. Oder eben beides. Martin Amedick ist gerade mit dem FCK aufgestiegen und wurde in Kaiserslautern soeben zum zweiten Mal zum Spieler des Jahres gewählt. Marc Kruska und Markus Brzenska sind von der BVB-Ersatzbank über Umwege inzwischen nach Cottbus gelangt.

Aus unserer zweiten Mannschaft hat Christopher Nöthe den Sprung zu Greuther Fürth geschafft. Er ist dort Stammspieler und mit 15 Toren absoluter Leistungsträger. Ebenfalls den Weg von der zweiten Mannschaft in die zweite Liga ging Daniel Gordon. Er blieb allerdings im Ruhrgebiet und ist jetzt Stammspieler bei Rot-Weiß Oberhausen.

Es gibt noch weitere ehemalige Schwarz-Gelbe und in der nächsten Saison wird sich das ‘Dortmunder Kontingent’ nochmals erhöhen. Der Wechsel von Torwart Marcel Höttecke zu Union Berlin steht bereits seit einigen Wochen fest. In diesen Tagen wurde außerdem bekannt, dass Rechtsverteidiger Julian Koch für ein Jahr an den MSV Duisburg ausgeliehen wird. Der Wechsel steht natürlich in Zusammenhang mit der Verpflichtung von Lukasz Piszczek. Der 19-jährige Koch hätte in der kommenden Saison wohl keine Chance auf einen Stammplatz beim BVB gehabt und will sich nun am Vorbild Sahin orientieren: Bei einem anderen ambitionierten Verein Spielpraxis sammeln, mit dem festen Vorsatz, sich danach in Dortmund durchzusetzen.

Sebastian Tyrala hat sich dagegen ganz aus Dortmund verabschiedet. Nach dem Abstieg der zweiten Mannschaft aus der Dritten Liga wechselt der seit 1998 für den BVB auflaufende Spieler zum Zweitliga-Aufsteiger VFL Osnabrück.

Was sagt uns diese Häufung von Schwarz-Gelben in der Zweiten Liga? Sie spricht für die gute Jugendarbeit der Borussia, zeigt aber auch, dass es bei uns wie bei anderen Erstligisten schwer ist, sich direkt in die Mannschaft zu spielen. Dass es sich lohnt, weiterhin ein Auge auf die Ex-Borussen zu haben, sieht man am Fall Großkreutz. Und mit einer Ausleihe wie bei Julian Koch kann man ohnehin wenig falsch machen.

UPDATE: Und noch einer. Der „Kicker“ berichtet, dass Ahmed Madouni vom französischen Zweitligisten Clermont Foot zum deutschen Zweitligisten Union Berlin wechselt. Madouni? Ja genau, der ehemalige Innenverteidiger-Kollege von Christoph Metzelder, den Union-Trainer Neuhaus noch aus seiner Zeit als Co-Trainer beim BVB kennt. Lange ist es her.

Piszczek und Langerak wechseln zum BVB

(Updated) Überraschend war höchstens die Reihenfolge. Noch vor dem Abschluss mit Robert Lewandowski hat der BVB heute die Verpflichtung des 24-jährigen polnischen Nationalspielers Lukasz Piszczek vom Absteiger Hertha BSC bestätigt. Piszczek, der ebenso wie Lewandowski mit Kuba befreundet sein soll, unterschreibt einen Vertrag bis 2013. Er ist auf der rechten Seite flexibel einsetzbar, spielte in Berlin oft im Mittelfeld. Bei uns wird er voraussichtlich eher für die Rechtsverteidiger-Position in Frage kommen und Druck auf Patrick Owomoyela ausüben. Eine erste Einschätzung des Transfers habe ich vor zwei Wochen abgegeben.

Der Transfer des jungen Torhüters Mitchell ‘Mitch’ Langerak von Melbourne Victory war bereits seit einigen Tagen finanziell geklärt. Gestern kam er zur medizinischen Untersuchung nach Dortmund und stellte sich unmittelbar vor Beginn des schwarz-gelben Sommerurlaubs noch schnell der Mannschaft und dem Trainerteam vor. Dabei machte er anscheinend einen guten, offenen Eindruck. Heute bestätigte der Verein auch seine Verpflichtung. ‘Mitch’ soll ein etwas ‘spielstärkerer’ Torwarttyp als Weidenfeller sein und könnte somit die ideale Ergänzung darstellen.

UPDATE: Im „Hertha-Blog“ schätzt Enno im Piszczek-Abschiedsbeitrag dessen Qualitäten sehr positiv ein.

Any Given Weekend spielt Rasenschach

Der Rückblick findet auswärts statt: Wie schon vor der Saison habe ich Gses vom „Rasenschach-Magazin“ einige Fragen rund um Borussia Dortmund beantwortet. Im großen „Bloggerblick-Fazit“ kommen bei Rasenschach in diesen Tagen Blogger aller Erstliga-Vereine zu Wort und lassen die Saison Revue passieren. Bisher veröffentlicht: Borussia Mönchengladbach, Hoffenheim, Mainz, HSV, FC Köln, VFB und Schalke.

Rückrundenzeugnisse 09/10

Die BVB-Profis lassen es sich auf Mallorca gut gehen und ich brüte im kühlen Berlin über den Spielernoten für die Rückrunde. Keine einfache Aufgabe, denn die zweite Saisonhälfte verlief ähnlich abwechslungsreich wie die erste. Einem durchwachsenen Rückrundenauftakt folgte eine Serie guter und erfolgreicher Auftritte, bevor die Mannschaft gegen Saisonende zu schwächeln begann. Ich kann mich nur wiederholen – insgesamt war es eine überaus gute Saison für die Borussia. Trotzdem macht die fehlende Konstanz eine Bewertung der Spieler schwer. Die Folge: Gegenüber den Hinrunden-Noten gab es wenig Veränderungen. Die maximale Punktzahl ist 10, bewertet wurden nur Spieler mit ausreichend Einsätzen.

Roman Weidenfeller: Die Nummer 1 stand häufiger im Mittelpunkt als in der Hinrunde und konnte mit einigen spektakulären Paraden (z.B. gegen Leverkusen) den einen oder anderen Punkt retten. Dagegen sind mir keine erwähnenswerten Fehler in Erinnerung. Sicher zeigte sich Roman auch beim Herauslaufen und an der Schnelligkeit seiner Abstöße scheint er ebenfalls gearbeitet zu haben. Noch mal eine leichte Steigerung gegenüber der Hinrunde, daher 8 P.

Neven Subotic: Wenn man sich vor Augen führt, dass Neven erst 21 ist, dann gibt es an seiner Rückrunde wenig zu mäkeln. Mit Übersicht, gutem Timing und zwei Toren überzeugte er in der zweiten Saisonhälfte. Einige Aussetzer bleiben jedoch auch im Gedächtnis – vermutlich weil sie in die Schlussphase der Saison fielen, in der die Defensive leider nicht mehr so sicher war wie zuvor. 7 P.

Mats Hummels: Er hätte es verdient gehabt, mit nach Südafrika zu fahren. Aber genug von diesem Thema. Hummels’ Übersicht, mit der er gefährliche Situationen oft schon im Vorfeld entschärfen kann, steht der von Subotic in nichts nach. Bis zu seinem von Kevin Kuranyi verursachten Kieferbruch spielte Mats eine sehr gute Rückrunde auf seiner bevorzugten Position in der Innenverteidigung. Nach der Rückkehr ins Team zeigte auch er einige Unsicherheiten und beschloss die Saison auf etwas niedrigerem Niveau. Es spricht für ihn, dass er das auch so sieht. 7 P.

Felipe Santana: Stand nur 5x in der Startelf, unter anderem während Hummels’ Verletzungspause. Diese Auftritte meisterte Santana von wenigen Situationen abgesehen souverän, so dass man volles Vertrauen in ihn haben kann. Die Frage wird sein, wie lang sich Felipe mit der Back-Up-Rolle zufrieden geben wird. 6 P. Lies mehr …

Schritt für Schritt

Michael Zorc arbeitet die Transfer-Wunschliste ab – wie am Ende der letzten Saison ruhig, aber zügig. Nun steht die Verpflichtung eines neuen Torwarts unmittelbar bevor. Vorbehaltlich eines bestandenen Medizinchecks wird der 22-jährige Australier Mitchell Langerak von Melbourne Victory zum BVB wechseln und einen Vertrag bis 2014 unterschreiben. Um die Ablösesumme wurde eine Weile gefeilscht – sie soll jetzt bei sicherlich akzeptablen 600.000 Euro liegen.

Die Verpflichtung war nötig geworden, da die bisherige Nummer 2 im Dortmunder Tor, Marc Ziegler, für 300.000 Euro zum VFB Stuttgart wechseln wird. Grund für diesen Wechsel von der Bank auf die Bank soll die schwäbische Herkunft von Zieglers Frau sein. Vorstellbar ist aber auch, dass sich Marc beim VFB größere Chancen auf einen Stammplatz ausrechnet, da die designierte Nummer 1 Sven Ulreich bekanntlich ein junger Torwart mit wenig Bundesliga-Erfahrung ist. Für den BVB war Ziegler jedenfalls ein Glücksfall: Ein Ersatztorwart wie im Bilderbuch, verlässlich und loyal. Als Typen werden wir ihn vermissen.

Auch die Dortmunder Nummer 3 wechselt. Marcel Höttecke, der Stammkeeper der abgestiegenen zweiten Mannschaft war, geht ablösefrei zu Union Berlin und trifft dort auf den ehemaligen BVB-Amateurtrainer Uwe Neuhaus. Somit ist die Verpflichtung eines erstligatauglichen neuen Torwarts unumgänglich. Langerak sollte die Anforderungen locker erfüllen. Mit Melbourne spielte er in der asiatischen Champions League und wurde in dieser Saison national Vizemeister. Laut Michael Zorc verkörpert er „das moderne Torwartspiel“.

Vorerst soll Langerak die Nummer 2 in Dortmund werden, aber natürlich wird er darauf brennen, irgendwann einmal zu spielen. Einen ‘mitspielenden’ Torwart hat der BVB trotz Fortschritten bei Weidenfeller noch nicht und deshalb kann es nicht schaden, ein bisschen Wettkampf zwischen den beiden zuzulassen. Klar wird Roman die Nummer 1 sein, Jürgen Klopp sollte und wird jedoch die Leistungen beider Keeper beobachten. Aber noch ist ja nichts unterschrieben…

Kagawa kommt zum BVB, Lewandowski wartet vor der Tür

Kurz nach Bekanntwerden der Spekulationen haben die beteiligten Vereine bereits Vollzug gemeldet: Sowohl Cerezo Osaka als auch Borussia Dortmund bestätigen den Transfer von Shinji Kagawa für rund 350.000 Euro Ausbildungsentschädigung. Sein Vertrag in Dortmund beginnt am 1. Juli. Wie ich schon gestern anklingen ließ, ist das mMn ein spannender Transfer mit viel Potenzial, der schon jetzt die Vorfreude auf die nächste Saison weckt.

In den Verhandlungen mit Lech Posen um eine Verpflichtung von Robert Lewandowski soll es gestern eine deutliche Annäherung gegeben haben. Angeblich geht es nur noch um die Zahlungsmodalitäten und nicht mehr um die Höhe der Summe. Das wäre ein entscheidender Fortschritt – fix ist die Sache aber noch nicht und man sollte sich nicht zu früh freuen.

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