Nicht ganz wie der Vater

Die wenigsten Fans des englischen Zweitligisten Derby County waren im letzten Jahr so naiv zu glauben, dass mit dem Sohn der Club-Legende Brian Clough auf der Trainerbank plötzlich alles besser würde. Trotzdem ist heute, nach knapp 1 1/2 Jahren unter Nigel Clough, ein nicht unbedeutender Teil der großen Fangemeinde des Clubs enttäuscht vom Wirken des Juniors. In seiner ersten vollen Saison hat dieser mit den ‘Rams’ Platz 14 in der Championship erreicht, die Mannschaft steckte bald zwischen Abstiegskampf und unterem Mittelfeld fest.

Clough Junior’s Dilemma ist, dass sich die Zeiten seit den 1960/70er Jahren geändert haben. Die wenigsten Trainer können sich noch die Sturheit und den schillernden Charakter eines Brian Clough leisten. Ausnahmen sind über Jahre erfolgreiche Ikonen wie Sir Alex Ferguson oder Jose Mourinho. Normalerweise wird mit exzentrischen Charakteren so umgegangen wie mit Heiko Herrlich in Bochum. Und so muss sich auch Nigel Clough den Zwängen des Geschäfts beugen. Der Sohn ist ohnehin ein gemäßigterer Typ als sein Vater, auch wenn er ihm äußerlich stark ähnelt.

Die jüngste Geschichte von Derby County und die Gründe für die derzeitige Situation ähneln den Fakten, mit denen eine Reihe von englischen Proficlubs unterhalb der Premier League zu kämpfen haben. Nach dem Wegbrechen lukrativer TV-Verträge gerieten viele in arge finanzielle Bedrängnis. In den letzten Jahren konnten mehrmals erst Konkursverwalter bedrohte Clubs retten – was Punktabzüge und häufig Abstiege nach sich zog. Noch mehr Vereine wurden, manchmal in letzter Sekunde, von neuen Investoren vor dem Ruin bewahrt.

Bei den Rams war es zunächst eine Gruppe um den Geschäftsmann Jeremy Keith, die den Club rettete. Keith wurde 2009 wegen falscher Buchführung während seiner Zeit bei Derby zu 18 Monaten Haft verurteilt – da war der Club jedoch bereits zweimal weiterverkauft worden. Heute gehört er der internationalen Investorengruppe General Sports and Entertainment (GSE), die ihren Sitz in den USA hat. Als starker Mann vor Ort agiert Tom Glick, der zugleich Präsident und CEO des Clubs ist. Der Vorsitzende, Andrew Appleby, ist ebenfalls Vorsitzender von GSE. Kurz gesagt, wie bei vielen anderen englischen Proficlubs haben in Derby die Investoren das Sagen.

Das muss nicht schlimm sein, solange sie den Club langfristig aufbauen wollen und ihn finanziell vernünftig führen. An beidem gibt es zurzeit kaum Zweifel, den Fans fehlt jedoch die sportliche Ambition. Schließlich spielte Derby noch vor zwei Jahren in der Premier League – allerdings die schlechteste Saison, die jemals ein Verein hingelegt hat. Trotzdem wird von einigen Fans argumentiert, dass ein größerer Teil der damaligen Einnahmen nicht zur Schuldentilgung, sondern zu Investitionen in die Mannschaft verwendet werden sollte.

Es ist das Dilemma so vieler klammer Fußballclubs: der Spagat zwischen Gesund- und Kaputtsparen. Nigel Clough hat sich auf die Vorgaben der Vereinsführung eingelassen und arbeitet mehr und mehr mit jungen Spielern, die wenig kosten. Er nutzt das Mittel der Ausleihe, er lässt in den unteren Ligen scouten und er sucht ablösefreie Spieler. Die Transferaktivitäten nach Saisonschluss sprechen eine deutliche Sprache. Vom Viertligisten Crewe Alexandra hat Derby den 22-jährigen Rechtsverteidiger John Brayford und den 21-jährigen Mittelfeldspieler James Bailey verpflichtet. Brayford spielte bereits beim Fünftligisten Burton Albion unter Clough.

Auf der Suche nach einem Stürmer ist man beim Premier League-Club Wigan Athletic fündig geworden. Der 21-jährige Pole Tomasz Cywka bekam dort nie so richtig eine Chance, weilte vor kurzem als Leihspieler in Derby und hat sich nach Auslaufen seines Vertrags gegen eine Verlängerung in Wigan und für ein festes Engagement bei den Rams entschieden. Co-Trainer Gary Crosby gibt zu, dass Cywka noch kein fertiger Spieler ist, meint aber, dass sich die Verpflichtung trotzdem lohnt:

He is still very young and he has hardly played any games at all, so it is still only potential – but certainly I think everyone can see that there is potential there. So when a player costs nothing and you can see the potential, you give him a chance.

Während Cywka neu kommt, wird gleichzeitig spekuliert und vom Club nicht dementiert, dass der beste Rams-Torschütze der abgelaufenen Saison, Rob Hulse, aus finanziellen Gründen verkauft werden könnte – unter Umständen an den prominenten Aufsteiger Leeds United.

Viele Derby-Fans können die Transferpolitik der ungewissen Möglichkeiten, die sich zwangsläufig mehr an Potenzial und weniger an Erfahrung und Erfolgen orientiert, nachvollziehen. Andere können das nicht und werden argumentieren, dass Clough Senior unter diesen Bedingungen schon längst zur Vereinsführung gerannt wäre und den Job mit viel Getöse hingeschmissen hätte.

(Quelle: Wikipedia)

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