Archiv | Juni 2010

WM Schwarz-Gelb

Zeit für eine Zwischenbilanz. Andere Blogger haben die Fußball-WM in Südafrika viel intensiver schriftlich begleitet als ich, deshalb werde ich mich in diesem Beitrag auf meine ‘Kernkompetenzen’ beschränken und einen Blick auf die bisher gezeigten Leistungen der Dortmunder Nationalspieler werfen. Es waren bekanntlich (nur) drei.

Neven Subotic hat für Serbien nur einmal von Beginn an gespielt: Gegen Deutschland. In dieser Begegnung konnte er überzeugen, ohne besonders spektakuläre Aktionen zu verzeichnen. Gefährliche deutsche Aktionen kamen meist über außen zustande, Subotic spielte in der Innenverteidigung eine sehr solide Partie gegen über lange Zeit nur zehn Deutsche. Im letzten Gruppenspiel vertraute Trainer Antic trotzdem wieder Lukovic, den Subotic nach dessen Platzverweis bereits gegen Ghana in der letzten Viertelstunde ersetzt hatte. Durch das serbische Vorrunden-Aus sind weitere WM-Einsätze erst in vier Jahren möglich. Neven konnte sich aufgrund der beschränkten Einsatzzeit und den Umständen des Spiels gegen Deutschland nicht wirklich in den Vordergrund spielen und dürfte seinen Marktwert in Südafrika nicht wesentlich gesteigert haben. Schade für ihn, gut für den BVB. Trotzdem ist nicht ausgeschlossen, dass sich noch im Sommer Interessenten für ihn melden werden.

Nelson Valdez ist einer der Dortmunder, dem man keine Steine in den Weg legen würde, wie es so schön heißt. Die BVB-Verantwortlichen hätten nichts dagegen, wenn er in Südafrika positiv auf sich aufmerksam macht. Bisher hat Nelson so gespielt wie Nelson Valdez spielt: Engagiert und mit einigen Torschüssen, bei denen er aber glücklos blieb. In allen drei Vorrundenpartien spielte er von Beginn an, wurde jedoch immer nach einer guten Stunde ausgewechselt. Im Achtelfinale war es umgekehrt. Das Spiel gestern gegen Japan war alles andere als ein Fußball-Leckerbissen und vielleicht das schwächste des Achtelfinals. Valdez hatte nach seiner Einwechslung noch die eine oder andere Szene, aber nichts, dass die Scouts großer Vereine hätte aufmerken lassen. Wie alle Paraguayaner wird er froh sein, seinen Elfmeter verwandelt zu haben, der zum ersten Viertelfinal-Einzug bei einer WM beitrug. Auch für Nelson gilt, dass er wahrscheinlich auf den Listen einiger Club-Manager steht, aber seine bisherigen Auftritte in Südafrika die Zahl der Interessenten nicht groß beeinflusst haben dürften. Den ‘großen Sprung’ wird es für ihn nach jetzigem Stand nicht geben.

Lucas Barrios war nach seinen Toren in der WM-Vorbereitung vermutlich der Dortmunder, der in Südafrika am Genauesten beobachtet wurde. Der gebürtige Argentinier spielt bekanntlich für Paraguay und kann natürlich nicht losgelöst von seiner Mannschaft betrachtet werden. In den Spielen, in denen die Rot-Weißen vorsichtig und defensiv agierten – gegen den noch amtierenden Weltmeister Italien und im Achtelfinale gegen Japan – kam Barrios nur schwer zur Geltung, da er vorne häufig auf sich allein gestellt war. Besser lief es im Spiel gegen die Slowakei, in dem Lucas agiler wirkte und eines der schönsten Tore der Vorrunde, durch Vera, vorbereitete. Im folgenden Vorrundenspiel gegen Neuseeland wurde er trotzdem erst nach 66 Minuten eingewechselt. Gegen Japan war er über 120 Minuten dabei, hatte aber nur zwei Chancen.

Letztendlich wird ein anerkannter Torjäger an Toren gemessen und die sind Lucas bisher noch nicht gelungen. Ein Scorerpunkt in vier Spielen liest sich auch nicht beeindruckend. Wir Schwarz-Gelbe wissen natürlich, zu was er mit der richtigen Taktik und in der richtigen Form in der Lage ist. Im Viertelfinale trifft Paraguay auf Spanien. Sollte Lucas in diesem Topspiel ein schönes Tor gelingen, könnte das die Aufmerksamkeit erregen, die er bisher noch nicht haben dürfte. Trotz allen Implikationen hätte ich nichts dagegen, wenn Lucas und Nelson mit Paraguay eine Überraschung gegen Spanien gelingt – obwohl einem das nach gestern wenig wahrscheinlich vorkommt.

It’s official: Deutschland v England und Italien ist draußen

Die WM gewinnt an Fahrt und beschert uns am Sonntag das Achtelfinale, auf das nicht nur die Boulevardpresse insgeheim spekuliert hatte. Deutschland gegen England wird ein Knaller, egal wie es ausgeht, ein Spiel, das für Gesprächsstoff sorgen wird. Es ist ungewiss, ob es ein qualitativ gutes Spiel wird, aber ich denke, Einsatz und Spannung werden stimmen. ;-)

Weder die drei Löwen noch die Löwschen Jungs haben bisher konstante Leistungen gezeigt. Bei den Engländern war in der Partie gegen Slowenien ein Aufwärtstrend zu erkennen, allerdings war die Chancenverwertung noch alles andere als kaltblütig. Das deutsche Team wirkte gegen Ghana wenig kreativ und kam nur durch die Einzelaktion von Mesut Özil zum knappen Sieg, der auch den Gruppensieg bedeutete. Ausgerechnet Mesut Özil, dem ich noch 20 Minuten vor seinem Tor prophezeiht hatte, niemals ein WM-Tor zu schießen.

Für mich ist das Spiel am Sonntag völlig offen. Es ist einfach zu sagen, aber in diesem Fall wird wirklich die Tagesform der Mannschaften entscheiden. Aufgrund der bisher gezeigten Leistungen einen Favoriten auszurufen, halte ich für äußerst gewagt. Um so spannender dürfte die Partie werden. Dass sie überhaupt zustande kam, ist den US-Amerikanern zu verdanken, die in der Nachspielzeit gegen Algerien das Weiterkommen und den Gruppensieg schafften – durch Landon Donovan, für den das Tor eines seiner größten Karriere-Highlights gewesen sein dürfte. Die USA stehen natürlich vollkommen zu Recht im Achtelfinale, nachdem ihnen gegen Ghana noch das Siegtor geklaut worden war.

Zu einer spannenden Weltmeisterschaft gehören Überraschungen und der heutige Tag hatte die bisher größte zu bieten. Das Ausscheiden der Franzosen hatten Fußballinteressierte angesichts des desolaten Zustands der Mannschaft vermutlich nicht ausgeschlossen. Dass aber Weltmeister Italien sich in einer leichten Gruppe mit den Gegnern Neuseeland, Slowakei und Paraguay nicht durchsetzen würde, hat wohl kaum jemand vorhergesehen. Ausgerechnet die Slowaken schickten die Italiener nach Hause – mit einer gewaltigen Leistungssteigerung, die ebenfalls niemand vorhergesagt haben dürfte. Robert Vittek, der ehemalige Nürnberger, der inzwischen in der Türkei bei Ankaragücü spielt, bereitete mit zwei Toren den Weg für die Sensation. Und in den letzten 20 Minuten war es ein Spiel, wie man sich das bei einer WM vorstellt: Packend und spannend bis zuletzt, mit Toren und strittigen Szenen gespickt. Geht doch!

Das Ausscheiden eines weiteren europäischen Spitzenteams scheint das Südamerika-Comeback bei dieser WM zu bestätigen. Auch Paraguay mit Lucas Barrios und Nelson Valdez ist weiter, heute gab es allerdings nur ein 0:0 gegen Neuseeland. Der Gegner im Achtelfinale wird voraussichtlich der Sieger des heutigen Abendspiels Japan v Dänemark sein – hört sich nach einer lösbaren Aufgabe für die ‘Dortmunder Jungs’ an.

Die Halbwertszeit ist vorbei

Vieles, was in der ersten WM-Woche geschrieben wurde, beginnt sich bereits zu relativieren. Fußball ist bekanntlich ungemein schnelllebig – zu schnelllebig für den einen oder anderen. Die Spiele in Südafrika sind besser oder zumindest spannender geworden – eine Steigerung, die aufgrund des sich erhöhenden Drucks zu erwarten war. Die deutsche Mannschaft, nach dem 4:0-Sieg gegen Australien schnell zum Mitfavoriten erklärt, wurde von Serbien gebremst und könnte im letzten Gruppenspiel gegen Ghana zum Siegen verdammt sein. Die Gelb-Rote Karte gegen Miroslav Klose war so unberechtigt wie die Rote gegen Tim Cahill letzten Sonntag. Joachim Löw wirkte heute mit seinen fragwürdigen Wechseln sehr irdisch und fehlbar. Und es zeigte sich, dass es nicht ausreicht, ein Bayern-Trikot zu tragen, um ein fähiger Nationalspieler zu sein. Bei Serbien kam unterdessen der Dortmunder Neven Subotic über 90 Minuten zum Einsatz und wirkte präsent und souverän.

Wenn sich überhaupt ein Trend aus den bisherigen Partien herauslesen lässt, dann der, dass es das Turnier der Südamerikaner werden könnte. Alle fünf Vertreter haben gute Chancen, sich fürs Achtelfinale zu qualifizieren – Stand heute. Alle fünf Mannschaften haben passablen bis guten Fußball gezeigt. Argentinien und ja, auch Brasilien, könnten die südamerikanische Nullrunde, die das WM-Halbfinale in Deutschland darstellte, vergessen machen. Mal sehen, ob diese Vorhersage die drei restlichen Turnierwochen übersteht.

WM-Parallelen

Das erste verlängerte WM-Wochenende ist vorbei und ich werde nichts über Vuvuzelas schreiben. Mir sind vielmehr einige Parallelen zum letzten Turnier in Deutschland aufgefallen. Damals wurde genauso wie in den letzten Wochen über den offiziellen WM-Ball gemeckert. Bei den ersten Spielen in Südafrika war dieser wirklich nicht der Freund der Torhüter. Aber haben Englands Robert Green und Algeriens Chaouchi harmlose Schüsse durchrutschen lassen, weil der Ball irgendwie komisch geflogen ist? Mit dem bloßen Auge und vor dem Fernseher lässt sich das leider nicht erkennen. Da müssen wir wohl noch etwas abwarten, ob es zu einer Häufung von Torwartpatzern kommt.

Das Niveau in den ersten WM-Spielen war überschaubar, ähnlich wie in Deutschland. Allgemeine defensive Stabilität und lahmendes Flügelspiel scheinen die Hauptgründe zu sein. Die Defensiven fast aller bisher zu sehenden Teilnehmer sind taktisch ordentlich geschult und verschieben gut. Wie 2006 war es die deutsche Mannschaft, die in ihrem ersten Spiel am besten zu gefallen wusste und dazu noch defensivstärker als vor vier Jahren auftrat. Eine recht souveräne Vorstellung lieferten noch die Argentinier ab und gespannt sein darf man auf die nächsten Partien der Südkoreaner. Die zeigten gegen schwache Griechen technisch ansprechenden Fußball, auch wenn nicht alles funktionierte. Für das Achtelfinale könnte das reichen.

Heute Abend haben Lucas Barrios und eventuell Nelson Valdez mit Paraguay ihren ersten Auftritt – gegen den amtierenden Weltmeister. Mehr dazu morgen an dieser Stelle.

Er ist da!

Robert Lewandowski wechselt von Lech Posen zum BVB. Wirklich jetzt. Der 21-jährige polnische Nationalspieler und aktuelle Torschützenkönig unterschreibt einen Vier-Jahres-Vertrag. Die Ablösesumme soll weiterhin 4,5 Millionen Euro betragen, aber genaues weiß man nicht. Wie das gordische Klausel-Geflecht letztendlich entwirrt wurde, ist noch nicht bekannt und wird es vielleicht nie werden. Gut möglich, dass Lewandowski und sein Berater auf einen Teil der ihnen zustehenden Summe verzichteten; der BVB soll nach Kicker-Informationen nichts mehr draufgelegt haben. Allerdings werden bei einem Erreichen der Gruppenphase der Europa League 250.000 Euro Nachschlag fällig.

Allen Fans der Schwarz-Gelben wird es erst mal egal sein, denn wir kriegen einen offensichtlich richtig starken Stürmer. Nun kann man sich angesichts der bisher substanzlosen Gerüchte um das internationale Interesse an Lucas Barrios entspannen und die WM verfolgen. Ob der Verhandlungsmarathon um Lewandowski wirklich schon Michael Zorcs Schlussakt im sommerlichen Transfertheater darstellt, wird sich erst nach Ende des Turniers in Südafrika zeigen.

Der vierte Mann

Uwe Hünemeier hatte in der vergangenen Saison bei Borussia Dortmund zwei Positionen inne: Er war Kapitän der in der Dritten Liga spielenden zweiten Mannschaft und vierter Innenverteidiger des Bundesliga-Teams. Mit beiden Jobs dürfte er in den letzten Monaten nicht ganz glücklich gewesen sein. Der BVB II ist trotz einiger Hoffnung weckender Phasen letztendlich klar (mit sieben Punkten Rückstand) abgestiegen. Ein Grund dafür war, dass immer wieder Stammspieler für die Bank von Jürgen Klopp abgestellt werden mussten.

Zu diesen Spielern gehörte Hünemeier nur gelegentlich. Der Grund: Glücklicherweise waren unsere drei anderen Innenverteidiger über weite Strecken der Saison einsatzbereit. So kam Hünemeier nur zu einem Kurzeinsatz gegen Leverkusen – zu der Zeit, als Mats Hummels verletzt war. Man kann nachvollziehen, dass der inzwischen 24-jährige jetzt eine neue Herausforderung sucht. An den in der Rangordnung vor ihm stehenden Kollegen Subotic, Hummels und Santana führt kein Weg vorbei. Sollte einer von ihnen den Verein verlassen, würden Jürgen Klopp und Michael Zorc mit größter Wahrscheinlichkeit einen Ersatzmann verpflichten. In der Regionalliga West für die zweite Mannschaft aufzulaufen, kann realistisch gesehen für einen ambitionierten Spieler in Hünemeiers Alter keine Alternative sein. Zumal der BVB II aufgrund vieler weiterer Abgänge einen Neuaufbau mit jungen Spielern starten muss und in der kommenden Saison keinesfalls für den direkten Wiederaufstieg in Frage kommt.

Heute wurde bestätigt, was schon seit einigen Wochen im Gespräch war: Uwe Hünemeier wechselt zu Energie Cottbus und trifft dort auf die alten Vereinskollegen Markus Brzenska und Marc Kruska. Über die Ablösesumme wurde nichts vermeldet, sie soll aber im niedrigen sechsstelligen Bereich liegen. Ein weiterer Dortmunder in der zweiten Liga also – viel Glück in Cottbus, Uwe, und bitte aufsteigen, damit wir wieder ein Spiel in der Region haben! Die Position des vierten Innenverteidigers beim BVB soll indes intern besetzt werden – möglicherweise durch den 19-jährigen Lasse Sobiech, der bei Bedarf aus der Zweiten aufrücken könnte.

Felix Nimmersatt

In welchen Sphären schwebt eigentlich inzwischen Felix Magath? Selbst den Fans des traditionsreichen Vizemeisters Schalke 04 dürfte beim Lesen der neuesten Äußerungen des nur beinahe Allmächtigen die Luft weggeblieben sein. Magath fordert im Interview mit dem „Kicker“ 30.000.000 Euro für Verstärkungen, um auf dem momentanen Erfolgsweg zu bleiben. Man erinnere sich: Vor einem Monat haben wir erfahren, dass die Gelsenkirchener je nach Lesart eine Schuldenlast von 135 oder gar 249 Millionen Euro drückt!

Wenn man diese Forderungen liest, können sich die Schalke-Mitglieder glücklich schätzen, dass sie auf ihrer Versammlung im Mai Magath weitgehende Handlungsfreiheit in Transferfragen (im Rahmen eines Gesamtbudgets) verweigert haben. Verpflichtungen, die mehr als 300.000 Euro kosten, müssen auch zukünftig vom Aufsichtsrat abgesegnet werden. Genau das geht dem Trainer / Manager / Vorstandsmitglied Magath gehörig gegen den Strich:

Mit Clemens Tönnies war klar besprochen, dass ich bei Transfers freie Hand habe. Das war für mich eine wesentliche Voraussetzung meiner Arbeit auf Schalke. Für mich besteht jetzt die Ungewissheit, ob ich meine Arbeit so weitermachen kann wie bisher.

Nicht so klar besprochen wurde offensichtlich die finanzielle Situation bei den Blauen – trotzdem muss sie Magath in ihren Grundzügen bekannt gewesen sein.

Magath stellt Alleinherrscher-Ansprüche, will die Champions League-Millionen vollständig in den Kader investieren und am liebsten keine Leistungsträger abgeben. Zwar steht in Gelsenkirchen eine hochdotierte Verlängerung des Sponsorenvertrags mit Gazprom im Raum, aber selbst bei einem Zustandekommen würden die Magathschen Vorstellungen den Club unter enormen Erfolgsdruck setzen. Das Problem dieses Erfolgstrainers ist, dass er Stagnation nicht ertragen kann und sie als Rückschritt empfindet, obwohl sie zur finanziellen Gesundung des Vereins beitragen könnte. Magath kann mit Vokabeln wie „Konsolidierung“ nichts anfangen, sein Weg muss stets nach oben führen, sonst verliert er die Lust – wie in Stuttgart, wie in Wolfsburg. Der Ansatz ähnelt dem des letzten BVB-Präsidenten, der ebenfalls viel für seinen Verein geleistet hat, bevor er ihn beinahe ins Verderben führte.

DFB-Pokal: Dortmund muss nach Oberbayern

Direkt an der österreichischen Grenze liegt dieses Burghausen, wo der BVB Mitte August zur ersten Runde im DFB-Pokal antreten muss. Dort steht laut Wikipedia die längste Burganlage Europas oder sogar der Welt. Der örtliche Dritt- und ehemalige Zweitligist dürfte den Fußballfans im Rest von Deutschland geläufiger sein als der Ort selber.

In der abgelaufenen Drittliga-Saison belegte Wacker Burghausen den enttäuschenden 17. Platz, direkt vor der abgestiegenen zweiten Mannschaft des BVB, allerdings mit sieben Punkten mehr auf dem Konto. Unsere Zweite trat dementsprechend zweimal gegen Wacker an. Auswärts gab es eine unglückliche 3:4-Niederlage, im Stadion Rote Erde dann einen klaren 3:0-Erfolg dank eines Hattricks von Daniel Ginczek. Allzu viel Angst muss man also nicht haben vor diesem Drittligisten, der natürlich wie jeder Verein versuchen wird, sich zu verstärken. Bisher sind unter anderem Darlington Omodiagbe und Sören Halfar verpflichtet worden. Omodiagbe ist ein echter Zweitliga-Wandervogel, der es in der abgelaufenen Saison geschafft hat, zum vierten Mal in Folge aus der Liga abzusteigen (diesmal mit RW Ahlen). Linksverteidiger Sören Halfar dürfte einigen noch aus seiner Zeit bei Hannover 96 bekannt sein.Trainer Jürgen Press darf trotz des schlechten Abschneidens in der Liga bei den Oberbayern weitermachen.

Die Pokalhistorie des BVB ist bekanntlich durchzogen von Pleiten gegen unterklassige Teams – im letzten Jahr kam das Aus gegen den späteren Drittliga-Meister Osnabrück. Gerade am Anfang der Saison sind Gegner aus anderen Ligen schwer einzuschätzen, so wie auch die Spielstärke der eigenen Mannschaft. Deshalb muss Jürgen Klopp die Schwarz-Gelben auf den Punkt hin vorbereiten und höchste Konzentration anmahnen. Gedanken an den Ligaauftakt oder die Europa League dürfen an jenem Wochenende im August noch keine Rolle spielen, sonst wird man selbst in Burghausen Teil der nächsten Pokalsensation.

Echte Topspiele hat die erste Pokalrunde (wie meistens) nicht zu bieten. Am interessantesten schauen die Partien RW Ahlen v Werder Bremen und Hansa Rostock v TSG Hoffenheim aus. Die Bayern müssen nach Windeck, der FC Schalke zum Drittliga-Aufsteiger VFR Aalen. Es war übrigens keine schlechte Idee, die Pokal-Auslosung noch vor der WM anzusetzen und so neben dem WM-Fieber auch gleich die Vorfreude auf die nächste Saison anzufachen – bei mir hat es funktioniert.

Neues von Lewandowski

Es gibt einen neuen Nachrichten-Krümel zum Wechsel von Robert Lewandowski nach Dortmund. Angesichts der Tatsache, dass sich das Interesse der überregionalen Medien zurzeit auf andere Themen konzentriert und diese Verpflichtung nach Aussage von Hans-Joachim Watzke bereits die letzte sein könnte, die der BVB tätigt, hat die Info mMn genügend ‘news value’ für einen kurzen Beitrag.

Die „Westfälische Rundschau“ hat vorgestern mit Lewandowski-Berater Kucharski gesprochen und nach dem Stand der Dinge gefragt. Kucharski spricht von Einigkeit zwischen allen Beteiligten und dass man darauf warte, dass Lech Posen den (wie auch immer) überarbeiteten Vertragsentwurf nach Dortmund schicke. Das hört sich gut an und es liegt sicher nur am gestrigen katholischen Feiertag, dass das Papier nicht schon unterwegs ist. Oder? Es wird sich doch wohl nicht um eine Ausrede gegenüber der Presse handeln, mit der man die Verantwortung den anderen zuschiebt? Ich bin lieber Optimist und hoffe, dass sich eine der schwierigeren Transfer-Pokerrunden, die Michael Zorc zu bestehen hatte, endlich dem Ende zuneigt. Und an diesem Ende eine Unterschrift steht.

Any Given Weekend empfiehlt Paraguay

Es soll nicht der Eindruck entstehen, ich freue mich nicht auf die WM. Nein, inzwischen kribbelt es schon. Ich freue mich auf hoffentlich schöne und spannende internationale Spiele mit bekannten und unbekannten Spielern, die man nicht jeden Tag zu sehen bekommt. Da ich ein FußballFAN bin, werde ich auch nicht neutral sein können. Fansein, Partei ergreifen, gehört für mich zum Fußball dazu und deshalb werde ich bei den meisten Partien meinen Favoriten haben.

Wer hier öfter liest, den wird es nicht überraschen, dass ich Sympathien für Paraguay hege. Zwei der drei Dortmunder Nationalspieler, Lucas Barrios und Nelson Valdez, spielen für das in Zentral-Südamerika zwischen Brasilien und Argentinien gelegene Land. Im Fußball stand Paraguay stets im Schatten der beiden Nachbarn. Allerdings belegte das Team in der beendeten WM-Qualifikation mit nur einem Punkt Rückstand auf den Gewinner Brasilien Platz 3. In Südafrika wartet eine absolut lösbare Vorrundengruppe: Die Gegner heißen Italien, Neuseeland und Slowakei.

Ich drücke Lucas und Nelson die Daumen für eine erfolgreiche WM. Gleichzeitig bin ich mir bewusst, dass das größte Fußballturnier auch das größtmögliche Schaufenster darstellt. Lucas Barrios hat schon in den Testspielen für sein neu adoptiertes Land überzeugt und getroffen. In der Bundesliga ist er drittbester Torschütze geworden. Sollte sich seine Erfolgswelle in Südafrika unvermindert fortsetzen, dürfte er unweigerlich auf dem Zettel vieler Scouts großer Vereine landen. Natürlich würde sich auch Lucas’ Marktwert weiter erhöhen. Für den BVB wären das zwiespältige Aussichten, aber zumindest finanziell können wir nur gewinnen – wenn Barrios gesund zurückkommt.

Nelson Valdez werden die BVB-Fans mit zwei lachenden Augen ein gutes Turnier wünschen. Man muss ihn einfach mögen, auch wenn er alles in allem während seiner Dortmunder Zeit hinter den Erwartungen zurückgeblieben ist. Klar ist da Eigennutz dabei; klar ist zu hoffen, dass er in positiver Weise Aufmerksamkeit erregt. Jürgen Klopp plant bekanntlich ohne Valdez und der Verein sollte noch Einnahmen erzielen und Ausgaben sparen, um etwa den weiterhin ungewissen Transfer von Robert Lewandowski gegenfinanzieren zu können. Trotzdem gönne ich den beiden Dortmundern und ihrer Mannschaft den Erfolg auch einfach so.

Und Deutschland? Ich werde wohl erst beim Anpfiff der ersten Partie wirklich wissen, wie ich mich zu dieser Mannschaft verhalte. Besonders groß wird mein Enthusiasmus vermutlich nicht sein. Gespannt bin ich besonders auf meine Gefühle bei einem möglichen Achtelfinale gegen England.

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