Archiv | Juli 2010

Pomp Coal and Circumstance

Die „FR“ zur Raul-Show bei Schalke 04 am Mittwoch:

Ein neuer Spieler wurde inthronisiert mit einem Pomp, dass man gern die Moderation des ARD-Adelsexperten Rolf Seelmann-Eggebert dazu gehört hätte. [...] Und bevor er sein erstes Wort gesagt hatte, hielt er schon in der Hand, an was alle denken, wenn sie Schalke 04 hören: Kohle.


Erste Tore und neue Verletzte

Beim drittletzten Testspiel vor dem Saisonstart lieferte Borussia Dortmund gestern gegen die anderen Schwarz-Gelben in Dresden anscheinend eine ansprechende Leistung ab und gewann mit 2:1 gegen den Drittligisten. Dabei kam es zu zwei Torpremieren: Lucas Barrios erzielte in seinem ersten Spiel nach dem Urlaub mit seinem ersten von hoffentlich vielen Saisontoren den Siegtreffer. Zuvor hatte bereits Shinji Kagawa mit seinem ersten Tor für den BVB überhaupt die Führung erzielt – per Kopf. Der Japaner wurde gestern von Jürgen Klopp im zentralen offensiven Mittelfeld eingesetzt, in der zweiten Hälfte übernahm Hajnal seine Position.

Kagawa wird nach jetzigem Stand zum Saisonauftakt eine echte Option für verschiedene Positionen sein. Schwieriger dürfte das nun für Lukasz Piszczek werden, der sich wie Dede einen Muskelfaserriss zugezogen hat und etwa zehn Tage ausfallen wird. Zumindest für die ersten ein, zwei Spiele sollte Patrick Owomoyela damit rechts hinten gesetzt sein. Ob der Ausfall Piszczeks auch das Testspiel-Highlight gegen Manchester City am Mittwoch beeinträchtigen wird, ist fraglich. Lukas wäre eine Alternative für die momentan verwaiste Linksverteidiger-Position gewesen – allerdings könnte Marcel Schmelzer bei normalem Heilungsverlauf bis dahin wieder fit sein. Wegen leichteren Verletzungen werden in den nächsten Tagen auch Mitchell Langerak und Felipe Santana mit dem Training pausieren müssen.

Interessant ist, wer gestern gar nicht in Dresden dabei war. Sebastian Kehl wird weiter geschont, hat Rückenschmerzen. Nelson Valdez durfte nicht mitfahren, weil er Jürgen Klopp nicht fit genug war. In seinem Fall spricht trotz seiner widersprüchlichen Äußerungen alles dafür, dass er den Verein noch verlassen wird. Zunächst mal steht jedoch für Valdez und auch Lucas Barrios ein Laktattest an.

Freie Außenbahn für Schmelzer

Vielleicht war es das schon mit der Rückkehr in die Startelf. Zu einem denkbar ungünstigen Zeitpunkt hat sich Dede einen Muskelfaserriss zugezogen und wird ca. zwei Wochen ausfallen. In gut zwei Wochen findet das erste Pflichtspiel des BVB statt – Pokal in Burghausen. Dede hatte allen Berichten zufolge bisher einen guten und überaus engagierten Eindruck in der Vorbereitung gemacht und stand im Wettkampf um die Position links hinten nur knapp hinter Marcel Schmelzer. Der hat sich zwar zumindest für das morgige Testspiel in Dresden ebenfalls verletzt abgemeldet, ist aber mit einer Oberschenkelzerrung glimpflicher davongekommen: Doc Braun prophezeit nur fünf Tage Pause.

So wird Jürgen Klopp die Entscheidung abgenommen. Marcel Schmelzer hatte aufgrund seiner sehr ordentlichen letzten Saison ohnehin Vorteile und dürfte nun für die ersten Wochen der neuen Spielzeit gesetzt sein. Ob Dede diesen Rückstand noch mal aufholen kann, ist fraglich. Die größte Hoffnung für ihn wäre eine Verletzung des Konkurrenten – Dede wäre selbstverständlich einer der Letzten, der so etwas hoffen würde. Seine Situation ist wie sie ist; viele Fans, mich eingeschlossen, werden aber hoffen, dass er irgendwie hin und wieder ein paar Spiele machen kann.

Knietief in der Geschichte

Wenn am 7. August die neue Saison der Championship, der zweiten englischen Liga, beginnt, wird eine Partie für besonderes Interesse sorgen. Dabei handelt es sich nicht um die Begegnung eines Premier League-Absteigers oder um ein echtes Derby. Vielmehr ist es mutmaßlich einem ehemaligen Trainer beider Clubs geschuldet, dass das Spiel für eine Live-Übertragung im Fernsehen ausgewählt wurde.

Die Geschichte von Brian Clough kennen inzwischen auch immer mehr Fußballfans hierzulande. Seine kurze, von heftigen Auseinandersetzungen geprägte und erfolglose Zeit bei Leeds United war Gegenstand des Films The Damned United, der auf einer dramatisierten Schilderung der Ereignisse in dem gleichnamigen Buch von David Peace beruht. Sehr erfolgreich war dagegen Cloughs sechsjährige Ära bei Derby County. Er führte den Club aus der zweiten Liga zum englischen Meistertitel – der Abgang aus Derby gestaltete sich jedoch ebenfalls nicht reibungslos. Bei den Fans der „Rams“ ist Clough eine Legende, wogegen ihn die Leeds-Anhänger in weniger guter Erinnerung haben.

Aus diesen unterschiedlichen Auffassungen hat sich eine Rivalität entwickelt, die zwar lange nicht so groß ist wie die zwischen den ‘Nachbarn’ Derby und Nottingham, die aber ausreicht, um die Partie zu einem der Topspiele der Saison zu machen. Und das obwohl Derby in der vergangenen Saison nur den 14. Platz belegte und Leeds nach dem tiefen Fall gerade wieder aus der League One aufgestiegen ist. Zur Entscheidung der BBC, die Begegnung Leeds v Derby am ersten Spieltag live zu übertragen, dürfte auch die Person des aktuellen Gästetrainers beigetragen haben. Es ist Nigel Clough, der Sohn von Brian, der am 7. August in seine zweite vollständige Saison bei den Rams startet. Für Nigel selber wird die Vergangenheit dann eine eher periphere Rolle spielen – aus dem ‘kollektiven Gedächtnis’ (wenn man an so etwas glaubt) wird sie jedoch nicht ganz zu verdrängen sein.

Für manch neutralen Beobachter ist United in zwei Wochen an der Elland Road Favorit. Das Stadion wird voll und die Vorfreude auf die zweite Liga groß sein. Die Rückkehr in die Premier League ist mittelfristig fest eingeplant, auch wenn das erste Ziel heißen muss, die Klasse zu halten. Die hohe Erwartungshaltung rund um Leeds könnte die Chance für Derby sein, denen ich zuneige. Die Rams haben für meine Begriffe einen sehr ordentlichen Championship-Kader, der allerdings in der letzten Saison arg vom Verletzungspech gebeutelt wurde.

In der aktuellen Saisonvorbereitung trifft dies zumindest auf die Abwehr erneut zu. Da die eigentlichen Spezialisten Shaun Barker, Jake Buxton und Dean Leacock kurz- bis mittelfristig ausfallen und Miles Addison sogar noch bis in den Herbst pausieren muss, standen beim Testspiel in Bournemouth Außenverteidiger Moxey und Stürmer Hulse in der Innenverteidigung. Rob Hulse, in der letzten Spielzeit Top-Torjäger der Rams, wurde diese Ehre gestern beim Viertligisten Chesterfield erneut zuteil. Das Endergebnis war ein für die Zuschauer sicher unterhaltsames 5:4 für Derby. Allerdings ist absehbar, dass sich Nigel Cloughs größte Defensivsorgen bis in zwei Wochen verflüchtigt haben könnten und eine motivierte, fitte Mannschaft an der Elland Road auflaufen wird. Die Saisonvorbereitung soll jedenfalls richtig hart gewesen sein – ähnlich wie beim BVB.

Ein Elfmeter zum Geburtstag

Der Umweg nach München brachte dem BVB heute auf der Rückreise vom Trainingslager ein 1:1 gegen den TSV 1860 ein. Das Spiel im Stadion an der Grünwalder Straße war gleichzeitig Jubiläumsspiel und Teil des Rukavina-Bender-Tauschgeschäfts. Nicht lumpen ließ sich dabei der Schiedsrichter, der den Gastgebern in der 70. Minute einen Elfmeter zum Geburtstag spendierte – nach einer völlig harmlosen Aktion von Owomoyela gegen Nsereko.

Zuvor hatte es eine höhepunktarme erste Halbzeit gegeben, in der der BVB klar das spielbestimmende Team war und einige gefällige Kombinationen zeigte, aber kaum einmal den letzten Pass zum Ziel brachte, so dass es auch kaum Chancen zum Abschluss gab. Die zweite Hälfte war deutlich lebhafter von beiden Seiten, die Schwarz-Gelben hatten durch Hummels und Lewandowski Möglichkeiten, aber letztlich war es der Löwe Ludwig, dem vom Punkt das erste Tor der Begegnung gelang. Gut fünf Minuten später konnte ausgerechnet da Silva, der sich weiterhin beim BVB fit hält, nach einem Eckball ausgleichen.

Das 1:1 ging während der Übertragung auf „abendzeitung.de“ etwas unter, da parallel ein Interview mit irgendeinem Ex-Löwen lief, dessen Namen ich mir nicht gemerkt habe. Zur ersten Live-Übertragung eines Fußballspiels auf dieser Seite bleibt ansonsten zu sagen: Sehr ordentliche Bildqualität, verbesserungswürdige Bildregie. Bei letzterer ist man von den Bundesliga-Übertragungen Besseres gewohnt. Das ist nicht verwunderlich, der Aufwand bei der Produktion der Liga-Bilder ist schließlich deutlich höher. Trotzdem wirkten die Perspektivwechsel und die Schwenks ins Publikum öfter irritierend.

Nach dem Ausgleich zeigte der BVB noch eine richtig ansehnliche Schluss-Viertelstunde und hätte das Siegtor verdient gehabt. Nachwuchshoffnung Mario Götze etwa machte bei seinem Schuss alles richtig, der eingewechselte Torwart Tschauner konnte jedoch parieren. Auch Jürgen Klopp hatte in der zweiten Hälfte weitgehend durchgewechselt, so dass fast alle Startelf-Kandidaten bis auf Lucas Barrios, den verletzten Zidan und den geschonten Kehl zu sehen waren.

Nach jedem Testspiel, insbesondere denen, die man live sehen kann, bleibt die Frage nach den zu gewinnenden Erkenntnissen. Die Systemfrage – 4-4-2 oder 4-2-3-1 – hält Jürgen Klopp für nicht entscheidend, da bei der von uns praktizierten Spielweise die Unterschiede klein seien. Wie schon im letzten Beitrag erwähnt wirft aber die Besetzung der Offensivreihe hinter dem zentralen Stürmer die größten Fragen auf. Lewandowski machte seine Sache auf der offensiv ausgerichteten 10er-Position in der zweiten Hälfte ordentlich – ob das die Ideallösung ist, werden hoffentlich die verbleibenden Trainings- und Testspielwochen zeigen. Ich bin da noch unschlüssig. Ab der 64. Minute, nach dem Massenwechsel, rückte er in die Spitze.

Kagawa und Großkreutz scheinen für mich momentan einen kleinen Vorsprung auf den Außenbahnen zu haben, der aber nicht so groß ist, als dass beispielsweise Kuba nicht mehr rankommen könnte. Kagawa wirkt wendig und kreativ, könnte sich aber bei der Quote erfolgreicher Pässe noch verbessern. Großkreutz überzeugt wie letzte Saison durch Einsatz und Bissigkeit. Tamas Hajnal machte in den gut 25 Minuten, die er bekam, einen guten Eindruck. Er könnte aber durch Mario Götze noch weitere Konkurrenz bekommen – der durfte eine ganze Halbzeit spielen und überzeugte ebenfalls.

Im Moment hat Jürgen Klopp viele Optionen – eigentlich zu viele, wenn man an Mannschaftsgefüge und Gehaltsbudget denkt. Im verlinkten Interview spricht der Trainer deutlich aus, dass der ein oder andere Spieler noch gehen könnte. Wenn es um mögliche Wechsel geht, ist zunächst stets die Rede von Nelson Valdez. Gerüchten zufolge sollen sich Verantwortliche des spanischen Erstligaaufsteigers FC Hercules aus Alicante mit BVB-Verantwortlichen zu Verhandlungen treffen oder schon getroffen haben – warten wir es ab.

Beengte Pässe

Der BVB hat gestern den ersten ‘Punktverlust’ der Saisonvorbereitung hinnehmen müssen. Gegen den türkischen Überraschungs-Meister Bursaspor gab es im österreichischen Stegersbach ein 1:1-Unentschieden. Das Spiel wurde vom türkischen Fernsehen übertragen und war somit auf die ein oder andere Weise auch für BVB-Fans zu sehen. Ich konnte mir nur wenige Minuten der zweiten Hälfte anschauen und sah Schwarz-Gelbe, die sich bemühten, aber nur bei Standardsituationen gefährlich wurden. Folgerichtig fiel der Ausgleich durch einen direkten Freistoß von Marcel Schmelzer – bisher war nicht bekannt, dass Standards zu den Stärken des jungen Linksverteidigers zählen.

Was mir auffiel: Aus allen Kameraperspektiven sah der Platz in Stegersbach sehr klein aus, sowohl in der Länge als auch in der Breite. Pässe auf die Flügel wurden so häufig zu scharf gespielt und rollten ins Aus, in der Spitze waren zudem die Räume eng und die Offensiven hatten es schwer. Falsche Platzwahl oder doch optische Täuschung durch die Kamerapositionen? Ich tendiere zu ersterem.

Außer solchen Details gibt es wenig Neues aus der Dortmunder Saisonvorbereitung zu berichten. Noch ist nichts von konkreten Angeboten für Nelson Valdez zu hören – Spekulationen über ein Interesse an Lucas Barrios können erst mal in der Gerüchteküche bleiben. Eine der spannendsten Fragen im Hinblick auf die Aufstellung wird sein, für wen sich Jürgen Klopp im offensiven Mittelfeld, speziell auf der 10er-Position, entscheidet. Mohamed Zidan wird noch ein paar Monate ausfallen. Robert Lewandowski hat sich auf jener Position nur im Spiel gegen Lotte bewährt, die Sturmspitze scheint ihm besser zu liegen. Shinji Kagawa zeigt bereits gute Ansätze, aber ob er schon bereit für Bundesliga und Europa League ist, wird man frühestens am Ende der Vorbereitung abschätzen können. Tamas Hajnal hatte seinen Platz an Zidan verloren und möchte ihn zurückhaben. Ich war immer der Überzeugung, dass er alle nötigen Fähigkeiten hat, aber er wird in den verbleibenden Testspielen auf sich aufmerksam machen müssen.

Die nächste Gelegenheit dazu gibt es am Samstag. Auf der Rückreise aus Österreich machen die Schwarz-Gelben in München Halt und spielen um 15:30 Uhr zum Vereinsjubiläum gegen den TSV 1860. Von diesem Spiel wird es einen offiziellen Livestream auf abendzeitung.de geben.

Der Anwalt der Zweiten Liga

(Updated) Eines muss man Uli Hoeneß lassen: Er weiß, wie man Wahlkampf macht. Unmittelbar nach Bekanntgabe seiner Kandidatur für die Position des DFL-Präsidenten hat er die Themen aufgegriffen, die in aller Munde sind und sich an ein Wählerklientel gewandt, das ihm in seinen bisherigen Funktionen beim FC Bayern eher kritisch gegenüberstand.

Gegenüber Amtsinhaber und BVB-Präsident Reinhard Rauball will Hoeneß mit der Behauptung punkten, dass er näher dran sei an ‘den Leuten’. Und gibt gleich ein anschauliches Beispiel für den Fall, dass er in einer parallelen Realität bereits Ligaverbandspräsident ist: Mit ihm wären die Vertragsverhandlungen mit Joachim Löw,  zuvorderst natürlich DFB-Aufgabe, anders verlaufen:

Ich glaube, meine Beziehungen zu allen Beteiligten und zur Nationalelf sind so gut, dass ich ein guter Vermittler in dem Geflecht DFB, DFL und Nationalelf wäre. Ich glaube, hätte ich diese Position schon innegehabt, hätten wir jetzt nicht die Problematik mit der Vertragsverlängerung von Löws Team.

Sagt das derselbe Mann, der immer wieder die Freundschaftsspiele der DFB-Auswahl kritisiert hat? Die guten Beziehungen zur Nationalelf hängen wohl in hohem Maße mit der Benennung des Bayern-lastigsten WM-Kaders seit langer Zeit zusammen.

Hoeneß’ zweite Stoßrichtung macht aus wahltaktischer Hinsicht genauso viel Sinn wie die populistischen Äußerungen zu Löw. Der Bayern-Präsident will den kleinen Vereinen mehr Geld verschaffen. Ein Vorhaben, das bisher nicht ganz oben auf seiner Prioritätenliste stand. Dazu will er natürlich nicht von den Reichen nehmen, sondern insgesamt höhere Einnahmen für die Liga erzielen. Hoeneß verweist auf die Strahlkraft seiner Person, seine Erfahrungen im Lobbyismus. Und nicht zu Unrecht auf die Tatsache, was er in den letzten Jahrzehnten aus dem FC Bayern gemacht hat.

Nur musste Hoeneß in dieser Zeit keine widerstreitenden Interessen unter einen Hut bringen, sondern konnte sich allein dem Wohl des FCB widmen. Ob für die Aufgabe bei der DFL nicht der bedächtigere Rechtsanwalt Rauball besser geeignet wäre, dem Hoeneß vielleicht in öffentlicher Kommunikation überlegen sein mag, aber nicht, wenn es um Moderation und Ausgleich geht? Ich glaube nicht, dass der Bayern-Präsident das Thema ‘Dezentrale TV-Vermarktung’ als DFL-Chef noch mal forcieren würde – ich traue ihm durchaus zu, dass er über solchen Partikularinteressen stehen kann. Hoeneß ist jedoch FC Bayern durch und durch – einer flacheren Verteilung der TV-Gelder würde er noch viel weniger zustimmen.

Wahlkampf macht er, wie man es von ihm gewohnt ist: Lautstark und mit deutlichen Ansagen. Das wäre ok, wenn Substanz dahinterstecken würde. Letztlich sind Hoeneß’ Aussagen aber nur wolkige Versprechungen. Das Thema Löw ist in diesem Zusammenhang schlicht irrelevant. Woher neue Gelder für die 1. und 2. Liga kommen sollen, bleibt unklar. Höhrere TV-Einnahmen sind vorerst nicht zu erwarten. Am ehesten könnte unter Hoeneß’ Führung doch noch ein Verkauf der Namensrechte der Bundesliga zustandekommen – vielleicht an die Spezis von T-Com.

Es ist nicht gesagt, dass Hoeneß die Aufgabe als DFL-Präsident schlecht machen würde. Ich traue ihm zu, dass er sich auf neue Herausforderungen einstellen kann. Trotzdem bezweifle ich, dass ein Lautsprecher wie er von Vorteil für die Liga ist. Alle wichtigen Themen, wie etwa den Glücksspiel-Staatsvertrag, hat auch Rauball erkannt und wird sie angehen. Und obwohl sich Hoeneß selbst als Anwalt der Kleinen bezeichnet, glaube ich nicht, dass ausgerechnet der Präsident des mit Abstand reichsten und mächtigsten Vereins der oberste Vertreter der 36 DFL-Clubs werden sollte.

UPDATE: Ok, das war extrem unglückliches Timing. Uli Hoeneß hat soeben seine Kandidatur als DFL-Präsident aus familiären Gründen zurückgezogen. Rauball bleibt wohl im Amt. Vorbildhaft finde ich das Vorgehen von Hoeneß nicht: Man gibt mit dem üblichen Mediengetöse seine Kandidatur bekannt, greift gleich im Interview den Amtsinhaber an (was im Wahlkampf natürlich legitim ist) und zieht dann wieder zurück. Hätte der Uli nicht vorher mit seiner Familie sprechen können oder steckt etwa ein Deal dahinter?

Vier gegen Lotte

Dimitar Rangelov knüpft an seinen ersten Sommer in schwarz-gelb an. Schon 2009 hatte der damals von Energie Cottbus zum BVB gewechselte Bulgare eine überzeugende Vorbereitung gespielt und dabei eine Reihe von Toren erzielt. Gestern, beim zweiten Testspiel der Borussia über 90 Minuten, gelang ihm in der zweiten Halbzeit ein Hattrick. Ob er sich diesmal bis zum Saisonstart in die Startelf schießen kann, gegen die Konkurrenz von u.a. Robert Lewandowski und Lucas Barrios, erscheint aber fraglich – obwohl ihm Jürgen Klopp im TV-Interview nach dem Spiel ein kleines Türchen offen hielt.

Ohne Zweifel war in der zweiten Halbzeit, als Rangelov eingewechselt wurde, mehr Präzision im BVB-Spiel. Die Schwarz-Gelben machten aus einem Rückstand gegen die SF Lotte noch einen 4:1-Erfolg. Das lag natürlich nicht nur an Dimitar, sondern mutmaßlich auch daran, dass Klopp bis auf Owomoyela, Hummels und Kagawa komplett durchwechselte – wie in der frühen Saisonvorbereitung so üblich. In der ersten Hälfte hatte man der Mannschaft den Stand der Vorbereitung noch deutlich angemerkt. Es fehlte an Automatismen, es gab viele Fehlpässe im Offensivspiel. Die Gastgeber aus Lotte bei Osnabrück wirkten nach einer Woche längerem Training eingespielter, natürlich ohne das technische Niveau des BVB zu erreichen. Sie profitierten letztlich von Abspielfehlern und kamen zu dem ein oder anderen Konter.

Der Elfmeter, der zum 0:1 führte, war berechtigt, Kehl grätschte einem Lotter in die Beine. Roman Weidenfeller zeigte bei seinem Abwehrversuch erneut, dass er kein Elfmeterkiller ist. Zum Glück gab es noch die zweite Hälfte, in der von den Schwarz-Gelben von Anfang an mehr Zug zum Tor zu spüren war. Das erste Tor, das wir von Robert Lewandowski im BVB-Dress im Fernsehen gesehen haben, wird den Fans noch eine Weile im Gedächtnis bleiben. Es war ein technisch lupenreiner Fallrückzieher nach Flanke von Großkreutz, der übrigens ebenfalls viel zur Belebung in Hälfte 2 beitrug. Toller Treffer – neues Material für die Zusammenschnitte bei YT etc. Und dann kam Rangelov. Mit der Fußspitze drückte er den Ball nur kurz nach dem Ausgleich zum 2:1 ins Tor – auf Zuspiel von Lewandowski. Anschließend ließ er noch zwei weitere Treffer folgen, bei denen er einfach dort stand, wo ein Stürmer stehen muss.

Welche Rückschlüsse lassen sich aus dem gestrigen Spiel noch ziehen? Die erfahreneren Offensivleute, die in der zweiten Hälfte zum Zug kamen, machen momentan noch einen besseren Eindruck als die Nachwuchsleute Stiepermann, der in der ersten Hälfte rechts eingesetzt wurde, und Ginczek, der die zentrale Spitze gab. Shinji Kagawa machte nach nur einem Tag Training einen ordentlichen Eindruck und durfte 66 Minuten spielen. Seine Kreativität kam in Ansätzen zum Vorschein, am Zusammenspiel muss selbstverständlich noch gearbeitet werden. Sehr beachtlich war jedenfalls sein strammer Weitschuss kurz vor der Pause, der den Lotter Torwart zu einer Parade zwang.

Zehn Tage nach Start der Vorbereitung macht der BVB einen positiven Eindruck. Die vier bis fünf Millionen, die für Robert Lewandowski geflossen sind, könnten sich als ebenso gut angelegt erweisen wie der ähnliche Betrag, der für Lucas Barrios nach Chile überwiesen wurde – da lehne ich mich jetzt mal aus dem Fenster. Es ist immer noch ein Monat bis zum Pokalspiel in Burghausen und vieles kann passieren, vor allem in Richtung Verletzungen und Transfers. „Any Given Weekend“ wird das weiter verfolgen. In den Kommentaren zum letzten Beitrag wurde ich freundlicherweise darauf hingewiesen, dass auch das ‘Juwel’ der Testspiel-Reihe, die Begegnung gegen Manchester City am 4. August im Westfalenstadion, live auf Sport 1 gezeigt wird. Aber auch davor und danach dürfte es aus dem Tagesgeschäft Fußball noch genügend Interessantes zu berichten geben.

Was die Leute wollen

Das DSF heißt Sport 1 – seit einigen Monaten. Die meisten Zuschauer werden das inzwischen bemerkt haben, auch wenn sich am Programm nicht so furchtbar viel geändert hat. Es gibt etwas mehr Live-Sport, aber immer noch Telefon-Quizsendungen und Erotikclips. Genügend Leute wollen das offenbar so, die Shows scheinen sich zu rentieren.

Eine Stärke des DSF war es, den Fußballfans die Sommerpause zu verkürzen. In den letzten Jahren wurden während der Monate Juli und August stets eine Reihe von Testspielen verschiedener Bundesligisten live gezeigt. Die Auswahl der Partien war gerne Bayern-lastig, aber das kennt man ja auch vom DFB-Pokal. Sport 1 knüpft in diesem Jahr an die Tradition an und zeigt allein in den nächsten zwei Wochen sechs Live-Spiele und ein Blitz-Turnier. Natürlich ist der sportliche Wert fragwürdig und nur deshalb kann der Sender die Übertragungen finanzieren. Es wird jedoch nicht wenigen Vereinsfans nach der WM so gehen wie mir: Ich will so schnell wie möglich meine Mannschaft wieder auf dem Platz sehen und ihr zu Testspielen hinterherfahren kann ich wirklich nicht.

Erfreulicherweise ist in diesem Sommer wirklich Abwechslung drin. Bis zum 23. Juli stehen bei Sport 1 sechs verschiedene Bundesligisten auf dem Programm – darunter auch Borussia Dortmund! Der Sender zeigt am kommenden Dienstag, 13. Juli, ab 19:15 Uhr das Testspiel des BVB beim West-Regionalligisten SF Lotte. Nach einer guten Woche Saisonvorbereitung ist es noch zu früh für langfristige sportliche Erkenntnisse, aber einen ersten Eindruck von den neuen und den selten gesehenen Spielern kann man sich dabei verschaffen. Die Partie bei den Sportfreunden ist die letzte, bevor die Mannschaft ins Trainingslager nach Österreich fährt. Dort und nach der Rückkehr stehen natürlich weitere Spiele an – ich hoffe auf weitere Übertragungen, wo auch immer!

Wer den Brückentag zwischen WM-Finale und BVB-Spiel nicht ohne Fußball übersteht, sollte sich vielleicht das Spiel von Werder Bremen gegen Ailtons aktuellen Verein KFC Uerdingen auf der Insel Norderney anschauen. Kommt auch live bei Sport 1, ab 18:30 Uhr.

Erneut Schwerstarbeit zum Auftakt

Ohne Rücksicht auf die Play-Off-Spiele der Europa League hat die DFL Borussia Dortmund einen Auftakt in die neue Bundesliga-Saison beschert, der es in sich hat – mehr noch als letztes Jahr. Hier die ersten fünf Partien der Schwarz-Gelben:

Bayer Leverkusen (H), VFB Stuttgart (A), VFL Wolfsburg (H), FC Schalke (A), 1. FC Kaiserslautern (H)

Maximal drei Tage nach dem Hinspiel der Europa League-Play-Offs bestreitet der BVB den Liga-Auftakt zuhause gegen Leverkusen. Maximal drei Tage nach dem Rückspiel müssen wir zu den Schwaben fahren. Den Spielen gegen unsere beiden Tabellennachbarn der vergangenen Saison folgen das Duell gegen den vorletzten Meister und das Derby in Gelsenkirchen. Erst der fünfte Spieltag sieht auf dem Papier etwas einfacher aus. Am siebten Spieltag kommt allerdings bereits der FC Bayern ins Westfalenstadion. Das Saisonende bietet uns einen gemischten Salat: Nürnberg, Bremen und Frankfurt heißen die letzten drei Gegner, also etwas aus jeder Tabellenregion. Schön ist immerhin, dass sowohl das erste als auch das letzte Spiel daheim stattfinden.

Während der Saison kann man niemand aus dem Weg gehen. Man kann sich aber die Frage stellen, ob es nötig war, in den entscheidenden Auftaktwochen der Europa League dem BVB gleich zwei andere EL-Teilnehmer gegenüberzustellen. Vergleicht man das Startprogramm der ersten sechs der letzten Spielzeit, haben wir mMn das schwierigste erwischt. Gerade in den ersten drei Wochen der Saison wird die Mannschaft unter enormem Druck stehen: DFB-Pokal bei einem Drittligisten (kann immer mal schiefgehen, wer wüsste das besser als wir), EL-Play-Off, Leverkusen, EL-Play-Off, Stuttgart. Im Idealfall sind die Spieler so gleich von Saisonbeginn an hellwach. Aber selbst die beste Saisonvorbereitung kann nicht garantieren, dass gleich alles funktioniert.

Letztendlich müssen wir nehmen, was die DFL uns vorsetzt. Warum ausgerechnet der BVB als einziger Europapokal-Teilnehmer zwei Topspiele zum Auftakt hat und im Falle des Weiterkommens in der Europa League vor dem Derby in die Gruppenphase startet, weiß ich nicht. Es wäre schön, wenn in Zukunft auch mal die Startprogramme der vorangegangenen Spielzeit in die Überlegungen miteinbezogen würden, um das Ganze ein bisschen gerechter zu gestalten – mit der entsprechenden Software sollte das doch kein Problem für die DFL sein.

Zu viel Gemecker? Vielleicht ist es ja nur das Bedürfnis, endlich wieder über den BVB zu schreiben und zu diskutieren. Ich freue mich auf den Saisonauftakt, so oder so. Trotzdem sollte Reinhard Rauball mal ein ernstes Wörtchen mit seinen Spielplanern reden! ;-)

(Den Spielplan zum Download gibt es bei bundesliga.de)

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