Hajnal bleibt, da Silva kommt trotzdem
Der letzte Tag der Transferperiode ist bei Borussia Dortmund vergleichsweise ruhig abgelaufen. Fast schon eine Überraschung ist die Meldung, dass Tamas Hajnal weder zu Hannover 96 noch sonst irgendwohin wechselt. Warum hätten wir auch einen Teil von Tamas’ Gehalt weiterzahlen sollen, wie es 96 sich gedacht hat? Mit dieser Nachricht kann ich gut leben, denn ich halte es, wie schon öfter angedeutet, nicht für ausgeschlossen, dass Hajnal bei ein, zwei Ausfällen wieder in die Mannschaft rückt.
Obwohl kein weiterer Spieler abgegeben wurde, hat sich der BVB entschlossen, den Testspieler Antonio da Silva, zuletzt KSC, für ein Jahr zu verpflichten. Da Silva war im Sommer vereinslos und dürfte deutlich weniger verdienen als die Stammspieler. Vermutlich ist sein Vertrag zudem leistungsbezogen gestaltet. Trotzdem wird ‘Toni’ viel Überzeugungsarbeit leisten müssen, denn dieser Transfer riecht ein bisschen nach Freundschaftsdienst von Jürgen Klopp. Eingeplant ist da Silva als möglicher Ersatz bei einem Ausfall von Nuri Sahin, aber noch bezweifle ich, dass man die beiden wirklich in einem Atemzug nennen sollte. Michael Zorc betont, dass „Toni (…) in der Vorbereitungszeit auf diese Saison in jeder Beziehung überzeugt“ hat und er hatte in der letzten Saison als Leihspieler beim FC Basel immerhin 36 Einsätze in allen Wettbewerben. Trotzdem frage ich mich, warum wir einen weiteren Mittelfeldspieler brauchen, wenn schon Markus Feulner nie eine Chance bekommt.
Link der Woche
Erst stand es im Forum von schwatzgelb.de, dann auf deren Hauptseite und nun findet ihr den Link auch hier. Ein einmaliger Blick hinter die Kulissen von Dortmund und Gelsenkirchen – unbedingte Leseempfehlung!
Das erste Mal
Von einem gelungenen Debüt kann man sprechen, wenn ein Fußballspieler bei seinem ersten Spiel für den neuen Verein das erste Tor seiner Profi-Karriere erzielt, das dann gleichzeitig das Siegtor ist. So geschehen am Samstag an der Bramall Lane in Sheffield, wo dem 26-jährigen französischen Rechtsverteidiger Jean Calve das 1:0 für Sheffield United gegen Preston North End gelang. Calve hatte sich langsam angenähert. Mehrmals hatte er aus der Distanz aufs Tor geflankt und geschossen. Was dann aber eine Viertelstunde vor Schluss passierte, hatten die Fans auf dem ‘Kop’, der Tribüne der Heimfans, auf die die Blades in der zweiten Hälfte zuspielten, nicht erwartet. Calve traf mit einem 30-Meter-Hammer ins Toreck – es war ein ähnliches Tor wie es heute der Düsseldorfer Wellington aus noch größerer Distanz gegen Hertha BSC erzielte. Von einem Außenverteidiger erwartet man solche Tore allerdings nicht unbedingt.
Der Treffer war der perfekte Höhepunkt eines ansonsten wohl durchschnittlichen Spiels, von dem ich die Highlights im „Blades Player“ gesehen habe. Ein perfekter Nachmittag dürfte es auch für den neuen Trainer Gary Speed gewesen sein, dessen erste Verpflichtung Calve ist. Speed, zuvor als Coach und Spieler bei den Blades tätig, wurde vor und nach der Partie von den Fans gefeiert – trotz der Niederlage, die er und die Mannschaft bei seinem ersten Spiel als Verantwortlicher in Middlesbrough kassiert hatten. Unter der Woche kam dann Calve auf Leihbasis aus Nancy und alles ward gut.
Allerdings sollte, will und darf Gary Speed noch etwas für die Offensive tun, denn die Dreierreihe vorne, bestehend aus Richard Cresswell, Ched Evans und Jamie Ward, hat bisher noch nicht überzeugt und nur auf die Rückkehr des verletzten Topschützen der Vorsaison, Darius Henderson, zu warten, ist sicher zu wenig für die gesteckten Ziele: United peilt die Rückkehr in die Premier League an und dazu sollen in dieser Saison mindestens die Play-Offs erreicht werden. Wie in Deutschland haben englische Vereine noch bis morgen Zeit, um einen Spieler fest zu verpflichten – danach sind für Vereine außerhalb der Premier League immerhin noch Leihgeschäfte möglich.
1. Bundesliga, 2. Spieltag / VfB Stuttgart 1 BVB 3
Toller Abschluss eines tollen Spieltags
Die Aufstellung: Weidenfeller – Schmelzer, Hummels, Subotic, Owomoyela – Sahin (88. Bender), Kehl – Großkreutz (75. Piszczek), Kagawa, Götze – Barrios (65. Lewandowski). Tore: Schmelzer, Barrios, Götze
Ein turbulentes Fußball-Wochenende mit einigen Überraschungen liegt hinter uns. Das Spiel am frühen Sonntagabend lief zwar prinzipiell so, wie ich es erwartet hatte, aber deutlich klarer und spektakulärer. Der BVB hat die Pleite von letzter Saison in Stuttgart wettgemacht und gezeigt, dass die Heimniederlage letzte Woche ein Ausrutscher war. Jürgen Klopp ließ die gleiche Mannschaft wie gegen Leverkusen beginnen, es gab jedoch eine bedeutsame Umstellung: Der defensiv (natürlich) noch nicht ausgereifte Mario Götze spielte rechts, Kevin Großkreutz wurde auf die zuletzt anfällige linke Seite rübergezogen.
Marcel Schmelzer bewies schon nach fünf Minuten, dass er offensiv durchaus in Form ist: Seine Flanke wurde von Boulahrouz, der von Serdar Tasci auf die Rechtsverteidiger-Position verdrängt worden war, ins eigene Tor abgefälscht. Den Bildern nach zu urteilen, die ich bisher gesehen habe, war es kein klares Eigentor, aber das soll die DFL entscheiden. Der BVB kam richtig gut ins Spiel und legte schonungslos die Defensivschwächen der Gastgeber offen. Gestern war sie da, die Spielfreude von Sahin, Kagawa, Götze und wenn die Jungs mal loslegen – und man sie lässt – wird es für viele Gegner schwer. Es wäre aber ungerecht, nur die drei zu nennen. Auch Sebastian Kehl zeigte sich deutlich verbessert und es war in der ersten Hälfte ein rundum guter Auftritt der gesamten Mannschaft.
Ganz besonders indisponiert zeigte sich beim VfB der junge Ex-Bayer Georg Niedermeier in der Innenverteidigung. In der 26. Minute köpfte er im Strafraum einen Ball ungeschickt zur Seite weg, Großkreutz holte ihn sich und legte zurück auf Barrios, der sich die Schusschance nicht entgehen ließ. Torjäger-Style, 2:0. Unheimlich positiv bei den Schwarz-Gelben war die Präsenz im Mittelfeld. Vor dem 3:0 in der 37. Minute eroberte Sahin den Ball, leitete schnell weiter zu Großkreutz, der auf Kagawa. Bei dessen Flanke stimmten sich Niedermeier und Torwart Ulreich nicht richtig ab, der fast schon bedauernswerte Abwehrspieler köpfte den Ball weg, den Ulreich hätte aufnehmen können und ließ dadurch Mario Götze sein erstes Bundesligator köpfen. Um es zusammenzufassen: Die erste Hälfte war gut von uns und schlecht von Stuttgart.
Trotz zweier Stuttgarter Wechsel (unter anderem musste Niedermeier raus) blieb nach Wiederanpfiff zunächst der BVB am Drücker. Vor allem der nun sichere Ulreich verhinderte einen höheren VfB-Rückstand gegen Barrios. Dass Stuttgart irgendwann mal aufwachen würde, wie von deren Fans in der ersten Halbzeit gefordert, war klar. Analog zum Europa League-Spiel der Schwaben gab es Mitte der zweiten Hälfte eine Drangphase, aber auf der anderen Seite standen Dortmunder und auch noch elf. Roman Weidenfeller bekam es nun ein paar Mal mit dem Ball namens „Torfabrik“ zu tun, der ja bekanntlich etwas eigen ist, wehrte diesen aber recht souverän ab. Einmal war er jedoch machtlos: Nach einem Dortmunder Ballverlust im Mittelfeld konnte Kuzmanovic unbedrängt von rechts flanken, Cacau stand richtig am langen Pfosten und köpfte ein. Es war weniger ein Fehler der Abwehr, sondern vor allem ein dummer Ballverlust.
Klar kamen danach kurz Gedanken an den Samstag in Wolfsburg auf, aber demgegenüber ist die Dortmunder Mannschaft einfach weiter. In der letzten Viertelstunde beruhigte sich das Spiel wieder, die Defensive fand zu ihrer Sicherheit zurück. Das war zu einem guten Teil das Verdienst von Sebastian Kehl, der zwar kurzzeitig gelb-rot-gefährdet schien, aber dafür allen seinen Siegeswillen demonstrierte. Offensiv äußerte sich das in mehreren Abschlüssen, die Ulreich jedoch klären konnte. Es war gut zu sehen, dass die Mannschaft auch eine Drangperiode des Gegners nahezu unbeschadet überstehen kann.
Ich erlaube mir mal, einige Spieler herauszuheben: Vorneweg Nuri Sahin und Sebastian Kehl. So muss deren Partnerschaft im Mittelfeld funktionieren, dann ist vieles möglich. Stark verbessert gegenüber letztem Sonntag zeigten sich Großkreutz, Owomoyela und auch Schmelzer. Noch mal nennen muss man auch die schon erwähnten Kagawa und Götze. Der Mario ist vor kurzem 18 geworden und fügt sich immer besser in die erste Mannschaft ein. Erinnert an den frühen Nuri.
In meinen Augen gab es gestern nichts groß zu kritisieren. Dass eine junge Mannschaft gegen einen Gegner vom Kaliber des VfB mal ein wenig unter Druck gerät, ist völlig normal. Nach der Länderspielpause gehts gegen 0-Punkte-Wolfsburg. Wenn nichts dazwischen kommt, wird Jürgen Klopp dann noch mehr Optionen zur Verfügung haben – Kuba und Dede könnten bis dahin wieder fit sein. Nach so einem Spiel muss man aber erst einfach mal sagen: Wir sind ein geiler Club! ;-)
Interview mit Brustring
Wenn der BVB morgen in Stuttgart zu Gast ist, treffen zwei Clubs aufeinander, die etwas gutzumachen haben. Man kann wie der BVB gegen den Meisterschaftsanwärter Leverkusen verlieren, man kann auch in Mainz verlieren, die gerade während ich dies schreibe drei Tore in Wolfsburg aufgeholt haben. Trotzdem haben Stuttgarter ebenso wie Dortmunder auf einen besseren Saisonauftakt gehofft. Während die Schwarz-Gelben immerhin souverän durch die Europa League-Play-Offs und den DFB-Pokal kamen, tat sich der VfB in allen Wettbewerben schwer. Es läuft noch nicht rund im ‘Ländle’.
Deshalb habe ich nachgefragt und mit Marcel vom VFB-Blog Brustring ein Doppel-Interview geführt, das sich nicht nur mit dem bevorstehenden Spiel beschäftigt. Marcels Antworten auf meine Fragen könnt ihr hier lesen, meine Antworten gibts drüben beim Brustring, der auch sonst immer einen Besuch wert ist.
Marcel, der VfB ist ziemlich hineingestolpert in die neue Saison. In Mainz wurde verloren und das Spiel gegen Bratislava war ja fast so nervenaufreibend wie der Bremer Auftritt in Genua am Mittwoch. Glaubst du, dass es bald besser läuft oder müssen sich die Stuttgarter Fans wieder auf eine bescheidene Hinrunde einstellen?
Mein Tipp vor Beginn der Saison, war dass wir am Ende der Hinrunde auf Platz 5 oder 6 stehen werden. Der Glaube ist natürlich noch da, denn zwei, drei Resultate, gerade in dieser Phase, haben natürlich nur begrenzten Aussagewert – oder lässt das Ergebnis der Bayern gegen Kaiserslautern schon Rückschlüsse darauf zu, dass sie diesmal nicht Meister werden?
Klar ist allerdings auch, dass sich das Team sehr schnell finden und vor allem in der Defensivarbeit steigern muss, um nicht erneut in einen Abwärtsstrudel zu geraten. Die Gefahr ist definitiv vorhanden, wenn da nicht umgehend einiges zusammenwächst, dass es wieder eine Seuchenhinrunde geben wird. Lies mehr …
Smells like Europa
Borussia Dortmund hat bei der heutigen Auslosung der Europa League-Gruppenphase eine interessante Mischung von Vereinen aus verschiedenen Regionen Europas gezogen. FC Sevilla, Paris St. Germain und Karpaty Lviv heißen die Gegner. Erster Eindruck: Die Gruppe dürfte anspruchsvoll werden, aber nicht unmöglich zu überstehen. Der FC Sevilla ist eine spanische Spitzenmannschaft, die natürlich wie alle Clubs im Schatten von Real und Barca steht. Die Andalusier beendeten die letzte Saison als Vierter. Im Europapokal haben sie durchaus Erfahrung: Den UEFA Cup haben sie zweimal hintereinander, 2006 und 2007, gewonnen. Und klangvolle Namen gibt es im Team einige, ob die Mittelfeldspieler Jesús Navas und Didier Zokora oder die Stürmer Luis Fabiano und Frederic Kanouté. Es gibt wohl keine zwei Meinungen, dass Sevilla der stärkste Gegner der Gruppe ist.
Die Mannschaft, die der BVB wohl hinter sich lassen muss, um weiterzukommen, ist PSG. Der französische Hauptstadtverein ist in den letzten Jahren meist hinter den Erwartungen zurückgeblieben. Nach drei Spieltagen der Ligue 1 belegen sie zurzeit Platz 7 mit vier Punkten. Auch PSG hat bekannte Namen in seinen Reihen: Von Torwart Gregory Coupét über Claude Makelélé und Jerome Rothen im Mittelfeld bis hin zu Ludovic Giuly, Mateja Kezman und dem vergeblich vom S04 umworbenen Guillaume Hoarau im Sturm. Zweifelhaft ist jedoch, ob sich alle diese Stars momentan auf dem Höhepunkt ihrer Karriere befinden. Es gibt andere Spieler wie den brasilianischen Mittelfeldmann Nene und den türkischstämmigen Stürmer Mevlüt Erding, die bei „Transfermarkt.de“ mit höheren Marktwerten gelistet sind. Zur Bewertung der aktuellen Leistungsstärke von PSG muss man wohl noch den weiteren Verlauf der Ligue 1 bis Mitte September abwarten.
Der BVB wird auch wieder in den Osten reisen. Mit dem ukrainischen Vorjahres-Fünften Karpaty Lviv wartet nach Qarabag ein weiteres ‘Dark Horse’ auf die Schwarz-Gelben. In der neuen Saison steht Karpaty aktuell wieder auf dem fünften Platz. Im Kader stehen hauptsächlich Ukrainer, daneben zwei Serben, drei unbekannte Brasilianer, ein unbekannter Nigerianer, ein Georgier und ein Este. Auch wenn ich niemand aus dem Team kenne haben es die Ukrainer doch geschafft, mit zwei Unentschieden in den Play-Offs Galatasaray auszuschalten. Trotzdem dürfte der Verein aus der Nähe der Karpaten einer der leichtesten Gegner im Wettbewerb sein. Wie Baku ist übrigens auch Lviv (deutsch: Lemberg) eine Reise wert, wenn man es sich leisten kann: Die Altstadt gehört zum UNESCO-Weltkulturerbe.
Auch wenn es nicht Liverpool geworden ist: Der BVB hat attraktive Gegner zugelost bekommen, mit denen attraktive Reisen verbunden sein können. Ein Blick auf die anderen deutschen Teilnehmer: Leverkusen hat mit Vorjahressieger Atlethico Madrid, Rosenborg und Aris Saloniki eine mindestens genauso anspruchsvolle Gruppe. Der VFB hat es deutlich leichter: Getafe, Odense BK und die Young Boys Bern scheinen mir allesamt lösbare Aufgaben zu sein. Der Wettbewerb startet in knapp drei Wochen, am 16. September.
Sein Name ist Speed
Der Paukenschlag auf dem englischen Trainermarkt ertönte bereits vor Saisonbeginn: Nur fünf Tage vor dem Start der Premier League trat Martin O’Neill von seinem Posten bei Aston Villa zurück. Grund waren unterschiedliche Auffassungen mit Club-Besitzer Randy Lerner über die Transferpolitik. Die Championship, die zweite englische Liga, legt gleich doppelt nach: Nach nur einem Liga- und einem Ligapokal-Spiel trat Steve Coppell bei Bristol City zurück und will sich gleich ganz aus dem Trainergeschäft verabschieden. An der Bramall Lane in Sheffield dauerte es immerhin zwei Spieltage, bis Trainer Kevin Blackwell vom Sheffield United-Vorstand gefeuert wurde. Seine Bilanz dieser Saison: Ein Punkt und ebenfalls ein unrühmliches Ausscheiden aus dem Ligapokal. Das „Sack Race“ ist also bereits in vollem Gang – dazu gibt es sogar ein gleichnamiges (und oben verlinktes) Blog, das sich ausschließlich mit dem ‘Trainerkarussell’ beschäftigt.
Wenn man sich etwas eingehender mit den Gründen für die jüngste Trainerentlassung bei United beschäftigt, wird einem schnell klar, dass es keine echt spontane Entscheidung war. Wie so häufig bei frühen Trainerentlassungen waren die Vereinsverantwortlichen schon am Ende der Vorsaison mit dem Erreichten nicht zufrieden. Club-Besitzer Kevin McCabe ist ein reicher Mann, die „Blades“ peilten den Aufstieg oder zumindest die Play-Offs an, beendeten die Spielzeit jedoch auf Platz 8. Sowas bleibt dann immer am Trainer hängen, auch wenn manche Fans ebenso die Transferpolitik des Vorstands kritisieren, die teilweise über den Kopf Blackwells hinweg entschieden wurde. Trotz des verpassten Aufstiegs entschieden sich die Verantwortlichen, mit Blackwell weiterzumachen – sicher auch aufgrund seiner vorherigen Verdienste. In der Pressekonferenz, bei der jetzt der Nachfolger vorgestellt wurde, gab Chief Executive Trevor Birch offen zu, dass das eine Fehlentscheidung gewesen sein könnte.
Wer etwas über die tieferen Gründe für das Scheitern Blackwells erfahren möchte, sollte das stets lohnenswerte „Guardian“-Football League Blog lesen. Autor John Ashdown kritisiert darin den direkten, nicht selten mit langen Bällen operierenden Spielstil der Blades, den nicht nur Blackwell, sondern auch einer seiner (ungleich populäreren) Vorgänger, Neil Warnock, spielen ließ:
The football (…) was about as appealing as an angry Chris Morgan [Anm.: ein Brocken von Abwehrspieler] and season-ticket sales for this campaign dropped, with one of the factors, anecdotally at least, the team’s turgid style of play.
Dieser Ansatz reicht selbst in der Championship inzwischen nicht mehr aus, jedenfalls wenn man aufsteigen will. Die Unbeliebtheit Blackwells bei den Anhängern erklären diese selbst allerdings anders: die oben bereits verlinkte Fanseite „Vital Sheff Utd“ verweist neben dem fehlenden Erfolg auf die arrogante Art des Trainers auf und abseits des Spielfelds.
Der neue, hoffentlich starke Mann an der Bramall Lane heißt Gary Speed und dürfte Kennern des englischen Fußballs durch seine lange, distinguierte Spielerkarriere bekannt sein. Die umfasste die Stationen Leeds, Everton, Newcastle, Bolton und zuletzt Sheffield. Speed war eine Zeit lang Rekordspieler der Premier League nach Einsätzen, bevor ihn Torwart-Oldie David James überholte. Inzwischen hat er die Trainerlizenz erworben und seine Spielerlaufbahn eigentlich beendet – saß aber beim Ligacup-Aus gegen Hartlepool noch auf der Reservebank. Sein ‘Tagesjob’ war zuletzt die Rolle als Coach bei United, unter Kevin Blackwell. Bei der Vorstellungs-PK vorgestern war Speed daher sichtlich bemüht, seinen entlassenen Vorgänger zu würdigen.
Die Entscheidung der Verantwortlichen für den 40-jährigen Trainer-Novizen ist mutig, aber nicht allzu überraschend. Letzten Sommer war ihm ein Wechsel auf den Trainerposten beim Championship-Konkurrenten Swansea City untersagt worden. Bemerkenswert ist, dass Speed bei den Blades gleich einen Dreijahresvertrag erhält – das ist ein ordentlicher Vertrauensvorschuss und ein Zeichen, dass man beim Traditionsclub bereit ist, neue Wege zu gehen. Ob das mutige Vorgehen belohnt wird? Fortsetzung folgt hier. Die erste Bewährungsprobe in Middlesbrough am Sonntag wird jedenfalls gleich live im Fernsehen übertragen.



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