Vor dem Start II: Die Abwehr
„Any Given Weekend“ beleuchtet in einer fünfteiligen Serie den Stand der Dinge bei Borussia Dortmund kurz vor dem Saisonstart am 14. August in Burghausen. Ich nehme dafür die verschiedenen Mannschaftsteile unter die Lupe – unter besonderer Berücksichtigung von deren Konkurrenzfähigkeit in der Bundesliga. Daraus leitet sich die Saisonprognose ab, mit der die Serie schließt.
Borussia Dortmund geht laut transfermarkt.de mit dem jüngsten Kader der Liga in die neue Saison. Mit ziemlicher Sicherheit werden die Schwarz-Gelben auch die jüngste Stamm-Innenverteidigung stellen. Anders als noch zu Beginn der letzten Spielzeit werden Neven Subotic und Mats Hummels (beide 21) gesetzt sein. Neben ihren über weite Strecken sicheren, guten Auftritten für den BVB durften beide auch einmal (Hummels) bzw. mehrmals und sogar bei der WM (Subotic) für ihre Nationalmannschaften auflaufen.
Viele Jahre galt landläufig die Überzeugung, dass in der zentralen Defensive mindestens ein erfahrener ‘Haudegen’ zu stehen habe, an dem sich die anderen Spieler orientieren könnten. Bei der Borussia funktionierte es in der letzten Saison ganz gut ohne einen solchen Mann, denn auch Kapitän Sebastian Kehl musste seinen Posten im defensiven Mittelfeld verletzungsbedingt lange Zeit Sven Bender oder anderen jüngeren Spielern überlassen. Auch ohne Hilfe eines Älteren haben Hummels und Subotic ihre Sache sehr ordentlich gemacht. Beide sind richtig stark im Kopfballspiel und auch beim Tackling. Flüchtigkeitsfehler und verbesserungswürdiges Stellungsspiel kamen gelegentlich vor. In diesen wenigen Fällen mag fehlende Routine eine Rolle gespielt haben oder die Tatsache, dass ein Stürmer manchmal einfach zu gut ist.
Häufig stehen Innenverteidiger jedoch am Ende einer Fehlerkette oder sind sogar komplett schuldlos, wenn ein Tor fällt. Damit kommen wir zu ihren Kollegen auf den Außen. Auch in der kommenden Saison werden aller Voraussicht nach Marcel Schmelzer und Patrick Owomoyela zunächst die Außenverteidiger-Positionen besetzen. Und so oft Jürgen Klopp auch betont, dass Schmelzer seine Sache hervorragend macht: Man muss dieses Lob ein bisschen relativieren. Marcel hat sich ohne Zweifel im vergangenen Jahr gesteigert, ist vor allem offensiv stärker geworden, behauptet öfter den Ball und schlägt auch mal eine ordentliche Flanke. Defensiv ist er zwar solide, hat aber mit wirklich gefährlichen offensiven Außen immer mal wieder Probleme. Das Gleiche gilt auf der rechten Seite für Owomoyela: Er bereitet immer mal wieder einen Angriff oder gar einen Torschuss vor, wirkt aber auch öfter zögerlich und langsam im Zweikampf.
Hinter den beiden warten der dienstälteste Borusse Dede und Neuzugang Lukasz Piszczek auf ihre Chance. Bei Dede wusste man mal, was man an ihm hatte und weiß es zumindest menschlich noch immer. Sein aktuelles Leistungsniveau ist aufgrund der zuletzt spärlichen Einsätze immer schwerer einzuschätzen. Zurzeit ist er zu allem Überfluss noch verletzt. Weit kann er noch nicht hinter Schmelzer zurückgefallen sein – gerade defensiv machte Dede auf mich immer einen solideren Eindruck als Schmelzer. Offensiv ist ihm durch mehrere Verletzungen wohl ein wenig die Spritzigkeit abhanden gekommen. Lukasz Piszczek warf kürzlich ebenfalls eine Verletzung im Kampf um einen Stammplatz zurück. Der Pole ist bekanntlich vielseitig einsetzbar, könnte auf beiden Seiten einspringen, auch weiter vorne. Natürlich muss man sich fragen, warum er mit der Hertha abgestiegen ist – ganz kann das bis heute niemand erklären. Zunächst mal steht da für mich ein Fragezeichen. Piszczek ist zuzutrauen, Druck auf Owomoyela auszuüben, aber er wird vermutlich auf eine längere Schwäche- oder Verletzungsperiode von Patrick warten müssen.
In der Abwehrzentrale steht als erster Ersatzmann Felipe Santana bereit. Der Brasilianer zeichnet sich durch Schnelligkeit und gutes Kopfballspiel aus, beherrscht normalerweise auch blitzsaubere Tacklings – ich erinnere mich allerdings auch an gelegentliche Momente der Kopflosigkeit. Santana ist jedoch als Innenverteidiger Nr. 3 weit mehr als akzeptabel. Außer Santana stehen noch Lasse Sobiech und Marc Hornschuh zur Verfügung. Wie im Fall des dritten Torwarts Focher halte ich es für eine gute Entscheidung, bei den Back-Ups auf Nachwuchsleute zu setzen. Während Sobiech als Ergänzung für die Innenverteidigung eingeplant ist, testete Jürgen Klopp Hornschuh kürzlich rechts hinten – er ist aber ebanfalls zentral einsetzbar.
Die Dortmunder Innenverteidigung genügt internationalen Ansprüchen und dürfte auch in der Europa League eine gute Figur machen. Mit Hummels und Subotic wird der BVB auf Jahre hin keine Probleme auf der Position haben. Wie lange die beiden in Dortmund bleiben ist natürlich ungewiss, gerade bei Subotic. Mit den Außenverteidigern bin ich zufrieden, man muss sich allerdings im Klaren darüber sein, dass weder Schmelzer noch Owomoyela oder Piszczek zur Ligaspitze gehören – und Dede wohl nicht mehr. Marcel Schmelzer kann sich aber durchaus noch weiterentwickeln und vielleicht wird es irgendwann wirklich einen produktiven Konkurrenzkampf zwischen Owomoyela und Piszczek geben. Das Transferbudget der Borussia ist knapp – deshalb war es die richtige Entscheidung, für Verpflichtungen auf anderen Positionen mehr Geld auszugeben. Trotzdem kann man die BVB-Defensive dem oberen Drittel der Liga zuordnen.


Mit unserer Innenverteidigung bin ich auch mehr als zufrieden.. Beide sind jung, groß gewachsen und werden in den nächsten Jahren weiter reifen und auch in ihren Nationalmannschaften eine wichtige Rolle spielen.. Zu verbessern gibt es zum einen das Stellungsspiel und viell. auch das takt. Geschick bei einem Zweikampf.. Klopp meinte ja schon oft das einige zu “brav” spielen.. Durch die internationalen Begegnungen werden sie aber weiter Erfahrungen sammeln und sich verbessern. Subotic äußerte ja schon oft seinen Traum mal in England spielen zu wollen. Ich vermute aber das er sein Leistungsniveau ganz gut selbst einschätzen kann und momentan weiß das er bei der Borussia am besten aufgehoben ist. Zumal er, wenn er wechseln sollte, bestimmt auch zu einem namenhaften Verein gehen möchte. Und da kann man sich am besten über gute Spiele in der Cl empfehlen.
Was unsere beiden Außenverteidiger betrifft finde ich es schon bemerkenswert das sie beide offensiv stärker sind, da dies ja in den letzten Jahren immer ein Manko bei vielen Spielern darstellte.. Wenn sie hier die richtige Mitte finden und grobe Schnitzer unterlassen (besonders Owomoyela) dann sind sie auf einem guten Weg zu den besten Innenverteidigern der Liga zu gehören..
Momentan ist diese Position in der Bundesliga, was die internationale Klasse angeht, eh dünn besetzt. Mir fällt spontan auch nur Lahm ein, der einigermaßen konstant auf hohem Niveau spielt.. Ansonsten brauchen sich die beiden vor keinem zu verstecken denke ich.
Ich denke, es gibt ein paar Bundesliga-Vereine, die einen guten Außenverteidiger haben, aber wenige mit zwei guten. Lahm hast du schon genannt, ich würde Marcel Schäfer von Wolfsburg hinzufügen, Castro von Leverkusen, Aogo vom HSV – Jansen kann das auch spielen, ist aber weiter vorne stärker, und Molinaro vom VFB.
Wenn Schmelzer noch mal einen Schritt nach vorne macht, könnte er zu einigen von denen aufschließen – im Moment sehe ich ihn noch ein Stück dahinter.