Archiv | September 2010

Drama ohne Happy End

Europa League, 2. Spieltag / BVB 0 FC Sevilla 1

Die Aufstellung: Weidenfeller – Schmelzer, Hummels, Subotic, Piszczek – Sahin, Bender (76. Owomoyela) – Großkreutz (86. da Silva), Kagawa, Kuba (76. Lewandowski) – Barrios. Gelb-Rote Karte: Schmelzer (49.)

In einem erneut dramatischen Europapokal-Spiel hat der BVB diesmal das schlechtere Ende für sich. Aus Verletzungsgründen hatte Jürgen Klopp die am Dienstag von mir angeregte Startelf aufgestellt: Kuba kam für den leicht verletzten Götze und Piszczek verdrängte den angeschlagenen Owomoyela auf die Bank.

Es war bitter, sehr unglücklich, es war aber auch ein packendes EL-Spiel mit einer bravourösen kämpferischen Leistung der Schwarz-Gelben. In der ersten Hälfte machte der BVB bis auf fünf Minuten zwischendurch das Spiel gegen tief stehende Gäste. Zunächst sah das im Spielaufbau sehr ordentlich aus, es fehlten aber überzeugende Torschüsse. Doch gerade als sich Sevilla mehr zuzutrauen schien, kamen wir zu gefährlichen Chancen, die alle auf das Konto von Lucas Barrios gingen. Vorbereitet wurden sie durch gute Flanken von Sahin und Kuba, doch die Kopfbälle unseres Torjägers gingen daneben oder wurden gehalten. Und wenige Minuten vor der Pause hatte Lucas nach einem Abspielfehler der Gäste im Strafraum noch eine Riesen-Schusschance, die aber erneut von Torwart Palop vereitelt wurde.

Der CL-Kandidat Sevilla hatte bis in die Nachspielzeit nur einen Torschuss (Luis Fabiano aus der Distanz daneben) zu Buche stehen, bestrafte dann jedoch den BVB für eine einzige Nachlässigkeit. Einen Freistoß von rechts an den langen Pfosten kann Weidenfeller nicht klären, den Kopfball von Caceres köpft Subotic in die Mitte des Strafraums, so dass Cigarini mit dem Nachschuss keine Probleme hat. Meiner Ansicht nach eher ein Fehler von Weide, da Subotic unter Bedrängnis nicht viel anderes übrig blieb. Es ist ein blöder Klassiker: Überlegen gewesen, kurz vor der Pause dumm in Rückstand geraten. Wer den Kloppschen BVB kennt, wusste natürlich, dass noch nicht das letzte Wort gesprochen war – das Drama, das folgen sollte, konnte allerdings niemand ahnen.

Ganz klar, in der zweiten Hälfte nahm der englische Schiedsrichter Mike Dean eine Hauptrolle ein. Nach gutem Beginn der Borussen stellte er in der 49. Minute Marcel Schmelzer wegen einer Schwalbe mit Gelb-Rot vom Platz. Eine harte Entscheidung natürlich, aber sie war vertretbar. Es war keine Berührung des Gegenspielers zu sehen und Schmelle hob plötzlich ab. Nicht im Strafraum, aber trotzdem muss man als Spieler intelligenter sein. Oder irgendjemand muss die Jungs darauf hinweisen, dass da ein typisch englischer Schiedsrichter pfeift. Dean ließ vieles laufen, das kann man so machen und ich habe da nichts dagegen. Und solche Schiedsrichter haben nun mal eine besondere Aversion gegen Schwalben. Lies mehr …

BVB gegen neuen Trainer

Zum zweiten Mal in dieser Saison tritt Borussia Dortmund gegen einen Verein an, der gerade seinen Trainer gewechselt hat. Mario Baslers Burghausener konnten uns im DFB-Pokal nicht gefährden. Der FC Sevilla ist – natürlich – ein anderes Kaliber. Die Andalusier sind nicht so miserabel gestartet wie hierzulande der VFB oder S04. Mit acht Punkten aus fünf Spielen stehen sie in der Primera Division auf Platz 7, fünf Punkte hinter der Spitze. Offensichtlich waren die Erwartungen höher und die Geduld geringer. Am Sonntag gab es in Alicante beim FC Hercules die erste Liga-Pleite (0:2, Tore nicht durch Valdez, sondern dessen Kollegen Trezeguet), in der Europa League steht man in Dortmund nach dem 0:1 gegen PSG schon unter Druck. Das Hauptproblem für den entlassenen Antonio Alvarez war jedoch das Scheitern in der Champions League-Oualifikation.

Der neue Mann heißt Gregorio Manzano und war bis Mai Trainer bei Real Mallorca – dem Verein, dem aus finanziellen Gründen von der UEFA die Teilnahme an der Europa League verwehrt wurde. Aus finanziellen Gründen wurde auch Manzanos Vertrag nicht verlängert. Der erfahrene Trainer hat jedoch einen guten Ruf und so war es nur eine Frage der Zeit, bis ein potenterer Verein anfragen würde. Manzano ist einiges zuzutrauen, so dass der BVB nicht damit rechnen kann, dass das Team der Andalusier demotiviert und in chaotischem Zustand anreisen wird.

Unsere Vereins-Homepage hat sich eingehender mit den beiden Superstars des FC Sevilla beschäftigt. Wir haben Nuri Sahin, die Spanier haben Jesus. Der 24-jährige Jesus Navas ist ein äußerst kreativer Mittelfeldspieler, auf den wir am Donnerstag nicht nur ein sondern möglichst viele Augen haben müssen. Noch bekannter ist natürlich der brasilianische Nationalspieler und Torjäger Luis Fabiano. Neben diesen beiden gibt es aber weitere klangvolle Namen wie den mittlerweile 33-jährigen Frederic Kanouté, der manchen noch aus seiner Zeit in England bekannt sein dürfte, inzwischen aber bereits seit fünf Jahren in Sevilla spielt.

Was Manzano für Donnerstag plant, müssen wir abwarten. Es können aber keine echten Zweifel bestehen, dass die Mannschaft auf der Höhe ihrer Leistungsfähigkeit CL-Format hat. Für den BVB wird es darauf ankommen, einen möglicherweise bestehenden Rest von Verunsicherung bei den Gästen auszunutzen und sie nicht ins Spiel kommen zu lassen. Frühes Pressing im Mittelfeld ohne die Abwehr zu entblößen – das könnte das Rezept sein, erfordert gegen diesen Gegner aber höchste Konzentration.

Bei Schwarz-Gelb gibt es bisher keine neuen Verletzungen zu vermelden. Die interessanteste Frage dürfte die Besetzung des rechten Flügels sein. Mario Götze oder Kuba und Owomoyela oder Piszczek lauten die Auswahlmöglichkeiten. Kuba gilt als etwas defensivstärker als Götze, ist aber trotz ansteigender Formkurve offensiv zurzeit weniger gefährlich. Eine schwierige Entscheidung für Klopp. Hinten rechts würde ich Piszczek eine weitere Chance geben, der etwas mehr Agilität als ‘Uwe’ einbringen könnte. Ich vermute jedoch, dass sich Klopp für letzteren entscheiden wird.

Spiele wie das übermorgen machen auch aus der Europa League einen ansehnlichen Wettbewerb. Die Partie wird ab 19 Uhr auf Sat.1 übertragen, was ein Grund dafür sein dürfte, dass ‘erst’ 41.000 der gut 65.000 Tickets verkauft sind. Hoffen wir trotzdem auf gute Stimmung und einen ähnlich tollen Abend wie vor zwei Wochen!

Zauberer und Zauderer

1. Bundesliga, 6. Spieltag / FC St. Pauli 1 BVB 3

Die Aufstellung: Weidenfeller – Schmelzer, Hummels, Subotic, Owomoyela – Sahin, Bender – Großkreutz (85. Feulner), Kagawa (70. Lewandowski), Götze – Barrios (78. Kuba). Tore: Großkreutz (2), Kagawa

Gerald Asamoah hatte vor dem gestrigen Spiel am Millerntor im Sportschau-Interview (auf Nachfrage?) seine positive Bilanz gegen den BVB hervorgehoben. ‘Leider’ wurde er aufgrund einer kurzfristigen angeblichen Verletzung erst in der 68. Minute eingewechselt und fiel hauptsächlich durch einen erneuten Disput mit Roman Weidenfeller auf. So erging es dem FC St. Pauli nicht anders als den letzten BVB-Gegnern.

Das Spiel war nicht so überwältigend wie die Auftritte in Gelsenkirchen und gegen Lautern, aber immer noch sehr überzeugend mit Momenten außergewöhnlicher Qualität. Fangen wir mit den paar Dingen an, die nicht so gut wie zuletzt waren. Der Ausgleich war reichlich unnötig. Es war ein zügig vorgetragener Angriff der häufig auf Konter lauernden Gastgeber, aber Takyis Pass in die Mitte hätte Subotic entschieden klären müssen – stattdessen konnte Bartels per Hacke für Hennings vorlegen. Neven spielte ansonsten ordentlich, fiel aber in der Schluss-Viertelstunde noch einmal negativ auf, als er beim Aufstehen nach einem Zweikampf nachhakelte. Die Aktion war zwar nicht wirklich rot- aber durchaus gelbwürdig – und unnötig.

Patrick Owomoyela wirkte zögerlicher als zuletzt, setzte aber bei verlorenen Zweikämpfen immerhin entschlossen nach. Nuri Sahin blieb gestern eher im Hintergrund, leitete aber wie immer viele Angriffe ein und traf erneut mit einem Schuss aus der Distanz den Pfosten. St. Pauli beschränkte sich die meiste Zeit aufs Kontern, wofür der BVB ihnen nach dem Ausgleich zu viele Möglichkeiten bot. In dieser Phase funktionierte das Passspiel zwischen Mittelfeld und Spitze nicht wie gewohnt, es gab zu viele Ballverluste.

Fest steht, dass fast alle Bundesligisten trotzdem gerne mit uns tauschen würden – denn vieles Andere war vom Feinsten, besonders die Tore. Nachdem der BVB schnell die Spielkontrolle übernommen, aber zwei dicke Chancen durch Barrios und Kagawa vergeben hatte, spielten diese beiden wenig später einen Doppelpass, Kagawa lupfte den Ball von der Torauslinie zurück auf Großkreutz und der konnte aus wenigen Metern einköpfen. Die vier Offensivspieler waren gestern diejenigen, die zu glänzen wussten. Nach der angesprochenen durchwachsenen Phase, die bis kurz nach der Pause andauerte, war das 2:1 ein tolles Beispiel für die Dortmunder Kombinationsfreude und die technische Stärke. Es beginnt mit einem hervorragenden Dribbling von Lucas Barrios, der auf dem besten Wege ist, ein kompletter Topstürmer zu werden. Seinen spekulativen Pass in den Strafraum kann Mario Götze aufnehmen, der dann schön auf Shinji Kagawa zurücklegt, der mit seinem Schuss die Lücke findet. Brillant.

St. Pauli hatte zu Beginn der zweiten Hälfte eine gute Chance, bei der Weidenfeller rettete und Bartels den Nachschuss vergab. Nach dem erneuten Rückstand, durch einen eigenen Ballverlust eingeleitet, kam von den Gastgebern aber nicht mehr viel. Dortmund dominierte den Rest vom Spiel und schon in der 60. Minute gelang die Entscheidung. Torwart Kessler konnte einen Barrios-Schuss nur abprallen lassen, Großkreutz lupfte den Ball über den liegenden Keeper und machte ihn rein. Der eingewechselte Robert Lewandowski hätte später allein vor Kessler fast noch sein beinahe schon obligatorisches Joker-Tor gemacht, das konnte der Hamburger aber verhindern.

Mit Kevin Großkreutz hat sich nun auch der letzte aus der Offensivabteilung dem beeindruckend hohen Niveau angepasst. Wir dürfen wirklich gespannt sein, ob das für die zwei Topspiele der nächsten Woche gegen Sevilla und Bayern reicht. Es gibt Sportwetten-Anbieter, die für den BVB und die Bayern die gleichen Quoten bieten – wann gab es das zuletzt?

Jetzt wird es langsam unheimlich gut

1. Bundesliga, 5. Spieltag / BVB 5 1.FC Kaiserslautern 0

Die Aufstellung: Weidenfeller – Schmelzer, Hummels, Subotic (78. Santana), Piszczek – Sahin, Bender – Großkreutz (70. Götze), Kagawa (69. Lewandowski), Kuba – Barrios. Tore: Barrios (2), Großkreutz, Hummels, Lewandowski

Ich war vor dieser Partie im Gegensatz zu einigen Bekannten optimistisch, aber mit welcher Souveränität der BVB gestern über 80 Minuten erneut das Spiel bestimmt hat, kam doch überraschend. Jürgen Klopp kann es sich momentan leisten, bei der Aufstellung ein bisschen zu rotieren und so kam nicht nur der erwartete Einsatz von Kuba zustande, sondern auch Piszczek erhielt erstmals eine Chance anstelle von Owomoyela. Rotation mit Sinn und Verstand, wie sich im Spiel zeigen sollte.

In den ersten 10-15 Minuten war der FCK der schwere Gegner, den viele erwartet hatten. Ohne Scheu und sehr angriffslustig gingen die Pfälzer ins Spiel und hatten die ersten Halbchancen, mit denen Weidenfeller jedoch keine Probleme hatte. Es war zunächst ein flottes Spiel, das hin- und herwogte, aber die Schwarz-Gelben gewannen mehr und mehr die Oberhand. Der Schlüssel dazu lag wie meistens im Mittelfeld. Nuri Sahin lieferte einmal mehr eine fantastische Leistung ab. Wie er das Spiel liest, die entscheidenden Pässe gibt und damit immer wieder Tore vorbereitet (gestern drei), das ist in der Bundesliga momentan einzigartig. Sein Nebenmann Sven Bender wurde in der Anfangsphase von Lakics hohem Bein am Kopf getroffen und musste zweimal behandelt werden, hielt aber 90 Minuten durch und machte wieder eine gute Partie inklusive eines sehenswerten Torschusses, der knapp drüber ging.

Kevin Großkreutz wirkte über links nicht nur aktiv, sondern auch zielstrebiger und technisch besser als in den letzten Begegnungen und Kuba rechtfertigte seinen Einsatz ebenfalls. Es war somit nur eine Frage der Zeit, bis sich die Überlegenheit im Mittelfeld nicht nur in Chancen, sondern in Toren auszahlte. In der 31. Minute gab Sahin einen dieser perfekten Pässe in die Tiefe ab, den Barrios erlaufen konnte und durch die Beine von Torwart Sippel ins Netz schoss. Und während der nächsten Minuten wurde schnell klar, dass der FCK nun nicht mehr viel zu melden haben würde. Die Schwarz-Gelben blieben am Drücker – das ist eine der deutlichsten und wichtigsten Verbesserungen gegenüber den letzten Jahren. Lies mehr …

Der Tag danach

Der Tag nach dem Derbysieg ist bizarrerweise zwei Tage vor Kaiserslautern. Zunächst aber noch mal zu dem, was sich gestern in Gelsenkirchen ereignet hat. Es war ein beinahe perfektes Spiel der Schwarz-Gelben, das alle Dortmunder glücklich machte. Nun sollten wir daran arbeiten, dass Derbysiege wieder verstärkt auftreten und die Merchandising-Abteilung nicht bei jedem ein „Derbysieger“-T-Shirt drucken ‘muss’. Man fragt sich aber schon, wie Gelsenkirchen in die jetzige Lage geraten konnte. Es war aufgrund der Transferpolitik im Sommer zu ahnen, dass es schwer werden würde. Aber null Punkte nach vier Spielen? Ist da bisher der Trainer Magath am Manager oder der Manager Magath am Trainer gescheitert? Noch tendiere ich zu ersterem, was Schalke ein wenig Hoffnung geben kann.

Interessanterweise gibt es gewisse Parallelen in Österreich. Dort steht RB Salzburg, im Gegensatz zu S04 auch noch mit Abstand Liga-Krösus, zurzeit auf dem drittletzten Platz. Die Champions League wurde wie immer verpasst, das erste Spiel der Europa League-Gruppenphase verloren (immerhin gegen Manchester City). Und nun schieden die Limotrinker auch noch gegen den Drittligisten Blau-Weiß Linz aus dem ÖFB-Cup aus.

Felix Magath ist – wen wundert’s – ein Freund von Red Bull-Chef Dietrich Mateschitz. Aktueller Trainer in Salzburg ist Huub Stevens, der wiederum noch einige Freunde in Gelsenkirchen haben dürfte. Und mit Geld kann man doch alles regeln, wenn man Magath glauben darf…

Borussia Dortmund hat momentan nur eine Sorge: wie die Mannschaft sich nach dem Derby-Hoch auf das nächste Spiel gegen Kaiserslautern einstellen kann, das bereits am Mittwoch ansteht. Nach dem Erfolg in Lviv ging das erstaunlich reibungslos, aber der Hunger nach einem Derbysieg war auch riesengroß. Nun kommt der nicht zu unterschätzende Aufsteiger ins Westfalenstadion, der nur zwei Punkte weniger geholt hat als der BVB. Der FCK war bisher defensiv sehr stabil, wenn man bedenkt, gegen wen die Roten Teufel bereits gespielt haben. Die Abwehr dirigiert ein alter Bekannter, Martin Amedick, dem ich seinen Erfolg wirklich gönne. Der Verein hat den geteilten Top-Torschützen der Liga, Srdjan Lakic, in seinen Reihen. Und unter den Top 10 der Feldspieler führt der „Kicker“ auch die Mittelfeldkräfte Christian Tiffert und Ivo Ilicevic.

Sollte der BVB eine ähnliche Leistung wie in Gelsenkirchen abrufen, werden wir die drei Punkte trotz dieser Fakten in Dortmund behalten. Einfach wird das wahrscheinlich nicht, Geduld ist gefragt. Der FCK hat drei angeschlagene bzw. verletzte Spieler zu beklagen – Amri, Rivic und Simunek – die aber bisher zusammen erst zwei Spiele gemacht haben, also nicht unbedingt zur Erfolgself gehören. Jürgen Klopp muss auf die bekannten Verletzten verzichten, also Kehl, Dede, Hajnal, Kringe und Zidan. Nach heutigem Stand sind demnach keine Änderungen der Startelf zu erwarten, höchstens Kuba könnte aus Leistungsgründen eine neue Chance bekommen. Vielleicht ist das Spiel nach dem Derby das schwerste – es gibt jetzt aber nicht wirklich einen Grund, an der Mannschaft und ihrer Einstellung zu zweifeln.

Nicht zu schön um wahr zu sein

1. Bundesliga, 4. Spieltag / FC Schalke 1 BVB 3

Die Aufstellung: Weidenfeller – Schmelzer, Hummels, Subotic, Owomoyela – Sahin, Bender – Großkreutz, Kagawa (74. Lewandowski), Götze (46. Kuba) – Barrios (81. Piszczek). Tore: Kagawa (2), Lewandowski

Der BVB gewinnt das großartigste Spiel seit Mai 2007 und zeigt vor allem in der ersten Halbzeit eine atemberaubende Leistung. Das Einzige, was beim FC Schalke funktioniert, ist Torwart Neuer.

Heute wurden kühnste Träume übertroffen und Sorgen lösten sich in Luft auf. Es war sensationell, wie konzentriert die Mannschaft nur drei Tage nach dem Last-Minute-Sieg in Lviv aufspielte. Bei allem Respekt war es heute wider Erwarten kein Problem, dass Sven Bender Sebastian Kehl ersetzen musste. Im Gegenteil, Bender war richtig stark, stets präsent und wie das gesamte Mittelfeld absolut überzeugend. Zudem hätte er zu den Torschützen zählen müssen, denn nach einem Sahin-Freistoß stand er nicht im Abseits, als er ins Tor traf – der Linienrichter sah es anders.

Nach diesem Aufreger in der 10. Minute hatte der BVB fast im Minutentakt Chancen, so dass ich es anderen Chronisten überlasse, diese alle aufzuzählen. Barrios und Owomoyela hatten Möglichkeiten, aber einer stach hinaus: Shinji Kagawa war ohne Zweifel der Derbyheld. Ideenreich, antrittsschnell und dribbelstark, immer einen Gedanken und einen Schritt schneller als die Schalker. Ohne Manuel Neuer hätte Kagawa den S04 fast im Alleingang abgeschossen. In der 20. Minute ließ Shinji dann auch dem Torwart keine Chance, als er nach Zuspiel von Götze zwei Schalker stehen ließ und sein Schuss leicht abgefälscht ins Tor segelte.

Es war auch in der Folge über weite Strecken eine Vorführung der Gastgeber. Magaths Umstellungen, z.B. das neue defensive Mittelfeld mit Kluge und Rakitic, brachten überhaupt nichts ein. Die Stürmer hingen komplett in der Luft, es gab vorerst nur einen erwähnenswerten Schuss von Huntelaar. Durch die schwarz-gelbe Präsenz und Aggressivität im Mittelfeld kam Schalke in der ersten Hälfte nie zur Entfaltung, auch die Außen Farfan und vor allem Deac waren abgemeldet.

Der BVB hätte zur Halbzeit höher führen müssen. Ein 1:0 ist kein beruhigender Vorsprung, schon gar nicht im Derby. Und in den ersten Minuten nach der Pause schien sich der S04 ins Spiel zu kämpfen, übernahm vorübergehend die Kontrolle im Mittelfeld. In dieser Phase demonstrierten die Schwarz-Gelben aber immerhin ihre defensive Stabilität. Diese hohe Konzentration war das Überraschendste an unserer Leistung: Es gab kaum Unsicherheiten. Einmal stand Hummels falsch, Weidenfeller musste zwei-, dreimal den Ball wegfausten, aber bis auf eine Chance aus kurzer Distanz von Matip und den späten Anschlusstreffer durch Huntelaar ließ die Defensive nichts Wesentliches zu.

Das 2:0 in der 58. Minute beendete das Schalker Aufbäumen. Es war ein toller, schneller Angriff über rechts. Schön, dass der für Götze eingewechselte Kuba dabei einen Assist verbuchen konnte: Seine Musterflanke drückte Kagawa mit einem artistischen Sprung über die Linie. Klassetor und dank des Spielstands brachen in der Kneipe alle Dämme. Partylaune pur herrschte endgültig, als Schiedsrichter Gräfe dem Schalker Abwehrspieler Plestan wegen Haltens gegen Barrios die Gelb-Rote Karte zeigte. Und wie zu erwarten hatten diese Schalker gegen 11 Dortmunder keine Chance. Gräfe zeigte übrigens eine ordentliche Leistung und ließ viel laufen – das nicht gegebene Tor hatten wir natürlich dem Assistenten zu verdanken.

Sahin traf in der Folge noch die Latte – er hätte einen ebenfalls starken Auftritt krönen können. Für Kuba blieb es bei der Vorlage, weil Neuer seinen Schuss aus vielleicht sieben Metern parieren konnte. In der 86. Minute verlor Felix Magath nach dem Trainer- auch das Manager-Duell: Ein weiterer BVB-Neuzugang, Robert Lewandowski, sprang nach einer Ecke von Sahin am höchsten und köpfte das 3:0. Klaas-Jan Huntelaar war dagegen der einzige erwähnenswerte Neu-Blaue – nach einer Flanke (oder war es ein Freistoß) staubte er zum 1:3 ab. Too little, too late.

Der Boykott der BVB-Fans war ein bedingter Erfolg. Es waren wohl einige Tausend Schwarz-Gelbe im Stadion, aber es gab deutliche Lücken und es war nicht ausverkauft. Das Zeichen sollte nach den ausführlichen Medienberichten trotzdem angekommen sein – beim S04 und anderswo.

Der Nebel der Ungewissheit, der einem vor dem Derby immer die Sicht nimmt, hat sich gelichtet. Am Montagmorgen steht der BVB auf Platz 3 der Tabelle und S04 auf Platz 18. Eindeutiger kann man den Systemvergleich nicht gewinnen. Es ist nun wohl unbestritten, dass in Gelsenkirchen im Sommer schwere Fehler gemacht wurden. Trotzdem bleibt auch dieser Derbysieg nur eine Momentaufnahme in der Saison – allerdings eine Momentaufnahme, die wir nicht so schnell vergessen werden. Besten Dank dafür an die glorreichen 14 vom 19.09.!

Weitere Saison der Leiden für Sebastian Kehl?

Borussia Dortmund hat gestern den ersten echten Rückschlag der neuen Spielzeit erlitten. Bei der Muskelverletzung, die sich Kapitän Sebastian Kehl vor der Partie in Lviv zugezogen hat, handelt es sich der Diagnose von Mannschaftsarzt Dr. Braun nach um einen „Riss im Sehnenansatz des linken Hüftbeugemuskels“. Kehl wird möglicherweise noch operiert werden und etwa zwei Monate ausfallen.

Die erneute Verletzung nach der vorhergehenden Saison zum Vergessen ist besonders für den Kapitän bitter, aber auch der BVB wird darunter leiden. Kehl hatte sich in den letzten beiden Ligaspielen wieder deutlich an sein früheres Niveau angenähert. Seine Persönlichkeit wird auf dem Platz nicht zuletzt in der Europa League fehlen. Ich frage mich, ob es mit Kehl zu den drei Gegentoren in der Ukraine gekommen wäre.

Kehl selber sollte jedoch im Mittelpunkt der Gedanken und Genesungswünsche stehen. Er wähnte sich fast am Ziel und wird nun wieder weit zurückgeworfen. Der BVB hat dagegen in dieser Saison gerade im Mittelfeld eine beruhigende Kaderdichte und kann den Ausfall mit Sven Bender kompensieren. Ob er und die anderen Alternativen allerdings schon in jedem Spiel an einen gesunden, eingespielten Sebastian Kehl heranreichen, wage ich stark zu bezweifeln.

Krieg der Systeme: Jürgen Skyklopper v Darth Velix

Krieg? Ganz schön martialisch. Darf man so was schreiben? Ich denke schon – angesichts dessen, was in Deutschland sonst so geschrieben und auch noch ernst gemeint wird. Am Sonntag kommt es jedenfalls zum Vergleich des Systems Klopp (+ Watzke, Rauball, Zorc etc.) mit dem System Magath. Jürgen Klopp und der BVB stehen inzwischen für den Aufbau einer Mannschaft mit Ruhe und Augenmaß. Aus größtenteils jungen Spielern wird hier ein Team mit Zukunftsperspektive geformt und dabei noch vernünftig gewirtschaftet. Erst vorgestern hat dieses Team wieder bewiesen, dass es zwar nicht perfekt ist, aber dank seiner Geschlossenheit vieles erreichen kann.

Das System Magath ist dagegen ein Produkt der Wegwerfgesellschaft. Klar, auch in Dortmund werden Spieler ausgemustert, wie zuletzt Nelson Valdez. Aber den Durchlauf an Spielern, der unter Magath in Gelsenkirchen herrscht, findet man sonst nur bei Absteigern, die dringend sparen müssen. Selbst den Blauen wohlgesonnene Zeitgenossen können kaum von einer planvollen Transferpolitik in diesem Sommer sprechen. Wer am letzten Tag der Transferperiode noch drei Spieler verpflichtet, hat davor geschlafen.

Felix Magaths Credo ist, dass es im Fußball nur ums Geld geht. Das hat er mit den Last-Minute-Transfers von Huntelaar und Jurado noch mal unterstrichen. Im Interview vom 20.8. hatte er noch folgendes zum Thema zu sagen:

(…) ich bin nicht bereit, finanziell alles auf eine Karte zu setzen, um auf jeden Fall in die Champions League zu kommen.“

Knapp 30 Millionen wird er jedoch nicht für das Erreichen der Europa League ausgegeben haben. Das Ziel der Schalker ist klar – abgerechnet wird im Frühjahr. Es wird sich zeigen, ob Magaths Wunderkräfte reichen, um auch aus diesem Null-Punkte-Haufen eine Erfolgsmannschaft zu machen. Bisher ähnelt der Kurs nur frappierend dem der früheren BVB-Führung.

Nach diesem nur leicht zugespitzten Systemvergleich zurück zum Tagesgeschäft. Vor dem Spiel am Sonntag werden sich die Augen und die Kameras auf den Gästeblock der Turnhalle richten. Zum Dortmunder Fanboykott ist an vielen Stellen viel geschrieben worden. Ich habe das Thema am Anfang aus Zeitgründen nicht behandelt und möchte jetzt nicht bereits bekannte Argumente wiederholen. Nur ganz kurz: Mir wird morgen beim Anblick leerer Ränge oder beim Ausbleiben des üblichen Supports das Herz bluten. Und sollte der BVB das Derby wider Erwarten verlieren, wird man sich fragen: was wäre gewesen wenn? Aber die Aktion und der Moment sind richtig, denn mit Stehplatzpreisen von über 20 Euro wird eine symbolische Grenze überschritten, die für den weiteren Verlauf der Preisspirale von Bedeutung ist.

Das Spiel kann man nicht vorhersagen. Kann man nie bei einem Derby. Man kann höchstens sagen, dass das erste Tor dieses Mal eine höhere Bedeutung haben dürfte als normal. Sebastian Kehl wird auf Dortmunder Seite das Derby verpassen. Der Kapitän hat sich beim Aufwärmen in Lviv eine Muskelverletzung zugezogen und wird vermutlich noch für weitere Spiele ausfallen. Mit Kehl wäre es für die Mannschaft womöglich einfacher, gegen ein volles Stadion und  einen Rückstand anzuspielen – nun kann wieder Sven Bender zeigen, dass er die Nerven für Deutschlands größtes Derby hat. Mario Götze brummt noch der Schädel, der Star vom Donnerstag kommt aber zumindest für einen Teilzeit-Einsatz in Frage. Bei den Gastgebern fehlt von den Akteuren der ersten Wochen nur Christoph Metzelder mit Sicherheit. Ob Trainer und Kollegen ihn in der Defensive sonderlich vermissen werden ist fraglich. Zumindest vor dem Spiel.

Die Spannungskurve ist in den letzten Tagen und Wochen perfekt verlaufen. Vielleicht ist es das wichtigste Derby seit Mai 2007 – auf jeden Fall könnte die Aufregung kaum größer sein. Vor diesem Spiel verblasst alles, was man schreibt. Daher lasse ich nur noch schnell Lucas Barrios zu Wort kommen:

„Wir gewinnen. Und dann hat Schalke nach vier Spielen null Punkte!“


Irre und Irre

Europa League, 1. Spieltag / Karpaty Lviv 3 BVB 4

Die Aufstellung: Weidenfeller – Schmelzer, Hummels, Subotic, Owomoyela – Sahin, Bender (80. da Silva) – Großkreutz (64. Kuba), Kagawa (64. Lewandowski), Götze – Barrios. Tore: Sahin (EM), Götze (2), Barrios

Hätte sich irgendjemand eine dramatischere und passendere Rückkehr der Borussia in die Gruppenspiele des Europapokals vorstellen können? Dazu hätte wohl nicht mal die Fantasie von Nick Hornby ausgereicht. Mit dem unterhaltsamsten Spiel seit langer Zeit haben es die Schwarz-Gelben und ihre Gastgeber geschafft, unser kommendes Spiel für 90 Minuten aus allen Köpfen zu verdrängen.

Das „Stadion Ukraina“ war trotz Laufbahn und ‘nur’ 28.000 Plätzen der sprichwörtliche Hexenkessel und die Borussen überstanden den erwarteten Ansturm der Gastgeber zu Beginn mit Geduld, Aufmerksamkeit und dank Roman Weidenfeller. Perfekt, wenn man dann der Heimmannschaft mit einem verwandelten Elfmeter den Wind aus den Segeln nehmen kann. Nach 12 Minuten wurde Lucas Barrios im Strafraum zwar eher von einem Abwehrspieler als von Torwart Tlumak gefoult, der die Gelbe Karte sah, aber das war nach Nuri Sahins Schuss hoch in die Mitte des Tores natürlich egal. Danach war der BVB im Spiel und kontrollierte es sogar. Eine Viertelstunde später fiel bereits das 2:0 durch das Traumduo des Abends: Lucas Barrios und Mario Götze. Mit diesem Spielzug zeigte sich exemplarisch, dass Lucas auch ein sehr guter mitspielender Stürmer ist, wenn er einen passenden Partner hat. Perfekter Doppelpass mit Götze und unser Teenager verwandelt frei vor dem Tor.

2:0 gegen eine nur Kennern bekannte Mannschaft aus der Ukraine – was sollte da noch schief gehen? Man hätte auf diesen Gedanken kommen können. Obwohl ich nicht so blauäugig war, schockte mich das Nachfolgende doch ebenso wie alle anderen Kneipengäste. Nachdem der BVB durch Barrios noch eine Chance zum 3:0 gehabt hatte, fiel kurz vor der Pause der Anschlusstreffer. Der sah unglücklich aus, weil sich Weidenfeller und die beiden Innenverteidiger im Weg standen und den Ball deshalb nur unzureichend klärten. Aber man denkt sich noch: Kann ja mal passieren. Nicht mehr so viel Verständnis konnte man für den Ausgleich nur sechs Minuten nach Wiederanpfiff haben. Mats Hummels dachte wohl über Dostojewski nach, wie ein Freund von mir vermutete. Blöd nur, dass er dabei den Ball an der Strafraumgrenze an Kopolovets verlor, der dann keine große Mühe mehr hatte. Lies mehr …

Zurück im Traumland

Es ist nicht die Königsklasse, aber auch die Gruppenphase der Europa League lädt zum Träumen ein. Auf Borussia Dortmund warten in den nächsten Wochen Fahrten nach und Besuch aus Sevilla und Paris und bereits am Donnerstag geht es ins ukrainische Lviv (Lemberg). Mit dem dort ansässigen Verein „Karpaty“ weiß kaum jemand mehr anzufangen als die bisherigen Gegner, einige (unbekannte) Spieler aus dem Kader und den aktuellen Platz in der ukrainischen „Premier Liga“ (4.) aufzuzählen. Gerade auch das Unbekannte macht den Reiz der Europa League aus.

Jürgen Klopp hat die Schwarz-Gelben auf den bisherigen Auswärtsfahrten der Saison gut eingestellt. Ob in Burghausen, Stuttgart oder Baku – nirgendwo ließ sich die Mannschaft kalt erwischen. Alle drei Pflichtspiele in fremden Stadien wurden gewonnen. Alle Serien haben jedoch ein Verfallsdatum und mindestens zwei weitere Auswärtssiege wollen ja noch geholt werden. In Lviv sollte daher die Taktik zunächst darauf ausgerichtet sein, sich mit den Gegebenheiten und dem Gegner vertraut zu machen und kein frühes Gegentor zu kassieren. Um dann zum richtigen Zeitpunkt den Druck zu erhöhen.

Verzichten muss der BVB erneut auf die Dortmunder Pechmarie Dede. Was soll man zu der Misere unseres dienstältesten Spielers noch sagen? Es sind momentan nicht die ganz schlimmen Verletzungen, mit denen er sich herumplagt, aber dafür kommt eine nach der anderen. Am Samstag spielte Dede mit der zweiten Mannschaft bei Preußen Münster und zog sich einen Bluterguss im Wadenmuskel und eine Kapselreizung im Sprunggelenk zu. Macht erneut zwei Wochen Pause. Für den gleichen Zeitraum fällt nun auch Tamas Hajnal aufgrund eines Muskelfaserrisses aus, wobei der momentan ohnehin weiter weg von der Startelf ist. Natürlich trotzdem beiden gute Besserung!

Bei diesem Auswärtsspiel mit schwer einzuschätzendem Gegner wird vermutlich Kuba erneut den Vorzug vor Mario Götze erhalten, um möglichst große defensive Stabilität zu garantieren. Andere Wechsel sind ebenfalls unwahrscheinlich, aber dann gut möglich, wenn jemand nicht 100%ig fit ist.

Sat.1 hat inzwischen bekannt gegeben, dass mindestens vier BVB-Spiele aus der Gruppenphase live vom Sender übertragen werden. Neben der Partie am Donnerstag handelt es sich um die Begegnungen gegen den FC Sevilla und ein Spiel gegen PSG. Moderiert werden die Sendungen von Andrea Kaiser, die – das hatte ich völlig vergessen – die Ehefrau von unserem allseits geschätzten Jugendkoordinator und Jahrhundert-Torschützen Lars Ricken ist.

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