Moritz Leitner kommt zum BVB – bald
Vor zwei Jahren wäre es sehr unwahrscheinlich gewesen, dass Borussia Dortmund einen Wettstreit um die Unterschrift eines talentierten Spielers gegen Bayer Leverkusen gewinnt. Noch vor dieser Saison ging der kroatische Rechts- und Innenverteidiger Domagoj Vida lieber zur Werkself als zum BVB. Bisher ließ ihn Jupp Heynckes zweimal in der Europa League spielen.
Die Zeiten ändern sich. Moritz Leitner von 1860 München, der als ein Riesentalent gilt, wechselt im Winter zur Borussia, wird jedoch noch bis Saisonende an die 60er ausgeliehen. Der 17-jährige hatte bereits frühzeitig dem FC Bayern abgesagt, weil er an seiner Perspektive dort gezweifelt hatte. Wie gesagt, die Zeiten ändern sich. Die Säbener Straße ist nicht mehr das Nonplusultra für den Fußball-Nachwuchs. Zuletzt waren neben dem BVB noch Bayer und der VfB an Leitner interessiert gewesen. Aber auch Rudi Völlers Besuch in München half nichts.
Die Borussia ist zu einer der ersten Adressen für junge Spieler in Deutschland geworden. Nicht, dass wir uns etwas darauf einbilden müssen. Es ist einfach die Konsequenz der Transferpolitik und der Philosophie, die Zorc, Klopp und Watzke vertreten. Der Verein hat eine hohe Glaubwürdigkeit, wenn er jungen Spielern zusichert, dass sie in Dortmund ihre Chance kriegen und optimal gefördert werden. Das kann nie in jedem einzelnen Fall klappen, aber es ist viel mehr Regel als Ausnahme.
Moritz Leitner wird einen Vertrag bis 2015 unterschreiben. Die Ablöse liegt angeblich nur im sechsstelligen Bereich. 1860 war gezwungen, den Spieler zu verkaufen, um die prekäre Finanzlage zu stabilisieren. Leitner ist ein vielseitiger Spieler, der auf allen Mittelfeldpositionen mit Ausnahme der defensiven ’6er’-Position spielen kann. In der letzten Saison lief er noch für die A-Junioren auf – und ist nun auf Anhieb zum Stammspieler der ersten Mannschaft geworden. Es versteht sich von selbst, dass so einer auch Junioren-Nationalspieler ist. Jürgen Klopps Aufgabe wird es ab dem Sommer sein, das Riesentalent fit für die 1. Bundesliga zu machen. Wir dürfen uns freuen.
Die Geschichte der O’s
Vor gut 23 Jahren gewann Borussia Dortmund im DFB-Pokal zum letzten Mal gegen eine Mannschaft aus einem Ort, der mit ‘O’ beginnt. Gegen den FV Offenburg benötigte man ein Wiederholungsspiel vor heimischer Kulisse. Dieses entschieden die Schwarz-Gelben am 6. Oktober 1987 mit 5:0 für sich. Übermorgen ist der BVB bei den Kickers OffenBACH zu Gast. Ein gutes Omen nach dieser langen Durststrecke? Zugegeben, es gab seither genau ein Pokalspiel gegen einen O-Verein: Das ärgerliche 2:3 in Osnabrück während der letzten Spielzeit. Das scheinbar noch so sehr nachwirkt, dass es mich auf diese herrlich sinnfreien statistischen Pfade geführt hat. Aber so macht man das doch in den Medien, wenn man einen Pokal-Vorbericht schreiben will, oder?
Es gibt durchaus Parallelen zu letztem Jahr: Offenbach ist wie zuvor Osnabrück ein Drittliga-Verein mit Aufstiegsambitionen. Momentan sind die Kickers sogar Spitzenreiter. Der BVB sollte und wird gewarnt sein. Die Hessen zeichnen sich auch durch ihre Heimstärke, ihre kämpferische Einstellung und den erfolgreichen Sturm aus. Olivier Occean, der führende Torschütze der Dritten Liga, wird denjenigen schon ein Begriff sein, die gelegentlich die Samstags-Sportschau von Anfang an verfolgen. Auf dem Trainerstuhl sitzt ebenfalls ein alter Bekannter: Wolfgang Wolf. Ein Trainer, dem ich zutraue, seine Mannschaft gerade auf ein Pokalspiel hin einstellen zu können.
Verzichten muss Wolf am Mittwoch auf Mittelfeldspieler Denis Berger, der einer der wichtigsten Vorbereiter der Kickers ist. Doch den BVB hat es ebenfalls hart getroffen. Sven Bender, der am Sonntag dann doch eine Halbzeit lang irgendwie mitwirkte, soll definitiv geschont werden. Er laboriert weiterhin an muskulären Beschwerden im Oberschenkel, die sich im Hinblick auf die nächsten Spiele lieber nicht verschlimmern sollten. Kuba hat sich gegen Hoffenheim dummerweise kurz vor seiner Auswechslung an den Adduktoren verletzt und wird ebenso fehlen wie Patrick Owomoyela und die bekannten weiteren Rekonvaleszenten.
Und dann gibt es da noch die beiden, die Beschwerden haben: Marcel Schmelzer und Nuri Sahin. Bei Marcel könnte ich mir gut vorstellen, dass Klopp ihm eine Pause und Dede einen weiteren Einsatz gönnt. Sahins Ideen würden im Mittelfeld jedoch fehlen, zumal ja Kagawa in den letzten zwei, drei Spielen nicht so geglänzt hat wie zuvor. Deshalb wird Nuri wenn möglich spielen. Vorstellbar ist eine Rotation im offensiven Mittelfeld, die momentan nicht unbedingt einen Qualitätsverlust bedeuten würde. Kuba muss, Kagawa könnte und Großkreutz sollte ein Spiel aussetzen. Natürlich wird aber einer der beiden letzteren spielen müssen.
Es wird am Bieberer Berg vermutlich keinen Dortmunder Spaziergang geben. Weder im positiven noch im negativen Wortsinn. Unsere Defensive hat schon eine andere Qualität als die eines Drittligisten. Die Mannschaft wird sich die Pleite von Osnabrück zu Herzen genommen haben. Andererseits treten wir definitiv nicht in Bestbesetzung an und müssen uns auf ein Team einstellen, das eine ähnlich kämpferische Einstellung haben wird wie die Hoffenheimer – nur nicht ganz deren Klasse.
Savoir vaincre
Borussia Dortmund bereitet sich auf den dritten Spieltag in der Gruppenphase der Europa League vor. Werden wir gegen PSG einen weiteren ‘Nägelkauer’ erleben? Die ersten beiden Begegnungen haben die Latte jedenfalls hoch gelegt. In der Bundesliga sind die Schwarz-Gelben in Hochform und bester Laune. In der Europa League könnten wir am Donnerstag einen Sieg gebrauchen. So wie es aussieht, muss der BVB entweder die Franzosen oder den FC Sevilla hinter sich lassen, um die nächste Runde zu erreichen.
Das Rezept zum Sieg muss jedoch erst mal gefunden werden. Die Hauptstädter haben ihren schwachen Saisonstart vergessen gemacht und stehen mittlerweile punktgleich vor Meister Marseille auf Platz 3. Am Wochenende gelang ein 2:0-Auswärtssieg beim zuvor besser platzierten FC Toulouse. Die BVB-Website hebt die gefährlichen Offensivkräfte Nené und Hoarau hervor, die bisher die meisten Tore erzielt haben. Letzterer war bekanntlich, wie so viele andere, vor der Saison ein interessanter Spieler für Felix Magath. Nicht außer Acht lassen sollte man den türkischstämmigen Stürmer Mevlut Erdinc, der in Toulouse sein zweites Saisontor erzielt hat. Wie der BVB werden die Franzosen also mit Rückenwind in die Partie am Donnerstag gehen.
Bei den Schwarz-Gelben wird es ein Comeback geben, über das sich viele freuen. Bei aller Wertschätzung für Marcel Schmelzer ist es schön, dass Dede gegen PSG mal wieder ein Spiel machen darf. Marcel ist gesperrt, Dede wieder fit – daher wird Letzterer übermorgen links hinten alles geben, wie immer in seiner Dortmunder Zeit. Sein Motto dafür: „Einfach spielen, keine verrückten Sachen machen“. Ansonsten spricht in diesem wichtigen Spiel wenig für weitere Änderungen. Sollte Klopp doch ein bisschen rotieren wollen, könnten Götze oder Lewandowski in die Mannschaft rücken und ein oder zwei aus dem offensiven Mittelfeld bekämen eine Pause. Patrick Owomoyela sollte in den Kader zurückkehren können – letzte Infos stehen noch aus – aber hinten rechts wird vermutlich erst mal Lukasz Piszczek beginnen.
Ob es am Donnerstag erneut ein Drama wie in Lviv oder gegen Sevilla gibt, ist natürlich schwer zu sagen. Wir können aber von einem enorm spannenden Spiel ausgehen. PSG ist in der momentanen Verfassung vielleicht sogar stärker als Sevilla – umso wichtiger wäre ein Heimsieg und sei es auch mit Glück. Der Statistik der letzten Spiele nach hat auch die Defensive der Franzosen einen guten Job gemacht. Der BVB muss einen Weg da durch finden, z.B. durch intelligente Pässe in die Tiefe, denn PSG führt die Gruppe an und hat keinen Grund, übermäßig offensiv zu spielen. Eine echte Herausforderung!
Höhenluft in Köln
Borussia Dortmund kann sich mit einem Auswärtssieg am Freitag in Köln für mindestens eine Nacht an die Tabellenspitze schießen. Und ich gebe zu, ich sehe schon das Gipfelkreuz vor mir. Der FC hat bisher eine unkonstante und eher enttäuschende Saison gespielt, zu der aber auch sehr ordentliche Auftritte gegen Hoffenheim oder die Bayern gehören. Gerade im Sturm knirscht es bei den Kölnern: Die ewige Frage nach der Idealposition von Lukas Podolski, das Rätsel Milivoje Novakovic und nun die längerfristigen Verletzungen von Sebastian Freis und Alexandru Ioanita lassen nichts Gutes für die Offensive vermuten. Michael Meier steht offiziell fest zu Zvonimir Soldo und eigentlich sitzen Manager und Trainer auch im selben Boot. Denn ob für den durchwachsenen Start die Transferpolitik oder die Trainingsarbeit verantwortlich sind, lässt sich zurzeit von außen kaum beurteilen.
Der BVB wird morgen voraussichtlich mit der gleichen Aufstellung beginnen wie gegen die Bayern. Möglich erscheint allenfalls ein Wechsel auf dem rechten Flügel, wo Götze eine Alternative zu Kuba wäre. Neben den bekannten Ausfällen muss Jürgen Klopp weiter auf Patrick Owomoyela verzichten, der Probleme mit der Achillessehne hat. Für ihn wird erneut Lukasz Piszczek spielen – zum Glück haben wir inzwischen diese Option. Kevin Großkreutz ist von seinem grippalen Infekt genesen und wird beginnen. Sehr erfreulich: Dede wird in den Kader zurückkehren. Sollte er in Köln nicht eingesetzt werden, wird er der zweiten Mannschaft am Samstag in der Partie beim Tabellenführer SF Lotte helfen.
Ich habe diese kurze Vorschau optimistisch begonnen und werde sie nicht pessimistisch abschließen. Aber irgendwann, darüber sind sich alle Dortmunder im Klaren, wird diese fantastische Serie reißen. Angesichts der Ausgeglichenheit der Bundesliga kann das in jedem Spiel passieren, gerade auswärts. Hoffen wir, dass die Schwarz-Gelben den Dämpfer noch ein bisschen hinausschieben können. Mit dem Engagement der letzten Wochen ist das morgen machbar.
Gross ist Erster
Viele hatten bei der Frage nach der ersten Trainerentlassung in der Bundesliga an Mirko Slomka gedacht oder wie ich an Zvonimir Soldo vom nächsten BVB-Gegner Köln. Aber die Liga ist in dieser Saison für einige Überraschungen gut und so hat es tatsächlich Christian Gross erwischt, den Rückrunden-Erfolgstrainer vom VFB Stuttgart. Der frühe Zeitpunkt überrascht deshalb ein wenig, obwohl die Schwaben Letzter mit ganzen drei Punkten sind. Ich sehe drei Gründe für die Entscheidung: Die Verantwortlichen beim VfB haben aus der jüngsten Bundesliga-Geschichte das Beispiel Hertha BSC vor Augen. Intern wird man sich bereits eingestanden haben, dass die Transferpolitik suboptimal war, nun versucht man schneller zu handeln als letztes Jahr die Berliner. Eine Rolle könnte auch die Kritik von Gross an eben jener Transferpolitik gespielt haben. Sportdirektor Bobic wiederum nannte als Begründung , dass er in gemeinsamen Gesprächen mit Gross keine Lösungsansätze erkennen konnte.
Spannend wird die Nachfolgefrage. Vorerst setzt man auf Co-Trainer Jens Keller. Ob das eine Interimslösung bleibt oder Bobic, Staudt et al. das Modell ‘Tuchel’ im Kopf haben, wird sich in den nächsten Wochen zeigen. Aber mich würde es nicht wundern, wenn in absehbarer Zeit doch die Herren Daum oder Klinsmann in Stuttgart auftauchen. Denn der Mannschaft fehlt m.E. die spielerische Qualität, um um die Top 5 mitzuspielen – daran wird Keller bis zur Winterpause nichts ändern können.
Jan Koller genießt die dritte Liga
Schon 2006, als sich Jan Koller aus Dortmund in Richtung Monaco verabschiedete, folgte er den Wünschen seiner Frau. Seither hat der 2,02 m große Publikumsliebling noch in Nürnberg gespielt, wo er mit den Fans aber nicht so gut zurecht kam. Dann verschlug es ihn sogar nach Russland. Kollers Frau und die zwei Kinder blieben jedoch in Monaco und diesen Januar wechselte der Stürmer ins nah gelegene Cannes, um wieder mit seiner Familie zusammen zu sein. Dass der AS Cannes nur noch in der dritten Liga spielt, störte Koller nicht – er scheint sich an der Riviera richtig wohl zu fühlen. Wer mehr über den Verbleib unserer ehemaligen Nummer 9 erfahren will, sollte den empfehlenswerten Beitrag des englischen Fanzines „When Saturday Comes“ lesen.


Neueste Kommentare