Archiv | Oktober 2010

Moritz Leitner kommt zum BVB – bald

Vor zwei Jahren wäre es sehr unwahrscheinlich gewesen, dass Borussia Dortmund einen Wettstreit um die Unterschrift eines talentierten Spielers gegen Bayer Leverkusen gewinnt. Noch vor dieser Saison ging der kroatische Rechts- und Innenverteidiger Domagoj Vida lieber zur Werkself als zum BVB. Bisher ließ ihn Jupp Heynckes zweimal in der Europa League spielen.

Die Zeiten ändern sich. Moritz Leitner von 1860 München, der als ein Riesentalent gilt, wechselt im Winter zur Borussia, wird jedoch noch bis Saisonende an die 60er ausgeliehen. Der 17-jährige hatte bereits frühzeitig dem FC Bayern abgesagt, weil er an seiner Perspektive dort gezweifelt hatte. Wie gesagt, die Zeiten ändern sich. Die Säbener Straße ist nicht mehr das Nonplusultra für den Fußball-Nachwuchs. Zuletzt waren neben dem BVB noch Bayer und der VfB an Leitner interessiert gewesen. Aber auch Rudi Völlers Besuch in München half nichts.

Die Borussia ist zu einer der ersten Adressen für junge Spieler in Deutschland geworden. Nicht, dass wir uns etwas darauf einbilden müssen. Es ist einfach die Konsequenz der Transferpolitik und der Philosophie, die Zorc, Klopp und Watzke vertreten. Der Verein hat eine hohe Glaubwürdigkeit, wenn er jungen Spielern zusichert, dass sie in Dortmund ihre Chance kriegen und optimal gefördert werden. Das kann nie in jedem einzelnen Fall klappen, aber es ist viel mehr Regel als Ausnahme.

Moritz Leitner wird einen Vertrag bis 2015 unterschreiben. Die Ablöse liegt angeblich nur im sechsstelligen Bereich. 1860 war gezwungen, den Spieler zu verkaufen, um die prekäre Finanzlage zu stabilisieren. Leitner ist ein vielseitiger Spieler, der auf allen Mittelfeldpositionen mit Ausnahme der defensiven ’6er’-Position spielen kann. In der letzten Saison lief er noch für die A-Junioren auf – und ist nun auf Anhieb zum Stammspieler der ersten Mannschaft geworden. Es versteht sich von selbst, dass so einer auch Junioren-Nationalspieler ist. Jürgen Klopps Aufgabe wird es ab dem Sommer sein, das Riesentalent fit für die 1. Bundesliga zu machen. Wir dürfen uns freuen.

Zurück in die Vergangenheit

DFB-Pokal, 2. Runde / Kickers Offenbach 4 BVB 2 (n.E.)

Die Aufstellung: Weidenfeller – Schmelzer, Hummels, Subotic, Piszczek – Sahin, da Silva (81. Le Tallec) – Kagawa (68. Großkreutz), Lewandowski, Götze (90.+1 Feulner) – Barrios.

Der BVB knüpft an die unselige Vergangenheit an und scheitert im Pokal erneut an einem Drittligisten. Letztes Jahr Osnabrück, dieses Mal Offenbach. Das war mehr 2001 als 1989 – wenigstens waren es keine Wolfsburger Amateure. Muss man der Tatsache ins Auge sehen, dass die Borussen überspielt und durch Verletzungen geschwächt sind? Oder der, dass nun ein Rezept gegen Schwarz-Gelb gefunden scheint: Defensiv und aggressiv spielen und viel Laufarbeit verrichten?

Das Spiel der Offenbacher hatte durchaus ein paar Parallelen zum Hoffenheimer Auftritt in Dortmund. Die Hessen haben selbstverständlich nicht die gleiche Klasse, so dass deren Ziel spätestens Mitte der zweiten Hälfte nur noch das Elfmeterschießen zu sein schien. Dagegen muss man ein Mittel finden, das kann man ihnen nicht übel nehmen. Denn in der ersten Halbzeit sah es immerhin noch so aus, als sei ein Dortmunder Treffer nur eine Frage der Zeit. Die Schwarz-Gelben taten sich schwer, aber Lucas Barrios hatte doch zwei gute Möglichkeiten. Auch die Gastgeber hatten zwei gute Szenen, vor allem den Distanzschuss von Teixeira, den Weidenfeller noch an die Latte lenken konnte. Trotzdem sah es so aus, als habe der BVB das Spiel im Griff.

Je länger die Partie dauerte, desto mehr dämmerte es einem jedoch: Die Schwarz-Gelben fanden kein Rezept. Offenbach stellte die Offensivbemühungen völlig ein, schaffte es aber, nicht nur Tore, sondern sogar Torchancen des BVB zu verhindern. Das lag natürlich auch an unserem Spiel. Über die gesamten 120 Minuten versuchte die Mannschaft zu wenig über die Flügel und blieb zu oft in der Mitte hängen. Die nominellen Flügelspieler Kagawa und Götze rückten zu sehr ein, wobei Götze noch vergleichsweise agil wirkte und neben Weidenfeller bester Borusse war. Die Außenverteidiger kreierten ebenfalls keine Gefahr durch Flanken. Nuri Sahin blieb blass. Auffällig war zudem der oft schwache Spielaufbau der Viererkette. Man merkt, dass etwas schief läuft, wenn die Frequenz der langen hohen Bälle ungebührlich steigt – wie in der Vergangenheit.

Die Chancenverwertung ist zurzeit ebenfalls verbesserungswürdig. Lucas Barrios hat in der Partie gegen die Bayern zum letzten Mal getroffen. Das ist noch keine allzu lange Durststrecke, aber angesichts der Zahl seiner Chancen wäre ein Tor mal wieder schön. Lewandowski hatte kurz vor Ende der regulären Spielzeit nach einem geblockten Götze-Schuss die Riesenchance zum Happy End, aber Torwart Wulnikowski parierte. Der zwischendurch eingewechselte Le Tallec und Barrios (in der Verlängerung) scheiterten ebenfalls am Keeper.

Es war eine böse Überraschung, wie wenig Torraumszenen die Schwarz-Gelben in der Verlängerung hatten. Denn wenn der BVB ins Elfmeterschießen muss, lasse ich prinzipiell alle Hoffnung fahren. Auch das ist eine Erfahrung aus der Vergangenheit. Es nützte auch nichts, dass Roman Weidenfeller sogar mal einen Elfer hielt. Dann hält der gegnerische Torwart eben zwei! Und so wurde Wulnikowski zum Pokalhelden – wobei vor allem der Elfmeter von Lewandowski auch nicht so schwer zu halten war.

Nuri Sahin hatte mit folgender Aussage nach dem Spiel Unrecht:

Wir wussten, dass ein Rückschlag kommen würde. Vom Ergebnis ist er da, fußballerisch nicht.

Die Borussia hat sich gestern nicht auf ihre Stärken besonnen, hat nicht die nötige Geduld aufgebracht, sondern es mit der Brechstange versucht. Das war gar nix, das Ausscheiden ist bitter, auch wenn wir in prominenter Gesellschaft sind. Wollen wir hoffen, dass die Defizite pokalspezifisch bleiben. Am Sonntag werden wir beim Duell der Pokalversager in Mainz sehen, wer sich schneller berappeln kann.

Die Geschichte der O’s

Vor gut 23 Jahren gewann Borussia Dortmund im DFB-Pokal zum letzten Mal gegen eine Mannschaft aus einem Ort, der mit ‘O’ beginnt. Gegen den FV Offenburg benötigte man ein Wiederholungsspiel vor heimischer Kulisse. Dieses entschieden die Schwarz-Gelben am 6. Oktober 1987 mit 5:0 für sich. Übermorgen ist der BVB bei den Kickers OffenBACH zu Gast. Ein gutes Omen nach dieser langen Durststrecke? Zugegeben, es gab seither genau ein Pokalspiel gegen einen O-Verein: Das ärgerliche 2:3 in Osnabrück während der letzten Spielzeit. Das scheinbar noch so sehr nachwirkt, dass es mich auf diese herrlich sinnfreien statistischen Pfade geführt hat. Aber so macht man das doch in den Medien, wenn man einen Pokal-Vorbericht schreiben will, oder?

Es gibt durchaus Parallelen zu letztem Jahr: Offenbach ist wie zuvor Osnabrück ein Drittliga-Verein mit Aufstiegsambitionen. Momentan sind die Kickers sogar Spitzenreiter. Der BVB sollte und wird gewarnt sein. Die Hessen zeichnen sich auch durch ihre Heimstärke, ihre kämpferische Einstellung und den erfolgreichen Sturm aus. Olivier Occean, der führende Torschütze der Dritten Liga, wird denjenigen schon ein Begriff sein, die gelegentlich die Samstags-Sportschau von Anfang an verfolgen. Auf dem Trainerstuhl sitzt ebenfalls ein alter Bekannter: Wolfgang Wolf. Ein Trainer, dem ich zutraue, seine Mannschaft gerade auf ein Pokalspiel hin einstellen zu können.

Verzichten muss Wolf am Mittwoch auf Mittelfeldspieler Denis Berger, der einer der wichtigsten Vorbereiter der Kickers ist. Doch den BVB hat es ebenfalls hart getroffen. Sven Bender, der am Sonntag dann doch eine Halbzeit lang irgendwie mitwirkte, soll definitiv geschont werden. Er laboriert weiterhin an muskulären Beschwerden im Oberschenkel, die sich im Hinblick auf die nächsten Spiele lieber nicht verschlimmern sollten. Kuba hat sich gegen Hoffenheim dummerweise kurz vor seiner Auswechslung an den Adduktoren verletzt und wird ebenso fehlen wie  Patrick Owomoyela und die bekannten weiteren Rekonvaleszenten.

Und dann gibt es da noch die beiden, die Beschwerden haben: Marcel Schmelzer und Nuri Sahin. Bei Marcel könnte ich mir gut vorstellen, dass Klopp ihm eine Pause und Dede einen weiteren Einsatz gönnt. Sahins Ideen würden im Mittelfeld jedoch fehlen, zumal ja Kagawa in den letzten zwei, drei Spielen nicht so geglänzt hat wie zuvor. Deshalb wird Nuri wenn möglich spielen. Vorstellbar ist eine Rotation im offensiven Mittelfeld, die momentan nicht unbedingt einen Qualitätsverlust bedeuten würde. Kuba muss, Kagawa könnte und Großkreutz sollte ein Spiel aussetzen. Natürlich wird aber einer der beiden letzteren spielen müssen.

Es wird am Bieberer Berg vermutlich keinen Dortmunder Spaziergang geben. Weder im positiven noch im negativen Wortsinn. Unsere Defensive hat schon eine andere Qualität als die eines Drittligisten. Die Mannschaft wird sich die Pleite von Osnabrück zu Herzen genommen haben. Andererseits treten wir definitiv nicht in Bestbesetzung an und müssen uns auf ein Team einstellen, das eine ähnlich kämpferische Einstellung haben wird wie die Hoffenheimer – nur nicht ganz deren Klasse.

Die Nachspielzeit ist die schönste Zeit

1. Bundesliga, 9. Spieltag / BVB 1 TSG Hoffenheim 1

Die Aufstellung: Weidenfeller – Schmelzer, Hummels, Subotic, Piszczek – Sahin, Bender (46. Bender) – Großkreutz (59. Lewandowski), Kagawa, Kuba (74. da Silva) – Barrios. Tor: da Silva

Eine Meisterschaft ist Borussia Dortmund in dieser Saison zuzutrauen: Die Nachspiel-Meisterschaft. Wie letzte Woche holen sich die Schwarz-Gelben in letzter Sekunde noch Punkte ab. Diesmal zwar nur einen, aber gegen Ralf Rangnick ist das umso schöner.

Zeit für eine Abbitte: Ich habe Toni da Silvas Verpflichtung zunächst kritisch gesehen. Zu Unrecht, wie er gestern eindrucksvoll bewiesen hat. Schießt der doch in der 92. Minute diesen wunderschönen Freistoß ins Toreck. Zum Glück hatte Nuri Sahin da Silva die Ausführung überlassen – Nuri spielte zwar nicht schlecht, aber mit den Standards war das in diesem Spiel nichts. Und wie da Silva diesen Freistoß rausgeholt hat – darüber können natürlich nur die Dortmunder schmunzeln. Denn es war ein wirklich guter Witz auf Kosten der Gäste. Da Silva trifft beim Schussversuch Obasi am Fuß und geht selber zu Boden. Das war zwar keine Schwalbe, aber auch nie und nimmer Freistoß. Zumindest nicht für uns.

Schiedsrichter Wolfgang Stark krönte damit seinen schwarzen Tag. Zum wiederholten Mal verpfeift dieser FIFA-Mann ein Spiel von uns. Diesmal glichen sich die Ungerechtigkeiten wenigstens aus. Hoffenheim war nach neun Minuten durch einen schönen Angriff über links, bei dem Piszczek doppelt schlecht aussah, in Führung gegangen. Nur fünf Minuten später gab es jedoch zu Recht Handelfmeter für den BVB, nachdem Vorsah den Ball mit dem Arm mitgenommen hatte. Natürlich schoss Nuri und wie fast immer traf Nuri. Es war schon sehr pedantisch von Stark, den Elfmeter wiederholen zu lassen, weil Lucas Barrios zu früh in den Strafraumkreis (!) gelaufen war. Warum sah Herr Stark mit seinen Adleraugen dann nicht, dass beim zweiten, von Starke parierten Elfer der Torwart zu früh die Linie verlassen hatte und diesmal ein Hoffenheimer Feldspieler zu früh in den Strafraum gelaufen war?

Ansonsten fiel Stark durch inkonsistente Beurteilung von Zweikämpfen und weitere Fehler auf. Dazu gehörte ein dem BVB nicht zuerkannter glasklarer Eckball nach einem von Starke ins Toraus gelenkten Barrios-Schuss. Richtig war allerdings die Entscheidung, Abseits gegen den BVB und nicht Elfmeter für uns zu pfeifen, als Subotic im Strafraum umgegrätscht wurde. Neven hatte den Ball da bereits zu Hummels ins Abseits gespielt. Trotzdem kann ich diesen Schiedsrichter nicht mehr sehen – keine Ahnung, warum er zu den besten der Welt gehören soll. Schließen wir dieses Kapitel mit einem Wortspiel ab, das auch Arnd Zeigler nicht besser hinbekommen würde: Starke stark und Stark schwach. Lies mehr …

Mutige Lehrlinge

Europa League, 3. Spieltag / BVB 1 Paris St. Germain 1

Die Aufstellung: Weidenfeller – Dede, Hummels, Subotic, Piszczek – Sahin, Bender (46. Götze) – Großkreutz, Kagawa (66. Lewandowski), Kuba (82. Feulner) – Barrios. Tor: Sahin (EM)

Trotz eines couragierten Auftritts steht Borussia Dortmund auch nach dem zweiten Europa League-Heimspiel mit weniger Punkten als erhofft da. Gegen PSG reichte es immerhin zu einem Unentschieden. Nicht jeder wird mir zustimmen, aber mMn hatten die Schwarz-Gelben gestern mehr Recht, sich beim Schiedsrichter-Team zu beschweren als gegen Sevilla.

Drei Minuten vor Ende der offiziellen Spielzeit kam es zu der unübersichtlichen Situation im BVB-Strafraum. Unter anderem durch eine Unachtsamkeit des eingewechselten Götze kam der eingewechselte Chantome aus kurzer Distanz zum Schuss. Dabei stand jedoch ein anderer PSG-Spieler im passiven Abseits und Roman Weidenfeller im Blickfeld. Der späte Ausgleich hätte nicht zählen dürfen. Ansonsten wirkte der schwedische Schiedsrichter Eriksson allerdings souveräner als Mike Dean gegen Sevilla. Er sah das Foul an Kuba (Sakho klammerte), das zum Elfmetertor durch Sahin führte, wertete allerdings das ‘Handspiel’ eines PSG-Spielers fünf Minuten vor Schluss zu Recht als unabsichtlich.

Wie gegen Sevilla scheiterten die Borussen letztlich an der Chancenverwertung. Erwartungsgemäß traten die Franzosen im Westfalenstadion stärker auf als die Andalusier, die Schwarz-Gelben hatten jedoch trotzdem ein Chancenplus und das Spiel über weite Strecken in der Hand. Lucas Barrios hätte in der ersten Halbzeit mit Kopf oder Fuß treffen können – der Ball ging jedoch an den Pfosten und das andere Mal knapp vorbei. Ansonsten fehlte es gegen die gut stehenden Gäste zunächst an Effektivität, aus der optischen Überlegenheit wurde zu wenig gemacht und in der letzten Viertelstunde kam PSG besser ins Spiel. Sahin und vor allem Großkreutz spielten bis zur Pause unter ihren Möglichkeiten. Kevin hätte gestern m.E. in der zweiten Halbzeit anstelle des starken Kuba ausgewechselt werden sollen.

Die Führung in der 51. Minute, der schon ein leider abgefälschter Torschuss von Götze vorausgegangen war, tat uns wieder mal gut. In der Folge hätte das 2:0 fallen müssen, die Chancen waren da – unter anderem durch Kagawa, Barrios und Lewandowski. Aber wie in der ersten Hälfte fand PSG wieder ins Spiel. Zunächst waren der erneut gute Weidenfeller oder Lewandowski am Pfosten noch auf dem Posten. Dann gab es doch noch das tragische Zusammenspiel der beiden Einwechselspieler Hoarau und Chantome mit dem Schiedrichter-Assistenten. Trotzdem war es kein Ausgleich aus heiterem Himmel, also auch kein völlig ungerechtes Ergebnis.

Es lag an der Chancenverwertung. Jedoch wäre es auch Wahnsinn, wenn bei dieser Mannschaft schon alles perfekt laufen würde. Nach dem Kurzauftritt vor zwei Jahren und der Abstinenz in der letzten Saison können die Schwarz-Gelben in der Europa League-Gruppenphase nicht die Favoriten sein. Die Hoffnung aufs Weiterkommen beruhte nicht unwesentlich auf der Prämisse, dass sich PSG in einer längerfristigen Krise befindet. Diese haben die Franzosen jedoch offensichtlich überwunden. Trotzdem: Es wird schwer, aber es ist noch was drin in der EL. Wir standen lange Zeit gut, Innen- wie Außenverteidiger. Dedes Comeback war sehr ordentlich. Und Kevin Großkreutz hat trotz seines mäßigen eigenen Auftritts Recht, wenn er sagt:

Mit vier Punkten stehen wir nicht schlecht und müssen jetzt einfach auswärts gewinnen, dann klappt das mit dem Weiterkommen. Und wir wissen, dass wir auch auswärts stark sind.

Nebengeräusche bleiben allein Sache der Medien. In den letzten Tagen hat sich Nuri Sahin zum BVB bekannt. Lucas Barrios hat sich sogar sehr deutlich zum BVB bekannt. Dortmund bietet Spielern offensichtlich wieder Argumente für einen längeren Aufenthalt.

Savoir vaincre

Borussia Dortmund bereitet sich auf den dritten Spieltag in der Gruppenphase der Europa League vor. Werden wir gegen PSG einen weiteren ‘Nägelkauer’ erleben? Die ersten beiden Begegnungen haben die Latte jedenfalls hoch gelegt. In der Bundesliga sind die Schwarz-Gelben in Hochform und bester Laune. In der Europa League könnten wir am Donnerstag einen Sieg gebrauchen. So wie es aussieht, muss der BVB entweder die Franzosen oder den FC Sevilla hinter sich lassen, um die nächste Runde zu erreichen.

Das Rezept zum Sieg muss jedoch erst mal gefunden werden. Die Hauptstädter haben ihren schwachen Saisonstart vergessen gemacht und stehen mittlerweile punktgleich vor Meister Marseille auf Platz 3. Am Wochenende gelang ein 2:0-Auswärtssieg beim zuvor besser platzierten FC Toulouse. Die BVB-Website hebt die gefährlichen Offensivkräfte Nené und Hoarau hervor, die bisher die meisten Tore erzielt haben. Letzterer war bekanntlich, wie so viele andere, vor der Saison ein interessanter Spieler für Felix Magath. Nicht außer Acht lassen sollte man den türkischstämmigen Stürmer Mevlut Erdinc, der in Toulouse sein zweites Saisontor erzielt hat. Wie der BVB werden die Franzosen also mit Rückenwind in die Partie am Donnerstag gehen.

Bei den Schwarz-Gelben wird es ein Comeback geben, über das sich viele freuen. Bei aller Wertschätzung für Marcel Schmelzer ist es schön, dass Dede gegen PSG mal wieder ein Spiel machen darf. Marcel ist gesperrt, Dede wieder fit – daher wird Letzterer übermorgen links hinten alles geben, wie immer in seiner Dortmunder Zeit. Sein Motto dafür: „Einfach spielen, keine verrückten Sachen machen“. Ansonsten spricht in diesem wichtigen Spiel wenig für weitere Änderungen. Sollte Klopp doch ein bisschen rotieren wollen, könnten Götze oder Lewandowski in die Mannschaft rücken und ein oder zwei aus dem offensiven Mittelfeld bekämen eine Pause. Patrick Owomoyela sollte in den Kader zurückkehren können – letzte Infos stehen noch aus – aber hinten rechts wird vermutlich erst mal Lukasz Piszczek beginnen.

Ob es am Donnerstag erneut ein Drama wie in Lviv oder gegen Sevilla gibt, ist natürlich schwer zu sagen. Wir können aber von einem enorm spannenden Spiel ausgehen. PSG ist in der momentanen Verfassung vielleicht sogar stärker als Sevilla – umso wichtiger wäre ein Heimsieg und sei es auch mit Glück. Der Statistik der letzten Spiele nach hat auch die Defensive der Franzosen einen guten Job gemacht. Der BVB muss einen Weg da durch finden, z.B. durch intelligente Pässe in die Tiefe, denn PSG führt die Gruppe an und hat keinen Grund, übermäßig offensiv zu spielen. Eine echte Herausforderung!

Rechnen für Poldi: Dortmund zwei, Kölle eins

1. Bundesliga, 8. Spieltag / 1.FC Köln 1 BVB 2

Die Aufstellung: Weidenfeller – Schmelzer, Hummels, Subotic, Piszczek – Bender, Sahin – Großkreutz, Kagawa (72. Götze), Kuba – Barrios (76. Lewandowski). Tore: Kuba, Sahin

Lukas Podolski muss sich vertan haben, als er gestern Abend kurz vor Spielende Nuri Sahin den Spielstand vorrechnen wollte. Nuri stellte das richtig und schoss den BVB in der Nachspielzeit an die Tabellenspitze! Die Geschichte wiederholt sich, denn bereits beim letzten Aufeinandertreffen im Januar hatten die Schwarz-Gelben spät einen Vorsprung (2:0) verspielt und in der Nachspielzeit doch noch gewonnen (Tor durch Großkreutz). An Jürgen Klopps anschließenden Tanz über die Sitze werden sich nicht nur BVB-Fans noch erinnern.

Die Kölner wirkten auch gestern nicht wie eine Mannschaft, deren Trainer kurz vor der Entlassung steht. Mit einer solch engagierten Leistung könnten sie durchaus die Wende schaffen. Ihr Hauptproblem: Lukas Podolski war gestern weitgehend Alleinunterhalter im Sturm, meine Einschätzung der FC-Offensive im Vorbericht bestätigte sich. Die Gastgeber versuchten schon, nach vorne zu spielen, aber richtig gefährlich wurde es meistens nur bei Einzelaktionen des ‘Kölschen Jung’.

Es war eine offene, spannende Freitagabend-Partie, in der der BVB spielerisch überlegen war, aber die Kölner versteckten sich im eigenen Heim keineswegs und überzeugten 90 Minuten durch Kampfgeist. Lucas Barrios hatte schon in der ersten Viertelstunde zwei Kopfballchancen, die er eigentlich hätte nutzen müssen. Einmal traf er immerhin die Latte, so wie auf der anderen Seite Podolski mit einem sehenswerten Schuss. Den Nachschuss von Clemens parierte der gestern glänzend aufgelegte Roman Weidenfeller. Es war ein weiterer Barrios-Kopfball ans Aluminium, der zum ersten BVB-Tor führte. Kagawa hatte geflankt, das kann er nämlich durchaus sehr gut, und nach Lucas’ Pfostentreffer konnte Kuba kurz vor der Torlinie gar nicht mehr das Bein wegziehen. 1:0.

In der Folge zeigten die Schwarz-Gelben immer wieder sehenswerte Kombinationen, die manchmal auch zu Chancen führten. Es war allerdings kein durchgehender Sturmlauf, denn das ließen die Kölner nicht zu. Trotzdem war es eine sehenswerte Partie. Barrios traf noch mal per Kopf das Tor nicht. Großkreutz scheiterte am bisherigen Kölner Ersatztorwart Varvodic, der für den darüber nicht erfreuten Mondragon ins Team gekommen war. In der zweiten Hälfte versuchten die Gastgeber noch mehr. Es war eins dieser Spiele, die von einer Seite zur anderen wogen und die meistens sehr unterhaltsam sind. Vergebene eigene Chancen (Kagawa, Kuba, mal wieder Barrios per Kopf) und vergebene oder von Weide vereitelte Kölner Chancen (Lanig, Petit) ließen einen ahnen, dass wir besser noch ein zweites Tor nachlegen sollten. Lies mehr …

Höhenluft in Köln

Borussia Dortmund kann sich mit einem Auswärtssieg am Freitag in Köln für mindestens eine Nacht an die Tabellenspitze schießen. Und ich gebe zu, ich sehe schon das Gipfelkreuz vor mir. Der FC hat bisher eine unkonstante und eher enttäuschende Saison gespielt, zu der aber auch sehr ordentliche Auftritte gegen Hoffenheim oder die Bayern gehören. Gerade im Sturm knirscht es bei den Kölnern: Die ewige Frage nach der Idealposition von Lukas Podolski, das Rätsel Milivoje Novakovic und nun die längerfristigen Verletzungen von Sebastian Freis und Alexandru Ioanita lassen nichts Gutes für die Offensive vermuten. Michael Meier steht offiziell fest zu Zvonimir Soldo und eigentlich sitzen Manager und Trainer auch im selben Boot. Denn ob für den durchwachsenen Start die Transferpolitik oder die Trainingsarbeit verantwortlich sind, lässt sich zurzeit von außen kaum beurteilen.

Der BVB wird morgen voraussichtlich mit der gleichen Aufstellung beginnen wie gegen die Bayern. Möglich erscheint allenfalls ein Wechsel auf dem rechten Flügel, wo Götze eine Alternative zu Kuba wäre. Neben den bekannten Ausfällen muss Jürgen Klopp weiter auf Patrick Owomoyela verzichten, der Probleme mit der Achillessehne hat. Für ihn wird erneut Lukasz Piszczek spielen – zum Glück haben wir inzwischen diese Option. Kevin Großkreutz ist von seinem grippalen Infekt genesen und wird beginnen. Sehr erfreulich: Dede wird in den Kader zurückkehren. Sollte er in Köln nicht eingesetzt werden, wird er der zweiten Mannschaft am Samstag in der Partie beim Tabellenführer SF Lotte helfen.

Ich habe diese kurze Vorschau optimistisch begonnen und werde sie nicht pessimistisch abschließen. Aber irgendwann, darüber sind sich alle Dortmunder im Klaren, wird diese fantastische Serie reißen. Angesichts der Ausgeglichenheit der Bundesliga kann das in jedem Spiel passieren, gerade auswärts. Hoffen wir, dass die Schwarz-Gelben den Dämpfer noch ein bisschen hinausschieben können. Mit dem Engagement der letzten Wochen ist das morgen machbar.

Gross ist Erster

Viele hatten bei der Frage nach der ersten Trainerentlassung in der Bundesliga an Mirko Slomka gedacht oder wie ich an Zvonimir Soldo vom nächsten BVB-Gegner Köln. Aber die Liga ist in dieser Saison für einige Überraschungen gut und so hat es tatsächlich Christian Gross erwischt, den Rückrunden-Erfolgstrainer vom VFB Stuttgart. Der frühe Zeitpunkt überrascht deshalb ein wenig, obwohl die Schwaben Letzter mit ganzen drei Punkten sind. Ich sehe drei Gründe für die Entscheidung: Die Verantwortlichen beim VfB haben aus der jüngsten Bundesliga-Geschichte das Beispiel Hertha BSC vor Augen. Intern wird man sich bereits eingestanden haben, dass die Transferpolitik suboptimal war, nun versucht man schneller zu handeln als letztes Jahr die Berliner. Eine Rolle könnte auch die Kritik von Gross an eben jener Transferpolitik gespielt haben. Sportdirektor Bobic wiederum nannte als Begründung , dass er in gemeinsamen Gesprächen mit Gross keine Lösungsansätze erkennen konnte.

Spannend wird die Nachfolgefrage. Vorerst setzt man auf Co-Trainer Jens Keller. Ob das eine Interimslösung bleibt oder Bobic, Staudt et al. das Modell ‘Tuchel’ im Kopf haben, wird sich in den nächsten Wochen zeigen. Aber mich würde es nicht wundern, wenn in absehbarer Zeit doch die Herren Daum oder Klinsmann in Stuttgart auftauchen. Denn der Mannschaft fehlt m.E. die spielerische Qualität, um um die Top 5 mitzuspielen – daran wird Keller bis zur Winterpause nichts ändern können.

Jan Koller genießt die dritte Liga

Schon 2006, als sich Jan Koller aus Dortmund in Richtung Monaco verabschiedete, folgte er den Wünschen seiner Frau. Seither hat der 2,02 m große Publikumsliebling noch in Nürnberg gespielt, wo er mit den Fans aber nicht so gut zurecht kam. Dann verschlug es ihn sogar nach Russland. Kollers Frau und die zwei Kinder blieben jedoch in Monaco und diesen Januar wechselte der Stürmer ins nah gelegene Cannes, um wieder mit seiner Familie zusammen zu sein. Dass der AS Cannes nur noch in der dritten Liga spielt, störte Koller nicht – er scheint sich an der Riviera richtig wohl zu fühlen. Wer mehr über den Verbleib unserer ehemaligen Nummer 9 erfahren will, sollte den empfehlenswerten Beitrag des englischen Fanzines „When Saturday Comes“ lesen.

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