Die Dortmunder Zauberstunde dauert 46 Minuten

1. Bundesliga, 14. Spieltag / BVB 4 Mönchengladbach 1

Die Aufstellung: Weidenfeller – Schmelzer, Hummels, Subotic, Piszczek – Sahin, Bender – Götze (83. da Silva), Kagawa (78. Lewandowski), Kuba (62. Großkreutz) – Barrios. Tore: Subotic, Kagawa, Großkreutz, Barrios

Wäre ich Michael Frontzeck, hätte ich es genauso gemacht. Die Anweisung an die Mannschaft hätte gelautet: Geht auf Nummer sicher, steht tief und seht zu, dass ihr hin und wieder einen Konter fahrt, da können wir schließlich unsere Stärke ausspielen. Gerade Marco Reus. Das ging 45 Minuten lang gut. Pech nur, dass Neven Subotic noch in der Nachspielzeit der ersten Hälfte nach einer Ecke zuschlug.

45 Minuten lang verlief die Partie so, wie ich mir eine mögliche negative Variante ausgemalt hatte. Der BVB dominierte das Spiel mit einer Ballbesitzquote zwischen 65 und 70%, kreierte einige, aber zu wenige, klare Chancen, scheiterte jedoch mehrmals an den 1,94 m von Christopher Heimeroth. Der neuralgische Punkt der Gäste, die wacklige, immer wieder neu besetzte Viererkette, wurde durch eine vordere Viererkette (i.e. das Mittelfeld) beim Verteidigen unterstützt. Dementsprechend hatte Michael Frontzeck eher offensiv orientierte Spieler wie Arango und Bobadilla zunächst auf der Bank gelassen. Bei einem der wenigen schnellen Angriffe des VFL, eher zufällig durch einen Befreiungsschlag eingeleitet, ließ die Dortmunder Innenverteidigung Marco Reus zu lange laufen und schließlich aus 20 Metern abziehen. Roman Weidenfeller stand fünf Meter vor dem Tor und hatte somit keine Abwehrchance. Allerdings musste er auch damit rechnen, aus dem Tor kommen zu müssen.

Gladbach hatte das Ziel nach 45 Minuten erreicht. Doch in der Nachspielzeit gelang den Schwarz-Gelben auf für uns fast schon biedere Art, mit Hilfe einer Ecke, der Ausgleich. Dem zuvor mehrmals (unter anderem beim Gegentor) unsicheren Neven Subotic glückte ein Kopfballtor wie aus dem Lehrbuch: Im richtigen Moment sprang er höher als die Gegenspieler und köpfte schön wuchtig ins Eck. Ein guter Zeitpunkt für ein Tor.

Es verwunderte nicht wirklich, dass auch in diesem Spiel die Halbzeitansprache von Jürgen Klopp offensichtlich erhört wurde. Die Art und Weise war jedoch wieder wunderbar. Der BVB zwang die Gäste nun zu Fehlern und packte selbst den Zauberstab aus. Mario Götze, der schon die Ecke vor dem 1:1 getreten hatte, bereitete mit einem Zauberpass die Führung vor. Shinji Kagawa war frei durch und musste nur noch Heimeroth umkurven, der in dieser Szene machtlos war.

Das Gute am neuen Spielstand war, dass Gladbach nun mehr tun MUSSTE. Der weitere Verlauf war erwartungsgemäß. Zwar musste Weidenfeller einmal vor de Camargo und später gegen Bobadilla retten und hatte insgesamt etwas mehr zu tun als in der ersten Hälfte, aber wir Schwarz-Gelbe kamen auch noch auf unsere Kosten. Das dritte Tor war einfach nur brillant. Von Lucas Barrios. Den ich so um die 70. Minute gegen Robert Lewandowski ausgetauscht hätte, aber zum Glück heißt der Trainer von Borussia Dortmund Jürgen Klopp. Er ahnte vermutlich, dass Lucas seine Chance bei diesem Spielstand noch bekommen und nutzen würde. In der 77. Minute war es so weit: Erneut gelangte der Ball von Götze in Strafraumnähe und Lucas legte ihn dem Schützen Kevin Großkreutz wunderschön mit der Hacke vor. Barrios ist eben auch spielerisch Gold wert.

Kevin hatte zunächst auf der Bank gesessen und war nach einer guten Stunde für Kuba eingewechselt worden. Nach dem Tor jubelte er mit vor den Mund gehaltenem Zeigefinger. Nach dem Spiel sagte er:

Ich habe gegen Freiburg schlecht gespielt, deswegen musste ich damit leben, dass ich heute erst in der zweiten Halbzeit spielen durfte. (…) Heute haben wir wieder gezeigt, dass die, die auf der Bank sitzen, nicht sauer sind.

Aber Kevin darf das. Er ist eben emotional und geht mit. Und er ist einer von uns und das voraussichtlich noch bis 2014. Heute wurde auf der Mitgliederversammlung des Vereins bekannt gegeben, dass Kevin seinen Vertrag bis dahin verlängert hat.

Zurück zum Spiel. Lucas Barrios sollte schließlich auch noch sein eigenes Tor gelingen, in der 88. Minute traf er zum Endstand. Klopp hatte wieder alles richtig gemacht. Und die Konkurrenz muss sich so langsam Gedanken machen, wenn dem BVB inzwischen immer eine gute Hälfte schon zum Sieg reicht. In jener zweiten Hälfte gestern überzeugten natürlich Götze und Barrios, aber auch Sahin, Kagawa und Piszczek stachen aus der ohnehin guten Mannschaftsleistung hinaus. Nächste Woche können die Schwarz-Gelben nun mit einem Auswärtssieg in Nürnberg die Herbstmeisterschaft klar machen. Auswärtssieg, Herbstmeisterschaft – wie selbstverständlich sich das inzwischen schon anhört.

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Ein Gedanke zu “Die Dortmunder Zauberstunde dauert 46 Minuten

  1. “Auswärtssieg, Herbstmeisterschaft – wie selbstverständlich sich das inzwischen schon anhört.”

    Schön umschrieben und trifft wohl auch die Gemütslage vieler Beobachter. Es ist langsam unheimlich.

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