Archiv | Dezember 2010

Schnee und das Mutterland des Fußballs

Schnee schippen oder Premier League im Fernsehen schauen? Vor dieser Wahl standen am 26. und 28. Dezember wohl viele englische Fußballfans – dabei wären sie an diesen traditionellen Spieltagen viel lieber selber im Stadion gewesen. Am ‘Boxing Day’ (26.12.) sind die britischen Fußballarenen so voll wie selten sonst und auch der Spieltag kurz vor Jahresende erfreut sich großer Beliebtheit, da viele Fans noch Urlaub haben.

In diesem Jahr sind jedoch aufgrund des zweiten strengen Winters in Folge selbst in der Premier League schon eine Reihe von Partien ausgefallen. Besonders stark ausgedünnt wurde der Spielplan natürlich in den unterklassigen Ligen. Der Viertligist Lincoln City aus der ostenglischen Grafschaft Lincolnshire hat seit fünf Wochen nicht mehr gespielt, das letzte Pflichtspiel war die FA-Cup-Begegnung in Hereford am 27. November. Zu allem Überfluss ging diese Unentschieden aus, so dass ein Rückspiel in Lincoln fällig wurde. Dieses soll nun am 8. Januar ausgetragen werden, das für jenen Samstag terminierte Ligaspiel wurde dafür verschoben. Somit müssen die ‘Imps’ nun insgesamt sechs Partien der League Two nachholen.

Die Schwierigkeit, diese Spiele im verbleibenden Saisonkalender unterzubringen, kümmert Trainer Steve Tilson jedoch erst mal wenig. Am morgigen Neujahrstag soll Lincoln endlich wieder Fußball spielen – im heimischen Stadion „Sincil Bank“ wird der ehemalige Premier League-Club Bradford City erwartet. Der gefrorene Boden ist halbwegs aufgetaut, die Partie wird aller Voraussicht nach stattfinden. Doch Tilson wie auch seine Spieler sind sich bewusst, dass die ‘Match-Fitness’ nicht so einfach durch Training zu ersetzen ist. Natürlich hat die Mannschaft während der erzwungenen Pause eifrig trainiert – allerdings auf einer künstlichen Oberfläche, auf der man besser nicht voll in die Zweikämpfe gehen sollte, wie Innenverteidiger Adam Watts bei der Pre-Match-Pressekonferenz erklärte. Nun müssen die Spieler nach fünf Wochen Pause gleich wieder voll auf der Höhe sein, denn Bradford hat nach einer 0:4-Klatsche unter der Woche in Cheltenham etwas gutzumachen.

Angesichts dieser schwierigen Umstände, die mit der Häufung von Spielausfällen einhergehen, denkt man in England immer lauter über die Einführung einer Winterpause nach – völlig konträr zur Diskussion, die wir bis letztes Jahr in Deutschland hatten. Damals ging es gerade darum, sich dem englischen Kalender anzupassen, um den Spielplan zu entzerren. Diese Überlegungen dürften nun erst mal auf Eis gelegt sein (tadaa). Es ist allerdings sehr fraglich, ob im Mutterland des Fußballs wirklich der entgegengesetzte Schritt getan wird. Für eine Winterpause plädieren vor allem einige Vertreter der Premier League – die kleineren Vereine möchten in ihrer Mehrheit wohl nicht auf die für sie ungleich wichtigeren Einnahmen aus den Spielen zwischen Weihnachten und Neujahr verzichten. Für die ‘Kleinen’ wäre eine Verlängerung der Saison im Falle strenger Winter oder eine Abschaffung des League Cups die bessere Alternative.

Mit dem Pro und Contra einer Winterpause für die Football League (Liga 2-4) beschäftigte sich kürzlich das Fanzine „The Seventy Two“.

Hinrundenzeugnisse 10/11

So muss sich ein Klassenlehrer vorkommen, dessen Schüler unerwartet allesamt Einser-Leistungen vollbracht haben. Da schreitet man stolz und glücklich zur Zeugnisvergabe. Auch wenn ich an den Leistungen der Spieler von Borussia Dortmund einen wesentlich geringeren Anteil hatte als der Lehrer an denen seiner Schützlinge. Nach der erfolgreichsten Hinrunde der Vereinsgeschichte macht es selbstverständlich Spaß, die erstaunlichen Fortschritte bei fast allen Spielern zu protokollieren. Hier sind die Noten für die, die in der Hinrunde ausreichende Einsatzzeiten für eine Beurteilung hatten. Höchstwertung sind wie immer 10 Punkte.

Roman Weidenfeller: Unsere Nummer 1 gehört zu den besten Torhütern Deutschlands, das müssten inzwischen selbst Joachim Löw und Andreas Köpke eingestehen. Auf der Linie, mit seinen Reflexen, konnte Roman schon lange überzeugen. Seine Strafraumbeherrschung hat sich bereits in der letzten Saison stark verbessert, er gehört nun auch beim Herauslaufen zu den Stärksten der Liga. In dieser Hinrunde kamen außerdem gefühlt mehr Abschläge beim eigenen Mann an als in der Vergangenheit, auch wenn Roman weiterhin zum kürzeren Abwurf tendiert. Dass es keine erneute Steigerung bei seiner Note gibt, liegt daran, dass die erstaunlich geringe Anzahl an Gegentoren zu einem guten Teil der hervorragenden Abwehrarbeit geschuldet ist. Einige spektakuläre Paraden hatte Weidenfeller aber dabei, zuletzt in Sevilla. 8 P.

Mats Hummels: Für den „Kicker“ ist er zurzeit der beste Innenverteidiger der Liga – da will ich nicht widersprechen. Hummels ist zweikampfstark und dank glänzender Übersicht ohnehin meist eher am Ball als der Gegner. Die dritte große Tugend eines Abwehrspielers, das Kopfballspiel, beherrscht er ebenfalls sehr gut, defensiv wie offensiv. Warum fällt die Note dann nicht noch besser aus? Nun, häufig waren Rettungsaktionen Gemeinschaftsproduktionen unserer Viererkette. Diese hat insgesamt sehr gut funktioniert und man sollte das Lob nicht zu sehr auf einen fokussieren. Zum anderen gab es gelegentliche Aussetzer, etwa in Lviv, und in den letzten Partien ließ das Aufbauspiel ein bisschen zu wünschen übrig. Klagen auf hohem Niveau, klar. 8 P.

Neven Subotic: Für mich steht Neven beinahe auf dem gleichen Niveau wie Mats. Seine Passgenauigkeit ist ein wenig geringer, dafür überzeugte er bei wichtigen Tacklings noch mehr. Er hat seine Fehlerquote weiter reduziert, neigt kaum noch zum Leichtsinn. Das Kopfballspiel ist 1A – wie Hummels glückten Subotic so auch drei Tore. Erstaunlich, wie er nochmals seine Fähigkeit gesteigert hat, zur richtigen Zeit da zu sein, wo es brennt. 8 P. Lies mehr …

Dietmar Hopp und das operative Geschäft

Es war ruhig geworden um Dietmar Hopp und die TSG Hoffenheim, seit sich der Verein vornehmlich in den mittleren Regionen der Bundesliga-Tabelle herumtreibt. Kritik am ‘Modell Hoffenheim’ wurde zuletzt häufig als fundamentalistisches Nörgeln einiger Ewiggestriger abgetan. Rein formell genügt der Club den rechtlichen Anforderungen der DFL, auch der viel zitierten 50+1-Regel. Hopp hat in der „TSG Hoffenheim Fußball-Spielbetriebs GmbH“ einen Stimmanteil von nur 49%, obwohl er 96% des Kapitals zur Verfügung stellt.

Das sportliche Geschäft ist Sache von Sportdirektor Tanner und Trainer Ralf Rangnick. Offiziell. Dass es hinter den Kulissen Absprachen und Einflussnahme gibt, war jedem halbwegs kundigen Beobachter klar. In den letzten Tagen zeigte sich jedoch selbst der Öffentlichkeit, dass die Interessen von Hopp und der sportlichen Führung divergieren und sich sogar diametral gegenüberstehen können. Der große Mäzen / Gesellschafter hat ohne Not kundgetan, dass es „sonnenklar“ sei, dass Mittelfeld-Star Luis Gustavo spätestens im Sommer zum FC Bayern wechselt. Auch wenn man nun eine gemeinsame Sprachregelung gefunden hat, widersprach diese Ansage den Ambitionen von Rangnick und Tanner. Hopp legte nahe, dass ein Wechsel schon im Winter nicht ausgeschlossen sei.

Der Hintergrund von Hopps Äußerungen: Nach Jahren der Investitionen will er die TSG mit Hilfe von Transfererlösen ‘auf eigene Beine stellen’. Es ist nicht davon auszugehen, dass er vor hat, eventuelle Gewinne abzuschöpfen. Trotzdem ähnelt sein Verhalten dem eines x-beliebigen Investoren, der Geld in einen englischen Verein steckt. Die Nichteinmischung ins operative Geschäft, die die 50+1-Regel zum Ziel hat, konterkariert Hopp mit seinen Äußerungen deutlich. Er mischt sich sogar so deutlich ein, wie es die Investoren in England eher selten tun. Gerade die Mehrheitseigentümer, die auch Fans ihres Clubs sind, lassen in der Regel die sportliche Führung, der sie vertrauen, in Ruhe arbeiten. Und es gibt diejenigen, die wie Ipswich Town-Besitzer Marcus Evans überhaupt kein Interesse daran haben, in der Öffentlichkeit zu stehen.

Beides trifft auf Hopp nicht zu. Man kann das schlimm finden, muss es aber nicht. Nur eines sollte sonnenklar sein: Die Richtung bei der TSG Hoffenheim bestimmt Dietmar Hopp, sonst niemand.

Was das alles zu bedeuten hat

Dies ist kein Hinrundenrückblick. Wer das Bedürfnis hat, noch mal an die vielen glanzvollen (und ein paar weniger tolle) Momente der Borussia in den letzten Monaten erinnert zu werden, sollte im Archiv die jeweiligen Spielberichte lesen. Durch den bisher traumhaften Saisonverlauf haben wir schon so viele Lobpreisungen bekommen, dass ein Rückblick automatisch repetitiv geraten würde. Deswegen braucht es keine Halbserien-Retrospektive, keine Herbstmeisterschaft und kein Meister-Geschwätz. Allenfalls die Hinrundenzeugnisse für die Spieler, die „Any Given Weekend“ noch in diesem Jahr verteilen wird.

Viel interessanter ist jedoch, wie es weiter geht und welche Auswirkungen die Niederlage in Frankfurt haben wird. Ja richtig, der BVB hat verloren. Und so sicher, wie wir bisher in vielen Medien auf Meisterkurs waren, wird jetzt über einen möglichen Einbruch spekuliert werden. Spätestens, wenn wir in Leverkusen ebenfalls unterliegen sollten. Die haben unsere Vorlage heute zwar nur teilweise genutzt, aber die Bayern haben dafür ja den Vorsprung auf 14 Punkte reduziert. Selbst manche unserer eigenen Fans haben sich von der Schnelllebigkeit anstecken lassen und geglaubt, wer so toll spielt, könne doch einen solchen Vorsprung nicht mehr verspielen.

Das Wichtigste für den Verein und das Umfeld inklusive Fans ist, dass wir alle unseren Realitätssinn behalten, den gesunden Menschenverstand. Trotz Emotionen und Euphorie muss das möglich sein. Borussia Dortmund hat den neunthöchsten Gehaltsetat der Liga. Nur weil wir 13 Spiele gut gespielt haben, heißt das nicht, dass wir auch die nächsten 20 gut spielen. Viele haben bis vor kurzem das, was sie in der Gegenwart zu Recht begeistert hat, auf die Zukunft projiziert. Wir können aber nicht erwarten, dass es so weiter geht wie bisher. Die Karten werden in der kurzen Winterpause neu gemischt, Erfolge und Misserfolge aus der Hinrunde zählen dann nicht mehr. Der Mannschaft und dem Verein bleiben ein berechtigtes, maßvolles Selbstvertrauen und zehn Punkte Vorsprung. Lies mehr …

So wie alles begann

1. Bundesliga, 17. Spieltag / Eintracht Frankfurt 1 BVB 0

Die Aufstellung: Weidenfeller – Schmelzer, Hummels, Subotic, Piszczek – Sahin, Bender (46. da Silva) – Großkreutz (73. Lewandowski), Kagawa (64. Kuba), Götze – Barrios.

Kann Borussia Dortmund gegen die Eintracht noch gewinnen? Am gestrigen Samstag erlitten die Schwarz-Gelben gegen diesen Gegner bereits die zweite Niederlage in Folge und warten seit über 132 Minuten auf ein Tor. Damit ist Frankfurt heißer Kandidat auf den Titel ‘Angstgegner’.

Die Niederlage hatte sich angedeutet, zumindest für die, deren Sinne nicht vernebelt waren. Zuerst war es ‘nur’ noch eine gute Halbzeit pro Spiel, dann reichten dem BVB bei vergleichsweise mäßiger Gesamtleistung sogar kurze überzeugende Phasen zu drei Punkten. Auch gestern hätte man gewinnen können und die Eintracht hätte sich nicht zu beschweren brauchen. Letzteres gilt jedoch in der Realität auch für uns, denn beide Mannschaften hatten genügend Chancen für einen glücklichen 1:0-Sieg, der BVB war allerdings in der zweiten Halbzeit dem Sieg näher.

Es war die torlose erste Halbzeit, die die Probleme verdeutlichte, mit denen die Schwarz-Gelben zuletzt zu tun hatten. Natürlich arbeiten die Trainer der Gegner an einem Konzept, den BVB aus dem Spiel zu nehmen und mit jeder weiteren Partie erhalten sie mehr Anschauungsunterricht. Der erfolgversprechendste Ansatz ist, das zentrale Mittelfeld auszuschalten: Bender, Sahin und Kagawa. Das ist nicht einfach, gelang den letzten Gegnern aber zunehmend. Die Mittel sind Pressing, Doppelung und/oder Härte. Sicher hatte auch Michael Skibbe erkannt, dass von den Flügeln momentan eher weniger Gefahr droht, vor allem wenn die Außen keine Pässe aus der Mitte bekommen. Schmelzer war gestern bemüht, aber eher selten ganz vorne mit dabei. Piszczek hat in den letzten beiden Partien etwas die Entschlossenheit vermissen lassen. Großkreutz spielte bei seiner Rückkehr in die Startelf zu viele überhastete ungenaue Pässe, häufig in den Rücken seiner Mitspieler. Am überzeugendsten von den nominellen Flügelspielern war Mario Götze, den es jedoch häufig in die Mitte zog.

Folgerichtig hatte die Eintracht gestern in der ersten Halbzeit zwar nicht mehr vom Spiel, aber mehr Torchancen. Die wurden zwar mit limitierten Mitteln erreicht – irgendwie Gekas einsetzen, Standards rausholen, Weitschüsse – aber sie waren da. Erst in den Schlussminuten kam der BVB gefährlich vors gegnerische Tor: Ein Götze-Schuss und ein Freistoß von Nuri Sahin verblassten aber gegenüber dessen langen Traumpass auf Lucas Barrios. Leider schloss der Argentinier überhastet und quasi volley ab und setzte den Ball deutlich über den Torwart und das Tor.

Die zweite Halbzeit war deutlich besser anzusehen. Beide Mannschaften versuchten mehr, dabei ließen die Gastgeber dem BVB zwangsläufig auch mehr Freiräume. Und die wurden einige Male genutzt: Bei einem Schuss des für den angeschlagenen Bender eingewechselten da Silva war ein Frankfurter Kopf im Weg. Einen Heber von Shinji Kagawa konnte Torwart Fährmann über das Tor lenken – nicht die einzige Rettungstat des starken Nikolov-Vertreters. Kurz darauf flankte der ebenfalls starke Sahin von rechts direkt an die Latte.

Man kann es durchaus so sehen wie Jürgen Klopp, der davon sprach, dass sich das Spiel zuspitzte, „als wir unsere Großchance hatten und Theofanis Gekas das Ding im Gegenzug reinhaut.“ Der BVB war in der zweiten Hälfte am Drücker gewesen, hatte die besseren Chancen gehabt – die beste in der 86. Minute: Kuba brachte den Ball von außen in den Strafraum, Barrios stand erneut ganz allein vor Ralf Fährmann. Aus deutlich kürzerer Distanz streifte sein Schuss diesmal die Latte und ging drüber. Lucas ‘krönte’ damit einen erneut nicht überzeugenden Auftritt. Wir wissen, dass er es besser kann, aber in diesem Spiel muss man einfach aus zwei solchen Riesenchancen mehr machen. Denn fast im Gegenzug machte es die Eintracht besser: Schneller Angriff über rechts, Jungs Pass in den Strafraum leitet Fenin toll mit der Hacke weiter zum halblinks postierten Gekas und der Torjäger des Gegners macht es halt besser als unserer.

So war es passiert, weil danach nichts mehr Gefährliches vom BVB kam. Erste Auswärtsniederlage in der Liga. Die Hinrunde endet wie sie begonnen hatte. Es lag sicher nicht an einem physischen Kräfteverschleiß, allenfalls die ‘mentale Spritzigkeit’ könnte gefehlt haben. Eine Sache, an der man in der Winterpause arbeiten kann. Jürgen Klopp wird bis zum Trainingslager in Spanien viel analysieren und an Lösungsmöglichkeiten tüfteln. Wie die Gesamtsituation des BVB einzuschätzen ist, erfahrt ihr dann im nächsten Beitrag…

Abschlussball in Frankfurt

Am Ende einer glänzenden Hinrunde erwartet Borussia Dortmund morgen ein frostiger Abschluss in Frankfurt. Jürgen Klopp und die schwarz-gelben Jungs wollen dafür sorgen, dass sich das nur auf die Temperatur bezieht. Nach dem Aus in der Europa League geht es immerhin noch um einen fantastischen neuen Hinrunden-Punkterekord, vor allem aber darum, den Vorsprung vor dem Spitzenspiel in Leverkusen zu halten und nicht mit einem Negativerlebnis in die Winterpause zu gehen.

Eintracht Frankfurt hat ebenfalls einen guten Saisonstart hingelegt, sich inzwischen aber wieder im Mittelfeld einsortiert. Von den letzten fünf Spielen konnte nur eines gewonnen werden, unter den Gegnern waren jedoch Bayern, Hoffenheim und Bremen. Der Rückstand auf Platz 5 beträgt zwar nur vier Punkte, aber man weiß in Frankfurt mal wieder nicht so richtig, was man von dieser Saison halten soll. Ein Erfolgserlebnis gegen den Spitzenreiter wäre das ersehnte positive Signal.

Für die Borussia spricht neben der Saisonstatistik die Tatsache, dass auch diesem Gegner, wie der falschen Borussia, einige Abwehrspieler fehlen. Chris, Mike Franz und Marco Russ sind verletzt und letzterer obendrein noch gesperrt. Für Michael Skibbe wird vor allem die Besetzung der Innenverteidigung knifflig. Der Trainer hat entschieden, dass der freie Platz neben Vasoski nicht mit einem Spieler aus der U23-Mannschaft besetzt wird. In Frage kommen der Jugendspieler Kevin Kraus und der defensive Mittelfeldspieler Ricardo Clark, der seit Januar in Frankfurt ist, aber bisher nicht überzeugt hat. Trotzdem dürfte die größere Routine den Ausschlag zu seinen Gunsten geben.

Trotz der geschwächten Defensive des Gegners sollte der Borussia etwas mehr einfallen als vorgestern in Sevilla. Bisher schien das Selbstvertrauen in der Liga immer größer zu sein als im Europapokal – hoffentlich bleibt das so. Beim BVB sind erneut die eminent wichtigen Nuri Sahin und Sven Bender angeschlagen, Jürgen Klopp geht aber davon aus, dass beide noch einmal auf die Zähne beißen. Es sieht also so aus, dass der Trainer die gleichen personellen Möglichkeiten haben wird wie in Andalusien.

In Frankfurt werden wieder bis zu 10.000 Dortmunder Fans erwartet und das Stadion ist ausverkauft. Da die Anhänger der SGE bekanntlich zu den lautesten der Liga gehören, sollte es also ein stimmungsvoller Abschlussball werden. Da sollten die Schwarz-Gelben doch wirklich noch mal alles „raushauen, was da ist“, wie Jürgen Klopp unnachahmlich fordert. Und nicht vergessen, auf Gekas aufzupassen!

Die Süddeutsche Option

Zusätzlich zu den rein spekulativen Transfergerüchten um Lucas Barrios und Roman Weidenfeller, die zurzeit auf dem Nachrichtenmarkt umherschwirren, gab es heute Morgen eine vergleichsweise konkrete Geschichte in der „SZ“. In der Print-Ausgabe wird über Mats Hummels berichtet, dass „nach SZ-Informationen (…) die Bayern schon zum Sommer 2012 wieder Zugriff auf den Nationalspieler [haben], über eine Kaufoption von acht Millionen Euro Ablöse (…) (SZ 16.12.2010, S.37). Ein echter Coup, den Uli Hoeneß da damals bei Hummels’ Verkauf eingefädelt hätte – wenn die Nachricht zuträfe.

Die Taktik, solche Gerüchte zu streuen, ist aus München und von Hoeneß bekannt, die Gründe für den Zeitpunkt liegen auf der Hand. Ein gefährlicher Gegner könnte verunsichert werden und der Bayern-Präsident mal eben sein Image wieder aufbessern. Zuletzt kam Hoeneß in München ja eher als unterbeschäftigter Dauergrantler rüber. Von wem das Gerücht wirklich stammt, gibt die „SZ“ natürlich nicht preis. Ob es der Wahrheit entspricht, darf stark bezweifelt werden. Hans-Joachim Watzke sagte heute Nachmittag den „Ruhr Nachrichten“:

Es gibt definitiv keine Kaufoption der Bayern im Fall Mats Hummels. Und es gibt auch keine Nebenabsprachen. Ich dementiere das scharf.

Hinter diese Aussage kann er nicht zurück. Wäre sie unzutreffend, würde sie Watzke in eineinhalb Jahren um die Ohren fliegen. Hummels weiß ebenfalls nichts von einer Absprache.

Bisher fand ich den Sportteil der „SZ“ gut, bis auf den Schreibstil von ein paar Redakteuren/Mitarbeitern. Nun scheint sich besonders Andreas Burkert zum wiederholten Male zum Erfüllungsgehilfen der Vereinspolitik des FCB zu machen. Vor einer knappen Woche schrieb er, die Bayern hätten die Personalie Neuer „längst geklärt“. Nach SZ-Informationen. Das mag ja sein, nur hatte das noch niemand den Schalkern und der Hauptfigur gesagt. Jetzt also Hummels, mit dem Neuer einen gemeinsamen „Umzugswagen (…) chartern [könnte].

Leider scheint sich der ein oder andere bei dieser Zeitung im berühmten Umfeld des FC Bayern so wohl zu fühlen, dass er jeden hingeworfenen Informationsbrocken gleich ins Blatt bringen muss. Zum Glück gibt es noch andere Optionen als die Süddeutsche.

Mehr Schauspiel als Fußball

Europa League, 6. Spieltag / FC Sevilla 2 BVB 2

Die Aufstellung: Weidenfeller – Schmelzer (87. Le Tallec), Hummels, Subotic, Piszczek – Sahin, Bender (78. da Silva) – Götze, Kagawa, Kuba (67. Lewandowski) – Barrios. Tore: Kagawa, Subotic

Der FC Sevilla zieht in die nächste Runde der Europa League ein – auch dank des Schauspielunterrichts, den Trainer Manzano seinen Spielern letzte Woche offensichtlich verordnet hat. Man ist von spanischen Mannschaften im Europapokal schon einiges gewöhnt, aber was dieses Team in der zweiten Halbzeit an Unterbrechungen und Verzögerungen provoziert hat – einfach peinlich. Da hatte Jürgen Klopp im Interview nach dem Spiel völlig Recht. Ich hoffe, irgendein Statisitik-Freak wird überprüfen, wie viele Minuten der Ball in der letzten Viertelstunde plus Nachspielzeit wirklich gerollt ist. Unglaublich, wie viele Krämpfe und Kurzzeit-Verletzungen plötzlich bei den Gastgebern auftraten, unglaublich, wie lange man zur Ausführung von Frei- und Abstößen brauchen kann. Schiedsrichter Nikolaev ordnete zwar fünf Minuten Nachspielzeit an, ging aber trotzdem viel zu inkonsequent mit dem traurigen Schauspiel um. Was sich der Europapokalsieger von 2006 und 2007 da geleistet hat, war das Gegenteil von Fair Play. Und wer das Spiel nicht gesehen hat: Das ging weit über das international übliche Maß hinaus.

So, der Absatz musste vorneweg sein. Betrachtet man den Zeitraum, in dem das Spiel tatsächlich gelaufen ist, kann sich der BVB über das Unentschieden nicht beschweren. Man hat es versucht, es hat nicht gereicht. Die frühe Führung half den Schwarz-Gelben nur kurzfristig. Schon in der vierten Minute hatte Schmelzer von links geflankt, Escude klärte zu kurz in die Mitte und Kagawa setzte einen platzierten, gar nicht so harten Schuss ins rechte Eck. Daraufhin wirkte die Mannschaft zehn Minuten sehr souverän und aufmerksam, geriet aber nach der ersten Chance der Spanier unter zunehmenden Druck. Weidenfeller klärte innerhalb von zwei Minuten zweimal stark und danach spielten fast nur noch die Gastgeber. In der Offensive gab die Borussia zu schnell die Bälle ab oder Barrios stand im Abseits.

Sevilla brauchte schließlich vier Minuten, um in Führung zu gehen. Erst spielte Piszczek beim Versuch der Klärung einer Flanke den Ball direkt Romaric in die Füße, der keine Probleme hatte zu versenken. Dann sprang Kanouté bei einer Flanke von links im Strafraum am höchsten, setzte sich dabei u.a. gegen Kuba durch und köpfte das 1:2. Von diesem Doppelschlag erholte sich der BVB bis zur Pause nicht – vor dem Halbzeitpfiff gab es keine vernünftige Aktion mehr. Lies mehr …

Unter der Sonne Andalusiens

Sevilla – im Sommer oft unerträglich heiß, im Dezember der beste Ort in Europa, um ein Fußballspiel zu bestreiten. Heute haben sich die Mannschaft, das Trainerteam, die Belegschaft und viele Fans von Borussia Dortmund in die Hauptstadt Andalusiens aufgemacht, um bei angenehmen Temperaturen (heute 17 Grad, Sonne) ein weiteres schwarz-gelbes Märchen zu erleben. Morgen Abend könnte mit einem Sieg gegen den FC Sevilla doch noch der Einzug in das Sechzehntelfinale der Europa League gelingen

Die Vorzeichen sind nicht einfach zu interpretieren. Ginge es nach der aktuellen Form, könnte sich der BVB große Hoffnungen machen. Sevilla hat in der Primera División die letzten vier Spiele verloren, dazu kommt die Niederlage in Paris. In der Liga resultiert daraus der elfte Platz, in der Europa League stehen die Gastgeber noch auf Platz 2. Aus Dortmunder Vereinskreisen hört man jedoch zu Recht andere Töne. Jürgen Klopp preist die große Qualität dieser europäischen Spitzenmannschaft. Tatsache ist, dass diese Spitzenmannschaft zurzeit in der Liga eine Krise durchmacht und die Chancen, noch mal zu Barca und Real aufzuschließen, rein rechnerischer Natur sind. So bleibt neben dem nationalen Pokal nur die Europa League, um noch etwas zu gewinnen. Nach dem Scheitern in der Champions League-Qualifikation hat die Vereinsführung von Sevilla den Gewinn der ‘kleinen’ europäischen Trophäe als Saisonziel ausgegeben. Dementsprechend entschlossen klingen vor dem morgigen Gruppenfinale die O-Töne aus Südspanien:

[We are] aware of what’s at stake tomorrow. It’s a real cup final because if we lose the Europa League is over (…)  [José María del Nido, Präsident FC Sevilla]

Die Mannschaft und vor allem Trainer Manzano können sich ein Scheitern also schlecht leisten. Dementsprechend intensiv wird es im Estadio Ramón Sánchez Pizjuán zugehen.

Machen wir uns nichts vor: Der FC Sevilla ist im eigenen Haus klarer Favorit. Der BVB muss früher oder später kommen und für Kontertore sind die Hausherren allemal gut. Selbst bei der Niederlage in Paris trafen sie zweimal. Die Borussia kann Hoffnung daraus schöpfen, dass der Druck auf Sevilla größer ist und vielleicht Spuren hinterlässt. Wichtig wird sein, Fehler des Gegners besser auszunutzen als in den bisherigen Spielen gegen die beiden in der Gruppe führenden Clubs.

Personell hat Jürgen Klopp Stand heute die gleichen Möglichkeiten wie am Samstag. Die Einsätze von Nuri Sahin, Sven Bender und Mario Götze sind noch nicht zu 100% sicher, aber sehr wahrscheinlich. Für alle Fälle hat der Trainer jedoch 20 einsatzbereite Spieler mitgenommen, hinzu kommen gegenüber dem Bremen-Spiel Zidan und Le Tallec, Sebastian Kehl ist lediglich zur moralischen Unterstützung dabei. Roman Weidenfeller wird nach seinem samstäglichen Zusammentreffen mit Mats Hummels sicher spielen können, er hat nur eine Schürfwunde davongetragen. Gut möglich erscheint, dass Klopp aufgrund Götzes Magen-Darm-Infekt Kevin Großkreutz an seiner Stelle beginnen lässt.

Ich glaube, niemand im näheren Umfeld der Borussia wird morgen an die Bundesliga denken. Der Verein war in den letzten Jahren zu selten im internationalen Geschäft vertreten, um es geringzuschätzen. Außerdem steht die Winterpause vor der Tür, in der man sich dann endlich ausruhen kann. Nein, an fehlendem Engagement wird der BVB morgen nicht scheitern. Er wird jedoch eine herausragende Leistung und vielleicht ein wenig Glück brauchen. Glück, das bisher in der Europa League gefehlt hat – vielleicht ändert sich das beim großen Finale.

BVB schenkt uns Bender bis 2016

Borussia Dortmund hat mit einem weiteren seiner gefeierten jungen Spieler eine langfristige Vertragsverlängerung vereinbart: Mittelfeldspieler Sven Bender bleibt bis Juni 2016. Eine großartige Nachricht in einer Woche, die den Fans der Schwarz-Gelben noch mehr tolle Geschenke bescheren könnte. Der 21-jährige Bender hat sich in beeindruckender Weise in der Mannschaft etabliert und verkörpert genau den Spielertyp, den Jürgen Klopp fürs defensive Mittelfeld und für sein Spielsystem insgesamt braucht: Er ist unheimlich engagiert, defensivstark und wird immer passsicherer. Bender hilft häufig in der Abwehr aus und harmoniert prächtig mit Nebenmann Nuri Sahin.

Natürlich hat er von den Verletzungsproblemen von Sebastian Kehl profitiert und es wird spannend sein zu sehen, was nach dessen Rückkehr im neuen Jahr passiert. Zum jetzigen Zeitpunkt kann man sich kaum vorstellen, dass unser Kapitän Bender noch in dieser Saison wieder aus der Startelf verdrängt. Aber das ist ein Luxusproblem und für den Verein insgesamt ist es gar kein Problem, sondern positiv einzuordnen.

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