Archiv | Januar 2011

Vorsprung durch Qualität

1. Bundesliga, 20. Spieltag / VFL Wolfsburg 0 BVB 3

Es war anders als in Leverkusen. Nicht so intensiv, dafür unglaublich souverän. Und noch beeindruckender, da die Borussia 90 Minuten lang Herr im fremden Haus war. Die Auswärtsmannschaft zu sein, aber überhaupt nicht wie eine zu spielen – dazu gehören viel Selbstbewusstsein und mannschaftliche Qualitäten.

Wolfsburgs Trainer Steve McClaren setzte alles auf eine Karte und überraschte alle Beobachter, die nicht beim VFL eingebettet sind: In der Startelf standen die angeschlagenen Sascha Riether, Mario Mandzukic und Grafite. Dumm nur, dass lediglich der brasilianische Stürmer noch zur zweiten Halbzeit auflaufen konnte, um dann nach 67 Minuten und einer nennenswerten Torchance ebenfalls ausgewechselt zu werden. Die Aufstellung spricht nicht für McClarens Vertrauen in den Kader und dementsprechend äußerte sich der Trainer auch nach dem Spiel.

Den BVB ließ die Zusammensetzung der Wolfsburger Startelf völlig kalt. Klar – es ist ein Vorteil für eine starke Auswärtsmannschaft, wenn man nach zwei Minuten in Führung geht. Mario Götze bewies im betreffenden Spielzug zum ersten und nicht letzten Mal, dass er zurzeit Shinji Kagawa gut ersetzen kann. Die Flexibilität und sein tolles Auge beeindrucken jedes Mal aufs Neue. Seine offizielle Position war die Offensivzentrale, das erste und zweite Tor bereitete er jedoch über rechts vor. In diesem Fall war es eine schöne Flanke auf Barrios, die dieser dank atlethischem Einsatz mit der Fußspitze ins Tor bugsierte. Schon zu diesem frühen Zeitpunkt war klar: ein fitter Barrios tut den Schwarz-Gelben gut. Der Treffer erinnerte an den Bayern-Ausgleich in Bremen durch Arjen Robben. Lies mehr …

Wohin des Weges?

Mir liegt es fern, ständig wegweisende Spiele auszurufen. Das Derby nächste Woche hat bekanntlich eigene Gesetze und die darauffolgenden Partien gegen Lautern und St. Pauli taugen nicht wirklich als Schlüsselspiele. Die Reise nach Wolfsburg diesen Samstag könnte jedoch tatsächlich ein Indikator für den weiteren Saisonverlauf von Borussia Dortmund sein. Mit dem Punktverlust gegen Stuttgart und dem Verlust von Shinji Kagawa für mehrere Monate haben die Schwarz-Gelben zwei Rückschläge erlitten, von denen der letztere sicher schwerer wiegt. Darauf in Wolfsburg eine positive Reaktion zu zeigen wäre für die Mannschaft ein wichtiger Schritt.

Der Gegner gehört neben Bremen und Stuttgart zu den großen Verlierern der Hinrunde. Die wenigsten Beobachter hätten kurz vor Weihnachten an eine Zukunft von Trainer Steve McClaren in der Autostadt geglaubt. Aber Sportdirektor Dieter Hoeneß hat bekanntlich seinen eigenen Kopf und konnte seine Vorgesetzten bei VW überzeugen: Der ‘Mann mit dem Regenschirm’ darf vorerst weitermachen und versucht einen Neuanfang. Ohne die Überfigur Edin Dzeko, dafür mit eiserner Disziplin. Trotz der riesigen Qualitäten des nach Manchester abgewanderten Stars könnte der zweite Anlauf gelingen, wenn nun mehr Spieler als bisher Verantwortung übernehmen und die 35 Millionen Ablöse weise investiert werden.

Für den BVB ist vor allem interessant, dass der VFL Wolfsburg bereits Ersatz für Dzeko gefunden hat. Von AS Monaco wurde zunächst bis zum Saisonende der Kongolese Dieumerci Mbokani  verpflichtet, den Dieter Hoeneß als schnellen und athletischen Stürmer preist. Es ist gut möglich, dass der neue Mann am Samstag gleich auflaufen wird, denn Grafite und Mario Mandzukic sind angeschlagen und fraglich. Aus den ersten beiden Rückrundenspielen gegen Bayern und Mainz hat der VFL beachtliche vier Punkte geholt – eine Rolle dürfte dabei auch die Rückkehr von Nationalspieler Arne Friedrich gespielt haben. Allerdings ist dessen Defensivkollege Kjaer ebenfalls angeschlagen, Andrea Barzagli nach Turin entschwunden und im defensiven Mittelfeld muss McClaren auf Sascha Riether verzichten.

Die personelle Situation bei den Gastgebern ist also schwer einzuschätzen. Beim BVB gibt es nach dem Kagawa-Schock zumindest nicht so viele Fragezeichen. Kuba hat im Training eine Risswunde am Fuß erlitten – da Jürgen Klopp seinen Einsatz auf der heutigen PK nicht ausgeschlossen hat, kann man aber vorsichtig optimistisch sein. Erfreuliche Nachrichten gibt es von Sven Bender und Toni da Silva: Beide werden am Samstag zur Verfügung stehen. Damit hat sich die Problemzone defensives Mittelfeld erledigt. Je nach Einsatzfähigkeit von Kuba wird Mario Götze offensiv zentral oder rechts spielen, gegebenenfalls rücken Lewandowski oder Zidan in die Mitte. Lucas Barrios, über dessen Fitness Jürgen Klopp aufgrund der Laktatwerte zuletzt anderer Ansicht war als der Spieler, wird auf jeden Fall in den Sturm zurückkehren.

Es steht nicht zu befürchten, dass die Schwarz-Gelben durch den Punktverlust und Shinjis Verletzung mental gehandicappt sind. Wie stark sich das Fehlen des Japaners spielerisch bemerkbar macht, kann eine Begegnung in Wolfsburg möglicherweise zeigen. Es wird auch ein Wettbewerb um das kreativere Mittelfeld sein: Sahin und Götze gegen Diego plus x. Für Kagawa soll übrigens kein Ersatz geholt werden – Michael Zorc und Jürgen Klopp vertrauen dem Kader, dem nun auch weiterhin Tamas Hajnal angehören dürfte. Und überhaupt: Am Samstag wäre Shinji ohnehin noch beim Finale in Katar gewesen.

Shinjis Fuß

Was die Vertreter der ‘Deutscher-Meister-wird-nur-der-BVB’-Fraktion gerne ausblenden, ist eingetreten: Dortmund hat das Verletzungspech erwischt und zwar so richtig. Shinji Kagawa hat sich beim Halbfinale des Asien-Cups den Mittelfuß gebrochen, wie die japanischen Teamärzte heute diagnostizierten. Er ist bereits auf dem Rückweg nach Deutschland und wird mehrere Monate ausfallen! Man kann davon ausgehen, dass er in dieser Saison keine große Rolle mehr spielen und nur bei sehr gutem Heilungsverlauf noch zu Einsätzen kommen wird.

Shinji gehörte zu den entscheidenden Protagonisten des ‘Wunders von Dortmund’, das wir in der Hinrunde erleben durften. Nun brauchen wir nicht den Weltuntergang zu prophezeien, es ist bisher nur ein Spieler der Erfolgstruppe, der ausfällt. Es wird aber ohne Kagawa ohne Zweifel schwerer, den 11-Punkte-Vorsprung zu verteidigen, denn seine Ideen, seine Spritzigkeit und sein Abschluss werden uns fehlen. Das Wichtigste ist aber, dass Shinji sich nicht unterkriegen lässt und schnell wieder gesund wird. Ich wünsche gute Besserung!

Hajnal und Le Tallec bleiben Dortmunder – vorerst

Die aktuelle Transferperiode verlief bei Borussia Dortmund bisher ereignislos und dabei könnte es bleiben. Zwei Abgänge, über die spekuliert wurde, sind am Wochenende eher unwahrscheinlich geworden. Das BVB-Mitgliedermagazin „Borussia“ berichtet in der Ausgabe zum Stuttgart-Spiel, dass Michael Zorc die Ausleihe von Damien Le Tallec zu Fortuna Düsseldorf gestoppt hat (Borussia 22.1.2011, S.35). Der Grund ist vor allem die Situation der zweiten Mannschaft: Theo Schneiders Jungs können sich noch gewisse Hoffnungen auf den direkten Wiederaufstieg in die Dritte Liga machen, brauchen dazu aber einen treffsicheren Stürmer. Torjäger Daniel Ginczek fällt nun jedoch mit einem Innenbandteilriss im Knie mehrere Wochen aus – bis zu seiner Rückkehr könnten die Aufstiegshoffnungen beerdigt sein.

Gleichzeitig ist Le Tallec ein Back-Up für die Bundesliga, quasi unserer vierter Stürmer, falls es dort mal ganz dumm läuft. Die einzige Alternative neben ihm und Ginczek wäre Marco Stiepermann, Christopher Kullmann ist der Sprung in die erste Mannschaft zurzeit nicht zuzutrauen. Damien hätte sich einen Wechsel in die zweite Liga um Spielpraxis zu bekommen, gut vorstellen können – vielleicht mit dem leuchtenden Beispiel Julian Koch vor Augen. Nun wird aus einsichtigen Gründen die Vereinsräson obenan gestellt.

Spielmacher Tamas Hajnal stand in intensiven Verhandlungen mit dem Gegner vom vergangenen Wochenende. Nun haben die Schwaben in Person von Sportdirektor Bobic Michael Zorc mitgeteilt, dass ein Transfer nur möglich ist, wenn ein anderer positionsgleicher Spieler den Verein verlässt. Dabei denkt Bobic an den Brasilianer Elson. Der spielt in Stuttgart keine Rolle mehr, es sind jedoch auch noch keine konkreten Angebote für ihn eingegangen. Es ist daher gut möglich, dass sich nichts mehr tut und der VfB zumindest auf dieser Position nicht tätig wird. So langsam scheint es ja ohnehin aufwärts zu gehen.

Dortmund lässt die Ernte auf dem Feld

1. Bundesliga, 19. Spieltag / BVB 1 VfB Stuttgart 1

Die Borussia zeigt ein ordentliches Spiel gegen eine gute Auswärtsmannschaft, versäumt es aber, die drei Punkte abzusichern. Die Chancenverwertung könnte gegen gut stehende Gegner in der Rückrunde zum Problem werden.

Niemand war überrascht, dass Toni da Silva und Mario Götze von Beginn an spielen konnten. Nicht gerechnet hätten die meisten wohl mit dem erneuten Startelf-Einsatz von Lewandowski – Barrios saß zunächst auf der Bank. Das Spiel begann offen und der VfB ließ den Ankündigungen seines Trainers Taten folgen. Zwar hatte Lewandowski die frühe Führung auf dem Fuß, aber danach spielten die Gäste so, wie man es von einer starken Auswärtsmannschaft erwarten darf: Sehr gut sortiert, mit Pressing in der eigenen Hälfte und mit gefährlichen Vorstößen, wenn möglich. Die Schwarz-Gelben hatten mehr vom Spiel, aber die Schwaben zwei brenzlige Kopfballgelegenheiten.

Das flüssige Kombinationsspiel des BVB sah man durchaus in Ansätzen, es mangelte aber erneut an der Genauigkeit der Pässe im Offensivbereich – was nur zum Teil durch die gute Positionierung der Stuttgarter Abwehrspieler zu erklären ist. Was es gegen einen Gegner, der deutlich stärker ist als sein Tabellenplatz, nicht braucht, sind ständige Versuche, mit der Hacke zu tricksen. Das klappte heute leider nur beim VfB. Andererseits ist das schnelle Dortmunder Spiel von Natur aus fehleranfälliger und bringt uns dennoch immer wieder Ertrag. Häufig ist es noch dazu herrlich anzusehen, wie in der 43. Minute. One-Touch-Fußball par excellence von Schwarz-Gelb: langer Pass von Hummels, Sahin leitet von links direkt weiter zum halblinks laufenden Großkreutz, der legt ab auf Götze und der kann sich den Ball sogar noch auf den rechten Fuß legen, um dann platziert zu treffen.

Der BVB ging zum Ende der vom Chancenverhältnis fast ausgeglichenen ersten Hälfte in Führung und startete beflügelt in die noch intensiveren zweiten 45 Minuten. Das Übergewicht der Schwarz-Gelben war nun deutlich ausgeprägt, die Gäste lauerten aber weiter und hatten selbst zwei, drei hochkarätige Gelegenheiten. Trotzdem hätte die Borussia in den ersten 20-25 Minuten nach der Pause das Spiel entscheiden müssen. Die unglücklichste Figur gab Robert Lewandowski ab, der seine Chance heute leider nicht nutzen konnte. Nach der frühen Szene zu Beginn des Spiels vergab er eine weitere gute und eine fast 100%ige Gelegenheit, als er das Tor praktisch für sich hatte und nach Zuspiel von Götze aus etwa 12 Metern knapp verzog. Pech hatte Sahin, dessen Schuss noch abgefälscht wurde. Großkreutz und der natürlich noch eingewechselte Barrios trafen ebensowenig.

Man kann dem BVB weder vom Engagement noch von der Physis her einen Vorwurf machen. Es lag in der zweiten Halbzeit einzig und allein an der Chancenverwertung und am immer stärker werdenden VfB-Keeper Ulreich. Die Kurzbeschreibung könnte lauten: Der BVB spielte, Ulreich hielt, Stuttgart konterte und traf doch noch. Es hatte in der Luft gelegen. Welcher Fußballfan kennt das nicht? Deine Mannschaft spielt gegen einen ernstzunehmenden Gegner, vergibt eine Chance nach der anderen und deine Sorge wird größer und größer. Wer die Chancen nicht nutzt…die wohl älteste Fußballweisheit der Welt. Es war ein wirklich gelungener Angriff der Gäste in der 84. Minute. Der Ball lief schnell über halblinks, in der Mitte leitete ein Stuttgarter den Ball mit der Hacke zu Pogrebnyak weiter und der vollendete mit einem satten Schuss in den Winkel. MMn war es weniger ein Fehler des insgesamt starken Schmelzer, der plötzlich allein gegen zwei Mann stand – jemand (Hummels?) hätte den Hackentrick in der Mitte unterbinden müssen.

Nachdem Ulreich noch mal hervorragend einen Barrios-Schuss (oder Kopfball, habe ich mir in dieser Phase nicht gemerkt) über das Tor lenkte, war es das. 1:1. Hätte Bender möglicherweise den späten VfB-Konter unterbunden? Hätte Kagawa besser getrickst als die, die auf dem Platz standen? Eine natürlich müßige Diskussion. Was ich sagen will: Es war ärgerlich, so spät den Ausgleich zu kassieren. Es kann aber passieren. Auch uns.

Wer trotzdem schon seine persönliche Meisterfeier plant, sollte das Spiel noch mal genau analysieren (genau diejenigen werden das natürlich nicht machen). Solche Spiele können uns immer wieder passieren, wenn wir unsere Chancen nicht nutzen. Trotzdem war es von vielen Borussen ein ordentliches Spiel: Die Defensive stand größtenteils gut, da Silva und Götze machten überhaupt keinen angeschlagenen Eindruck. Und mal ganz grundsätzlich: Wen interessiert eigentlich das Geblöke von Uli Hoeneß?

Die Aufstellung: Weidenfeller – Schmelzer, Hummels, Subotic, Piszczek – Sahin, da Silva – Großkreutz (85. Feulner), Götze, Kuba (64. Barrios) – Lewandowski (90. Stiepermann). Tor: Götze

Knappe Mitte

Vor dem Bundesligaspiel gegen den VfB Stuttgart hat Borussia Dortmund die Gegenwart wieder eingeholt. Und die bringt Personalprobleme in dem Mannschaftsteil mit sich, in dem die Schwarz-Gelben als besonders gut besetzt galten. Neben Sebastian Kehl, Florian Kringe und Shinji Kagawa werden Jürgen Klopp auch die Mittelfeldspieler Sven Bender und Mohamed Zidan höchstwahrscheinlich fehlen. Die medizinische Abteilung des BVB scheint sich gegen einen Einsatz von Bender ausgesprochen zu haben, obwohl bei ihm ‘nur’ eine Innenbanddehnung diagnostiziert worden war. Ein Spiel Schonung ist allemal besser als eine schwerere Verletzung zu riskieren. Zidan ist noch durch einen Infekt außer Gefecht gesetzt und wird nur dann im Kader stehen, wenn eine „überraschende Besserung“ eintritt.

Fraglich bei eher positiver Tendenz sind Toni da Silva und Mario Götze, die an einem Virusinfekt respektive Bronchitis litten. Damit ist vor allem die Besetzung der zentralen Mittelfeldpositionen unklar und problematisch. Sven Bender ist nicht so einfach zu ersetzen, der Ex-Stuttgarter da Silva würde aber zumindest sehr motiviert in die Partie gehen. Fällt auch er aus, könnte tatsächlich Markus Feulner zu einem Einsatz von Beginn an kommen. In einem Trainingsspiel hatte er Jürgen Klopp überzeugt. Unwahrscheinlicher ist, dass Tamas Hajnal eine Chance auf der 10er-Position bekommt – obwohl das angesichts des Stuttgarter Interesses ja auch seinen Reiz hätte. Es ist jedoch stark davon auszugehen, dass entweder Götze oder Zidan spielen können. Selbst die Option mit Lewandowski würde der Trainer vermutlich präferieren.

Beim schwäbischen Abstiegskandidaten scheinen sie zumindest wieder Boden unter den Füßen zu spüren. Bruno Labbadia sind kleine Fortschritte geglückt, doch der Aufwärtstrend wirkt noch wenig gefestigt. Der BVB kann darauf hoffen, dass das Spiel im ausverkauften Westfalenstadion für die Stuttgarter noch zu früh kommt. Labbadia redete in der heutigen PK über das Spiel gegen Mainz und die Lehren daraus:

Wir hatten eine gute Grundordnung und haben nur sehr wenige Chancen zugelassen. Jetzt müssen wir noch dahin kommen, in Ballbesitz mutiger nach vorne zu spielen.

Ob das ausgerechnet in Dortmund gelingen wird? Das wird nicht unwesentlich davon abhängen, wie eingespielt sich das schwarz-gelbe Mittelfeld präsentiert. Die Schwaben haben eher in der Offensive Besetzungssorgen: Cacau wird sehr wahrscheinlich ausfallen, Marica und Harnik konnten zuletzt nicht (voll) trainieren. Aufpassen sollten wir aber auf Pavel Pogrebnyak, dem der erneute Trainerwechsel offensichtlich gut getan hat: Gegen die Bayern erzielte der Russe immerhin zwei Tore.

Dem Tabellenstand nach sollte der BVB das Spiel am Samstag gewinnen. Aber vergessen wir nicht, dass es sich um einen aktuellen Europa League-Teilnehmer handelt, der nur national etwas auf Abwege geraten ist. Wie schon angedeutet: Die Leistung unserer ‘neuen Mitte’ könnte entscheidend sein.

Wednesday Focus

Die jüngsten Querelen bei der TSG Hoffenheim haben die Frage nach den Eigentumsverhältnissen in Fußballvereinen neu aufgeworfen. Ist Dietmar Hopp nun ein guter Mäzen, weil er sich ohne Mandat einmischt und kümmert? Weil ihm die TSG vermeintlich eine Herzensangelegenheit ist? In der Debatte wird gelegentlich der Vergleich mit den ‘englischen Verhältnissen’ bemüht und Hopp als ein positives Gegenbeispiel dargestellt. In der Regel werden dabei die Beispiele Chelsea, Manchester City, Liverpool oder Man United angeführt. Doch der englische Profifußball hat 92 Vereine und es gibt eine gewisse Bandbreite an Eigentümer-Modellen. Daher lohnt es sich, genauer hinzuschauen.

„Any Given Weekend“ wird genau dies in einer zeitlich offenen Serie tun und sich die Verhältnisse bei einem Drittligisten anschauen, dessen Fanpotenzial das der TSG womöglich sogar übersteigt: Sheffield Wednesday. Der Traditionsverein von 1867 stand Ende letzten Jahres vor dem Konkurs und wurde durch die Übernahme durch den Investor Milan Mandaric vor Punktabzügen oder gar dem Zwangsabstieg gerettet. Ich werde mich der sportlichen Entwicklung bei den ‘Owls’ ebenso widmen wie dem, was hinter den Kulissen vor sich geht. Und versuchen, eine Antwort auf die Frage zu geben, ob ein Hopp besser für einen Fußballverein ist als ein Mandaric.

Neue Beiträge der Reihe „Wednesday Focus“ werden immer mittwochs erscheinen, jedoch nicht notwendigerweise jeden Mittwoch.

Anfang November 2010 sah es für den Club aus der ‘Steel City’ Sheffield in South Yorkshire richtig düster aus. Neben ‘normalen’ Verbindlichkeiten plagten die in die Drittklassigkeit abgerutschten Owls Steuerschulden, die zum Zwangskonkurs hätten führen können. Politiker wie Vize-Premier Nick Clegg von den Liberaldemokraten oder der ehemalige Innenminister David Blunkett von Labour setzten sich für Wednesday ein, aber zunächst bekam der Verein vom High Court in London nur eine vierwöchige Fristverlängerung eingeräumt. Bis Mitte Dezember musste ein Käufer gefunden sein, um die Steuerschulden zu begleichen und andere Kredite zu bedienen. Lies mehr …

Neue Farbe

Wie regelmäßige Leser bereits bemerkt haben dürften, bastele ich weiter am Aussehen von „Any Given Weekend“. Das ist hier sozusagen ‘work in progress’ mit dem Ziel, auch mal einen Look zu haben, der längerfristig bestehen bleibt. Da ich mit dem im Dezember aktivierten „Fusion“-Theme nicht 100%ig zufrieden war, habe ich immer mal wieder das eine oder andere ausprobiert und bin jetzt auf „Clean Home“ gestoßen, das WordPress.com vor ein paar Tagen freigegeben hat. Es ist ein eher minimales Theme, bei dem mir die Typographie und vor allem die verschiedenen Farbvariationen gefallen. Ein neues Aussehen für die Rückrunde also, das hoffentlich nicht nur bei mir Anklang findet und das im Idealfall die nächste Qualifikation des BVB für einen internationalen Wettbewerb überdauert. ;-)

Inhaltlich herrschte hier immer schon größere Kontinuität und dabei bleibt es auch. Ich werde aber die Möglichkeiten des neuen Themes nutzen und voraussichtlich noch in dieser Woche ein kleines, neues Feature einführen.

Brettstarker Turbo-Auftritt

1. Bundesliga, 18. Spieltag / Bayer Leverkusen 1 BVB 3

Eine Überschrift zu Ehren von Jürgen Klopp. Der BVB-Trainer hat es wieder geschafft, die Mannschaft auf den Punkt vorzubereiten – für einen souveränen Auftritt beim Tabellendritten, der gekrönt wurde durch unglaubliche sechs Minuten im Turbomodus.

Es ist schon Wahnsinn. Wieder mal hat diese Mannschaft alle Erwartungen übertroffen und den ausgiebig verbalisierten Hoffnungen der Verfolger einen Dämpfer versetzt. Schon bei der Aufstellung hatte Klopp alles richtig gemacht. Götze spielte zentral offensiv und wirkte bis zu seiner Auswechslung spritzig und überhaupt nicht gehandicappt. Lewandowski vergab zwar eine Riesenchance, war aber engagiert, ins Spiel integriert und gewann das entscheidende Kopfballduell vor dem 2:0. Als später Lucas Barrios eingewechselt wurde, sah man deutlich, dass es bei ihm nicht für 90 oder auch nur 60 Minuten gereicht hätte.

Erstaunlich war, wie schnell die Schwarz-Gelben die Kontrolle über dieses Spiel eroberten. Der Pfosten-Kopfball von Sven Bender in der dritten Minute mag dazu beigetragen haben, dass die Gastgeber Respekt hatten. Nicht ganz einsichtig war mir, dass Heynckes Vidal und Barnetta zunächst auf der Bank ließ. Solche Spieler hätte es gegen den BVB von Anfang an gebraucht. So dominierten wir schnell das Mittelfeld und setzten gut nach, es fehlte nur die Genauigkeit bei den Pässen in die Spitze. Vieles lief durch die Mitte, auch weil die Leverkusener ihren Gästen dort viel Platz ließen. Mehrmals wurde es dann doch vorne gefährlich. Von einem Pass von Subotic durch die Leverkusener Deckung war Lewandowski wohl etwas überrascht und brachte den Ball allein vor Adler nicht am Torwart vorbei. Ein paar Minuten später wurde ein Schuss des Stürmers knapp neben das Tor abgefälscht.

Die Gastgeber hatten zwar zwei Szenen, in denen Kießling halbwegs aussichtsreich vor dem Tor auftauchte, insgesamt wirkten sie aber deutlich weniger gefährlich als der BVB. Was auch an der wieder sehr präsenten, souveränen Viererkette der Schwarz-Gelben lag. Lies mehr …

Lust auf Fußball?

Da kann es nur eine Antwort geben, oder? Zumindest, wenn man Schwarz-Gelber ist. Die subjektiv spannendste Rückrunde seit einer gefühlten Ewigkeit beginnt morgen mit dem spannendst möglichen Auftaktspiel: Tabellenführer Borussia Dortmund tritt beim Meisterschaftskandidaten Bayer Leverkusen an. Ich habe die Werkself nach dem ersten Spieltag zu einem der Favoriten erklärt und bislang ist nichts passiert, was dieses Urteil in Frage stellt. Keine Ahnung, warum für viele nun wieder der FCB der einzige ernstzunehmende Verfolger ist.

Vieles ist im neuen Jahr bereits wieder über die Meisterchancen der Borussia gesagt worden. Nur nicht von den direkt Beteiligten. Jürgen Klopp hat sich auch in den jüngsten Interviews und PKs nicht aus der Reserve locken lassen und einen absolut zutreffenden Vergleich zum Wintersport gezogen:

Wenn ich Riesenslalom fahre, freue ich mich nach dem ersten Tor auch nicht über einen Superschwung und rausche ins nächste Tor hinein.

Insofern ist die Partie am Freitagabend sicher nicht vorentscheidend – wegweisend aber schon. Die Reaktionen der medial geprägten Öffentlichkeit sind vorhersehbar: Sollten die Gastgeber gewinnen (bei den Wettanbietern ist der TSV leichter Favorit), ist die Aufholjagd eingeläutet und in Dortmund beginnt das große Zittern. Ist dagegen der BVB erfolgreich, wäre das ein Riesenschritt zum Titel. Beide Sichtweisen kann man nach einem Spieltag zwar nicht widerlegen, aber auch nicht bestätigen. Ob dieses Spiel so große Bedeutung hat, wird man erst nach drei,vier weiteren Spielen beurteilen können. Und wenn es Unentschieden ausgeht? Dann wird man sicher irgendwo vom „lachenden Dritten Bayern“ lesen – dazu müssen die aber erst mal in Wolfsburg gewinnen.

Ich will die Bedeutung der Partie jedoch auch nicht herunterspielen. Am wichtigsten ist ihr Ausgang mMn für die Gefühlslage der Fans. Der Dortmunder, der Leverkusener, der Münchener, möglicherweise der Mainzer. Am Samstagabend 13 Punkte vor Bayer und mindestens 14 vor den Bazis zu stehen wäre schon ein tolles Gefühl. Für den Moment – wie meistens im Fußball.

Es begegnen sich zwei Mannschaften auf Augenhöhe. So sieht es auch der Trainer der Werkself, Jupp Heynckes. Das Hinspiel hat sein Team in Dortmund verdient gewonnen. Zuhause hat es aber nur 13 Punkte aus neun Spielen geholt. Alles offen, alles spannend also. Heynckes hat keine wesentlichen Sorgen bei der Aufstellung. Der offizielle Kapitän der deutschen Nationalmannschaft wird wegen mangelnder Spielpraxis kaum von Beginn an spielen, aber ziemlich sicher auf der Bank sitzen. Ansonsten fehlt nur Linksverteidiger Michal Kadlec wegen Gelbsperre.

Beim BVB sieht es auch nicht schlecht aus. Für Kapitän Sebastian Kehl kommt die Partie zu früh, Patrick Owomoyela und Florian Kringe werden sich ohnehin noch einige Wochen gedulden müssen. Die Stammelf der letzten Monate könnte trotzdem auflaufen – wäre nicht Offensivkünstler Shinji Kagawa mit der japanischen Nationalmannschaft beim Asien-Cup im Fußball-Paradies Katar. Wie schwer dieser Ausfall wiegt, vermag ich jetzt nicht zu beurteilen. Gut ist diese Terminplanung der FIFA bzw. des asiatischen Verbandes für uns sicher nicht – warten wir trotzdem mal das Spiel ab. Mohamed Zidan ist wieder fit und sprüht scheinbar vor Lust auf Fußball. Extra-Motivation zieht er nach eigener Aussage aus der Geburt seines ersten Kindes. Er könnte Kagawa in der Zentrale ersetzen.

Jürgen Klopp ist zuversichtlich, dass auch die zuletzt angeschlagenen Spieler morgen eingesetzt werden können. Ob Lucas Barrios beginnen wird oder von Robert Lewandowski die Jokerrolle übernimmt, ist noch offen. Meiner Ansicht nach hätte Robert in dieser Situation eine Chance verdient. Mario Götze hat erst gestern wieder voll mittrainiert, soll aber in Leverkusen einsatzbereit sein. Auch bei ihm stellt sich die Frage, ob er in der Startelf steht oder gegebenenfalls eingewechselt wird. Auf Roman Weidenfeller würde Klopp sicher ungern verzichten, zumal Mitch Langerak über leichte Rückenbeschwerden klagt. Auch unsere Nummer 1 plagte ein Magen-Darm-Infekt, die Lage entspannt sich aber.

Spekuliert worden ist genug. Nur noch soviel: Es würde mich sehr wundern, wenn es keine bessere Begegnung als das Hinspiel in Dortmund werden würde. Insgesamt jetzt. Lasst das Spiel beginnen!

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