Wednesday Focus

Die jüngsten Querelen bei der TSG Hoffenheim haben die Frage nach den Eigentumsverhältnissen in Fußballvereinen neu aufgeworfen. Ist Dietmar Hopp nun ein guter Mäzen, weil er sich ohne Mandat einmischt und kümmert? Weil ihm die TSG vermeintlich eine Herzensangelegenheit ist? In der Debatte wird gelegentlich der Vergleich mit den ‘englischen Verhältnissen’ bemüht und Hopp als ein positives Gegenbeispiel dargestellt. In der Regel werden dabei die Beispiele Chelsea, Manchester City, Liverpool oder Man United angeführt. Doch der englische Profifußball hat 92 Vereine und es gibt eine gewisse Bandbreite an Eigentümer-Modellen. Daher lohnt es sich, genauer hinzuschauen.

“Any Given Weekend” wird genau dies in einer zeitlich offenen Serie tun und sich die Verhältnisse bei einem Drittligisten anschauen, dessen Fanpotenzial das der TSG womöglich sogar übersteigt: Sheffield Wednesday. Der Traditionsverein von 1867 stand Ende letzten Jahres vor dem Konkurs und wurde durch die Übernahme durch den Investor Milan Mandaric vor Punktabzügen oder gar dem Zwangsabstieg gerettet. Ich werde mich der sportlichen Entwicklung bei den ‘Owls’ ebenso widmen wie dem, was hinter den Kulissen vor sich geht. Und versuchen, eine Antwort auf die Frage zu geben, ob ein Hopp besser für einen Fußballverein ist als ein Mandaric.

Neue Beiträge der Reihe “Wednesday Focus” werden immer mittwochs erscheinen, jedoch nicht notwendigerweise jeden Mittwoch.

Anfang November 2010 sah es für den Club aus der ‘Steel City’ Sheffield in South Yorkshire richtig düster aus. Neben ‘normalen’ Verbindlichkeiten plagten die in die Drittklassigkeit abgerutschten Owls Steuerschulden, die zum Zwangskonkurs hätten führen können. Politiker wie Vize-Premier Nick Clegg von den Liberaldemokraten oder der ehemalige Innenminister David Blunkett von Labour setzten sich für Wednesday ein, aber zunächst bekam der Verein vom High Court in London nur eine vierwöchige Fristverlängerung eingeräumt. Bis Mitte Dezember musste ein Käufer gefunden sein, um die Steuerschulden zu begleichen und andere Kredite zu bedienen.

Auftritt Milan Mandaric. Der serbisch-amerikanische Geschäftsmann übernahm den maroden Club für die symbolische Summe von einem Pfund. Dafür hat er die Steuerschulden beglichen und mit den Gläubigerbanken einen Deal zur Rückzahlung der Kredite vereinbart. Mandaric ist im englischen Fußball kein Unbekannter. Um bei Sheffield Wednesday einzusteigen, trat er von seinem Posten als Vorsitzender des Zweitligisten Leicester City zurück – einem Verein, den Mandaric auch schon mal besessen hat. Das wunderbare Fanzine “Twohundredpercent” bezeichnet ihn gar als “serial chairman”. Ihm und seiner Firma “UK Football Investments” gehörte in England vor Sheffield und Leicester auch schon der FC Portsmouth.

Auf den ersten Blick scheint das Bild vom kühl kalkulierenden Investoren und Anti-Hopp zu stimmen, der weiterzieht, wenn ihm langweilig wird oder der Profit auf sich warten lässt. Ganz so einfach kann man es sich bei Mandaric indes nicht machen. Zwar wurde gegen ihn bereits wegen Steuerhinterziehung ermittelt und im ersten Jahr seines Engagements bei Leicester saßen fünf verschiedene Trainer auf der Bank. Andererseits hat er keinen seiner Vereine in finanzieller Unordnung hinterlassen. Mandaric scheint auch ein entspannteres Verhältnis zu den sportlich Verantwortlichen gefunden zu haben: Er stellt Mittel für Transfers zur Verfügung und überlässt im wesentlichen dem Trainer die Auswahl. Auf dem Posten des CEO hat er inzwischen seinen eigenen Kandidaten Paul Aldridge installiert, der wegen früherer Ereignisse bei West Ham United nicht unumstritten ist.

Den Trainerposten hat bei Wednesday der ruhige, sympathische Schotte Alan Irvine inne. Der Vorsitzende hat ihm für die Transferphase im Januar sechs Neuverpflichtungen genehmigt. Alle Mannschaftsteile bis auf das Tor sollen verstärkt werden – vorzugsweise mit jungen Spielern, die mit langfristigen Verträgen ausgestattet werden. Bisher hatten die Owls eine überdurchschnittlich alte Mannschaft und kaum Spieler, deren Wert während ihres Engagements stieg. Das Ziel ist klar: Sheffield Wednesday soll den Wiederaufstieg in die Championship schaffen, ob auf direktem Weg oder über die Play-Offs. Zurzeit ist der Club nur Neunter, hat allerdings gegenüber einigen Konkurrenten noch Spiele nachzuholen.

Milan Mandaric hat Irvine schon einige Transferwünsche erfüllt (Genaueres zur sportlichen Situation und zum Kader folgt nächste Woche) und lässt ihm in sportlichen Dingen ohnehin freie Hand. Was allerdings passiert, wenn es mit dem Aufstieg nicht klappt, steht auf einem anderen Blatt. Nicht nur im Vorstand, auch bei den Fans ist die Erwartungshaltung hoch und der Grat zwischen Euphorie und Frust schmal.

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