Archiv | Februar 2011

Ihr seid Helden

1. Bundesliga, 24. Spieltag / Bayern München 1 BVB 3

Über die Wortwahl kann man meinetwegen diskutieren. Sportliche Helden sind die schwarz-gelben Jungs seit gestern jedoch allemal. Nach 20 Jahren wieder beim FC Bayern gewonnen, Uli Hoeneß zum Schweigen gebracht (für eine Woche oder so) und den Vorsprung auf den Rekordmeister auf 16 Punkte erhöht – besser gehts nicht. Es war ein befreiendes Erlebnis und ein wunderbarer Abend.

Wenn Arjen Robben wegen einer Schwalbe völlig zu Recht die Gelbe Karte sieht, dann muss der Gegner vieles richtig gemacht haben. Selbst die Topstars der Bayern verzweifelten gestern an einem BVB voller Selbstbewusstsein und Leidenschaft. Drei Tage nach der Bayern-Gala in San Siro folgte der Borussen-Ball in der Arroganz-Arena. Es ist nur ein möglicher Erklärungsansatz, dass Jürgen Klopp seine Mannschaft offenbar minutiös auf den Gegner vorbereitet hatte, wogegen die Bayern nach dem berauschenden Champions League-Spiel an einen Selbstläufer zu glauben schienen und reichlich naiv auftraten.

Es wurde trotzdem ein echtes Topspiel, an das man sich lange erinnern wird (vor allem wenn man Schwarz-Gelb nahesteht) und das von Tempo und Spannung her zumindest in der ersten Hälfte an die Partie im Giuseppe-Meazza-Stadion heranreichte. Den Willen zu offensivem Spiel konnte man beiden Mannschaften von Beginn an anmerken, jedoch zeigte sich schnell, dass die Schwarz-Gelben konsequenter und konzentrierter zu Werke gingen. Natürlich ließ Jürgen Klopp seine Jungs nicht blind anrennen, sondern zunächst mal die Räume dicht machen und beherzt pressen. Um dann die Fehler der Bayern blitzschnell auszunutzen. Passenderweise war es der entfesselte Großkreutz, der WM-Star Schweinsteiger beim 1:0 düpierte. Der Bayern-Spieler verdaddelte in der eigenen Hälfte den Ball, Kevin schnappte ihn sich, legte einen tollen Antritt hin und passte genau im richtigen Moment zu Lucas Barrios, der gegen die Laufrichtung von Torwart Kraft einschob. Lies mehr …

Nichts zu sagen

Zur morgigen Partie zwischen Bayern München und Borussia Dortmund ist schon viel gesagt worden. Von einigen zu viel. Da ich sowieso kaum Zeit habe, gibt es heute nur die Schnellinfo aus Dortmunder Sicht: Mitchell Langerak wird morgen sein Bundesliga-Debüt absolvieren. Kuba und Sebastian Kehl werden zumindest auf der Bank sitzen. Wir Schwarz-Gelbe sollten uns einfach freuen, dass wir uns auf dieses Spiel freuen können. Weil wir in München auf Augenhöhe sind und die Begegnung das Zeug zum Krimi oder Klassiker hat. Auf gehts, schwarz-gelbe Jungs!

Der nächste Trainer geht in die zweite Liga

Borussia Dortmund bleibt ein guter Weidegrund für Zweitliga-Vereine. Nach einer Reihe von Spielern ist heute der zweite schwarz-gelbe Trainer ins Unterhaus der DFL abgewandert. Theo Schneider, bisher verantwortlich für die Dortmunder Zweite in der Regionalliga West, wechselt mit sofortiger Wirkung zu Rot-Weiß Oberhausen. Der Reviernachbar hatte zuvor Hans-Günter Bruns wegen der sportlichen Talfahrt auf Platz 16 entlassen. Im letzten Sommer war bereits Erfolgstrainer Peter Hyballa, der die Dortmunder A-Junioren unter anderem ins Pokalfinale geführt hatte, zu Alemannia Aachen gewechselt.

Michael Zorc sagt, man habe dem Wunsch von Schneider entsprochen und die Freigabe erteilt. Leichter gemacht wird das den BVB-Verantwortlichen dadurch, dass für die Zweite der Wiederaufstieg in weite Ferne gerückt ist. Als Siebter hat man bei einem Spiel weniger als Spitzenreiter Münster 12 Punkte Rückstand – es sind allerdings noch 15 Spieltage zu bestreiten. Selbstverständlich honoriert der Verein mit der Freigabe aber auch die Verdienste von Schneider, der seit 1998 im Verein tätig war und früher sowohl für Schwarz-Gelb als auch für RWO auf dem Platz stand. Der Neue bei der U 23 ist der Nachfolger von Hyballa bei der U 19: Der 29-jährige Hannes Wolf wird die Mannschaft bis Saisonende übernehmen. Entweder er bringt frischen Wind und schafft eine unwahrscheinliche Aufholjagd. Oder ein neuer Trainer nimmt im Sommer einen neuen Anlauf.

Unterdessen hat sich die Aufregung um den Torhüter der ersten Mannschaft als unnötig herausgestellt. Roman Weidenfeller wird nach einem Zusammenprall mit Mats Hummels im Training nicht wochenlang ausfallen. Die Kernspintomographie hat keinen Innenbandriss, sondern nur eine Dehnung und einen kleinen Kapseleinriss im Knie gezeigt. Am Freitag entscheidet sich, ob Weide in München spielen kann. Zur Erinnerung: Kuba musste wegen eines Kapseleinrisses im Knie zuletzt zweimal pausieren. Sollte unserer Nummer 1 Ähnliches blühen, habe ich volles Vertrauen in Mitch Langerak. Wir haben ihn nicht aus Australien geholt, damit er für immer auf der Bank sitzt, sondern für den nun möglicherweise eintretenden Fall der Fälle.

Der Nächste bleibt: Schmelzer unterschreibt bis 2014

In den letzten Tagen war es nur noch eine Frage des Zeitpunkts, nun ist es perfekt: Marcel Schmelzer hat als nächster Spieler aus der Riege der jungen Borussen seinen Vertrag verlängert. Der Linksverteidiger bleibt nun auf dem Papier bis Juni 2014 in Dortmund. Es ist also eine mittelfristige Ausdehnung des Arbeitsverhältnisses, die der momentanen Bedeutung von ‘Schmelle’ gerecht wird. Im letzten Jahr hat er eine sehr erfreuliche Entwicklung genommen, hat BVB-Legende Dede verdrängt und ist Nationalspieler geworden. Wenn man ehrlich ist, hat er jedoch vor allem im Offensivspiel noch nicht die Konstanz, um ein Spieler internationaler Klasse zu sein. Die Vertragslänge trägt dem Rechnung und lässt dem Verein wie auch Marcel die Möglichkeit, die Entwicklung in zwei bis drei Jahren neu zu beurteilen. Um es aber ganz klar zu machen: Ich freue mich, dass Schmelle bleibt und traue ihm zu, dass er sich weiter steigert.

Neuigkeiten gibt es auch von Dr. Braun: Der BVB-Mannschaftsarzt hat bei Mohamed Zidan einen „Haarriss in einem Muskelansatz an der Wirbelsäule“ diagnostiziert und prophezeit dem gerade von seinem Kreuzbandriss genesenen Offensivspieler eine Pause von zwei Wochen. Die Verletzung hatte ‘Mo’ sich wenige Minuten nach seiner Einwechslung auf dem Betzenberg zugezogen, als ihm Rodnei in den Rücken sprang.

Glücklicherweise gibt es Entwarnung bei Nuri Sahin. Unser Mittelfeld-Regisseur konnte heute wieder am Training teilnehmen, nachdem er im Spiel am vergangenen Samstag wenige Minuten vor Schluss ausgewechselt werden musste. Kuba ist ab Freitag wieder für das volle Mannschaftstraining eingeplant und dürfte daher am Samstag zunächst eher auf der Bank Platz nehmen – wenn es nicht ganz gut oder ganz schlecht läuft.

Wenn Zahlen alles sagen

1. Bundesliga, 23. Spieltag / BVB 2 FC St. Pauli 0

Häufig können die verschiedenen Statistiken keinen akkuraten Eindruck von einem Fußballspiel vermitteln. Eine hohe Ballbesitzquote hat wenig Aussagekraft, wenn keine Torchancen erarbeitet werden. Um den Charakter einer Partie zu beschreiben ist die Zahl der Torschüsse noch einer der zuverlässigsten Maßstäbe. Zur gestrigen Begegnung im Westfalenstadion könnte man auf jede andere Aussage verzichten. 28:3 sagt eigentlich alles, was man wissen muss.

Borussia Dortmund hatte das Spiel jederzeit im Griff – in der ersten Hälfte war es extrem einseitig. Ich muss Gerald Asamoah nicht leiden können, um ihm zu bescheinigen, dass er in den letzten Wochen beim FC St. Pauli eine treibende Kraft war. Ohne ihn und Mittelfeldspieler Fabian Boll spielten die Gäste wie entmannt. Sie kamen nicht in die Zweikämpfe und leisteten sich unter dem hohen Dortmunder Druck viel zu viele Ballverluste und Fehlpässe. Den Schwarz-Gelben kam dabei, auch wenn man es nicht überbewerten sollte, der neue Rasen entgegen. Die schnellen Pässe im Aufbau- und Offensivspiel funktionierten gestern einfach besser, waren präziser als zuletzt.

28 Torschüsse, zwei Treffer – bei diesem Verhältnis kann man davon ausgehen, dass die Chancenverwertung (wiederum) noch steigerungsfähig ist. Erneut war der Torwart mit weitem Abstand der beste Gegenspieler. Thomas Kessler war in der ersten Halbzeit gegen Lucas Barrios und einen sehr guten Distanzschuss von Nuri Sahin zur Stelle, in der zweiten Hälfte parierte er einen Schuss von Piszczek. Wie vermutet hatte die rechte Paulianer Seite ihre Probleme, so dass Kevin Großkreutz die Gelegenheit bekam, drei Großchancen zu vergeben und Marcel Schmelzer offensiv das beste Spiel der Rückrunde machte. Mario Götze war in der Offensive überall zu finden, wechselte hin und wieder die Seiten mit Großkreutz und stellte immer eine Gefahr dar, da sich das Mittelfeld der Gäste wie viele Gegner darauf zu konzentrieren schien, Sahins Aktionsradius zu begrenzen – was auch nicht (immer) gelang.

Bevor man ob des fehlenden Tores bei drückender Überlegenheit ernsthaft unruhig wurde, brach Lucas Barrios in der 39. Minute den Bann. Nuri Sahin flankte von halblinks auf den langen Pfosten anstatt einfach nur in die Mitte zu passen und unsere Sturmspitze stoppte den Ball gekonnt mit dem Fuß, drehte sich und schoss flach rechts ins Tor. Ich habe selbst in dieser Saison keine verdientere Führung erlebt.

In der zweiten Hälfte mussten wir nicht so lange warten, bis das ebenfalls hochverdiente 2:0 fiel. Lucas Barrios hatte sich links im Strafraum durchgesetzt und den Ball beinahe von der Torauslinie in die Mitte gepasst. St. Paulis Gunesch versuchte zu retten, bevor ein Dortmunder rankommen konnte, lenkte den Ball aber ins eigene Tor. Der Scorer-Punkt geht jedoch an Lucas, der im Gegensatz zum Spiel auf dem Betzenberg viel präsenter war. Vermutlich beflügelt durch das Tor, zeigte er in mehreren Szenen sein ganzes technisches Können und verdiente sich nicht nur Fleißpunkte.

Es gab eine Phase Mitte der zweiten Halbzeit, in der die Gäste etwas mehr Ballbesitz hatten und das Spiel offen gestalten konnten. Doch damit sind wir wieder beim Ausgangspunkt: Wenn kaum ein Schuss aufs Tor kommt, nützt der Ball auch nichts. Nur durch das zögerliche Verhalten des ansonsten guten Bender in einer Szene kam St. Pauli zu einer echten Chance durch Bartels, die Weidenfeller aber zunichte machte. Was ist noch besser, als einen Torwart zu haben, der eine hundertprozentige Gelegenheit nach der anderen vereitelt? Einer, der nichts zu tun hat, aber da ist, wenn er doch mal gebraucht wird. Ansonsten waren Bender und die sehr souveränen Innenverteidiger Santana und Hummels stets im Bilde und konnten sich in dem etwa zehnminütigen offenen Schlagabtausch auch mal auszeichnen.

Mit einem 20-Meter-Schuss des engagierten, aber glücklosen Lewandowski knapp rechts neben das Tor war diese Spielphase wieder beendet und die Borussia bestimmte gegen die uninspirierten und sich am Ende in ihr Schicksal fügenden Gäste die letzten 20 Minuten. Es war eine durch und durch überzeugende Vorstellung des BVB und die Tatsache, dass es ‘nur’ ein 2:0 wurde, ist angesichts unserer Tordifferenz so ernüchternd wie ein Tropfen Wasser in einer Flasche Wein. Etwas größere Sorgen macht höchstens die Tatsache, dass Nuri Sahin nach seiner Auswechslung auf der Bank kurz behandelt wurde.

Ich habe mir gestern im Anschluss an die Partie der Schwarz-Gelben die Zeit genommen und mir unseren nächsten Gegner angeschaut. Der FC Bayern war am Bruchweg effizient, aber defensiv alles andere als fehlerlos. Die Mannschaft kann uns mit Sicherheit schlagen, aber wir brauchen definitiv keine Angst vor ihnen zu haben. Auch nicht in München. Die Freude auf das Spiel ist jedenfalls bei allen, mit denen ich gestern gesprochen habe, schon riesengroß.

Die Aufstellung: Weidenfeller – Schmelzer, Hummels, Santana, Piszczek – Sahin (85. Stiepermann), Bender – Großkreutz, Lewandowski (88. Feulner), Götze (77. da Silva) – Barrios. Gelbe Karte: Lewandowski. Tore: Barrios, Gunesch (ET)

Duell der Spitzenreiter

(Updated) Ich war ziemlich überrascht, als ich gestern nach dem Sieg des FC St. Pauli im Hamburger Derby hörte, dass der Aufsteiger nun die beste Rückrundenmannschaft stellt. Tatsächlich hat der Kiezclub nach der Winterpause 11 Punkte aus fünf Partien geholt und dabei auch 11 Tore erzielt – so gesehen treffen am Samstag im Westfalenstadion zwei Spitzenreiter aufeinander. In der zweiten Hälfte der Hinrunde hatte St. Pauli noch unter der extremen Harmlosigkeit seines Sturms gelitten. Probleme mit der Chancenverwertung scheint inzwischen der BVB zu haben. Sind daher die Gäste am Samstag sogar favorisiert?

So weit ist es natürlich noch nicht. Wer gestern zumindest die Zusammenfassung des Spiels in Hamburg gesehen hat, weiß, wie glücklich der Sieg war. Der HSV hatte jede Menge hochkarätiger Torchancen, aber St. Pauli nutzte eine Standardsituation. Das hört sich bekannt an? Stimmt, bei diesen Worten könnte es manch Schwarz-Gelbem mulmig werden. Auf der anderen Seite befindet sich der Derbysieger von gestern nun im psychologischen Ausnahmezustand. Nach dem Spiel waren die Emotionen nach über 30 Jahren ohne Sieg gegen den HSV deutlich zu sehen. Und der Fußball  schrieb mal wieder ein Märchen: Benedikt Pliquett, dritter Torwart bei St. Pauli, wurde von Trainer Stanislawski mit einem Derby-Einsatz von Beginn an belohnt. Letztes Jahr war der Keeper, der vor sieben Jahren beim HSV ausgemustert wurde, von Hooligans des Erzrivalen attackiert worden. Nun gelang ihm die Revanche.

Pliquett wird am Samstag vermutlich nicht im Tor stehen. Aber auch die anderen Spieler müssen nach dem Derbysieg wieder mit dem Ligaalltag zurechtkommen – obwohl ein Auftritt beim Tabellenführer im Westfalenstadion nicht ganz alltäglich ist. Ob sie den Derbysieg bis dahin verdaut haben und noch mal so viel Glück haben werden? Beim üblichen Verdächtigen kann man zumindest an ersterem zweifeln. Gerald Asamoah sollte unbedingt zusammen mit der Mannschaft im Bus oder Zug anreisen, sonst findet er womöglich den Spielort nicht:

Wir wollen auch in Lüdenscheid siegen, sind immer für Überraschungen gut.

Die Borussia muss sich wieder mehr Chancen erarbeiten als in Kaiserslautern und mehr verwerten als gegen Schalke, dann klappt es auch mit den drei Punkten. Denn wir spielen weder auf dem Betzenberg noch gegen Manuel Neuer.

Personell sah es beim BVB schon besser aus in dieser Saison. Kuba musste gestern einen Comeback-Versuch im Training abbrechen und wird wegen seines Kapseleinrisses im Knie gegen St. Pauli fehlen. Da Mohamed Zidan nach der rüden Attacke von Rodnei noch Rückenschmerzen hat, wird vermutlich erneut Robert Lewandowski zentral offensiv beginnen und Mario Götze nach links oder rechts außen rücken. Das ist keine Optimallösung, könnte aber gegen eine weniger aufmerksame Abwehr trotzdem mal funktionieren. Prinzip Hoffnung, klar. Lewandowski muss im übrigen bis Samstag noch einen grippalen Infekt auskurieren.

Nicht sonderlich euphorisch hat Jürgen Klopp das Comeback von Sebastian Kehl in der Regionalliga aufgenommen. Er sieht den Kapitän noch entfernt von der Normalform und würde ihn lieber regenerieren lassen als ihn am Samstag im Kader zu haben. Die Personalie könnte dann wichtig werden, wenn Sven Bender wider Erwarten nicht rechtzeitig fit wird. Mit Toni da Silva und Markus Feulner stünden jedoch noch zwei Alternativen bereit. In der Abwehr muss bekanntlich Neven Subotic aus fragwürdigen Gründen erneut aussetzen und Felipe Santana bekommt eine weitere Chance.

Gerald Asamoah wird am Samstag seinem alten Freund Roman Weidenfeller voraussichtlich auf dem Spielfeld gegenüberstehen. Ein anderer Ex-Schalker, Innenverteidiger Zambrano, ist dagegen gesperrt. Außerdem fehlen den Gästen drei weitere Defensivkräfte: Kapitän Morena sowie die beiden Rechtsverteidiger Rothenbach und Lechner. Rechts hinten kam bei St. Pauli daher in den letzten Spielen der vor der Saison vereinslose und zuletzt in England tätige Moritz Volz zum Einsatz – ein möglicher Schwachpunkt (Kicker-Notenschnitt: 4,1).

Der Fakt, dass der FC St. Pauli Rückrunden-Spitzenreiter ist, sollte der Borussia als Warnung dienen. Überheblichkeit sehe ich momentan jedoch nicht als echte Gefahr. Wenn die Schwarz-Gelben wieder annähernd das Niveau vom Derby erreichen, werden sie gegen den Derbysieger von Hamburg erfolgreich sein.

UPDATE: Gerald Asamoah wird morgen weder in Lüdenscheid noch in Dortmund Fußball spielen. Dafür vermutlich auf der Couch sitzen und Fernsehen schauen. Eine Knieprellung macht den Einsatz des zuletzt erfolgreichen Stürmers unmöglich. Der engagierte Mittelfeld-Stammspieler Fabian Boll wird St. Pauli ebenfalls verletzungsbedingt fehlen. Ich sage nicht, dass das gut ist – aber der BVB steht jetzt in der Pflicht, die Situation auszunutzen.

90 Minuten Kehl

Der Kapitän ist zurück. Jedoch erstmal nur in der zweiten Mannschaft. Beim 1:0-Sieg von Borussia Dortmund II über die Zweitauswahl der anderen Borussia am Dienstagabend in der Roten Erde spielte Sebastian Kehl 90 Minuten durch. Das war nicht so geplant gewesen, ergab sich aber aus der Verletzung von Innenverteidiger Lasse Sobiech. Nachdem Kehl in der ersten Hälfte auf der üblichen Position im defensiven Mittelfeld gespielt hatte, rückte er nach der Auswechslung von Sobiech nach hinten. Beide Aufgaben scheint er zur vollen Zufriedenheit erfüllt zu haben.

Mit Kehls Rückkehr zu voller Match-Fitness hat der BVB ein schönes Luxusproblem. In der ersten Mannschaft hat zurzeit Sven Bender seinen Platz sicher, aber man muss den Kapitän deshalb nicht als Auslaufmodell sehen. Entgegen der vergleichbaren Situation von Michael Ballack bei Leverkusen wird Jürgen Klopp zwar nicht sein System ändern, es kann jedoch immer zu Verletzungen, Sperren und Formschwankungen kommen. Alle Schwarz-Gelben sollten sich freuen, einen solchen Spieler auf der Bank zu haben. Kehl hat bereits zu Saisonbeginn angedeutet, dass er annähernd an alte Leistungen anknüpfen kann. Ob ihm das erneut gelingt, weiß noch niemand. Dass er zu alt für das Kloppsche System sei, ist jedoch ein leichtfertiges Pauschalurteil.

Lobe nie den Schiedsrichter – vor dem Spiel

1. Bundesliga, 22. Spieltag / 1.FC Kaiserslautern 1 BVB 1

Da sage ich einmal vor einer Partie etwas zum Schiedsrichter, noch dazu was Positives, und dann so was. Es ist müßig darüber zu spekulieren, ob Florian Meyers Gelb-Rote Karte gegen Neven Subotic dem BVB den Sieg gekostet hat – wir werden keine Antwort finden. Die Schwarz-Gelben hatten in einem guten Spiel noch andere Probleme als den Unparteiischen.

Kuba hatte sich am Freitag im Training eine leichte Knieverletzung zugezogen. Für ihn kam Landsmann Robert Lewandowski in die Mannschaft und besetzte das zentrale offensive Mittelfeld. Nun wissen inzwischen alle, dass Robert ein Stürmer ist und ganz vorne besser zur Geltung kommt. Vermutlich traute Jürgen Klopp Mohamed Zidan noch keinen Einsatz über 90 Minuten zu – sonst wäre ein Versuch mit ihm auf der ’10′ oder der rechten Außenbahn lohnenswert gewesen. So musste Mario Götze nach rechts rücken.

Der BVB hatte trotzdem seine Chancen, mehrere wurden von Lewandowski vorbereitet, aber gegen stark kämpfende Lauterer hätten es noch mehr sein können. Es fehlt in Abwesenheit von Shinji Kagawa und mit Götze auf der Außenbahn an Kreativität in der Zentrale. Nuri Sahin braucht nicht nur einen defensiven, sondern auch einen offensiven Partner – sonst fokussiert sich der Gegner auf ihn und kann ihn mal mehr, mal weniger, aus dem Spiel nehmen. Lewandowski ist eben nicht der flinke, kreative Dribbler, sondern in seiner gestrigen Rolle eher ein klassischer ‘target man’, der die Bälle annimmt und im Idealfall schnell weiterverarbeitet. So einer ist jedoch leichter auszurechnen.

Mario Götze interpretierte seine Rolle wie so häufig flexibel und zog oft nach innen, um im Zentrum für Gefahr zu sorgen. Das führte aber wiederum dazu, dass wenig gefährliche Flanken von den Flügeln kamen – nur der bis auf wenige Ausnahmesituationen gut aufgelegte Piszczek konnte sich da hin und wieder auszeichnen. Leider kommt mir der linke Flügel in dieser Hinsicht zurzeit etwas lahm vor. Kevin Großkreutz spielt auch gerne etwas zentraler und Marcel Schmelzer rückte selten bis in die Nähe der Grundline vor, hatte allgemein wenig Offensivaktionen. Lies mehr …

Den Betzenberg bezwingen

Die Aura dieses Berges war schon häufig Gegenstand der Sportberichterstattung. Die Fans am Betzenberg gelten als besonders leidenschaftlich, die Stimmung wird je nach Perspektive als intensiv oder aggressiv beschrieben. Bei einem Flutlichtspiel am 2. Spieltag dieser Saison bezwang der FCK den FC Bayern mit 2:0. Ob es wirklich an der Atmosphäre lag, ob die noch wie vor dem letzten Abstieg der Roten Teufel ist – ich weiß es nicht. Generell glaube ich aber, dass ein Mythos nicht nur deswegen Wirkung hat, weil er immer wieder beschworen wird.

Deswegen gebe ich auch nicht viel auf die Statistik, dass Borussia Dortmund nur eins der letzten 18 Auswärtsspiele auf dem Betzenberg gewonnen hat. Letztlich liegt es vor allem an der Mannschaft des 1.FC Kaiserslautern, ob sie in einer möglicherweise intensiven Atmosphäre über sich hinauswächst. Das müssten die Spieler, um das momentane Niveau des BVB zu erreichen. Die Schwarz-Gelben werden sich von der Kulisse nicht einschüchtern lassen, zumal 6.000 bis 8.000 Dortmunder Fans erwartet werden.

Der FCK hat die Saison gut begonnen, steht aber inzwischen punktgleich mit dem Tabellen-16. Etwas anderes habe ich persönlich nie erwartet (auch wenn sowas immer arrogant klingt). Top-Torschütze Srdjan Lakic hat zuletzt nicht nur ein unglückliches Foto, sondern auch eine unglückliche Figur gemacht: In der Rückrunde gelang ihm noch kein Treffer. Am Samstag muss Trainer Kurz wegen Sperre bzw. Verletzung auf Florian Dick und Oliver Kirch verzichten. Beide sind auf der rechten Lauterer Seite Stammspieler – eine Schwächung, die Marcel Schmelzer und Kevin Großkreutz womöglich für ein paar schöne Flanken oder Sturmläufe nutzen können.

Alles in allem sind die Gastgeber vom Samstagabend ein Gegner, bei dem man durchaus drei Punkte holen kann – wenn man die gleiche kämpferische Leistung zeigt. Das ausverkaufte Spiel wird Schiedsrichter Florian Meyer leiten, eine Ansetzung, mit der man immer zufrieden sein kann. Glücklicherweise hat der gestrige Länderspielabend, an dem Mario Götze, Mats Hummels und Kevin Großkreutz bis zu 45 Minuten für Deutschland im Einsatz waren, für den BVB keine neuen Verletzungen mit sich gebracht. Nuri Sahin verzichtete wegen einer leichten Sprunggelenksblessur auf seine Reise zum Länderspiel der Türkei (0:0 gegen Südkorea), wird aber höchstwahrscheinlich am Samstag fit sein. Es gibt also keinen Grund für Pessimismus, aber erst recht keine Erfolgsgarantie, denn Wunder sind nie selbstverständlich.

Zorc folgt Klopp in die Zukunft

Es kam nicht völlig überraschend: Heute hat Borussia Dortmund bekannt gegeben, dass der Vertrag mit Sportdirektor Michael Zorc vorzeitig um zwei Jahre bis Juni 2014 verlängert wird. Damit läuft Zorcs Vertrag nun genauso lang wie der von Trainer Klopp. Und das passt genau so, denn ‘Susi’ und Jürgen haben sich zum Traumpaar der Liga entwickelt. Die beiden verstehen sich, haben die gleiche Philosophie, wissen aber auch, dass es Sachzwänge und Rückschläge gibt und geben wird. Inzwischen bilden Zorc und Klopp ein ‘Triumvirat’ mit Hans-Joachim Watzke, dessen Vertrag als Geschäftsführer der Borussia Dortmund KgaA ebenfalls bis 2014 datiert ist. Denn zwischen diese drei Herren passt kein Blatt Papier und im Moment gibt es keine Anzeichen dafür, dass sich das kurz- oder mittelfristig ändern wird.

Ich bin zwar wie vermutlich die meisten der Überzeugung, dass Jürgen Klopp der entscheidende Mann für den Weg an die Spitze war. Die Art und Weise, wie Zorc lohnenswerte Spieler identifiziert und ganz ruhig die Verhandlungen führt, war jedoch selbstverständlich entscheidend dafür, dass Klopp die Mannschaft zur Verfügung hat, aus der er einen Spitzenreiter formen konnte. Ich habe Zorc auch in schwierigeren Zeiten schon unterstützt und bin froh, Recht behalten zu haben. In Zusammenarbeit mit Jürgen Klopp hat der Sportdirektor schließlich seine Wirkungskraft voll entfalten können. Auf mindestens drei weitere gute Jahre!

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