Nichts zu sagen
Zur morgigen Partie zwischen Bayern München und Borussia Dortmund ist schon viel gesagt worden. Von einigen zu viel. Da ich sowieso kaum Zeit habe, gibt es heute nur die Schnellinfo aus Dortmunder Sicht: Mitchell Langerak wird morgen sein Bundesliga-Debüt absolvieren. Kuba und Sebastian Kehl werden zumindest auf der Bank sitzen. Wir Schwarz-Gelbe sollten uns einfach freuen, dass wir uns auf dieses Spiel freuen können. Weil wir in München auf Augenhöhe sind und die Begegnung das Zeug zum Krimi oder Klassiker hat. Auf gehts, schwarz-gelbe Jungs!
Der nächste Trainer geht in die zweite Liga
Borussia Dortmund bleibt ein guter Weidegrund für Zweitliga-Vereine. Nach einer Reihe von Spielern ist heute der zweite schwarz-gelbe Trainer ins Unterhaus der DFL abgewandert. Theo Schneider, bisher verantwortlich für die Dortmunder Zweite in der Regionalliga West, wechselt mit sofortiger Wirkung zu Rot-Weiß Oberhausen. Der Reviernachbar hatte zuvor Hans-Günter Bruns wegen der sportlichen Talfahrt auf Platz 16 entlassen. Im letzten Sommer war bereits Erfolgstrainer Peter Hyballa, der die Dortmunder A-Junioren unter anderem ins Pokalfinale geführt hatte, zu Alemannia Aachen gewechselt.
Michael Zorc sagt, man habe dem Wunsch von Schneider entsprochen und die Freigabe erteilt. Leichter gemacht wird das den BVB-Verantwortlichen dadurch, dass für die Zweite der Wiederaufstieg in weite Ferne gerückt ist. Als Siebter hat man bei einem Spiel weniger als Spitzenreiter Münster 12 Punkte Rückstand – es sind allerdings noch 15 Spieltage zu bestreiten. Selbstverständlich honoriert der Verein mit der Freigabe aber auch die Verdienste von Schneider, der seit 1998 im Verein tätig war und früher sowohl für Schwarz-Gelb als auch für RWO auf dem Platz stand. Der Neue bei der U 23 ist der Nachfolger von Hyballa bei der U 19: Der 29-jährige Hannes Wolf wird die Mannschaft bis Saisonende übernehmen. Entweder er bringt frischen Wind und schafft eine unwahrscheinliche Aufholjagd. Oder ein neuer Trainer nimmt im Sommer einen neuen Anlauf.
Unterdessen hat sich die Aufregung um den Torhüter der ersten Mannschaft als unnötig herausgestellt. Roman Weidenfeller wird nach einem Zusammenprall mit Mats Hummels im Training nicht wochenlang ausfallen. Die Kernspintomographie hat keinen Innenbandriss, sondern nur eine Dehnung und einen kleinen Kapseleinriss im Knie gezeigt. Am Freitag entscheidet sich, ob Weide in München spielen kann. Zur Erinnerung: Kuba musste wegen eines Kapseleinrisses im Knie zuletzt zweimal pausieren. Sollte unserer Nummer 1 Ähnliches blühen, habe ich volles Vertrauen in Mitch Langerak. Wir haben ihn nicht aus Australien geholt, damit er für immer auf der Bank sitzt, sondern für den nun möglicherweise eintretenden Fall der Fälle.
Der Nächste bleibt: Schmelzer unterschreibt bis 2014
In den letzten Tagen war es nur noch eine Frage des Zeitpunkts, nun ist es perfekt: Marcel Schmelzer hat als nächster Spieler aus der Riege der jungen Borussen seinen Vertrag verlängert. Der Linksverteidiger bleibt nun auf dem Papier bis Juni 2014 in Dortmund. Es ist also eine mittelfristige Ausdehnung des Arbeitsverhältnisses, die der momentanen Bedeutung von ‘Schmelle’ gerecht wird. Im letzten Jahr hat er eine sehr erfreuliche Entwicklung genommen, hat BVB-Legende Dede verdrängt und ist Nationalspieler geworden. Wenn man ehrlich ist, hat er jedoch vor allem im Offensivspiel noch nicht die Konstanz, um ein Spieler internationaler Klasse zu sein. Die Vertragslänge trägt dem Rechnung und lässt dem Verein wie auch Marcel die Möglichkeit, die Entwicklung in zwei bis drei Jahren neu zu beurteilen. Um es aber ganz klar zu machen: Ich freue mich, dass Schmelle bleibt und traue ihm zu, dass er sich weiter steigert.
Neuigkeiten gibt es auch von Dr. Braun: Der BVB-Mannschaftsarzt hat bei Mohamed Zidan einen „Haarriss in einem Muskelansatz an der Wirbelsäule“ diagnostiziert und prophezeit dem gerade von seinem Kreuzbandriss genesenen Offensivspieler eine Pause von zwei Wochen. Die Verletzung hatte ‘Mo’ sich wenige Minuten nach seiner Einwechslung auf dem Betzenberg zugezogen, als ihm Rodnei in den Rücken sprang.
Glücklicherweise gibt es Entwarnung bei Nuri Sahin. Unser Mittelfeld-Regisseur konnte heute wieder am Training teilnehmen, nachdem er im Spiel am vergangenen Samstag wenige Minuten vor Schluss ausgewechselt werden musste. Kuba ist ab Freitag wieder für das volle Mannschaftstraining eingeplant und dürfte daher am Samstag zunächst eher auf der Bank Platz nehmen – wenn es nicht ganz gut oder ganz schlecht läuft.
Duell der Spitzenreiter
(Updated) Ich war ziemlich überrascht, als ich gestern nach dem Sieg des FC St. Pauli im Hamburger Derby hörte, dass der Aufsteiger nun die beste Rückrundenmannschaft stellt. Tatsächlich hat der Kiezclub nach der Winterpause 11 Punkte aus fünf Partien geholt und dabei auch 11 Tore erzielt – so gesehen treffen am Samstag im Westfalenstadion zwei Spitzenreiter aufeinander. In der zweiten Hälfte der Hinrunde hatte St. Pauli noch unter der extremen Harmlosigkeit seines Sturms gelitten. Probleme mit der Chancenverwertung scheint inzwischen der BVB zu haben. Sind daher die Gäste am Samstag sogar favorisiert?
So weit ist es natürlich noch nicht. Wer gestern zumindest die Zusammenfassung des Spiels in Hamburg gesehen hat, weiß, wie glücklich der Sieg war. Der HSV hatte jede Menge hochkarätiger Torchancen, aber St. Pauli nutzte eine Standardsituation. Das hört sich bekannt an? Stimmt, bei diesen Worten könnte es manch Schwarz-Gelbem mulmig werden. Auf der anderen Seite befindet sich der Derbysieger von gestern nun im psychologischen Ausnahmezustand. Nach dem Spiel waren die Emotionen nach über 30 Jahren ohne Sieg gegen den HSV deutlich zu sehen. Und der Fußball schrieb mal wieder ein Märchen: Benedikt Pliquett, dritter Torwart bei St. Pauli, wurde von Trainer Stanislawski mit einem Derby-Einsatz von Beginn an belohnt. Letztes Jahr war der Keeper, der vor sieben Jahren beim HSV ausgemustert wurde, von Hooligans des Erzrivalen attackiert worden. Nun gelang ihm die Revanche.
Pliquett wird am Samstag vermutlich nicht im Tor stehen. Aber auch die anderen Spieler müssen nach dem Derbysieg wieder mit dem Ligaalltag zurechtkommen – obwohl ein Auftritt beim Tabellenführer im Westfalenstadion nicht ganz alltäglich ist. Ob sie den Derbysieg bis dahin verdaut haben und noch mal so viel Glück haben werden? Beim üblichen Verdächtigen kann man zumindest an ersterem zweifeln. Gerald Asamoah sollte unbedingt zusammen mit der Mannschaft im Bus oder Zug anreisen, sonst findet er womöglich den Spielort nicht:
Wir wollen auch in Lüdenscheid siegen, sind immer für Überraschungen gut.
Die Borussia muss sich wieder mehr Chancen erarbeiten als in Kaiserslautern und mehr verwerten als gegen Schalke, dann klappt es auch mit den drei Punkten. Denn wir spielen weder auf dem Betzenberg noch gegen Manuel Neuer.
Personell sah es beim BVB schon besser aus in dieser Saison. Kuba musste gestern einen Comeback-Versuch im Training abbrechen und wird wegen seines Kapseleinrisses im Knie gegen St. Pauli fehlen. Da Mohamed Zidan nach der rüden Attacke von Rodnei noch Rückenschmerzen hat, wird vermutlich erneut Robert Lewandowski zentral offensiv beginnen und Mario Götze nach links oder rechts außen rücken. Das ist keine Optimallösung, könnte aber gegen eine weniger aufmerksame Abwehr trotzdem mal funktionieren. Prinzip Hoffnung, klar. Lewandowski muss im übrigen bis Samstag noch einen grippalen Infekt auskurieren.
Nicht sonderlich euphorisch hat Jürgen Klopp das Comeback von Sebastian Kehl in der Regionalliga aufgenommen. Er sieht den Kapitän noch entfernt von der Normalform und würde ihn lieber regenerieren lassen als ihn am Samstag im Kader zu haben. Die Personalie könnte dann wichtig werden, wenn Sven Bender wider Erwarten nicht rechtzeitig fit wird. Mit Toni da Silva und Markus Feulner stünden jedoch noch zwei Alternativen bereit. In der Abwehr muss bekanntlich Neven Subotic aus fragwürdigen Gründen erneut aussetzen und Felipe Santana bekommt eine weitere Chance.
Gerald Asamoah wird am Samstag seinem alten Freund Roman Weidenfeller voraussichtlich auf dem Spielfeld gegenüberstehen. Ein anderer Ex-Schalker, Innenverteidiger Zambrano, ist dagegen gesperrt. Außerdem fehlen den Gästen drei weitere Defensivkräfte: Kapitän Morena sowie die beiden Rechtsverteidiger Rothenbach und Lechner. Rechts hinten kam bei St. Pauli daher in den letzten Spielen der vor der Saison vereinslose und zuletzt in England tätige Moritz Volz zum Einsatz – ein möglicher Schwachpunkt (Kicker-Notenschnitt: 4,1).
Der Fakt, dass der FC St. Pauli Rückrunden-Spitzenreiter ist, sollte der Borussia als Warnung dienen. Überheblichkeit sehe ich momentan jedoch nicht als echte Gefahr. Wenn die Schwarz-Gelben wieder annähernd das Niveau vom Derby erreichen, werden sie gegen den Derbysieger von Hamburg erfolgreich sein.
UPDATE: Gerald Asamoah wird morgen weder in Lüdenscheid noch in Dortmund Fußball spielen. Dafür vermutlich auf der Couch sitzen und Fernsehen schauen. Eine Knieprellung macht den Einsatz des zuletzt erfolgreichen Stürmers unmöglich. Der engagierte Mittelfeld-Stammspieler Fabian Boll wird St. Pauli ebenfalls verletzungsbedingt fehlen. Ich sage nicht, dass das gut ist – aber der BVB steht jetzt in der Pflicht, die Situation auszunutzen.
90 Minuten Kehl
Der Kapitän ist zurück. Jedoch erstmal nur in der zweiten Mannschaft. Beim 1:0-Sieg von Borussia Dortmund II über die Zweitauswahl der anderen Borussia am Dienstagabend in der Roten Erde spielte Sebastian Kehl 90 Minuten durch. Das war nicht so geplant gewesen, ergab sich aber aus der Verletzung von Innenverteidiger Lasse Sobiech. Nachdem Kehl in der ersten Hälfte auf der üblichen Position im defensiven Mittelfeld gespielt hatte, rückte er nach der Auswechslung von Sobiech nach hinten. Beide Aufgaben scheint er zur vollen Zufriedenheit erfüllt zu haben.
Mit Kehls Rückkehr zu voller Match-Fitness hat der BVB ein schönes Luxusproblem. In der ersten Mannschaft hat zurzeit Sven Bender seinen Platz sicher, aber man muss den Kapitän deshalb nicht als Auslaufmodell sehen. Entgegen der vergleichbaren Situation von Michael Ballack bei Leverkusen wird Jürgen Klopp zwar nicht sein System ändern, es kann jedoch immer zu Verletzungen, Sperren und Formschwankungen kommen. Alle Schwarz-Gelben sollten sich freuen, einen solchen Spieler auf der Bank zu haben. Kehl hat bereits zu Saisonbeginn angedeutet, dass er annähernd an alte Leistungen anknüpfen kann. Ob ihm das erneut gelingt, weiß noch niemand. Dass er zu alt für das Kloppsche System sei, ist jedoch ein leichtfertiges Pauschalurteil.
Den Betzenberg bezwingen
Die Aura dieses Berges war schon häufig Gegenstand der Sportberichterstattung. Die Fans am Betzenberg gelten als besonders leidenschaftlich, die Stimmung wird je nach Perspektive als intensiv oder aggressiv beschrieben. Bei einem Flutlichtspiel am 2. Spieltag dieser Saison bezwang der FCK den FC Bayern mit 2:0. Ob es wirklich an der Atmosphäre lag, ob die noch wie vor dem letzten Abstieg der Roten Teufel ist – ich weiß es nicht. Generell glaube ich aber, dass ein Mythos nicht nur deswegen Wirkung hat, weil er immer wieder beschworen wird.
Deswegen gebe ich auch nicht viel auf die Statistik, dass Borussia Dortmund nur eins der letzten 18 Auswärtsspiele auf dem Betzenberg gewonnen hat. Letztlich liegt es vor allem an der Mannschaft des 1.FC Kaiserslautern, ob sie in einer möglicherweise intensiven Atmosphäre über sich hinauswächst. Das müssten die Spieler, um das momentane Niveau des BVB zu erreichen. Die Schwarz-Gelben werden sich von der Kulisse nicht einschüchtern lassen, zumal 6.000 bis 8.000 Dortmunder Fans erwartet werden.
Der FCK hat die Saison gut begonnen, steht aber inzwischen punktgleich mit dem Tabellen-16. Etwas anderes habe ich persönlich nie erwartet (auch wenn sowas immer arrogant klingt). Top-Torschütze Srdjan Lakic hat zuletzt nicht nur ein unglückliches Foto, sondern auch eine unglückliche Figur gemacht: In der Rückrunde gelang ihm noch kein Treffer. Am Samstag muss Trainer Kurz wegen Sperre bzw. Verletzung auf Florian Dick und Oliver Kirch verzichten. Beide sind auf der rechten Lauterer Seite Stammspieler – eine Schwächung, die Marcel Schmelzer und Kevin Großkreutz womöglich für ein paar schöne Flanken oder Sturmläufe nutzen können.
Alles in allem sind die Gastgeber vom Samstagabend ein Gegner, bei dem man durchaus drei Punkte holen kann – wenn man die gleiche kämpferische Leistung zeigt. Das ausverkaufte Spiel wird Schiedsrichter Florian Meyer leiten, eine Ansetzung, mit der man immer zufrieden sein kann. Glücklicherweise hat der gestrige Länderspielabend, an dem Mario Götze, Mats Hummels und Kevin Großkreutz bis zu 45 Minuten für Deutschland im Einsatz waren, für den BVB keine neuen Verletzungen mit sich gebracht. Nuri Sahin verzichtete wegen einer leichten Sprunggelenksblessur auf seine Reise zum Länderspiel der Türkei (0:0 gegen Südkorea), wird aber höchstwahrscheinlich am Samstag fit sein. Es gibt also keinen Grund für Pessimismus, aber erst recht keine Erfolgsgarantie, denn Wunder sind nie selbstverständlich.
Zorc folgt Klopp in die Zukunft
Es kam nicht völlig überraschend: Heute hat Borussia Dortmund bekannt gegeben, dass der Vertrag mit Sportdirektor Michael Zorc vorzeitig um zwei Jahre bis Juni 2014 verlängert wird. Damit läuft Zorcs Vertrag nun genauso lang wie der von Trainer Klopp. Und das passt genau so, denn ‘Susi’ und Jürgen haben sich zum Traumpaar der Liga entwickelt. Die beiden verstehen sich, haben die gleiche Philosophie, wissen aber auch, dass es Sachzwänge und Rückschläge gibt und geben wird. Inzwischen bilden Zorc und Klopp ein ‘Triumvirat’ mit Hans-Joachim Watzke, dessen Vertrag als Geschäftsführer der Borussia Dortmund KgaA ebenfalls bis 2014 datiert ist. Denn zwischen diese drei Herren passt kein Blatt Papier und im Moment gibt es keine Anzeichen dafür, dass sich das kurz- oder mittelfristig ändern wird.
Ich bin zwar wie vermutlich die meisten der Überzeugung, dass Jürgen Klopp der entscheidende Mann für den Weg an die Spitze war. Die Art und Weise, wie Zorc lohnenswerte Spieler identifiziert und ganz ruhig die Verhandlungen führt, war jedoch selbstverständlich entscheidend dafür, dass Klopp die Mannschaft zur Verfügung hat, aus der er einen Spitzenreiter formen konnte. Ich habe Zorc auch in schwierigeren Zeiten schon unterstützt und bin froh, Recht behalten zu haben. In Zusammenarbeit mit Jürgen Klopp hat der Sportdirektor schließlich seine Wirkungskraft voll entfalten können. Auf mindestens drei weitere gute Jahre!


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