Archiv | März 2011

Der Ernst des Fußballs

Kurzzeitig sah es heute Nachmittag so aus, als ob aus unserem Lieblingssport bitterer Ernst werden würde. Als sei er plötzlich noch viel ernster als wir ihn ohnehin schon nehmen. Die Rede war von einem geplanten Sprengstoffanschlag auf das Westfalenstadion, geplant womöglich sogar von islamistischen Terroristen. Jetzt am späten Abend lässt die Nachrichtenlage eine gewisse Entspannung zu. Der mutmaßliche Täter, ein 25-jähriger Deutscher, ist bereits am Dienstag in Köln festgenommen worden. Er hatte offensichtlich eine Erpressung geplant und zu diesem Zweck drei ‘mutmaßliche Sprengsätze’ in der Nähe unseres Stadions deponiert, die die Polizei inzwischen entschärfen konnte. Noch nicht bekannt ist, ob die Sprengsätze funktionstüchtig waren und ob der Täter überhaupt vor hatte, sie zu zünden. So ernst diese Drohkulisse auch zu nehmen ist – von einer terroristischen Bedrohung muss wohl nicht gesprochen werden.

Der Fußball als beliebtester Sport des Landes mit gesellschaftlicher Funktion muss sich wie andere Bereiche des öffentlichen Lebens auch der gesellschaftlichen Realität stellen. Dazu gehört leider auch der Umgang mit bzw. die Bedrohung durch Kriminalität. Wir sollten dem Täter aber nicht mehr ‘Ehre’ erweisen als er es verdient hat. Das Bundeskriminalamt hat zum Glück gute Arbeit geleistet und die Berichterstattung liegt in diesem Fall bei anderen Medien in guten Händen. Ich lasse mir von so jemandem nicht die Vorfreude auf das Spitzenspiel gegen Hannover 96 verderben.

Die Länderspielpause war wie immer lang und viele Dortmunder waren mit ihren Nationalteams unterwegs. Nur zwei von ihnen sind mit leichten Blessuren bzw. Verletzungen zurückgekommen: Neven Subotic laboriert an einer Fleischwunde am Knöchel und Kuba an einer Verhärtung im Oberschenkel. Bei beiden besteht die Hoffnung, dass sie morgen wieder mittrainieren können und so ist selbst Jürgen Klopp optimistisch, dass es für einen Einsatz am Samstag reicht. Erstmals seit langer Zeit wäre dann der Stammkader bis auf einen Spieler – Shinji Kagawa – komplett.

Bei Hannover 96 sieht es personell jedoch ebenfalls gut aus. Die Niedersachsen hatten nur vier Nationalspieler im Einsatz und werden abgesehen von den Langzeitverletzten Andreasen und Avevor nur einen Mann ersetzen müssen: Torwart Ron-Robert Zieler. Slomkas überraschender Wechsel der Nummer 1 nach der Winterpause muss somit für das Spiel in Dortmund rückgängig gemacht werden. Schwer zu sagen, ob das ein Vorteil für uns ist. Im Hinspiel haben die Schwarz-Gelben Florian Fromlowitz vier eingeschenkt. In der letzten Saison hat der Keeper jedoch in beiden Spielen gegen den BVB stark gehalten – obwohl das eine 1:4 ausging. Die Motivation wird übermorgen ohne Zweifel da sein, höchstens etwas Spielpraxis könnte fehlen.

Nach einer Länderspielpause fällt ein Urteil über die Chancen im nächsten Spiel immer besonders schwer. Es stehen sich zwei Überraschungsmannschaften mit wenig Verletzungsproblemen gegenüber. Zurück auf null also. Wenn die BVB-Spieler es geschafft haben, die Gedanken an Platz 1 oder eine vermeintliche Krise zu verdrängen, steht einem guten Spiel nichts im Wege. Hannover wird hier und da ein bisschen wie eine Borussia light dargestellt, die mit schnellem Umschalten und schnellen Kontern arbeitet. Jürgen Klopp weist aber auch darauf hin, dass der kleine große HSV auswärts nicht so erfolgreich war wie der BVB. Wie heißt es so schön: Angst ist nicht angebracht, Respekt schon. Und wer 0:4 in Köln verliert, der sollte auch von einem Meisterschaftskandidaten schlagbar sein. Der Ernst des Fußballs ist wieder da – ernster muss er wirklich nicht sein.

Klub gegen Land

Gestern trat England zum EM-Qualifikationsspiel gegen Wales im Millennium Stadium von Cardiff an und gewann mit 2:0. So weit, so wenig überraschend. Die Partie wurde um 15 Uhr Ortszeit angepfiffen, obwohl die FA (Fußballverband) in England den Grundsatz hat, dass zu dieser Zeit keine heimischen Live-Spiele im Fernsehen laufen sollen, um den unterklassigen Fußball zu schützen. Diese Regel befolgt normalerweise auch die walisische FA, schließlich spielen unter anderem die beiden größten Vereine aus Wales, Cardiff City und Swansea City, in der englischen Championship.

Warum sich die beiden britischen Verbände über den vor allem auf den Ligabetrieb bezogenen Grundsatz hinwegsetzten, wurde nicht direkt kommuniziert, ist aber unschwer zu erraten. Man erhoffte sich im britischen Duell von der traditionellen britischen Anstoßzeit die höchstmöglichen Einschaltquoten und Einnahmen. Die beiden obersten englischen Ligen, die Premier League und die Championship, legen an Länderspiel-Wochenenden selbstverständlich eine Pause ein und waren so nicht betroffen. Dagegen stellte sich für alle Vereine ab der League One abwärts die Frage, ob sie beim üblichen Termin bleiben oder ihre Partien um Stunden oder einen Tag nach hinten oder vorne verschieben sollten.

Von den verbleibenden 24 Profispielen aus League One und League Two wurden 23 verschoben. Die einzige Partie, die gestern um 15 Uhr angepfiffen wurde, war Bradford City gegen Shrewsbury Town in der League Two (4. Liga). Natürlich hatten auch die Verantwortlichen der gastgebenden ‘Bantams’ Interesse an einer Verlegung gehabt, aber die Gäste aus Shrewsbury spielten nicht mit. Ein Termin am Sonntag kam für sie nicht in Frage, weil sie bereits am Dienstag ihr nächstes Spiel haben. Für ein Vorziehen der Begegnung auf Samstagmittag forderten sie die Übernahme der Kosten für die dann notwendige Übernachtung durch die Gastgeber. Dies lehnte Bradford ab. Lies mehr …

Homo Sympathicus

Einer meiner BVB-Lieblingsspieler der letzten Jahre kehrt zurück: Florian Kringe. Ja, der, der eigentlich schon lange weg sein sollte, weil er angeblich nicht zum Tempofußball von Jürgen Klopp passt. Gestern ist der von zwei aufeinanderfolgenden Mittelfußbrüchen genesene 28-jährige wieder ins Mannschaftstraining eingestiegen. Die Hoffnung ist da, dass er die Verletzung dieses Mal richtig auskuriert hat.

Florian Kringe ist in gewisser Hinsicht ein Opfer der heute beinahe steinzeitlich anmutenden Prä-Klopp-Ära. Der Fußball, den die Borussia damals spielte, war häufig langweilig und manchmal schlecht. Kringe ragte durch sein Engagement und seine immer vorhandene Motivation heraus. Spielerisch ist er vielen vor allem durch seine Fehlschüsse in Erinnerung, aber das beruht auf selektiver Wahrnehmung, denn bis zum Strafraum ist er kein Schlechter. Durch die dröge Doll-, Röber und späte van Marwijk-Zeit ist ein Schatten auf die Leistungen von Florian gefallen. Es war nicht ohne Grund und aus damaliger Sicht verständlich, dass sein Vertrag zu für ihn sehr guten Konditionen langfristig bis 2012 verlängert wurde.

Kringe wird heute als ein Relikt aus der Vergangenheit betrachtet, das den BVB vor allem viel Geld kostet. Letzteres ist eine Tatsache, ersteres dagegen eine Wertung, der ich nicht vorbehaltlos zustimme. Und das nicht nur deshalb, weil Kringe für einen Fußballer sehr sympathisch und intelligent rüberkommt. Er spielt seit seiner Jugend bei der Borussia – mit Ausnahme der Leihaufenthalte in Köln und Berlin – und hat sich immer mit diesem Verein identifiziert. Der springende Punkt ist jedoch: Ich finde nicht, dass er als Back-Up zu schlecht für uns ist. Florian ist vielseitig und technisch kann er eben doch was.

Natürlich wird er kaum wieder Stammspieler beim BVB werden. Er könnte jedoch der Ausweg aus dem Dilemma um Julian Koch sein. Der noch an den MSV Duisburg ausgeliehene, ebenfalls sehr vielseitige Koch wird wahrscheinlich bis Ende des Jahres verletzt ausfallen. Wenn wir den auslaufenden Vertrag mit Patrick Owomoyela nicht verlängern, stünden wir also mit nur einem Rechtsverteidiger da – wenn Kringe wie geplant den Verein verlassen sollte. Bliebe Kringe, wären wir nicht auf eine Verlängerung mit Owomoyela oder eine Neuverpflichtung angewiesen, sondern könnten die paar Monate mit Florian als Back-Up überbrücken.

Dieser Vorschlag beruht auf drei Prämissen: Erstens müsste Kringe fit bleiben und an seinen früheren Leistungsstand anknüpfen können. Das haben vor ihm viele Rekonvaleszenten geschafft, andere nicht. Zweitens wäre er, wenn Prämisse 1 gegeben ist, nicht schlechter als Patrick Owomoyela. Drittens wird Florian im Sommer, ein Jahr vor Vertragsende und nach langwieriger Verletzung, ohnehin schwer woanders unterzubringen sein.

Sicher werden mir hier nicht alle folgen. Ich denke, es könnte sich trotzdem lohnen, einem fitten Florian Kringe noch eine Chance zu geben. Antonio da Silva hat gezeigt, dass mancher beinahe Ausgemusterte noch mehr drauf hat als man denkt. Ich weiß, Kringe ist teurer – aber wer mal von Kurz- auf Langzeitgedächtnis umschaltet, weiß, was wir mal an ihm hatten. Rein vom Charakter her könnten wir einen solchen Spieler schon in den nächsten Wochen gebrauchen.

Es wird in Tränen enden

1. Bundesliga, 27. Spieltag / BVB 1 FSV Mainz 1

Am letzten Spieltag werden in Dortmund Tränen fließen – so oder so. Entweder wir feiern die Meisterschaft und werden bei einem rührenden Abschied von Dede feuchte Augen kriegen. Oder die Mannschaft verspielt noch den Titel und es wird bitter – besonders für die Fans, die zu früh berauscht waren von der vermeintlichen schwarz-gelben Dominanz und sich reichlich blauäugig gaben.

Wer Meister werden will, muss Rückschläge verkraften können: Leistungsschwankungen, Verletzungen und umstrittene Schiedsrichterentscheidungen. Borussia Dortmund kann das, aber ich hätte mir von den Verantwortlichen gestern gewünscht, dass sie etwas souveräner mit der späten gefühlten Niederlage umgehen. Mainz hatte bekanntlich in der 89. Minute den Ausgleich erzielt, nachdem einige Sekunden zuvor Neven Subotic von einem Ball aus kurzer Distanz in die Weichteile getroffen worden und zu Boden gegangen war. Jürgen Klopp, wen wunderts, ereiferte sich noch auf dem Spielfeld, Hans-Joachim Watzke prangerte hinterher mangelnde Fairness der Gäste an:

Das war eine unfassbare Sauerei. Neven liegt da fast eine Minute am Boden, und die Mainzer spielen das ganz bewusst runter. (…) Wenn wir umgekehrt jemals so etwas machen sollten, wäre ich entsetzt und würde das auch unseren Jungs deutlich sagen. Da tritt man das Fairplay mit den Füßen.

Heute Vormittag im Sport1-Doppelpass waren von Watzke deutlich moderatere Töne zu hören, auch wenn er die grundsätzliche Kritik am Weiterspielen der 05er aufrechterhielt. Ich habe Verständnis für die Emotionalität unserer Führung, habe es aber schon während des Spiels anders gesehen.

Wenn jemand in der besagten Szene das Spiel unterbrechen muss, dann der Schiedsrichter Dr. Felix Brych. Kann man von den Mainzern wirklich verlangen, dass sie kurz vor Spielende in einer aussichtsreichen Situation aus der Ferne die Schwere von Nevens Verletzung beurteilen? Wer von mangelnder Fairness spricht, sollte sich fragen: Was wäre im umgekehrten Fall? Der BVB liegt kurz vor Schluss in einem wichtigen Spiel 0:1 zurück, ein Gegenspieler fällt um, der Schiedsrichter pfeift nicht. Es ist nicht die Aufgabe der Spieler, in einer solchen Situation einen laufenden Angriff zu unterbrechen, sondern die des Schiedsrichters. Der wiederum muss gemäß der Regeln entscheiden, ob eventuell eine ernsthafte Verletzung vorliegt – nur dann muss er unterbrechen. Lies mehr …

Alte Freunde, neue Träume

Zwischen dem Trainerstab von Borussia Dortmund und dem Vorstand des FSV Mainz 05 wird es beim Abendspiel am Samstag freundschaftlich zugehen. Jürgen Klopp und Zeljko Buvac sowie Harald Strutz und Christian Heidel kennen und schätzen sich bekanntlich schon lange. Und auch die Chemie zwischen den Trainern stimmt, wie Thomas Tuchel sagt. Also alles wie jedes Jahr? Nicht ganz, denn für beide Vereine haben sich unerwartete Möglichkeiten aufgetan. Die Gäste haben reelle Chancen auf den Einzug in die Europa League und der BVB kann sogar noch etwas mehr erreichen. Insofern wird die Partie am Samstag ein Freundschaftsspiel mit einer ganz besonderen Dringlichkeit.

Mainz konnte 2011 nicht ganz an die Leistungen der Hinrunde anknüpfen, steht jedoch immer noch viel besser da als erwartet. Für den BVB ist sicher relevant, dass die 05er auswärts, ohne den Druck das Spiel gestalten zu müssen, eine bessere Bilanz haben als am Bruchweg. Morgen im Westfalenstadion werden Thomas Tuchel nur Stürmer Adam Szalai (Kreuzbandriss) und Mittelfeldspieler Marco Caligiuri wirklich fehlen, ansonsten ist die Stammelf komplett verfügbar.

Erfreulich sieht es in dieser Hinsicht auch bei der Borussia aus. Mats Hummels kann nach Meinung der Ärzte definitiv wieder spielen und auch Sven Bender und der erkältete Nuri Sahin sind am Donnerstag wieder ins Training eingestiegen. Shinji Kagawa soll nächste Woche aus Japan zurückkehren und in Dortmund seine Reha weiterführen. Alles in allem sind das beruhigende Neuigkeiten, die dafür sprechen, dass der Ausrutscher in Sinsheim ein ebensolcher bleiben wird. Die Mainzer sind jedoch immer für ein Tor gut – wir müssen daher auf eine effektivere Offensive hoffen und speziell auf einen effektiveren Lucas Barrios.

Felix Magath und der FC Schalke: Kommunikation ungenügend

Ärger mit dem Trainer – so was passiert schon mal. Besonders in Gelsenkirchen. Jeder außerhalb des königsblauen Dunstes ahnte wohl, dass es schmutzig werden würde, wenn Alleinherrscher Magath gestürzt wird. Beim FC Schalke hatten sie zu Beginn seines Engagements auf ein Ende der Vielstimmigkeit im Verein gehofft – und haben es gnadenlos übertrieben.

Die Machtfülle, die Magath hatte, bestärkte ihn in seinem Naturell, sich von niemandem reinreden zu lassen. Aus den im Königsblog zusammengetragenen Zitaten aus Vereinskreisen ergibt sich das Bild, dass vor allem von Seiten der Verantwortlichen – und da gab es neben Magath nicht viele – zu selten und zu spät mit dem Trainer geredet wurde – beispielsweise über dessen Defizite in der Menschenführung. Die letzten ein bis zwei Wochen waren dann zweifellos ein Kommunikations-Desaster. Clemens Tönnies schwankte in seinen Aussagen wie bei Windstärke 12. Magath tat so als ob er von nichts wisse. Vermutlich waren das nur noch Rückzugsgefechte.

Über den eigentlichen Grund der Entlassung wird noch eine Weile spekuliert werden. Man darf aber trotz des Hinweises von Tönnies auf ein juristisches Nachspiel davon ausgehen, dass in den nächsten Tagen und Wochen noch einiges durchsickern wird. Gerüchteweise soll Magath die notwendige Prozedur bei Spielerverpflichtungen über 300.000 € nicht befolgt und den Aufsichtsrat nicht einbezogen haben. Es würde mich nicht wundern, wenn noch mehr ans Tageslicht käme. Eine Schlammschlacht zwischen dem Verein und Magath scheint gewiss. Ich kann (und will) es den Schalkern nicht ersparen: Das leuchtende Gegenbeispiel, wie Vorstand und Trainerstab zusammenarbeiten und kommunizieren müssen, wird bei Borussia Dortmund praktiziert. Krasser könnte der Gegensatz gar nicht sein.

Immerhin haben die Blauen die Nachfolge schon geregelt: Ein alter Bekannter kommt zurück. Ralf Rangnick ist tendenziell nervig, oberlehrerhaft und selbstgerecht, aber weniger diktatorisch und in meinen Augen ein besserer Trainer als Magath. Mit anderen Worten: Wir Dortmunder werden es lieben, ihn zu hassen. Darin immerhin unterscheidet sich Rangnick nicht von seinem Vorgänger.

Gute und weniger gute Nachrichten aus Dortmund

Normalerweise wäre diese Überschrift deutlich überschwänglicher ausgefallen, aber angesichts der fürchterlichen Ereignisse in Japan halte ich es für unangebracht, die vergleichsweise unbedeutenden Vorgänge bei einem westfälischen Fußballverein zu überhöhen. Es ist nicht das erste Mal, dass man als Fußball-Blogger zwischen Weltlage und Sport in einem Dilemma steckt, aber nach meiner persönlichen Einschätzung ist es das größte bisher. Trotzdem hilft es niemandem in Japan, wenn ich meine Beiträge zu meinem eigentlichen Thema einschränke. Deshalb bleibt es bei dem Appell an alle, alles zu tun, damit sich die Teile dieser Katastrophe, die von Menschen verhinderbar sind, nirgendwo auf der Welt wiederholen können.

Zu den guten Nachrichten. Schneller als in den letzten Wochen erwartet hat Mats Hummels seinen Vertrag bei Borussia Dortmund bis 2014 verlängert! Der Innenverteidiger, der nach seinem Wechsel von den Bayern einen kometenhaften Aufstieg in schwarz-gelb hingelegt hat und der einer der wichtigsten Garanten für den Erfolg in dieser wunderbaren Saison ist, hat damit seinen Worten Taten folgen lassen. Natürlich bleiben die genauen Vertragsinhalte geheim, aber es ist davon auszugehen, dass Mats deutlich mehr verdienen wird und dass sich der Verein nicht erneut auf eine Ausstiegsklausel eingelassen hat – sollte es sie denn im bisherigen Vertrag überhaupt gegeben haben. Hummels Verbleib in Dortmund ist ein entscheidender Baustein für den langfristigen Erfolg, der nur durch eine vorzeitige Verlängerung von Nuri Sahin noch übertroffen werden könnte.

Kurzfristig viel bedeutender sind die positiven Neuigkeiten von Sven Bender. Seine Zwangspause wird sehr viel kürzer sein als selbst in den optimistischen Prognosen angenommen. Die Kernspinuntersuchung durch Doc Braun hat ergeben, dass sich der defensive Mittelfeldspieler nur eine Kapselzerrung in der Schulter zugezogen hat und somit lediglich für einige Trainingstage ausfallen wird. Bereits übermorgen soll er wieder einsteigen und am Samstag gegen Mainz spielen können!

Ungetrübt bleibt der Tag jedoch auch aus rein schwarz-gelber Sicht nicht. Neben Mats’ Vertragsverlängerung gab der BVB heute ebenfalls bekannt, dass die Ära Dede im Sommer enden wird! Bei dieser Nachricht dürfte es den meisten BVB-Fans so gehen wie mir: Ich finde das sehr traurig. Dede war bekanntlich mit 13 schwarz-gelben Jahren der dienstälteste Dortmunder und ich hätte mir gewünscht, dass dieser Musterprofi seine Karriere bei uns beenden kann, so wie er es sich in den letzten Jahren gewünscht hatte. Aus der Verlautbarung des Vereins und der heutigen Pressekonferenz (anzuschauen bei den „Ruhr Nachrichten„) geht hervor, dass sich Dede nach Gesprächen mit Jürgen Klopp und Michael Zorc selbst entschieden hat zu gehen, da der Trainer auch in Zukunft auf Marcel Schmelzer setzen will. Nicht zu Unrecht findet sich der 32-jährige noch zu gut für die Ersatzbank:

Schmelle spielt gut, er ist ein super Kollege. Aber ich bin noch schnell, habe noch meine Qualitäten und fühle mich zu jung, um auf der Bank zu sitzen. (…) Die Entscheidung, so lange hier zu bleiben, war die richtige. Ich würde sie noch einmal treffen.

Da es scheinbar auch nicht um Geld ging, müssen wir die Entscheidung des Vereins und von Dede schweren Herzens akzeptieren. Es wird aber nicht leicht sein, ihn demnächst womöglich für eine gegnerische Mannschaft auflaufen zu sehen, denn ein Verbleib in der Bundesliga gilt als gut möglich. Eine ausführliche Würdigung von Dedes Zeit beim BVB folgt hier nach Saisonende – denn mindestens bis dahin ist er Dortmunder.

Eine weitere negative Nachricht kommt aus Duisburg bzw. dem Klinikum Dortmund. Der an den MSV ausgeliehene Julian Koch wurde in besagtem Krankenhaus zum zweiten Mal an seinem verletzten Knie operiert und wird sich in zwei Monaten einer weiteren OP – dann am angerissenen Kreuzband – unterziehen müssen. Der 20-jährige hatte vor seiner Verletzung auf verschiedenen Positionen für Furore gesorgt und großen Anteil daran, dass die Duisburger das Pokalfinale erreicht haben und bis vor kurzem noch im Aufstiegsrennen waren. Koch hätte in der nächsten Saison auch in Dortmund gute Chancen auf einen Platz im Kader gehabt – nun wird er sich eventuell bis zur Rückrunde gedulden müssen. Daraus ergeben sich neue Perspektiven für Patrick Owomoyela. Michael Zorc wird entscheiden müssen, ob er dem Rechtsverteidiger doch den gewünschten Zweijahresvertrag anbietet oder möglicherweise ein Leihgeschäft mit einem anderen Spieler in Frage kommt. Das Wichtigste jedoch: Gute Besserung, Julian!

Eine irdische Mannschaft

1. Bundesliga, 26. Spieltag / TSG Hoffenheim 1 BVB 0

Borussia Dortmund erleidet in Sinsheim die dritte Saisonniederlage und zeigt dabei, dass nichts Überirdisches an unserer Mannschaft ist. Auch der BVB 2011 ist ein empfindliches menschliches Netzwerk.

Roman Weidenfeller sprach davon, dass man teilweise zu „verspielt“ gewesen sei, aber das trifft es eigentlich nicht. Sicher, in einigen Szenen hätte man direkter agieren können, vor allem im Abschluss, aber für das 0:1 bei einem angeschlagenen Gegner waren drei ganz allgemeine Gründe verantwortlich: Manche Dinge funktionierten gestern beim BVB nicht wie gewohnt. Die Hoffenheimer machten vieles richtig. Und das Pech war auf Dortmunder Seite.

Die ersten beiden Punkte sind naturgemäß verknüpft. Das Mittelfeld der Schwarz-Gelben konnte sich nicht wie gewohnt entfalten, weil die Gastgeber ihrerseits massiert standen und immer drei bis vier ihrer fünf Mittelfeldspieler in Ballnähe waren, Laufwege gut zustellten und Pässe verhinderten. Was die Hoffenheimer nicht spielerisch verhindern konnten, unterbanden sie gerade in der ersten Hälfte häufig durch Fouls. Da war trotz der für sie ungünstigen Statistiken (unfairstes Team der Liga) nichts Brutales dabei, aber Schiedsrichter Drees hätte früher über gelbe Karten nachdenken können.

Der BVB war das überlegene Team, spielte sich aber weniger Chancen heraus als gewöhnlich. Da durch die Mitte aus den genannten Gründen wenig passierte, hätte mehr über außen gehen müssen. Doch die Schwarz-Gelben scheiterten zu häufig mit ihren Flanken. Wenige kamen überhaupt in den Strafraum. Lukasz Piszczek war zunächst der aktivere der beiden Außenverteidiger, aber bei seinen Flankenversuchen stimmte das Timing nicht – zu häufig brachte ein Hoffenheimer noch das Bein dazwischen. Die einzige gefährliche Hereingabe kam von der anderen Seite: In der 35. Minuten flog Marcel Schmelzers Flanke von der Torauslinie mustergültig zu Robert Lewandowski im Strafraum, doch der schoss aus etwa sechs Metern über den Kasten. Lies mehr …

Die Ambitionslosen

Vor dem 26. Spieltag der 1. Fußball-Bundesliga hat jeder Verein noch etwas, für oder gegen das es sich zu kämpfen lohnt – bis auf die TSG Hoffenheim. Niemand glaubt nach dem sportlichen Schlingerkurs, der nun in ein Taumeln übergegangen zu sein scheint, noch an die Europa League, denn die ist neun Punkte entfernt. Genauso unrealistisch ist jedoch der Abstieg, denn von Platz 16 trennen die Sinsheimer immerhin acht Punkte und sieben Plätze. Die TSG ist nicht die erste graue Maus der Bundesliga-Geschichte. Überraschend ist nur, wie willenlos sich der Aufsteiger der letzten Jahre unter dem neuen Trainer Marco Pezzaiuoli in sein Schicksal fügt.

Den Grundstein für die Entwicklung legte der zukünftige Ex-Mäzen Dietmar Hopp mit der Entlassung von Ralf Rangnick in der Winterpause. Die Vorgaben und Hintergedanken waren klar: Der Verein soll oder muss mit weniger Geld auskommen und verstärkt auf den eigenen Nachwuchs setzen. Mit Pezzaiuoli hofften Hopp und Konsorten, eine Art Jürgen Tuchel mit dem Aussehen von Joachim Löw verpflichtet zu haben. Nur wurde der Neuling im Januar vor vollendete Tatsachen in Form eines nicht ausbalancierten Kaders gestellt, den Bayern-Freund Hopp von der Resterampe des Rekordmeisters ‘verstärkte’.

Möglicherweise gelingen den Verantwortlichen der TSG im Sommer einige Korrekturen – vorerst heißt es für die Fans im Rhein-Neckar-Raum jedoch: Lasst alle Ambitionen fahren! Selbstverständlich wird jedoch am Samstag eine Mannschaft mit elf Spielern auf dem Platz stehen, die versuchen werden, gegen Borussia Dortmund zu gewinnen. Dabei werden zwei wichtige Abwehrleute fehlen. ‘Old Boy’ Josip Simunic mangelte es zuletzt nicht nur an der Physis, sondern laut Pezzaiuoli auch an der nötigen Einstellung. Linksverteidiger Andreas Ibertsberger ist einfach nur verletzt, so wie Mittelfeldspieler Tobias Weis und Langzeitausfall Chinedu Obasi. Der neue, junge, flinke Stürmer Peniel Mlapa fehlt wegen Gelbsperre.

In dieser Situation erscheint es fraglich, ob den Gastgebern außer Härte ein Mittel gegen den Tabellenführer einfällt. Auch wenn der BVB vom Verletzungspech nicht verschont geblieben ist. Für übermorgen sind Lucas Barrios, Kuba, Mats Hummels und Sebastian Kehl fraglich, bei allen vieren ist ein Einsatz aber noch nicht ausgeschlossen. Ein größerer Rückschlag wäre der gleichzeitige Ausfall von Barrios und Kuba, da dann in der Offensive größere Umbauarbeiten nötig wären. Wenn Hummels fehlt, ist das immer ein Verlust, aber paradoxerweise angesichts der guten Auftritte von Felipe Santana nicht extrem tragisch. Für Sebastian Kehl wäre auch am Samstag ohnehin nur der Platz auf der Bank vorgesehen gewesen.

Die Voraussetzungen werden sich für die Schwarz-Gelben in den nächsten Wochen ähneln. Es geht noch einige Male gegen Mannschaften, die in der Krise stecken, die man angesichts des riesigen Vorsprungs eigentlich schlagen müsste, die aber immer noch genug Qualität im Kader haben, um im Idealfall als Sieger vom Platz zu gehen. Wie immer wird auch für die Hoffenheimer die Motivation gegen den Tabellenführer besonders hoch sein. Wie immer in dieser Saison wird der BVB die Schwächen der gegnerischen Defensive aufdecken oder sie zu Fehlern zwingen. Und wie immer wird die Chancenverwertung eine entscheidende Rolle beim Ergebnis spielen – so herrlich einfach ist der Dortmunder Fußball zurzeit.

Uli Hoeneß und die Realität

Nach einer kurzen Pause aus Zeitmangel, der der Bericht zum Köln-Spiel zum Opfer gefallen ist, geht es nun wieder wie gewohnt weiter bei „Any Given Weekend“. Zugegeben, es gibt bessere Zeiten, um eine Blog-Pause einzulegen. Was ist nicht alles passiert in der letzten Woche – anderswo? Ich werde auf das, was war und kommen wird, noch eingehen. Den Anfang macht das neueste Zitat von Bayern-Präsident Uli Hoeneß, bekannt auch als Namensgeber der Hoeneß’schen Realitätstheorie, die da lautet: Je größer der zeitliche Abstand x vom Nullpunkt – dem Ende seiner Manager-Zeit – desto höher der fußballerische Realitätsverlust y.

Einen weiteren praktischen Beweis für die Theorie lieferte Hoeneß im Gespräch mit den „Kieler Nachrichten“. Darin bezeichnet er das Traineramt beim FC Bayern als

die schönste Aufgabe der Welt, weil es keinen Club gibt, wo ein Trainer so viel Unterstützung und Verständnis, so viel Wärme und Backup kriegt. Das sieht übrigens auch Louis van Gaal so.


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