Nicht Herzlich aber willkommen zurück, Hertha!
Hertha BSC hat am Montag mit dem Auswärtssieg in Duisburg vier Spieltage vor Saisonende den direkten Wiederaufstieg in die 1. Bundesliga klar gemacht. Die Rückkehr ist den Berlinern auf überzeugende Weise gelungen und war nie ernsthaft gefährdet. Alle Verantwortlichen hatten von Anfang an den Aufstieg als Ziel ausgegeben und weniger wäre eine große Enttäuschung gewesen. Eine Reihe von Spielern ging letzten Sommer mit in die zweite Liga, Hertha hatte zweifellos den besten Kader und den höchsten Etat.
Ist es daher überraschend oder eben gerade nicht, dass manche Fans nervös wurden und sogar über einen Rauswurf von Trainer Babbel diskutierten, als es Ende letzten Jahres mal nicht so lief? Konkret stand Hertha in dieser Phase drei Spieltage nicht auf einem der ersten drei Plätze. Diese Ungeduld ist jedenfalls das, was sich die Herthaner als erstes abgewöhnen sollten, bevor sie wieder in der höchsten Spielklasse antreten. Ja, der Verein vertritt nun wieder die Hauptstadt in der 1. Bundesliga. Gleichzeitig ist er jedoch verschuldet und wird personell keine großen Sprünge machen können. Herthas größtes Kapital sind inzwischen tatsächlich die Fans, die in der zweiten Liga ins Olympiastadion geströmt sind und für einen neuen Zuschauerrekord in dieser Spielklasse gesorgt haben.
Wenn sich alle Mitarbeiter und Anhänger des Vereins damit anfreunden können, dass es in der nächsten Saison nur darum gehen kann, die Klasse zu halten, dann können sie auch in der ersten Liga wieder viel Spaß haben. Mir wäre eine bescheidene Hertha ein klein wenig sympathischer als sie es vor dem Abstieg war. Vor allem aber freue ich mich wieder auf ein BVB-Spiel vor der Haustür. Willkommen zurück, Hertha BSC!
Unser Toni heißt da Silva
Was überraschend begann und zunächst fast für einen Freundschaftsdienst von Jürgen Klopp gehalten werden konnte, findet in der kommenden Bundesliga-Saison seine Fortsetzung. Antonio da Silva hat seinen Vertrag bei Borussia Dortmund um ein Jahr verlängert. Sollte er eine gewisse Anzahl von Einsätzen erreichen, würde ein weiteres Jahr dazu kommen.
In der zu Ende gehenden Spielzeit hat sich gezeigt, dass ‘Toni’ ein idealer Back-Up-Spieler ist. Er kann zwar weder Nuri Sahin noch Sven Bender 1:1 ersetzen, hat aber seine eigenen Fähigkeiten – nicht zuletzt bei Standards. Klopp konnte da Silva bedenkenlos einwechseln, ohne einen größeren Qualitätsverlust befürchten zu müssen. In den restlichen vier Partien der Saison 2010/11 wird Toni über 90 Minuten eingesetzt werden und seine Spielmacher-Qualitäten beweisen müssen. Dass wir alle inzwischen das Vertrauen haben, dass er das passabel bis gut machen wird, ist bereits eine Überraschung und ein weiterer Hinweis auf Jürgen Klopps Gespür für Spieler.
Nur ein kleiner Haken? Saisonende für Sahin
Die Befürchtungen haben sich bestätigt: Nuri Sahin fällt wegen einer Knieverletzung – einem Teilriss des Innenbandes – sechs Wochen aus. Man kann berechtigterweise sagen, dass diese Nachricht zu jedem anderen Zeitpunkt der bisherigen Saison einen noch größeren Schock ausgelöst hätte. Der BVB hat schließlich vorgestern einen möglicherweise entscheidenden Sieg errungen. Wenn aber etwas die Schwarz-Gelben noch auf dem Weg zum Titel stoppen kann, dann sind es Verletzungen wichtiger Leistungsträger. Solche Ereignisse haben neben den sportlichen Konsequenzen häufig Verunsicherung in der Mannschaft zur Folge. Nun hat sich Nuri Sahin zum Glück keinen Kreuzbandriss zugezogen und angesichts der Tabellensituation sollte sich der mentale Schock in Grenzen halten – sportlich wird er dem BVB dennoch fehlen.
Sebastian Kehl arbeitet weiter an seinem Comeback und so ist Antonio da Silva die natürliche Alternative für unseren Spielmacher. Das hätte sich letzten Sommer auch noch niemand träumen lassen. So gut da Silvas Freistöße sind und so ordentlich er Nuri am Sonntag vertreten hat – er hat nicht dieselbe Spielintelligenz und Präzision. Im Zusammenspiel mit einem gut aufgelegten Mario Götze sollte trotzdem genügend Kreativität für die letzten vier Partien und die noch benötigten Punkte vorhanden sein. Man muss daher nicht von einer „Katastrophe“ sprechen wie Jürgen Klopp (in Unkenntnis der Schwere der Verletzung) nach dem Spiel. Die gestrige Aussage des Trainers traf es besser: „Noch sind wir im grünen Bereich. Mehr darf aber nicht passieren.“
Andere Befürchtungen – dass Nuri quasi so gut wie beinahe schon in Madrid sei – haben am Wochenende keine neue Nahrung erhalten. Eher im Gegenteil, wenn man denn seine Äußerung gegenüber dem ZDF als Wasserstandsmeldung ansehen will: „Die Fans werden schon wissen wie ich mich entscheide.“ (zitiert nach Kicker Nr. 32/2011, S. 32). So wie immer lautet die Regel auch in dieser Sache: Traue nie dem Boulevard allein!
You’ve come a long way, Dortmund
1. Bundesliga, 30. Spieltag / BVB 3 SC Freiburg 0
Borussia Dortmund steht kurz vor dem Gewinn der deutschen Meisterschaft. Und es ist immer noch unglaublich, das zu schreiben – wenn man mal zurückdenkt. Als der BVB zum letzten Mal Meister wurde, stand Fatboy Slim, dessen LP-Titel mich zu der Überschrift inspirierte, auf dem Höhepunkt seiner Karriere und spielte vor 250.000 Leuten am Strand von Brighton. Die Borussia lernte nur wenig später, nach dem Verpassen der Champions League, die dunkle Seite des Geschäfts kennen und stand kurz vor dem Zwangsabstieg. Hans-Joachim Watzke hat kürzlich gesagt, dass der BVB kein Bundesligist mehr wäre, wenn die internationale Finanzkrise ein paar Jahre früher gekommen wäre.
Die zweite Hälfte der ‘Nullerjahre’ lief von den Ergebnissen her meist so, wie man es erwarten konnte, es war aber dürftig anzusehen. Bert van Marwijk war der Trainer, der mithalf, die Krise zu meistern. Die nächsten beiden Übungsleiter waren alles in allem Fehlgriffe. Der Glücksgriff, der der Vereinsführung im Anschluss gelang, hat uns dorthin geführt, wo wir heute stehen. Egal wie es ausgeht – was für einen Weg hat dieser Verein mit Jürgen Klopp schon hinter sich gebracht!
Rechnerisch ist die Meisterschaft noch nicht entschieden. Sollte die Borussia nächsten Samstag bei der anderen Borussia verlieren und Leverkusen das Heimspiel gegen Hoffenheim gewinnen, hätten wir unter umgekehrten Vorzeichen die gleiche Konstellation wie nach dem 31. Spieltag der Saison 2001/02. Doch wer glaubt nach dem gestrigen Sonntag noch an einen Einbruch der Schwarz-Gelben?
Die Mannschaft zeigte nach dem Führungstor eine unglaublich souveräne, eines Meisters würdige Leistung. Schon in den ersten 20 Minuten hatte die Borussia dominiert, doch die Gäste standen in dieser Phase im Mittelfeld gut und ihre Gastgeber ließen noch etwas Biss vermissen. Die Freiburger spielten jedoch an der Grenze des Erlaubten, waren teilweise überaggressiv und für das Foul an Nuri Sahin, das zu dessen späterer Auswechslung führte, hätte Mujzda Gelb sehen müssen. Lies mehr …


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