Archiv | Juni 2011

Dortmund trainiert und transferiert

Borussia Dortmund hat gestern als gemeinsam mit Werder Bremen letzte Bundesligamannschaft die Saisonvorbereitung aufgenommen. Etwas ungewohnt war, dass das erste Training unter Ausschluss der Öffentlichkeit stattfand. Es ist jedoch einleuchtend, dass der amtierende Meister die ‘Erstintegration’ der Neuzugänge und den obligatorischen Laktattest nicht auf der großen Bühne durchführen will. Für mich als räumlich entfernten Beobachter macht es ohnehin keinen Unterschied. Der Trainingsauftakt ist aber eine gute Gelegenheit, sich den personellen Stand der Dinge zu vergegenwärtigen.

Vier der fünf Neuzugänge von außerhalb des Vereins waren gestern schon dabei – auch Ivan Perisic, der wie alle anderen Nationalspieler noch bis 3. Juli Urlaub gehabt hätte. Angesichts der Konkurrenzsituation im BVB-Mittelfeld wollte er jedoch den Auftakt nicht verpassen. Julian Koch wird noch lange fehlen. An seinem verletzten Knie musste vor kurzem ein arthroskopischer Eingriff durchgeführt werden, so dass sich die notwendige Kreuzband-OP um fünf Wochen verzögert. Es ist somit sehr unwahrscheinlich, dass er zum Rückrundenauftakt wieder zur Verfügung steht. Ich wünsche weiterhin gute Besserung, Julian! Der 21-jährige Mittelfeldspieler Marvin Bakalorz ist ein weiterer ‘Neuzugang’. Er kommt aus der zweiten Mannschaft und steht im Falle einer Verletzungskrise als Ergänzungsspieler bereit.

Vor einem Monat, nach dem Perisic-Transfer, haben die BVB-Verantwortlichen plausibel erklärt, dass keine weiteren Zugänge geplant sind. Die Medien, vor allem ausländische, ließen sich erwartungsgemäß nicht beirren und spekulierten über Namen wie Bendtner und Diakité. Die Aussage von Michael Zorc hat jedoch nach wie vor Bestand und es gibt nicht den geringsten Grund, an ihr zu zweifeln. Der schwarz-gelbe Kader soll sogar noch etwas verschlankt werden.

Vorgestern gab Energie Cottbus bekannt, dass sie ihren ehemaligen Spieler Dimitar Rangelov für ein Jahr von der Borussia ausleihen. Rangelov spielt in Dortmund keine Rolle mehr und war zuletzt an Maccabi Tel Aviv ausgeliehen, die eine Kaufoption für den Stürmer jedoch nicht wahrnahmen. Über die Modalitäten der Ausleihe in die Lausitz wurde laut des FC Energie Stillschweigen vereinbart und es sind auch noch keine Details bekannt geworden. Eine Leihgebühr werden die Schwarz-Gelben eher nicht kassieren – möglicherweise zahlt der Zweitligist jedoch das komplette Gehalt, denn es soll noch weitere Interessenten gegeben haben. Rangelov hat beim BVB noch einen Vertrag bis 2013.

Die „Ruhr Nachrichten“ berichten desweiteren, dass Damien Le Tallec mit dem FC St. Pauli über eine Ausleihe verhandelt. Angesichts des momentan von Jürgen Klopp favorisierten Spielsystems, zwei sehr guten vorhandenen Stürmern und einem Mohamed Zidan in der Hinterhand würde ein temporärer Wechsel für den jungen Franzosen Sinn machen. Über einen alternativen Verein für den lange verletzten Florian Kringe ist noch nichts bekannt.

Der BVB wirkt einen Monat vor dem Pokalspiel in Sandhausen und 3 1/2 Wochen vor dem Supercup in Gelsenkirchen (der immerhin wieder eine offizielle DFL-Veranstaltung ist) gut aufgestellt. Bei solchen Aussagen ist zu diesem Zeitpunkt natürlich viel Spekulation dabei. Aber außer dem unvermeidlichen FC Bayern gibt es keinen Konkurrenten, vor dem sich die Schwarz-Gelben in der gegenwärtigen Verfassung verstecken müssten. Das soll nicht heißen, dass sich nicht andere Vereine besser entwickeln als derzeit abzusehen. Es wird diese positiven Überraschungen geben und deshalb ist es nur zu begrüßen, dass Hans-Joachim Watzke keine übertrieben ehrgeizigen Saisonziele formuliert.

Das schönere Zeitspiel?

Über den Frauenfußball wird immer wieder und natürlich auch dieser Tage gesagt, er sei fairer als sein männliches Pendant. Weniger Fouls, weniger Theatralik, weniger Unsportlichkeiten seien zu sehen. Stimmt das noch oder ist es nur noch ein gern wiederholtes Klischee? Die Japanerinnen zeigten gestern bei der WM, dass sie eine Unsportlichkeit schon gelernt haben: das unsägliche Sperren des Balles an der Eckfahne, um die Zeit herunterlaufen zu lassen. Es ist eine Form des Zeitspiels, die ich persönlich hasse wie die Pest und auch beim BVB verurteile, wenn sie denn mal vorkommt. Sie ist im Gegensatz zu anderen Formen, wie wir sie beispielsweise in Sevilla kennengelernt haben, weniger verrufen. Aber warum eigentlich? Es handelt sich um Zeitspiel in Reinform, es ist kein Fußballspiel mehr, sondern Fußballverhinderung – ob bei Männern oder Frauen.

Kein schwarz-gelbes Märchen

Viele BVB-Fans werden sich gestern zum ersten Mal seit längerer Zeit wieder an Bajram Sadrijaj erinnert haben (mich eingeschlossen). In der Lokalpresse wurde gemeldet, dass der ehemalige Borussia-Profi am Ostwall in Dortmund einen Verkehrsunfall hatte, dem ein illegales Autorennen vorausgegangen war. Sadrijai blieb (möglicherweise dank des Airbag) unverletzt, sein BMW ist jedoch schrottreif.

Zuvor schien sich der 24-jährige still und leise von der Profikarriere in Dortmund verabschiedet zu haben. Nicht jedem dürfte aufgefallen sein, dass sein Vertrag vor der vergangenen Saison ausgelaufen war und nicht verlängert wurde. Verletzungen spielten dabei eine nicht unerhebliche Rolle. Dabei hatte die Geschichte am Anfang durchaus einen Hauch Fußball-Romantik zu bieten. Bei einem Pokalspiel in Thannhausen war Bajram Sadrijaj den BVB-Verantwortlichen aufgefallen. Etwas später sollte er tatsächlich den Sprung aus dem Amateurfußball zum großen Bundesligisten schaffen. Sadrijaj wurde wohlgemerkt als Perspektivspieler geholt, der zunächst eher für die zweite Mannschaft eingeplant war. Aber 2008 sah es für ein paar Monate so aus, als könne er zumindest als Ergänzungsspieler den Kader der Bundesliga-Mannschaft bereichern.

Bajram Sadrijaj ließ zweimal aufhorchen. Im August 2008 sah er im Erstrunden-Pokalspiel in Essen die schnellste rote Karte aller Zeiten, die sogar im Guinness Buch der Rekorde steht. Doch knapp zwei Monate später hätte er das Happy End des Märchens perfekt machen können, als er beim atemberaubenden Europapokal-Rückspiel in Udine in der Verlängerung eingewechselt wurde. Der BVB hatte bekanntlich mit einem großartigen Auftritt den 0:2-Rückstand aus dem Hinspiel aufgeholt. Kurz vor dem Ende der Verlängerung schoss Sadrijaj dann beherzt aufs Tor, setzte den Ball aber knapp über die Latte. An jenem Tag schien aber auch ein fast unglaubwürdiges Happy End möglich. Das Elfmeterschießen verhalf den Schwarz-Gelben wie so häufig nicht dazu.

Danach wurde es ruhig um Sadrijaj. Heute ist er vereinslos, scheint aber in der Region geblieben zu sein. Als gefallenen Star kann man ihn nicht bezeichnen, es war 2008 nur das kurze Aufblitzen eines Sternchens. Wenn man ehrlich ist gibt es Spieler, die knapp am Durchbruch scheitern, bei vielen Vereinen. Es waren jedoch schon zwei besonders intensive Momente, die man mit dem Namen Bajram Sadrijaj verbindet und sein Aufstieg wäre wirklich kometenhaft gewesen (um im Bild zu bleiben).

Natürlich ist seine unrühmliche Rückkehr in die Schlagzeilen genauso schade wie die Tatsache, dass es ein junger Spieler beim BVB nicht geschafft hat. Aber ebenso natürlich wird das immer wieder vorkommen und man kann meines Wissens nach niemand im Verein vorwerfen, Sadrijaj mehr versprochen zu haben als gehalten wurde. Es ist eine Geschichte vom Rande des Vereins, aber eine, die gerade in diesen Tagen trotzdem erzählt werden sollte.

Der Spielplan ist da: Höhepunkte im November und April

Heute Vormittag hat die DFL den Spielplan für die kommende Bundesliga-Saison auf einer Pressekonferenz vorgestellt und als PDF veröffentlicht. Borussia Dortmund hat im Vergleich zu den letzten Spielzeiten ein ausgewogeneres, aber kein einfaches Auftaktprogramm zugeteilt bekommen. An den ersten sieben Spieltagen müssen die Schwarz-Gelben gegen vier Vereine aus der Top 6 antreten, darunter jedoch drei der Überraschungsmannschaften von 2010/11. Im Auftaktspiel am 5. August geht es nicht völlig unerwartet gegen den Hamburger SV. Die ersten fünf Spieltage im einzelnen:

Hamburger SV (H), 1899 Hoffenheim (A), 1.FC Nürnberg (H), Bayer Leverkusen (A), Hertha BSC Berlin (H)

Die Saisonhöhepunkte – das Derby und das Spiel gegen den Rekordmeister – sind für November und April terminiert und zwar an aufeinanderfolgenden Spieltagen! Am 13. Spieltag muss der BVB zunächst nach München reisen, bevor eine Woche später der FC Schalke zu Gast im Westfalenstadion ist. Unglücklich ist die entsprechende Konstellation im April: Das Heimspiel gegen die Bayern findet unter der Woche statt, nur wenige Tage später folgt die Fahrt nach Gelsenkirchen. Immerhin ist der Weg nicht weit.

Das Saisonende sieht dagegen machbar aus: Heimspiele gegen Gladbach (32.) und Freiburg (34.) und eine sicher nicht zu unterschätzende Auswärtspartie beim FCK (33.). Mit der erwähnten Ausnahme halte ich den Spielplan daher für fair und gelungen. Der HSV ist in vielerlei Hinsicht der richtige Gegner für das erste Spiel und mir geht es wie sicher den Meisten: Ich kann es kaum erwarten!

Das wilde Leben der Fußball-Maskottchen

Schlägereien mit Kollegen, Pöbeleien gegen Fans – englische Fußball-Maskottchen fallen schon mal aus der Rolle des familienfreundlichen Knuddeltiers. Die jüngste Eskapade leistete sich Donny the Dog vom Zweitligisten Doncaster Rovers. Unter dem Kostüm steckt mit Tracy Chandler eine der ganz wenigen Frauen in diesem Geschäft.

Ms Chandler wurde vor einigen Wochen von der Sonntagszeitung „Sunday Sport“, gegenüber der die „BamS“ wohl ein Hort des Qualitätsjournalismus ist, fotografiert. In Unterwäsche und mit Hundekopf im Arm. Die Gage für die Aufnahmen kam einem karikativen Zweck zugute. Der Verein fand die Fotos trotzdem nicht witzig und entließ Ms Chandler per E-Mail aus ihrem unbezahlten Job. Für Tracy aka Donny brach eine Welt zusammen:

It really upset me, I thought ‘this is the end’. Everything I worked for, it’s gone, and obviously I broke down and I got really upset about it.

Nur einen Tag später kam dann jedoch die von oben verordnete Kehrtwende. Der Rovers-Vorsitzende John Ryan gab Tracy Chandler ihren Job zurück und räumte ein, dass der Verein überreagiert habe, obwohl der „Sunday Sport“ und ein Maskottchen für Kinder nicht so recht zusammenpassten.

Ganz unabhängig von derartigen Fotos – wann werden eigentlich mal die deutschen Maskottchen genauer vorgestellt? Viel war da noch nicht zu lesen. Oder sind sie gegenüber ihren englischen Kollegen einfach zu langweilig?

Sommertheater

Mitte Juni. Sommerloch für Sportjournalisten (und Blogger). Immerhin kann man sich auf die deutsche Fußball-Dreipeinlichkeit – Joachim Löw, Theo Zwanziger und Uli Hoeneß – verlassen. Die geben einem immer Stoff. Wie gut der ist, spielt erst mal keine Rolle.

Vorhersehbar war das Schlusskapitel von Michael Ballacks Länderspiel-Geschichte. Jeder hat gewusst, dass Joachim Löw den verletzungsanfälligen Kapitän loswerden und ihm keine Chance mehr geben wollte. Niemand versteht jedoch, warum es nötig war, bis in den Juni zu warten, bevor Löw das offiziell machte. Die Form, wie die beiden Seiten nun über- und gegeneinander kommunizieren, erstaunt jedoch selbst im Sommerloch. Feinstes Schmierentheater. Ballack und der Bundestrainer bezichtigen sich gegenseitig der Lüge. Die beiden Versionen, was bei dem Gespräch Ende März gesagt und vereinbart wurde, stehen sich diametral gegenüber. Hat Löw seinem Kapitän Hoffnungen gemacht und ihm versprochen, einen eventuellen Rücktritt selbst bekanntgeben zu dürfen? Oder hat er Ballack schon damals klipp und klar das Aus angekündigt und ihm sogar noch zwei weitere Länderspiele angeboten, um auf die ’100′ zu kommen?

Es wird sehr schwer, da noch mal auf einen Nenner zu kommen. Weder Löw noch Ballack hatten einen wirklichen Grund, die Bekanntgabe der Nachricht so lange hinauszuzögern. Es spricht nicht für die Kommunikationsfähigkeit der beiden Akteure, dass es nun zu diesem peinlichen Sommertheater gekommen ist. Und die vermeintlichen ‘Fachleute’ auf diesem Gebiet, Wolfgang Niersbach und Oliver Bierhoff, haben ebenfalls nichts Konstruktives beigetragen. Das Schöne an der Geschichte ist, dass sie meine Meinung von den handelnden Personen bestätigt und keine schwarz-gelben Interessen betrifft. Eine sommerliche Randnotiz zum Kopfschütteln und Staunen eben.

Der Mann mit der Eckfahne

Manche FC Schalke- und Bayern-Fans denken (oder dachten) ja, Manuel Neuer sei einzigartig. Dabei gibt es noch einen anderen Spieler, der erst den Gegner mit der Eckfahne neckte, um dann zu ihm unter die Decke zu schlüpfen. Der neue Verein des 29-jährigen Nathan Tyson ist noch dazu der Lokal- und Erzrivale seines bisherigen Klubs. Der Stürmer wechselt nach Ablauf seines Vertrages vom englischen Zweitligisten Nottingham Forest (dem neuen Arbeitgeber von Steve McClaren) zum benachbarten Zweitligisten Derby County.

Wechsel zwischen den beiden mittelenglischen Vereinen sind ohnehin stets eine umstrittene Angelegenheit, besonders für die Fans. In diesem Fall ist die Sache besonders heikel, denn ausgerechnet Tyson feierte 2009 den Derbysieg über Derby, indem er sich nach Spielende die Eckfahne mit Forest-Emblem schnappte und vor den enttäuschten Gästefans damit herumwedelte. Nicht nur die Fans der ‘Rams’ waren empört, es bildete sich auch ein Rudel aus Spielern und Offiziellen beider Seiten. Tyson wurde wegen des Vorfalls für zwei Spiele gesperrt und mit einer Geldstrafe belegt, auch beide Vereine wurden bestraft.

Dass sich der Spieler nun ausgerechnet für diesen Wechsel entschieden hat, dürfte mit den Ambitionen der Rams zusammenhängen. Wie bereits berichtet, sind die Verantwortlichen in Derby nach einer enttäuschenden Saison bereit, auch finanziell mehr zu investieren, um den Anschluss an obere Tabellenregionen herzustellen. Der Verein verfügt außerdem über das vielleicht schönste Stadion der Championship, gute Trainingseinrichtungen und treue Fans. Und er liegt nur einen Katzensprung entfernt von Tysons bisheriger Fußballheimat.

In Nottingham strebt man nach dem knapp verpassten Aufstieg nun erneut in Richtung Premier League. Es gab zwischen Tyson, dem soeben entlassenen Trainer Billy Davies und den anderen Verantwortlichen jedoch Unstimmigkeiten um einen möglichen neuen Vertrag. Der Stürmer bevorzugt die Position im Sturmzentrum, Davies ließ ihn in den letzten Jahren auf der Außenbahn spielen. Tysons Torquote verschlechterte sich gegenüber der Zeit bei seinem vorherigen Verein, den Wycombe Wanderers. Es bedurfte scheinbar nur eines guten Angebots und ein wenig Überzeugungsarbeit von Derby-Trainer Nigel Clough, um Tyson zum großen Rivalen zu locken.

Für den Spieler ist es nur ein Job bei einem ambitionierten Verein, aber wie sehen es die Fans? Nach der Einschätzung von „Derby County Mad“ gibt es geteilte Meinungen – wie in München:

Fans seem to be divided over the signing, some unable or unwilling to forgive the flag waving incident but others willing to give Tyson a chance to prove he has the pace and goal scoring ability that Derby need.

Mancher Derby-Fan würde es offensichtlich begrüßen, wenn ausgerechnet Nathan Tyson nun voll einschlagen würde – umso größer wäre der Stich, den man den ‘Trees’ versetzen würde. Für viele steht jedoch im Vordergrund, dass der Stürmer mit seiner Schnelligkeit ein dringend benötigtes belebendes Element für die Rams-Offensive werden könnte. Erfolg bringt neue Freunde – nur nicht beim alten Verein.

Der Hauch der nächsten Saison

Der Spielplan der Fußball-Bundesliga lässt noch ein paar Tage auf sich warten. Die Auslosung der 1. Runde des DFB-Pokals gab heute aber bereits den ersten Vorgeschmack auf die Saison 2011/12. Borussia Dortmund kriegt es mal wieder mit einem Drittligisten zu tun: dem SV Sandhausen. Der Verein beendete die abgelaufene Spielzeit im Mittelfeld der 3. Liga, als Tabellenzwölfter. Sandhausen liegt nahe bei Heidelberg im nordwestlichen Baden-Württemberg. Das örtliche Hardtwaldstadion fasst nur gut 10.000 Zuschauer, so dass es fraglich erscheint, ob die Pokalbegegnung dort ausgetragen wird.

Schaut man sich den Kader der Sandhausener an, kommen einem ein paar Namen bekannt vor. Der ehemalige VfB- und Hertha-Profi Roberto Pinto, der ehemalige Freiburger und Rostocker Stürmer Régis Dorn und der ehemalige Mainzer Ersatztorwart Daniel Ischdonat verdienen ihr Geld inzwischen in der Kurpfalz. Abwehrspieler Roland Benschneider kennt der eine oder andere vielleicht noch vom FC Köln. Zur neuen Saison haben sich die Sandhausener unter anderem mit Marcel Kandziora aus der zweiten Mannschaft des BVB verstärkt. Trainer des SVS ist inzwischen wieder Gerd Dais, der den Klub bereits von 2005-2010 betreute. In der abgelaufenen Saison war Dais bereits der dritte Übungsleiter. Der gefährlichste Torschütze war Stürmer Frank Löning mit 13 Treffern.

Der SV Sandhausen ist trotz einiger bekannter Gesichter ein Verein ohne große Stars. Tim Danneberg stellt im defensiven Mittelfeld eine der Stützen des Teams dar. Die Voraussetzungen für den amtierenden Deutschen Meister sind klar: Man ist in Sandhausen (oder wo auch immer) haushoher Favorit, der Außenseiter wird sein Heil in der Defensive und ein paar vereinzelten Kontern suchen. Der BVB muss dieses Spiel sehr ernsthaft angehen, denn auch in der 3. Liga wird bekanntlich ein gepflegter Ball gespielt – wenn man sie spielen lässt. Sandhausen ist zwar nicht Offenbach und wird keine vergleichbare Fanunterstützung haben, aber wenn die Mannschaft sich in der Saisonvorbereitung schnell findet, ist sie nicht völlig chancenlos. Für die Borussia könnte in diesem Zusammenhang das Supercup-Spiel in der Woche zuvor von Vorteil sein.

Ich hätte nichts gegen einen unterklassigeren Verein gehabt, aber Sandhausen muss natürlich machbar sein. Ausgerechnet der FC Schalke hat mit dem Siebtligisten FC Teningen den ‘David’ des Wettbewerbs zugelost bekommen. Den FC Bayern dagegen hat das Pokal-Losglück erst mal verlassen: Mit Eintracht Braunschweig wartet einer der schwersten möglichen Gegner.

Mats the Skipper

Die lange Leidensgeschichte von BVB-Kapitän Sebastian Kehl ist neben dem Schicksal von Florian Kringe der tragischste Teil des Dortmunder Meisterjahres. Sicher – ein Spitzenverdiener wie Kehl ist auch im Verletzungsfall noch privilegiert, aber was Borussias Nummer 5 in den letzten Jahren wegstecken und überwinden musste ist auch im Profisport nicht alltäglich. Ob Kehl die Rückkehr schafft und welchen Status er künftig in der Meistermannschaft haben wird, hat selbstverständlich Implikationen für sein ‘Amt’. Es ist nicht ausgeschlossen, dass Jürgen Klopp – eher unfreiwillig – einen neuen Kapitän bestimmen wird.

In der abgelaufenen Saison war Roman Weidenfeller der Mannschaftskapitän auf dem Platz. Sollte aus der Sicht des Trainers auch ein formaler Wechsel im Amt nötig werden, ist der BVB-Torwart der natürliche und wahrscheinlichste Kandidat. Er ist ‘handelnder Kapitän’ und hat ohne Zweifel die nötige Autorität. Wie viel und welche Autorität braucht ein Kapitän jedoch heutzutage? Hat nicht die Theorie, dass der ‘Spielführer’ am besten ein Feldspieler sein sollte, manches für sich, und sei es nur wegen der Kommunikation mit dem Schiedsrichter?

Mats Hummels wäre ebenfalls ein sehr geeigneter Kapitän für Borussia Dortmund. Es überrascht immer wieder aufs Neue, welch kluge und besonnene Interviews er gibt. Mit der gleichen Haltung könnte er das Amt des Kapitäns auf und neben dem Platz hervorragend ausfüllen. Das Interview mit ihm, das jetzt in der „FAS“ erschienen ist, hat diesen Eindruck nochmals voll bestätigt. Mats macht darin klar, dass man sich bei Klopps BVB Autorität durch Leistung und nicht durch das Alter oder laute Töne erwirbt. Prinzipiell hat jeder Spieler auf dem Platz die gleichen Rechte und Pflichten.

Besonders überzeugend ist Hummels’ Reaktion auf die Vorwürfe von Altstar Thorsten Frings an die ‘junge Spielergeneration’. Frings ist nicht der erste ältere oder ehemalige Spieler, der den ‘jungen Leuten’ vorwirft, sie seien zu angepasst und achteten zu sehr auf ihre Worte. Mats bestreitet das etwas pauschale Urteil gar nicht, sondern liefert vielmehr eine überzeugende Erklärung:

Ich glaube, dass es wirklich so ist. Dass man immer mehr darauf achten muss, was man sagt, weil es immer gleich höhere Wellen schlägt, wenn man mal was überraschend ist oder als nicht passend interpretiert wird. Die größte Gefahr besteht darin, dass aus einem Interview nur zwei, drei Sätze ohne den Gesamtzusammenhang zitiert werden – und schon hast du die tollsten Schlagzeilen.

Da hat jemand ganz offensichtlich verstanden, wie Medien und gerade der Sportjournalismus funktionieren. Möglicherweise ist diese besonders auf- und abgeklärte Haltung bei Mats familiär bedingt, schließlich war seine Mutter Sportjournalistin. In jedem Fall würde sie ihn dafür prädestinieren, sich als erster Ansprechpartner gegenüber den Medien zu äußern – wie das von einem Kapitän erwartet wird.

Es ist nicht wahrscheinlich, dass Mats Hummels in der kommenden Saison dieses Amt übernimmt. Sollte Kehl im Sommer fit werden, wird er wohl vorerst Kapitän bleiben – ansonsten steht Weidenfeller bereit. Das wäre völlig in Ordnung, wie die vergangene Spielzeit gezeigt hat. Eine gute Alternative ist Hummels jedoch allemal. Nicht nur weil man in der Champions League einen Skipper gebrauchen könnte, der ordentlich Englisch spricht.

Von Geld, Erfolg und Tradition

Diese Geschichte betrifft jeden Fußballverein, obwohl sie von einem einzigen handelt. Eine der universellen Wahrheiten dieses Sports ist das Koordinatensystem aus den Faktoren Geld, Tradition und Erfolg, das die Geschicke der Klubs bestimmt. Selbstverständlich treiben diese darin nicht hilflos umher, sondern können selber mitbestimmen, wohin die Reise geht – bis zu einem gewissen Maß.

Die Geschichte hat aber doch ihre landestypischen Besonderheiten. In England existiert bekanntlich keine 50+1-Regel und so gibt es dort bei Fußballklubs alle möglichen und unmöglichen Besitzverhältnisse. Fluch und Segen liegen da häufig dicht beieinander – wie die abgelaufene Saison des Zweitligisten Derby County exemplarisch verdeutlicht.

Es sah alles gut aus, vor der Saison. Nigel Clough, Sohn der Vereinslegende Brian, hatte für die neue Spielzeit eine junge und scheinbar hungrige Mannschaft zusammengestellt. Auf einen entfernten Beobachter wie mich wirkte das vielversprechend. Die traditionsreichen ‘Rams’ hatten 2010/11 mit knapp 26.000 Zuschauern den zweithöchsten Schnitt der Championship. Nur auf dem Feld lief es nach einer sehr guten Phase im Herbst bald nicht mehr rund. Hier kommen nun die Besitzverhältnisse ins Spiel. Die internationale Investorengruppe GSE, der Derby County FC gehört, stellt mit Tom Glick den CEO des Vereins. Dessen Vorgabe für die Transferaktivitäten vor der Saison war: Teuer darf es nicht werden. Das ist zunächst verständlich, wenn man bedenkt, dass GSE den Verein nach der Übernahme erst mal wieder finanziell auf Kurs bringen musste. Lies mehr …

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