Archiv | Juli 2011

Nur Training und Skibbe

Dede hat einen neuen Verein. Der liegt nun doch nicht in Deutschland oder Brasilien: Die BVB-Legende hat einen Zweijahresvertrag beim türkischen Erstligisten Eskisehirspor unterschrieben. Man kann es durchaus traurig finden, dass Dede von Dortmund zu einem Verein wechselt, dessen bisheriger Trainer im Zuge des Spielmanipulationsskandals, der den türkischen Fußball aktuell beschäftigt, festgenommen wurde. Der Skandal hat inzwischen solche Ausmaße angenommen, dass der Start der Süper Lig um einen Monat verschoben wurde. In den nächsten Wochen stehen Dede also allenfalls Training und Testspiele bevor.

Immerhin wird er mit seinem ersten Dortmunder Trainer Michael Skibbe wieder vereint sein. So, wie wir Dede in den letzten Jahren kennengelernt haben, dürfte das der entscheidende Grund für diesen Wechsel gewesen sein. Unsere Nummer 17 braucht Bezugspersonen, gerade jetzt nach der langen Zeit in Dortmund. Wie lange Skibbe eine dieser Personen sein kann, weiß man im Profifußball nie. Auch in der Türkei müssen Trainer häufig vorzeitig gehen – wobei Skibbe eher nicht mit dem Gesetz in Konflikt geraten wird. Es wird sich dementsprechend zeigen, ob es die richtige Entscheidung von Dede war, sich zu einem zweijährigen Engagement überreden zu lassen.

Natürlich kann er auch in seinem neuen Team gute Kollegen vorfinden und es ist Dede allemal zuzutrauen, dass er im Verein und außerhalb davon neue Freunde gewinnt. Im Kader von Eskisehirspor stehen der brasilianische Innenverteidiger Diego Angelo, der portugiesische Mittelfeldmann Pelé, der ehemalige Dortmunder Mehmet Boztepe und einige weitere türkisch-deutsche Spieler. Sprachlich sollte es also keine Probleme geben. Trotzdem fragt man sich, ob Dede sich bei seiner Entscheidung nicht zu sehr von bekannten Gesichtern hat leiten lassen – vor allem, wenn man im „Kicker“ folgendes liest:

Den Transfer eingefädelt hat übrigens der frühere BVB-Manager Michael Meier. Laut Dede war der Wechsel innerhalb von zwei Tagen perfekt.

Aber auch wenn es noch schwer fällt, daran zu glauben: Ich wünsche Dede, dass er bei seinem neuen Verein genauso glücklich wird wie er es viele Jahre in Dortmund war. Wo wir ihn hoffentlich mal wiedersehen werden – irgendwie.

Hardtwaldhelden. Ein Pokal-Interview.

An diesem Wochenende geht es endlich auch für die deutschen Fußball-Erstligisten richtig los. Borussia Dortmund tritt am Samstagabend zur ersten Runde des DFB-Pokal beim SV Sandhausen an. Die ersten Internet-Recherchen zum Pokalgegner der Schwarz-Gelben waren nach der Auslosung schnell gemacht. Da es sich bei Sandhausen jedoch mutmaßlich um einen Drittligisten handelt, über den man außerhalb Süddeutschlands nicht so viel weiß wie beispielsweise über Carl Zeiss Jena oder Kickers Offenbach, sollte man vielleicht jemand fragen, der sich wirklich auskennt. Deshalb habe ich Nina vom Blog „Hardtwald Helden“ - benannt nach dem Stadion des SVS – ein paar Fragen rund um den Verein gestellt. Wer noch mehr erfahren will, sollte auf ihrer sehr empfehlenswerten Seite vorbeischauen. Dort habe ich im Vorbericht zum Pokalspiel auch ein paar Fragen zur Borussia beantwortet.

Nina, Sandhausen liegt in der Nähe von Heidelberg im Rhein-Neckar-Raum. In eurer Region hat sich in den letzten Jahren sicher viel Aufmerksamkeit auf die TSG Hoffenheim konzentriert. Wie siehst du als Fan eines anderen Vereins aus der Gegend die Hoffenheimer?

Ich beobachte Hoffenheim bereits seit vielen Jahren. In diesen Jahren habe ich mit angesehen, wie sie am SVS, der jahrelang die Nummer 1 in der Rhein-Neckar-Region war, vorbeizogen.

Gibt es da eine lokale Rivalität? Sind die für euch überhaupt interessant?

Eine gesunde Rivalität ist selbstredend vorhanden. Wer sich ernsthaft mit Hoffenheim oder Sandhausen auseinander setzt, sollte auch eine klare Meinung fassen. Entweder Hopp ;) oder top.

Denkst du, dass es Auswirkungen für Sandhausen hat, dass die TSG in der Bundesliga spielt?

Bis zum Durchmarsch unter Rangnick aus der Regionalliga in die 1. Bundesliga, war Sandhausen der deutlich beliebtere Verein. Obwohl Sandhausen nie höher als Regionalliga spielte hatte man sich in der Vergangenheit als deutscher Amateurmeister oder DFB-Pokalschreck einen Namen gemacht. Als Hoffenheim hingegen nach nur einem zweitklassigen Jahr in Liga 1 aufstieg waren sie immer noch die Unbekannten. Ich würde lügen, wenn ich behaupte, dass uns die Bundesligazugehörigkeit der TSG keine Zuschauer kostet. Lies mehr …

Piszczek verlängert bis 2016

Borussia Dortmund hat einen weiteren Stammspieler langfristig an den Verein gebunden. Der 26-jährige Rechtsverteidiger Lukasz Piszczek hat seinen Vertrag bis Juni 2016 verlängert. Der ehemalige Berliner ist ohne Zweifel ein Paradebeispiel dafür, dass Jürgen Klopp es schafft, die ihm zur Verfügung stehenden Spieler besser zu machen. Lukasz war ein solider, talentierter Spieler, der jedoch von einem Absteiger nach Dortmund kam. Klopp hat in der vergangenen Saison seine Stärken wieder aktiviert: Energie, Engagement, gute Flanken(-läufe). Piszczek stieg vom Vertreter zur Nummer 1 auf seiner Position auf und verbesserte gegenüber den ersten Spielen sein Zweikampfverhalten enorm.

Piszczek dürfte sich bewusst sein, was der Wechsel nach Dortmund ihm gebracht hat und deshalb einem Fünfjahresvertrag zugestimmt haben. Es könnte auch eine Rolle gespielt haben, dass der Verein ihn im polnischen Bestechungsskandal stets unterstützt hat, an dem er nur marginal beteiligt war. Seine Verlängerung ist in jedem Fall eine weitere gute Nachricht für Schwarz-Gelb, denn Götze, Kagawa, Barrios brauchen zuverlässige Vorarbeiter und Flankengeber wie Lukasz. Dass er nicht so sehr im Mittelpunkt steht, kann für den BVB nur gut sein.

Nicht die besten vier Minuten

Gebraucht wurde Lucas Barrios beim Finale der Copa America erst nach 77 Minuten. Paraguay lag ja auch nur 0:2 gegen den neuen Rekord-Titelträger zurück. Die vier Minuten, die der BVB-Torjäger spielen durfte / konnte, hätte man sich dann besser auch gespart. Barrios zog sich eine Verletzung am Oberschenkel zu und musste den Platz wieder verlassen. Es handelt sich nach jetzigem Stand der Dinge um einen gewöhnlichen Muskelfaserriss, der eine Pause von ca. drei Wochen nötig macht. Lucas hätte zwar ohnehin nach der Copa Urlaub bekommen, seine Rückkehr auf den Platz dürfte sich jetzt aber noch länger verzögern.

Die Lage bei den beiden anderen zuletzt verletzten Stammspielern sieht unterschiedlich aus. Der bereits im Supercup wieder eingesetzte Sven Bender soll im morgigen Testspiel beim FC Valenciennes weitere Spielpraxis kriegen. Marcel Schmelzer steht dagegen wegen Kniebeschwerden nicht zur Verfügung. Sein Einsatz im Pokalspiel wird somit immer fraglicher.

Schalke gewinnt einen Pokal

icon_spielberichtfinal

DFL-Supercup / FC Schalke 0 BVB 0 (4:3 n.E.)

Ich bin nicht unzufrieden. Dass nicht alles perfekt sein kann, haben wir vorher gewusst. Trotzdem glaube ich, haben wir ein tolles Fußballspiel gesehen.

Muss man den Worten von Jürgen Klopp noch viel hinzufügen? Um kein schlechter Verlierer zu sein? Ich denke nicht, denn was in diesem gefühlsmäßig seltsamen Spiel zwischen Saisonvorbereitung und Pokalpflicht passierte, lässt sich in wenigen Sätzen zusammenfassen und war nicht ganz neu.

Ersetze Neuer durch Fährmann und schwache Chancenverwertung von (u.a.) Götze und Lewandowski. Ersetze eine Verlängerung, in der der BVB mit hoher Wahrscheinlichkeit ein Tor erzielt hätte, durch ein Elfmeterschießen, das die Borussia mit hoher Wahrscheinlichkeit verlieren musste. Ersetze eine Schale durch einen wohlgeformten Pokal.

Die Aufstellung: Weidenfeller – Piszczek, Santana, Hummels, Löwe (76. Leitner) – Kehl (75. Bender), Gündogan – Götze (75. Perisic), Kagawa, Großkreutz – Lewandowski. Gelbe Karte: Großkreutz.

Die unechte Generalprobe

icon_spielberichtfinal

Turnier in Mainz / BVB 2 Hamburger SV 0

Vor dem Finale des „Liga-Total-Cups“ mussten sich die Trainer der beteiligten Vereine, Jürgen Klopp und Michael Oenning, beinahe identischen Fragen stellen. Ob sie denn im Hinblick auf das Eröffnungsspiel der Bundesliga pokern würden, fragte der Feldreporter beide. Klopp wie Oenning verwiesen auf den Status der Partie, die fehlenden Spieler und die verbleibende Zeit. Und auch im Spiel wurde schnell deutlich, dass für das Wiedersehen in zweieinhalb Wochen wenig Rückschlüsse zu ziehen waren.

Das lag in erster Linie an den Aufstellungen und weniger am vermeintlichen Testspiel-Charakter. Der HSV trat zwar in derselben Formation an wie gegen die Bayern, muss aber weiterhin auf einige Spieler verzichten, die noch verletzt oder in Südamerika sind. Die Borussia hat ähnliche Probleme, aber eine eingespieltere Mannschaft. Daher würfelte Jürgen Klopp die Startelf ziemlich durcheinander – natürlich auch aufgrund der Blessuren von Götze, Subotic und Großkreutz. Es verwundert daher nicht, dass die Partie trotz des höheren Sieges zerfahrener war als gegen Mainz.

Der starke Felipe Santana hätte nach einem Gündogan-Freistoß schon in der 6. Minute beinahe die Führung geköpft, wenn nicht der (bisher) dritte Hamburger Keeper Mickel stark pariert hätte. Bis auf einen Stellungsfehler ein paar Minuten später zeigte der Brasilianer eine einwandfreie Vorstellung und krönte diese später doch noch mit einem Kopfballtreffer. Es war wieder Shinji Kagawa, der für die meisten offensiven Impulse und Ideen aus dem Mittelfeld sorgte – ihm fehlte jedoch in der ersten Hälfte ein wenig der ebenso geniale Götze als Nebenmann. Seine beste Szene vor dem Wechsel hatte Shinji mit einem schön gezwirbelten Schuss in der 23. Minute, der Mickel zur nächsten tollen Parade zwang. Ansonsten waren das nicht immer inspirierte 30 Minuten, in denen der BVB zwar hinten wenig zuließ, aber nach vorne öfter als gewohnt mit langen Bällen operierte. Leitner konnte auf der rechten Außenbahn nicht so überzeugen wie in der zentraleren Rolle am Dienstag, dafür kamen von Gündogan einige brauchbare Aktionen über diese Seite.

Jürgen Klopp wechselte zur zweiten Halbzeit deutlich häufiger als im ersten Spiel und die fünf Neuen machten ihre Sache zunächst ordentlich, in den letzten zehn Minuten dann sehr ansehnlich. Was aber vor allem hoffnungsfroh stimmt ist, dass die beiden bekanntesten Neuzugänge, Gündogan und Perisic, inzwischen deutlich ansteigende Form zeigen. Der ehemalige Nürnberger hatte einige gelungene Aktionen, darunter einen schön verarbeiteten Ball mit Abschluss knapp neben das Tor und ein feines Solo kurz vor Schluss. Perisics Schuss aus spitzem Winkel in der 49. Minute konnte Mickel noch abwehren, aber eine Minute später fand Ivans tolle Flanke den schon erwähnten Kopf von Felipe Santana. Eingeleitet wurde der Treffer übrigens durch einen weiten Pass auf die andere Seite von Florian Kringe.

Eine weitere Minute später war der Doppelschlag perfekt. Lewandowskis schönen Pass in die Tiefe nahm Le Tallec auf, scheiterte aber am Torwart. Den abgewehrten Ball konnte Mohamed Zidan aus dem Rückraum zum 2:0 verwerten. Im Anschluss hatten die Schwarz-Gelben verhältnismäßig leichtes Spiel. Der HSV schien in der zweiten Hälfte generell noch platter zu sein als die Borussen, die Vorstöße der Hanseaten blieben harmlos, wurden spätestens von der auch mit Santana und Hornschuh sicher agierenden Innenverteidigung abgefangen. Mitch Langerak musste im ganzen Spiel vielleicht drei Bälle halten.

Vergleiche mit anderen Teams und Prognosen verbieten sich auch nach dem Turnier in Mainz noch. Zu sehen ist aber Potenzial. Das von einzelnen Spielern und das der Borussia 2011/12 insgesamt. Ivan Perisic hat im Wettstreit um die linke Außenbahn mit Kevin Großkreutz gleichgezogen. Mir scheint das ein leistungsförderndes Duell zu sein. Ilkay Gündogan ist auf vielen Positionen präsent, wenngleich ihm die Offensive mehr liegt als Defensiv-Zweikämpfe. Auf Kagawa und Götze im Zusammenspiel können wir uns freuen, die momentane Abwesenheit von Lucas Barrios scheint noch zu verschmerzen zu sein. Die Kaderdichte hat sich – auch was die Leistung angeht – erhöht. Viel Positives, das jedoch alles unter Vorbehalt steht. Die echte Pflicht beginnt am 30. Juli – trotz ausverkaufter Halle in Gelsenkirchen.

Die Aufstellung: Langerak – Piszczek (31. Kringe), Santana, Hummels (31. Hornschuh), Löwe – Gündogan, Kehl (31. Vrancic) – Leitner (31. Perisic), Kagawa (31. Lewandowski), Le Tallec – Zidan. Gelbe Karte: Löwe. Tore: Santana, Zidan

Titel, Tests und Temperamente

icon_spielberichtfinal

Turnier in Mainz / FSV Mainz 0 BVB 1

Borussia Dortmund hat sich erfolgreich in Deutschland zurück gemeldet. Nachdem das letzte Testspiel im Trainingslager gegen Polonia Warschau 1:2 verloren ging, sah man heute im neuen Stadion von alten Bekannten einen ordentlichen Auftritt der Schwarz-Gelben, der mit einem verdienten 1:0-Sieg endete.

Das Turnier in Mainz ist schon allein wegen der verkürzten Spielzeit von 2 x 30 Minuten nicht mit einem Pflichtspiel zwischen den beteiligten Mannschaften zu vergleichen. Es ist jedoch für alle Teilnehmer eine erste Standortbestimmung gegen bekannte Bundesliga-Konkurrenten aus der oberen Tabellenhälfte. Und gegen solche Gegner geht man durchaus etwas ernsthafter zu Sache, wie sich insbesondere im zweiten Spiel zwischen den Bayern und dem HSV auch an einigen Temperamentsausbrüchen zeigte.

Jürgen Klopp versuchte es in der Partie gegen Mainz diesmal mit Kevin Großkreutz auf der Linksverteidiger-Position des verletzten Marcel Schmelzer. Im Mittelfeld spielte Moritz Leitner neben dem alten und neuen Kapitän Sebastian Kehl. Das Spiel brauchte wenig überraschend etwas Zeit, um Fahrt aufzunehmen – mit einer Ausnahme: nach gutem Einsatz von Shinji Kagawa im Strafraum kam Mario Götze zum Schuss und setzte den Ball bereits in der vierten Minute an den Pfosten. Um es vorwegzunehmen: Wie in den letzten Spielen war es ganz besonders das Zusammenspiel dieser beiden Klasse-Fußballer, das uns Schwarz-Gelben Freude machte.

Ansonsten war es zunächst eine ordentliche Partie ohne ganz große Chancen. Beide Teams versuchten, so konsequent wie es zu diesem Zeitpunkt der Saisonvorbereitung geht, ihr typisches Pressing aufzuziehen. Der BVB hatte mehr vom Spiel, brauchte aber bis zur 24. Minute, um sich gegen die veränderte Mainzer Mannschaft wieder richtig in Szene zu setzen. Ivan Perisic kam aus spitzem Winkel zum Schuss, Torwart Müller konnte parieren. Die beste Chance der ersten 30 Minuten produzierten kurz vor dem Pausenpfiff erneut Götze und Kagawa. Mario flankte von rechts, Kagawa kam am langen Pfosten an den Ball, verzog aber über das Tor, weil er das Leder zu hoch erwischte. Kapitän Kehl war einer der wenigen Borussen, die in der ersten Hälfte noch nicht so richtig auf der Höhe schienen. Ärgerlich waren allerdings nur die wiederholten Einblendungen von aus dem Bus steigenden oder herumstehenden Bayern-Spielern und -Trainern während des Spiels. Aber das war bei dem Sponsor wohl zu erwarten.

In der zweiten Hälfte brauchte der BVB nur wenige Minuten, um die schon zuvor sichtbare Überlegenheit zu nutzen. Nach Flanke von Super Mario zeigte Ivan Perisic, was wir von ihm hoffentlich noch öfter erwarten können: Hoher Sprung, perfekter Kopfball ins Toreck. Nicht nur in dieser Szene wirkte der kroatische Neuzugang aus Brügge gegenüber dem Spiel gegen St. Gallen verbessert. Nach der Führung lief es bei den Schwarz-Gelben noch mal deutlich flüssiger als in der ersten Hälfte. Kurz nach seiner Einwechslung schoss Chris Löwe aus mehr als 25 Metern an die Latte. Lewandowski köpfte nach einer Flanke von Perisic über das Tor und zeigte sich leider auch fünf Minuten später nach toller Vorarbeit von Kagawa nicht so effektiv wie gegen die Schweizer.

Die Mainzer kamen nach der Einwechslung ihrer Neuverpflichtung Anthony Ujah noch mal besser ins Spiel. Der 20-jährige Nigerianer konnte sich über links ein paar Mal in Szene setzen und bereitete dem nun rechts hinten spielenden Großkreutz einige Probleme. Insgesamt standen vor allem die Dortmunder Innenverteidiger schon wieder sehr sicher, egal ob Hummels, der mit Verdacht auf Gehirnerschütterung ausgewechselte Subotic oder Felipe Santana. Es gab wenig herausgespielte Torszenen der Gastgeber. In Erinnerung bleiben eher der Weitschuss von Ivanschitz oder der halb-gefährliche Freistoß, bei dem Ujah ans Außennetz köpfte. Das Einzige, was Jürgen Klopp gerade etwas Sorgen machen muss, ist die ansteigende Zahl zumindest angeschlagener Spieler. In Deutschland geht es wieder zur Sache – der Trainer wird sich deshalb gut überlegen, wen er am Wochenende beim Supercup spielen lässt und wen nicht.

Karl-Heinz Rummenigge vom FC Bayern hatte vor dem Auftritt in Mainz angekündigt, wieder Titel holen zu wollen. Die Nachrichtenagenturen haben diese Aussage auf das Turnier bezogen. Sollte sie wirklich so zu verstehen sein (den genauen Kontext des Satzes kenne ich nicht), war das wohl ebenfalls dem Sponsor geschuldet. Jedenfalls haben die Bayern diesen ‘Titel’ bereits verspielt. Im zweiten Spiel unterlagen sie dem HSV mit 1:2 und das, obwohl beim Tabellendritten noch eher eine mögliche erste Elf auf dem Platz stand als bei den Norddeutschen.

Das Ergebnis hat zur Folge, dass es nicht zum Traumfinale kommt, das die Veranstalter und der übertragende Sender wohl gerne morgen zur Primetime gesehen hätten. Der FC Bayern spielt nun schon am Vorabend gegen die Gastgeber um Platz 3. Um 20:30 Uhr trifft dann der Meister auf den ersten Bundesliga-Gegner. Ich weiß nicht, ob diese Konstellation im Interesse der beiden Trainer Klopp und Oenning lag, aber es sind ja noch zweieinhalb Wochen bis zum Wiedersehen. Der HSV konnte positiv überraschen, auch wenn sie vor allem auf Konter lauerten. Die Chelsea-Jungs scheinen etwas draufzuhaben, insbesondere Michael Mancienne wirkte in der Innenverteidigung sehr solide. Ich persönlich finde es gut, morgen auf die Hamburger zu treffen.

Die Aufstellung: Weidenfeller – Piszczek (42. Löwe), Hummels, Subotic (31. Santana), Großkreutz – Leitner, Kehl – Götze, Kagawa, Perisic – Lewandowski. Gelbe Karte: Löwe. Tor: Perisic

Mehr als sommerliche Plauderei

Im Sommer wird in den Medien ausgedehnt geplaudert. Die Hauptstadtjournalisten oder ‘Anchors’ der Fernsehsender besuchen gerne Politiker in ihren Ferienorten, um vor malerischer Kulisse entspannte Gespräche zu führen. Das Ziel ist natürlich, in lockerer Atmosphäre etwas mehr in die Tiefe gehen zu können und den Interviewten auch Substanzielles zu entlocken. Bei Politikern bleibt es häufig beim Versuch.

Für Sportjournalisten bieten Sommer-Interviews mit Fußballspielern oder -trainern die Möglichkeit, die Zeit bis zum Saisonstart mit etwas anderem als nur Transferspekulationen zu füllen. Die Qualität der Interviews hängt natürlich ebenso von den Fragen wie vom Gegenüber ab. Jürgen Klopp ist fast immer ein dankbarer Gesprächspartner. So verwundert es auch nicht, dass das Interview, das Sascha Fligge von den „Ruhr Nachrichten“ im Schweizer Trainingslager mit dem BVB-Trainer geführt hat, lesenswert ist. Fligge ist schon lange der wichtigste ‘BVB-Mann’ bei dem Dortmunder Zeitungshaus und stellt interessante Fragen.

Klopps Antworten sind wie immer pointiert und haben Hand und Fuß, können aber natürlich einen BVB-Fan oder -Blogger, der den Verein intensiv beobachtet, nicht immer überraschen. Trotzdem gibt es auch in diesem Klopp-Interview Bemerkenswertes zu lesen. Etwa über die Stellung, die der Trainer Kevin Großkreutz zuerkennt:

Keiner, den ich kenne, kann diese Position so spielen und lebt sie so wie Kevin. Wenn er in Bestform ist, müssen wir gar nicht über jemand anderen nachdenken. Es wird unglaublich schwer, ihn zu verdrängen.

Klingt so, als ob Kevin gute Chancen hat, die Position auf der linken Außenbahn gegen Ivan Perisic zu verteidigen. Das hätte man nach dessen Verpflichtung nicht unbedingt vermutet, macht aber aktuell angesichts des Spiels gegen St. Gallen Sinn. Wie zu erwarten war, wird der Konkurrenzkampf im Mittelfeld hart werden und es wird noch prominentere Bankdrücker geben als in der letzten Saison. Die Anpassungsschwierigkeiten Perisics an Tempo und Trainingsintensität beim BVB waren laut Klopp einkalkuliert. Ab dem Saisonstart sollte ein fairer Wettstreit um die Positionen möglich sein, den dann hoffentlich auch alle Spieler so annehmen.

Ein nettes Bällchen

icon_spielberichtfinal

Testspiel / FC St. Gallen 1 BVB 6

Am Dienstag lief das erste BVB-Livespiel der Saison im Fernsehen und Sport 1 hätte sich wahrlich langweiligere Partien aussuchen können. Jeder weiß, dass die Aussagekraft von Spielen in der Saisonvorbereitung begrenzt ist, aber für meinen Geschmack war es doch eine kurzweilige und interessante Begegnung.

Typisch Testspiel war die Anfangsphase gegen den aus der Super League abgestiegenen FC St. Gallen. Die Schweizer stehen (wie der letzte Gegner FC Zürich) kurz vor dem Saisonstart, die Schwarz-Gelben gingen „aus dem vollen Training“ ins Spiel, stecken also noch mitten in der Vorbereitung. Dass sich der BVB zunächst schwer tat und in Rückstand geriet war ebenso dieser Tatsache geschuldet wie auch der ungewohnten Formation der Viererkette: Piszczek, der junge Neuzugang Hübner, Hummels und links Florian Kringe haben außerhalb des Trainings so noch nie zusammengespielt – aber es war ja ein Test. Beim Gegentor in der 13. Minute tanzte Etoundi Kuba und Hübner aus und auch Gündogan konnte ihn im Strafraum nicht aufhalten.

Der BVB übernahm im Anschluss die Spielregie. Spielerisch überzeugen konnte in der ersten Halbzeit einmal mehr Shinji Kagawa – fast alle ansprechenden Szenen liefen über ihn. Allerdings fanden die Schwarz-Gelben erst nach und nach zu ihrem gewohnt flüssigen Spiel. Torgefahr kam in erster Linie bei Standards auf. Kurz nach einem Eckball flankte Kuba von rechts weit nach links in den Strafraum, Kringe setzte mit dem Kopf Hummels ein, der ebenfalls per Kopf den Ausgleich erzielte. Florian Kringe machte auf der linken Seite generell ein sehr ordentliches Spiel und bestätigte meine Auffassung, dass er zwar zu viel verdienen mag, aber nach wie vor als Back-Up für viele Positionen nützlich sein könnte.

Ilkay Gündogan wirkte sehr engagiert, ohne dass ihm alles gelang. Als ich gerade die Standards von Nuri Sahin zu vermissen begann, schlug sein vermeintlicher Ersatz in der 37. Minute eine scharfe Ecke in den Fünfmeterraum, die der frei stehende Mats Hummels zu seinem zweiten Kopfballtreffer nutzte.

In der zweiten Halbzeit ging alles viel schneller. Der FC St. Gallen offenbarte immer mehr Abwehrschwächen, während die neue BVB-Viererkette mit Subotic und Santana in der Innenverteidigung sowie Hornschuh und Löwe auf den Außen souverän agierte. Nach Kagawa war nun Mario Götze der Spieler, der die kreativen Ausrufezeichen setzte. Wie schön wird das erst, wenn die wieder zusammenspielen? Beim 3:1 musste Robert Lewandowski nach Götzes Vorarbeit nur noch abstauben, das 4:1 war eine Demonstration von Roberts Stürmerqualitäten – Ballannahme, Drehung, strammer Schuss. Auch auf dieser Position müssen wir uns keine Gedanken machen, wenn niemand mehr den Verein verlässt.

Mitchell Langerak durfte sich noch einmal auszeichnen, dann waren wieder die Schwarz-Gelben am Drücker. Kevin Großkreutz zeigte eine ganz starke Vorstellung und setzte auf der linken Seite deutlich mehr Akzente als sein Konkurrent Ivan Perisic. Das 5:1 erzielte der Dortmunder Junge selbst, beim 6:1 gelang ihm eine bildschöne Vorbereitung, die Götze hervorragend nutzte. Ein so laufstarker UND kreativer Großkreutz hat gute Chancen auf einen Platz in der Startelf. In der zweiten Halbzeit wies auch Sebastian Kehl nach, dass er zumindest wieder auf einem guten Weg zur vollen Fitness und engagiert wie immer ist.

Um es noch mal zu sagen: Dieses Spiel gegen einen Schweizer Zweitligisten ist nicht überzubewerten, aber angesichts der Voraussetzungen war das eine gute Leistung der Borussia, die Vorfreude weckt, falls das überhaupt noch nötig sein sollte. Nach dem letzten Testspiel im Trainingslager gegen Polonia Warschau folgen in der nächsten Woche drei weitere Livespiele: Beim Turnier in Mainz zunächst gegen die Gastgeber und einen Tag später gegen den HSV oder die Bayern. Bei diesen Partien sollen auch Marcel Schmelzer und Sven Bender wieder einsatzfähig sein. Und dann am Wochenende der Supercup in Gelsenkirchen. Jedes BVB-Spiel ist ein schönes Spiel.

Die Aufstellung: (HZ 1) Weidenfeller – Piszczek, Hübner, Hummels, Kringe – Gündogan, da Silva – Kuba, Kagawa, Perisic – Zidan. (HZ 2) Langerak – Hornschuh, Subotic, Santana, Löwe – Leitner, Kehl – Götze, Le Tallec, Großkreutz – Lewandowski. Tore: Hummels (2), Lewandowski (2), Großkreutz, Götze.

Test 1, 2, 3

Borussia Dortmund hat nach zwei Siegen gegen unterklassige Gegner (zuletzt unter der Woche 7:1 gegen Rhede) gegen den Schweizer Vizemeister FC Zürich das erste Unentschieden der Saisonvorbereitung erspielt. Die Züricher stehen bereits kurz vor dem Beginn der neuen Spielzeit in der Super League, so dass man von einem Duell auf Augenhöhe sprechen und das 1:1 als ordentliches Ergebnis bezeichnen kann. Torschütze für den BVB war Kuba nach einer gelungenen Kombination, Shinji Kagawa scheint erneut eine überzeugende Partie gelungen zu sein. Tendenzen für die Besetzung der umkämpften Mittelfeld-Positionen sind nach Einschätzung der „Ruhr Nachrichten“ noch nicht zu erkennen.

Das nächste Spiel der Borussia im Schweizer Trainingslager gegen den FC St. Gallen wird am Dienstag ab 20 Uhr live auf Sport 1 übertragen und hier dementsprechend ausführlicher gewürdigt.

Follow

Get every new post delivered to your Inbox.