Ohne Stark wär hier gar nichts los
1. Bundesliga, 4. Spieltag / Bayer Leverkusen 0 BVB 0
Man muss einfach mal „Danke“ sagen. Zum bayerischen(!) FIFA(!!)-Schiedsrichter Wolfgang Stark, der ein vorhersehbares, taktisch geprägtes 0:0 in ein farbenfrohes, emotionales 0:0-Spektakel verwandelte. Die Redaktion des ZDF-Sportstudios täte gut daran, ihre Schiedsrichter-Rubrik in „Stark des Tages“ umzubenennen, denn wer liefert sonst so viel Material wie der berühmteste Ergoldinger aller Zeiten (und bei dieser Einschätzung vergesse ich nicht den aktuellen Trainer des 1.FC Saarbrücken)?
Die erste Halbzeit war in Wirklichkeit nicht so berauschend, wie das ganze Spiel nach 90 Minuten dargestellt wurde. Leverkusen-Fans werden möglicherweise anderer Meinung sein und in der Tat waren die Gastgeber in den ersten 45 Minuten die bessere Mannschaft. Es gab jedoch weder einen dauerhaften Sturmlauf auf das BVB-Tor noch weitere wirklich hochkarätige Chancen außer den beiden, die Roman Weidenfeller reaktionsschnell parierte. Die von taktischer Disziplin geprägte Partie spielte sich weitgehend im Mittelfeld ab und die weiteren Torschüsse, die Leverkusen natürlich hatte, waren vergleichsweise harmlos.
Der BVB tat sich in der ersten Hälfte angesichts der gut stehenden Gastgeber sehr schwer und machte sich das Leben selbst nicht leichter. Die Fehlpassquote war phasenweise deutlich zu hoch. Daran waren erneut die Innenverteidiger maßgeblich beteiligt. Aber auch für das komplette offensive Mittelfeld gab es mit Pässen kein Durchkommen durch die Reihen der Leverkusener. Normalerweise müsste man dann auf die Flügel ausweichen, aber von Piszczek kam nach seinem frühen Flanken-Torschuss wenig und Marcel Schmelzer hat offensiv ohnehin nicht die Durchsetzungsfähigkeit, um sich gegen eine absolute Spitzenmannschaft zu behaupten. Und das ist Leverkusen nach wie vor. Nach dem ersten Spieltag war der BVB in der medialen Wahrnehmung schon beinahe Meister, jetzt sind die Bayern kaum noch zu stoppen, aber am Ende könnte (!!!) die Werkself der lachende Dritte sein.
Die Gastgeber hätten mehr aus der ersten Hälfte machen können, aber letztendlich waren sie im Abschluss zu harmlos und die Dortmunder Viererkette trotz Fehlern im Aufbauspiel doch präsent genug, um die meisten gefährlichen Situationen (noch) rechtzeitig zu klären. Eine Gefahr für jeden Gegner stellt Andre Schürrle dar, der Mario Götze in den nächsten Wochen den Rang als Medien-Liebling Nr. 1 ablaufen könnte.
Die zweiten 45 Minuten begannen offener. Leverkusen hatte zwar die ersten guten Szenen, aber es war nicht so, dass der BVB erst durch den Platzverweis von Michal Kadlec ins Spiel kam. Spätestens mit Kagawas Schuss über das Tor in der 52. Minute waren die Schwarz-Gelben in der Partie und es war fortan keine Leverkusener Dominanz mehr zu spüren. Nicht zu vergessen: die geniale Hackenvorlage von Lewandowski auf Kagawa (in deren Anschluss Leno zur Stelle war) ereignete sich vor der Roten Karte. Trotzdem blieb es Maestro Stark vorbehalten, die Stimmung richtig zum Kochen zu bringen – auf dem Feld und unter den Fans. Es macht Sinn, die wichtigen Entscheidungen gebündelt abzuhandeln:
Die erste Gelbe Karte gegen Kadlec wegen eines schnellen Griffs an Götzes Arm war nicht absolut zwingend. Da der Linksverteidiger für sein späteres Einsteigen von hinten aber zurecht glatt Rot sah, spielt die erste Karte eine untergeordnete Rolle. Einige Kommentatoren wollen das Hummels-’Foul’ an Renato Augusto als den Auslöser der Hektik ausgemacht haben. Richtig, wenn es ein Foul gewesen wäre, hätte es Gelb-Rot geben müssen. Wenn der Abwehrspieler aber die Beine noch einzieht und der Angreifer trotzdem dankbar darüber stolpert, ist das für mich kein Foul. Rudi Völler sagte bei Sport 1, dass man das als Stürmer eben so mache – ich empfinde das nicht als wünschenswerten Bestandteil des Fußballs und würde mir wünschen, dass die Schiedsrichter in solchen Situationen den Mut haben, weiterspielen zu lassen. Immerhin ging der folgende Freistoß harmlos in die Mauer.
Die Rote Karte gegen Mario Götze roch sehr nach Konzessionsentscheidung. Es war ein angedeuteter Tritt zu sehen, der jedoch Balitsch gar nicht treffen konnte. Mario hat auch (aus)gespuckt. Da war Balitsch allerdings schon meterweit entfernt. Das Problem bei Stark ist, dass ihm einfach das Fingerspitzengefühl fehlt. Von manchem Regel-Positivisten wird dieser Begriff kritisiert, aber muss man die Bewegung von Götze wirklich als versuchte Tätlichkeit werten? Andererseits (und das wurde komischerweise kaum erwähnt): Eine Gelbe Karte war die Aktion schon wert und dann wäre Mario eben mit Gelb-Rot runtergeflogen. Seine erste Gelbe Karte wegen eines harten Einsteigens gegen Torwart Leno sah der Jungstar zurecht. Der (mögliche) Unterschied zur von Stark getroffenen Entscheidung betrifft also nur die Länge der Strafe. Über das nicht gegebene Freistoßtor braucht man hingegen nicht zu reden. In der Szene hatte der Schiedsrichter das Spiel eindeutig noch nicht freigegeben.
In der Phase, in der die Schwarz-Gelben in Überzahl agierten, hätten sie das Spiel gewinnen können. Plötzlich waren die Spielzüge flüssig und die sich ergebenden Chancen insgesamt zwingender als das, was Leverkusen zustande gebracht hatte. Leno rettete den Gastgebern bei Perisics Schuss mit einer tollen Reaktion das Unentschieden und ihm ist es auch zu verdanken, dass Kagawas Schuss in der 76. Minute nicht im Tor landete, obwohl schließlich Castro den Ball noch von der Linie schlagen musste. Die letzte Viertelstunde Zehn gegen Zehn verlief emotional in aufgeheizter Stimmung, mit weiteren Chancen auf beiden Seiten, aber gegen Ende hatte man das Gefühl, dass sich beide Mannschaften mit dem 0:0 zufriedengaben.
Es war ohne Zweifel ein gerechtes Ergebnis in einem Spiel, nach dem ohne Wolfgang Stark und die ‘Rotsünder’ vor allem über taktisch gut organisierte Leverkusener gesprochen worden wäre und über einen BVB, der in dieser Saison noch viel häufiger nicht glänzen, sondern sich Punkte erarbeiten wird. Mit einem Punkt in Leverkusen kann man absolut zufrieden sein – traurig ist nur, dass Mario Götze womöglich für mehr als ein Spiel gesperrt wird. In diesem Sinne: Danke für die Show, Herr Stark, aber bitte keine Fortsetzung!
Die Aufstellung: Weidenfeller – Piszczek, Subotic, Hummels, Schmelzer – Bender, Gündogan – Götze, Kagawa (81. Kuba), Großkreutz (63. Perisic) – Lewandowski. Gelbe Karten: Hummels, Götze. Rote Karte: Götze.
Welche Hämmer hättens denn gern?
Borussia Dortmund bekommt es in der Champions League-Gruppenphase mit Arsenal, Olympique Marseille und Olympiakos Piräus zu tun. Eine interessante, abwechslungsreiche Gruppe, attraktive Reiseziele und das Weiterkommen scheint nicht unmöglich. Vom zweiten bis vierten Platz ist alles drin. Eine erste Einschätzung der Gegner:
FC Arsenal – Die Unkenrufe schwellen an. Arsenal ist schwach in die Premier League gestartet und gibt Fabregas und nun auch Nasri ab. Arsene Wenger wird jedoch versuchen, von den Einnahmen noch den ein oder anderen Spieler zu holen. Und überhaupt: In der CL-Vorrunde hatten die Londoner selten Probleme. Arsenal ist der klare Favorit der Gruppe.
Olympique Marseille – Der Vizemeister ist nicht berauschend in die neue Saison gestartet (3 Spiele – 3 Punkte). Trotzdem hat das Team von Didier Dechamps ohne Zweifel viel Potenzial. Die jungen Stürmer Loic Remy und André Ayew (der auch schon mit deutschen Vereinen in Verbindung gebracht wurde) sind auf jeden Fall zu beachten. Der erfahrene argentinische Mittelfeld-Regisseur Lucho Gonzalez ist auch international ein Begriff. Für das defensive Mittelfeld ist Alou Diarra neu von Girondins Bordeaux hinzugekommen. Die Abwehr hält unter anderem der 38-fache Nationalspieler Kameruns, Stéphane Mbia, zusammen. Bei OM ist viel Qualität vorhanden – fragt sich, wie es mit der mannschaftlichen Geschlossenheit steht.
Olympiakos Piräus – Griechenland und der griechische Fußball haben schon bessere Zeiten erlebt. Man sollte jedoch nicht der Versuchung erliegen, zu sehr zu verallgemeinern. Wie in Spanien und Schottland haben in den letzten Jahren immer zwei Vereine die Meisterschaft unter sich ausgemacht: Olympiakos und Panathinaikos. Das bedeutet auch, dass Olympiakos sehr viel Erfahrung in der Champions League hat, zumindest in der Gruppenphase. So was kann schon mal den Ausschlag geben. Große Namen sind allerdings rarer als bei den anderen Gegnern: Die Skandinavier Olof Mellberg und Dennis Rommedahl kennt man vielleicht noch aus der englischen Premier League. Kapitän und Nationalspieler Vasilis Torosidis ist ein gestandener Abwehrmann. Mit Sicherheit noch ein Begriff : Der Ex-Herthaner Marko Pantelic. Ebenfalls zu beachten: Der ehemalige spanische Nationalspieler Albert Riera und der junge, neu verpflichtete belgische Stürmer Kevin Mirallas.
Dem FC Bayern war nicht das gleiche Losglück hold wie in den Play-Offs: Der Rekordmeister trifft auf Villareal, Manchester City und den SSC Neapel. Leverkusen wurde zu FC Chelsea, FC Valencia und KRC Genk gelost.
Weitere Erkenntnisse des Abends: Der finnische Fußball braucht noch 1-2 Jahre und es gibt Mannschaften, denen ein 1:1 in Sevilla reicht. Ohne das Spiel in der andalusischen Hauptstadt gesehen zu haben: Ich nehme an, die Gastgeber hatten in der Schlussphase weniger Verletzungsprobleme als gegen den BVB.
(Quelle: Transfermarkt.de)
Offen sprechen statt Lautsprecher
Zurück im Dienst. Die Ereignisse von Sinsheim hallen in den Medien noch nach. Der „Kicker“ berichtet in seiner Montagsausgabe, dass BVB-Fans einen „merkwürdig anmutenden“ Offenen Brief an Dietmar Hopp geschrieben und den Mäzen zu einer Podiumsdiskussion eingeladen haben. Hopp sagte dem Blatt, dass er sich über das Angebot zum Dialog freue, aber sich noch nicht entschieden habe, ob er es annimmt. Den Brief werde er nach Bekanntgabe der Untersuchungsergebnisse zu dem lärmenden Lautsprecher beantworten. (Kicker Nr. 68/2011, S. 37)
Der besagte Brief kommt von der „schwatzgelb.de“-Redaktion. Merkwürdig findet der „Kicker“, dass Hopp im Brief dazu geraten wird, die Schmährufe nicht so persönlich zu nehmen. Es stellt sich zwar in der Tat die Frage, ob man die gehörten Beleidigungen mit einem nicht zu ernst zu nehmenden Fußball-Kontext erklären kann – andererseits ist der Brief ansonsten deutlich, aber sachlich, und eine ernst gemeinte Einladung. Dietmar Hopp sollte sie annehmen und nicht zu lange zögern.
Viele BVB-Fans dürfte es ebenfalls Überwindung kosten, einen Dialog zu akzeptieren. Vor allem wird sich vielen die Sinnhaftigkeit einer Diskussion nicht erschließen. In der Tat brauchen wir uns nichts vorzumachen: Das ‘Modell Hoffenheim’ ist in der Fußball-Welt und es wird sich nicht grundlegend ändern oder sogar verschwinden. Dietmar Hopp wird kein Fan-Versteher werden. Er kann mit vielen Wertvorstellungen der Fans nichts anfangen – und umgekehrt ist es genauso. Denn das ‘sportliche Werk’, das er vollbracht hat – Bundesliga-Fußball für eine damit nicht gesegnete Region – geht uns sonst wo vorbei, weil wir mit seinen Mitteln nicht einverstanden sind.
Bei einer Diskussion mit Hopp, die ich befürworte, wird kein umfassender Konsens gelingen. Es muss aber auch im Fußball-Kontext möglich sein, sich zivilisiert zu unterhalten – zumindest außerhalb des Stadions. Nach den Vorfällen vom vorletzten Wochenende haben sich einige höhere Angestellte der TSG selbstkritisch geäußert, nicht nur zum Lärmgerät. Der große Mäzen ist nicht mit Selbstkritik aufgefallen. Umso dringlicher wäre es, dass er nun Größe zeigt und auf das Schwatzgelb-Angebot eingeht.
Große Verbesserungen sind nicht zu erwarten. Vielleicht kann man beim Kunstprojekt ein paar Kleinigkeiten anstoßen, ein wenig neues Bewusstsein schaffen. Es wird sicher schwer. Auch in Zukunft sollte und wird Hoffenheim kritisiert werden. Es wäre gut für die Borussia, wenn das von unserer Seite in Zukunft kreativ, witzig, sachlich, bissig, aber nicht mehr beleidigend gegenüber einer Einzelperson geschehen würde. Ein Gespräch, eine Diskussion mit der Hauptfigur würde zumindest deeskalierend wirken.
Was ist mit Nürnberg?
Hier bei „Any Given Weekend“ wird es krankheitsbedingt ein paar Tage ruhig bleiben. Was ich euch jedoch nicht vorenthalten wollte, sind die Fragen zum morgigen BVB-Gegner, die mir Alexander von den Clubfans United netterweise beantwortet hat. Ein Interview mit mir – u.a. zur Borussia, Hoffenheim und dem Spiel gegen den Club – könnt ihr hier lesen.
Kann man schon absehen, ob der Club gegenüber der letzten Saison durch die Abgänge von u.a. Gündogan und Ekici einen sportlichen Substanzverlust zu verkraften hat (wir können ja mal zum zehnten Spieltag vorspulen)? Oder konnte dieser kompensiert werden?
Die Frage beschäftigt die Fans und die Gazetten so ca. seit Ende letzter Saison und erlebte den ersten Höhepunkt zur Saisonprognosen-Hochzeit kurz vor Saisonstart. Was man heute schon sagen kann: Die Mannschaft ist strukturell in der Lage die Abgänge zu kompensieren, vor allem für Schieber scheint man mit Pekhart einen guten Ersatz gefunden zu haben. Allerdings hat man auch gesehen, dass die Genialität der beiden angesprochenen Ekici und Gündogan dem Spiel fehlen, gerade in Phasen, wo man anrennt, aber nicht mehr die Lücke finden will – wo eben dieser Geistesblitz fehlt. Spulen wir vor bis zum zehnten Spieltag, dann hoffe ich, dass der Clubfan wird sagen können: ‘Siehste, den musste man nur mal das Vertrauen geben, dann konnte der die Lücke füllen.’ Ob dieser jemand dann ein „Umschüler“ aus dem Stammpersonal werden wird, ein Nachwuchsspieler oder auch ein Last-Minute-Transfer, das kann ich höchstens orakeln. Vielleicht erleben wir ja mit Wießmeier eine nächste Überraschung?
Auf wen muss der BVB am Samstag besonders achten? Wer könnte beim FCN vereinsinterner Torschützenkönig werden und warum?
Die zweite Frage scheint einfacher, daher vorab: Pekhart hat schon 3 Tore in 3 Pflichtspielen erzielt, er hat das Zeug zum (internen) Torschützenkönig – auch seine Rolle als einzige Spitze ist da prädestiniert. Der BVB wird in der Rückwärtsbewegung vor allem auf Mak oder Esswein achten müssen (je nachdem, wer spielt), den beiden schnellen Außen traut man hier allerhand zu, auch wenn sie noch Zeit brauchen und vor allem auch Konstanz. Beachten wird der BVB hoffentlich nach dem Spiel die Leistung unserer beiden Innenverteidiger Klose und Wollscheid – denn wenn die beiden ihre Leistung bringen, dann wird der BVB gute Ideen und Geduld brauchen – oder einen Geniestreich.
Vielen Dank für die Antworten, Alexander!
Das Dorf der verlorenen Punkte
1. Bundesliga, 2. Spieltag / TSG Hoffenheim 1 BVB 0
Ich glaube nicht an ‘Angstgegner’. Jedenfalls nicht an die psychologische Komponente, die bei diesem Begriff mitschwingt. Die stellt höchstens einen Randaspekt dar. Aber natürlich muss es Gründe dafür geben, dass Borussia Dortmund gegen diesen Gegner aus der badischen Provinz eine negative Bilanz hat. Theoretisch könnte es Zufall sein und darin begründet liegen, dass der BVB zum Zeitpunkt der Aufeinandertreffen selbst nicht in guter Verfassung war. Betrachtet man die letzten schwarz-gelben Jahre, fällt dieser Erklärungsansatz weg. Es liegt mit Sicherheit eher an Spielern und Spielweise des Gegners. Hier lässt sich eine Kontinuität erkennen: Die TSG Hoffenheim verfügt über technisch versierte Spieler, die aggressives Pressing betreiben.
Im gestrigen Spiel ähnelte das Konzept der Gastgeber ein wenig der üblichen Spielweise der Gäste. Die Hoffenheimer griffen im Mittelfeld früh an und standen ihren Gegenspielern quasi auf den Füßen. Die daraus resultierenden Ballgewinne konnte die Mannschaft dank ihrer vorhandenen spielerischen Qualitäten hin und wieder für ansehnliche Angriffe nutzen. Das frühe Stören der TSG schlug in den letzten Jahren immer wieder in eine überharte Gangart um, wenn es nicht den gewünschten Erfolg brachte. Gestern beschränkte sich die überzogene Härte auf ein rüdes Foul von Salihovic an Kagawa in der Anfangsphase. Nach dem Führungstreffer beließen es die Gastgeber bei normalen Fouls. Was einem an dieser Mannschaft trotzdem missfallen muss: Die Hoffenheimer lassen sich bei jeder Berührung fallen. Ein bis zwei Rollen inklusive. Schiedsrichter Aytekin behielt da nicht immer den Durchblick und pfiff in der ersten Hälfte einige ungerechtfertigte Freistöße für die Gastgeber. Zudem hätte er nach einer peinlichen Schwalbe im Strafraum Gelb gegen Ryan Babel zeigen müssen. Lies mehr …
Reise nach Nirgendwo
Aus Zeitmangel verweise ich zum Spiel gegen Hoffenheim auf mein – zugegeben knappes – Statement im neuen Sportradio 360-Podcast (Achtung Auto-Start), an dem ich neben vielen anderen Bloggern wieder beteiligt war. Interviewgast der Sendung ist Tom Bayer, neben Länderspiel und Bundesliga wird auch der bevorstehende Auftakt der englischen Premier League diskutiert. Der „Liga-Globus“ mit den Stimmen der Blogger beginnt bei Minute 33:00. Zu den Personalien vom Samstag: Echte Probleme haben die Dortmunder Nationalspieler von ihren Reisen nicht mitgebracht. Es ist jedoch bei Götze, Hummels und Kuba von kleineren Blessuren die Rede. Und Shinji Kagawa kehrt erst am Freitag aus Ostasien zurück. So wie wir die vier Jungs kennen, haben die aber sicher alle Lust, am Samstag zu spielen. Nach dem Spiel gibt es hier natürlich wieder einen ausführlichen Beitrag dazu.
Der Hype und die Wirklichkeit
Mario Götze hat im Länderspiel gegen Brasilien ein tolles Tor aus spitzem Winkel erzielt. Es ist vorherzusehen, dass das den Hype um den 19-jährigen Dortmunder weiter anfachen wird. Vermutlich sogar international, denn die Partie wurde natürlich – wie das Bundesliga-Auftaktspiel – in eine dreistellige Anzahl von Ländern übertragen. Gut möglich, dass beim BVB bald Angebote für ihn eintrudeln, die in Gomez-Dimensionen vorstoßen – vielleicht noch in dieser Transferperiode.
Wie sieht die Wirklichkeit im ‘Fall Götze’ aus? Man kann so manchen Vergleich und manche Wortwahl der letzten Tage und Wochen kritisieren, aber im Grunde haben die Stimmen recht. Mario ist wirklich Super. Wir haben es mit einem außergewöhnlichen Spieler zu tun, einem extrem gedankenschnellen Instinktfußballer. Wenn diese beiden ‘Eigenschaften’ so zusammenkommen, dann steht einer großen Karriere kaum noch etwas im Wege.
Oder? Jürgen Klopp warnte jüngst, dass die ausufernden Lobeshymnen nicht hilfreich seien. Noch sieht es allerdings nicht danach aus, dass sie Götze sonderlich beeindrucken oder gar beeinträchtigen. Zwar ist Mario für Dortmunder Verhältnisse ein Superstar, die Stadt des Meisters bietet ihm jedoch gleichzeitig ein geerdetes Umfeld mit Familie und Freunden. Und man hat das gute Gefühl, dass er das zu schätzen weiß. In diesem Jahr können sich selbst die ganz großen Vereine ihre Angebote sparen und auch für den nächsten Sommer darf man durchaus optimistisch sein. Erst 2013 könnte ein Wechsel ein Thema werden – jedoch nur, wenn Mario will. Bis dahin wird er uns noch viel, viel Freude bereiten!
Schwarz-gelbes Heimspiel
Borussia Dortmund trifft in der 2. Runde des DFB-Pokals im Westfalenstadion auf Leverkusen-Bezwinger Dynamo Dresden. Ein schwarz-gelbes Duell, über das sich wohl kein Dortmunder beschweren wird. Normalerweise hätte ich vor der zweiten Runde deutlich mehr Bedenken als ich vor dem Auftaktspiel in Sandhausen hatte. Am letzten Wochenende brannten die Spieler auf das erste Pflichtspiel. Ende Oktober sind auch die beiden anderen, nicht unbedeutenden Wettbewerbe schon in vollem Gange und es ist nicht gesagt, dass die Mannschaft in jedem Spiel 100% Konzentration abrufen kann.
Dynamo Dresden hat gegen Leverkusen ein atemberaubendes Comeback geschafft und dem Verein ist es zuzutrauen, trotz finanzieller Engpässe in Liga 2 zu bleiben. Aber glaubt wirklich ernsthaft jemand, dass wir im eigenen Stadion gegen Dresden aus dem Pokal ausscheiden? Ich jedenfalls nicht. Der FC Bayern hat ein vergleichbares Los gezogen und darf zuhause gegen den FC Ingolstadt antreten. Der S04 wird beim Karlsruher SC etwas mehr Aufwand betreiben müssen als in der ersten Runde. Andere potenziell reizvolle Spiele: Die Überraschungsteams aus Trier und Heidenheim bekommen es beide mit Erstligisten – dem HSV bzw. Gladbach – zu tun. In einem Regionalduell trifft Eintracht Frankfurt auf den FCK. Außerdem gibt es ein Neu-Trainer-Duell zwischen Stanislawskis Hoffenheimern und Solbakkens FC Köln sowie das ‘Spitzenspiel’, gemessen an den Platzierungen der Vorsaison: Hannover v Mainz.
Ein Traumstart bedeutet ja noch gar nichts
1. Bundesliga, 1. Spieltag / BVB 3 Hamburger SV 1
Es ist unvermeidlich, dass in der nächsten Woche in den Medien noch intensiver über den Meisterschaftsfavoriten diskutiert werden wird. Man kann dem entgegenhalten, dass in der letzten Saison Leverkusen das Auftaktspiel in Dortmund gewonnen hat. Aber warum sollte man sich mit der Zukunft oder der Vergangenheit beschäftigen, wenn einem die Gegenwart rauschende Fußballabende wie gestern beschert? Mir reicht das völlig.
Die Borussia hat beim 3:1 gegen den HSV eine überragende erste Halbzeit und ein sehr gutes Spiel gezeigt, das man in dieser Souveränität nicht erwarten konnte. Hinten links agierte ein Spieler, der in der letzten Spielzeit Regionalliga gespielt hat, im Mittelfeld musste Sahin-Ersatz (de facto, also von der Position her, ist er das ja) Gündogan integriert werden, der Top-Stürmer der letzten Saison fehlt noch verletzt und kurzfristig fiel auch Innenverteidiger Subotic mit einem leichten Muskelfaserriss aus. Dass das gestern trotzdem so gut geklappt hat, zeigt zum einen, dass der BVB einen breiteren Kader hat als in der Vergangenheit und dass Chris, Ilkay, Robert und Felipe es absolut verdient haben, in dieser Mannschaft zu stehen. Es zeigt aber auch, dass der Trainerstab mit dem gesamten Kader eine verdammt gute Saisonvorbereitung hingelegt haben muss.
In der ersten Hälfte schienen die Kombinationen noch einen Tick flüssiger und schneller zu laufen als in der vergangenen Saison. Es war beeindruckend, wie die Schwarz-Gelben dieses Spiel im Griff hatten. Michael Oenning hatte ja angekündigt, dass die Hamburger das Spiel defensiv angehen würden, aber wie das über weite Strecken aussah, dürfte ihm nicht gefallen haben. Da standen zwei Viererketten weit in der eigenen Hälfte, was noch kein Fehler sein muss, aber vor allem die defensiv orientierten Hamburger waren zu weit von ihren Gegenspielern entfernt, ließen den Schwarz-Gelben zu viele Räume. Es sah aus wie eine viel zu passive Form von Raumdeckung, fast ohne Pressing. Andererseits hätte eine Dortmunder Mannschaft in der Form von gestern es wahrscheinlich auch genutzt, wenn die Gäste mehr draufgegangen wären, indem sie dann in die Lücken, die Schnittstellen gespielt hätte.
Die BVB-Offensive war blendend aufgelegt. Kevin Großkreutz erzielte zwei Tore. Shinji Kagawa und Mario Götze scheinen einen kleinen Wettkampf um das brillantere Spiel am Laufen zu haben – obwohl sie sich natürlich blendend verstehen. In den letzten Wochen war mal der eine, mal der andere der überragende Spieler der Partie. Gestern war Mario Shinji eine Nasenlänge voraus. Götze war sehr aktiv, überall in der rechten Hälfte des Felds zu finden und hatte mehr als eine Handvoll geniale Momente. Vor allem seine Übersicht ist immer wieder beeindruckend. Wie er vor dem 1:0 den Ball genau im richtigen Moment auf Großkreutz weiterleitet. Völlig unnötig, da wie blöd „links, links“ zu brüllen. ;-) Besonders schön war natürlich der Doppelpass mit Robert Lewandowski, den Götze zum 2:0 vollendete. In hohem Tempo gespielt, von Robert toll mit der Hacke weitergeleitet. Jetzt schon ein Tor für den Saisonrückblick. Lewandowskis starke Leistung muss man sowieso noch mal unterstreichen, trotz fehlendem Torerfolg.
Shinji Kagawa stand Götze in nicht viel nach, nur das Tor traf er nicht – jedoch nach einem sehenswerten Solo immerhin den Pfosten. Mario dagegen war kurz nach der Pause auch am dritten Treffer beteiligt. Am Aufbau wirkte Sven Bender mit und rechtfertigte (natürlich nicht nur deswegen) seine Aufstellung. Götze brachte den Ball schließlich zu Großkreutz in den Strafraum, der im zweiten Versuch ins Tor traf. Man könnte im Prinzip jeden einzelnen Spieler ausführlich loben, aber das würde den Beitrag doch zu sehr verlängern. Kevin jedenfalls verkörpert mit seiner Entschlossenheit, der Präsenz und der Fähigkeit, so oft am richtigen Platz zu sein, was diese Mannschaft ausmacht. Da muss man gar kein überragender Techniker sein.
Nach dem Tor kreierte der BVB in der zweiten Hälfte nicht mehr den gleichen Druck und die gleiche Anzahl an Chancen. Die Schwarz-Gelben spielten ‘ökonomischer’ und wenn das so aussieht wie gestern, muss man das bei diesem Zwischenstand vollkommen verstehen. Es wird in dieser Saison auch darum gehen, mit den Kräften zu haushalten, selbst wenn man noch nachlegen könnte. Eine Sache, die man von den früheren Bayern lernen kann. Es gab gestern keinen Einbruch im BVB-Spiel. Die Spieler ließen es zwar etwas lockerer angehen, aber kleine Konzentrationsfehler sind über 90 Minuten nicht zu vermeiden. Das HSV-Tor entstand aus einer Standardsituation, einem ‘Getümmel’ im Strafraum, bei dem der Ball nicht geklärt werden konnte, nachdem zuvor ein Schwarz-Gelber auf der Linie per Kopf gerettet hatte.
Aus dem Spiel heraus blieb der HSV sehr harmlos und in den gut zehn verbleibenden Minuten nach dem Anschlusstreffer wirkten die Gastgeber sogar wieder souveräner als in den Minuten zuvor. Für Michael Oenning bleibt noch sehr viel Arbeit. Die Hamburger werden es in der Hinrunde schwer haben und müssen ein anderes Konzept finden, um mit dieser Mannschaft Erfolg zu haben als das was gestern zu sehen war. Für uns Schwarz-Gelbe war es dagegen einfach perfekt. Und darum freue ich mich einfach über dieses tolle Spiel und auf das nächste in Sinsheim, wo ich ebenfalls sehr gerne einen Sieg sehen würde! Die letzten Worte gehören unserem sehr sympathisch wirkenden Neuzugang Chris Löwe:
Das ist wahrscheinlich heute der schönste Tag in meinem Leben. Etwas viel Besseres als heute gibt es nicht.
Lesen und hören
Wer noch einen Vorgeschmack auf die kommende Bundesliga-Saison braucht – den gibt es jetzt zum Hören. „Sportradio 360″ ist ein wöchentlicher Sport-Podcast, bei dem naturgemäß der Fußball eine große Rolle spielt. Hinter dem Projekt stehen verschiedene TV-Journalisten von „Sky“ und „Sport1″, unter anderem Markus Gaupp und Andreas Renner, die die Gastgeber der aktuellen Ausgabe sind. Ein neuer Bestandteil der Sendung ist der „Liga-Globus“, bei dem nun wir Blogger und Fußballfans ins Spiel kommen. Neben vielen geschätzten Kollegen von Tinneff Blog, Königsblog, Clubfans-United, Fernglas FCB, Pottblog, Meine Saison mit dem SVW, Neds Blog, Brustring und einigen mehr habe auch ich eine kurze Einschätzung zu meinem Verein abgegeben. Weitere Teilnahmen im Laufe der Saison sind möglich. Weitere Interview-Gäste der Sendung sind Kai Dittmann, ebenfalls „Sky“, und Tennisprofi Philipp Kohlschreiber. Nachzuhören ist das HIER (Episode 13, 5.8.2011, Liga-Globus ab Minute 14:30).


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