Archiv | September 2011

Mittlere Reife

Champions League, 2. Spieltag / Olympique Marseille 3 BVB 0

Es reicht eben nicht ganz: Das ist die Erkenntnis aus der bitteren 0:3-Niederlage in Südfrankreich, bei der es Borussia Dortmund weniger an Qualität, sondern vielmehr an Wettkampfhärte mangelte. Das Abwehrverhalten, das Mats Hummels vor dem 0:2 und Lukasz Piszczek vor dem 0:3 an den Tag legten, wäre in der Bundesliga vielleicht nicht bestraft worden, ist aber zu naiv für die Champions League. Eine Frage der Reife – hoffentlich.

Das Spiel begann so, wie es fast schon zu erwarten war. Der BVB übernahm mutig die Initiative oder OM setzte konsequent das angekündigte Defensivkonzept von Didier Deschamps um – beide Auslegungen sind nicht falsch. Die Gastgeber zogen sich allerdings nicht bis an den eigenen Strafraum zurück, sondern störten die Schwarz-Gelben meistens rechtzeitig, um  keine allzu große Gefahr aufkommen zu lassen und hin und wieder einen Angriff fahren zu können. Das 0:1 verdankten sie aber – wie die anderen Treffer auch – dem Pech und der Naivität der Dortmunder Defensive. Subotic rutschte zentral am Sechzehnmeterraum aus und so konnte Remy ungestört auf links zu Ayew legen, der dann einen gelungenen Schuss ins rechte Eck platzierte. Es war einfach Pech, spielte OM aber selbstverständlich in die Karten.

Kurz vor dem Gegentor hatte Mario Götze eine große Chance gehabt, war jedoch am erwartet guten Keeper Mandanda gescheitert. Das Problem: Nach dem 0:1 zog sich Olympique weiter zurück und setzte noch mehr auf Konter. Und Mario war leider über weite Strecken der Einzige, von dem kreative Impulse ausgingen. Wenn man der Mannschaft, insbesondere der Abwehr, vorwirft, noch etwas zu naiv für die Champions League zu sein, dann muss man das auch über Jürgen Klopp sagen. Für die Fehler seiner Spieler konnte er selbstredend nichts. Wieso er jedoch zunächst erneut auf Ivan Perisic verzichtete, den Spieler, von dem momentan nach Götze die meiste Kreativität ausgeht, ist mir ein Rätsel. Perisic glänzt vielleicht nicht über 90 Minuten, ist aber ein Mann für die besonderen Momente – und die finden nicht immer erst nach einer Stunde statt. Mit Kehl und Bender gab es zudem genügend defensive Absicherung im Mittelfeld.

Anstelle des Neuzugangs vom FC Brügge spielte jedoch Kevin Großkreutz – hoffentlich nicht, weil der vor dem Spiel große Töne gespuckt hatte. Von Kevin war während der ersten Hälfte nichts zu sehen (das gilt übrigens ebenso für Shinji Kagawa). Kurz nach der Pause hatte der Dortmunder Jung zwei gute Szenen, aber damit hatte es sich auch schon. Es blieb Mario Götze vorbehalten, die Chancen nicht zu nutzen. Die der BVB vor allem zu Beginn der zweiten Hälfte, bis zum 0:2, hatte. Klopp schien die richtigen Worte gefunden zu haben. Mario scheiterte jedoch am Pfosten oder Mandanda und dann patzte Hummels. Für seine versuchte Kopfball-Rückgabe wie auch später für Piszczeks Abschirmversuch, der zum Elfmeter und dem 0:3 führte, gilt gleichermaßen: Kann man in der Liga gegen viele Gegner machen, wenn es richtig ausgeführt wird. Bei einem Auswärtsspiel in der Champions League muss man damit rechnen, dass ein Gegner zur Stelle ist und nachsetzt. Da muss man dann eben weniger elegant klären.

Piszczeks Ballverlust führte dazu, dass Remy, der bereits von Hummels Fehler profitiert und das 0:2 erzielt hatte, im Strafraum zu Fall kam. Kehl hatte ihn von hinten an der Wade getroffen. Es war vielleicht kein 100%iger Elfmeter, aber einer, den man geben kann. Remy fiel und es war keine Schwalbe. Dass dann Ayew gegen Weidenfeller traf, dürfte kaum einen BVB-Fan überrascht haben. Das Spiel war danach natürlich gelaufen. Die späte und berechtigte Gelb-Rote Karte gegen Jordan Ayew (nicht zu verwechseln mit dem Doppel-Torschützen) wegen einer Schwalbe half auch nicht mehr weiter. Einige Minuten nach dem 0:3 wurde Lucas Barrios eingewechselt, der zwei Minuten vor Schluss mit einem Kopfball noch die Latte traf. Trotzdem: An der Frage Barrios oder Lewandowski hat es gestern nicht gelegen. Robert bekam schlicht kaum Vorlagen, die er hätte nutzen oder vergeben können.

Ich stimmte gestern zur Abwechslung mal mit den Worten des Sky-Kommentators überein, der sinngemäß sagte: Man ist fassungslos, wie der BVB mit seiner Spielweise in dem Spiel 0:3 zurückliegen kann und doch ist es so einfach zu erklären. Die Reife, die den Schwarz-Gelben fehlte, müssen sie sich nun ganz schnell erarbeiten. Wenn das überhaupt geht. Wahrscheinlicher erscheint, dass meine Bedenken von vor der Saison sich bestätigen und es bereits zu spät ist. Für die Champions League, versteht sich. Läuft alles normal, spielt der BVB in den beiden Partien gegen Olympiakos Piräus um Platz 3. Auch das wird kein Kinderspiel, denn die Griechen wissen ebenfalls, woran sie sind und werden sich darauf einstellen. Nach diesem „Scheißabend“ (Jürgen Klopp) kann man sich immerhin keinen besseren Gegner in der Bundesliga vorstellen als den FC Augsburg.

Die Aufstellung: Weidenfeller (6) – Piszczek (5), Subotic (6), Hummels (5), Schmelzer (6) – Bender (6), Kehl (6) – Götze (7), Kagawa (5) (63. Kuba), Großkreutz (5) (63. Perisic) – Lewandowski (6) (72. Barrios). Gelbe Karte: Hummels.

Ruhe vor dem Alltag

Welche Abwechslung könnte schöner sein als die Champions League, wenn es für einen Fußballverein in der Liga nicht läuft? Die Frage, ob und wie sich schwache Liga-Auftritte und Galavorstellungen im Europapokal gegenseitig bedingen oder beeinflussen, ist kompliziert. Sicher ist jedoch, dass Didier Deschamps, dem Trainer von Olympique Marseille, das erste Heimspiel in der europäischen Königsklasse gegen Borussia Dortmund zu diesem Zeitpunkt der Saison gelegen kommt. In der Ligue 1 liegt ‘OM’ nach acht Spielen mit nur sieben Punkten auf Platz 13. Nach einem Sieg im vorletzten Spiel gab es am Wochenende wieder ‘nur’ ein Unentschieden bei Valenciennes. Dagegen hat der Verein aus der Stadt am Mittelmeer die Auftaktbegegnung in der Champions League in Piräus verdient gewonnen.

Wer in der morgigen Begegnung als Favorit zu gelten hat, ist auch deshalb schwer zu beantworten, weil die Borussia ebenfalls nicht optimal in die Saison gestartet ist. Für Marseille sprechen der Heimvorteil und die größere Erfahrung in diesem Wettbewerb. Die beiden Trainer reden mit größter Hochachtung vom Gegner – wie das in der Champions League so üblich ist. Aussagen von Didier Deschamps in der Pressekonferenz vor dem Spiel lassen vermuten, dass er das ‘Erfolgsrezept’ einiger BVB-Gegner dieser Saison gut studiert hat:

(…) il est très important de bien défendre. (…) Nous avons intérêt à avoir une bonne maîtrise et les obliger à courir…

Gut verteidigen. Eindämmung. Zum Laufen zwingen. Stichworte, die bei BVB-Fans keine Freude aufkommen lassen. Es ist trotzdem nicht zu erwarten, dass der CL-Teilnehmer Marseille gegen die Schwarz-Gelben ganz genauso auftritt wie Hertha BSC in Dortmund oder Mainz im eigenen Stadion.

Didier Dechamps wird auf mehrere wichtige Spieler aus allen Mannschaftsteilen verzichten müssen. Stürmer und Nationalspieler Gignac fällt ebenso verletzt aus wie Mittelfeldmann Benoit Cheyrou. Allerdings strahlt auch das Offensivduo Mathieu Valbuena / Loic Remy Torgefahr aus und das Tor in Griechenland erzielte der argentinische Mittelfeld-Regisseur Lucho Gonzalez. In der Viererkette könnte OM neben Star-Verteidiger Stéphane Mbia auch der linke Außenverteidiger Djimi Traoré fehlen, der allerdings noch kein Stammspieler ist. Gut möglich, dass den Südfranzosen morgen in mancher Situation Torwart Steve Mandanda aus der Klemme helfen muss – wie schon am Wochenende in Valenciennes. Der BVB wird anscheinend von starken gegnerischen Keepern verfolgt.

Für die Borussia kommt es morgen darauf an, sich nicht zu sehr aus der Reserve locken zu lassen, aber trotzdem an dem Spiel festzuhalten, dass die Mannschaft stark gemacht hat. Eine Aufstellungsvariante, die zu diesem Grundsatz passen würde: Den wieder fitten Sven Bender wie gegen Arsenal gemeinsam mit Sebastian Kehl im defensiven Mittelfeld auflaufen lassen und dafür drei offensiv orientierte, torgefährliche Leute davor stellen: Götze, Kagawa und Perisic. Nach den Aussagen Jürgen Klopps vom Wochenende ist davon auszugehen, dass im Sturm erneut Robert Lewandowski beginnen wird, da es bei Lucas Barrios noch nicht für 90 Minuten reicht.

In der Gruppenphase der Champions League gibt es nur sechs Spiele – daher ist die Ausgangslage schon zum jetzigen Zeitpunkt recht klar: Eine Niederlage wäre ein ernster Rückschlag im Bemühen um das Achtelfinale. OM hätte dann bereits fünf Punkte Vorsprung und man müsste wohl auf ein Schwächeln von Arsenal hoffen. Ein Unentschieden ließe alle Möglichkeiten offen, wenn man das Rückspiel gewänne und wäre somit ein sehr ordentliches Resultat. Gelänge das Traumergebnis und der BVB käme mit drei Punkten zurück, wäre das ein enorm wichtiger Schritt in Richtung nächste Runde. Auf eine weitere glamouröse Nacht! Gerne wieder mit einem späten Siegtor.

Der Fußballgottesbeweis

1. Bundesliga, 7. Spieltag / FSV Mainz 1 BVB 2

Letzten Sonntag waren wir in der 89. Minute vom Glauben abgefallen. In dieser Woche hat er uns ein Zeichen seiner Existenz gegeben. Dem reuigen Sünder Lukasz Piszczek, der mit einem unglaublich leichtsinnigen Pass in die Mitte die Mainzer Führung vorbereitet hatte, gelang vorgestern in der letzten Minute mit einem abgefälschten Glücksschuss aus fast 25 Metern der Treffer zum BVB-Sieg. In einer Partie, die die Schwarz-Gelben noch mehr als in Hannover dominiert hatten. Wem dieser Hinweis auf den Fußballgott zu religiös oder zu blasphemisch ist, dem habe ich noch zwei an diesem Wochenende zutreffende Phrasen zu bieten: Die Borussia hatte das Glück des Tüchtigen. Und im Laufe einer Saison gleichen sich Glück und Pech aus.

Der BVB ging mit neuem Schwung und neuen, alten Gesichtern in das Spiel. Kehl und Götze kehrten nach ihren Sperren zurück, Löwe musste Schmelzer ersetzen. Trotzdem muss man die Mannschaft insgesamt und vor allem den Trainerstab explizit dafür loben, wie gut es ihnen gelungen ist, die herbe Enttäuschung vom Hannover-Spiel abzuschütteln. Ein ernsthaftes mentales Problem bestand offensichtlich nicht. Schon bald übernahm die Borussia die Spielkontrolle – die Mainzer waren nur in den ersten zehn Minuten ein gleichwertiger Gegner. So lange funktionierte ihr frühes Pressing. Ich glaube nicht, dass es Thomas Tuchels ‘Matchplan’ war, dem BVB schon vor der Führung so sehr das Mittelfeld zu überlassen.

Bei den Schwarz-Gelben funktionierte dagegen das meiste über weite Strecken. Die Innenverteidigung: sehr solide. Löwe ebenfalls, Piszczek bis auf seinen Aussetzer richtig stark. Die Mittelfeldzentrale war dank Gündogan und vor allem Kehl stabil besetzt, die Mainzer hatten hier wenig Zugriff. Perisic und Götze brachten mehr Variabilität ins Offensivspiel. Vor allem Mario interpretierte seine Rolle sehr frei, war überall zu finden – ein belebendes Element im BVB-Spiel, wenn auch nicht alles von ihm effektiv war. Das Hauptmanko bleibt die Chancenverwertung. Man muss da im Bezug auf das Spiel am Samstag differenzieren: Es gab die Szenen, in denen der Mainzer Keeper Müller stark hielt. Etwa den guten Kopfball von Lewandowski nach zehn Minuten oder die beiden Kagawa-Schüsse (einen in der ersten, einen in der zweiten Hälfte). Und es gab tatsächlich einige schwache Abschlüsse. Gündogan fehlt nach wie vor das sprichwörtliche Zielwasser. Und wenige Minuten vor der Pause war Lewandowski frei durch und brachte gegen Müller nur einen unerklärlich harmlosen Schuss zustande. Das war eine der spielübergreifend wenigen von Lewandowski vergebenen Chancen, bei denen ich recht sicher bin, dass Lucas Barrios sie genutzt hätte.

So glücklich letzten Sonntag Hannovers zweiter Treffer nach 89 Minuten war, so glücklich fiel vorgestern nach 33 Minuten die Mainzer Führung. Nur in der Anfangsphase hatten die Gastgeber einmal recht harmlos aufs Tor geschossen, danach wirkten sie beinahe sediert. In der 33. Minute setzten sie mal über den linken Flügel nach und Piszczek spielte einen extrem nachlässigen Pass in die Mitte, der wohl für Subotic gedacht war. Zentral sorgte dann ein unglücklicher Billardeffekt dafür, dass Hummels und Subotic den Ball verfehlten und Risse ihn zu Nicolai Müller bugsieren konnte. Der schoss ihn schließlich im Sitzen ins Tor. Ausgerechnet Müller, dem Tuchel vor dem Spiel noch große Fortschritte attestiert hatte. Aus Dortmunder Sicht stand natürlich der haarsträubende Fehler von Piszczek am Anfang dieses Gegentors.

Man muss die Mannschaft und gerade Lukasz Piszczek auch auf der Mikroebene dieses einen Spiels noch mal dafür loben, wie sie nach dem Rückschlag weitermachten, als ob nichts geschehen wäre. Die angesprochenen Schüsse von Gündogan und Lewandowski folgten noch vor der Pause und in den zweiten 45 Minuten steigerte sich die Borussia nochmals. Da war nicht alles perfekt und Müller hielt zunächst die Führung der Gastgeber fest. Durch welche Akteure schließlich der Ausgleich klargemacht wurde, war nicht überraschend. Piszczek flankte von links, Lewandowski brachte Perisic ins Spiel und in seinem zweiten Ligaspiel von Beginn an zeigte der Neuzugang seine Torgefahr, legte sich den Ball zurecht und schoss wirklich platziert links ins Eck.

In der Schlussphase wurden noch Leitner, Kuba und dazwischen der lang erwartete Barrios eingewechselt. Der Stürmer kam allerdings nur zu einem harmlosen Rückwärtskopfball in Richtung Tor. Und die Mainzer kamen noch zu mehreren Kontern, da der BVB natürlich die drei Punkte mitnehmen wollte. Einmal klärte Hummels mit einem präzisen Tackling und einmal verkürzte Weidenfeller gegen Ivanschitz geschickt den Winkel. Letztendlich galt für die Gastgeber das Gleiche wie für alle nicht favorisierten Mannschaften: Wer seine wenigen Chancen nicht nutzt, steht am Ende mit leeren Händen da. Denn in der 90. Minute faustete Müller einen Freistoß von Perisic weg und Piszczek kam zum Schuss. Der Ball wurde noch leicht abgefälscht, ansonsten hätte man dem Mainzer Keeper diesen nicht allzu harten Schuss aus größerer Entfernung ankreiden können. Das war dem enthemmt jubelnden Piszczek, seinen Mitspielern und den Fans selbstverständlich herzlich egal. Es mag nichts Neues sein, aber ich bestätige hiermit nochmal: Siegtreffer in letzter Minute sind die schönsten.

Es war zweifellos ein hochverdienter Auswärtssieg zum richtigen Zeitpunkt und man darf vor dem nun folgenden Heimspiel gegen Augsburg wohl optimistisch sein, ohne arrogant zu wirken. Auch dank anderer Ergebnisse ist der BVB bereits wieder Achter und die Krisendiskussion im Keim erstickt. Hilf dir selbst, dann hilft dir der Fußballgott!

Die Aufstellung: Weidenfeller (7) – Piszczek (6), Subotic (7), Hummels (7), Löwe (7) – Gündogan (6) (86. Kuba), Kehl (7) – Götze (7), Kagawa (6) (70. Leitner), Perisic (8) – Lewandowski (6) (75. Barrios). Tore: Perisic, Piszczek

Mainzer Herbst

Im ersten Spiel nach Herbstanfang muss Borussia Dortmund am Samstag beim FSV Mainz antreten. Normalerweise steht dieser Verein für eine andere Jahreszeit, aber mit einer gewagten Metapher könnte man sagen, die Kicker aus der rheinland-pfälzischen Landeshauptstadt stehen im Herbst ihres Erfolgs. Die Stars Holtby und Schürrle sind wie Blätter vom Baum gefallen und bald ist alles kahl und düster. Nein, Stopp. Das verbietet sich schon allein wegen des neuen Stadions der Mainzer. Die gut 34.000 Zuschauer fassende Coface Arena sieht von außen nicht spektakulär, aber nett aus und ist innen nach meinen Eindrücken aus dem Fernsehen ein veritables Fußballstadion.

Betrachtet man den sportlichen Aspekt, war zu erwarten, dass die 05er keinen vergleichbaren Traumstart wie in der letzten Saison hinlegen würden. Das Aus in den Europa League-Play-Offs gegen Medias kam jedoch unerwartet. In die Liga startete Mainz mit zwei Siegen, darunter das 2:0 gegen Leverkusen. Danach holten sie nur noch einen Punkt. Zuletzt gab es ein 1:3 beim Lokalrivalen Kaiserslautern, das aus anderen Gründen vielleicht ähnlich bitter war wie Dortmunds später K.O. in Hannover.

Mit den Abgängen von Schürrle und Holtby haben die Mainzer Qualität verloren. Die am häufigsten eingesetzten und erfolgreichsten Offensivkräfte Allagui (für Samstag fraglich) und Choupo-Moting haben Talent, sind aber noch sehr von ihrer Tagesform abhängig. Angst und Schrecken verbreiten sie nicht gerade. Der beim Vorbereitungsturnier in Mainz positiv aufgefallene Anthony Ujah hat sich noch keinen Stammplatz erobern können. Mario Gavranovic hat bei S04 einige Fürsprecher – er wurde trotzdem an den FSV ausgeliehen, inklusive Kaufoption. Bei der Pleite gegen Hoffenheim wurde er eingewechselt, konnte allerdings nichts mehr ausrichten. Für das Mittelfeld haben sich die Mainzer vor allem mit Spielern aus der zweiten Liga oder Österreich verstärkt.

Was ich sagen will: Angst haben muss man nicht. Die Mainzer für Samstag (oder überhaupt) abschreiben darf man jedoch genauso wenig. Nicht zuletzt, weil die Borussia zuletzt auch ziemlich ‘herbstlich’ wirkte. Die Schwarz-Gelben stehen nur aufgrund der besseren Tordifferenz vor den 05ern. Übermorgen wird sich zeigen, ob die letzten Ausrutscher vor allem personell bedingt waren. Mario Götze und Sebastian Kehl dürften nach ihren Sperren in der Startelf stehen. Sven Bender hat Chancen, bis zum Spiel fit zu werden, würde aber vorsichtshalber wohl eher auf der Bank Platz nehmen. Sogar Lucas Barrios könnte in Mainz im Kader stehen – er kehrte in dieser Woche ins Mannschaftstraining zurück. Sicher fehlen wird Marcel Schmelzer wegen eines Muskelfaserrisses im Oberschenkel. Entgegen früherer Angaben könnte er jedoch rechtzeitig für das erste Auswärtsspiel in der Champions League, am Mittwoch in Marseille, wieder fit sein.

Spannend wird erneut die Frage, auf wen Jürgen Klopp im offensiven Mittelfeld setzen wird. Götze und Kagawa sind gesetzt, so dass nur einer aus dem Trio Perisic, Großkreutz und Kuba spielen kann. Alle drei haben sich in Hannover nicht übermäßig aufgedrängt. Kuba war noch am überzeugendsten, dafür in den Spielen zuvor deutlich schwächer als die anderen beiden. Das Gute an dieser Auswahl, die Klopp auf allen Positionen mit Ausnahme der rechts hinten hat: Die Spieler, die übermorgen eingesetzt werden, müssen sich beweisen. Sonst stehen sie in Marseille womöglich nicht in der Mannschaft. Barrios macht Druck auf Lewandowski, im Mittelfeld gibt es für alle Positionen Alternativen, teilweise mehrere. In der Abwehr wartet Felipe Santana auf seine nächste Chance und selbst links hinten ist nicht ausgeschlossen, dass es perspektivisch zu einer echten Konkurrenzsituation kommt.

Die Spieler werden am Samstag eine Reaktion zeigen. Das bedeutet nicht, dass die Partie nicht trotzdem unglücklich laufen kann. Eine ähnliche Schlussphase wie in Hannover sollte es aber nicht mehr geben. Ich finde übrigens, dass der Herbst eine schöne Jahreszeit ist.

(Quelle: Transfermarkt.de)

Und schon wieder Trainersuche

Erst ließen die Verantwortlichen von Schalke 04 Felix Magath sehenden Auges zum Alleinherrscher aufsteigen. Im Anschluss wurde Ralf Rangnick mit den fälligen Aufräumarbeiten beauftragt. Der ist heute wegen eines Erschöpfungs-/Burnout-Syndroms als Trainer zurückgetreten. Ich will da gar keinen Zusammenhang herstellen, der Verein kann für die jüngste Entwicklung vermutlich wenig. Rangnick soll schon nach dem Ende seiner Hoffenheimer Zeit eine Pause benötigt haben. Sein Rücktritt verdient Respekt und ich wünsche ihm alles Gute, auch wenn ich ihn nie besonders gemocht habe. Er hätte seinen Verein zu diesem Zeitpunkt ohne triftigen Grund nicht im Stich gelassen.

Für Schalke beginnt damit erneut die Suche nach einem Trainer, mit dem man langfristig Erfolg haben will. Sicher nicht zum günstigsten Zeitpunkt. In der Diskussion beim „Königsblog“ kristallisieren sich drei ‘early favourites’ für die Nachfolge heraus: Huub Stevens, Mike Büskens oder Co-Trainer Seppo Eichkorn bis zum Saisonende. Stevens klingt für einen begrenzten Zeitraum nicht unplausibel. Er würde aber von vielen als Rückschritt empfunden und würde sich selber sicher ein längeres Engagement wünschen. Vorteil: Er wäre im Gegensatz zu Büskens verfügbar. Denn der ehemals bei S04 von Magath verdrängte Büskens hat noch eine unvollendete Aufgabe: Greuther Fürth endlich in die 1. Bundesliga zu führen (was irgendjemand verhüten möge). Dem ‘Co’ Eichkorn das Amt bis zum 34. Spieltag anzuvertrauen wäre eine Notlösung – denkbar erscheint höchstens ein Engagement bis zur Winterpause.

Es werden sicher noch andere Namen ins Spiel kommen. Warten wir es ab! Mein Gefühl bei der Sache: Ich kann in einem solchen Fall keine Häme empfinden. Ich hätte Schalke lieber mit einem gesunden Rangnick scheitern sehen.

Bewährung für Piszczek

Borussia Dortmund muss nicht länger befürchten, dass Rechtsverteidiger Lukasz Piszczek auch für den Vereinsfußball ein halbes Jahr gesperrt wird. Das Berufungsgericht des polnischen Fußballverbandes hat entschieden, die Sperre wegen Piszczeks Beteiligung an der Bestechung einer gegnerischen Mannschaft auf ein Jahr auszudehnen, dafür jedoch zur Bewährung auszusetzen. Lukasz hatte die ursprüngliche Strafe – ein halbes Jahr Sperre für Länderspiele – ebenso akzeptiert wie das Urteil eines ordentlichen Gerichts – ein Jahr Haft auf Bewährung. Nachdem jedoch Hardliner im polnischen Verband durchsetzen wollten, dass er auch international gesperrt wird, hatte er Berufung eingelegt.

Betrachtet man das Urteil unabhängig davon, dass andere Beteiligte scheinbar milder bestraft wurden, ist es nicht unfair. Piszczek war damals ein junger Spieler und wurde von Mannschaftskollegen überredet, für die Bestechung Geld beizusteuern. Eine treibende Kraft war er nicht. Insofern erscheint die Bewährungsmöglichkeit angebracht. Andererseits war die Verteidigungslinie, die der BVB in den Medien und hinter den Kulissen vorbrachte, eher dürftig. Zwar stand Lukasz Piszczek beim fraglichen Spiel nicht im Kader, aber darum ging es auch nicht. Durch seine finanzielle Beteiligung hatte er der Bestechung der gegnerischen Mannschaft zugestimmt und diese sollte schließlich das Spiel manipulieren (es ging darum, dass Piszczeks Verein Zaglebie Lubin noch den Europapokal erreichen sollte).

Michael Zorc sagte heute, der BVB müsse das Berufungsurteil nicht kommentieren, weil der Vorgang vor Lukasz’ Dortmunder Zeit läge. Das ist angesichts der früheren Äußerungen eine weise Entscheidung. Man kann sich sicher sein, dass allen Verantwortlichen der Schwarz-Gelben ein Stein vom Herzen gefallen ist, denn auf den Außenverteidiger-Positionen sind wir zurzeit nicht gerade üppig besetzt.

Wie Sportjournalisten die Worte von Oliver Kahn verdrehen

„Oliver Kahn kritisiert Dortmunder Personalpolitik“. Diese Überschrift bei „Spox.com“ macht sich gut, denn sie passt ins Bild. Der BVB steckt angeblich in der Krise und der ehemalige Bayern-Torwart kritisiert zurzeit gerne. Die dazugehörige Meldung stammt vom Sportinformationsdienst. Liest man den Bericht, kommt Kahns Kritik nicht gerade spektakulär rüber:

Eine Option wäre gewesen, sich im Sommer mit neuen Spielern zu verstärken, die den Konkurrenzkampf in der Mannschaft entfachen. Der BVB hat darauf verzichtet.

Man könnte diese konjunktivisch-deskriptiven Sätze vielleicht als leise Kritik werten. Die Sätze stammen allerdings aus einem längeren Blogbeitrag, den Oliver Kahn für Yahoo-Eurosport geschrieben hat. Neben diversen anderen Tätigkeiten bloggt der ‘Titan’ dort seit einiger Zeit ungefähr im Zwei-Wochen-Rhythmus. Was der für die ‘Kritikmeldung’ verantwortliche Journalist mutwillig unterschlägt: Der zitierte Absatz aus Kahns Blog geht noch ein Stück weiter. Komplett liest er sich so:

Eine Option wäre gewesen, sich im Sommer mit neuen Spielern zu verstärken, die den Konkurrenzkampf in der Mannschaft entfachen. Der BVB hat darauf verzichtet. Das muss nicht falsch sein. Es ist ein Vertrauensbeweis für die junge Mannschaft. Gut möglich, dass Götze & Co. dieses Vertrauen mit engagierter Leistung zurückzahlen.

Das versteht der Sportinformationsdienst also unter Kritik. Ich frage mich, wie sie dann das genannt haben, was Karl-Heinz Rummenigge über Sepp Blatter gesagt hat.

Das Traurige an derart verzerrenden Agenturmeldungen: Sie werden bundesweit von Online-Redaktionen ungeprüft übernommen. So findet sich der Bericht selbstverständlich nicht nur bei „Spox.com“, sondern auch bei „Der Westen“, der „Zeit“, „goal.com“, den 11 Freunden und vielen anderen viel besuchten Webseiten. Dass Online-Redaktionen nicht nur selbst Content produzieren, sondern auf die Nachrichtenagenturen angewiesen sind, dürfte klar sein. Insofern zeigt der Finger hier in erster Linie auf den Urheber dieser Meldung. Peinlich wird es nur dann, wenn Redakteure ihren Namen unter oder über die Agenturmeldung setzen.

Wer häufiger kritische Fußballblogs liest, gar selber bloggt oder zumindest die herkömmlichen Sportmedien kritisch konsumiert, dem dürften ähnliche Methoden schon geläufig sein. Trotzdem ist die Boulevardisierung des Sportjournalismus auf der Jagd nach schönen Schlagzeilen immer wieder von neuem erschreckend. Zumindest für die, denen der Sport oder ein Verein wichtig sind und die deshalb kompetent darüber informieren oder informiert werden wollen.

Knock-out in der 12. Runde

1. Bundesliga, 6. Spieltag / Hannover 96 2 BVB 1

Dunkle Wolken über dem Niedersachsenstadion

Das Beste am gestrigen Tag war der schöne Himmel auf der Rückfahrt nach Berlin. Borussia Dortmund kassierte dagegen eine der bittersten Niederlagen der letzten Jahre. Die Schwarz-Gelben dominierten die erste Hälfte, hatten eine danach ausgeglichenere Partie weiter im Griff, erzielten die verdiente Führung, gerieten nach etwa 75 Minuten unnötigerweise unter Druck und verloren durch einen Doppelschlag in der 87. und 89. Minute.

Ausverkauftes Stadion, vielleicht 7.000 Dortmunder, die zumindest mehr Stimmung als die heimische Nordkurve machten – es hätte ein schöner Sonntag werden können. Als ausgerechnet Publikumsliebling Shinji Kagawa seine kleine Post-Verletzungs-Krise mit dem Treffer zum 1:0 beendete, war die schwarz-gelbe Welt in Ordnung. Da Silva und Lewandowski hatten die Vorarbeit geleistet, der Pole dabei einen Cut im Gesicht erlitten. Shinji täuschte zwei Abwehrspieler und lupfte den Ball über den guten Torwart Zieler ins Netz. Lies mehr …

Zeit für Neues

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Vor der Reise nach Hannover werden sich die Schwarz-Gelben gerne an letzte Saison zurückerinnern, als der BVB nicht nur zum ersten Mal seit acht Jahren wieder beide Saisonspiele gegen die Niedersachsen gewann, sondern dabei auch noch acht Tore erzielte. Sich vor der morgigen Partie auf einen Favoriten festzulegen, fällt trotzdem schwer. Beide Clubs stehen zurzeit im Mittelfeld der Tabelle und bei beiden Clubs gibt es Gründe, warum sie morgen möglicherweise nicht gewinnen.

Hannover 96 hat die ersten beiden Ligaspiele gewonnen, danach zwei Unentschieden geholt und zuletzt in Stuttgart verloren. Zwischendurch hat man sich erfreulicherweise in den Europa League-Play-Offs gegen den unsportlichsten BVB-Gegner der letzten Spielzeit durchgesetzt. Ein wirklicher Trend lässt sich aus diesen Ergebnissen noch nicht ablesen. Wer aber vorgestern das lahme 0:0 der 96er gegen Standard Lüttich gesehen hat, der ahnt, woran es auch gegen den BVB hapern könnte: Die Niedersachsen entwickeln zu wenig Druck nach vorne und zu wenig Torgefahr. Der Torjäger der letzten Saison, Didier Ya Konan, kam nach einer Verletzung im Sommer noch nicht so richtig in Fahrt und stand nur im letzten Spiel beim VfB in der Startelf. Jan Schlaudraff wird wohl für immer das schlampige Talent bleiben. Und der Stürmer der Stunde, Mohammed Abdellaoue, fällt wegen einer Muskelverhärtung aus – angeblich. Es wäre nicht das erste Mal, dass ein besonders wichtiger Spieler plötzlich doch auf dem Platz steht. Ein nicht unbedingt freudiges Wiedersehen gibt es mit dem Ex-Gelsenkirchener Christian Pander, der für seinen verletzten Namensvetter Schulz ins Team rücken soll.

Die Borussia hat sich am Dienstag in der Champions League gut erholt von der Niederlage gegen Berlin gezeigt. Allerdings haben sich die personellen Voraussetzungen gegenüber dem letzten Ligaspiel weiter verschlechtert. Neben dem gesperrten Sebastian Kehl fällt auch der zweite defensiv orientierte Mittelfeldspieler, Sven Bender, wegen eines Muskelfaserrisses aus. Jürgen Klopp wird improvisieren müssen und hat dabei drei grundsätzliche Möglichkeiten. Am wahrscheinlichsten ist die Rückkehr von Ilkay Gündogan in die Startelf. Neben ihm könnten der erfahrene Antonio da Silva oder der talentierte Moritz Leitner auflaufen. Eine Wahl zwischen jung und nicht mehr so jung also. Alle drei Spieler haben jedoch gemeinsam, dass sie eher offensiv orientiert und nicht die zweikampfstärksten sind.

Möglichkeit 2 wäre ein Vorziehen von Mats Hummels ins Mittelfeld. Der Abwehrstar hat schon früher auf dieser Position gespielt, allerdings ist er weiter hinten deutlich stärker. Im Aufbauspiel fehlt Mats die nötige Konstanz. Er geht gerne mit nach vorne, sein Passspiel ist jedoch noch ausbaufähig. Da der vielseitig einsetzbare Florian Kringe auch in dieser Saison außen vor zu sein scheint, ist die dritte Möglichkeit ein Zurückziehen eines offensiveren Spielers wie Ivan Perisic oder Kevin Großkreutz auf die ’6′. Hierbei würde jedoch die Zweikampfproblematik noch viel stärker zum Tragen kommen. Vor allem werden beide Kandidaten im offensiven Mittelfeld gebraucht. Spätestens nach seinem Traumtor gegen Arsenal ist Perisic für die morgige Partie unverzichtbar geworden. Mario Götze ist erneut gesperrt und somit wird auch bei den Schwarz-Gelben nach Torgefahr gesucht werden. Kevin Großkreutz könnte auf die rechte Seite rücken, denn Kuba hat sich beim BVB zuletzt nicht für einen Einsatz empfohlen.

Eine neue Aufstellung gegen ein Team auf der Suche nach Toren – klingt jetzt erst mal nach Unentschieden. Wer noch mal die Statistik bemühen will, kann sich damit trösten, dass zwischen diesen beiden Clubs in der Regel viele Tore fallen. Wir werden sehen, ob sich die Vergangenheit morgen bestätigt. Ich freue mich auf mein erstes Live-Spiel der Saison vor Ort.

Der perfekte Schuss

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Champions League, 1. Spieltag / BVB 1 Arsenal 1

Ein Muster schien sich zu wiederholen: Das der letzten Europa League-Kampagne des BVB. Die Borussia hatte am Dienstag gegen Arsenal ein sehr ordentliches und in der ersten Halbzeit sehr gutes Spiel abgeliefert. Leider wurden mehrere Torchancen nicht genutzt und ein einziger dummer Fehler bestraft. In der zweiten Hälfte rannte man gegen ein Abwehrbollwerk an, das man den Londonern gar nicht zugetraut hatte. Kommentator Marcel Reif begann auf „Sky“ schon nach 65 Minuten zu unken, den Borussen fehle der Glaube, sie seien sogar von der Pleite gegen Hertha BSC angeknackst. Mit Ivan Perisic war es nach 88 Minuten nicht mal ein unwahrscheinlicher Held, der Reif und alle anderen Kritiker Lügen strafte. Seine Torgefährlichkeit hatte der Neuzugang schon öfter angedeutet. Passend zur Champions League-Rückkehr traf er mit einem traumhaften Bilderbuchschuss in den Winkel.

Es war nicht überraschend, dass das Auftreten der Schwarz-Gelben völlig anders war als an gleicher Stelle gegen die Berliner. Das mag am Anlass gelegen haben, aber sicher auch an der offensiven Ausrichtung des Gegners. Früher als erwartet griff Jürgen Klopp daher auf eine Option zurück, die wir hier Anfang der Woche in den Kommentaren diskutiert haben. Es war sinnvoll, in diesem Spiel hinter einem wie üblich dreifach besetzten offensiven Mittelfeld mit Sven Bender UND Sebastian Kehl zwei defensiv ausgerichtete Spieler aufzubieten. Sicher, der erfahrene Kapitän der Borussia spielte in der 42. Minute den Fehlpass, der zum 0:1 führte und auch sonst noch ein paar wacklige Pässe. Andererseits war es stark, wie sich van Persie den ‘Fehlpass’ ergrätschte und schnell zu Gervinho weiterleitete. Und bei Kehl gab es auch Licht: Viele Balleroberungen im Mittelfeld und einige durchaus gelungene Weitergaben.

Dafür, dass die Borussia die Partie über weite Strecken bestimmte und schon in der ersten Viertelstunde drei dicke Chancen hatte, war auch die Dominanz im Mittelfeld verantwortlich. Ein zweikampfstarker und lauffreudiger Sven Bender sowie ein lebendiger und deutlich verbesserter Shinji Kagawa besetzten die zentralen Positionen. Und auf rechts wirbelte bei der CL-Rückkehr der Rückkehrer Mario Götze. Der krönte eine grandiose erste Halbzeit mit der tollen Vorlage für Robert Lewandowski, der bei seiner folgenden Riesenchance in der 12. Minute eigentlich gar nichts falsch machte, sondern den erneut starken Keeper Szczesny umkurvte und mustergültig eingeschoben hätte, wenn nicht Sagna stark auf der Linie geklärt hätte. Wäre Robert in der 90. Minute erneut schneller als der Torwart gewesen, würden manche möglicherweise noch jetzt die Nachwirkungen der Feier spüren.

Arsenal stand ab Mitte der ersten Halbzeit und erst recht nach dem Führungstor hinten sicherer. In der zweiten Hälfte wirkten die Schwarz-Gelben lange ideenlos, was aber auch an der ungewohnt defensiven Ausrichtung der Gäste lag. Es war erstaunlich destruktiv, was die Gunners zeigten. Man merkte, dass das neu zusammengestellte Mittelfeld – mit Arteta zentral und Benayoun auf der ’10′ – im Offensiv- und Aufbauspiel noch nicht richtig harmonierte. Lange Zeit schien die Verteidigung der Führung ausreichend zu sein – bis Perisic kam und das Engagement und der Glaube der Schwarz-Gelben belohnt wurden. Der Mann, der in der Champions League seine Lieblingsnummer 44 tragen darf, hat sich damit nachdrücklich für die Startelf in Hannover empfohlen. Sein Konkurrent Kevin Großkreutz tat das trotz eines ordentlichen Torschusses nicht. Er schlug zu oft ideenlose bzw. unpräzise Flanken, die bei Szczesny landeten und baute bis zu seiner Auswechslung in der 69. Minute spürbar ab.

Ein Tor kurz vor Schluss gegen den FC Arsenal, bei der Rückkehr in den wichtigsten internationalen Club-Wettbewerb – das fühlt sich mehr wie ein Sieg als ein Remis an. Vor allem die Fans im Stadion und ganz besonders die Urheber der großartigen Königsklassen-Choreo hatten sich diesen Höhepunkt verdient. Natürlich gibt es jedoch keinen Grund zum Zurücklehnen. In der Bundesliga sowieso nicht und in der Champions League heißt es in zwei Wochen in Marseille „Verlieren verboten“, denn durch den Auswärtssieg der Franzosen vorgestern hätten diese bei einem Heimsieg über die Schwarz-Gelben schon fünf Punkte Vorsprung. Aber ob Champions League, Pokal oder Bundesliga – nach so einem Spiel wie am Dienstag hat man einfach noch viel mehr Lust auf Fußball als ohnehin schon. Bitter für die Partie in Hannover ist jedoch, dass neben dem gesperrten Kehl auch Sven Bender wegen eines kleinen Muskelfaserrisses pausieren muss.

Die Aufstellung: Weidenfeller (7) – Piszczek (7), Subotic (7), Hummels (7), Schmelzer (6) – Bender (8), Kehl (6) (69. Kuba) – Götze (8), Kagawa (7) (85. Zidan), Großkreutz (5) (69. Perisic – 8) – Lewandowski (7). Gelbe Karten: Bender, Schmelzer. Tor: Perisic.

(Kleine Neuerung: Ich finde es immer schade, manche Spieler im Text zu erwähnen und andere nicht. Schließlich geht es hier um einen Mannschaftssport. Alle zu erwähnen wäre aber zu viel und zu ermüdend. Deshalb soll zumindest jeder eine Einschätzung bekommen. Mit Hilfe von – Achtung, origineller Einfall – Noten. Immerhin werde ich keine Schulnoten vergeben, sondern wie in meinen Hin- und Rückrundenbewertungen Punkte von 1 bis 10. Oben erstmals zu besichtigen.)

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