Der Mann unseres Vertrauens
Fast forward to Stuttgart. Aus Zeitgründen entfällt die Berichterstattung zum Pokalspiel. Nur so viel: Es war ein souveräner Sieg mit einem ganz starken Mario Götze. Und es gab zu viele Gäste, die sich nicht benehmen konnten, die es aber auch nicht wert sind, dass ich noch groß auf sie eingehe. Vielleicht mal demnächst in allgemeinerer Form.
Vor der Fahrt nach Stuttgart, die ich auch persönlich antreten werde, soll es um unseren Trainer gehen. Es ist bewundernswert, wie akribisch Jürgen Klopp Spiele analysiert und wie zielsicher er Konsequenzen zieht und Entscheidungen trifft. Man kann hin und wieder einzelne taktische und personelle Entscheidungen von ihm kritisieren – jeder von uns Fans ist ja ein bisschen Trainer. Aber Klopp lernt aus den Fehlern, die er (möglicherweise) begeht und nimmt beinahe immer die richtigen Änderungen vor. Oder schenkt Spielern das Vertrauen – zuletzt Schmelzer, Kagawa, Subotic -, die das zurückzahlen.
In dieser Woche hat der Trainer erkannt, dass „bei uns auf allen Positionen mehr Fußball gespielt wird als im vergangenen Jahr“. Gemeint ist vor allem, dass sich auch die Innenverteidigung um das Aufbauspiel bemüht und häufig hoch steht. So wurde es in den letzten zwei Wochen auch hier diskutiert. Klopps Konsequenz daraus ist, dass er in den kommenden Spielen voraussichtlich auf eine defensiv orientierte Doppel-Sechs mit Sebastian Kehl und Sven Bender setzen wird und der formschwache Ilkay Gündogan zunächst mal draußen ist. Der „Kicker“ erklärt die Beweggründe einleuchtend:
Wenn also Innenverteidiger Hummels weiterhin verstärkt als Spielmacher und Passgeber aus der Tiefe auftritt, muss vor ihm nicht zwingend noch ein Gestalter wie in der Vorsaison Sahin agieren.
Hummels Passspiel ist gelegentlich erratisch. Tollen Vorlagen wie gegen Köln stehen manchmal noch unerklärliche Fehlpässe gegenüber. Mit Kehl UND Bender als Stabilisatoren braucht man sich diesbezüglich weniger Sorgen zu machen. Diese Variante wird Klopp jedoch nicht in jedem Spiel zur Anwendung bringen. Gegen sehr defensive Gegner ist eine Rückkehr von Gündogan oder eine Chance für Moritz Leitner möglich. Am Samstag in Stuttgart werden jedoch Kehl und Bender beginnen – wenn sie bis dahin ihre leichten Blessuren wie erwartet auskurieren. Roman Weidenfeller wird wieder im Tor stehen. Für das offensive Mittelfeld stünde Ivan Perisic nach seiner Sperre wieder zur Verfügung. Konkurrent Kevin Großkreutz war gegen Dresden deutlich unauffälliger als gegen Köln. Knappe Sache, die aber vermutlich zunächst pro Kevin ausgeht. Im Sturm wird sehr wahrscheinlich erneut Robert Lewandowski beginnen, wenn ich die Äußerungen Klopps von der PK richtig interpretiere.
Die Schwarz-Gelben erwartet in Stuttgart ein Gegner, der gut in die Hinrunde gestartet ist – alles andere als selbstverständlich bei den Schwaben. Bruno Labbadia scheint aus vorangegangenen Trainerepisoden gelernt zu haben. Momentan legt der ehemalige Stürmer vor allem Wert auf eine stabile Defensive – daran hat es beim VfB längere Zeit gehapert. Die Stuttgarter spielen selten jemand in Grund und Boden, sind aber kompakter und disziplinierter geworden. Ungelegen käme Labbadia ein Ausfall von Serdar Tasci, der im Pokal einen Schlag aufs Knie bekommen hat. Lauftraining konnte der Abwehrspieler heute jedoch absolvieren. In der Innenverteidigung müssen die Schwaben bereits auf Delpierre verzichten. Im Sturm ist Cacau fraglich. Dortmund-Schreck Pogrebnyak wird ebenso wenig spielen können wie Julian Schieber. Gut möglich ist ein Wiedersehen mit Tamas Hajnal, der sich natürlich gegen seinen ehemaligen Arbeitgeber besonders Mühe geben wird.
Ob man die Partie nun als Topspiel bezeichnet oder nicht – es ist in jedem Fall ein ähnlich schweres Auswärtsspiel wie das letzte in der Liga. Sollte der BVB nach Bremen auch Stuttgart bezwingen, hätte man sich vorerst auf den oberen Rängen etabliert und könnte sich relativ gelöst dem nächsten Champions League-Gegner zuwenden. Der VfB wird es uns jedoch mit Sicherheit nicht leicht machen. Um eine Chance auf drei Punkte zu haben, müsste man vermutlich die Leistung aus dem Köln-Spiel wiederholen. Ein offenes Spiel, für Spannung ist gesorgt – wie gemacht für meinen erst zweiten Spielbesuch in dieser Saison.
Köln bleibt Dortmunds Liebling
1. Bundesliga, 10. Spieltag / BVB 5 1.FC Köln 0
Der Effzeh spielt sich in die Herzen der schwarz-gelben Fans. Nach den Erfolgen gegen Leverkusen und Schalke im Frühjahr, die uns die Meisterschaft und eine Portion Schadenfreude bescherten, schenkten die Geißböcke dem BVB gestern den höchsten Sieg seit über einem Jahr. Dieser Verein wird mir – ganz ernsthaft – immer sympathischer. Sicher, die Kölner haben ein paar wirklich unsympathische Fans – wie fast jeder Verein. Aber in der Mehrzahl sind sie vor allem begeisterungsfähig. Mir imponiert außerdem, dass sie mit der Verpflichtung von Stale Solbakken nicht den einfachsten Weg gegangen sind. Bei allen Rückschlägen scheint der FC-Trainer frischen Wind in den Verein zu bringen.
Selbstverständlich darf sich die Borussia drei Tage nach der Pleite von Piräus den höchsten Saisonsieg auch und vor allem selbst anrechnen. Die Mannschaft ist nach einer Enttäuschung erneut überzeugend zurückgekommen, hat eine imponierende Reaktion gezeigt. Jürgen Klopp nahm diesmal nicht so viele Wechsel vor wie nach der Niederlage in Marseille und lag richtig. Marcel Schmelzer, Neven Subotic und Shinji Kagawa, die am Mittwoch weit unter ihren Möglichkeiten geblieben waren, nutzten ihre neue Chance. Auch wenn ich bei der im Fußball weit verbreiteten Küchenpsychologie meist skeptisch bin – der Sieg gestern muss etwas mit „Wut im Bauch“ zu tun gehabt haben, so wie die Niederlage am Mittwoch mit „fehlender Erfahrung“.
Die Höhe des Sieges hing auch mit der Kölner Stabilität zusammen. Das frühe Dortmunder 1:0 schockte die Gäste noch mehr als die Führung von Piräus am Mittwoch die Schwarz-Gelben und die FC-Defensive glich in der Folge noch häufiger dem sprichwörtlichen Hühnerhaufen. Der Führungstreffer war durch einen Pass zu Großkreutz auf den linken Flügel eingeleitet worden. Geschlagen von Mats Hummels, der an seine Leistung aus dem Bremen-Spiel anknüpfte. Das, was bei ihm unter der Woche nicht funktioniert hatte – die Teilnahme an der Spieleröffnung – klappte gestern ein ums andere Mal. In dieser Szene passte Kevin zurück an den Fünfmeterraum, wo mehrere Kölner Verteidiger Shinji Kagawa nicht am Torschuss hindern konnten. Großkreutz spielte bissig und wollte seine Startelf-Chance nutzen. Man kann sich außerdem des Eindrucks nicht erwehren, dass er in Heimspielen besser drauf ist als auswärts. Kagawa tat sein frühes Erfolgserlebnis offensichtlich gut und er dankte Klopp für das Vertrauen mit einer vor allem in der ersten Hälfte starken Leistung.
Die Nicht-Leistung der Kölner war erstaunlich. Es gibt dafür mildernde Umstände: Podolskis Sturmpartner Novakovic fehlte erneut. Solbakken musste die Viererkette erneut umbauen. Die Innenverteidigung bildeten wiederum die Neuzugänge Sereno und Jemal, die allerdings gegen Hannover noch einen ansprechenden Auftritt geboten hatten (Kicker-Noten 3 und 2). Gestern kamen sie wie ihre Kollegen im Strafraum immer wieder zu spät, standen falsch und machten es der wiedererblühten schwarz-gelben Offensive leicht. Exemplarisch war vor allem das 4:0, bei dem die Kölner für Robert Lewandowski Spalier standen. Mindestens ebenso erschreckend aus Geißbock-Sicht: Die Gäste kamen kaum über die Mittellinie und verzeichneten in der 86. Minute durch Podolski ihren einzigen Torschuss, bei dem Weidenfeller immerhin klären musste.
Auf Dortmunder Seite waren es gerade die Dinge, die am Mittwoch am wenigsten funktioniert hatten, die zum hohen Sieg beitrugen. Das zentrale Mittelfeld mit Kehl und Bender eroberte reihenweise Bälle und übte fast 90 Minuten lang totale Dominanz aus. Gleichzeitig waren die Offensivkräfte beweglich und anspielbereit, so dass die Pässe in die Spitze häufig ihr Ziel fanden. Es gab zusätzlich sogar eine Menge Fehlpässe – ohne die hätte das Spiel noch deutlich höher ausgehen können. Wie schon angedeutet: die allesamt gut aufgelegten Großkreutz, Kagawa, Götze, Lewandowski, später Kuba, genossen auch viel zu viel Freiraum.
Bezeichnend war das 2:0. Es war Bender, der im Strafraum mit tollem Einsatz für Marcel Schmelzer auflegte. Der erzielte mit rechts aus 15 Metern sein erstes Ligator. Zuvor hatten schon Kagawa und Götze die Abwehr schwindlig gespielt. Die voreiligen Lewandowski-Kritiker – die vermutlich am Anfang auch Barrios kritisiert haben – sollten nach seinen zwei Toren gestern erst mal ruhig gestellt sein. Während das 3:0 ‘nur’ ein Abstaubertor nach erneuter Vorlage von Bender war, tankte sich Robert beim nächsten wie erwähnt zielstrebig durch die Abwehr. Der fünfte Treffer war der schönste. Von der Grundlinie lupfte Kuba den Ball mit viel Übersicht zurück auf den heranstürmenden Kehl, der mit einem Kopfballtor seine starke Leistung krönte.
Es gab fast nur Gewinner beim BVB. Schmelzer ist wieder in der Spur, da kam einfach der Einsatz am Mittwoch zu früh. Noch besser gefiel mir auf der anderen Seite Piszczek, vor allem im Spiel nach vorne. Großkreutz und Kagawa haben sich zurückgemeldet. Götze, Lewandowski und Bender waren zwar nie weg, steigerten sich aber ebenfalls gegenüber Piräus. Einer der wenigen ‘Verlierer’ könnte Ilkay Gündogan sein. In den letzten 20 Minuten, in denen er mitspielen durfte, konnte er nicht viel ausrichten. Sebastian Kehl hat eindeutig Ansprüche angemeldet und ist gegen viele offensivere und stärkere Gegner eine ernsthafte Alternative. Wäre ich Klopp, würde ich Gündogan gegen Dresden noch eine Chance geben. Moritz Leitner hat sich bei seinem halbstündigen Einsatz gegen geschlagene Kölner nicht übermäßig aufgedrängt.
Für die schwarz-gelbe Fangemeinde war die Partie trotz Einseitigkeit natürlich ein Fest und eine Versöhnung (wenn es die überhaupt gebraucht hat). Einige Spieler stehen noch in der Pflicht, diese Leistung zu verstetigen, aber zumindest in der Liga gibt es keinen Grund, pessimistisch zu sein. Nicht mal die Bayern sind unschlagbar – in Hannover kann man mal verliern. Das soll selbstverständlich keine Kampfansage sein.
Die Aufstellung: Weidenfeller (7) – Piszczek (8), Subotic (7), Hummels (8), Schmelzer (7) – Bender (9) (57. Leitner (6)), Kehl (8) – Götze (7) (46. Kuba (8)), Kagawa (8) (71. Gündogan), Großkreutz (8) – Lewandowski (8). Gelbe Karten: Subotic, Kehl. Tore: Kagawa, Schmelzer, Lewandowski (2), Kehl
Die neue Borussia und die Champions League
Halbzeit in der Champions League – zumindest für den BVB. Es gibt Redebedarf. Vor der Saison hatte ich keine großen Erwartungen an diesen Wettbewerb und unsere Mannschaft darin. Dann kam die Auslosung und plötzlich erschien der dritte Platz mehr als realistisch, fast schon ein Mindestziel. Am Tag nach der Pleite von Piräus sollte man deshalb noch mal darauf hinweisen, dass die Gruppengegner der Schwarz-Gelben nicht ohne Grund einen besseren UEFA-Koeffizienten haben. Dieser beweist nicht, dass die Mannschaften wirklich besser sind – wohl aber, dass sie mehr Erfahrung im Europapokal haben.
Die Borussia hat trotzdem die Erwartungen enttäuscht. Nach dem Auftakt gegen Arsenal, als es bis auf die Chancenverwertung nichts zu meckern gab, hat sie spielerisch abgebaut. In Marseille war es vor allem die Defensive, in Piräus hat nur noch wenig funktioniert. Einen wesentlichen Grund hat Dirk Krampe in den „Ruhr Nachrichten“ genannt: „Dortmunds Umschaltspiel war haarsträubend“. Wenn man sich fragt, wie die vielen Fehler in der Defensive zustande kommen – und das ist keine leichte Frage – erscheint diese Erklärung plausibel. Das Umschalten von Defensive auf Offensive und umgekehrt ist ein Problem. Die Innenverteidiger stehen hoch und übernehmen teilweise sogar den Spielaufbau. Das defensive Mittelfeld, dessen Aufgabe das eigentlich wäre, funktioniert zurzeit nicht wie gewünscht. Sven Bender gibt sein bestes, ist aber überfordert, wenn sein Nebenmann – gestern Ilkay Gündogan – nicht in Form ist. Und Manni ist auch nicht der Mann, der die Pässe punktgenau über das ganze Spielfeld verteilen kann.
Wenn das ‘Scharnier’ zwischen Viererkette und Kreativabteilung nicht funktioniert, fehlt der Mannschaft insgesamt die Abstimmung, der Takt. So werden die Offensivspieler von langen Bällen und ungenauen Pässen aus der Abwehr überrascht und diese zeigt sich wiederum anfällig bei plötzlichen Ballverlusten weiter vorne. In Piräus herrschte daher beim Zurückziehen der Viererkette mehrmals Unordnung, das Stellungsspiel schien fast dem Zufall geschuldet. Allerdings war am zweiten und dritten Treffer der Griechen niemand anders schuld als die Defensivkräfte. Die Tore entstanden aus einem Einwurf und einem Freistoß.
Ein Lösungsansatz für die Problematik wäre, die Viererkette wieder traditioneller und tiefer spielen zu lassen. Nicht in jedem Spiel – nur in der Champions League und gegen starke Gegner. Klopp würde den Spielern damit mehr Zeit zum Luft holen und zur Konzentration auf die eigentlichen Aufgaben geben. Diese Spielweise würde von den Fans Geduld erfordern, weil sie nicht so spektakulär wäre wie das, was wir vor allem in der letzten Saison gesehen haben. Das zentrale Mittelfeld müsste wieder mehr von außen unterstützt werden, so dass sich in diesen Partien ein traditionelles 4-4-2-System anböte. Mit Barrios in der Spitze und Lewandowski als Nebenmann oder knapp dahinter – eine ansprechende Vorstellung.
Selbstverständlich obliegt die Tiefenanalyse dieser ersten drei CL-Spiele Jürgen Klopp und seinem Team. Nur sie haben alle Fakten und nur sie können reagieren. Als Beobachter kann man feststellen, dass den Verein sportlich ein weiteres Jahr in der Europa League womöglich weitergebracht hätte als diese CL-Kampagne. Es wäre der Entwicklung der Mannschaft und des Trainers angemessener gewesen. Auch Klopp hätte unter Umständen früher taktische Flexibilität zeigen und mehr zwischen Bundesliga und Champions League differenzieren sollen. Klar ist jedoch ebenso, dass die Teilnahme an der Königsklasse eine tolle Erfahrung und aus finanziellen Gründen unverzichtbar ist. Und der Traum von der Europa League ist schließlich noch erfüllbar.
Die Fehlerkette wird länger
Champions League, 3. Spieltag / Olympiakos Piräus 3 BVB 1
Würde man die groben Fehler der Dortmunder Defensive aus den ersten drei Champions League-Begegnungen zusammenschneiden, hätte man eine ansehnliche Lehr-DVD beisammen. Beim Spiel in Piräus boten die Schwarz-Gelben erneut Anschauungsunterricht in schlechtem Stellungsspiel, Orientierungslosigkeit, schwachem Timing bei Kopfbällen und gegnerischen Freistößen. Die zweite Auswärtsniederlage gab es jedoch auch, weil in der zweiten Halbzeit nur noch selten Angriffe über mehrere Stationen gelangen.
Im nachhinein kann man wieder über Jürgen Klopps Aufstellung diskutieren. Es hätte einiges dafür gesprochen, sich an den bisherigen CL-Spielen zu orientieren und angesichts der unsicheren Defensive mit Sebastian Kehl einen weiteren defensiv orientierten Mittelfeldspieler aufzustellen. Dass es ein Fehler sein würde, auf den kreativen Shinji Kagawa zu setzen und Kevin Großkreutz zunächst draußen zu lassen, war dagegen nicht direkt absehbar. Marcel Schmelzer hatte keinen guten Tag, möglicherweise hätte er sein Comeback eher beim Heimspiel gegen Köln geben sollen.
Für einige Minuten sah es richtig gut aus. Die Borussia war permanent auf dem Weg nach vorne und wirkte hoch überlegen. Nur um beim ersten Gegenangriff gleich wieder einen Treffer zu kassieren. Die ersten zehn Minuten der Partie brachten somit die bisherige CL-Kampagne des BVB auf den Punkt. Leider bleibt auch die Art der Gegentore peinlich. Beim 0:1 klärte zunächst Bender im Zentrum einen Ball nur auf den Flügel – er machte insgesamt eines seiner schwächeren Spiele in schwarz-gelb. Gündogan konnte den flankenden Marcano nicht mehr rechtzeitig erreichen. Hummels und Schmelzer verloren Holebas etwas aus den Augen und waren so schlecht postiert, um den Ball zu klären. Marcel machte in dieser Szene den entscheidenden Fehler, der aber nur das Ende einer Kette war.
Ähnlich wie später beim 1:2, als erst Mirallas mehrere Schwarz-Gelbe stehen ließ und nach dessen Pass Djebbour noch Hummels und Subotic regelrecht austanzte. Erstaunlich war, wie viele Borussen auch gestern wieder ausrutschten. Neben Mats in dieser Szene gab es drei, vier weitere Malheure gleicher Art. Um die Fehlerbesprechung abzuschließen, gleich noch zum 1:3. Es war ein Standard-Freistoß von der linken Seite, es gab kein großes Durcheinander im Strafraum und trotzdem wurde Kopfball-Torschütze Modesto nicht eng genug gedeckt. Jürgen Klopp ging es nach dem Spiel wie mir: eine Fehleranalyse konnte und wollte er noch nicht abgeben und beließ es bei einer Aufzählung.
Zwischendurch hatten die Schwarz-Gelben nie resigniert und waren Mitte der ersten Hälfte verdient ins Spiel zurückgekommen. Götze, erneut kreativster Mann beim BVB, hatte von links flach zu Lewandowski geflankt, der den Ball gut verarbeitete und mit einem satten Schuss ins linke Eck den Ausgleich erzielte. Trotzdem blieb schon in der ersten Hälfte im Aufbauspiel der Gäste vieles Stückwerk. Kagawa kam mehrere Male zum Abschluss, vergab mehr oder weniger kläglich und trug ansonsten nicht viel zum Offensivspiel bei. Mario Götze ging in einer Szene eigensinnig allein aufs Tor, obwohl er besser abgespielt oder zumindest rechtzeitig geschossen hätte. Allerdings hätte es in dieser Situation durchaus Elfmeter für die Borussia geben können, denn am Ende wurde Mario im Strafraum von den Beinen geholt.
Der Einsatz, den die Spieler zeigten, zahlte sich mit fortlaufender Spieldauer immer weniger aus. Olympiakos-Trainer Valverde dürfte seiner Mannschaft in der Halbzeitpause eine unmissverständliche Botschaft mitgegeben haben: die Führung nicht mehr so schnell herzuschenken. In der zweiten Hälfte standen die Rot-Weißen kompakt und sehr tief. Sie machten wenige Fehler und begnügten sich mit einzelnen Vorstößen. Der Borussia fiel gegen diese Taktik viel zu wenig ein. Es gab nur noch zwei erwähnenswerte Offensivaktionen: Olympiakos-Torwart Constanzo musste aus dem Tor eilen, um gegen den heranstürmenden Lewandowski zu klären. Und Kuba schoss nur Sekunden nach seiner Einwechslung überhastet knapp neben das Tor. Moritz Leitner, der nach einer knappen Stunde für den schwachen Gündogan gekommen war, brachte nur kurzfristig etwas Schwung ins Spiel.
Mit der zweiten Pleite in der dritten Partie hat sich der BVB zu 90% aus dem Rennen um die ersten beiden Plätze verabschiedet. Der späte Sieg von Arsenal war natürlich ebenfalls stark kontraproduktiv. Selbst Platz 3 wird mit der Leistung von gestern nicht zu erreichen sein. Die letztendlich doch etwa 1000 BVB-Fans im Stadion hätten mehr verdient gehabt. Man kann Jürgen Klopp und seinen Helfern nur viel Glück bei der Spielanalyse wünschen, die nicht einfach wird. Mutige Personalentscheidungen könnten für die nächsten Spiele in der Champions League ein Mittel sein, um sich noch würdig zu verabschieden.
Die Aufstellung: Weidenfeller (6) – Piszczek (6), Subotic (4), Hummels (5), Schmelzer (4) – Gündogan (5) (57. Leitner (6)), Bender (6) – Götze (7) (82. Großkreutz), Kagawa (5) (66. Kuba), Perisic (5) – Lewandowski (6). Gelbe Karte: Schmelzer. Tor: Lewandowski.
Nie mehr zweite Liga! Oder für immer.
Mehrere ausländische Eigentümer von Fußballvereinen der englischen Premier League sollen dafür sein, Ab- und Aufstiege komplett abzuschaffen. Diese Nachricht hat in den Medien auf der Insel hohe Wellen geschlagen. Kein Wunder, denn würde der Plan wahr, würde sich das diffuse Unbehagen, das viele Fans angesichts der momentanen Besitzverhältnisse hegen, in einen realen Albtraum verwandeln.
Man muss jedoch vorsichtig sein. Die Meldung basiert auf den Aussagen des Vorsitzenden des englischen Profitrainer-Verbandes, Richard Bevan. Er spricht davon, dass eine Reihe von Vereinen in ausländischem Besitz über die Pläne diskutieren. Genaue Zahlen oder Namen nennt er nicht, sagt aber, dass vier oder fünf weitere Vereine reichen könnten, um die notwendige Mehrheit für einen Beschluss zu erreichen. Diese liegt bei 14 (von 20 EPL-Clubs). Die BBC hat die Vereine mit Eigentümern aus ‘Übersee’ aufgelistet: Aston Villa, Blackburn, Chelsea, Fulham, Liverpool, Manchester United und City, Sunderland und Queens Park Rangers. Bei Arsenal hält der Amerikaner Stan Kroenke eine Anteilsmehrheit.
Egal wie akkurat die Aussage von Bevan ist – zu einer Abschaffung der Auf-/Abstiegsregelung wird es nicht kommen. Es ist unvorstellbar, dass der englische Fußballverband (FA), der für die gesamte Sportart verantwortlich ist, die nötige Zustimmung geben würde – selbst wenn es in der Premier League eine Mehrheit dafür gäbe. Man kommt also nicht umhin, die Meldung als Sturm im Wasserglas zu bezeichnen.
Sie trifft jedoch aus ernstzunehmenden Gründen auf großen Widerhall. Wenn sich amerikanische und andere Eigentümer wirklich Gedanken über eine geschlossene Premier League machen – vermutlich inspiriert durch den nordamerikanischen Profisport – dann zeugt das von einer groben Missachtung der Tradition und eines wesentlichen Elements des Fußballs. Die Bedenken, die Fußballfans nicht nur in England gegen fachfremde Investoren haben, bekämen weitere ernste Grundlagen. Gerade erst hatte der Geschäftsführer des FC Liverpool, Ian Ayre, die dezentrale Auslandsvermarktung der Fernsehrechte gefordert. Analog zu Spanien wären die Topclubs dann in der Lage, ein Vielfaches von dem, was die kleinen Vereine bekämen, aus dem Verkauf der Rechte zu erlösen.
Beide Vorschläge werden glücklicherweise auf absehbare Zeit nicht mal die erforderliche Mehrheit in der Premier League bekommen. Die Ablehnung kommt von beiden Enden der Tabelle: Sir Alex Ferguson hat die jüngste Idee ebenso klar verworfen wie Dave Whelan, der Vorsitzende von Wigan Athletic. Ganz unabhängig davon, wer die Idee einer geschlossenen Premier League wirklich vertritt und welche Nationalität er hat – die englischen Regeln des Sports sind im wesentlichen gut und müssen beibehalten werden. Selbst wenn die Debatte im Mutterland aufgrund fehlender Substanz bald wieder abebben dürfte: sie erinnert uns einmal mehr daran, wie gut wir es auch mit der leicht modifizierten 50+1-Regel haben.
P.S. Bei „Twohundredpercent“ beschäftigt sich einer der besten Fußballblog-Beiträge, die ich bisher gelesen habe, mit demselben Thema.
Treffen der Generationen
1. Bundesliga, 9. Spieltag / Werder Bremen 0 BVB 2
Im Bremer Weserstadion kam es gestern zum Treffen der alten und neuen vermeintlichen Bayern-Jäger. Borussia Dortmund hatte den Jagdschein aufgrund der Verdienste der letzten Saison quasi ehrenhalber von den Medien erhalten und setzt sich eher für eine temporäre friedliche Koexistenz ein. Die Gastgeber hatten den Liga-Platzhirschen in den letzten Jahren das eine oder andere Mal einen ins Fell gebrannt und gaben sich in den letzten Tagen in Person von Klaus Allofs bereits wieder verhalten optimistisch ob ihres Jagdglücks. Aber liebe Bremer: Wer die Lizenz als Bayern-Jäger bekommen will, sollte sich nicht wie verwundetes Wild aufführen.
Die Flugeinlagen des Leichtgewichts Marko Marin sind ja sattsam bekannt. Aber auch ein paar andere Bremer Spieler schienen Probleme mit der Schwerkraft zu haben, so dass sie Schiedsrichter Meyer einfach mal unbedrängt zum Schuss kommen ließ – per Freistoß. Was deutlich über das erträgliche Maß an Fehlentscheidungen hinausging, war die Gelb-Rote Karte gegen Ivan Perisic kurz nach der Pause. Weniger wegen der zweiten Aktion, sondern wegen der ersten Verwarnung. In der Szene war Perisic einfach eher am Ball als sein Gegenspieler Sokratis, der Schiedsrichter bewertete jedoch nur den Fall des Griechen. Wenn so was bestraft wird, kann man das Tackling gleich ganz verbieten. In England hätten sie das einen „inch-perfect tackle“ genannt. Viel weniger streng sah der Unparteiische Mayer dagegen taktische Fouls und Schwalben der Bremer – und den Schubser gegen Gündogan im Strafraum.
Der Schiedsrichter sorgte andererseits dafür, dass aus einer ohnehin spannenden, intensiven Partie echter Nervenkitzel wurde. In der ersten Hälfte sahen wir zwei Mannschaften mit offenem Visier. Die zwei hoch stehenden Abwehrreihen sorgten dafür, dass sich das Spiel im Mittelfeld verdichtete und kaum Zeit zum Atem holen blieb. Die vorhandene Defensivqualität (bei Bremen zeigte Naldo ein gutes Comeback in die Startelf) brachte es jedoch auch mit sich, dass Großchancen selten blieben. Lies mehr …
Ein Trikot für jede Gelegenheit
Die Spieler Kevin Großkreutz und Mitchell Langerak haben in dieser Woche das neueste BVB-Trikot vorgestellt. Nach Heim-, Auswärts-, Ausweich- und Champions League-Hemden gibt es jetzt das Derby-Trikot zu kaufen. Das Besondere daran: Dieses Outfit wird die Mannschaft nur im Derby gegen Schalke 04 tragen. Im Brustbereich ziert die Silhouette des Westfalenstadions das Trikot. Ansonsten sieht es wie eine Kreuzung aus Heim- und Auswärtstrikot aus. Ein Trikot für ein Spiel – die Fans dürfen es aber gerne öfter tragen. Sie sollten jedoch Geldbeutel oder Kreditkarte griffbereit halten. Denn obwohl aus BVB-Kreisen verlautet, dass das Derby-Leiberl das letzte Trikot für diese Saison (und vom jetzigen Ausstatter) sein soll, kann „Any Given Weekend“ exklusiv enthüllen, was Kappa und die Merchandising-Abteilung noch planen:
Das Augsburg-Trikot. Für das Auswärtsspiel im bayerischen Schwaben (9.-11.3.2012) ist ein eigenes Hemd geplant. Im Brustbereich wird die Aufschrift „FCA – BVB“ und das genaue Datum des Spiels aufgedruckt sein. Die banale, aber einleuchtende Idee hinter dem Outfit: Da es diese Partie nicht mehr so schnell geben wird, ist das Trikot schon jetzt ein Sammlerstück für echte BVB-Fans.
Das Bayern-Trikot. Zum Heimspiel gegen den Rekordmeister am 10. oder 11. April gibt es ebenfalls ein exklusives Trikot. Die Rückennummer der Spieler wird dabei auf roten Hintergrund gedruckt. Diese Farbwahl ist keine Hommage an die Vereinsfarben der Gäste, sondern von der Gesichtsfarbe von Uli Hoeneß nach Spielen gegen den BVB inspiriert. Im Schulter- und Armbereich wird das bekannte Kappa-Logo durch kleine, schwarze Ferngläser ersetzt.
Das Hoffenheim-Trikot. Dieses Outfit dürfte ein echter Renner werden. Es wird rechtzeitig vor dem Heimspiel der Borussia gegen die TSG Hoffenheim Ende Januar in den Verkauf gehen. Das Trikot weist im Schulterbereich zwei schwarze Applikationen auf, unter denen sich mit Klettverschluss befestigte Ohrstöpsel verbergen. Das Outfit soll auch bei zukünftigen Auswärtsspielen in Sinsheim zum Einsatz kommen.


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