Der Mann unseres Vertrauens
Fast forward to Stuttgart. Aus Zeitgründen entfällt die Berichterstattung zum Pokalspiel. Nur so viel: Es war ein souveräner Sieg mit einem ganz starken Mario Götze. Und es gab zu viele Gäste, die sich nicht benehmen konnten, die es aber auch nicht wert sind, dass ich noch groß auf sie eingehe. Vielleicht mal demnächst in allgemeinerer Form.
Vor der Fahrt nach Stuttgart, die ich auch persönlich antreten werde, soll es um unseren Trainer gehen. Es ist bewundernswert, wie akribisch Jürgen Klopp Spiele analysiert und wie zielsicher er Konsequenzen zieht und Entscheidungen trifft. Man kann hin und wieder einzelne taktische und personelle Entscheidungen von ihm kritisieren – jeder von uns Fans ist ja ein bisschen Trainer. Aber Klopp lernt aus den Fehlern, die er (möglicherweise) begeht und nimmt beinahe immer die richtigen Änderungen vor. Oder schenkt Spielern das Vertrauen – zuletzt Schmelzer, Kagawa, Subotic -, die das zurückzahlen.
In dieser Woche hat der Trainer erkannt, dass “bei uns auf allen Positionen mehr Fußball gespielt wird als im vergangenen Jahr”. Gemeint ist vor allem, dass sich auch die Innenverteidigung um das Aufbauspiel bemüht und häufig hoch steht. So wurde es in den letzten zwei Wochen auch hier diskutiert. Klopps Konsequenz daraus ist, dass er in den kommenden Spielen voraussichtlich auf eine defensiv orientierte Doppel-Sechs mit Sebastian Kehl und Sven Bender setzen wird und der formschwache Ilkay Gündogan zunächst mal draußen ist. Der “Kicker” erklärt die Beweggründe einleuchtend:
Wenn also Innenverteidiger Hummels weiterhin verstärkt als Spielmacher und Passgeber aus der Tiefe auftritt, muss vor ihm nicht zwingend noch ein Gestalter wie in der Vorsaison Sahin agieren.
Hummels Passspiel ist gelegentlich erratisch. Tollen Vorlagen wie gegen Köln stehen manchmal noch unerklärliche Fehlpässe gegenüber. Mit Kehl UND Bender als Stabilisatoren braucht man sich diesbezüglich weniger Sorgen zu machen. Diese Variante wird Klopp jedoch nicht in jedem Spiel zur Anwendung bringen. Gegen sehr defensive Gegner ist eine Rückkehr von Gündogan oder eine Chance für Moritz Leitner möglich. Am Samstag in Stuttgart werden jedoch Kehl und Bender beginnen – wenn sie bis dahin ihre leichten Blessuren wie erwartet auskurieren. Roman Weidenfeller wird wieder im Tor stehen. Für das offensive Mittelfeld stünde Ivan Perisic nach seiner Sperre wieder zur Verfügung. Konkurrent Kevin Großkreutz war gegen Dresden deutlich unauffälliger als gegen Köln. Knappe Sache, die aber vermutlich zunächst pro Kevin ausgeht. Im Sturm wird sehr wahrscheinlich erneut Robert Lewandowski beginnen, wenn ich die Äußerungen Klopps von der PK richtig interpretiere.
Die Schwarz-Gelben erwartet in Stuttgart ein Gegner, der gut in die Hinrunde gestartet ist – alles andere als selbstverständlich bei den Schwaben. Bruno Labbadia scheint aus vorangegangenen Trainerepisoden gelernt zu haben. Momentan legt der ehemalige Stürmer vor allem Wert auf eine stabile Defensive – daran hat es beim VfB längere Zeit gehapert. Die Stuttgarter spielen selten jemand in Grund und Boden, sind aber kompakter und disziplinierter geworden. Ungelegen käme Labbadia ein Ausfall von Serdar Tasci, der im Pokal einen Schlag aufs Knie bekommen hat. Lauftraining konnte der Abwehrspieler heute jedoch absolvieren. In der Innenverteidigung müssen die Schwaben bereits auf Delpierre verzichten. Im Sturm ist Cacau fraglich. Dortmund-Schreck Pogrebnyak wird ebenso wenig spielen können wie Julian Schieber. Gut möglich ist ein Wiedersehen mit Tamas Hajnal, der sich natürlich gegen seinen ehemaligen Arbeitgeber besonders Mühe geben wird.
Ob man die Partie nun als Topspiel bezeichnet oder nicht – es ist in jedem Fall ein ähnlich schweres Auswärtsspiel wie das letzte in der Liga. Sollte der BVB nach Bremen auch Stuttgart bezwingen, hätte man sich vorerst auf den oberen Rängen etabliert und könnte sich relativ gelöst dem nächsten Champions League-Gegner zuwenden. Der VfB wird es uns jedoch mit Sicherheit nicht leicht machen. Um eine Chance auf drei Punkte zu haben, müsste man vermutlich die Leistung aus dem Köln-Spiel wiederholen. Ein offenes Spiel, für Spannung ist gesorgt – wie gemacht für meinen erst zweiten Spielbesuch in dieser Saison.


Für mich ist das Spiel nach Bremen der zweite echte Gradmesser in der Liga. Kehl + Bender stabilisieren die Mannschaft in einem Moment, in dem es immer noch zu viele Ausrutscher gibt. Wenn man es jetzt noch schafft, die Ziehharmonika so tadellos über den Platz zu schieben wie gegen Bremen, dann nehmen wir einen Dreier mit.
Hab Spass vor Ort!
P.S.: “Hummels gelegentlich erratisches Passspiel” … nett … vielleicht auch “volatil”, “diffus” oder “imponderabel” …