Wer hat einen Preis für Uli?
Was mich jetzt wieder gewundert hat: Dortmund wird deutscher Meister, fliegt in der Champions League in hohem Bogen raus – wird aber Mannschaft des Jahres. Ein Jahr vorher wurden wir deutscher Meister, Pokalsieger, waren im Champions-League-Finale, wurden aber nicht Mannschaft des Jahres. (…) Die Relation ist manchmal schon komisch. (Uli Hoeneß im Stern)
Ein guter Verlierer wird der Bayern-Präsident im Leben nicht mehr.
Hinrundenzeugnisse 11/12
Weihnachten – Zeit der Besinnlichkeit und Kontemplation. Zeit, sich Gedanken über die Hinrunde der schwarz-gelben Borussia zu machen und den Spielern ihre Noten zu bescheren. Mir geht es wie vermutlich der großen Mehrheit der Fangemeinde: Ich bin sehr zufrieden. Die Mannschaft hat das berühmte ‘Jahr danach’ bisher besser gemeistert als zu erwarten war. Es gab eine holprige Phase, es gab den Schönheitsfehler Champions League, aber in den Wettbewerben, auf die es ankam, stehen die Schwarz-Gelben prächtig da. Das andere kann sich in den kommenden Jahren noch entwickeln. Die Zufriedenheit schlägt sich selbstverständlich in den Noten der hinreichend eingesetzten BVB-Spieler nieder. Vergeben werden 1-10 Punkte, die Hinrundennote entspricht nicht automatisch dem Schnitt der bewerteten Spiele.
Roman Weidenfeller: Kann er jetzt auch Elfmeter? In Düsseldorf hatte Weidenfeller mal wieder die Gelegenheit, sich gegen fünf Schützen vom Punkt auszuzeichnen und ging endlich einmal als Sieger hervor. Ansonsten war es keine spektakuläre Hinrunde der klaren Nummer 1 im BVB-Tor, was erneut daran lag, dass die Abwehr mit den meisten Problemen fertig wurde. Schnelle Reaktionen inklusive rechtzeitigem Hinauslaufen, gute Strafraumbeherrschung und die richtigen Entscheidungen, wenn es darum geht, zu fausten oder zu fangen, zeichnen Weidenfeller nach wie vor aus. Immer mal wieder gelingt ihm ein schneller Abwurf, der für Gefahr sorgt. Unsicherheiten waren selten, sensationelle Paraden gab es vereinzelt. 7 P. Lies mehr …
Froh und munter
Ich wünsche allen Lesern von „Any Given Weekend“ frohe Weihnachten! Lasst es euch gut gehen! Die Feiertage werde ich unter anderem dazu nutzen, den schwarz-gelben Jungs ihre verdienten Zeugnisse auszustellen und einen Blick nach England zu werfen, wo der Fußball zu dieser Jahreszeit alles andere als ruht.
Dortmund gewinnt Elfmeterschießen
DFB-Pokal, Achtelfinale / Fortuna Düsseldorf 0 BVB 0 (4:5 n.E.)
Das große Drama verpasst. Vielleicht besser so für meine Nerven. In meiner Abwesenheit klappts auch mit dem Elfmeterschießen. Bei Roman und allen Schützen. Notiz an Jürgen Klopp: Das nächste Mal besser einen Innenverteidiger aufstellen, der Spielpraxis auf der Position hat – und sei sie aus der Regionalliga. Danke Jungs, für frohe Weihnachten! Im Viertelfinale wartet Holstein Kiel. Was soll man jetzt dazu sagen? Machbar, oder?
Vergnügungspark Breisgau
1. Bundesliga, 17. Spieltag / SC Freiburg 1 BVB 4
Borussia Dortmund hat ein munteres letztes Ligaspiel 2011 beim Tabellenletzten deutlich gewonnen und dabei schöne Tore geschossen. Manchmal glich die Partie einem Ausflug in den Freizeitpark, wo man Spaß haben und auch mal abschalten und entspannen kann. Gegen einen stärkeren Gegner wäre vermutlich ein anderes Ergebnis herausgekommen.
Die Rückkehr von Kapitän Sebastian Kehl gab dem schwarz-gelben Mittelfeld die erhoffte Stabilität und Ausgewogenheit – abgesehen von einer längeren Phase in der ersten Halbzeit, in der es große Teile der Mannschaft etwas zu ‘freizeitlich’ angehen ließen und durch wiederholte Konzentrationsmängel den engagierten Freiburgern einige gelungene Kombinationen und Torschüsse ermöglichten. Vielleicht tat das frühe 1:0 durch Lewandowski – dem bereits eine Freiburger Großchance durch Putsila vorausgegangen war – dem BVB-Spiel nicht so gut wie normalerweise eine Führung.
Die Borussen hatten durchaus die ein oder andere Kontergelegenheit, aber zwingender zeigten sich in der 34. Minute die Breisgauer. Trotz deutlicher schwarz-gelber Überzahl überwanden sie mit einem Doppelpass die gesamte Abwehr, Rosenthal stand frei und schob den Ball durch Weidenfellers Beine ins Tor. Beim BVB fehlten in der Szene Zuordnung und Reaktionsschnelligkeit. Schuld war unter anderem Kevin Großkreutz, den ich nur wegen des Kontrasts heraushebe. Kevin machte insgesamt kein besonders gutes Spiel, hatte aber in der zweiten Hälfte den brillanten Schuss aus 18 Metern zum 3:1 zu verzeichnen und legte später noch Lewandowski das 4:1 auf.
Apropos. In Abwesenheit von Mario Götze wurde Robert Lewandowski zum wichtigsten Spieler der Partie und unterstrich eindrucksvoll, wie wertvoll er inzwischen für den BVB ist. Es waren gar nicht in erster Linie die beiden Tore – die hätte Mats Hummels auch gemacht, denn es waren einfache Tap-ins, wie man in England sagt. Unser Innenverteidiger erklärte nach dem Spiel treffend wie immer, was den Torjäger ausmacht:
(…) wichtig ist vor allem, wie Robert die Bälle hält, wie er gegen zwei Mann in die Kopfballduelle geht und wie er sich reinhaut. Er ist unglaublich schnell und körperlich robust.
Lewandowski bietet, etwas flapsig gesagt, ein tolles Gesamtpaket. Er ist ein mitspielender Torjäger, der in den letzten Monaten endgültig in der Mannschaft angekommen ist, da er nun zusätzlich zu seinen Fähigkeiten das nötige Selbstbewusstsein hat und die nötigen Laufwege kennt.
Gut für den BVB war gestern zweifellos die erneute Führung kurz vor der Pause. So wie der Anschlusstreffer von Marseille zu diesem Zeitpunkt letzte Woche schlecht war. Das Tor wurde noch während des Spiels kontrovers diskutiert, weil Schiedsrichter Perl die Abseitsentscheidung seines Assistenten überstimmte und weiterspielen ließ, was die Freiburger aber nicht taten. Dadurch waren Kuba und Gündogan frei durch und Letzterer kam in seinem besten Spiel für den BVB zu seinem ersten Tor. Fraglich ist nicht, dass der Schiedsrichter der Chef ist – das hätten die Freiburger wissen können. Es wurde aber aus den Fernsehbildern, die ich bisher gesehen habe, nicht deutlich, von wem Rosenthals Rückpass zu Kuba abgefälscht wurde – einem Dortmunder oder einem Freiburger.
In der zweiten Halbzeit hielten die Freiburger noch eine Weile gut dagegen, was sich am Ende auch in der Torschuss-Statistik (14:11) ausdrückte. Doch die Schwarz-Gelben machten weniger Fehler und brachten ihre Qualität zunehmend auf den Rasen. In besonderem Maße galt das für Shinji Kagawa, der wie Lewandowski ohne Götze noch mehr im Mittelpunkt stand. Er war an drei der vier Tore maßgeblich mit tollen (Doppel-)Pässen beteiligt. Die Entstehung der Treffer unterstreicht auch, dass in Freiburg bei Schwarz-Gelb viel durch die Mitte passierte. Schmelzer machte links hinten eine gute Partie und Kuba überzeugte im rechten Mittelfeld zumindest phasenweise, aber die deutlich gefährlicheren Spielzüge liefen durchs Zentrum.
Am Ende stand ein überzeugender Sieg, der dann doch viel Vergnügen bereitet hat. Der Qualitätsunterschied war einfach zu groß. Man darf nicht vergessen, dass bei den Freiburgern auch noch Stammspieler Julian Schuster fehlte, der in etwa die Position und Bedeutung von Sven Bender für die Breisgauer hat. Personalsorgen könnte der BVB am Dienstag bekommen. Zusätzlich zu den schon fehlenden Spielern könnten beim Pokalspiel in Düsseldorf Felipe Santana und Marcel Schmelzer ausfallen. Santana humpelte in der 71. Minute nach einem Foul des schon verwarnten Rosenthal vom Platz und wird morgen eingehender untersucht. Schmelzer wurde erneut wegen muskulärer Probleme im Oberschenkel ausgewechselt und spricht davon, dass es bis Dienstag „sehr eng“ wird. Im Fall der Fälle könnte Neven Subotic ein vorzeitiges Comeback mit Gesichtsmaske feiern und Chris Löwe oder Patrick Owomoyela für Schmelle einspringen.
Das Pokalspiel wird bestimmen, wo sich die BVB-Waage hinneigt. Ein Ausscheiden wäre kein Weltuntergang und in der Liga stehen die Schwarz-Gelben hervorragend da. Trotzdem wären zwei vergeigte Wettbewerbe ein herber Dämpfer. Obwohl eine schwere Auswärtsaufgabe bevorsteht, kann man im Pokal mehr von der Mannschaft erwarten als in der Champions League. Das Spiel in Freiburg hat Mut gemacht.
Die Aufstellung: Weidenfeller (7) – Piszczek (6), Santana (7) (71. Perisic), Hummels (6), Schmelzer (7) (62. Owomoyela) – Gündogan (7), Kehl (6) – Kuba (7), Kagawa (9), Großkreutz (6) – Lewandowski (9). Gelbe Karte: Lewandowski. Tore: Lewandowski (2), Gündogan, Großkreutz
Eines dieser Spiele
1. Bundesliga, 16. Spieltag / BVB 1 FC Kaiserslautern 1
Eine kurze Zusammenfassung dieser nun schon drei Tage zurückliegenden Partie: Es war eines dieser Spiele. In denen die eine Mannschaft hoch überlegen ist, aber aus den besten Chancen – inklusive dreier Alutreffer – nur ein Tor macht. Und die andere Mannschaft mit einem Sonntagsschuss die gleiche Ausbeute erzielt.
Das soll nicht die Leistung der Gäste aus Kaiserslautern schmälern. Die haben das Beste aus ihren Ressourcen gemacht und da muss man eben Glück haben, um aus Dortmund etwas mitzunehmen. Wie so häufig gegen Schwarz-Gelb spielte auch der gegnerische Torwart wieder eine wichtige Rolle. Bei der Borussia war trotz der zahlreichen Chancen phasenweise deutlich zu erkennen, dass die Besetzung des zentralen Mittelfelds mit Ilkay Gündogan und Toni da Silva alles andere als optimal ist. Da Silva kam in der ersten Halbzeit überhaupt nicht ins Spiel, lief nur hinterher und brauchte fast eine Stunde, bis ihm mal ein, zwei gelungene Pässe glückten. Mario Götze wurde von Jürgen Klopp lange geschont – offensichtlich nicht zu Unrecht, denn während seines 25-minütigen Einsatzes rissen ihm irgendwelche Muskelfasern und der kreativste Dortmunder fällt für die beiden letzten Pflichtspiele des Jahres aus.
Wenn es im Rückblick auf dieses Spiel und im Vorgriff auf das nächste etwas Positives zu vermelden gibt, dann ist es die wahrscheinliche Rückkehr von Sebastian Kehl zur Partie in Freiburg. Der Kapitän könnte die Balance im Mittelfeld wiederherstellen und den BVB noch mal zu drei Punkten spielführen.
Die Aufstellung: Weidenfeller (6) – Piszczek (4), Santana (7), Hummels (7), Schmelzer (6) (77. Owomoyela) – Gündogan (6), da Silva (4) (73. Perisic) – Kuba (7) (66. Götze), Kagawa (7), Großkreutz (6) – Lewandowski (6). Gelbe Karte: Gündogan. Tor: Kagawa
Der Herr der Katzen
Selten ist ein Trainer so einhellig willkommen geheißen worden wie Martin O’Neill, der neue Mann auf der Bank beim englischen Premier League-Club AFC Sunderland. Und das nicht nur, weil die Fans seinen Vorgänger Steve Bruce unbedingt loswerden wollten. Martin O’Neill kehrt nach einer kleinen Auszeit zurück auf die große weltweite Bühne – es gibt vermutlich einige Vereine, die ihn bereits zuvor verpflichten wollten. Gelandet ist der 59-jährige mit dem sehr guten Ruf bei dem Club, den er bereits als Schuljunge unterstützte.
Der AFC Sunderland ist seit Ende der 1950er ein Verein, der zwischen der ersten und zweiten Liga pendelt – mit einem kurzen Ausrutscher in Liga 3. Inzwischen sind die ‘Black Cats’ seit vier Jahren erstklassig und wollen das wenig überraschend bleiben. 2009 übernahm der amerikanische Miliardär Ellis Short den Club und stellte finanzielle Mittel für Verstärkungen zur Verfügung – die man jedoch nicht mit den Summen vergleichen kann, die die Top 5 ausgeben. Für eine Rekordsumme von elfeinhalb Millionen Euro kam Stürmer Darren Bent nach Sunderland, der den Verein jedoch im Januar diesen Jahres für mehr als das zweieinhalbfache wieder verlassen hat.
Diese Personalie skizziert das Problem, das nicht nur in England Vereine haben, die realistisch gesehen nur um einen Mittelfeldplatz mitspielen können. Selbst wenn etwas Geld zur Verfügung steht, müssen die Mannschaften ständig umgebaut werden, weil manche Spieler dem Club regelrecht entwachsen und zu größeren Vereinen wechseln möchten. Neben Bent verließ in diesem Jahr ein weiterer Stürmer mit klangvollem Namen die Black Cats: Der ghanaische Nationalstürmer Asamoah Gyan spielt derzeit lieber bei Al Ain in den Vereinigten Arabischen Emiraten, wohin er für ein Jahr ausgeliehen ist. Lies mehr …
Unsere wahre Liebe
Borussia Dortmund hat am Sonntag den letzten Auftritt des Jahres im heimischen Westfalenstadion. Im einzig wahren Wettbewerb, der ersten Fußball-Bundesliga. Fast alle Glanzpunkte, die der Verein in den letzten 1 1/4 Jahren gesetzt hat, gab es im Ligabetrieb. Der Alltag scheint dieser Mannschaft am besten zu liegen und das ist fürs Erste ok.
Auf dem Papier kommt zum letzten Heimspiel 2011 ein dankbarer Gegner nach Dortmund. Der 1.FC Kaiserslautern ist Tabellen-16. und seit fünf Spielen sieglos. Im letzten Jahr wurden die Lauterer mit 5:0 nach Hause geschickt. Allerdings sind die Erfolge der Vergangenheit vor allem eines: vergangen. Der FCK ist besser in die neue Saison gestartet, als zu vermuten war, findet sich nun aber doch in der Abstiegsregion wieder. Respekt verdient die Ruhe, die im Verein unabhängig von der sportlichen Situation herrscht. Der Vorstandsvorsitzende Stefan Kuntz und seine Kollegen lassen Trainer Marco Kurz walten. Allen scheint bewusst, dass die Situation in der Bundesliga nur prekär sein kann.
Beim FCK werden übermorgen einige Spieler aus der zweiten Reihe, wie Neuzugang Gil Vermouth, verletzt fehlen. Kurz werden jedoch weniger diese Personalien als vielmehr die Sturmflaute Kopfzerbrechen bereiten. Selbst die vielversprechendsten Stürmer Dorge Kouemaha und Itay Schechter haben erst zwei bzw. drei Tore erzielt. Zwei Tore kann auch Kapitän Christian Tiffert vorweisen, der die unumstrittene Führungsfigur der Mannschaft ist, auch wenn er nicht den oft geforderten klassischen ‘Leader’ darstellt.
Die Borussia wird sich voraussichtlich einem spiegelbildlichen Spielsystem und einer defensiv orientierten Taktik gegenübersehen. Lautern wird versuchen, kompakt zu stehen, im letzten Drittel die Räume eng zu machen und bei schwarz-gelben Ballverlusten schnell nach vorne zu spielen – wie die meisten Gegner im Westfalenstadion. Die Hauptsorge für den BVB wird sein, das Mittelfeld geschickt zu überbrücken und sich nicht im Netz der roten Teufelsspinne zu verfangen. Große Bedenken hinsichtlich unserer Innenverteidigung oder der Treffsicherheit der Stürmer muss man weniger haben.
Es könnte tatsächlich das Spiel werden, dass Ilkay Gündogan und Toni da Silva nach der Schlappe vom Dienstag brauchen. Sebastian Kehl fällt für Sonntag aus und Jürgen Klopp hat sich quasi schon auf die genannte Besetzung des zentralen Mittelfelds festgelegt. Gegen eine Mannschaft wie den FCK könnten die beiden ihre offensiven Stärken zur Geltung bringen und werden hoffentlich defensiv nicht so stark gefordert sein.
Hinter Mario Götze steht wegen einer Zerrung aus der Champions League noch ein kleines Fragezeichen. Aber um ehrlich zu sein: bei der jetzigen Ausgangsposition sollten wir so oder so gegen Lautern gewinnen. Positiv an den Schwarz-Gelben war unter Klopp immer, dass sie sich von Rückschlägen kaum beeindrucken lassen. Jeder will das letzte Heimspiel vor Weihnachten gewinnen. Fast alles spricht für Dortmund. Jedoch warnt Klopp zu Recht: Mannschaften, die den FCK im eigenen Stadion nicht ernst genug nahmen, haben Probleme gekriegt. Der BVB sollte es besser machen.



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