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Archiv für die Kategorie ‘90 Minuten’

1. Bundesliga, 15. Spieltag / BVB 4 1.FC Nürnberg 0

5. Dezember 2009 Nick Kommentieren

Das Jubiläum kann kommen.

Die Aufstellung: Weidenfeller – Schmelzer, Hummels, Subotic, Owomoyela – Sahin, Bender (46. Santana) – Großkreutz, Zidan (80. Feulner), Kuba (70. Valdez) – Barrios. Tore: Großkreutz, Barrios, Zidan, Hummels.

Wirklich erstaunlich. Das soll die gleiche Mannschaft sein, die vor zwei Wochen im Westfalenstadion nur ein uninspiriertes 0:0 gegen Mainz zustande brachte? Das System ist das gleiche, das Personal beinahe. Würde man das peinliche Pokal-Aus ausklammern, könnte man auch von acht Spielen ohne Niederlage reden – aber das wäre doch etwas schöngefärbt. Beim klaren Sieg heute gegen Nürnberg jedenfalls zeigte der BVB eine beeindruckende Leistung und der FCN eine beeindruckend schwache.

Nur wenige Minuten gestalteten die Nürnberger das Spiel offen und kamen sogar zu ersten Halbchance. Dann passte Sven Bender nach einem schnellen Gegenzug schön auf den links freistehenden Großkreutz, der mit einem flachen, nicht allzu harten Schuss das 1:0 erzielte. Das frühe Führungstor, der erste Treffer des „echten“ Dortmunders Großkreutz – man ahnte schon, dass das ein schöner Samstagnachmittag werden könnte. Nur wenige Minuten später kam die Bestätigung durch das 2:0. Owomoyela, der heute zumindest offensiv ausgesprochen positiv auffiel, flankte von rechts. Lucas Barrios schießt den Nürnberger Ersatztorwart Stephan an, von dem der Ball wiederum an Lucas Bein prallt und von dort ins Tor springt. Mehr Instinkt als Können – aber wen kümmerts? Die Schwarz-Gelben hatten endlich mal früh eine deutliche Führung herausgespielt.

Dass der 1. FC Nürnberg heute so desolat auftrat, hatte sicherlich mit diesem frühen Schock zu tun. So ähnlich erging es dem BVB in Hamburg, wobei die Gäste heute noch schlechter spielten. Obwohl unsere Mannschaft sich nach der beruhigenden Führung erst mal ein wenig ausruhte, gelang den Nürnbergern fast nichts Zwingendes nach vorne. Gerade unsere Außenverteidiger sahen in dieser Phase defensiv schwächer aus als gegen Hoffenheim – dafür überzeugten innen erneut Subotic und Hummels, im Gegensatz zur Gäste-Offensive.

Wie man es besser macht, zeigten Barrios und Zidan, die beiden einen sehr guten Tag erwischten. Einen harten Schuss von Barrios in der 36. Minute konnte Stephan nur zur Seite abwehren, Zidan nahm den Ball volley im Fallen und erhöhte auf 3:0. Ja, Barrios hätte heute noch mehr aus seinen Chancen machen können, Zidan war in ein paar Szenen wieder etwas eigensinnig. Aber beide waren sehr gut im Spiel, schossen nicht nur, sondern legten auch Bälle auf.

In der zweiten Hälfte ging das so weiter. Außer der Einwechslung von Santana für Bender (aus noch nicht bekannten Gründen) änderte sich wenig am Dortmunder Spiel. Großes Engagement und teilweise sehr gelungene Kombinationen gegen eine Nürnberger Defensive, die trotz +5 Grad im Westfalenstadion wie eingefroren wirkte, viel zu statisch für die Bundesliga. Wie immer hätten die Schwarz-Gelben nur ihre Chancen besser nutzen müssen, dann wäre der verdiente höhere Sieg auch Realität geworden. Hummels köpfte knapp neben das Tor, Barrios und Zidan vergaben mehrfach. Mats Hummels, der für Bender ins defensive Mittelfeld gerückt war, machte es aber zwischendurch besser. Nach einem Schuss von Owomoyela, den Stephan wieder nur abprallen lassen konnte, köpfte unsere Nummer 15 über den Torwart zum Endstand ein.

Das 4:0 fiel bereits in der 62. Minute und es wäre noch mehr rauszuholen gewesen heute, aber man kann der Mannschaft trotzdem nur gratulieren zu der Leistung. Die einzigen mit durchschnittlichen Auftritten waren Schmelzer, Kuba und Weidenfeller, wobei das beim Torwart einzig und allein daran lag, dass er so wenig zu tun bekam. An seine nicht gerade berauschenden Abschläge haben wir uns ja schon gewöhnt. ;-)

Dank der anderen Ergebnisse ist der BVB nun Siebter mit einem Punkt Rückstand auf Platz 5. Das ist nur ein Zwischenstand, aber einer, den ich so vor Weihnachten nicht mehr erwartet hätte. Jetzt stehen noch die Reise nach Wolfsburg und das „Jubiläumsspiel“ gegen Freiburg an. Holt die Mannschaft aus diesen Spielen vier Punkte, wäre der BVB im neuen Jahr doch dabei im Rennen um die internationalen Plätze und könnte am 19. Dezember richtig schön feiern.

1. Bundesliga, 14. Spieltag / TSG Hoffenheim 1 BVB 2

29. November 2009 Nick 2 Kommentare

Aufgeriebene Nerven.

Die Aufstellung: Weidenfeller – Schmelzer, Hummels, Subotic, Owomoyela – Sahin, Bender – Großkreutz, Zidan (80. Feulner), Kuba (90. Santana) – Barrios. Tore: Kuba, Sahin (FE).

Das ist die wunderbare Welt des Fußballs. Nach einem desillusionierenden Spiel letzte Woche gegen Mainz gelingt dem BVB nun tatsächlich der Auswärtssieg in Sinsheim und aufgrund der übrigen Ergebnisse ist sogar der Anschluss an Platz 5 wiederhergestellt. Es war ein wahrhaft nervenaufreibendes Spiel, vor allem in der zweiten Halbzeit, aber nach dem guten Ausgang weiß man das dann zu schätzen. Sven Bender war wieder einsatzfähig und kehrte ins defensive Mittelfeld zurück, so dass Mats Hummels und Neven Subotic wieder das Erfolgsduo in der Innenverteidigung bilden konnten. Für den verletzten Nelson Valdez kam Kevin Großkreutz zu seinem ersten Einsatz von Beginn an.

Letzte Woche gegen Mainz wartete man über 90 Minuten vergeblich, gestern konnten die BVB-Fans schon nach zwei Minuten jubeln. Nach einem Ballverlust von Salihovic spielt Sahin den Ball auf Barrios, der sehenswert in den Lauf von Kuba weiterleitet. Der war zuletzt eher Chancentod als Vorbereiter oder gar Vollstrecker, aber gestern gelang ihm mit einem souveränen Schuss die Führung. In der Folge war Hoffenheim erwartungsgemäß die spielbestimmende Mannschaft, strahlte aber überraschend wenig Torgefahr aus. Natürlich lag das zu einem großen Teil an der Zweikampfstärke unserer neuen Traum-Innenverteidigung. Mats und Neven trugen erheblich mehr zur defensiven Stabilität bei als die Außenverteidiger Schmelzer und Owomoyela.

Nach vorne war das Spiel der Schwarz-Gelben auch gestern nicht so berühmt. Viele Angriffe werden nach wie vor durch ungenaue Pässe zunichtegemacht, aber das kann noch werden. Wenn das Spiel gestern für Kuba eine Initialzündung war oder wenn Nuri Sahin noch konstanter wird. Es ist aber erstaunlich, wie viele Ausfälle die Mannschaft durch Engagement und Leidenschaft wettmachen kann. Wir haben schließlich gegen ein Hoffenheim in Beinahe-Bestbesetzung gespielt. Diese Einstellung verkörpert der Trainer – das sollte man nach diesem tollen Sieg mal wieder betonen. Mehr …

1. Bundesliga, 13. Spieltag / BVB 0 FSV Mainz 0

22. November 2009 Nick Kommentieren

Mit Unentschieden lässt sich nichts gewinnen.

Die Aufstellung: Weidenfeller – Schmelzer, Santana, Subotic, Owomoyela – Sahin, Hummels – Valdez (70. Großkreutz), Feulner (62. Zidan), Kuba (88. Götze) – Barrios.

Seien wir realistisch: So wie es läuft wird der BVB in dieser Saison nichts holen. Die Chance auf eine weitere Fahrt nach Berlin wurde leichtfertig vergeben und Platz 5 in der Liga ist momentan utopisch. Nicht weil der Abstand schon so groß wäre – fünf Punkte sind selbstverständlich aufzuholen – sondern weil die Konstanz komplett fehlt. Leistungen, die Hoffnung auf einen Europapokal-Platz machen sind selten. Ein gutes 1:1 in Bremen hilft uns wenig weiter, wenn danach ein schwaches 0:0 gegen Mainz folgt.

Ja, wenn alle Leistungsträger unverletzt und fit wären… aber wann sind sie das bei uns schon mal? Am Freitag hat sich Dimitar Rangelov mit einem Mittelfußbruch in die Verletztenliste eingereiht. Nicht dass er der große Hoffnungsträger wäre, aber es fehlt eine weitere Alternative, um aktuell leistungsschwache Spieler wie zum Beispiel Nelson Valdez zu ersetzen.

Die Spieler, die gestern gegen Mainz auf dem Platz standen, können in Bestform um Platz 5 mitspielen. Von der Bestform sind jedoch zu viele weit entfernt. So krankte vor allem das Flügelspiel. Rechts war Owomoyela sogar noch stärker als Kuba – und das will was heißen. Beide gingen jedoch nicht völlig fit in die Partie. Schmelzer und Valdez waren über links nur marginal besser. Und Markus Feulner, der sein Startelf-Debüt gab, wurde von Jürgen Klopp zentral offensiv aufgestellt, obwohl er bekanntlich lieber zentral defensiv spielt. Auf der „10″ konnte er nicht so recht überzeugen – im jetzigen System könnte ich mir einen Positionstausch mit Sahin gut vorstellen.

Die Schwarz-Gelben waren überlegen, aber nicht überzeugend. Vielen Spielzügen mangelte es an Genauigkeit, so dass sie ungefährlich blieben. Der BVB hatte ein Übergewicht im Mittelfeld, dafür fehlte es vorne an Durchschlagskraft. Ausgerechnet Mats Hummels hatte die meisten und besten Chancen, vergab aber knapp oder scheiterte am starken Mainzer Keeper Heinz Müller. Mit Schüssen aus der Distanz versuchte manch anderer Spieler, die fehlende Kreativität zu kompensieren – immer ein schlechtes Mittel gegen einen guten Torwart. Lucas Barrios hatte die ein oder andere vielversprechende Szene, blieb gestern aber ebenfalls glücklos. Die Mainzer kamen ihrerseits zu zwei bis drei guten Chancen – einmal musste Schmelzer für den umlaufenen Weidenfeller klären – taten insgesamt aber zu wenig, um sich mehr als einen Punkt zu verdienen.

Richtig positiv hervorgestochen hat gestern niemand bei Schwarz-Gelb. Am ehesten noch Mats Hummels. Er hatte mit einem schönen Volleyschuss die vielleicht beste Chance des Spiels, ein weiterer Schuss von ihm traf einen Mainzer Spieler im Strafraum am Arm, allerdings aus kurzer Distanz – einen Elfmeter war das nicht wert. Demgegenüber hatte Mats jedoch auch unnötige Ballverluste im Mittelfeld. Die Innenverteidiger, vor allem Neven Subotic, zeigten ebenfalls eine ansprechende Leistung. Leider brachte der Rest nicht das, was nötig ist, um gegen den stärksten Aufsteiger zu gewinnen.

Trotz der gestrigen Leistung ist natürlich nicht auszuschließen, dass der BVB nächstes Wochenende in Hoffenheim ein beachtliches Unentschieden erreicht. In der Tabelle wird uns das aber genauso wenig weiterbringen. Damit muss man unter den gegebenen Umständen finanzieller und personeller Art leben – ich für meinen Teil kann das, auch wenn der Fußball im Frühjahr mehr Spaß gemacht hat.

1. Bundesliga, 12. Spieltag / Werder Bremen 1 BVB 1

8. November 2009 Nick Kommentieren

Gefühlter Sieg in Bremen.

Die Aufstellung: Weidenfeller – Dede, Santana, Subotic, Owomoyela – Sahin, Hummels – Valdez (88. Schmelzer), Zidan (54. Feulner), Kuba (88. Großkreutz) – Barrios. Tor: Barrios.

Heute war so ein Tag, an dem wohl jeder BVB-Fan nach dem Spiel das Stadion, die Kneipe oder den Wohnzimmersessel zufrieden verlassen hat. Obwohl wir in Bremen hätten gewinnen können und das nicht mal unverdient gewesen wäre. Aber die Schwarz-Gelben haben eine tolle zweite Halbzeit gespielt, die einen sehr positiv in die nächste Länderspiel-Pause gehen lässt.

Jürgen Klopp hatte sich bei der Besetzung der Defensive für die erwartete Variante mit Santana (in der IV) und Hummels (im DM) entschieden und lag damit nicht falsch – auch wenn Santana, aber auch Subotic, bei der Bremer Führung nicht gut aussahen. Die Bremer mussten neben Frings auch Pizarro ersetzen, was uns sicher nicht geschadet hat. Wir sahen eine erste Halbzeit, in der die Gastgeber zwar deutlich mehr Ballbesitz, aber kaum mehr Chancen als der BVB hatten. Beeindruckend war die „Lufthoheit“ im eigenen Strafraum – dort entschärfte unsere Defensive viele Bremer Angriffe per Kopf. Nur nicht in der 36. Minute, als Hunt von rechts flanken konnte, zentral niemand klärte und Özil im Rückraum freistand. Roman Weidenfeller ging bei dessen Schuss früh zu Boden, aber Schuld geben würde ich ihm trotzdem nicht.

Es war ein unglücklicher Rückstand, aber auch dem BVB war in der ersten Hälfte wenig nach vorne gelungen. Ein Schuss von Kuba, ein Freistoß kurz vor der Pause von Nuri Sahin, viel mehr war da nicht. Häufig scheiterten die Bemühungen an ungenauen Pässen – da muss ich mal wieder den Namen Owomoyela nennen, den ich nicht so gut gesehen habe wie später das WDR-Fernsehen.

Die zweite Halbzeit war dann für BVB-Verhältnisse eine Offenbarung. Streckenweise wurden die Bremer Serientäter im eigenen Stadion hinten reingedrängt. Die Schwarz-Gelben zeigten sich über die ganzen 45 Minuten sehr engagiert und wach. Und das nicht nur vor dem Ausgleich. Wieder drehte Kuba in Hälfte 2 richtig auf. Nach einem schönen Spielzug legte er quer auf Barrios, der ins Tor schoss. Zu Unrecht entschied der Assistent an der Linie jedoch auf Abseits. Über so was könnte man sich nach einer knappen Niederlage in Bremen aufregen, aber zum Glück kam es anders. Kurz darauf schoss Barrios nämlich wieder ins Tor. Valdez hatte zuvor von halblinks einen heftigen Schuss losgelassen, den Wiese abprallen lassen musste. Lucas Barrios bewies diesen typischen Torjäger-Instinkt, sprintete heran und traf gerade noch rechtzeitig vor Wiese den Ball. Unser „fenomeno“ halt.

Klasse war vor allem, was der BVB danach zeigte. Die Schwarz-Gelben ließen sich eben nicht zurückfallen, sondern hatten das Spiel in der letzten halben Stunde über weite Strecken in der Hand. Der eingewechselte Markus Feulner fügte sich gut ein und entwickelte Druck vor allem über links. Neven Subotic  hätte nach einer Ecke ziemlich freistehend einschießen sollen. Und dann war da noch der Dortmunder Konter nach einem durchsichtigen Versuch von Bremens Rosenberg, einen Elfmeter rauszuholen. Wieder einmal musste Tim Wiese seine Bremer retten: Er parierte einen ordentlichen Schuss von Nelson Valdez. Trotzdem kann ich mir nicht helfen: Ich denke, Barrios hätte den heute auch noch gemacht.

Natürlich darf man eine Mannschaft wie Bremen bis zur letzten Sekunde nicht abschreiben und deshalb war auch niemand ernsthaft enttäuscht nach dem Abpfiff. Das sah einfach gut aus in den zweiten 45 Minuten, das hat Spaß gemacht, das war der BVB in der Frühjahr ‘09-Edition. Man muss heute mal fast alle lobend erwähnen: Dede war mutiger als zuletzt, Subotic und Santana mit wenigen Ausnahmen immer im Bild, Hummels und Sahin zeigten eine souveräne Leistung im defensiven Mittelfeld. Erwähnenswert waren auch die verbesserten Standards von Nuri, nicht nur beim Freistoß kurz vor der Pause. Valdez war (erwartungsgemäß) sehr engagiert und bereitete das Tor vor. Kuba, Barrios und Feulner habe ich schon genannt. Weidenfeller war zur Stelle, wenn er es sein musste. Ich würde ihm wie gesagt so gut wie keine Schuld am Gegentreffer geben. Zidan rettete immerhin einmal auf der Linie – was eigentlich nicht seine Hauptaufgabe ist.

Nach einem guten Spiel wie heute stört mich auch die Länderspielpause wenig. Danach wird sich die Personalsituation im Mittelfeld entspannt haben und dann kann auch der kleine Klopp kommen.

1. Bundesliga, 11. Spieltag / BVB 2 Hertha BSC 0

31. Oktober 2009 Nick 1 Kommentar

Wir haben einen Torjäger.

Die Aufstellung: Weidenfeller – Dede (17. Schmelzer), Hummels, Subotic, Owomoyela – Valdez (90. Großkreutz), Sahin, Sven Bender, Kuba – Zidan (70. Rangelov), Barrios. Tore: Sahin (FE), Barrios.

Genau einen. Lucas Barrios, der in der Nachspielzeit mit einem schönen Treffer den Sieg über Hertha endgültig besiegelte. Zuvor hatte man angesichts der schwarz-gelben Chancenverwertung wieder mit dem Schlimmsten gerechnet. Aber wollen wir mal nicht zu viel meckern. Das war gegenüber Dienstag schon wieder ganz ansehnlich.

Auf dem Papier hatte Jürgen Klopp ein 4-4-2 mit „flacher Vier“ aufgestellt, in der Praxis ähnelte das System stark der Aufstellung der letzten Spiele. Zidan ließ sich immer wieder ins Mittelfeld zurückfallen und die Außen Valdez und Kuba starteten erwartungsgemäß zahlreiche Vorstöße nach vorne. Nelson erhielt seine neue Chance nach der äußerst schwachen Leistung von Osnabrück, da Markus Feulner grippebedingt kurzfristig ausfiel – ebenso wie Marc Ziegler und Yasin Öztekin.

Das Spiel begann etwas anders, als man sich das vorgestellt hatte. Mit aggressiven Berlinern, die durchaus mitspielen wollten. So entwickelte sich ein offener Schlagabtausch, jedoch mit wenigen Torraumszenen. Dede musste nach einer Rettungsaktion, bei der er mit Hummels zusammenprallte und dann noch auf den am Boden liegenden Valdez stürzte, ausgewechselt werden. Er hatte sich offensichtlich einiges vorgenommen gestern und war schwer enttäuscht, als er runter musste.

Zur Hälfte der ersten Halbzeit bekam der BVB das Spiel dann in den Griff und die Gäste nahmen die ihnen zugedachte Rolle an: Sie standen tief und warteten auf Konter. Die Chancen für Schwarz-Gelb kamen. Durch den sehr agilen Kuba, der ein gutes Spiel machte; durch Zidan, der wieder an Tunnelblick litt, oder durch Mats Hummels nach einem Freistoß. Kurz nach der Pause konnte Nelson Valdez allein vor dem Tor Jaroslav Drobny nicht überwinden. Wie erwartet lieferte die Berliner Nummer 1 eine tadellose Leistung ab. Andererseits hat sich Nelson in den letzten Partien wieder in sein Alter Ego „Chancentod“ verwandelt. Zu hart? Eigentlich schon, denn der Begriff wird seinen Leistungen, mit Ausnahme von Dienstag, nicht gerecht. Das gleiche Problem hatte ja Florian Kringe in Dortmund – aber lassen wir das Thema heute mal weg. ;-) Valdez hätte gestern übrigens auch einen Elfmeter kriegen können, als Drobny kurz vor der Pause in sein Gesicht anstatt gegen den Ball faustete.

Die Sorgen, dass sich die ausgelassenen Chancen rächen könnten, waren auch gegen Hertha da und sie waren nicht völlig unbegründet – einmal knallte Kacar den Ball aus guter Position übers Tor, später gab es sogar einen Pfostentreffer. Für einen oder drei Punkte war das, was die Gäste anboten, aber zu wenig. Zu viele Fehler und zu wenig Torgefahr gab es da zu sehen.

Die Ausdauer und der Glaube der Schwarz-Gelben wurden in der 60. Minute belohnt. Nach einer Ecke umklammerte Kacar den Hals von Owomoyela und wollte gar nicht mehr loslassen. „Uwe“ versuchte sich zu befreien und fiel dann irgendwann hin. Ob er fallen musste? Wer weiß. Das Foul war klar, trotzdem hätte der Schiedsrichter wohl nicht gepfiffen, wenn er nicht gefallen wäre – weil der Strafraum bei Ecken immer ein Rummelplatz ist. Außerdem musste die Dummheit von Kacar bestraft werden. Nuri Sahin verwandelte den Elfmeter und zeigte damit erneut, dass er für den BVB in Abwesenheit von Kehl und Hajnal ein entscheidender Mann ist.

Der BVB hatte weitere Chancen, scheiterte aber mehrmals an Drobny. Und so musste eben doch bis in die Nachspielzeit gezittert werden – bis Lucas nach Einwurf von Owomoyela zur Stelle war. Somit hat Patrick Owomoyela gestern quasi beide Treffer vorbereitet. Ein richtig überzeugendes Spiel war es trotzdem nicht von ihm. Dass vieles über die rechte Seite gut lief, war in erster Linie dem starken Kuba zu verdanken. Lob verdient haben sich auch die defensiv orientierten Mittelfeldleute Sahin und Bender, die gut abräumten und sich wenn möglich in Angriffe einschalteten. Das letzte Wort gebührt aber dem Torjäger: Der letzte Borusse, der Torschützenkönig der Liga wurde, war Marcio Amoroso mit 18 Treffern – als die Borussia zum letzten Mal Meister wurde. Lucas Barrios ist zuzutrauen, dass er zumindest einen der beiden „Titel“ holt.

DFB-Pokal, Achtelfinale / VFL Osnabrück 3 BVB 2

27. Oktober 2009 Nick 4 Kommentare

WTF?

Die Aufstellung: Weidenfeller – Dede, Hummels, Subotic, Owomoyela – Sahin, Tinga (75. Rangelov) – Valdez, Zidan (68. Le Tallec (73. Feulner)), Kuba – Barrios. Tore: Sahin, Barrios.

Der BVB verliert ein Spiel, das er niemals hätte verlieren dürfen und beendet abrupt den zarten Aufwärtstrend. In der Startaufstellung hatte es außer dem Ausfall von Sven Bender keine Veränderungen gegeben. An Ersatzmann Tinga lag die Niederlage jedoch nicht.

Die Schwarz-Gelben begannen die Partie extrem dominant, schnürten die Gastgeber 20 Minuten in der eigenen Hälfte ein, spielten bis zum Strafraum sehenswerten Kombinationsfußball, kamen aber gegen die dicht gestaffelte Osnabrücker Abwehr nicht entscheidend durch. Eine der ersten nennenswerten Aktionen der Gastgeber führt dagegen zum 0:1. Bezeichnenderweise nach einem Einwurf. Der segelt von rechts in den Dortmunder Strafraum. Subotic springt zum falschen Zeitpunkt halbherzig hoch, Valdez ist falsch positioniert – deshalb gelingt Innenverteidiger Barletta ein Fallrückzieher-Tor! Schöne Aktion vom Osnabrücker, aber trotzdem absolut vermeidbar.

Es war nur der Auftakt für eine miserable Defensivleistung – dabei war die Defensive höchstens 4-5x im Spiel richtig gefordert. Leider verlor auch die Offensivabteilung erstmal den Faden. Fünf Minuten nach der Führung musste Weidenfeller zur Ecke klären. Die kommt wieder auf Barletta, Valdez sieht wieder schlecht aus, der Osnabrücker köpft das 0:2. Im Anschluss und vor allem zu Beginn der zweiten Hälfte hat der BVB erneut seine Chancen. Die größte, als Kuba von rechts flankt und mehrere Schwarz-Gelbe nicht an den Ball kommen, der durch den Fünf-Meter-Raum segelt.

Aber das 1:2 fällt und es ist auch hochverdient. Kuba flankt wieder von rechts, der Ball wird verlängert und Sahin kann links vom Tor volley abstauben. Danach hatte es der BVB erneut in der Hand. Bei der größten Chance trifft Lucas Barrios sehenswert den Pfosten. Diesmal gelingt kein Abstauber. In der 68. Minute kriegt die halbe Kneipe die Krise: Owomoyela möchte einen Freistoß aus aussichtsreicher Position schießen. WARUM? Warum darf der das? Der Ball bleibt in der Mauer hängen, Osnabrück kontert blitzschnell, die BVB-Defensive ist nicht schnell genug zurück, 1:3 durch Siegert.

Patrick Owomoyela. Es ist unverzeihlich, dass der rechts hinten keine Konkurrenz hat. Der Auftritt war mit wenigen Ausnahmen wieder völlig lethargisch. Ich wiederhole mich, aber immerhin habe ich das schon Ende August und nach dem Bayern-Spiel gesagt: Jemand wie Florian Kringe wäre eine Alternative gewesen. Es ist spekulativ, ob etwas und wie viel dann besser gelaufen wäre. Tatsache ist, dass der BVB durch das Ausscheiden aus dem Pokal mehr verlieren kann als das Gehalt von Kringe gekostet hätte.

Natürlich waren Owos Kollegen in der Abwehr heute nicht besser. Und Subotic besonders schwach. Ob es in der Hintermannschaft an der Einstellung gefehlt hat? Nur dort gibt es Anzeichen dafür. Ausnahme war Dede. Das andere massive Problem der Schwarz-Gelben war die Chancenverwertung. In der Liga haben wir die drittschlechteste und auch heute hatten wir genug Möglichkeiten zum Sieg. Bitter war natürlich, dass sich der junge Le Tallec wenige Minuten nach seiner Einwechslung schwer verletzte, vermutlich an Hand, Arm oder Schulter. Nelson Valdez machte heute nicht nur hinten, sondern auch vorne alles falsch. Der BVB rannte zwar an, aber erst in der fünften Minute der Nachspielzeit gelang Lucas Barrios nach Ecke von Dede noch das 2:3. Zu spät. Die für Deutschland selten langen sechs Minuten Zugabe waren übrigens absolut berechtigt angesichts zahlreicher notwendiger und ein paar fragwürdiger Verletzungspausen, in denen Osnabrücker Spieler behandelt wurden.

Es ist also vorbei, das Spiel um die Fahrt nach Berlin, das sich inzwischen wieder lohnt. Es war eine unnötige, aber aufgrund des Sekundenschlafs in entscheidenden Situationen nicht unverdiente Pokalpleite. Ein Rückfall in vergangen geglaubte Pokalpleiten-Zeiten. Der Super-GAU, zumindest für die Stimmung, wäre nun eine weitere Niederlage gegen bisher, mit Ausnahme von letztem Sonntag, weitgehend unterklassig agierende Berliner. Um das zu verhindern, muss sich Jürgen Klopp etwas einfallen lassen.

1. Bundesliga, 10. Spieltag / Bayer Leverkusen 1 BVB 1

25. Oktober 2009 Nick Kommentieren

Fast zufrieden.

Die Aufstellung: Weidenfeller – Dede, Hummels, Subotic, Owomoyela – Sahin, Sven Bender – Valdez (84. Feulner), Zidan (72. Rangelov), Kuba (46. Großkreutz) – Barrios. Tor: Barrios.

Jürgen Klopp ließ seinen Worten Taten folgen und trat wirklich mit derselben Formation an wie gegen Bochum. Ohne Zweifel muss er die richtigen Anweisungen gegeben haben, denn die nominell eher offensive Mannschaft machte ihre Sache defensiv sehr gut.

Es war beeindruckend, wie die Schwarz-Gelben nach überstandenen ersten Leverkusener Angriffen bereits in der 8. Minute in Führung gingen. Der Torschütze Lucas Barrios erkämpft sich selber im Mittelfeld den Ball und passt auf Sahin, der mit einem präzisen Pass in den freien Raum Valdez einsetzt. Der flankt beinahe von der Torauslinie in die Mitte. Dort wartet schon wieder Barrios, der allen beweist, wie gut er köpfen kann.

Im Anschluss standen die Schwarz-Gelben defensiv sehr gut. Die Leverkusener Bemühungen blieben weitestgehend harmlos. Bei einer Ecke faustet Weidenfeller mal am Ball vorbei – nun gut. Der BVB hätte bei eigenen Angriffsversuchen etwas präziser sein können – nun gut. Insgesamt konnte man mit der ersten Hälfte sehr zufrieden sein, auch wenn die Gastgeber deutlich mehr Ballbesitz hatten.

Nach dem Seitenwechsel wurden die Gastgeber etwas überzeugender nach vorne, doch meistens nur bis zum Strafraum. So war es eine Standardsituation, die zum Ausgleich führte: Eine Barnetta-Ecke kam bei Manuel Friedrich an, der zu frei stand und den Ball aus größerer Entfernung reinköpfte. Der kurze Pfosten war zu diesem Zeitpunkt leider nicht mehr abgedeckt. Aufs gesamte Spiel gesehen war der Ausgleich verdient, denn Leverkusen war in der zweiten Hälfte offensiv besser, gerade nach dem Tor. Die Chancen blieben jedoch vergleichsweise harmlos; ein Friedrich-Schuss aus aussichtsreicher Position ging weit übers Tor, ansonsten hatten Weidenfeller und die Abwehr wenig Probleme.

Warum zur völligen Zufriedenheit mit diesem Auswärtspunkt etwas fehlt: Gegen diese Leverkusener wäre möglicherweise mehr drin gewesen. Das Fehlen von Rolfes und Renato Augusto manifestierte sich im Fehlen von Inspiration. Mit etwas mehr Cleverness und Mut in der zweiten Hälfte, als die Gastgeber drängten, hätte der BVB womöglich drei Punkte mitnehmen können. Ein fitter Kuba hätte uns da weiterhelfen können, aber der musste zur Halbzeit mit Muskelproblemen draußen bleiben und wurde durch Kevin Großkreutz ersetzt. Bei allem Respekt für das Engagement des „Dortmunder Jungen“: Seine Pässe in die Spitze waren zu unpräzise und überhastet. Gerade über die linke Leverkusener Seite wäre mehr möglich gewesen.

Ich bin aber fast zufrieden mit dem Punkt und wenn das Pokalspiel in Osnabrück und natürlich das Heimspiel gegen Hertha gewonnen werden, kann man getrost von der Trendwende bei Schwarz-Gelb sprechen. Die Sicherheit in der Defensive ist ermutigend. Das perfekte Tackling von Hummels gegen Derdiyok, das einige Zuschauer als elfmeterwürdiges Foul gesehen hatten, ist ein Beispiel. In dieser Szene lag Schiedsrichter Rafati richtig, ansonsten bot er eine durchwachsene Leistung. Er pfiff dem BVB in aussichtsreichster Position einen Vorteil ab und traf einige fragwürdige Freistoßentscheidungen, obwohl er insgesamt das Spiel angenehm laufen ließ.

Drei Tore in den drei letzten Spielen für Lucas Barrios sind natürlich ebenfalls erwähnenswert und erinnern daran, wie vorschnell die Medien-Maschinerie da wieder eine Krise herbeigeschrieben hat.

1. Bundesliga, 9. Spieltag / BVB 2 VFL Bochum 0

18. Oktober 2009 Nick Kommentieren

Drei Punkte mit Stil.

Die Aufstellung: Weidenfeller – Dede, Hummels, Subotic, Owomoyela – Sahin, Bender – Valdez (46. Le Tallec), Zidan (79. Schmelzer), Kuba (86. Großkreutz) – Barrios. Tore: Barrios, Subotic.

Nicht fehlerfrei, aber sehr dominant und mit der besten Saisonleistung gewinnt der BVB das Nachbarschaftsduell gegen Bochum. Ein gelungener Wochenendausklang für Schwarz-Gelb (und wir sind die Guten!). Jürgen Klopp löste das Aufstellungspuzzle auf überzeugende Weise: Das Fehlen von Spielmacher Hajnal kompensierte er durch eine sehr offensive Dreierformation hinter Lucas Barrios als nominell einziger Spitze. Valdez, Zidan und Kuba haben schließlich  reichlich Sturmerfahrung. Sahin und Sven Bender übernahmen die Defensivarbeit im Mittelfeld.

Das System funktionierte auf Anhieb ordentlich, der BVB machte schnell Druck gegen erwartungsgemäß defensive Bochumer. Die Gäste versuchten dagegenzuhalten, was in den ersten Minuten angesichts einiger Ungenauigkeiten bei Schwarz-Gelb noch halbwegs gelang, im weiteren Spielverlauf dann immer weniger. Sagen wir einfach, Barrios und Valdez schossen sich warm. Der Argentinier hatte spätestens in der 20. Minute Betriebstemperatur. Zidan hatte einen schwachen Bochumer Pass abgefangen und gut auf Kuba weitergeleitet. Dem gelang von rechts eine punktgenaue Flanke auf Lucas Barrios. Der schüttelte mit einem schnellen Schritt seinen Gegenspieler ab, drehte sich und schoss den Ball rein. Erstes Heimtor für Lucas und endlich Schluss mit dem verfrühten Krisengerede um den Welttorjäger.

Von Bochum kam in der ersten Hälfte nach vorne neben zwei harmlosen Schüssen in die Arme von Weidenfeller nur ein gefährlicher Angriff nach einer guten halben Stunde, als Klimowicz knapp über das Tor schoss. Zu diesem Zeitpunkt hätte der BVB nach einer weiteren Riesenchance durch Barrios eigentlich schon 2:0 führen müssen.

Wir haben in dieser Saison schmerzhaft gelernt, eine Führung nicht überzubewerten. Der BVB zeigte jedoch in der ersten Hälfte phasenweise endlich wieder richtig guten Kombinationsfußball, so dass man in der Pause angesichts der Überlegenheit doch an das 2:0 glaubte. Bei Wiederanpfiff kam Damien Le Tallec, der frische Franzose, für den aufgrund seiner Reisestrapazen nicht ganz so frischen Nelson Valdez ins Spiel. Le Tallec hatte in den letzten Wochen durch gute Leistungen in der Zweiten Mannschaft auf sich aufmerksam gemacht und wurde daher von Jürgen Klopp Dimitar Rangelov vorgezogen. Wenige Minuten später vergab Le Tallec seine einzige große Chance, ansonsten war er engagiert, aber da gibt es noch Raum für Verbesserungen.

Das beruhigende 2:0 fiel, weil der BVB eine weitere Stärke der letzten Saison wiederfand: Gefährliche Standards. Nach einem Foul an Kuba schlug Dede den fälligen Freistoß von halbrechts in den Strafraum, fand Subotic und der traf per Kopf. Auch, weil die Bochumer Abwehr nicht im Bilde war, wie häufig in der Partie. Den durchaus ansehnlichen Rest des Spiels kann man so zusammenfassen: Dortmund ließ die Gäste besser ins Spiel kommen, aber kaum gefährlich werden, kam dafür selber immer wieder mit gefährlichen Angriffen durch. Der Bochumer Ersatztorwart verhinderte mehrmals den dritten Treffer, etwa gegen einen harten Kuba-Schuss oder knapp vor Barrios. Gegen Ende übertrieb es der BVB etwas mit der Lockerheit, so dass Klimowicz noch mal gegen den Pfosten schießen durfte.

Viele Haare in der Suppe gab es heute nicht und warum sollte ich danach suchen? Die Abwehr war fast immer zur Stelle, Dede und Owomoyela setzten deutlich mehr Akzente nach vorne als zuletzt. Die neue Formation im Mittelfeld funktionierte überraschend gut. Bender war ebenfalls (noch) überzeugender als in den letzten Partien, Zidan und Kuba wirkten hellwach, auch wenn Zidan mehrmals aussichtsreich vergab. Barrios ist in der Spur. Sah alles gut aus. Bochum war allerdings schwach. Mit der heutigen Formation am Freitag in Leverkusen aufzulaufen, sollte und wird Jürgen Klopp sich dreimal überlegen. Es dürfte jedenfalls ein richtiger Freitagabend-Krimi werden.

1. Bundesliga, 8. Spieltag / Mönchengladbach 0 BVB 1

4. Oktober 2009 Nick Kommentieren

Besser als letztes Mal.

Die Aufstellung: Weidenfeller – Dede, Hummels, Subotic, Owomoyela -  Sven Bender – Sahin, Tinga – Hajnal (86. Großkreutz) – Barrios (78. Valdez), Zidan (61. Kuba). Tor: Barrios.

Es war die Rückkehr in den Nordpark, die Spielstätte, an der der BVB vor knapp viereinhalb Monaten leichtfertig die Teilnahme an der Europa League verspielte. Dieses Mal ging es um ganz andere Dinge und alle Schwarz-Gelben werden froh sein, dass es besser lief als im Mai. Vom Spielerischen kann man das nicht sagen, aber Dortmund war das bessere Team.

Jürgen Klopp hatte die notwendigen Veränderungen vorgenommen, Hummels anstelle des formschwachen Santana in die Innenverteidigung beordert und Sven Bender auf die Kehl-Position. Das Erfreulichste am BVB-Spiel war, dass das Duo hinten drin gut harmonierte und nur sehr wenige Gladbacher Chancen zuließ, die meisten davon Weitschüsse. Damit ist ein Grundstein für erfolgreichere Zeiten gelegt, aber die Bauarbeiten müssen weitergehen. Die Außenverteidiger können noch nicht überzeugen. Owomoyela war gestern offensiv engagierter als zuletzt, aber hat weiterhin eine zu hohe Fehlpassquote. Dede muss sich, gemessen an früheren Leistungen, deutlich steigern.

Wenn man nach Gründen sucht, warum das Spiel nach ein paar munteren Minuten zu Beginn über weite Strecken der ersten Hälfte sehr schwach war, kommt man auf Dortmunder Seite wieder nicht um eine Mittelfeld-Kritik herum. Von Bender, der seine defensiven Aufgaben ordentlich löste, ist vielleicht noch nicht mehr zu erwarten. Sahin hat seine gute Form aus den ersten Spielen eingebüßt und hatte nur wenige gelungene Aktionen. Tinga kann man zwar das unermüdliche Arbeiten zugutehalten, aber es mangelt an Effektivität und Präzision – wenn man ehrlich ist, war bei seiner ‘Vorlage’ zum 1:0 durch Barrios viel Glück im Spiel. Tamas Hajnals Formkrise dauert an. Die Frage ist, ob sie mit dem Fehlen von Sebastian Kehl zusammenhängt, wie Hajnal schon mal angedeutet hat, oder ob diese Erklärung zu kurz greift. Eigentlich darf ein Spieler nicht so abhängig von einem anderen sein.

Was die Schwarz-Gelben besser machten als beispielsweise im Derby, zeigte sich besonders deutlich in der ersten Viertelstunde nach Wiederanpfiff. Es bleibt ein Geheimnis, was Jürgen Klopp den Spielern für den Fall angedroht hat, dass sie hohe Bälle schlagen – vielleicht ein Vapiano-Verbot – aber sie hielten sich erstaunlich konsequent an seine Vorgaben. Über weite Strecken führte das zu Mittelfeld-Geplänkel, wirkte aber trotzdem souveräner als das völlig uneffektive Kick-and-Rush von letzter Woche. In der Phase, in der die ‘neue’ Spielweise funktionierte, vergaben leider Barrios und Zidan die Chancen zur Vorentscheidung.

Damit zu den verbleibenden Einzelkritiken: Lucas Barrios gelang in sehenswerter Manier das lang ersehnte erste Ligator. Ein schöner Schuss aus der Drehung aus etwa 18 Metern. Er hätte noch ein weiteres Tor machen können, aber hoffen wir mal, dass das gestern der entscheidende Durchbruch war. Zidan trat spiel- und dribbelstark auf, nutzte aber seine Chancen nicht. Folgerichtig kam die Auswechslung gegen Kuba, der seinerseits gegen Ende des Spiels noch ein paar gute Szenen hatte. Jedoch bleibt da noch viel Luft nach oben – ich würde ihn trotzdem gegen Bochum mal wieder von Beginn an bringen, wenn er fit ist. Roman Weidenfeller zeigte sich von den Ereignissen der Woche unbeeindruckt und reagierte in den zwei, drei Situationen, in denen es brenzlig wurde, souverän.

Der BVB muss sich steigern, um gegen Mannschaften anderen Kalibers zu bestehen. Es wurden aber gestern Grundlagen gezeigt, die Hoffnung machen. Eine stabilere Innenverteidigung und die Rückbesinnung auf eine Spielweise, die uns in der letzten Saison stark gemacht hat. Nun gibt es leider wieder eine Länderspielpause, die keinen Fortschritt bei den Krankmeldungen bringen wird (zur Zeit ist nur Sebastian Kehl betroffen), aber verhindert, dass die Mannschaft zusammen trainiert. Davon sind natürlich alle Vereine betroffen. Anschließend kommt der VFL Bochum die wenigen Kilometer ins Westfalenstadion – eine Partie, in der der BVB nachlegen muss, wenn man mittelfristig von den zweistelligen Tabellenplätzen wegkommen will.

Zum Abschluss noch ein Wort zu Rolf Rüssmann, der am Freitag im Alter von 58 Jahren verstorben ist und gestern vor dem Spiel mit einer Gedenkminute geehrt wurde. Anfang der 1980er Jahre spielte Rüssmann 149 Bundesliga-Partien für den BVB, zuvor jahrelang für den FC Schalke und kurzzeitig für den FC Brügge. Als Manager war er in Gelsenkirchen, beim gestrigen Gegner Mönchengladbach und in Stuttgart tätig. Als vor kurzem in Gelsenkirchen wieder ein Manager gesucht wurde, habe ich spontan an ihn gedacht. Ich wusste allerdings nicht, dass er damals vermutlich schon sehr krank war. Obwohl ich während Rüssmanns BVB-Zeit noch zu jung war, um es richtig mitzukriegen, erinnere ich mich doch noch an den Ruf, den er sich in diesen Jahren erworben hat und der ihn auch nach Beendigung seiner Spieler-Laufbahn begleitete.

1. Bundesliga, 7. Spieltag / BVB 0 Schalke 1

27. September 2009 Nick 10 Kommentare

Starke Stücke.

Die Aufstellung: Weidenfeller – Schmelzer, Santana, Subotic, Owomoyela – Hummels (62. Großkreutz) – Sahin, Tinga – Hajnal (75. Rangelov) – Zidan, Barrios (62. Valdez). Tor: Wembley.

Der S04 holt in Dortmund einen extrem glücklichen Derbysieg. Um es vorwegzunehmen: Wir haben allen Grund uns zu beklagen. Als Fan muss man da kein Blatt vor den Mund nehmen. Es gab mehrere Fehlentscheidungen von Schiedsrichter Stark, alle zu Lasten des BVB. Nicht bei den Dortmunder ‘Toren’: Beim Wembley-ähnlichen Tor war der Ball tendenziell nicht voll hinter der Linie, das Abseitstor war Abseits. Jedoch beim Schalker Tor: Bevor Farfan schießt, zwingt er erst mal Schmelzer zu Boden. Eine Aktion, die deutlich über der normalen Schwelle zum Stürmerfoul lag. Der Stürmer verschaffte sich mit illegitimen Mitteln einen Vorteil.

Schiedsrichter Stark hatte sich offensichtlich vorgenommen, vor der Südtribüne nicht so viel zu pfeifen. Vor allem keine Elfmeter. Denn er ist FIFA-Schiedsrichter und da kommt es nicht so gut, wenn man vor der größten Heim-Tribüne Deutschlands Elfmeter pfeift. Vielleicht ließ er deshalb in der zweiten Halbzeit weiterspielen, als der eingewechselte Großkreutz im Strafraum mit einem Tritt gegen den Knöchel gelegt wurde. Oder als später Santana mit einem deutlichen Schubser am Kopfball gehindert wurde. Deutlicher als es die normale Zweikampfhärte im Strafraum erlaubt. Da ist es natürlich bequem, wenn man nach dem Schlusspfiff aufgrund einer FIFA-Anweisung keine Interviews geben darf. Wobei ich Stark immerhin zutraue, dass er sich ansonsten geäußert hätte.

Kommen wir zum Sport. Da konnte keine der beiden Mannschaften längere Zeit überzeugen. Jürgen Klopp begann ohne Dede und Bender, die fit genug für die Bank waren, aber nicht von Anfang an spielen sollten. Die Schalker wirkten in den ersten zehn Minuten etwas zielstrebiger, aber danach übernahm der BVB die Kontrolle. Und hatte die Chancen. Vor allem Lucas Barrios, der zunächst ähnlich engagiert und spielfreudig auftrat wie im Pokal. Jedoch blieb ihm ein Treffer gestern verwehrt. Seine letzte gute Möglichkeit war die knappste. Lucas Schuss wurde abgefälscht, traf die Latte und sprang von dort auf oder hinter die Linie. Sagen wir hinter mit Berührung, das macht die Enge der Situation deutlich. Danach gelang Barrios bis zu seiner Auswechslung nicht mehr viel.

Die einzige wirklich gelungene Offensivaktion der Gäste in der ersten Halbzeit, ein Konter, führte zum Tor. Unter den genannten Umständen. Das Problem danach: Den Schwarz-Gelben schienen gegen eine starke Defensive die Mittel zu fehlen. Nicht zum ersten Mal in dieser Saison. Trotzdem darf die Qualitäts(= Geld-)frage keine Ausrede dafür sein, warum eklatant viele hohe Bälle gespielt wurden. Die gegen eine wache Viererkette fast immer ineffektiv sind. Vieles war in der zweiten Hälfte überhastet. Dem BVB ging im Derbyfieber die Ruhe verloren, daher wahrscheinlich die klassisch englische Spielweise und die Abseitspositionen. Ein paar  Zweifel habe ich dementsprechend auch am Wechsel Rangelov für Hajnal nach 75 Minuten. Es fehlten nämlich weniger offensive Leute auf dem Platz als vielmehr die Kreativität. In der letzten Viertelstunde kam bis auf eine halbe Chance von Valdez kurz vor Schluss  nichts Zwingendes mehr von Schwarz-Gelb. Von den Gästen war allerdings auch erst wieder etwas zu sehen, als Dortmund aufmachte. Altintop scheiterte an seinem Unvermögen, Sanchez am gut aufgelegten Weidenfeller.

Nach Spielschluss leistete sich anscheinend Gästetorwart Manuel Neuer noch eine charakteristische Aktion. Nach Aussagen mehrere Dortmunder Spieler soll er Großkreutz mit dem Ellbogen ins Gesicht geschlagen haben. Unbemerkt von allen Fernsehkameras. Der echten Aufregung der Schwarz-Gelben nach zu urteilen, war da was dran. Neuer tat später vor den Kameras so, als ob ihm in einem Fernsehkrimi vom Kommissar das Bild eines Mordverdächtigen vorgelegt würde. Großkreutz? Nie gesehen. So wird das bestimmt noch was mit der Nationalmannschaft. Es sei denn, ein Fan hätte doch mit dem Handy mitgefilmt…

Es fällt schwer, nach diesem Derby ein Fazit zu ziehen. Die Einstellung der Mannschaft war hervorragend, führte aber zu der angesprochenen Hast. Die Qualitätsfrage stellt sich weiterhin. Allerdings wurde der BVB gestern massiv benachteiligt. Deswegen: Auch wenn wir heute auf den Relegationsplatz abrutschen sollten, ist jetzt nicht die Zeit für heftige Kritik, sondern eher für die zeitlose (Fußball-)Hymne aus dem Musical „Carousel“, in der Version von Gerry & The Pacemakers. Sturm und erhobene Köpfe und so.