Archiv

Archiv für die Kategorie ‘Bayernwatch’

Nur noch toller Fußball

6. August 2008 Nick 2 Kommentare

Erwartet uns in der kommenden Saison endlich mal wieder so richtig spektakulärer Fußball in der Bundesliga? Man könnte den Eindruck gewinnen, dass uns da eine Revolution bevorsteht, wenn man die einschlägigen Sportzeitschriften liest oder den Erwartungen, die im Umfeld vieler Vereine geäußert werden, Gehör schenkt. Besonders ausgeprägt sind diese Erwartungen bei den Klubs, die einen neuen Trainer verpflichtet haben, sprich den Bayern, dem BVB, Leverkusen und S 04. Attraktiven, offensiven Kombinationsfußball werden die Neuen spielen lassen, das ist das teils selbsterklärte, teils von Presse und Fans erhoffte Ziel ihrer Arbeit. Für diesen Stil stehen Jürgen Klopp, Bruno Labbadia und Jürgen Klinsmann in ihrer Eigenschaft als ‘junge, moderne Trainer’ und Fred Rutten in seiner Eigenschaft als Holländer.

Inwiefern werden sich die Erwartungen erfüllen lassen? Nun, die Bayern haben die Spielfreude bisher (zumindest auf deutschem Boden) weitgehend vermissen lassen und nun schon den zweiten Titel verpasst: Nach dem ‘Supercup’ entging ihnen auch der größtmögliche zu gewinnende Pokal (das ist durchaus wörtlich zu verstehen), der ‘Franz Beckenbauer-Cup’, dank einer 0:1-Niederlage gestern gegen Inter Mailand.

Aber mal ernsthaft: Ob wirklich alle vier neuen Trainer ihren Stil durchsetzen können, erscheint mir fraglich. Dazu braucht es ja nicht nur die Vorgabe, sondern auch die passenden Spieler und einen Gegner, der den Angriffsfußball zulässt. Zwar haben alle vier betreffenden Vereine teils neue, teils schon bekannte Akteure, denen man temporeichen Kombinationsfußball zutrauen kann. Aber der Erfolgsdruck und taktische Zwänge werden dafür sorgen, dass auch in Zukunft immer mal wieder abwartend und vorsichtig gespielt wird, gerade nach Niederlagen.

Um das klar zu sagen: Ich hoffe auch auf eine positive spielerische Entwicklung, gerade in Dortmund, aber im Zweifelsfall sind mir die drei Punkte immer noch wichtiger. Man sollte keine ZU hohen Erwartungen schüren, nur weil kein Trainer (in Deutschland) heute mehr ankommt und sagt „ich lasse Catenaccio spielen“…

Kurzer Gedanke zum Kartellamt

26. Juli 2008 Nick 2 Kommentare

(Updated) Die deutschen Fußball-Funktionäre malen angesichts der Entscheidung des Bundeskartellamts, die Zentralvermarktung der Bundesliga-Fernsehrechte nur zu genehmigen, wenn Highlights der Spiele vor 20 Uhr im Free-TV gezeigt werden, den Teufel an die Wand. Der deutsche Fußball werde damit unausweichlich von Europas Spitze abgehängt usw. Respekt deshalb an Jürgen Klinsmann, der sagt, er akzeptiere das Argument der finanziellen Diskrepanz zu den Großen nicht. Und dass die Arbeitsphilosophie wichtiger sei als ein Hundert-Millionen-Transfer.

Man muss das mal wieder geraderücken: Die deutschen Spitzenvereine sind und bleiben finanziell besser ausgestattet als 80 bis 90 % der europäischen Konkurrenz. Es ist nicht einfach, die Champions League zu gewinnen, das war es aber noch nie. Die Entscheidung des Kartellamts muss man deshalb noch nicht positiv sehen; immerhin hatte die DFL auch interessante Modelle vorgeschlagen, die anstelle einer frühen Highlight-Berichterstattung mehr Livespiele im Free-TV vorgesehen hätten.

Die eigentliche Gefahr einer Einmischung des Kartellamts besteht aber darin, dass irgendwann einmal die ganze Zentralvermarktung kippen könnte. Was sich die Bayern wohl insgeheim wünschen und worauf sie vielleicht hinter den Kulissen schon hinarbeiten. Dann würden sich riesige finanzielle Diskrepanzen innerhalb der Bundesliga auftun, dann wäre ‘der Deutschen liebstes Kind’ wirklich gefährdet.

UPDATE: Wobei ich gerade gesehen habe, dass sich die Bayern in Person von KHR nun doch bemerkenswert eindeutig pro Zentralvermarktung geäußert haben:

Ich habe gesagt, dass wir zur Zentralvermarktung stehen, und ich sage nach dem für mich nicht nachvollziehbaren Spruch des Kartellamtes: Jetzt erst recht. Würden wir als FC Bayern die Solidarität aufkündigen, wäre das für uns kurzfristig vorteilhaft, für den Fußball in Deutschland aber schädlich. Wir werden den Profifußball nicht im Regen stehen lassen.

Nur die Pille zählt

23. Juli 2008 Nick Kommentieren

Ja, es war nur ein Testspiel, aber… war das schön, die erste Halbzeit, oder was? Der BVB hat also den ‘Supercup’ mit 2:1 gegen die Bazis gewonnen, aber wichtiger war, dass die Schwarz-Gelben nach ein paar Minuten der Eingewöhnung richtig guten Offensivfußball geboten haben, genauso, wie ihn man sich von Jürgen Klopp gewünscht hat. Von den Bayern kam in der ersten Hälfte nur ein Toni-Kopfball und eine schöne Vorlage von Borowski, die Klose kläglich vergab. Was nicht nur, aber auch daran lag, dass die BVB-Abwehr rechtzeitig störte und viele Bälle schon deutlich vor dem 16-Meter-Raum abfing.

Auf der anderen Seite gab es viele Torschüsse, einige Chancen und zwei sehenswerte Tore. Nach einem Fehler von Lell war Kuba zur Stelle und vollendete mit einem schönen Schuss zum 1:0. Und ein paar Minuten später ein toller Freistoß von Tamas Hajnal zum 2:0. Und das war nicht die einzige tolle Szene von unserem neuen Spielmacher: Zuvor hatte er schon mit einem Fallrückzieher aus spitzem Winkel fast getroffen. Wenn man auch nicht allzuviel aus einem Testspiel schließen sollte, aber auf Hajnal können wir uns freuen! Im Sturm arbeiteten Petric und Valdez gut nach hinten mit und auch Buckley, bei dem ein Wechsel zu Hull City weiter im Raum steht, wirkte sehr agil.

In der zweiten Hälfte wurde zunächst vor allem bei den Bayern eifrig durchgewechselt, und die Nachwuchsleute wie Kroos, Ngwenya und später Ekici brachten ‘endlich’ mehr Schwung ins Bayern-Spiel. Beim BVB kam zunächst Kringe für Buckley, später gingen u.a. Hajnal und Kuba raus (ersetzt durch Federico und Kruska), was die Schwarz-Gelben vorübergehend etwas ihrer Kreativität beraubte, aber natürlich in der Vorbereitung unvermeidlich ist. Dem jungen Ekici gelang in der 72. Minute über die verwaiste linke Dortmunder Abwehrseite der Anschlusstreffer. Danach war allerdings beim BVB wieder deutlich der Willen zu spüren, das Ergebnis zumindest zu halten und auch wenn nach vorne nur noch eine echte Torchance, durch einen Kringe-Schuss knapp neben das Tor, gelang, hatten die Schwarz-Gelben das Spiel weitgehend im Griff.

Wie es halt so ist, hatten die Bayern kurz vor Schluss noch eine Chance durch Ngwenya, aber den Schuss konnte Roman Weidenfeller parieren – der erste, bei dem er wirklich gefordert war. Es blieb also beim hochverdienten BVB-Sieg, an dem es nichts zu mäkeln gibt: Das Team steckt noch genauso in der Vorbereitung wie die Bayern, hatte ebenfalls einige Spieler bei der EM und mit Tinga und Frei auch zwei prominente Verletzte. Muss natürlich nicht heißen, dass die Schwarz-Gelben jetzt auch in einem Monat gewinnen ;-) . Die einzige mögliche Entschuldigung, die mir für die Bazis einfällt, ist, dass sie bisher nur gegen deutlich schwächere Gegner gespielt haben als der BVB.

Das hat heute richtig Spaß gemacht und Mut für den schweren Saisonauftakt. Die öffentlich-rechtlichen Unkenrufe (siehe vorhergehender Beitrag) sind nicht eingetroffen; letztlich kamen über 47.000 Zuschauer und Klinsmann brachte Schweinsteiger von Beginn und wechselte Podolski in der zweiten Hälfte ein. Auch das nächste BVB-Spiel, am Samstag gegen Juventus, wird übrigens live im Fernsehen gezeigt, dann ab 18.30 Uhr im DSF. Und auch den Pflaume habe ich heute überstanden – da wären wir wieder bei der Überschrift…

Hoeneß darf bleiben

22. Juli 2008 Nick Kommentieren

Die Bayern-Fans können aufatmen: Wie AGW aus sicherer Quelle (also der Sport-B++d) erfahren hat, wird Manager Uli Hoeneß auch in der kommenden Saison auf der Trainerbank Platz nehmen. Eigentlich wollte sich der Uli das nicht mehr antun und zukünftig von der Tribüne aus die Spiele verfolgen – was vermutlich nicht schlecht für seinen Blutdruck gewesen wäre. Aber der Jürgen hat ihn ganz lieb gebeten, und diese Bitte konnte der Uli natürlich nicht abschlagen.

Also bleibt wenigstens eine Sache beim Alten bei den Bazis und die Nicht-Bayernfans können nun darauf hoffen, Ulis Charakterkopf auch zukünftig möglichst häufig in der Farbvariante ‘knallrot’ zu erleben…

Nicht ganz erster

30. Juni 2008 Nick 2 Kommentare

Da gibt es wohl keine zwei Meinungen: Spanien hat gestern verdient die Euro 2008 gegen Deutschland gewonnen. Sie waren deutlich überlegen, technisch besser und hatten mehr Chancen. Fernando Torres entschied mit einem Klassetor das Finale; genau im richtigen Moment lupfte er den Ball über den herausstürmenden Lehmann. Den in diesem Fall kaum die Schuld traf, viel eher Philipp Lahm, dem die Kugel wegsprang.

Scheinbar kann Deutschland mit Michael Ballack nichts gewinnen (muss der eigentlich die ‘13′ tragen?) – nein ernsthaft: Ein weiteres verlorenes Finale für den deutschen Kaptitän, ist schon tragisch.

Spanien hat nicht nur dieses Spiel, sondern auch das ganze Turnier verdient gewonnen. Das war oft, mit Ausnahme des Viertelfinals gegen Weltmeister Italien, schöner Fußball – und das hat ganz allgemein bei dieser EM gefallen: Der Standard des Dargebotenen war im Durchschnitt deutlich höher als bei der ‘Sommermärchen-WM’ in Deutschland.

Die deutsche Nationalmannschaft hat sich, wenn man ehrlich ist, als spielerisch limitiert erwiesen. Ein paar Spieler waren zwar auch nicht in Topform (bestes Beispiel: Mario Gomez), aber man muss einfach anerkennen, dass einige Teams den Deutschen zur Zeit voraus sind. Bis ins Finale konnten Löws Jungs das kompensieren, dank der leichten Auslosung und einiger richtig guter Phasen (Portugal!), aber gegen Spanien dominierten sie dann nur kurz am Anfang und maximal zehn Minuten in der zweiten Hälfte; ansonsten waren die Iberer in allen Belangen besser. Also Joachim: Sei realistisch und trainier wieder mehr Standards! ;-)

Irgendwie bin ich auch froh, dass die EM nun vorbei ist und Verabredungen wieder etwas entspannter ablaufen. Außerdem: Übermorgen ist Trainingsauftakt beim BVB, mit Kloppo. Ich wette, da kommen ein paar Zaungäste mehr als bei den Bayern heute: Nur 800 waren bei Klinsis Trainingsauftakt! Hier bei AGW wird ab Mittwoch auf jeden Fall wieder voll schwarz-gelb durchgestartet!

Bayern ist tatsächlich Meister

4. Mai 2008 Nick Kommentieren

Sie haben es geschafft! Mit einem wohl äußerst schwachen Auftritt in Wolfsburg holte der FCB heute den noch fehlenden Punkt und machte damit das Triple Double klar. Hitzfeld hatte einige Stammkräfte, u.a. Kahn, Klose und Ribery, ganz draußen gelassen – stellt sich die Frage, ob das mit dem Auftritt in St. Petersburg zu tun hatte oder ob er einfach sicher gehen wollte, dass beim Heimspiel am Mittwoch alle Stars topfit sind. Letztlich reichte es auch so.

Dass der Meistertitel trotz des wenig meisterlichen Spiels heute verdient ist, steht wohl außer Frage. Die Bayern waren über die ganze Saison die souveränste Mannschaft, auch wenn es zwischendurch kurzzeitig mal knirschte. Die Konkurrenten nahmen sich alle ihre ‘Auszeiten’ und konnten den Favoriten so nicht ernsthaft gefährden. Dass die Bayern aber (noch?) keine Übermannschaft haben, zeigte sich im Europapokal und in einigen Ligaspielen. Und das ist auch gut so. Die Konkurrenz muss nun versuchen, mit ihren finanziellen Mitteln Kader zusammenzustellen, mit denen man zumindest in der Lage ist, die Liga in den nächsten Jahren jeweils möglichst lange offen zu halten – sonst könnten auch in Deutschland bald ‘französische Verhältnisse’ einkehren, wo Olympique Lyon in den letzten Jahren ein Abonnement auf die Meisterschaft hatte (obwohl es in dieser Saison ein klein wenig enger zugeht).

Noch ist nicht sicher, wie sich das ‘System Klinsmann’, wenn man denn von einem solchen reden kann, auf die Bayern auswirken wird; für Spannung ist nächste Saison also erstmal gesorgt – wie lange sie halten wird, liegt nicht nur am FCB, sondern auch an den Konkurrenten. Sicher werden Klinsmann, Rummenigge und Hoeneß viel Wert auf die Champions League legen – könnte eine Chance für den Rest der Liga sein, wenn jemand hellwach ist.

Kategorien:Bayernwatch

Bayern scheitert im Verlierer-Cup

2. Mai 2008 Nick Kommentieren

Egal, ob er nun „Pokal der Enttäuschten“ oder „Cup der Verlierer“ gesagt hat – besonders viel Wert hat Franz Beckenbauer dem UEFA Cup nicht beigemessen. Gewinnen wollten ihn die Bayern trotzdem, oder gerade deshalb: Wegen seines angeblich geringen sportlichen Werts musste man aus Reputationsgründen einfach gut abschneiden. Gut, wenn es nicht die Bayern wären, könnte man sagen, Halbfinale ist doch nicht so übel. Aber es sollte ja das Triple sein – das Double haben die Bazis schon unter Felix Magath, mit einer erheblich billigeren Mannschaft, zweimal gewonnen.

Gestern sind die Bayern nun grandios gescheitert. 0:4 gegen St. Petersburg, schlechter noch als Leverkusen. Ich habe nur die letzten 25 Minuten gesehen und später noch die Tore in der Wiederholung; da waren hanebüchene Abwehrfehler zu sehen, die man der Mannschaft nicht zugetraut hätte. Und das soll jetzt auf einmal an der fehlenden Frische liegen? Vier Tage nach einem 4:1 über den VFB? Und wie machen das eigentlich die englischen Teams? Nein, wahrscheinlich haben die Bayern den Wettbewerb und den Gegner doch nicht ernst genug genommen. Man hatte vor der Partie den Eindruck, die waren viel zu sicher, weiterzukommen – trotz des schlechten Hinspielresultats. Manche nennen es „gesundes Selbstbewusstsein“; gestern schlug es um in Überheblichkeit. Letztendlich hatten die Bayern aber zumindest diesen Titel aufgrund der gezeigten Leistungen auch nicht verdient.

Kategorien:Bayernwatch, Europapokal

Killt Kalle die Bundesliga?

11. März 2008 Nick 5 Kommentare

Vor gut zwei Wochen traf sich der Vorstandsvorsitzende des FC Bayern München, Karl-Heinz Rummenigge, mit Mitarbeitern des Bundeskartellamts zu einem ‘Informationsgespräch’. Gestern nun wurde bekannt, dass die Behörde jetzt rechtliche Einwände gegen die zentrale Vermarktung der Bundesliga-Fernsehrechte geltend macht und den Vereinen deshalb einen Fragebogen zugeschickt hat. Kann das Zufall sein? Angesichts der Tatsache, dass sich die Damen und Herren in Bonn bisher nie bemüßigt sahen, die seit vielen Jahren gängige Praxis zu durchleuchten, erscheint ein Zusammenhang naheliegend. Gut, es steht auch ein neuer TV-Vertrag an, der viel Macht in den Händen der DFL bündelt (Stichwort: Eigenproduktion der Übertragungen). Aber das Kartellamt zielt genau ins Herzstück der Rechtevermarktung:

„Die Zentralvermarktung von Medienrechten hat dieselbe Wirkung wie ein Preiskartell.“

Da haben die Wettbewerbshüter gemäß ihrer üblichen Logik Recht, nur geht es bei den Fußballverträgen um die Vereinbarkeit von marktwirtschaftlichen Grundsätzen und sportlichem Wettbewerb, und um letzteren zu hüten, müsste die zentrale Vermarktung im wesentlichen unangetastet bleiben.

Wenn KHR das bisher geltende Prinzip als „wichtiges Gut“ bezeichnet, ist das der Tatsache geschuldet, dass er sich mit seiner eigentlichen Meinung und seinem Vorgehen gegen fast alle Fußballfans (vielleicht sogar einige Bayern) und -Funktionäre stellt. Ein klarer Fall von ‘öffentlich reden – hintenrum (konträr) handeln’. Dass es Rummenigge in Wirklichkeit darum geht, mit dem FCB um jeden Preis wieder im Konzert von Europas Großen mitzuspielen, hat er durch zahlreiche andere Äußerungen angedeutet.

Der Preis wäre sehr, sehr hoch. Sollte es wirklich zu einer dezentralen Vermarktung der TV-Rechte kommen, könnte es noch schlimmer kommen als in Spanien, Italien oder England. Sind schon dort die sportlichen Machtverhältnisse stark zementiert, mit zwei bis vier Teams, die die Ligen nach Belieben dominieren (in England allerdings nicht in erster Linie wegen den Fernsehrechten), dürften die Bayern aufgrund ihrer immensen Popularität im deutschen Fernsehen noch mächtiger werden was den nationalen Vergleich angeht. Drei, vier andere Vereine würden die Europapokal-Plätze unter sich ausmachen, Überraschungen ‘von unten’ würden immer unwahrscheinlicher.

Noch ist es nicht soweit; DFB und DFL werden zusammen versuchen, das Kartellamt zu beschwichtigen; es gab ein Treffen von Theo Zwanziger und Reinhard Rauball mit dem Präsidenten und der Beschlussabteilung der Behörde. Trotzdem: Karl-Heinz Rummenigge gefährdet mit seinem Vorgehen mutwillig das Erfolgsprodukt Bundesliga und sollte deshalb aus dem Ligavorstand zurücktreten (oder zurückgetreten werden).

Die zwei Gesichter des Uli Hoeneß

9. März 2008 Nick 2 Kommentare

Dieser Mann hat wirklich zwei Seiten; die Frage ist nur, wer ist der ‘echte’ Uli? Wenn man den Bayern-Manager heute im DSF-Doppelpass erlebt hat, wie er mit einer sicheren Tabellenführung im Rücken souverän und ruhig argumentierte, dann kann man ihm nur Respekt zollen. Da saß ein Mann, der fast nur vernünftige Sachen sagte, der die Konkurrenz in Schutz nahm (was mir naturgemäß bei Bremen überzeugender erschien als beim S04), und der deutlich die Kurzsichtigkeit der Medien anprangerte, von deren „Tagesgeschwätz“ sprach. Konnte ich fast alles unterschreiben.

Der ‘andere Uli’ ist dagegen emotional und aufbrausend. Man kennt ihn aus vielen Interviews, oft direkt nach Spielen, in denen er regelmäßig mit zweierlei Maß…äh…maß (zuletzt fiel mir das vor zwei Monaten auf), manchmal sogar den Gegner verunglimpfte (einmal sagte er sinngemäß, Otto Addo gehöre in den Zirkus). Solche Reaktionen mögen menschlich sein, manche finden sie auch unterhaltsam, aber warum das ausgerechnet der Manager des erfolgreichsten deutschen Klubs nötig hatte, konnte ich nie so richtig verstehen.

Ist dieser ‘andere Uli’ vielleicht der ‘alte Uli’? Haben wir heute einen neuen, altersmilden Bayern-Manager gesehen? Der momentane Erfolg spielt dabei sicher auch eine Rolle, aber seine ‘Ausfälle’ scheinen zumindest seltener zu werden. Kurz vor Ende seiner Amtszeit scheint er so langsam zu einem ‘elder statesman’ zu reifen. Eine gute, respektable Entwicklung, wie ich finde. Das ändert natürlich nichts daran, dass ich seinem Verein und manch anderer Führungspersönlichkeit in herzlicher Abneigung verbunden bleibe ;-) .

Egomanigge schlägt wieder zu

25. Februar 2008 Nick 1 Kommentar

Erst „Federicomenal“, jetzt „Egomanigge“. Wann hört dieser Wortspiel-Wahnsinn hier auf? Ich gelobe, das soll nun erstmal das letzte für ne Weile gewesen sein ;-) . Aber was beschreibt diesen Mann besser, der gleichzeitig Vorstandsvorsitzender des FC Bayern, Mitglied des Ligavorstands und Vorsitzender der neuen europäischen Klubvereinigung ist, aber trotzdem nur an das Eine denkt? Natürlich kann ich verstehen, dass einem der Verein am nächsten ist, aber was KHR regelmäßig abzieht, ist einfach nicht mit seinen anderen Funktionen vereinbar.

Aktuell geht es mal wieder um die zentrale Vermarktung der Fernsehrechte durch die DFL. Es ist schon Routine, dass Rummenigge vor jedem neuen TV-Vertrag laut über eine Einzelvermarktung durch die Klubs nachdenkt. Die Bayern könnten dadurch, das ist wohl unstrittig, deutlich mehr Geld einnehmen. Bisher werden die Fernsehgelder zwar schon nach Erfolg gestaffelt verteilt, aber die Schere zwischen arm und reich würde bei dezentraler Vermarktung, das ist ebenso unstrittig, noch viel weiter auseinandergehen. Von Solidarität und einem sportlich fairen Wettkampf könnte dann nicht mehr die Rede sein. Nun ist also KHR nach Recherchen des Kicker zu einem angeblich ‘informellen Gespräch’ mit Vertretern des Bundeskartellamts zusammengetroffen. Über was da gesprochen wurde, wird sicher nicht wortwörtlich herauszufinden sein, aber in welche Richtung es geht, dürfte feststehen: Rummenigge wollte sich über den Standpunkt des Kartellamts informieren und dessen Mitarbeiter u.U. zu einem Vorgehen gegen die Zentralvermarktung bewegen.

Mit dieser Haltung steht der Bayern-Chef in DFL-Kreisen komplett allein da, zumindest wenn man den öffentlichen Äußerungen der anderen Vereinsvertreter Glauben schenkt. Kein anderer Verein, auch nicht die reicheren, auch nicht die deutschen CL-Teilnehmer dieser Saison, stellt die zentrale Vermarktung in Frage. Nun wird spekuliert, ob Rummenigge mit seinem ‘informellen Gespräch’ vielleicht nur eine erneute Veränderung des Verteilungsschlüssels zugunsten der erfolgreichsten Vereine erreichen will, also ein Pokerspiel betreibt. Aber der Gang zum Kartellamt überschreitet eine Grenze. Damit wird versucht, die TV-Vermarktung aus der Sphäre des Sports herauszulösen und komplett den Prämissen der freien Marktwirtschaft unterzuordnen. Die rechtliche Lage ist unklar – sportlich ist so ein Vorgehen mit Sicherheit nicht.