Archiv

Archiv für die Kategorie ‘Strippen ziehen’

Entweder ihr seid für uns oder unsere Feinde

6. Dezember 2009 Nick Kommentieren

Der Journalist Freddie Röckenhaus, der für die „Süddeutsche Zeitung“ über Borussia Dortmund berichtet – gerne auch mal kritisch – hat für die aktuelle Wochenendausgabe einen exzellenten Artikel zum Verhältnis der TSG Hoffenheim zu ihren Kritikern geschrieben und diesen mit interessanten Zahlen angereichert. Die ausgesprochen dünnhäutigen Reaktionen auf Kritik am Modell Hoffenheim oder den handelnden Personen haben bekanntlich schon Tradition, ebenso das fehlende Verständnis für Mechanismen der Fankultur. Der Artikel führt einem die überzogenen Aussagen aus Reihen der TSG noch einmal vor Augen.

Als der Mainzer Manager Heidel das Modell Hoffenheim kritisierte und es bedauerte, dass so ein Verein einen der Plätze im Profifußball besetzt, reagierte Dietmar Hopp mit einem Protest-Rundschreiben, das nicht nur an den FSV-Präsidenten Strutz, sondern auch an diverse Funktionsträger des deutschen Fußballs gerichtet war. Hopps Erfüllungsgehilfen, Manager Schindelmeiser und Trainer Rangnick, liegen voll auf Linie. Schindelmeiser bezeichnete BVB-Geschäftsführer Watzke nach den Beleidigungen Hopps durch Dortmunder Fans als „Brandstifter“. Rangnick forderte sogar allen Ernstes lebenslange Stadionverbote (sic!) für solche Beleidiger und Punktabzüge für die jeweiligen Vereine. Kein Wort verloren die Hoffenheimer Verantwortlichen meines Wissens darüber, dass Roman Weidenfeller in Sinsheim wiederholt mit Feuerzeugen und Münzen beworfen wurde.

Schindelmeiser schwingt im Fernseh-Interview implizit die „Enke-Keule“, in dem er die Aussagen von Watzke in Kontrast zu dem allseits angemahnten besseren Umgang miteinander setzt. Kritik an Hoffenheim wird somit zur Hetze stilisiert, die die empfindlichen Hoffenheimer Gemüter schädigen könnte. Ich will die größten Entgleisungen der BVB-Fans nicht bagatellisieren, aber wer selber mit rabiatem Vorgehen und Äußerungen gegen Kritiker zu Felde zieht, macht sich unglaubwürdig. Kritik muss erlaubt bleiben, scharfe und zugespitzte Kritik gehört seit jeher zur Fankultur, reine Beleidigungen sollte man natürlich bleiben lassen.

Ich fand die Äußerungen von Watzke auch überflüssig – sowohl die zu Hoffenheim als auch jene zur „Verursachergerechtigkeit“ bei den Fernsehgeldern. Röckenhaus liefert in seinem Artikel unter Berufung auf anonyme Quellen bei SKY die Zahlen zu Watzkes Argumentation. An einem normalen Bundesliga-Spieltag schauen demnach 60-80% der SKY-Zuschauer die Konferenz. Vom Rest sehen 40-50% die Bayern, die andere Hälfte verteilt sich größtenteils auf Schalke, den BVB und den HSV. Aufgrund dieser Faktenlage könnte man Watzke folgen, nur vernachlässigt diese Sichtweise die Belange der kleinen Vereine – nicht nur die von Hoffenheim oder Wolfsburg. Röckenhaus zitiert Mainz-Manager Heidel:

Watzkes Vorschlag ist der Einstieg zum Ausstieg aus der solidarischen, zentralen Vermarktung der Bundesliga-Rechte.

Und da hat Herr Heidel Recht. Eine neue Regelung der Verteilung nach dem Prinzip der „Verursachergerechtigkeit“ wäre eine mildere Form der dezentralen Vermarktung der Fernsehrechte. Die großen, beliebten und erfolgreichen Vereine könnten ihre Stellung weiter ausbauen; kleine Vereine, die weder beliebt noch reich sind, blieben auf der Strecke. Ein sportlich fairer Wettbewerb wäre noch weniger gegeben als heute.

Wer für eine solidarische, zentrale Vermarktung der Fernsehrechte ist, muss diesen Watzke-Vorschlag ablehnen. Das heißt hingegen nicht, dass man nicht über seine Ansätze diskutieren sollte, wie eine Aushöhlung der 50+1-Regelung durch Vereine wie Hoffenheim zu verhindern ist.

(Quelle: Sueddeutsche.de)

Tradition und leere Ränge

20. Oktober 2009 Nick Kommentieren

Wir kennen die Geschichte aus Deutschland: Traditionsvereine, die im unterklassigen Fußball verschwunden sind und vor halb bis weitgehend leeren Rängen spielen. Meist ist das eine Folge von sportlichem Misserfolg und Misswirtschaft. Nur der Vereinsname weckt noch Erinnerungen an bessere Zeiten.

Nicht ganz so einfach zu erklären ist der aktuelle Zuschauerschwund bei einem der traditionsreichsten englischen Klubs, Preston North End. Gegründet wurde der Verein aus dem Nordwesten im Jahr 1881, sieben Jahre später wurden die ‘Lilywhites’ erster Meister der Football League (dies und mehr gibts hier nachzulesen). Inzwischen spielen sie in der zweiten Liga und haben einen guten Saisonstart hingelegt – erst in den letzten drei Spielen ist der Lauf ins Stocken geraten (1 Unentschieden, 2 Niederlagen). PNE steht immer noch auf Platz 6, auf einem Play-Off-Rang. Trotzdem ist das Stadion, Deepdale, allenfalls halb voll. Gegen Reading kamen nicht einmal 11.000, im Spitzenspiel gegen West Bromwich Albion knapp 12.500.

Neben dem offensichtlichen Grund, der langen Erstliga-Abstinenz, wird unter anderem in den Kommentaren beim Web-Portal der Lokalzeitung „Lancashire Evening Post“ (LEP) nach weiteren Erklärungen gesucht. Trotz Erfolgen ist der Zuschauerschnitt gegenüber der letzten Saison nochmals gesunken. Neben viel Ratlosigkeit wird von den Kommentatoren (i.e. den Fans) der Verkauf von Leistungsträgern wie Sean St. Ledger  (nach Middlesbrough – zunächst ausgeliehen, jedoch mit Kaufoption) und die unattraktive Spielweise angeführt. Beide Gründe wollen nicht so richtig einleuchten. Das Abgeben von Spielern ist bei Preston aus finanziellen Gründen unvermeidlich. Und – Achtung, Phrase – attraktiv ist, was Erfolg bringt. Wobei es zur Spielweise ohnehin verschiedene Meinungen gibt.

Mir scheint, im unterklassigen englischen Fußball macht sich eine gewisse Ungeduld breit. Die Fans sehen die Stars der Premier League, die flüssigen Spielzüge dort, die reichen Gönner, die manchem unterklassigen Konkurrenten unter die Arme greifen. Die Schieflage wird immer deutlicher, was selbst bei durchaus ambitionierten, aber verhältnismäßig klammen Vereinen wie PNE die Fans vertreibt.

Inzwischen hat es immerhin einen starken Schulterschluss gegeben, um das National Football Museum in Preston zu halten. Der Stiftungsrat hatte Überlegungen angestellt, das Museum ins größere Manchester zu verlegen (ebenfalls unter obigem Link nachzulesen). Nun haben der Stadtrat, der Rat der Grafschaft Lancashire und die University of Central Lancashire ein Finanzpaket geschnürt, um die unmittelbare Zukunft des Museums in Preston zu sichern. Gleichzeitig berichtet die „LEP“ (die eine Kampagne für den Verbleib des Museums fährt), dass die Verlegung nach Manchester 8 Millionen Pfund kosten würde, und die Finanzierung nicht gesichert sei. Eine Aufwertung des Museums am Standort Preston sei dagegen bedeutend günstiger.

Im Nordwesten Englands spielt sich ein interessantes Kräftemessen zwischen einer Großstadt und einer richtigen Großstadt ab; es geht um Entwicklungschancen und Tradition. Welche Rolle der Fußball dabei noch spielen kann, wird zu beobachten sein.

Die Geschichte im Sog der Premier League

11. September 2009 Nick 2 Kommentare

Auf den ersten Blick ist es nur eine Frage des Geldes. Wie so oft. In England gibt es ernsthafte Überlegungen, das „National Football Museum“ von seinem bisherigen Standort in Preston (Lancashire) nach Manchester zu verlegen. Während ein Teil des Museumsbestands in Preston verbleiben könnte, würde es große Ausstellungen nur noch in der Heimatstadt von ManU und Man City geben.

Die Aussagen von Museumsdirektor Kevin Moore und dem Stiftungsvorsitzenden Paul Dermody sind klar: Es fehlt an Fördermitteln und im größeren Manchester wären nicht nur die leichter zu bekommen, sondern auch mehr Besucher zu erwarten. Hintergrund der aktuellen Geldknappheit des Museums ist der Wegfall von über 300.000 Pfund an Fördergeldern, die der „Football Stadium Improvement Fund“ jährlich überwies – dieses Geld soll zukünftig in den Breitensport fließen.

Das „National Football Museum“ wurde 2001 am Stadion von Preston North End, Deepdale, eröffnet. PNE, so die Kurzform des Vereinsnamens, hat seit 1961 nicht mehr in der höchsten englischen Spielklasse gespielt. Immerhin sind die ‘Lilywhites’, so der Spitzname, in diesem Jahrtausend  ununterbrochen Zweitligist. Deepdale ist ein schönes Stadion (so weit ich das anhand von Bildern beurteilen kann) mit gut 23.000 Plätzen. Vermutlich aufgrund der langen Erstliga-Abstinenz kamen in der letzten Saison durchschnittlich ‘nur’ 13.500 Zuschauer. Trainer der Lilywhites ist der unaufgeregte Schotte Alan Irvine, der die Mannschaft mit begrenzten finanziellen Mitteln ins Play Off-Halbfinale (Platz 6 in der Liga) führte, wo sie mit einem Gesamtresultat von 1:2 Sheffield United unterlagen. Mehr …

Der neue Spielplan ist da

2. Juli 2009 Nick Kommentieren

Heute wurde der Spielplan für die am 7. August beginnende neue Bundesliga-Saison bekannt gegeben. Das Eröffnungsspiel an jenem Freitag bestreitet der Meister VFL Wolfsburg zuhause gegen den VFB Stuttgart – sicher ein würdiger Auftakt und ein echter Leistungstest für beide Mannschaften. Ein weiteres Highlight des Wochenendes ist die Begegnung Hoffenheim v Bayern, vielleicht die erste Samstag, 18:30-Partie?

Der BVB spielt zunächst im Westfalenstadion gegen Poldi (und ein paar andere Kölner). Interessant, aber lösbar und durchaus genehm. Insgesamt erwartet die Schwarz-Gelben jedoch wieder ein schweres Auftaktprogramm. Hier die ersten fünf Spieltage:

1.FC Köln (H), Hamburger SV (A), VFB Stuttgart (H), Frankfurt (A), Bayern München (H)

Wir sind früh gefordert, aber das muss nicht schlecht sein. Wir werden sehen, ob in Hamburg bis Mitte August Ruhe und professionelle Arbeit zurückgekehrt sind und wie die Stuttgarter die Gomez-Millionen investiert haben. Dann geht es noch nach Frankfurt, wo wir letzte Saison sehr gut aussahen und zu den Bayern muss ich nicht viel sagen – wird Zeit für einen Sieg!

Das Derby findet zuerst in Dortmund statt, am 26. September. Am Jubiläumswochenende (19.12.) und am letzten Spieltag haben wir es mit den Freiburgern zu tun. Alles in allem kann man trotz des anspruchsvollen Beginns nicht meckern; es bleibt aber abzuwarten, wie sich in der neuen Saison die Verteilung der Spiele auf Freitag, Samstag und Sonntag gestaltet. Auf zu viele Samstagabend- und Sonntagsspiele können wohl alle Fans verzichten.

Die komplette Spieltagsübersicht gibts hier, für den BVB hier.

In Leipzig ist der Rasen rot

14. Juni 2009 Nick 1 Kommentar

Der bekannte Energy Drink-Hersteller „Red Bull“ steigt jetzt doch in den Leipziger Fußball ein und will dafür sorgen, dass künftig wieder ein Leipziger Verein im Profibereich vertreten ist und das Zentralstadion wieder eine würdige Kulisse darstellt. Nachdem ein Engagement beim Traditionsklub Sachsen (ehemals Chemie) Leipzig vor zwei Jahren gescheitert war, wird jetzt einfach ein neuer Verein gegründet, der die Spielberechtigung des Oberligisten SSV Markranstädt übertragen kriegt.

Red Bull und Fußball, das muss man nicht gut finden. Bei der Übernahme von Austria Salzburg wurde nicht nur der Name des Klubs in FC Red Bull Salzburg geändert (was in Deutschland so nicht möglich wäre), sondern es wurden auch die Vereinsfarben violett-weiß weitgehend aus der öffentlichen Wahrnehmung verbannt (Trikots, Publikationen etc.). In Deutschland ist in der abgelaufenen Saison Red Bull-Werbepartner Mario Gomez durch schleichwerbe-verdächtigen Torjubel aufgefallen. Nun versucht man offensichtlichst, das Modell Hoffenheim zu kopieren: Einer fußballerisch darbenden Region soll der Profifußball zurückgeschenkt werden.

Der neue Verein wird übrigens „Rasenballsport Leipzig“ heißen. Wie man das wohl abkürzt?

Kategorien:Strippen ziehen

Nur noch gute Laune

26. März 2009 Nick Kommentieren

Es ist eine positive Überraschung. Ein Ergebnis, mit dem man nicht mehr gerechnet hätte; ein Ergebnis, das den einen dunklen Schatten vertreibt, der sich vor einigen Wochen über den Verein Borussia Dortmund, abseits der Profifußball-Abteilung, gelegt hatte. Der BVB kann für seine Tischtennis-Herren und Handball-Damen nun doch die Lizenz für die Bundesliga beantragen und damit den Profisport in diesen Abteilungen fortsetzen. Noch vor wenigen Wochen hatte Präsident Rauball aus steuerrechtlichen Gründen die Abmeldung der beiden Mannschaften aus dem Profi-Bereich angekündigt. Hintergrund waren die Verluste im wirtschaftlichen Geschäftsbetrieb der beiden Abteilungen gewesen, die nicht aus den Mitgliedsbeiträgen des Vereins oder dem Vermögen der Kommanditgesellschaft auf Aktien ausgeglichen werden durften.

Nun ist es in einer Art konzertierten Aktion gelungen, doch noch genügend Sponsoren zu finden, um den Spielbetrieb für die nächsten drei Jahre zu sichern und damit natürlich auch Spielraum für längerfristige Planungen zu schaffen. Bei den Sponsoren handelt es sich ausschließlich um Unternehmen aus der Region Dortmund, was deutlich macht, dass der ‘Paukenschlag’ vom Monatsanfang vor allem dort für Wiederhall sorgte. Schön zu sehen, dass es wirklich eine Art ‘regionale Solidarität’ zu geben scheint (die natürlich und zu Recht den Sponsoren auch ein positives Image verpasst); schön zu sehen auch, dass für unsere Vereinsoberen die Handballerinnen und Tischtennis-Spieler wirklich mehr als ein bloßes Anhängsel zu sein scheinen. Gute Laune!

Freispruch mit Folgen?

6. März 2009 Nick Kommentieren

Das wird der springende Punkt sein: Gibt es ernsthafte Konsequenzen aus den verspäteten Dopingkontrollen der Hoffenheimer? Wenn sich DFB/DFL und vor allem alle Akteure in den Vereinen endlich des Ernstes der Lage bewusst werden, sind die vorläufigen Freisprüche der Spieler Ibertsberger und Janker, die die DFB-Anti-Doping-Kommission heute beschloss, aufgrund der angeblichen Faktenlage zu rechtfertigen.

Die wichtigsten Ermittlungsergebnisse in Kürze: Die beiden Spieler sollen vom Doping-Beauftragten des Vereins nicht rechtzeitig über die anstehende Kontrolle informiert worden sein, so dass sie sich zunächst noch mal in die Kabine begaben. Deswegen sieht die Kommission kein Verschulden der Spieler. Der unabhängige Doping-Kontrollarzt wiederum soll den Weg der Spieler nach Verlassen des Spielfelds pflichtwidrig nicht überwacht und dem falschen Hoffenheimer Verantwortlichen den „Kontrollzettel“ übergeben haben. Deswegen wird er vorläufig suspendiert.

Eine genaue Rekonstruktion der Ereignisse präsentiert der DFB hier. Sollte es sich wirklich so zugetragen haben, müsste zumindest die TSG Hoffenheim wegen eines schweren Verstoßes gegen die Anti-Doping-Richtlinien bestraft werden. Die Kommission wird deshalb Anklage vor dem DFB-Sportgericht gegen den Klub erheben und ein mündliches Verfahren beantragen. Im Raum stehen bis zu 150.000 Euro Geldstrafe und ein Punktabzug. Wieviel den Hoffenheimern eine Summe im niedrigen sechsstelligen Bereich ausmacht, kann sich jeder denken. Der DFB hatte bisher noch nicht über einen vergleichbaren Fall zu urteilen, daher schlage ich einen Abzug  von mindestens drei Punkten vor! Allein mir fehlt der Glaube…

Was aber noch wichtiger ist: Die Kommission will beim DFB-Präsidium die Einführung eines ‘Chaperon-Systems’ beantragen, wie es in vielen anderen Sportarten schon praktiziert wird. Chaperons sind neutrale Helfer, die die Kontrollärzte bei der lückenlosen Überwachung der zur Dopingprobe ausgelosten Sportler unterstützen. Damit wären Ereignisse wie die von Mönchengladbach bei gewissenhafter Umsetzung ausgeschlossen. Das wäre zumindest ein deutliches Zeichen des DFB für die Zukunft – dessen Symbolkraft allerdings untergraben würde, wenn Hoffenheim jetzt mit einer milden Geldbuße davonkommt.

Aktion Save Andy

19. Februar 2009 Nick Kommentieren

Wenn der BVB mit kühlem Kopf in das morgige Derby in Gelsenkirchen ginge, dann würde Jürgen Klopp mal schön durchrotieren, einigen unserer vielversprechenden Nachwuchskräfte einen längeren Einsatz gönnen und ein paar Stammspieler für das schwierige Heimspiel gegen Herbstmeister Hoffenheim schonen. Die drei Punkte, die wir dann eventuell in der Turnhalle ließen, wären ein echter Trojaner, da sie für eine hoffentlich lange Verlängerung der Manager-Karriere von Andy Müller beim FC Schalke sorgen würden. Aber so läuft das halt nicht im Derby und vielleicht tun wir den Blauen mit einem Derbysieg einen Gefallen. Muss ich hinzufügen, dass das trotzdem gut so wäre?

Die Ausgangslage ist klar und macht die morgige Begegnung wieder einmal zu einem brisanteren Derby. Achter gegen Neunter, Strampeln im Mittelfeldsumpf. Jede weitere Niederlage macht es sehr unwahrscheinlich, den Anschluss an Platz 5 wiederherstellen zu können. Was für den S04 ohnehin nur das Minimalziel ist. Trotzdem täte auch der BVB (selbst rein objektiv gesehen) gut daran, den schwachen Start in die Rückrunde vergessen zu machen. Mit einer richtigen Derbyklatsche wäre die Stimmung in Dortmund gefährlich nahe am Kippen. Die Schalker haben immerhin noch den Pokal als Trost.

Schwarz-Gelb muss nach der harten roten Karte gegen Cottbus nun ‘nur noch’ zwei Spiele auf Young-Pyo Lee verzichten. Das DFB-Sportgericht reduzierte die ursprünglich geforderte Strafe von drei Spielen Sperre für den unabsichtlichen Tritt (man könnte auch sagen: Hohes Bein mit Körperkontakt) des Koreaners entsprechend, da gewürdigt wurde, dass Lee den Ball spielen wollte. Dagegen kommen zwei Übeltäter beim Gegner vorerst ungeschoren davon: Nichts Neues gibt es von den möglichen Ermittlungen gegen Jefferson Farfan wegen eines  Griffs ins Gesicht des Bochumers Imhof. Und Rafinha, der unfairste Spieler der Liga, kommt aufgrund der Tatsachenentscheidung von Schiedsrichter Kircher bis auf eine vereinsinterne Geldstrafe ungeschoren mit dem Schlag gegen Stanislav Sestak davon. Damit wird er auch in diesem Derby wieder ein heißer Kandidat für einen Platzverweis sein. Pfeifen wird morgen übrigens der Bayer Wolfgang Stark – kein Mann, in den ich besonderes Vertrauen habe.

Die personelle Situation stellt sich damit so dar, dass die Gastgeber in Bestbesetzung auflaufen können; höchstens Abwehrchef Bordon dürfte durch eine Armmanschette leicht gehandicappt sein. Der BVB muss neben Lee, Dede und Hummels auch Tinga und weiterhin Kuba ersetzen. Dass uns Letzterer enorm fehlt, haben die letzten Spiele gezeigt. Bei der Genesung des Polen soll kein Risiko eingegangen werden, weswegen erst in zwei bis vier Wochen mit seiner Rückkehr gerechnet werden kann. Tinga halte ich nach den letzten Eindrücken nicht für unersetzbar; Florian Kringe wird gerade im Derby alles geben. Sorgen macht, wie schon am Montag angesprochen, eher die Besetzung der Defensivreihe.

Einen weiteren Grund, warum wir Andy Müller doch nicht retten können, hat unterdessen Gerald Asamoah geliefert. Der zweite Derby-Buhmann gibt Jürgen Klopp beste Motivationshilfe:

Wir wollen uns nicht auf eine Stufe mit Dortmund stellen. Wir haben andere Ziele. Am Freitag heißt es gewinnen, sonst nichts. [Quelle: Kicker]

Als Kneipenschauer kann ich da nur noch sagen: Freitagabend, Derby – was kann es Schöneres geben?

Auf Wiedersehen, Nike!

26. Januar 2009 Nick 3 Kommentare

Borussia Dortmund bekommt nach vielen Jahren Partnerschaft mit dem amerikanischen Sportswear-Giganten, nur kurz unterbrochen durch den Versuch mit der eigenen ‘Tochter’ goool.de, ab der kommenden Saison einen neuen Ausstatter. Es handelt sich um das italienische Unternehmen Kappa aus Turin. In Deutschland rüstet Kappa zur Zeit zwei Fußball-Profiteams aus: Werder Bremen und den 1.FC Kaiserslautern. Die international bekanntesten Klienten sind wohl AS Rom und Feyenoord Rotterdam.

Ich will diesen Wechsel jetzt gar nicht irgendwie ideologisieren. Als Fan finde ich es jedenfalls gut, dass sich hier mal was tut. Wirklich tolle Trikot-Designs habe ich in den letzten Jahren vermisst, und das berüchtigte weiß-gelbe Shirt ging nicht nur wegen der Farben, sondern auch wegen dem mMn hässlichen Kragen gar nicht. Gerade in dieser Sache wirkte der Riese Nike sehr unbeweglich. Das aktuelle Trikot ist ok, aber vielleicht können die Italiener in der kommenden Jubiläumssaison noch einen draufsetzen. Wenn man sich die aktuellen Leibchen der Bremer und Lauterer anschaut, dann sind die elegant, ohne besonders aufzufallen. Mal sehen, vielleicht haben sich die BVB-Verantwortlichen ja mehr Mitspracherechte für den Klub bei der Gestaltung zusichern lassen; der Deal (über drei Jahre) muss schließlich einige Vorteile haben.

Warten wir ab, wie sich das italienische Flair auswirkt…

Von Stevie G und Big Roman

4. Januar 2009 Nick 2 Kommentare

Der britische Fußball ist bisher während dieser deutschen Winterpause seinem Ruf gerecht geworden und hat geliefert, was man so von ihm erwartet – auf und neben dem Platz. Sportlich scheint Tabellenführer Liverpool in dieser Saison endlich mal das Zeug zu haben, nach 19 Jahren wieder den Titel an die Merseyside zu holen. Die Führung ist noch knapp, aber die Konstanz scheint vergleichbar mit der von Man United und besser als bei Phil Scolaris Chelsea zu sein. Wenn es da nicht ausgerechnet jetzt die Schlagzeilen ausgerechnet um den Kapitän, das Aushängeschild, Steven Gerrard geben würde. ‘Stevie G’ wurde am 29. Dezember frühmorgens nach einer Schlägerei in einer Bar in Southport in Polizeigewahrsam genommen. Dort hatte der 28-jährige mit Bekannten den Auswärts-Kantersieg über Newcastle (1-5) gefeiert. Nach Medienberichten sollen er und seine Freunde mit der Musikauswahl des DJs nicht einverstanden gewesen sein, weswegen es für den ein paar auf die Mütze gab.

Wie genau die Auseinandersetzung ablief, ist noch unklar, aber Gerrard muss deswegen am 23. Januar vor Gericht erscheinen. Das ‘Opfer’ musste kurzzeitig im Krankenhaus behandelt werden, was auch für britische Fußballverhältnisse keine Lappalie ist. Gerrards Arbeitgeber steht natürlich erstmal hinter ihm, was angesichts seiner Stellung für Liverpool, aber auch seiner bisher weißen Weste in Sachen Ausschweifungen kein Wunder ist. Spannend bleibt die Frage, ob der vermutlich anstehende Prozess und der ganze Rummel sich auf die sportlichen Leistungen des Kapitäns auswirken werden. Noch ist davon nichts zu merken: Beim souveränen 2-0 der Reds im FA Cup bei Preston North End wirkte Gerrard voll konzentriert und hellwach. Prinzipiell könnte aber seine Form durchaus die Meisterschaft entscheiden, denn United wartet nur auf Ausrutscher.

In anderen Tabellenregionen bewegt sich West Bromwich Albion. Nach dem zweiten Heimsieg in Folge, am 28. Dezember gegen die ebenfalls abstiegsgefährdeten Spurs (2-0), beträgt der Rückstand auf einen Nichtabstiegsplatz jedoch nur noch zwei Punkte – der nächste ‘Great Escape’ (ein schöner Anglizismus, wie ich finde, doch die Probleme beim deutschen Genus habe ich nicht gelöst ;-) ) ist wieder in greifbare Nähe gerückt. Und hier kommt ‘Big Roman’ ins Spiel. Nicht Abramowitsch, der nur in finanzieller Hinsicht groß ist. Sondern Roman Bednar, der 1,90 m-Stürmer der Baggies, der gegen die Spurs in der 83.Minute endlich das vernagelte Tor traf. Die Gastgeber hatten zuvor eine knappe Stunde in Überzahl gespielt, weil Tottenhams Assou-Ekotto nach einem Tritt auf den liegenden Zuiverloon vom Platz geflogen war.

Diese Rote Karte war allerdings nicht der Grund, warum sich der neue Spurs-Trainer Harry Redknapp nach dem Spiel so über Schiedsrichter Steve Tanner echauffierte. Sondern vor allem Bednars Kopfballtor, bei dem sich der Tscheche etwas bei seinem Gegenspieler aufstützte. Eine abpfeifbare Situation, aber recht alltäglich im Fußball. Jedenfalls waren Redknapps Kommentare sehr explizit: Er bezeichnete Tanner als schlechten Schiedsrichter, von dem er nichts anderes erwartet habe, da dieser schon zuvor so viele Spiele verpfiffen habe. In Deutschland wäre das sicher ein Fall fürs DFB-Sportgericht. Und auch in England könnte man angesichts der „Respect the Ref“-Kampagne ein Einschreiten der FA erwarten. Aber anscheinend kommt ‘Harry Houdini’ wieder einmal davon, wie ein FA-Sprecher andeutete. Die Begründung: Der Schiedsrichter wurde nicht mit einem richtigen Schimpfwort beleidigt und seine Unparteilichkeit nicht in Zweifel gezogen. Großbritannien ist eben doch das Land der Meinungsfreiheit… Mehr …