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Archiv für die Kategorie ‘Strippen ziehen’

Mehr Geld für Fußball: Die neue Rechteverteilung

29. November 2008 Nick Kommentieren

Mit Spannung wurde nach dem ganzen Vorlauf die gestrige Neuvergabe der Fernseh- und sonstigen Medienrechte für die 1. und 2. Bundesliga durch die DFL erwartet. Gekommen ist manches so wie erwartet; vor allem hinsichtlich der neuen Aufteilung bzw. Zerstückelung des Spieltags. In der ersten Liga gibt es künftig ein Samstagfrühabend-Spiel um 18.30 Uhr; von den beiden Sonntagsspielen findet eines bereits nachmittags um 15.30 Uhr statt, eines startet im Anschluss um halb sechs. Härter hat es die zweite Liga getroffen. Die Spiele am Wochenende starten nun ausnahmslos schon zur Mittagszeit (zwei am Samstag um eins, drei am Sonntag um halb zwei).

Etwas überraschender ist dagegen die Tatsache, dass das DSF als Erstliga-Sender künftig außen vor bleibt, zumindest was die Erstverwertung im Free-TV angeht. Ab der nächsten Saison werden auch die Sonntagsspiele zuerst in der ARD zu sehen sein – als Kompensation für das parallel zur Samstags-Sportschau laufende Livespiel, das ‘frei’ zuerst im ZDF-Sportstudio laufen wird. Dem DSF bleiben Zweitverwertung und zweite Liga. Der einzige Pay TV-Partner bleibt Premiere, das weiterhin alle Spiele live zeigen wird.

Mit dieser Neuaufteilung hat es die DFL tatsächlich geschafft, trotz Finanzkrise noch mal durchschnittlich sieben Millionen Euro mehr pro Saison rauszuholen, insgesamt 412 Millionen. Dafür müssen die Fans, vor allem die von Zweitliga-Vereinen, große ‘Kompromisse’ eingehen – und das ist noch euphemistisch formuliert. Die Kritik an den Neuerungen hat Dülp vom „Bolzplatz“ gut zusammengefasst. Ich kann da vieles unterschreiben, sehe das Problem selber aber weniger darin, dass die Premiere-Konferenz entwertet wird – für mich immer nur eine Notlösung – und auch nicht darin, dass es für den Fernseh-Zuschauer zu viele Live-Termine gibt. Alle Livespiele des Wochenendes zu verfolgen ist ohnehin illusorisch, da gäbe es ja auch noch Premier League, Primera Division… glaube nicht, dass es so viele dieser ‘Powerwatcher’ gibt.

Das größere Problem stellt sich für die Fans in den Stadien. Durch die frühen oder späten Termine. Hier scheint mir die Fixierung auf einen einzigen Pay TV-Partner langfristig ein Fehler zu sein. Man sollte überprüfen, ob eine Aufteilung der Liverechte nicht wirtschaftlich Sinn machen könnte. Mehr Sender hätten mehr Kapazitäten, um mehr Spiele parallel zu zeigen, also bspw. um 15.30 Uhr. Die konkurrierenden Anbieter müssten für die Pakete weniger bezahlen. Wichtig wäre natürlich, einen Receiver zu haben, der für alle Plattformen geeignet ist. Und letztendlich müsste das Angebot für die Zuschauer finanziell tragbar sein. Viele „wenns“ – aber eine Alternative, die imho zumindest überlegenswert erscheint.

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Kurzer Gedanke zum Kartellamt

26. Juli 2008 Nick 2 Kommentare

(Updated) Die deutschen Fußball-Funktionäre malen angesichts der Entscheidung des Bundeskartellamts, die Zentralvermarktung der Bundesliga-Fernsehrechte nur zu genehmigen, wenn Highlights der Spiele vor 20 Uhr im Free-TV gezeigt werden, den Teufel an die Wand. Der deutsche Fußball werde damit unausweichlich von Europas Spitze abgehängt usw. Respekt deshalb an Jürgen Klinsmann, der sagt, er akzeptiere das Argument der finanziellen Diskrepanz zu den Großen nicht. Und dass die Arbeitsphilosophie wichtiger sei als ein Hundert-Millionen-Transfer.

Man muss das mal wieder geraderücken: Die deutschen Spitzenvereine sind und bleiben finanziell besser ausgestattet als 80 bis 90 % der europäischen Konkurrenz. Es ist nicht einfach, die Champions League zu gewinnen, das war es aber noch nie. Die Entscheidung des Kartellamts muss man deshalb noch nicht positiv sehen; immerhin hatte die DFL auch interessante Modelle vorgeschlagen, die anstelle einer frühen Highlight-Berichterstattung mehr Livespiele im Free-TV vorgesehen hätten.

Die eigentliche Gefahr einer Einmischung des Kartellamts besteht aber darin, dass irgendwann einmal die ganze Zentralvermarktung kippen könnte. Was sich die Bayern wohl insgeheim wünschen und worauf sie vielleicht hinter den Kulissen schon hinarbeiten. Dann würden sich riesige finanzielle Diskrepanzen innerhalb der Bundesliga auftun, dann wäre ‘der Deutschen liebstes Kind’ wirklich gefährdet.

UPDATE: Wobei ich gerade gesehen habe, dass sich die Bayern in Person von KHR nun doch bemerkenswert eindeutig pro Zentralvermarktung geäußert haben:

Ich habe gesagt, dass wir zur Zentralvermarktung stehen, und ich sage nach dem für mich nicht nachvollziehbaren Spruch des Kartellamtes: Jetzt erst recht. Würden wir als FC Bayern die Solidarität aufkündigen, wäre das für uns kurzfristig vorteilhaft, für den Fußball in Deutschland aber schädlich. Wir werden den Profifußball nicht im Regen stehen lassen.

Erster schwarzer Trainer in der Premier League

23. Juni 2008 Nick Kommentieren

In Englands Fußballgeschichte wird voraussichtlich der morgige Dienstag ein historischer Tag werden. Nach dem Weggang von Mark Hughes zu Manchester City soll dann Paul Ince als neuer Trainer des Premier League-Klubs Blackburn Rovers vorgestellt werden. Ince war auch schon der erste schwarze Kapitän der englischen Nationalmannschaft. Der 40-jährige ist mit den Milton Keynes Dons, dem Retortenklub, der aus dem FC Wimbledon entstand, gerade in die League One (dritte englische Liga) aufgestiegen. Er hat für seinen neuen Job allerdings von der Premier League die Auflage erhalten, innerhalb von zwei Jahren mit der Ausbildung zum Erwerb der UEFA Pro Lizenz anzufangen.

Im englischen Fußball bewegt sich also einiges, manches zum Negativen, wie das von der Premier League vorgeschlagene ‘39. Spiel’, das zusätzlich zum normalen Spielplan im Ausland ausgetragen werden soll, manches aber auch zum Positiven. In der aktuellen Ausgabe hatte die englische „FourFourTwo“ noch ein Interview mit dem Beauftragten der FA zur Förderung von Trainern, die ethnischen Minderheiten angehören (FourFourTwo July 2008, S. 75). Brendon Batson sprach von einem „lack of trust in boardrooms“ – die Rovers, ein Klub aus dem Mittelfeld der Premier League, sind nun das ‘Wagnis’ eingegangen.

In Deutschland sind deutlich weniger Afrodeutsche im Fußballbereich tätig als schwarze Briten in England. Aber auch aus anderen ethnischen Minderheits-Communities hat es meines Wissens noch kein hierzulande Aufgewachsener auf die Trainerbank eines Bundesliag-Vereins geschafft. Oder kennt jemand einen? Der DFB hat zwar einen ‘Integrations-Preis’ ausgerufen, könnte aber vielleicht selber noch mehr Konkretes bei der Trainerausbildung tun. In England hofft man nun, dass Paul Ince zu einem ‘role model’ wird – könnte bei uns auch funktionieren.

„Hartplatzhelden“ sollen verboten werden

9. Mai 2008 Nick Kommentieren

Vor einigen Wochen berichtete ich über den Rechtsstreit des Amateurfußball-Videoportals „Hartplatzhelden.de“ mit dem Württembergischen Fußballverband (WFV). Dieser wollte den Seitenmachern untersagen, von Amateuren gedrehte Spielausschnitte von Partien unter WFV-Obhut auf ihrer Plattform zugänglich zu machen – obwohl sich bisher niemand vom WFV oder einem anderen Fußballverband um die Bereitstellung von Bildern aus den unteren Amateurklassen gekümmert hat. Gestern ist nun das Urteil des Landgerichts Stuttgart gefallen, das den Hartplatzhelden die Verbreitung von Videos von WFV-Spielen unter Androhung eines Ordnungsgelds untersagt – andere Verbände dürften mit ihren Klagen nachziehen, allerdings wollen die HPH-Macher noch in Berufung gehen.

Wenn der Verband nun argumentiert, vor allem im Interesse der Vereine gehandelt zu haben, die nun die Möglichkeit hätten, eigene Online-Aktivitäten zu starten, dann ist das im besten Falle blauäugig, naiv und zeugt von fehlendem Durchblick beim Thema ‘Web 2.0′. Der wahrscheinlichere Fall ist jedoch, dass der WFV einfach einen Konkurrenten ausstechen wollte, denn der Verband hat inzwischen einen eigenen Partner für sein eigenes Video-Angebot. Bleibt die Frage, wem der Amateurfußball gehört bzw. gehören sollte. Eine alternative Rechtsauffassung findet sich hier.

Der Kampf der Hartplatzhelden

11. April 2008 Nick 1 Kommentar

Durch einen Bericht im (generell empfehlenswerten) NDR-Medienmagazin „Zapp“ bin ich am Mittwoch darauf aufmerksam geworden, dass das Fußball-Video-Portal „Hartplatzhelden“ zur Zeit in einen Rechtsstreit mit dem Württembergischen Fußballverband (WFV) verwickelt ist. Bei den „Hartplatzhelden“, hinter denen u.a. Oliver Fritsch vom „Indirekten Freistoß“ steckt, können Fans und Spieler von Vereinen aus unteren Spielklassen ihre selbstgefilmten Videos mit Spielszenen hochladen. Szenen, die sonst niemand außer den Zuschauern vor Ort zu Gesicht bekommen würde. Durch den Erfolg der Seite ist der WFV nun auf die Idee gekommen, die Hartplatzhelden zu verklagen; der Verband beansprucht anscheinend sämtliche Bildrechte an allen Spielen unter seiner ‘Herrschaft’. Die Entscheidung über die Klage ist diese Woche vom Landgericht Stuttgart auf den 8. Mai verschoben worden.

Bei diesem Prozess geht es imho um nichts weniger als die Frage „wem gehört der Fußball“. Kann ein Verband den Vereinen, die keine direkten finanziellen Leistungen von Verbandsseite erhalten und den Spielern, die i.d.R. nichts mit dem Kicken verdienen, untersagen, Bilder von ihren Spielen kostenlos zur Verfügung zu stellen? Sicher, die Hartplatzhelden-Macher hoffen, durch Werbebanner irgendwann zumindest kostendeckend arbeiten zu können. Aber das Angebot ist kostenlos und soll es auch bleiben. Offensichtlich will der WFV diese ‘Geschäftsidee’, wenn man es denn so nennen kann, nun für sich selber nutzen.

An Fernsehrechte im Profifußball hat man sich gewöhnt; sie finanzieren schließlich die Klubs und sollten im Sinne des sportlichen Wettbewerbs deshalb auch zentral (von DFB / DFL) vermarktet werden. Im unterklassigen Amateurfußball verdient niemand an den Bildern und bis vor kurzem waren sie meist nirgends zu sehen. Wenn es nun eine zentrale, kostenlose Plattform dafür gibt, dann ist das eine kreative Leistung der Köpfe, die dahinterstecken, und das ‘Material’ kommt von den Akteuren (Spieler, Trainer, Fans) selbst. Genauso absurd wie die Forderungen des WFV in diesem Fall ist m.E. übrigens die Idee von ‘Radiorechten’ im Sport – im Radio wird die einzige Leistung vom Kommentator erbracht; das Recht am eigenen Wort muss man doch wohl nicht erwerben.

Ihr könnt die „Hartplatzhelden“ durch eine Solidaritätserklärung hier unterstützen.

Neuer Bayern-Trick? Pokalfinale beinahe abgesagt!

5. April 2008 Nick 2 Kommentare

Wie weit reicht der lange Arm von Karl-Heinz Rummenigge wirklich? Wollten die Bayern sogar das Pokalfinale absagen lassen, um sich ganz auf Liga und UEFA Cup konzentrieren zu können? Oder stimmt etwa die offizielle Version, nach der die kartellrechtlichen Ermittlungen gegen DFB und DFL beinahe zur Absage des Endspiels in Berlin sowie der zwei Testspiele der Nationalmannschaft vor der EM geführt hätten?

Abstrus klingt ja wohl beides. Tatsächlich hat aber ein hoher DFB-Funktionär gestern bestätigt, dass es sich um ein realistisches Szenario gehandelt habe. In dem laufenden Kartellverfahren geht es um Absprachen zwischen DFB und DFL bei der Sponsorensuche. Das Bundeskartellamt sieht die beiden Verbände als Konkurrenten auf dem Werbemarkt – eine vielleicht rechtlich korrekte, aber sportlich bzw. organisationstechnisch gewagte Sichtweise. Den Verbänden und ganz konkret auch einigen handelnden Personen könnten nun hohe Millionenstrafen drohen. Gerade das Pokalfinale galt als kritisch; der BVB ist da zwar formal Veranstalter (als formaler Heimverein), eigentlich kümmert sich aber der DFB um die gesamte Abwicklung, gerade auch im Sponsorenbereich.

Erst am Donnerstag erreichte den DFB ein Brief des Kartellamts, der zumindest für die drei genannten Spiele Entwarnung gibt. Nicht nur wegen dieses Verfahrens, sondern gerade auch wegen der Bedenken des Amts gegen die Zentralvermarktung der Fernsehrechte ist es dringend notwendig, dass es eine Debatte darüber gibt, inwieweit das in Wirtschaft und Handel natürlich absolut notwendige Kartellrecht 1:1 auf den Bereich des Sports übertragen werden kann. Auch wenn Fußballvereine heute Wirtschaftsunternehmen sein mögen – es muss sportspezifische Regelungen bzw. Auslegungen der Vorschriften geben.

Killt Kalle die Bundesliga?

11. März 2008 Nick 5 Kommentare

Vor gut zwei Wochen traf sich der Vorstandsvorsitzende des FC Bayern München, Karl-Heinz Rummenigge, mit Mitarbeitern des Bundeskartellamts zu einem ‘Informationsgespräch’. Gestern nun wurde bekannt, dass die Behörde jetzt rechtliche Einwände gegen die zentrale Vermarktung der Bundesliga-Fernsehrechte geltend macht und den Vereinen deshalb einen Fragebogen zugeschickt hat. Kann das Zufall sein? Angesichts der Tatsache, dass sich die Damen und Herren in Bonn bisher nie bemüßigt sahen, die seit vielen Jahren gängige Praxis zu durchleuchten, erscheint ein Zusammenhang naheliegend. Gut, es steht auch ein neuer TV-Vertrag an, der viel Macht in den Händen der DFL bündelt (Stichwort: Eigenproduktion der Übertragungen). Aber das Kartellamt zielt genau ins Herzstück der Rechtevermarktung:

„Die Zentralvermarktung von Medienrechten hat dieselbe Wirkung wie ein Preiskartell.“

Da haben die Wettbewerbshüter gemäß ihrer üblichen Logik Recht, nur geht es bei den Fußballverträgen um die Vereinbarkeit von marktwirtschaftlichen Grundsätzen und sportlichem Wettbewerb, und um letzteren zu hüten, müsste die zentrale Vermarktung im wesentlichen unangetastet bleiben.

Wenn KHR das bisher geltende Prinzip als „wichtiges Gut“ bezeichnet, ist das der Tatsache geschuldet, dass er sich mit seiner eigentlichen Meinung und seinem Vorgehen gegen fast alle Fußballfans (vielleicht sogar einige Bayern) und -Funktionäre stellt. Ein klarer Fall von ‘öffentlich reden – hintenrum (konträr) handeln’. Dass es Rummenigge in Wirklichkeit darum geht, mit dem FCB um jeden Preis wieder im Konzert von Europas Großen mitzuspielen, hat er durch zahlreiche andere Äußerungen angedeutet.

Der Preis wäre sehr, sehr hoch. Sollte es wirklich zu einer dezentralen Vermarktung der TV-Rechte kommen, könnte es noch schlimmer kommen als in Spanien, Italien oder England. Sind schon dort die sportlichen Machtverhältnisse stark zementiert, mit zwei bis vier Teams, die die Ligen nach Belieben dominieren (in England allerdings nicht in erster Linie wegen den Fernsehrechten), dürften die Bayern aufgrund ihrer immensen Popularität im deutschen Fernsehen noch mächtiger werden was den nationalen Vergleich angeht. Drei, vier andere Vereine würden die Europapokal-Plätze unter sich ausmachen, Überraschungen ‘von unten’ würden immer unwahrscheinlicher.

Noch ist es nicht soweit; DFB und DFL werden zusammen versuchen, das Kartellamt zu beschwichtigen; es gab ein Treffen von Theo Zwanziger und Reinhard Rauball mit dem Präsidenten und der Beschlussabteilung der Behörde. Trotzdem: Karl-Heinz Rummenigge gefährdet mit seinem Vorgehen mutwillig das Erfolgsprodukt Bundesliga und sollte deshalb aus dem Ligavorstand zurücktreten (oder zurückgetreten werden).

Egomanigge schlägt wieder zu

25. Februar 2008 Nick 1 Kommentar

Erst „Federicomenal“, jetzt „Egomanigge“. Wann hört dieser Wortspiel-Wahnsinn hier auf? Ich gelobe, das soll nun erstmal das letzte für ne Weile gewesen sein ;-) . Aber was beschreibt diesen Mann besser, der gleichzeitig Vorstandsvorsitzender des FC Bayern, Mitglied des Ligavorstands und Vorsitzender der neuen europäischen Klubvereinigung ist, aber trotzdem nur an das Eine denkt? Natürlich kann ich verstehen, dass einem der Verein am nächsten ist, aber was KHR regelmäßig abzieht, ist einfach nicht mit seinen anderen Funktionen vereinbar.

Aktuell geht es mal wieder um die zentrale Vermarktung der Fernsehrechte durch die DFL. Es ist schon Routine, dass Rummenigge vor jedem neuen TV-Vertrag laut über eine Einzelvermarktung durch die Klubs nachdenkt. Die Bayern könnten dadurch, das ist wohl unstrittig, deutlich mehr Geld einnehmen. Bisher werden die Fernsehgelder zwar schon nach Erfolg gestaffelt verteilt, aber die Schere zwischen arm und reich würde bei dezentraler Vermarktung, das ist ebenso unstrittig, noch viel weiter auseinandergehen. Von Solidarität und einem sportlich fairen Wettkampf könnte dann nicht mehr die Rede sein. Nun ist also KHR nach Recherchen des Kicker zu einem angeblich ‘informellen Gespräch’ mit Vertretern des Bundeskartellamts zusammengetroffen. Über was da gesprochen wurde, wird sicher nicht wortwörtlich herauszufinden sein, aber in welche Richtung es geht, dürfte feststehen: Rummenigge wollte sich über den Standpunkt des Kartellamts informieren und dessen Mitarbeiter u.U. zu einem Vorgehen gegen die Zentralvermarktung bewegen.

Mit dieser Haltung steht der Bayern-Chef in DFL-Kreisen komplett allein da, zumindest wenn man den öffentlichen Äußerungen der anderen Vereinsvertreter Glauben schenkt. Kein anderer Verein, auch nicht die reicheren, auch nicht die deutschen CL-Teilnehmer dieser Saison, stellt die zentrale Vermarktung in Frage. Nun wird spekuliert, ob Rummenigge mit seinem ‘informellen Gespräch’ vielleicht nur eine erneute Veränderung des Verteilungsschlüssels zugunsten der erfolgreichsten Vereine erreichen will, also ein Pokerspiel betreibt. Aber der Gang zum Kartellamt überschreitet eine Grenze. Damit wird versucht, die TV-Vermarktung aus der Sphäre des Sports herauszulösen und komplett den Prämissen der freien Marktwirtschaft unterzuordnen. Die rechtliche Lage ist unklar – sportlich ist so ein Vorgehen mit Sicherheit nicht.

Das Ende der G 14

16. Januar 2008 Nick Kommentieren

Auch ihr werde ich keine Träne hinterherweinen: Die G 14, also die Interessenvertretung der großen europäischen Klubs mit sinnigerweise 18 Mitgliedern, zu denen auch noch Borussia Dortmund gehört, wird sich aller Voraussicht nach in den nächsten Monaten auflösen. Hintergrund ist, dass die Klubs mit UEFA und FIFA eine Einigung über die einzige Frage erzielen konnten, die sie wirklich noch verband: Die Entschädigung von Vereinen für die Abstellung von Nationalspielern zu Europa- und Weltmeisterschaften. Dazu sind die Verbände nun bereit. Als ‘Ersatz’ für die G 14 soll es zukünftig ein demokratischeres Gremium geben, in dem über 100 Klubs aus allen 53 europäischen Verbänden vertreten sein sollen.

Sollte die neue Klubvertretung wirklich auch in der Praxis demokratisch agieren, wäre das jedenfalls ein Riesenfortschritt gegenüber dem elitären Gedankengut, das die G 14 bis vor wenigen Jahren vertreten hat: Da wurde die Einführung einer Europaliga der Spitzenvereine angedacht und als Kompromiss immer mehr Geld für die Champions League verlangt. Inzwischen scheint auch den Topklubs aufgegangen zu sein, dass der großen Mehrheit des zahlenden Publikums die nationalen Ligen am wichtigsten sind, und man somit, ob man will oder nicht, mit den ‘Kleinen’ in einem Boot sitzt.

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