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Archiv für die Kategorie ‘Taktiktisch’

Klopp zu den Perspektiven der Neuen

28. Juni 2009 Nick Kommentieren

In einem sehr interessanten Artikel bei den „Ruhr Nachrichten“ stellt Jürgen Klopp die Neuzugänge des BVB vor. Spannend daran ist vor allem, dass man aus seinen Worten durchaus Schlüsse auf den Stellenwert und die möglichen Positionen der Neuen ziehen kann – daran kann die Saisonvorbereitung natürlich noch etwas ändern.

Der junge Sven Bender ist eine Option für das defensive Mittelfeld und die Halbpositionen in einer Raute, kann aber auch Innenverteidigung spielen. Klopp zu seinen Perspektiven:

Bender soll spielen! Auf welcher der drei Positionen, das entscheiden wir noch. Wichtig ist, dass wir interne Drucksituationen schaffen!

Diese Aussage lässt den Schluss zu, dass Bender, wenn er sich in der Vorbereitung ins Zeug legt, knapp hinter den ersten Elf steht und durchaus Chancen hat, punktuell und bei entsprechender Leistung öfter in die Mannschaft zu kommen.

Einer seiner Konkurrenten wird der aus Mainz gekommene Markus Feulner sein. Jürgen Klopp lobt ausführlich die Fortschritte des 27-jährigen, der beim FSV zuletzt vor allem im zentralen Mittelfeld spielte. Zu seiner Positionierung in Dortmund meint Klopp:

Er kann in unserer Raute alle vier Positionen spielen. Am stärksten ist er aus meiner Sicht allerdings auf den beiden Halbpositionen.

Damit bestätigt Klopp, dass Feulner höchstens im Verletzungsfall für Sebastian Kehl oder Tamas Hajnal einspringen wird. Auf den Halbpositionen kann er sich aber gute Chancen ausrechnen – bei einer möglichen (temporären) System-Umstellung auf ein klassisches 4-4-2 käme er natürlich für die zweite zentrale Mittelfeld-Position in Frage. Mehr …

Der Europameister aus München

18. Juni 2009 Nick Kommentieren

BVB-Sportdirektor Michael Zorc liefert zur Zeit ein Musterbeispiel für ruhige, effiziente Arbeit ab. Gut, es mag Vereine geben, bei denen das noch schwieriger ist als in Dortmund, aber was heute, zwei Tage nach der Rangelov-Verpflichtung, bekannt wurde, verdient Respekt. Fangen wir mal an: Der 20-jährige Junioren-Nationalspieler und U19-Europameister Sven Bender wechselt  von 1860 München zum BVB und erhält einen Vier-Jahres-Vertrag. Es handelt sich um einen Spielertausch, bei dem kein Geld fließen wird, denn im Gegenzug bleibt der in der Rückrunde an die Löwen ausgeliehene Toni Rukavina in München.

Außerdem wechselt Abwehrspieler Markus Brzenska zu Energie Cottbus – die Ruhr Nachrichten spekulieren über eine Ablösesumme im mittleren sechsstelligen Bereich, die sich natürlich gleich mit dem Rangelov-Transfer verrechnen lässt. Damit wurden heute also zwei der drei Spieler, mit denen Jürgen Klopp definitiv nicht mehr plant, abgegeben und ein junger Nachwuchsmann mit Potenzial geholt. Hört sich super an und klingt nach guter Arbeit mit wenig Geld.

Aber natürlich sind Transfers von Spielern kleinerer Vereine mit einem gewissen Risiko verbunden. Wir durften das bei Giovanni Federico erleben, dem ehemaligen Zweitliga-Torschützenkönig, der nun ganz oben auf der Verkaufs-Wunschliste des BVB steht. In der letzten Saison, seit Jürgen Klopp im Amt ist, haben wir allerdings keinen Transfer-Flop erlebt und das stimmt zuversichtlich.

Michael Zorc spricht bei Bender absichtlich von der längeren Perspektive: „Er soll hier in der Zukunft eine gute Rolle spielen.“ Sich auf Anhieb einen Stammplatz zu erkämpfen, dürfte dem Neuzugang auch schwer fallen, denn Bender ist Mittelfeldspieler, auf der ‘6′ oder den Halbpositionen einer Raute einsetzbar und damit Konkurrent oder Partner von Kehl, Tinga, Kringe, Kuba, Sahin, Feulner und Federico (so lange der noch da ist).  Es ist gut möglich, dass uns deshalb außer – hoffentlich – Federico noch ein weiterer aus dieser Reihe verlässt. Von Vereinsseite wird bei entsprechenden Angeboten ja gar nichts ausgeschlossen – besonders offen wäre man wahrscheinlich bei Angeboten für Tinga und eventuell Kringe. Gerade bei letzterem fände ich es allerdings schade; Kringe war immer jemand, der sich mit dem BVB identifiziert und oft richtige Worte gefunden hat.

Nach heute ist in Dortmund schon vieles klar; trotzdem kann jederzeit Unvorhergesehenes passieren – wie überdreht der Transfermarkt für Spieler und Trainer sein kann, haben wir in den letzten Wochen ausführlich gesehen. Heute, an diesem Drehtür-Tag, begrüßen wir aber erstmal Sven (und Dimitar) und sagen danke, Markus und Toni, für die lange bzw. kurze Zeit beim BVB!

Rückrundenzeugnisse 08/09

9. Juni 2009 Nick Kommentieren

Über zwei Wochen sind schon vergangen seit dem aus schwarz-gelber Sicht dramatischen Saisonfinale in der 1.Bundesliga – höchste Zeit, sich Gedanken über die Leistungen der einzelnen Spieler in der Rückrunde zu machen. Eine nicht ganz einfache Aufgabe, denn dem bis aufs letzte Spiel grandiosen Schlussspurt ging ein zäher Auftakt voraus. Für die Bewertungen (1-10 Punkte, max. 10) lege ich nur die Leistungen der Rückrunde zugrunde; aufgeführt sind nur Spieler, die genügend Partien bestritten haben.

Roman Weidenfeller: Roman hat seinen Aufwärtstrend in der Rückrunde eindrucksvoll bestätigt, war zu Beginn der einzige stabile ‘Defensivmann’, später der Rückhalt einer sich steigernden Abwehr. Einige Glanzparaden, kaum Fehler, trotzdem nicht nach Asien eingeladen – ein Zeichen, dass es bei der Nationalmannschaft mehr um Vermarktung als um Leistung geht und ein weiterer Sargnagel für mein schwindendes Interesse an ihr. 8 P.

Neven Subotic: Einer dieser schwierigen Fälle, was die Bewertung angeht. Ohne Zweifel ist Neven Subotic ein Volltreffer für den BVB, gerade auf längere Sicht. Angesichts der jungen schwarz-gelben Defensive kann man sich nur freuen. Aber die Rückrunde begann Neven mit einem ausgeprägten Leistungstief, etlichen Unsicherheiten und Aussetzern. Um das Ligaspiel gegen Bremen herum fand er, wie der Großteil der Mannschaft, zurück zu seiner Form und strahlte wieder Sicherheit und Gelassenheit aus. Alles in allem gute 6 P.

Felipe Santana: In der Rückrunde war der junge Brasilianer durch den Weggang von Kovac und die Verletzung von Hummels im Dauereinsatz – und zeigte sich deutlich verbessert. Vertrauen und regelmäßige Einsätze zahlten sich aus, über die ganze zweite Saisonhälfte gesehen war Felipe der konstantere der beiden Innenverteidiger. Sehr schön, diese Entwicklung (einmal mehr kann dabei Jürgen Klopp nicht unerwähnt bleiben); seine Schnelligkeit verband er mit guten Tackles und gutem Kopfballspiel. 7 P.

Dede: Die Rückkehr nach der Winterpause war schön und beeindruckend, gerade in den ersten Spielen lief es viel besser als man nach einer so langen Verletzungspause vermutet hätte. Danach, als für Dede langsam der Alltag zurückkehrte, merkte man ihm doch an, dass ihm noch Dynamik und Explosivität fehlten, gerade in seinen Antritten nach vorne. Trotzdem: War schön, ihn wieder dabei zu haben! 6 P.

Patrick Owomoyela: Zeigte, was für ein Potenzial er hat, wenn er über längere Zeit verletzungsfrei bleibt. Patrick wirkte defensiv bis auf ein paar wenige Aussetzer sicher und zeigte nach vorne das, was man sich von einem modernen Außenverteidiger wünscht. Vielleicht die positivste Überraschung der Rückrunde. 8 P. Mehr …

Die unergründlichen Wege des Schicksals?

24. Mai 2009 Nick 8 Kommentare

Es hat sich ganz zum Schluss noch mal gegen Schwarz-Gelb gewendet – das, was ich jetzt mal als Schicksal bezeichnen möchte. Man hätte vorgewarnt sein können: Seit der letzten Meisterschaft 2002 hat der BVB nur einmal das letzte Saisonspiel gewonnen. Aber so richtig glaube ich nicht an ein ‘Vereinsschicksal’, das die Zeit überdauert und von Jahr zu Jahr vererbt wird. Sowas gibt es nur in Gelsenkirchen. Also kein ‘Fluch des letzten Spieltags’ gestern. Normalerweise trägt man zu seinem eigenen Schicksal ein großes Stück bei – wie groß das Stück gestern war, ist eine Frage, über die es sich noch mal kurz nachzudenken lohnt.

Nicht in unserer Macht lag gestern der Ausgang des Spiels in Frankfurt, das leider vom Schiedsrichter und seinen Assistenten in eklatanter Weise beeinflusst wurde: Der Siegtreffer, das 3:2 der Hamburger, war deutlich Abseits. Einzige Entschuldigung für den zuständigen Assistenten: Die Laufwege der Spieler schienen in der Szene etwas irritierend. So kurz vor Schluss ist sowas doppelt bitter. Wenn eine der Fehlentscheidungen, auf deren Basis auch in dieser Saison wieder die beknackte ‘Wahre Tabelle’ aufgestellt wurde, spielentscheidend war, dann wohl diese. Niemand konnte von den geretteten Frankfurtern erwarten, dass sie das so kurz vor dem Ende noch mal ausgleichen. Also doch ungerechtes Schicksal und nicht in unseren Händen?

Das ist natürlich nur ein kleiner Teil der Wahrheit. Letztendlich war es genau, was ich gestern geschrieben habe: Ein Unentschieden zu viel. Das Spiel in Gladbach war zu gewinnen, wie auch einige andere Remis im Lauf der Saison (beide Spiele gegen Hannover, zuhause gegen Cottbus etwa). Auch die Spieler sahen das nach der Partie zum Teil so. Sehr vehement vertrat Roman Weidenfeller die Meinung, die Feldspieler hätten nach dem Ausgleich mehr und gezielter nach vorne arbeiten müssen. Darüber geriet der Torwart direkt nach Schlusspfiff verbal heftig mit Kapitän Sebastian Kehl aneinander. Der wiederum später selbstkritisch oder einfach nur ratlos einräumte, das Zwischenergebnis aus Frankfurt sei sicher in den Köpfen gewesen.

Das ist menschlich schon verständlich, konterkariert aber, was die Mannschaft in den letzten Monaten ausgezeichnet hat: Unbedingtes Engagement bis zum Schluss. Da überzeugt auch nicht der Erklärungsversuch von Hans-Joachim Watzke, man hätte ja in einen Konter laufen können, wenn man früher alles nach vorne geworfen hätte. Die Gladbacher wirkten gerade nach dem 1:1 und den Zwischenständen aus den für sie relevanten anderen Spielen wirklich nicht mehr sonderlich gefährlich. Bezeichnend ist, dass der BVB nach dem Ausgleich keine große Chance mehr herausspielte. Die verantwortlichen Problemzonen waren naturgemäß Sturm, aber vor allem Mittelfeld (siehe Spielbericht von gestern). Mehr …

Das Moment bewahren

9. April 2009 Nick 3 Kommentare

Wörtliche Übersetzung des englischen „keeping the momentum“. Sehr frei übersetzt könnte man auch vom „Lauf“ sprechen. Die englische „FourFourTwo“ hat sich neben Paul Lambert in ihrer Mai-Ausgabe auch diesem wolkigen Fußball-Begriff, der eigentlich aus der Physik stammt, gewidmet. Was macht dieses Moment aus, das, wenn man es einmal hat, eine Mannschaft Spiele umbiegen, scheinbar mit Leichtigkeit gewinnen (–> Wolfsburg, –> Barcelona) und Serien starten lässt?

Neben dem großen Einfluss der Fans sieht der englische Sportpsychologe Dr Chris Harwood von der Loughborough University innerhalb eines Teams sechs entscheidende Voraussetzungen: Engagement, Kommunikation, Zusammenhalt, Konzentration (sich während eines Spiels nicht ablenken lassen), Kontrolle (über die eigenen Emotionen auf dem Platz) und Vertrauen (in die eigene Stärke und die der Mannschaft). Hat der BVB das Moment auf seiner Seite, haben wir einen Lauf? Auf den ersten Blick sind das genau die Eigenschaften, die die Schwarz-Gelben bei den überzeugenden Siegen gegen Bremen und Berlin an den Tag legten. In Hannover fehlte noch etwas die Konzentration und das Vertrauen, um drei Punkte einzufahren. Technische und taktische Überlegenheit können wir gegen gute Teams erstmal nicht erwarten – man kann sie sich aber im Laufe eines Spiels durch die konsequente Umsetzung der sechs Punkte Harwoods u.U. erarbeiten.

Auch gegen den 1. FC Köln werden diese Bedingungen am Samstag eine Rolle spielen. Natürlich werden die Kölner technisch nicht überlegen sein. Aber taktisch werden sie uns eine Nuss zu knacken geben – oder eine Mauer. In den letzten Spielen setzte Christoph Daum, auch verletzungsbedingt, auf eine sehr defensive Aufstellung und Ausrichtung. In Cottbus funktionierte das, im schwachen Derby gegen Leverkusen gab es dagegen ein 0:2. Auch in Dortmund ist ein Kölner 4-1-4-1 zu erwarten, obwohl die Verletzten Ishiaku und Wome u.U. in den Kader zurückkehren könnten. Auf jeden Fall ausfallen wird Marvin Matip. Mehr …

Feulner wechselt zum BVB!

18. März 2009 Nick Kommentieren

Borussia Dortmund hat für die kommende Saison den zweiten Zweitligaspieler verpflichtet. Nach Stürmer Kevin Großkreutz von RW Ahlen kommt nun auch „der herausragende Mittelfeldspieler der 2.Bundesliga“ (Zitat Michael Zorc), Markus Feulner aus Mainz. Der 27-jährige wechselt ablösefrei und unterschreibt einen Vertrag bis Juni 2012.

Nun, wir haben auch schon mal den herausragenden Torjäger der zweiten Liga geholt, dessen Nachname zufällig auch mit ‘F’ beginnt. Der hat bekanntlich bisher nicht so eingeschlagen. Wie bei allen Neuverpflichtungen, die von kleineren Vereinen kommen, wird man abwarten müssen, wie sich Feulner an die 1. Liga anpasst. Ähnlich phlegmatische Auftritte wie von Federico sind von ihm allerdings nicht zu erwarten – da ist er als Typ einfach anders. Für welche Position er genau vorgesehen ist, wird sich zeigen. Wie Boateng, den Feulner ersetzen könnte, ist er zentral oder auf den Außen einsetzbar. Auf der Zehner-Position würde er mit Tamas Hajnal konkurrieren (was durchaus positiv sein kann), auf der linken Außenbahn hat ihn Jürgen Klopp bei Mainz öfter eingesetzt.

Generell finde ich das Konzept, das Michael Zorc und Klopp angesichts der finanziellen Lage verfolgen, positiv. Man setzt auf junge und/oder hungrige Spieler, um es mal plakativ zu sagen. Feulner fällt dabei eher in letztere Kategorie, denn er ist ja schon im ‘besten Fußballeralter’. Großkreutz ist 20 und sicher noch Perspektivspieler. Letzte Woche hat der BVB mit den beiden Nachwuchsspielern Yasin Öztekin, der schon einige Bundesliga-Kurzeinsätze aufweisen kann, und Marc Hornschuh, Kapitän der deutschen U-18, bis 2011 bzw. 2013 verlängert. Ab nächster Saison werden beide im Profikader stehen. Auch diese beiden müssen sich noch entwickeln, aber angesichts der aller Voraussicht nach ausbleibenden Europapokal-Einnahmen ist mir dieser Weg sehr sympathisch. Der Erfolg ist nicht sicher, aber auch nicht ausgeschlossen – ist das Konzept schlüssig und findet man die richtigen Spieler, könnte etwas wie in Berlin dabei herauskommen.

Der Einzeltäter

8. März 2009 Nick 4 Kommentare

So langsam muss man es zur Kenntnis nehmen: Hertha BSC KANN in dieser Saison Deutscher Meister werden. Die Tabelle lügt ja nach dem 23.Spieltag nicht mehr. Nach dem Auswärtssieg bei Angstgegner Cottbus stand gestern natürlich Torjäger Andriy Voronin mit seinem Hattrick im Fokus. Aber wie Enno bei „Welt-Hertha-Linke“ schreibt: Zwei der drei Tore hätten auch die anderen Stürmer machen können. Damit rückt die Mannschaftsleistung in den Mittelpunkt und die ist im zweiten Jahr unter Lucien Favre sehr konstant. Womit wir beim Hauptverantwortlichen für den überraschenden Aufschwung wären.

Favre muss ein sehr gutes Auge für das Potenzial von aktuellen und zukünftigen Spielern des Vereins haben. Denn unter ihm funktioniert nun, was Hertha in der Vergangenheit meistens misslungen ist: Das Zusammenkaufen einer Mannschaft. Organisch aufgebaut ist diese Truppe nicht – nur gut zusammengestellt. Ein weiteres Geheimnis dürfte in der täglichen Arbeit mit dem Team liegen. Der Schweizer hat es geschafft, den Spielern ein taktisches System beizubringen, das diese befolgen und das ihren Fähigkeiten entspricht. Die großen Stars fehlen der Hertha bekanntlich – Voronins ‘Blüte’ ist erst ein paar Wochen alt und Marko Pantelic fällt allenfalls durch Starallüren auf. Dementsprechend ist die Spielweise meist eher abwartend und ‘kompakt’, wie man so schön sagt – aber erfolgreich.

In der Schweiz, beim FC Zürich, war Lucien Favre ein Meistermacher. Kaum jemand hätte gedacht, dass er in Deutschland so schnell ähnlichen Erfolg haben könnte. Noch ist es ein gutes Stück bis zum Titel; der Glaube ist bei mir sicher nicht so groß wie schon bei vielen Hertha-Fans. Wenn sie es aber schaffen sollten, dann hat der Erfolg genau einen Namen, gegen den alle anderen verblassen.

Der kleine Unterschied

23. Februar 2009 Nick Kommentieren

Eine oft gehörte Überzeugung dieser Tage besagt, dass die englische Premier League besseren Fußball bietet als die Bundesliga und so ziemlich das Nonplusultra im Klubfußball darstellt. Ich persönlich mag englischen Fußball generell, inklusive der ganzen Kultur drumherum (damit meine ich jetzt selbstverständlich nicht Hooliganismus). Aber ich mag auch England. Trotzdem oder gerade deswegen kann ein Blick hinter den Mythos nicht schaden.

An diesem Wochenende hatte ich die Gelegenheit zu vergleichen. Das große Derby in Gelsenkirchen und die zweite Halbzeit des Premier League-Spiels Fulham v West Bromwich Albion am Sonntag. Im „Craven Cottage“ standen sich ein glücklicher Mittelfeldklub, der letzte Saison lange zittern musste, und der immer noch Tabellenletzte gegenüber. Also nicht die ‘Big Four’, bei denen einige der teuersten Spieler der Welt spielen. Wie meinem ausnahmsweise schlank ausgefallenen Beitrag zum Revierderby zu entnehmen ist, war dieses schwach und hatte nur den einen brillanten Moment von Kevin Kuranyi, den dieser allenfalls in einem neuen Werbespot wiederholen können wird.

Der Unterschied im Spiel am Sonntag: Es war in der Tat mehr Bewegung drin. Es wurde schneller gepasst, sowohl kurz als auch lang, weil im Mittelfeld stärker gepresst wurde. Dafür gab es weniger Querpässe. Hört sich gut an, ist auch nett anzuschauen; ob es besser ist, bleibt Ansichtssache, denn die Fehlerquote ist bei einer solchen Spielweise gerade bei zwei ‘kleineren’ Mannschaften auch recht hoch. Leider bei den Gästen, den Baggies aus West Bromwich, gestern besonders. Bei den teilweise flüssig wirkenden Kombinationen fehlte zu oft der berühmte ‘letzte Pass’ (woher kommt einem das bekannt vor?), die Laufwege stimmten nicht, Flanken landeten im Nichts, weil die anderen Stürmer nicht schnell genug nachrückten. Zusammen mit dem erneut hektischen, fehlerbehafteten Auftritt der Defensive ergab das eine 0:2-Niederlage – im Moment scheint den Baggies das ‘momentum’ zu fehlen um den Abstieg noch zu verhindern.

Dieser kleine Vergleich ist natürlich nicht repräsentativ, obwohl es nicht die erste PL-Partie war, die ich in dieser Saison gesehen habe. Trotzdem hier mal eine Verallgemeinerung: Das durchschnittliche Spiel in der höchsten englischen Liga ist oft besser anzusehen, aber trotzdem nicht wirklich besser als in der Bundesliga. Hört sich paradox an, ich weiß, aber eine Show, in der viel passiert, aber keine echten Highlights vorkommen, wird irgendwann mal schal. Es gibt genügend gute Premier League-Spiele, in denen auch Tore fallen, aber wenn man noch die Tatsache bedenkt, dass hierzulande alles noch offen und dicht beisammen ist, dann fällt der Qualitätsunterschied zwischen Premier League und Bundesliga doch kleiner aus als gemeinhin behauptet wird.

Kategorien:Taktiktisch, UK Special

Nur noch toller Fußball

6. August 2008 Nick 2 Kommentare

Erwartet uns in der kommenden Saison endlich mal wieder so richtig spektakulärer Fußball in der Bundesliga? Man könnte den Eindruck gewinnen, dass uns da eine Revolution bevorsteht, wenn man die einschlägigen Sportzeitschriften liest oder den Erwartungen, die im Umfeld vieler Vereine geäußert werden, Gehör schenkt. Besonders ausgeprägt sind diese Erwartungen bei den Klubs, die einen neuen Trainer verpflichtet haben, sprich den Bayern, dem BVB, Leverkusen und S 04. Attraktiven, offensiven Kombinationsfußball werden die Neuen spielen lassen, das ist das teils selbsterklärte, teils von Presse und Fans erhoffte Ziel ihrer Arbeit. Für diesen Stil stehen Jürgen Klopp, Bruno Labbadia und Jürgen Klinsmann in ihrer Eigenschaft als ‘junge, moderne Trainer’ und Fred Rutten in seiner Eigenschaft als Holländer.

Inwiefern werden sich die Erwartungen erfüllen lassen? Nun, die Bayern haben die Spielfreude bisher (zumindest auf deutschem Boden) weitgehend vermissen lassen und nun schon den zweiten Titel verpasst: Nach dem ‘Supercup’ entging ihnen auch der größtmögliche zu gewinnende Pokal (das ist durchaus wörtlich zu verstehen), der ‘Franz Beckenbauer-Cup’, dank einer 0:1-Niederlage gestern gegen Inter Mailand.

Aber mal ernsthaft: Ob wirklich alle vier neuen Trainer ihren Stil durchsetzen können, erscheint mir fraglich. Dazu braucht es ja nicht nur die Vorgabe, sondern auch die passenden Spieler und einen Gegner, der den Angriffsfußball zulässt. Zwar haben alle vier betreffenden Vereine teils neue, teils schon bekannte Akteure, denen man temporeichen Kombinationsfußball zutrauen kann. Aber der Erfolgsdruck und taktische Zwänge werden dafür sorgen, dass auch in Zukunft immer mal wieder abwartend und vorsichtig gespielt wird, gerade nach Niederlagen.

Um das klar zu sagen: Ich hoffe auch auf eine positive spielerische Entwicklung, gerade in Dortmund, aber im Zweifelsfall sind mir die drei Punkte immer noch wichtiger. Man sollte keine ZU hohen Erwartungen schüren, nur weil kein Trainer (in Deutschland) heute mehr ankommt und sagt „ich lasse Catenaccio spielen“…

Es ist vorbei: Thomas Doll ‘tritt zurück’

19. Mai 2008 Nick 3 Kommentare

Das war also die Ära Doll. Nach den Äußerungen von Michael Zorc vom Samstag und der zügigen Terminierung einer ‘Saisonanalyse’ für heute war das Aus natürlich abzusehen. Die offizielle Sprachregelung: Thomas Doll hat seinen Rücktritt angeboten, die Vereinsverantwortlichen haben ihn angenommen. Da erspar ich mir einen Kommentar zu.

Was bleibt hängen von diesen ca. 14 Monaten? Da war in der letzten Saison die Rettung vor dem Abstieg, wenn man es dramatisch ausdrücken will, und natürlich das unvergessliche Derby am 33. Spieltag. Obwohl man am letzten Spieltag den UI-Cup verpasste, verbreitete sich im Verein und unter den Fans Zuversicht hinsichtlich der kommenden Saison. Die allerdings angesichts der Ergebnisse und Leistungen in der Liga nicht lange anhielt. Die Frage nach dem Warum wurde hier und anderswo immer wieder gestellt, richtig schlauer geworden sind wir immer noch nicht.

Fehlte es an der Einstellung der Spieler? Ist ja ein häufiger Vorwurf von Fanseite, bei allen kriselnden Vereinen. Ich konnte das nur in ein paar Spielen feststellen, zuletzt gegen Nürnberg und in München. MMn hat die Mannschaft häufig engagiert, aber kopf- und ideenlos gespielt. Es klappte einfach viel zu wenig.

Da kommen wir zu These 2. Vielleicht können es diese Spieler einfach nicht besser. War also die Einkaufspolitik verfehlt? Ein Schuh, den sich dann alle Verantwortlichen, sprich Doll, Zorc und Watzke, anziehen müssten. Meines Erachtens hätte man die Limitiertheit der Abwehr erkennen müssen. Ein Robert Kovac konnte kein Ersatz für den jüngeren und schnelleren David Rozehnal sein, der nicht nach Dortmund sondern zu den Magpies ging. Auch die Tatsache, dass in der Mittelfeldraute immer Federico die 10er-Position spielen musste, da sich Petric dann doch im Sturm wohler fühlte, spricht gegen die drei Herren. Eigentlich hätte man aber von diesem Mittelfeld und diesem Sturm mehr erwarten können, denn das Können blitzte immer wieder auf (Tinga! Kuba! Kehl! Petric! Frei! – den Spielern werde ich mich übrigens noch diese Woche ausführlicher widmen, wenn es die Rückrundenzeugnisse gibt). Mehr …