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Archiv für die Kategorie ‘UK Special’

Tradition und leere Ränge

20. Oktober 2009 Nick Kommentieren

Wir kennen die Geschichte aus Deutschland: Traditionsvereine, die im unterklassigen Fußball verschwunden sind und vor halb bis weitgehend leeren Rängen spielen. Meist ist das eine Folge von sportlichem Misserfolg und Misswirtschaft. Nur der Vereinsname weckt noch Erinnerungen an bessere Zeiten.

Nicht ganz so einfach zu erklären ist der aktuelle Zuschauerschwund bei einem der traditionsreichsten englischen Klubs, Preston North End. Gegründet wurde der Verein aus dem Nordwesten im Jahr 1881, sieben Jahre später wurden die ‘Lilywhites’ erster Meister der Football League (dies und mehr gibts hier nachzulesen). Inzwischen spielen sie in der zweiten Liga und haben einen guten Saisonstart hingelegt – erst in den letzten drei Spielen ist der Lauf ins Stocken geraten (1 Unentschieden, 2 Niederlagen). PNE steht immer noch auf Platz 6, auf einem Play-Off-Rang. Trotzdem ist das Stadion, Deepdale, allenfalls halb voll. Gegen Reading kamen nicht einmal 11.000, im Spitzenspiel gegen West Bromwich Albion knapp 12.500.

Neben dem offensichtlichen Grund, der langen Erstliga-Abstinenz, wird unter anderem in den Kommentaren beim Web-Portal der Lokalzeitung „Lancashire Evening Post“ (LEP) nach weiteren Erklärungen gesucht. Trotz Erfolgen ist der Zuschauerschnitt gegenüber der letzten Saison nochmals gesunken. Neben viel Ratlosigkeit wird von den Kommentatoren (i.e. den Fans) der Verkauf von Leistungsträgern wie Sean St. Ledger  (nach Middlesbrough – zunächst ausgeliehen, jedoch mit Kaufoption) und die unattraktive Spielweise angeführt. Beide Gründe wollen nicht so richtig einleuchten. Das Abgeben von Spielern ist bei Preston aus finanziellen Gründen unvermeidlich. Und – Achtung, Phrase – attraktiv ist, was Erfolg bringt. Wobei es zur Spielweise ohnehin verschiedene Meinungen gibt.

Mir scheint, im unterklassigen englischen Fußball macht sich eine gewisse Ungeduld breit. Die Fans sehen die Stars der Premier League, die flüssigen Spielzüge dort, die reichen Gönner, die manchem unterklassigen Konkurrenten unter die Arme greifen. Die Schieflage wird immer deutlicher, was selbst bei durchaus ambitionierten, aber verhältnismäßig klammen Vereinen wie PNE die Fans vertreibt.

Inzwischen hat es immerhin einen starken Schulterschluss gegeben, um das National Football Museum in Preston zu halten. Der Stiftungsrat hatte Überlegungen angestellt, das Museum ins größere Manchester zu verlegen (ebenfalls unter obigem Link nachzulesen). Nun haben der Stadtrat, der Rat der Grafschaft Lancashire und die University of Central Lancashire ein Finanzpaket geschnürt, um die unmittelbare Zukunft des Museums in Preston zu sichern. Gleichzeitig berichtet die „LEP“ (die eine Kampagne für den Verbleib des Museums fährt), dass die Verlegung nach Manchester 8 Millionen Pfund kosten würde, und die Finanzierung nicht gesichert sei. Eine Aufwertung des Museums am Standort Preston sei dagegen bedeutend günstiger.

Im Nordwesten Englands spielt sich ein interessantes Kräftemessen zwischen einer Großstadt und einer richtigen Großstadt ab; es geht um Entwicklungschancen und Tradition. Welche Rolle der Fußball dabei noch spielen kann, wird zu beobachten sein.

Liverpool erlässt Strandball-Verbot

18. Oktober 2009 Nick 1 Kommentar

Nun werden in Liverpool womöglich die Strandbälle aus den Läden verbannt. Hamburg-Fans sollten jetzt nicht weiterlesen, alle anderen werden sich hoffentlich amüsieren. Beim gestrigen Spiel Sunderland v Liverpool gelang den Gastgebern der Siegtreffer, als Darren Bents Schuss von einem ballonartigen Strandball ins Tor abgefälscht wurde. Reds-Torwart Pepe Reina konzentrierte sich offensichtlich darauf, den Strandball zu halten und musste den echten Ball passieren lassen. Wie bei einer gewissen UEFA Cup-Begegnung waren auch gestern die Fans die Leidtragenden, die das Hindernis aufs Feld befördert hatten.

Der ehemalige Premier League-Schiedsrichter Jeff Winter zeigte sich gegenüber BBC Radio 5 Live jedoch extrem verwundert, dass das Tor vom Referee im Stadium of Light, Mike Jones, gegeben wurde. Bei einem eindeutigen Einfluss von außen auf das Spielgeschehen müsse das Spiel unterbrochen und mit Schiedsrichterball fortgesetzt werden. Bitter für Liverpool, aber Futter für alle Highlights-DVDs.

Kategorien:Smileys, UK Special

Die Geschichte im Sog der Premier League

11. September 2009 Nick 2 Kommentare

Auf den ersten Blick ist es nur eine Frage des Geldes. Wie so oft. In England gibt es ernsthafte Überlegungen, das „National Football Museum“ von seinem bisherigen Standort in Preston (Lancashire) nach Manchester zu verlegen. Während ein Teil des Museumsbestands in Preston verbleiben könnte, würde es große Ausstellungen nur noch in der Heimatstadt von ManU und Man City geben.

Die Aussagen von Museumsdirektor Kevin Moore und dem Stiftungsvorsitzenden Paul Dermody sind klar: Es fehlt an Fördermitteln und im größeren Manchester wären nicht nur die leichter zu bekommen, sondern auch mehr Besucher zu erwarten. Hintergrund der aktuellen Geldknappheit des Museums ist der Wegfall von über 300.000 Pfund an Fördergeldern, die der „Football Stadium Improvement Fund“ jährlich überwies – dieses Geld soll zukünftig in den Breitensport fließen.

Das „National Football Museum“ wurde 2001 am Stadion von Preston North End, Deepdale, eröffnet. PNE, so die Kurzform des Vereinsnamens, hat seit 1961 nicht mehr in der höchsten englischen Spielklasse gespielt. Immerhin sind die ‘Lilywhites’, so der Spitzname, in diesem Jahrtausend  ununterbrochen Zweitligist. Deepdale ist ein schönes Stadion (so weit ich das anhand von Bildern beurteilen kann) mit gut 23.000 Plätzen. Vermutlich aufgrund der langen Erstliga-Abstinenz kamen in der letzten Saison durchschnittlich ‘nur’ 13.500 Zuschauer. Trainer der Lilywhites ist der unaufgeregte Schotte Alan Irvine, der die Mannschaft mit begrenzten finanziellen Mitteln ins Play Off-Halbfinale (Platz 6 in der Liga) führte, wo sie mit einem Gesamtresultat von 1:2 Sheffield United unterlagen. Mehr …

Fußball in Zeiten der Länderspiel-Pause

6. September 2009 Nick Kommentieren

Für Leute wie mich, fast-nur-Vereinsfußballfans, sind solche Länderspiel-Pausen ähnlich unwillkommen wie wohl für die meisten Trainer. Gerade zu einem so frühen Zeitpunkt der Saison, wenn noch so viele Fragen in Bezug auf das eigene Team offen sind, kann ich mich überhaupt nicht für die Spiele der Nationalmannschaft erwärmen. Einige Alternativ-Themen für diese ‘Zwischenzeit’:

Blick nach Dortmund. Es bleibt der Ärger über die Kringe-Ausleihe nach Berlin. Aber es hilft ja nichts, die Sache ist durch und der Blick geht wieder nach vorne. Das eigentliche Thema ist die Form und Stärke des Teams. Testspiele geben da bekanntlich nur bedingt Aufschluss. Der BVB hat gegen den Fünftligisten Wanne-Eickel mit 4:0 und gegen den Kreisligisten SV Greven mit 10:0 gewonnen – Jürgen Klopp war mit beiden Auftritten nicht vollends zufrieden.

Als nächstes kommt der FC Bayern. Die Floskel vom ‘einfachsten Spiel’ lasse ich weg, aber es ist eine Begegnung, die ebenfalls noch keinen Aufschluss über den wahrscheinlichen Saisonverlauf geben wird. Gewinnst du gegen die Bayern, sieht es im nächsten Spiel häufig anders aus, verlierst du, ist niemand überrascht – und ein Unentschieden entzieht sich weitgehend einer Interpretation. Schön ist jedoch, dass in Dortmund weiterhin wenig abseits des Sportlichen diskutiert wird.

Anders als bei den Nachbarn. Der höchstverschuldete Verein der Liga kommt auch unter Felix Magath nicht zur Ruhe. Immerhin sind intern die Kompetenzen inzwischen weitgehend abgesteckt. Vor gut einer Woche wurde aus Gelsenkirchen bestätigt, dass von Gazprom nur noch Prämienzahlungen fließen. Die regulären jährlichen Einnahmen aus dem Deal gehen offensichtlich an ein Londoner Finanzunternehmen, das den Schalkern dafür eine Einmalzahlung zukommen ließ. Gut, ganz neu sind die Geldsorgen beim S04 nicht. Nur, dass sie angeblich sogar Ex-Manager Rudi Assauer noch etwas schuldig sind, wie dieser vor ein paar Tagen behauptete, war noch nicht bekannt. Ob da was dran ist oder nicht – ein großer Unterschied zum berühmten ‘Umfeld’ des FC Bayern ist jedenfalls nicht mehr zu erkennen.

Blick nach England. In den ersten beiden Ligen ruhte auch in England der Spielbetrieb wegen der Länderspiel-Termine. Bleibt für mich der Blick auf League Two (4. Liga), wo einer der Vereine spielt, die ich auf der Insel mit Wohlwollen verfolge: Bradford City. Die ‘Bantams’ haben nach einem schwachen Ligastart gestern in Shrewsbury den vierten Sieg in Folge geholt.

Bradford spielte um die Jahrtausendwende zwei Jahre in der Premier League, ging in den folgenden Jahren fast bankrott und ist der bestbesuchte Verein in der vierten Liga – regelmäßig kommen über 12.000 Zuschauer. Nach der letzten Saison bot der unerfahrene Trainer Stuart McCall seinen Rücktritt an. Als Spieler war er eine Bantams-Legende, als ‘Manager’ schaffte er in seiner zweiten Saison nicht den angepeilten Aufstieg in die League One. McCall ließ sich jedoch überzeugen, einen weiteren Anlauf zu starten.

Warum das in Deutschland außer ein paar fußballerisch stark anglophil Eingestellten jemand interessieren sollte? Vielleicht, weil ein paar Bradford-Anhänger ein sehr gutes Fanblog betreiben, das für mich alles hat, was ein vereinsbezogenes Blog haben sollte: Boy from Brazil.

Der Himmel ist nicht immer blau

17. Juli 2009 Nick 1 Kommentar

Man könnte diese Geschichte als eine alltägliche Randnote des Kapitalismus abtun, auch wenn, oder gerade weil, es sich um Fußball dreht. Am meisten betroffen sind jedoch die Fußballfans – und da kommen dann wieder Kategorien wie ‘Herzblut’ und ‘Leidenschaft’ ins Spiel, die man, so banal es klingt, noch nicht so einfach kaufen kann.

Vor wenigen Wochen verschwand ein gesamtes Netzwerk von Fußball-Fanseiten von der Netz-Bildfläche: „rivals.net“ hostete meines Wissens Seiten über alle englischen Profivereine; Seiten, die von Fans gemacht wurden, die jedoch was Technik und Seitenaufbau angeht, von rivals.net abhängig waren. Rivals.net existierte seit 1999 und hatte früher illustre Namen zu bieten: Bekannte Fanzines wie „When Skies Are Grey“ und „United We Stand“ waren einst Teil des Netzwerks.

2007 wurde das Netzwerk von BSkyB übernommen, der Pay TV-Sparte von Rupert Murdochs News Corporation-Konzern (NC hält laut Wikipedia noch 38% von BSkyB). Und auch wenn es vorher nicht optimal gelaufen sein sollte – besser wurde es jedenfalls nicht. Das Design wurde lieblos überarbeitet und war sicher kein Grund, die Seiten zu besuchen. Trotzdem gab es bei „rivals.net“ immer noch einige gut bis sehr gut geschriebene Seiten, bei denen man den Fan dahinter spürte. Ich kannte nur ein paar; auf jeden Fall empfehlenswert waren „WBA Unofficial“ (West Bromwich Albion) und noch mehr die Coventry City-Seite „Gary Mabbutt’s Knee“.

Diese und alle anderen „Rivals“-Seiten wurden Anfang Juli ohne Vorwarnung eingestellt; die Entscheidung kam von Sky, aus wirtschaftlichen Gründen. Ohne Vorwarnung kam das Ende aber nicht nur für die Besucher der Seiten, sondern auch für die Webmaster und Schreiber. Genaue Details sind schwer zu bekommen, aber angeblich erhielten die verantwortlichen Fans einen Brief, dass „rivals.net“ sofort dichtgemacht würde. Es ist in etwa so, als ob WordPress.com mir und den Millionen anderer Blogger mitteilen würde, dass ab morgen Schluss ist auf der Plattform – mit dem Unterschied, dass die meisten „Rivals“-Seiten trotz aller Probleme viel stärker frequentiert waren als die meisten WordPress-Blogs. Seit Anfang Juli liest man nun beim Ansteuern einer der Fanseiten lediglich den lapidaren Satz „Rivals.net is currently Unavailable“. Von einer Wiederkehr kann aber erst mal keine Rede sein.

News Corporation ist natürlich auch der Konzern, der dafür verantwortlich ist, dass in Deutschland „Premiere“ jetzt „Sky“ heißt; schließlich besitzen sie knapp 20% der Aktien und wollen den Anteil noch deutlich erhöhen. Gegen die Namensänderung und das neue Logo habe ich gar nichts. Man sollte aber die jetzt gestartete Rebranding- /Image- /Abonnentenwerbungs-Kampagne, die vor allem auf den Fußballfan zielt, vor dem Hintergrund der beschriebenen Vorgehensweisen betrachten.

(Quellen: Twohundredpercent, Vital Wigan Athletic)

Der englische Absteiger

21. Mai 2009 Nick Kommentieren

Seit letzten Sonntag steht der erste Absteiger aus der englischen Premier League fest: Es ist leider West Bromwich Albion, die nach der 0:2-Niederlage gegen Liverpool keine Chancen mehr haben, am letzten Spieltag am Sonntag den rettenden Platz 17 zu erreichen.

Das Spiel war ein Spiegelbild der ganzen Baggies-Saison: Gut gestartet, eigentlich auch gut gespielt, mangelnde Chancenverwertung bzw. fehlender letzter Pass, defensive Böcke, ein bisschen Pech mit dem Schiedsrichter. Das Team von Tony Mowbray wirkte in dieser Premier League-Saison etwas zusammengewürfelt, aus finanziellen Gründen fehlten die großen Namen (nicht verwunderlich bei einem Aufsteiger) – trotzdem ist es erstaunlich, was für einen ansehnlichen Fußball die Baggies oft gezeigt haben (in den Spielen, die ich gesehen habe). Flüssiges Passspiel im Mittelfeld, gegen Liverpool waren sogar ein paar ‘Kabinettstückchen’ dabei. Wenn man das mit dem vergleicht, was die fünf, sechs schlechtest platzierten Bundesliga-Mannschaften für einen Fußball spielen…

Jedenfalls könnte West Brom wirklich direkt zurückkommen – die Fans, die nach dem zweiten Tor der Gäste am Sonntag überragend Stimmung machten, scheinen daran zu glauben, auf jeden Fall werden die meisten in der Championship wieder ins „The Hawthorns“ kommen. Finanziell steht der Verein solide da – man riskierte nicht zuviel für den Klassenerhalt in der Premier League; was gewesen wäre, wenn… ist müßig zu diskutieren, jedenfalls sollten die Baggies in der zweiten Liga eine sehr gute Rolle spielen können. Wobei diese Liga in England immer sehr schwer einzuschätzen und daher sehr spannend ist. Vielleicht werden auch daher ab nächster Saison zehn Live-Spiele aus der Championship bei der BBC übertragen.

Kategorien:UK Special

Die Kunst, um nichts zu spielen

24. April 2009 Nick Kommentieren

Vorgestern ist Werder Bremen durch den Sieg in Hamburg in einem spannenden, aber nicht hochklassigen Spiel verdient ins Pokalfinale eingezogen. Die Bremer wirkten reifer und kreativer, im Gegensatz zur jeweiligen Tabellenposition. Durch das Ausscheiden des HSV wird nun der Sechste der Bundesliga definitiv nicht in der Europa League spielen.

Drei Tage zuvor schienen die Bremer lange Zeit das Spiel bei Hertha BSC zu kontrollieren und führten 1:0. Nach dem Berliner Ausgleich war keinerlei aggressive Reaktion zu sehen und die Gastgeber gewannen die Partie bekanntlich noch glücklich mit 2:1. Was zur Folge hatte, dass der BVB nicht drei oder vier, sondern weiter fünf Punkte Rückstand auf Platz 5 hat.

Jetzt soll es in diesem Beitrag natürlich nicht darum gehen, den Bremern deswegen Vorwürfe zu machen. Die sind nun mal in der unglücklichen Situation, dass es für sie in der Liga um wirklich (fast) gar nichts mehr geht, während ihre Gegner und deren Konkurrenten noch voll im Wettbewerb stehen. Der ‘Mechanismus’, der da abläuft, ist ja kein Einzelphänomen. Anderes Land, anderes Beispiel: Zu den Vereinen, die ich in England etwas näher verfolge, gehört auch Zweitligist Coventry City. Die ‘Sky Blues’ stehen schon seit einigen Wochen um Platz 15 rum, das ist in der Championship Mittelfeld, und Abstiegsgefahr bestand kaum noch, auch wenn der rechnerische Klassenerhalt erst am vorletzten Spieltag sichergestellt wurde.

Nun hat der Klub in den letzten vier Partien gegen vier Abstiegskandidaten gespielt, für die es natürlich noch um etwas ging, und hat keinen Sieg mehr einfahren können. In Plymouth, übrigens der westlichste Profiklub Englands, gab es beim 0:4 eine ganz peinliche Vorstellung. Danach folgte ein 0:0 gegen das danach abgestiegene Charlton, ein 0:1 in Nottingham und zuletzt, wieder in der heimischen Ricoh Arena, ein 1:1 in letzter Minute gegen Barnsley, durch einen fragwürdigen Handelfmeter. Klar, in Coventry wie in Bremen gab bzw. gibt es Verletzte, klar, der Trainer appelliert hier wie da, die Saison nicht abzuschenken und mit einem Hoch zu beenden. Vor dem letzten Heimspiel der Sky Blues gegen das allenfalls noch theoretisch vom Abstieg bedrohte Watford fordert Trainer Chris Coleman noch mal einen Sieg für die Fans:

Our supporters deserve it for sticking by us and to finish with three points would be nice.

Aber irgendwie scheinen solche oder ähnliche Appelle bei vielen Vereinen in vergleichbarer Situation nicht zu fruchten. Auch die Einwechslungen von talentierten Nachwuchsspielern (Coventry hat eine der besten Jugendakademien Englands) brachten zwar frischen Wind, aber nicht genug, um die Spiele für sich zu entscheiden.

Weder in Bremen noch in Coventry wollen sie diese Spiele verlieren. Meistens funktioniert es so: Die Spieler sind bemüht und spielen ordentlich, solange es gut läuft. Um aber Gegentore wegzustecken und zurückzukommen, fehlt dann doch das 100%ige Engagement und die 100%ige Konzentration. Letzteres kann zu weiteren Gegentoren führen, gerne durch Konter nach eigenen, halbherzigen und fehlerhaften Angriffen. Gegen diese ‘Saisonendkrankheit’ scheint fast nichts zu helfen, nur wenn wirklich jeder Spieler die Einstellung voll aufrechterhalten kann. Eine Sisyphus-Arbeit für den Trainerstab.

Noch ein Satz zum Spiel von morgen: Der HSV, den ich am Mittwoch im Pokal gesehen habe, macht mir keine Angst! Wetten, dass Trochowski in Dortmund wieder dabei ist?

Es kann nur einen Lambert geben

8. April 2009 Nick Kommentieren

Diese Wochen, in denen sich mal wieder eine deutsche Mannschaft daranmacht, aus der Champions League zu fliegen, sind wohl der richtige Zeitpunkt, um sich mit einem Mann zu beschäftigen, der beim vorletzten Triumph einer deutschen Mannschaft in diesem Wettbewerb eine wichtige Rolle spielte. In München, beim legendären 3:1 von Borussia Dortmund über Juventus, machte der Schotte Paul Lambert ein starkes Spiel im Mittelfeld und bereitete das erste BVB-Tor durch Kalle Riedle vor. Auch wenn er nur etwas mehr als ein Jahr bei den Schwarz-Gelben blieb, war Lambert damals doch ein ausgesprochener Fan-Liebling. Im November 1997 wechselte er zurück nach Schottland zu Celtic und war damit Auslöser einer losen Fanfreundschaft zwischen dem schottischen Spitzenklub und uns.

Der Auslöser dieses Beitrags ist natürlich nicht das wahrscheinliche Scheitern des FC Bayern gegen den FC Barcelona, sondern ein Artikel der englischen „FourFourTwo“ über Lambert in der aktuellen Ausgabe (FourFourTwo May 2009, S.108). Darin stellt sich der Schotte den Fragen der Leser. Nach vielen weiteren erfolgreichen Jahren bei Celtic wechselte Lambert 2005 zu Livingston, half noch einige Male als Spieler aus und begann dort parallel seine Trainer-Karriere. Auf dieser ersten Station blieb er ausgesprochen erfolglos und trat nach gut acht Monaten zurück. Besser lief es beim englischen Viertligisten Wycombe Wanderers, mit dem Lambert das Halbfinale des Ligapokals gegen Chelsea erreichte. In seiner zweiten Saison dort verpassten die ‘Chairboys’ den Aufstieg in den Play-Offs knapp. Im Anschluss daran trat Lambert zurück – aufgrund einiger Geschehnisse hinter den Kulissen, wie er in FFT sagt.

Interessanterweise absolvierte Paul Lambert seinen Trainerlehrgang in Deutschland beim DFB. Auf die Leserfrage nach dem ‘warum’ antwortet er, dass er die große Herausforderung suchte. Anscheinend ist die Ausbildung hierzulande zumindest thematisch umfassender, man lernt beispielsweise etwas über Medizin und Orthopädie; Lambert hält sie jedenfalls für nicht vergleichbar und offensichtlich schwerer als die englische Version. In weiteren Antworten geht er auf Ottmar Hitzfelds herausragendes taktisches Verständnis ein und bezeichnet die Bundesliga der Mitt-Neunziger als die wahrscheinlich stärkste Liga Europas.

Inzwischen ist Paul Lambert seit einem halben Jahr Trainer beim League One (dritte englische Liga)-Klub Colchester United. Bis vor kurzem hegte der Verein noch Hoffnungen auf das Erreichen der Play-Offs (Plätze 3-6), aber nach einer 0:1-Niederlage gegen die gefallenen Riesen von Leeds United am Wochenende und zehn Punkten Rückstand bei noch fünf verbleibenden Partien hat Lambert eingeräumt, dass das wohl nichts mehr wird, gleichzeitig aber daran erinnert, wo man her kam:

We were right down there in 23rd, but because we gave it a fight people thought we should be up there, but we’ve just fallen short.

Die bisherigen Anzeichen deuten darauf hin, dass dem akribischen Arbeiter Lambert eine aussichtsreiche Trainer-Karriere bevorsteht. Ob er noch mal in einem Champions League-Finale stehen wird, ist natürlich fraglich; die Erinnerungen an seinen größten Tag als Spieler kann ihm aber niemand nehmen:

When the last goal went in, I knew we’d done it (…). The noise in the Olympic Stadium in Munich is something I’ll never forget.


Der kleine Unterschied

23. Februar 2009 Nick Kommentieren

Eine oft gehörte Überzeugung dieser Tage besagt, dass die englische Premier League besseren Fußball bietet als die Bundesliga und so ziemlich das Nonplusultra im Klubfußball darstellt. Ich persönlich mag englischen Fußball generell, inklusive der ganzen Kultur drumherum (damit meine ich jetzt selbstverständlich nicht Hooliganismus). Aber ich mag auch England. Trotzdem oder gerade deswegen kann ein Blick hinter den Mythos nicht schaden.

An diesem Wochenende hatte ich die Gelegenheit zu vergleichen. Das große Derby in Gelsenkirchen und die zweite Halbzeit des Premier League-Spiels Fulham v West Bromwich Albion am Sonntag. Im „Craven Cottage“ standen sich ein glücklicher Mittelfeldklub, der letzte Saison lange zittern musste, und der immer noch Tabellenletzte gegenüber. Also nicht die ‘Big Four’, bei denen einige der teuersten Spieler der Welt spielen. Wie meinem ausnahmsweise schlank ausgefallenen Beitrag zum Revierderby zu entnehmen ist, war dieses schwach und hatte nur den einen brillanten Moment von Kevin Kuranyi, den dieser allenfalls in einem neuen Werbespot wiederholen können wird.

Der Unterschied im Spiel am Sonntag: Es war in der Tat mehr Bewegung drin. Es wurde schneller gepasst, sowohl kurz als auch lang, weil im Mittelfeld stärker gepresst wurde. Dafür gab es weniger Querpässe. Hört sich gut an, ist auch nett anzuschauen; ob es besser ist, bleibt Ansichtssache, denn die Fehlerquote ist bei einer solchen Spielweise gerade bei zwei ‘kleineren’ Mannschaften auch recht hoch. Leider bei den Gästen, den Baggies aus West Bromwich, gestern besonders. Bei den teilweise flüssig wirkenden Kombinationen fehlte zu oft der berühmte ‘letzte Pass’ (woher kommt einem das bekannt vor?), die Laufwege stimmten nicht, Flanken landeten im Nichts, weil die anderen Stürmer nicht schnell genug nachrückten. Zusammen mit dem erneut hektischen, fehlerbehafteten Auftritt der Defensive ergab das eine 0:2-Niederlage – im Moment scheint den Baggies das ‘momentum’ zu fehlen um den Abstieg noch zu verhindern.

Dieser kleine Vergleich ist natürlich nicht repräsentativ, obwohl es nicht die erste PL-Partie war, die ich in dieser Saison gesehen habe. Trotzdem hier mal eine Verallgemeinerung: Das durchschnittliche Spiel in der höchsten englischen Liga ist oft besser anzusehen, aber trotzdem nicht wirklich besser als in der Bundesliga. Hört sich paradox an, ich weiß, aber eine Show, in der viel passiert, aber keine echten Highlights vorkommen, wird irgendwann mal schal. Es gibt genügend gute Premier League-Spiele, in denen auch Tore fallen, aber wenn man noch die Tatsache bedenkt, dass hierzulande alles noch offen und dicht beisammen ist, dann fällt der Qualitätsunterschied zwischen Premier League und Bundesliga doch kleiner aus als gemeinhin behauptet wird.

Kategorien:Taktiktisch, UK Special

Das englische Wochenende

23. Januar 2009 Nick Kommentieren

Die Fußball-lose Zeit neigt sich auch in Deutschland endlich dem Ende entgegen, und man kann bald wieder über das Geschehen auf dem Platz berichten anstatt zu versuchen, bessere Alliterationen zu fabrizieren als Gerhard Delling. An diesem Wochenende bietet sich jedoch dank des DSF noch mal ganz besonders der Blick über den Ärmelkanal an. Der Spartensender fürs Leute vera******, T****n und Bayern München hat mit den Free TV-Rechten für den FA Cup schon seit geraumer Zeit ein echtes Highlight im Programm und zeigt an diesem Wochenende gleich drei Partien live. Wenig überraschend und verständlich ist, dass sie dabei auf drei Top-Teams setzen: Am Samstag gibts Manchester United (zuhause gegen die Spurs), am Sonntag Arsenal (bei Cardiff City) und Liverpool (im Derby gegen Everton).

Nicht mal in England live gezeigt wird West Bromwich Albion v Burnley, Anstoß 16 Uhr MEZ @ The Hawthorns. Vielleicht bereuen die (nicht) übertragenden Sender ihre Entscheidung seit Mittwochabend ein wenig. Da lieferte der Zweitligist Burnley im Rückspiel des Carling Cup-Halbfinals Tottenham einen großartigen Kampf und holte in der regulären Spielzeit das 1:4 von der White Hart Lane auf. Nach den Europapokal-Regeln wären die Gastgeber mit dem 3:0 durch gewesen, im englischen Ligapokal zählt die Auswärtstor-Regel jedoch erst nach 120 Minuten. Und so schaffte der Premier League-Vertreter in der Verlängerung drei Minuten vor Schluss noch mit einem Doppelschlag die Wende…

Für West Brom heißt das natürlich, dass man die Play Off-Kandidaten aus der Championship auf keinen Fall unterschätzen darf (und vermutlich auch nicht wird). Als langjähriger Fußballgucker würde ich zwar eher vermuten, dass Burnley nach dem ‘Heartbreaker’ am Mittwoch kein ähnlich mitreißender Auftritt mehr gelingt, aber dazu müssen die gastgebenden Baggies ihre Heimform aus den letzten Premier League-Spielen konservieren und dürfen keine größeren Schwächen zeigen. Auf dem Papier könnte es am ehesten in der Abwehr Probleme geben, denn da wird Trainer Tony Mowbray morgen das letzte (Profi-)Aufgebot spielen lassen müssen. Wegen der Verletzungen von Olsson, Meite und Barnett wird die Innenverteidigung von Ryan Donk (über den fälschlicherweise spekuliert wurde, er solle in dieser Transferperiode abgegeben werden) und Pedro Pele gebildet werden, die zusammen auf ganze 12 Einsätze in Pflichtspielen kommen.

Vielversprechend sieht dagegen das neue ‘Leih-Duo’ im Sturm aus: Jay Simpson von Arsenal und Marc-Antoine Fortuné vom AS Nancy sollten erstmal gesetzt sein; es sei denn, Tony Mowbray entschließt sich, einen von beiden für das Ligaspiel am Dienstag gegen Tabellenführer Manchester United zu schonen.

Kategorien:UK Special