Erdbeben in Dortmund – Klopp geht am Saisonende

Wer hätte das gedacht? Berufszyniker und Erfolgsfans werden jetzt vielleicht zufrieden die Hände heben. Ich habe es bis zuletzt für unwahrscheinlich gehalten, dass Jürgen Klopp beim BVB vor Vertragsende aufhört. Klopp selbst hat betont, seine Verträge stets zu erfüllen. Doch heute hat der Erfolgstrainer der letzten Jahre auf einer emotionalen Pressekonferenz bekanntgegeben, dass sich die Wege von ihm und Borussia Dortmund am Saisonende trennen. Am Morgen waren entsprechende Gerüchte von der „Bild“ lanciert worden; der Verein sah sich daraufhin gezwungen, die Öffentlichkeit früher als geplant zu informieren.

Zunächst ergriff Geschäftsführer Hans-Joachim Watzke das Wort, dem man ansah und –hörte, dass die Entscheidung nicht von ihm kam und er sie so nicht getroffen hätte. Er gab Klopps Weggang offiziell bekannt. Die mit Abstand meiste Redezeit hatte natürlich Kloppo selber. Seine Begründung ist aus seiner Sicht nachzuvollziehen. Er habe das Gefühl gehabt, für die Zukunft nicht mehr der bestmögliche Trainer für die Borussia zu sein. Sicher wird der bisherige Saisonverlauf auch an ihm gezehrt haben, aber nicht so sehr, dass er es nicht mehr ausgehalten hätte.

Zum Nachdenken regt ein Satz von Klopp an, der nicht im Zentrum der PK stand: „Für Entwicklung brauchst du die Möglichkeit, kleine Schritte zu machen.“ Die Erwartungen, sicher auch von Teilen der Fangemeinde und geschürt von den Medien, waren so hoch, dass der Trainer den im Sommer nötigen Neuaufbau in Gefahr sah. Dieser hätte nämlich unter Umständen weitere Geduld vom Umfeld gefordert.

Wenig überzeugend ist die Argumentation, dass dieser Neuaufbau nun gar nicht mehr nötig sei, weil ja der Kopf bald weg ist. Wer wirklich glaubt, dass Klopp das Hauptproblem ist, denkt schlicht unterkomplex. Ob mit oder ohne Klopp: Es braucht keinen radikalen Schnitt, aber eine ehrliche Analyse ohne Rücksicht auf Namen und mit Sicherheit Änderungen in mehreren Mannschaftsteilen.

Aus Übermut über ihren ‚Coup’ hat die „Bild“ gleich mal Thomas Tuchel als Nachfolger ins Spiel gebracht. Es ist ja auch schön nahe liegend, nachdem er anderen Vereinen abgesagt hat. Doch dass eine solche Entscheidung beim BVB nach sieben Jahren Klopp so schnell getroffen wird, ist sehr unwahrscheinlich. Außerdem ist Tuchel in mancher Hinsicht Klopp ähnlich, etwa beim favorisierten Spielstil und dem Verhalten am Spielfeldrand. Es gibt auch taktische und menschliche Unterschiede, aber ob Watzke und Zorc noch mal den Weg nach Mainz gehen? Es sagt auch nicht wirklich etwas über Tuchels Qualitäten aus, dass sich Vereine wie der HSV, der FC Schalke und RB Leipzig um ihn bemüht haben. Nachdenklich machen darüber hinaus Tuchels Abschied von Mainz und die Meinung, die der ausgebootete Ex-Torwart Heinz Müller vom Ex-Trainer hat.

Sieben Jahre sind tatsächlich eine sehr beachtliche Zeit im Fußball. Sie war die großartigste, die ich als Fan erlebt habe, trotz der 90er. Ich habe mich in den letzten Jahren ganz gelegentlich bei dem Gedanken ertappt, wie es wohl ohne Klopp wäre, mit einem etwas gelasseneren Trainer. Richtig gewünscht habe ich mir das nie. Und auch jetzt muss sich erst erweisen, ob es derzeit einen besseren Trainer für diesen Verein gibt. Wir werden weiter diskutieren, wir werden es irgendwann sehen. Ein schöner Tag ist das heute nicht, außer in Portugal. Danke für alles, Jürgen Klopp, jetzt schon mal!

BVB wird zur kleinen Borussia

1. Bundesliga, 28. Spieltag / Mönchengladbach 3 BVB 1

Die letzten beiden Ligapartien haben den Status Quo 2015 bei Schwarz-Gelb demonstriert: Der BVB ist nicht wirklich so schwach wie es in der Hinserie den Anschein hatte, doch in dieser Saison ein großes Stück von der Spitze entfernt. Mehr als ein Hineinrutschen in die Europa League, auf die eine oder andere Weise, wäre schlicht nicht verdient. Und die Borussia vom Niederrhein hat uns spielerisch derzeit einiges voraus. Warum Favres Team nicht im Pokal-Halbfinale steht, können sich die Gladbacher nur selbst beantworten.

Es gibt nicht wirklich eine Entschuldigung dafür, dass es zum dritten Mal in dieser Spielzeit schon in der ersten Minute hinten klingelte. Wendts Treffer wäre mehrfach zu verhindern gewesen, unter anderem, wenn Hummels nicht ausgerutscht wäre. Mit dem 1:0 hatten die Gastgeber ideale Voraussetzungen, um auf ihre Schnelligkeit in Kontersituationen zu vertrauen.

Natürlich war es ein Nachteil, dass die Schwarz-Gelben auf Marco Reus und den im Pokal überzeugenden Erik Durm verzichten mussten. Die Bilanz mit und ohne Reus ist eindeutig. Zwar schaffte der BVB nach dem frühen Gegentor ein eindeutiges Übergewicht, hatte viel Ballbesitz, aber es fehlten zwingende Gelegenheiten. Weitschüsse können manchmal ein probates Mittel sein – siehe Kehls Dropkick am Dienstag – aber häufiger sind sie auf Bundesliga-Niveau Ausdruck von Ideenlosigkeit oder gar Verzweiflung. Die vermeintlich Kreativen wie Gündogan oder Kagawa brachten wenig zustande; Mkhitaryan wirkte zumindest energischer.

Ein Problem, zu dem sich Jürgen Klopp zuletzt bekannt hat und das er gestern durch offensive Auswechslungen zu beheben versuchte, ist die mangelhafte Besetzung des gegnerischen Strafraums. Zu oft steht tatsächlich nur Aubameyang als Anspielstation ganz vorne zur Verfügung. Andere Akteure rücken zu langsam nach. Selbst wenn Marcel Schmelzer einmal eine gute Flanke in oder an den Sechzehnmeterraum bringt, kann diese dann nicht verwertet werden – nur einmal hätte es fast geklappt. Auch Gladbach bot gestern zeitweise viel Platz über die Flügel an, den der BVB zu selten zu nutzen verstand. Ich hätte gerne Dudziak länger und Durm überhaupt gesehen – letzteres war bekanntlich nicht möglich.

Die Art und Weise, wie Herrmann das 2:0 machte, zeigte Souveränität und Klasse – nicht nur beim Mittelfeldspieler selbst. Auch in dieser Szene kamen drei, vier Schwarz-Gelbe zu spät; am Ende schien es so, als würde Neven Subotic etwas zu früh aufgeben. Natürlich lag dieser Torerfolg vor allem daran, dass Herrmann ein Klassespieler ist – doch solche Spielzüge sieht man beim BVB in dieser Saison zu selten. An Herrmanns – und Reus’ – Qualität kommen andere Dortmunder derzeit nicht ran.

Das dritte Gegentor, mal wieder nach einem Standard, war eine Mischung aus Pech und Unvermögen und brachte die Entscheidung. Viel mehr als den einen eigenen Treffer durch Gündogan – nach Vorlage von Dudziak – hatten die Schwarz-Gelben nicht verdient. Trotz Bemühen und 54 Prozent Ballbesitz. Mit nur ein, zwei entscheidenden Ausfällen – auch den bisher allenfalls in der Rückserie überzeugenden Nuri Sahin wünscht man sich sehnlichst zurück – geht die mannschaftliche Reife verloren. Zugegeben, ein wolkiger Begriff. Doch gegen gefestigte Teams mit Qualität macht so etwas den Unterschied aus: Gladbach machte gerade auch im Umschaltspiel weniger Fehler.

Es bleibt dennoch die Hoffnung auf die letzten sechs Begegnungen. Denn die Konkurrenz auf den Plätzen 5 bis 9 punktet auch nicht gerade regelmäßig und als nächstes stehen zwei Heimspiele an.

Die Aufstellung: Weidenfeller – Sokratis, Subotic, Hummels, Schmelzer (70. Schmelzer) – Kehl, Gündogan – Blaszczykowski, Kagawa (63. Ramos), Mkhitaryan – Aubameyang (77. Immobile). Tor: Gündogan

Müde aber zufrieden

DFB-Pokal, Viertelfinale / BVB 3 TSG Hoffenheim 2 (n.V.)

Spiele von Borussia Dortmund sind derzeit anstrengend. Der Begriff ist nicht zu verwechseln mit “langweilig” oder “schlecht”. Am Samstag war das stets emotionale Duell gegen den FC Bayern verbunden mit Frust über die Unfähigkeit der Schwarz-Gelben, gegen mauernde Gäste mehr als zwei, drei Chancen herauszuspielen – und natürlich mit Ärger über Schiedsrichter Knut Kircher, der vom “Kicker” am Dienstag vor allem wegen der Fehlentscheidungen gegen den BVB die Note 5 bekam.

Gestern bescherte uns die Borussia nun einen langen Pokalabend gegen einen ungeliebten Kontrahenten. Mit viel Kampf, einigem Krampf und spätem Glück. Auch das schlauchte etwas. Nach dem 1:2 in Folge des kapitalen Patzers von Neven Subotic ertappte ich mich wieder beim Gedanken an eine der ärgerlichsten Niederlagen der letzten Jahre, die Partie gegen denselben Gegner am letzten Spieltag 2013. Was hätten die schwarz-gelben Jungs uns alles ersparen können. Doch zum Glück zeigte der BVB doch noch seine in den letzten Jahren erworbenen Pokal-Qualitäten.

Gut möglich, dass der Umschwung mit dem Support durch das ausverkaufte Stadion zu tun hatte, das absolut keine Lust auf eine weitere entscheidende Niederlage gegen die TSG verspürte. In der ersten Hälfte hatten die Borussen enttäuschend wenig echte Torgefahr gegen eine keinesfalls sattelfeste Gäste-Defensive verbreitet. Ohne Marco Reus und Mats Hummels, die mit Schmerzen, aber ohne schlimme Verletzungen ausfielen, fehlten wichtige Impulsgeber. Henrikh Mkhitaryan hatte gute Ideen, die er aber schwach umsetzte. Shinji Kagawa war zu selten zu sehen, dann allerdings effektiver als der Armenier. Weiterlesen

Eichin hat’s gewusst

1. Bundesliga, 27. Spieltag / BVB 0 Bayern München 1

Nach dem Samstagabend-Spiel dürfte Frust unter BVB-Fans das vorherrschende Gefühl sein. Ähnlich wie im Pokalfinale war es eine Partie der zwei Wahrheiten. Der FC Bayern hatte die Sache zumindest taktisch lange im Griff, doch die Borussia wurde vom Schiedsrichter erneut entscheidend benachteiligt.

Konzedieren muss man, dass Pep Guardiola es vor allem in der ersten Hälfte besser schaffte, sein dezimiertes Team effizient agieren zu lassen. Die Gäste waren zur Pause genau das eine Tor besser, das Robert Lewandowski nahezu allein zuzuschreiben ist. Er gewann im Mittelfeld den Zweikampf gegen den aufgerückten Hummels. Nachdem Weidenfeller aus dem Kasten geeilt war und gegen Müller pariert hatte, brauchte es aber jede Menge Bayern-Dusel, dass der Ball genau in Lewandowskis Richtung sprang, so dass dieser ins leere Tor köpfen konnte.

Guardiola für seine Aufstellung wieder als Taktikguru zu feiern, wie es der “Kicker” ansatzweise tut, ist allerdings überzogen. Die Idee, dank einer Dreierkette hinten das Mittelfeld zu verdichten, ist gegen den flügellahmen BVB sowas von naheliegend, wenn man die personelle Qualität in der Innenverteidigung hat. Gestern sah die Situation auf den Außenverteidiger-Positionen der Schwarz-Gelben bekanntlich noch trister aus als sonst: Es spielten der gelernte Innenverteidiger Sokratis rechts und der gerade genesene Marcel Schmelzer links. Die beiden konnten den offensiveren Außen Kuba und Kampl so gut wie keine Unterstützung geben, so dass die Borussia über die Flügel weitestgehend ungefährlich blieb.

Dennoch hatten die Schwarz-Gelben in den zweiten 45 Minuten mehrere Chancen auf mindestens einen Punkt. Reus verzog alleine vor Neuer; kurz vor Schluss parierte Letzterer einen Freistoß des Ersteren auf der Linie im linken Winkel. Aubameyang hielt von rechts drauf, als er besser abgespielt hätte. Etwas Zählbares wäre für den BVB verdient gewesen, denn vom FCB kamen genauso wenige Torszenen wie von den Gastgebern. Ein meisterwürdiges Spiel lieferte Peps Elf nicht ab – nicht dass das für einen Meister in jeder Begegnung verpflichtend wäre. Weiterlesen

In Dortmund gibt es keine Ferngläser

Der “Kicker” hat sich in seiner Montagsausgabe mal wieder ausführlich mit dem BVB beschäftigt: eine provokante Titelseite, ein spannendes Hummels-Interview und ein Blick in die nähere Zukunft der Schwarz-Gelben werden geboten. Das mag auch mit dem bevorstehenden ‘Topspiel’ gegen Bayern München zu tun haben, aber ebenso liegt es am Interesse, das Deutschlands wahrscheinlich beliebtester Fußballverein mittlerweile wieder hervorruft.

Ob dieses Standing angesichts der katastrophalen Hinserie und der damit verbundenen bevorstehenden Zeit ohne Champions League noch zu retten ist – das ist der Subtext des Artikels. Wie schwer wiegt es wirklich, dass die Borussia sich möglicherweise erst mal in der Reihe der Bayern-Verfolger hinten anstellen muss? Langjährige Fans werden damit besser und vielleicht sogar gut umgehen können. Sie haben verinnerlicht, was ein stets erfolgsverwöhnter Bayern-Anhänger nie verstehen musste: Die Möglichkeit des Scheiterns und die Unterstützung trotz aller Widrigkeiten, bis in die Beinahe-Insolvenz.

Deswegen wird uns und diesen Verein ein unerwarteter Rückschlag nicht auseinanderbringen – egal ob die Saison noch in der Europa League und vielleicht sogar mit einem Sieg in Berlin endet oder nicht. Vielleicht wird diese halb verkorkste Spielzeit auch mal als Katalysator für eine erneute Erneuerung bekannt sein. Einige Anzeichen sprechen dafür, dass Jürgen Klopp, Michael Zorc und Aki Watzke gewillt sind, künftig wieder mehr auf den eigenen Nachwuchs zu bauen. Jeremy Dudziak dürfte da nur der Anfang gewesen sein. Möglicherweise braucht es die Erlebnisse der letzten Monate auch, um in einer Tiefenanalyse des Kaders zur Einsicht zu gelangen, dass andere Positionen als bisher gedacht zu den Problemzonen der Schwarz-Gelben gehören – Stichwort Außenverteidiger. Weiterlesen

Dortmund nutzt Überzahl

1. Bundesliga, 26. Spieltag / Hannover 96 2 BVB 3

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Eine nüchterne Überschrift für ein Spiel, das im Stadion durchaus Spaß gemacht hat – doch am Ende war es natürlich ein mühsamer Sieg, bei dem der BVB seine Überzahl zunächst brillant ausnutzte, um am Ende doch noch zittern zu müssen.

Während die Schwarz-Gelben im inzwischen HDI-Arena benannten Stadion stimmlich dank Stimmungsboykott der Gastgeber jederzeit die Oberhand hatten, gelang das auf dem Spielfeld nur streckenweise: Im ersten Viertel des Spiels und nach dem Platzverweis des Ex-Borussen Bittencourt gut 20 Minuten lang. Immerhin gelangen in diesen Phasen drei Tore, darunter das besonders schöne 3:1, das Kagawa mit einem tollen Pass per Außenrist für Aubameyang vorbereitete. Sieht man es positiv, waren im BVB-Spiel wieder jene Elemente zu sehen, die in den letzten Wochen fehlten: flüssig herausgespielte Torgelegenheiten, effektiver Kombinationsfußball.

Hätten Sokratis aus kurzer Distanz nach einer Flanke oder Reus allein vor Zieler den Ball ebenfalls im Tor versenkt, wäre die Partie nach 80 Minuten gelaufen gewesen. Da das nicht gelang, wurden wir mit der Tatsache konfrontiert, dass die Dortmunder Defensive immer noch nicht die Stabilität vergangener Jahre erreicht hat. Dabei waren die beiden Gegentreffer noch insofern verzeihlich, dass sie von 96 wirklich gut gemacht waren: ein gut kombinierter Angriff (nach Ballverlust von Kuba) und ein schöner Schuss von Stindl. In anderen Szenen wirkte das Positionsspiel der BVB-Abwehr noch unsicherer – doch die Gastgeber vergaben oder Roman Weidenfeller und Mats Hummels waren noch zur Stelle.

Was am Ende zählt: Der Borussia gelangen ein Auswärtssieg bei einem spielerisch passablen Gegner und drei Tore. Mit ‘Kuba’ Blaszczykowski (trotz seines Fehlers), dem verbesserten Kagawa und dem Debüt von Jeremy Dudziak als Linksverteidiger überzeugten drei personelle Alternativen. Jetzt ist Pause und dann kommen die nicht unbesiegbaren Bayern.

Die Aufstellung: Weidenfeller – Kirch (58. Dudziak), Subotic, Hummels, Sokratis – Kehl, Gündogan (72. Bender) – Blaszczykowski, Kagawa, Reus (90. Ramos) – Aubameyang. Gelbe Karte: Subotic. Tore: Aubameyang (2), Kagawa

Endstation im falschen Wettbewerb

Champions League, Achtelfinale / BVB 0 Juventus Turin 3

Borussia Dortmund ist raus aus der Champions League. Das ist angesichts des Ergebnisses bitter, aber insgesamt folgerichtig. Wer gedacht hatte, der unerklärliche Spagat zwischen Liga und Europa würde sich bis Berlin fortsetzen, hat wohl zu viel in die Sonne geschaut und die Finsternis nicht kommen sehen. Schaut man zurück auf die souveräne Gruppenphase des BVB, erkennt man, dass die Gegner entweder nicht die Qualität oder nicht den Gameplan für einen Sieg gegen die Schwarz-Gelben hatten. Im Viertelfinale ist nun auch Arsenal nicht vertreten.

Gegen Juventus war die Borussia nicht nur nicht clever, sondern auch nicht stark genug. Natürlich spielte der frühe Rückstand den Gästen im Westfalenstadion extrem in die Karten, doch wer danach so wenig Torgefahr erzeugt, hat das Viertelfinale natürlich nicht verdient. Juve zog im Anschluss eine beeindruckende Raumdeckung in der eigenen Hälfte auf und hatte insgesamt die besseren Chancen. Die Gäste waren effektiv und in entscheidenden Momenten zu spielstark für die Borussia – bei aller berechtigten Kritik an der Härte eines Arturo Vidal.

Man kann darüber diskutieren, ob die auf den ersten Blick konservativ-defensive Lösung mit Sokratis rechts hinten die richtige Entscheidung von Jürgen Klopp war. Man muss den Blick auf die schwachen Darbietungen der Schwarz-Gelben im Aufbauspiel richten. Ilkay Gündogan kam nicht annähernd an sein Potenzial heran. Tevez beim frühen 0:1 frei zum Schuss kommen zu lassen war ein Fehler an anderer Stelle.

Dass die Champions League für den BVB der Saison 2014/15 vorbei ist, braucht uns nicht übermäßig zu ärgern. Dieser Wettbewerb war spätestens nach der Winterpause nicht mehr der unsere. Die Borussia hätte noch etwas Geld verdienen können; gewonnen hätte sie die CL sicher nicht. Das deutliche 0:3 gegen Juve hat erneut gezeigt, dass sich das Triumvirat Klopp/Zorc/Watzke  zur nächsten Saison Gedanken machen muss. Dass wieder erst der 32-jährige Kirch kommen musste, um von hinten über außen Druck zu erzeugen, kann kein Dauerzustand bleiben. Hinter den Rückkehrern Kagawa und Sahin bleiben Fragezeichen stehen. Denn die  mediale Beförderung Nuris zum Schlüsselspieler war möglicherweise etwas verfrüht und Shinjis Hoch ist erst mal vorbei. Auch die Situation im Sturm bleibt unter Beobachtung.

Das Aus gegen Juve ist also schade, aber ok. In der Bundesliga und im Pokal hat der BVB noch Aufgaben zu erledigen, die ihm zuzutrauen sind.

Die Aufstellung: Weidenfeller – Sokratis, Subotic, Hummels, Schmelzer (46. Kirch) – Bender (64. Ramos), Gündogan – Kampl, Mkhitaryan (64. Blaszczykowski), Reus – Aubameyang. Gelbe Karte: Reus

Läuft wieder nicht gegen den HSV

1. Bundesliga, 24. Spieltag / Hamburger SV 0 BVB 0

Schon nach den ersten paar Spielzügen in Hamburg, zu einer Zeit, in der Bayer Leverkusen schon Tore schießt, war zu sehen, dass die gestrige Partie ein gemütlicher Frühlingskick werden könnte. Es wurde letztendlich ein harter Frühlingskrampf. Borussia Dortmund war die überlegene Mannschaft und hätte einen Sieg mehr verdient gehabt als der HSV. Doch Quantität und Qualität der Torgelegenheiten waren dafür am Ende zu gering.

Das volle Programm in den letzten zwei Wochen kann nur ein Grund für das deutlich weniger zwingende Spiel der Schwarz-Gelben gewesen sein. Die Herangehensweise mit weniger flüssigen Kombinationen und mehr langen Bällen hatte mehrere sichtbare Ursachen. Zum einen verdichteten die Gastgeber geschickt die Räume. So harmlos die Hamburger vorne agieren – mit Härte und Disziplin machten sie auch nach Djorous Ausscheiden hinten zu.

Dagegen bekam die Borussia keinen Zugriff im zentralen Mittelfeld. Vor allem in der ersten Halbzeit nahmen Bender und Gündogan kaum am Spielaufbau teil – oder zumindest nicht auf den vorgesehenen Positionen. Weiter vorne konnten sich Kagawa und Mkhitaryan kaum in Szene setzen – die Einwechslung von Kampl für den Japaner zur Halbzeit war folgerichtig. Shinji und Miki können vorhandene Räume brillant nutzen, doch der neue Kevin kann sie möglicherweise besser schaffen. Andererseits muss man sagen: Obwohl die zweite Hälfte von Schwarz-Gelb streckenweise stringenter aussah, blieben echte Chancen Mangelware.

Ein weiteres Problem des BVB: Oliver Kirch konnte von rechts hinten weit weniger nach vorne bewegen als noch im Derby, wirkte zeitweise spielerisch ziemlich unglücklich. Somit fiel auch das Flügelspiel weitgehend weg, da die einzigen Offensivaktionen von Marcel Schmelzer nach wie vor die Freistöße sind, die er unerfindlicherweise immer häufiger treten darf.

Die Härte des HSV war stellenweise jenseits des Vertretbaren. Dass Behrami für seinen Schlag gegen den Hals von Mkhitaryan kein Gelb sah, ist nicht nachzuvollziehen. Später hätte er durch einen Platzverweis und nicht durch seinen Trainer vom Spielfeld gehört. Andererseits wurde an diesem Spieltag ein anderer HSV noch viel mehr verpfiffen als der BVB, denn wirklich spielentscheidende Fehler machte Peter Gagelmann nicht.

Man hätte gestern mit Recht mehr von unserer Borussia erwarten können als zu sehen war. Man hätte Boden gut machen können, auch wenn nicht alle anderen Ergebnisse optimal für Schwarz-Gelb ausfielen. Wenn man dagegen sieht, woher der BVB kommt, dann ist ein Punkt in Hamburg nach vier Siegen in Folge okay. Der Vorsprung auf Platz 16 wird heute Abend mindestens vier Punkte betragen. Zwingend wäre dann eher wieder ein Sieg im Topspiel zu Hause gegen Köln.

Die Aufstellung: Weidenfeller – Kirch, Subotic, Hummels, Schmelzer – Bender, Gündogan – Mkhitaryan (76. Blaszczykowski), Kagawa (46. Kampl), Reus – Aubameyang (76. Immobile). Gelbe Karten: Mkhitaryan, Subotic.

Ciro bestraft Dresden

DFB-Pokal, Achtelfinale / Dynamo Dresden 0 BVB 2

Dynamo Dresden hat im positiven Sinn alle Tugenden gezeigt, die sie auch schon bisher im Pokal auszeichneten: Defensive Kompaktheit, unheimlich viel Kampfgeist und ein enthusiastisches Publikum. Für andere Ruhrpott-Vereine mag das ausreichen, doch der BVB war für die Schwarz-Gelben des Ostens zu stark.

Ja, der BVB tat sich nach der verletzungsbedingten Auswechslung von Marco Reus schwer. Doch die SG Dynamo bekam letztendlich, was sie verdiente. Nachdem Reus nach einem Dresdener Foul vom Platz musste, hätte es nach einem Ellbogencheck gegen Ciro Immobile noch vor der Pause Gelb und Elfmeter für die Borussia geben müssen. Es gab nichts und Ciro musste behandelt werden. Dafür traf er nach der Pause doppelt.

Wem die Leistung der heute Weißen, aber eigentlich Schwarz-Gelben zu wackelig erschien: Der Platz war offensichtlich in bescheidenem Zustand. Der Reviernachbar sah hier bedeutend schlechter aus. Und ohne Batman und Robin hat der Klub einfach noch nicht die nötigen Superkräfte.

Die Auslosung des Pokal-Viertelfinales findet übrigens am Sonntag zu einer zivilisierten Zeit, ab 18 Uhr, in der ARD-Sportschau statt.

Die Aufstellung: Langerak – Kirch, Subotic, Hummels, Schmelzer – Kehl, Gündogan – Blaszczykowski (90.+1 Bender), Kagawa (67. Ramos), Reus (24. Mkhitaryan) – Immobile. Gelbe Karte: Blaszczykowski. Tore: Immobile (2)

Der verdienteste Derbysieg aller Zeiten

1. Bundesliga, 23. Spieltag / BVB 3 FC Schalke 0

Solange ich diesen Verein verfolge, kann ich mich an kein derart einseitiges Derby erinnern. Und gerade deshalb war es 78 Minuten lang nicht nur spannend, sondern auch nervenaufreibend. Denn je überlegener der BVB die Blauen an die Wand spielte, desto größer war die Furcht, dass diese am Ende herrliche Partie durch einen einzigen Blackout ruiniert werden könnte.

Die Chancenverwertung der Schwarz-Gelben war jene 78 Minuten bis zur Führung eigentlich grotesk schwach, doch andererseits war es extrem beeindruckend, wie viele Möglichkeiten sie sich gegen die gelobte Schalker Defensive erspielten. Die Gäste mussten auf Innenverteidiger Joel Matip verzichten, den Roman Neustädter in der Fünferkette nicht adäquat ersetzen konnte. Bis zum 0:3 konnten sie sich beim jungen Torwart Wellenreuther bedanken, dass es nicht 0:6 oder höher stand – dann kam Marco Reus.

Offensiv ging bei den Blauen fast nichts. Nicht mal die drei, vier Dortmunder Fehlpässe in der ersten Hälfte vermochten sie zu nutzen. Rückkehr Huntelaar hing komplett in der Luft – unter anderem, weil Prinz Boateng dahinter ein Komplettausfall war und die beiden 6er Höger und Aogo schon mit der Defensivarbeit überfordert waren. Von der Spielfreude und der Zweikampfstärke des schwarz-gelben Mittelfeldes wurden die Gäste überrollt. Die ganze Ratlosigkeit des S04 zeigte sich auch in der Tatsache, dass es Roberto di Matteo bei einem Wechsel, Barnetta für Boateng, beließ. Weiterlesen