BVB verwandelt späten Matchball

DFB-Pokal, Viertelfinale / VfB Stuttgart 1 BVB 3

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Englische Witterungsverhältnisse und einen echten Pokalfight hat Borussia Dortmund gestern in Stuttgart überstanden. Dabei konnte der VfB die Partie lange, aus schwarz-gelber Sicht unnötig lange offen halten. Bis die Erlösung durch einen Konter über Aubameyang und Mkhitaryan gelang.

Dass den Stuttgartern ein vergleichbarer Treffer nicht gelang, darf sich die BVB-Defensive durchaus anrechnen. Die Angst vor der Konterstärke der Gastgeber war womöglich auch der Grund für Thomas Tuchel, mit Ginter und Durm und nicht etwa mit Gonzalo Castro zu beginnen. Warum der aber 90 Minuten auf der Bank sitzen blieb, ist eine schwerer zu beantwortende Frage.

Begonnen hatte alles mit dem angesichts Ticketpreisen von teils über 70 Euro nachvollziehbaren Fanboykott der Initiative “Kein Zwanni für nen Steher”. Knapp 20 Minuten blieben die Ultras draußen, während die umliegenden Blocks doch schon mit vielen BVB-Fans gefüllt waren. Kurz nach der Rückkehr der Stimmungsmacher fiel der Stuttgarter Ausgleich, nachdem Reus schon nach fünf Minuten zum 1:0 getroffen hatte. Dennoch kein Grund, gleich zum Tennis gehen zu wollen.

Der VfB blieb abgesehen von seinem Tor in der ersten Hälfte weitgehend ungefährlich, der BVB dominierte. Das schöne Tor von Auba, dessen Auftritt gegen Ingolstadt schnell vergessen war, fiel folgerichtig.

In Halbzeit 2 ging es zunächst so weiter und die Borussia hatte alle Chancen, das Spiel zu entscheiden. Doch Aubameyang scheiterte an Langerak, Gündogan, sonst sehr präsent, spielte nicht ab und einmal wurde der Ball im Strafraum fast schon slapstickhaft vertändelt. Unterdessen bekam der VfB mehr und mehr Zugriff auf das Spiel und hatte seine Chancen. Die durch schwaches Zielen und einen starken Bürki ohne zählbaren Erfolg blieben.

Lange sah es so aus, als würde die Borussia am Ende noch für ihre Fahrlässigkeit bestraft. Doch kurz vor Schluss war es der BVB, der mit zwei Mann alleine auf Torwart Langerak zukam. Und für erleichterte Freude in der Gästekurve sorgte.

Das nächste Spitzenspiel folgt sogleich

Nachdem die Spitze und der Keller der Bundesliga etwas statisch geworden sind – und vor allem da ich das Spiel des Dritten gegen den Zweiten nicht live sehen konnte – soll es hier gleich um den Pokalknaller am Dienstag gehen. Schließlich treffen im ehemaligen Neckarstadion die beiden Spitzenteams der Rückserie aufeinander. Und geht es nach den Ergebnissen 2016, sind die Gastgeber Favorit. Der VfB hat bisher alles gewonnen und neun Punkte geholt, die Borussia ’nur’ sieben.

Was Jürgen Kramny, ein Mann aus dem Nachwuchsbereich, seit seinem ersten Spiel als Cheftrainer, dem 1:4 in Dortmund, geschafft hat, ist beachtlich. Nicht dass der Zeitraum seither schon für eine abschließende Bewertung ausreicht. Aber die kritischen Worte unseres Ex-Spielers und früheren VfB-Sportdirektors Fredi Bobic wirken da einigermaßen unverständlich. Bei allen Defiziten, die die Stuttgarter in den letzten Jahren auf vielen Ebenen aufwiesen, haben sie nun einen – derzeit – erfolgreichen Trainer mit Stallgeruch.

Für den BVB wird es darauf ankommen, sich die Schwierigkeit der Aufgabe zu vergegenwärtigen. Allzu große Sorgen braucht man sich in diesem Punkt wohl nicht zu machen: Thomas Tuchel wird sicher die bestmögliche Mannschaft aufs Feld schicken und es verstehen, sie auf ein Pokal-Viertelfinale einzustimmen. Das 0:0 in Berlin hatte ein Gutes: Verletzte waren nicht zu beklagen.

Die Schwarz-Gelben werden auf einen Gegner treffen, der seine mannschaftliche Geschlossenheit wiedergefunden hat und zuletzt – dem BVB nicht unähnlich – mit einer torgefährlichen Offensive defensive Schwächen im Ergebnis kompensieren konnte. Das gelang allerdings auswärts noch besser als zu Hause.

Keine Rede kann davon sein, dass Neu-Schwabe Kevin Großkreutz für dieses Spiel gegen seine große Liebe frei bekommt. Als Rechtsverteidiger hat er sich nach seiner Rückkehr aus der Türkei in die VfB-Startelf gespielt und durchaus überzeugt. Vor dem Pokalhit sagt er nun: “Ich brenne auf das Spiel und werde alles raushauen, damit wir die Überraschung schaffen.” Und in Stuttgart sei er super aufgenommen worden. Es ist ihm zu gönnen. Genau wie seinem Verein, wenn er sich an den eigenen Haaren aus dem Ligasumpf ziehen sollte.

Im Pokal ist das Viertelfinale hoffentlich Endstation. Obwohl es zuvor mit ziemlicher Sicherheit ein spannender Abend werden dürfte.

Medial geteert, sportlich abgefedert

Kein Yunus Malli, kein Mikel Merino, kein Torres und noch nicht mal Orel Mangala – Borussia Dortmund steht nach der abgelaufenen Transferphase mit leeren Händen da. Zumindest für die Medien war das am “Deadline Day” ein Spannungsabfall. Zumal das Interesse der Schwarz-Gelben an drei dieser vier Spieler als verbrieft betrachtet werden kann und im Fall Merino sogar ausdrücklich bestätigt wurde. Dementsprechend war der mediale Tenor seit gestern, 18 Uhr, dass zumindest der Abgang von Jonas Hofmann hätte kompensiert werden sollen.

Ist das wirklich so? Natürlich wird man erst mal hinterfragt, wenn man zugibt, nach Verstärkung zu suchen und dann niemand kommt. Aber eigentlich sind die leeren Hände ein Zeichen der Stärke. Denn die Borussia steht mit ihrem Kader für die Rückserie so gut da, dass man nicht zwingend etwas tun und daher nicht auf jedwede Bedingung eingehen musste. Muss ein Hofmann wirklich ersetzt werden? Hat man nicht mit Christian Pulisic ein junges Talent, das schon jetzt ein ähnliches Niveau hat?

Gerade im Mittelfeld hat Thomas Tuchel mMn für die Rückserie genug Möglichkeiten um auch auf Ausfälle reagieren zu können. Probleme wären eher zu erwarten, falls Pierre-Emerick Aubameyang einmal länger ausfallen sollte. Doch bezahlbare Stürmer mit den erforderlichen Fähigkeiten sind im Winter noch schwerer zu bekommen als Mittelfeldspieler. Letztlich hat es der BVB schlicht nicht nötig, jetzt etwas zu tun. Im Sommer könnte das allerdings anders aussehen.

Erfolg in der Grauzone

1. Bundesliga, 19. Spieltag / BVB 2 FC Ingolstadt 0

Borussia Dortmund hatte seine liebe Mühe mit dem Liganeuling aus Ingolstadt. So war es beinahe zu erwarten gewesen, nachdem feststand, dass Ilkay Gündogan und Marco Reus, zwei der Matchwinner von letzter Woche, nicht dabei sein konnten. Zur Diskussion darf man auch stellen, ob nicht Gonzalo Castro anstelle von Ginter oder noch eher Kagawa für mehr Schwung gesorgt hätte. Shinji war in der Hinserie nur selten dadurch aufgefallen, das Spiel zu lenken. Gonzalo wäre der mutmaßlich adäquatere Ersatz für Marco gewesen. So hatte die zweitbeste Abwehr der Liga zunächst nur gelegentlich Probleme, verteidigte mutig nach vorne und verfolgte vor allem ein von Trainer Hasenhüttl ausgegebenes Ziel mustergültig: Mats Hummels zu beschäftigen.

Der BVB-Kapitän stand folgerichtig im Mittelpunkt zweier von drei Szenen, über die nach der Partie vor allem diskutiert (werden) wird. Nicht nur, dass sich dreimal die ‘kleinen’ Gäste benachteiligt fühlten – auch die Debatte über den Videobeweis haben die Vorkommnisse wieder angeheizt. Selbst Thomas Tuchel plädierte im Anschluss dafür – allerdings nur, um Tore zu überprüfen. Denn die anderen beiden umstrittenen Szenen zeigen schon wieder die Grenzen und Gefahren einer Einführung auf. Man kann sie sich x-mal ansehen und wird nicht auf einen gemeinsamen Nenner kommen.

Da war Hummels’ Zweikampf im Strafraum gegen Leczano, als letzter Schwarz-Gelber. Eine knifflige Geschichte: Klar ist, dass Mats den neuen Ingolstädter Stürmer hält. Wie stark er ihn nach unten zieht, ist allerdings nicht zu erkennen. Schiedsrichter Winkmann hätte pfeifen können, dann aber neben Elfmeter auch Rot geben müssen. In der zweiten Hälfte dann das äußerst kuriose potenzielle Eigentor, das Roman Bürki erst ermöglicht, da er aus Angst vor einem strafbaren Rückpass die Hände weglässt. Hier können Guido Winkmann und sein Assistent mMn nicht anders entscheiden. Hummels wird am Bein getroffen und es ist schlichtweg unmöglich zu sagen, wie der Ball ohne die Berührung geflogen wäre. Ärgerlich aus Schiedsrichtersicht ist vor allem das gegebene Abseitstor. Aber wenn da jetzt von deutlichem Abseits gesprochen wird, obwohl Aubameyang höchstens mit einer Körperhälfte zu weit vorne war, dann haben sich die Maßstäbe in eine falsche Richtung verschoben.

Zurück zu den Defiziten der Borussia: Nicht nur Hummels, die gesamte zentrale Achse der Schwarz-Gelben hatte ihre Probleme. Weigl mit guten Szenen, aber auch gefährlichen Fehlpässen, Ginter meist unauffällig, genau wie Kagawa. Auf den offensiven Halbpositionen war Mkhitaryan gut abgedeckt und Ramos agierte unglücklich. Hätte der BVB technisch stärkere Alternativen auf den Außen(verteidiger)positionen, hätte er auch mehr Variabilität, um Ausfälle und defensivstarke Gegner zu kompensieren. In dieser Hinsicht machte der 17-jährige Christian Pulisic Hoffnung, der nach 68 Minuten für Adrian Ramos kam. Endlich mal Flanken von der Außenlinie, die fast schon präzise waren.

Komplett unverdient war der BVB-Sieg am Ende nicht, da die Schanzer – übrigens ein irgendwie blöder Spitzname – nach dem Rückstand keinen funktionierenden Plan B mehr hatten und die Kräfte nachließen. Und so sorgte Castro in der 86. Minute mit seiner tollen Hackenvorlage auf Aubameyang für die Entscheidung. Belassen wir es dabei, dem FCI für eine couragierte Leistung zu gratulieren. Im Normalfall werden ihnen die zwei Punkte am Saisonende nicht zum Klassenerhalt fehlen, denn die Mannschaft hat mehr drauf. Und liegt auch nicht auf einer Achse mit TSG oder gar RBL.

Die Aufstellung: Bürki – Piszczek, Sokratis, Hummels, Durm – Ginter, Weigl (55. Leitner) – Ramos (68. Pulisic), Kagawa (55. Castro), Mkhitaryan – Aubameyang. Gelbe Karten: Weigl, Sokratis, Piszczek, Mkhitaryan. Tore: Aubameyang (2)

Der lange Weg in die Premier League

Fast 12 Millionen Euro für einen Zweitliga-Transfer? Kein Problem: Auf diese Summe haben sich in England die beiden Championship-Clubs FC Middlesbrough und Blackburn Rovers geeinigt. Dafür soll der 25-jährige Stürmer Jordan Rhodes in den nächsten Tagen von Letzteren zu Ersteren wechseln, von Lancashire nach North Yorkshire. Derzeit befindet er sich in Gesprächen mit “Boro”.

Nun ist Rhodes nicht irgendwer, sondern seit mehreren Jahren der wohl heißeste Zweitliga-Stürmer überhaupt. Seinen Durchbruch schaffte der schottische Nationalspieler bei Huddersfield Town, bevor er 2012 für rund 10,5 Millionen nach Blackburn wechselte. Wenn er richtig fit ist, hat man bei ihm fast eine eingebaute Torgarantie. Dass Middlesbrough Rhodes im Winter für diese für Championship-Verhältnisse sehr beträchtliche Summe verpflichten will, zeigt die Ambitionen für den Rest der Saison ganz deutlich.

Beim Namen Middlesbrough klingelt es natürlich bei vielen, die sich ein wenig intensiver mit englischem Fußball beschäftigen. Immerhin stand Boro 2006 noch im UEFA-Pokalfinale (0:4 gegen FC Sevilla). 2009 stieg man aus der Premier League ab und versucht seither erfolglos, zurückzukehren. Sieben Jahre später soll es unbedingt gelingen.Weiterlesen »

Dortmund bleibt polnisch – kommt jetzt der erste Spanier?

Über andere Spieler hatte man sich zuletzt mehr Gedanken gemacht. So kam es, dass die Vertragsverlängerung von Lukasz Piszczek um ein Jahr bis 2018 unbemerkt vonstattenging und erst heute bekannt wurde. Piszczu ist im sechsten Jahr ein Schwarz-Gelber und damit einer der dienstälteren Spieler. Nach längerfristigen Verletzungsproblemen und neuer Konkurrenz auf seiner Position hat er sich im Lauf der Hinserie seinen Stammplatz hinten rechts von Matthias Ginter zurückgeholt – zu diesem Zeitpunkt zu Recht.

Die vorzeitige Ausdehnung des Vertrags mit dem 30-Jährigen ist aber auch Ausdruck der vorerst gescheiterten Suche nach Alternativen auf den Außenverteidigerpositionen. Diese wurde zeitweise nicht ernsthaft betrieben und scheint danach erfolglos geblieben zu sein. Gonzalo Castro konnte – bei seinem einzigen Auftritt rechts hinten – ebenso wenig überzeugen wie Joo-Ho Park auf der anderen Seite. Ginter ist eine Alternative, aber im Gesamturteil nicht stärker als Piszczek oder Schmelzer. Es gibt derzeit keinen Grund, die personelle Lage dort als Missstand zu betrachten, denn Piszczu scheint fast wieder an alte Zeiten anzuknüpfen. Langfristig wird man sich aber erneut Gedanken machen müssen.

Unterdessen wurde der BVB gleich mit zwei spanischen Spielern in Verbindung gebracht. Beide sind jung und mit der U19 ihres Landes Europameister geworden. Die Verpflichtung von Mikel Merino vom Zweitligisten CA Osasuna vermeldete der “Kicker” schon als fast perfekt – ausgegangen war die Meldung von den spanischen Sportzeitungen “As” und “Marca”. Nun scheint erst mal wieder alles in der Schwebe, denn Osasunas Präsident hat einen Wechsel im Winter für schwer vorstellbar erklärt. Das kann Verhandlungstaktik sein oder – wie beim Mainzer Manager Christian Heidel – ernst gemeint.

Ein Wechsel des defensiven Mittelfeldspielers würde bei der derzeitigen Besetzung des Kaders scheinbar wenig Sinn machen. Zwar hinkt Nuri Sahin noch etwas hinterher, aber neben Julian Weigl stehen auch noch Sven Bender und Matze Ginter für die 6er-Position zur Verfügung. Dass Bender in der Innenverteidigung Sokratis vorgezogen wird, ist schwer nachvollziehbar. Merinos Wechsel würde allerdings dann Sinn ergeben, wenn intern mit dem Weggang von Spielern im Sommer gerechnet wird. Kandidaten wären Gündogan oder – wegen fehlender Einsatzzeiten – Bender.

Bei einer Ablöse von rund 5 Millionen Euro wäre der Transfer von Merino finanziell machbar. Sportlich würde dagegen derzeit Oliver Torres mehr Sinn ergeben. Der spielt bei Atletico Madrid, aber aktuell nur eine Nebenrolle. Er gilt als Offensiv-Allrounder, an dem die Borussia schon länger interessiert ist. Der Haken hier: Der Marktwert des 21-Jährigen wird auf 14 Millionen taxiert – und ein Verein wie Atletico wird nicht sonderlich geneigt sein, ein junges Talent zu diesem Zeitpunkt unter Wert abzugeben. Es wäre mit Sicherheit kein typischer BVB-Wintertransfer, wenn dieser Deal über die Bühne gehen sollte.

Dortmund gewinnt das Jubiläumsspiel

Weniger als 24 Stunden nach dem Auswärtssieg in Gladbach war Borussia Dortmund schon wieder im Einsatz: Als Jubiläumsgast zum 50. des 1. FC Union in der Alten Försterei. Natürlich schickte Thomas Tuchel elf Spieler aufs Feld, die gestern nicht in der Startelf gestanden hatten. Marcel Schmelzer war ebenso von Anfang an dabei wie Erik Durm.

Am Anfang sah es nach einer netten Bescherung für die Jubilare aus, aber nicht nach einem sportlich sinnvollen Ausflug der Borussia. Natürlich stand da eine nicht eingespielte B-Elf auf dem Rasen. Die Abwehr wirkte mit Subotic und Stenzel im Zentrum nicht sattelfest. Aber nach dem Rückstand und dem 0:2, was nicht gegeben wurde, rafften sich die Schwarz-Gelben auf.

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Der alte Herthaner Adrian Ramos traf doppelt und die jungen Nachwuchsleute des BVB zeigten, dass es gut ist, da mal wieder genauer hinzuschauen. Besonders Torschütze Pulisic und der in Hälfte 2 eingewechselte Larsen fielen positiv auf.

Und so feierten die einen den Sieg und Benjamin Köhler, die anderen eine gelungene Choreo, zivilisierte Pyrotechnik, Jubiläum und natürlich auch Benjamin Köhler. Und dann schlug noch Bremen die Blauen in der Turnhalle 3:1. Perfekter Sonntag.

Die Traumstarter sind wieder da

1. Bundesliga, 18. Spieltag / Borussia Mönchengladbach 1 BVB 3

Was will man mehr? Borussia Dortmund hat die Eindrücke aus den Testspielen bestätigt und zum Rückrundenauftakt auch das Spiel im Borussia-Park gegen Gladbach souverän gewonnen. Thomas Tuchel und sein Team scheinen die freie Zeit genutzt zu haben. Ein Fortschritt gegenüber den vollgestopften Wochen vor Weihnachten ist deutlich erkennbar.

Dabei hatte Tuchel noch gar nicht seine Bestbesetzung zur Verfügung. Für Nuri Sahin kam die Partie ohnehin zu früh, aber auch Marcel Schmelzer stand nicht im Kader. Für ihn kam erneut Joo-Ho Park zum Einsatz. Nach einer ordentlichen ersten Hälfte war der Linksverteidiger dann nicht unschuldig am Gladbacher Anschlusstreffer und wird über den Status des Ersatzmannes wohl nicht hinauskommen.

Abgesehen davon bewies das Team aber absolut Rückrundenreife. Auch wenn Gladbach nach einem Eckball die erste Chance per Lattenkopfball markieren konnte, wirkte der BVB schon vor der Führung wie die Heimmannschaft. Vor allem die Präsenz im Mittelfeld, die vielen gewonnenen Zweikämpfe und Balleroberungen waren beeindruckend. Und das betraf ja nicht nur die klassischen Mittelfeldspieler. Besonders stark agierte der Käpt’n: Mats Hummels brillierte sowohl in letzter Reihe wie auch in vorgezogener Position und selbst einen Sturmlauf ließ er sich nicht nehmen.

Wichtig war gestern vor allem, dass alle ähnlich wach waren wie Mats. Das sah man beim 1:0: Präziser Abschlag von Bürki, der superstarke Gündogan leitet weiter auf Reus rechts außen und der schließt ins lange Eck ab. So schnell kann es gehen, wenn alle mitmachen. Tuchel und allen voran die Spieler können auch Klopp. Exemplarisch für das schwarz-gelbe Spiel war auch der zweite Treffer, den Hummels mit einem, ja, bockstarken Tackling einleitete, ehe es wieder über Gündogan und Reus lief und schließlich Miki vor dem Tor cool blieb.

Die Schwächen über die linke Seite versuchte Thomas Tuchel später mit der Hereinnahme des genesenen Erik Durm zu kompensieren; Mkhitaryan wechselte auf rechts. Sonst gab es tatsächlich wenig zu kritisieren, denn eine Mannschaft wie Gladbach schießt man eben nicht aus deren eigenem Stadion. Die Gastgeber bekamen nach dem Anschluss kurzfristig Oberwasser, aber die Mentalität eines griechischen Helden sorgte für die Entscheidung. Nach Hummels war es nun Sokratis, der den Ball eroberte und einfach mal nach vorne durchlief, um dann in den Laufweg von Miki zu legen. Flanke in den Rückraum und Ilkay hatte endlich mal Glück im Abschluss. Mehr als Aubameyang, dem das gestern fehlte.

Die schwarz-gelbe Borussia scheint gerüstet – selbst wenn Yunus Malli oder ein anderer nicht kommen sollten. Das Einzige, was einem nach diesem Auftakt zu denken gibt: Die Interessenten für Ilkay, Miki und – trotz null Toren – Aubama werden nicht weniger. Und ohne diese drei möchte man sich den BVB derzeit doch nicht vorstellen.

Die Aufstellung: Bürki – Piszczek, Sokratis, Hummels, Park – Weigl – Gündogan, Castro (70. Ginter) – Reus (70. Durm), Mkhitaryan – Aubameyang (76. Ramos). Gelbe Karte: Weigl. Tore: Reus, Mkhitaryan, Gündogan

Ist der BVB bereit für die Rückrunde?

Zwei Testspielsiege mit je vier erzielten Toren – einer davon überzeugend gegen Ligakonkurrent Eintracht Frankfurt, einer spielerisch scheinbar mittelmäßig gegen Jeonbuk FC aus Südkorea. Auf den ersten Blick hat sich das Trainingslager in Dubai sportlich ausgezahlt, aber das wäre in Spanien wohl nicht anders gewesen. Moralisch war die Entscheidung für das Land in den Emiraten mindestens diskussionswürdig.

Die Hauptfrage, die die Fans nun nach der Rückkehr und vor dem letzten Vorbereitungsspiel (Dienstag, 19.05 Uhr in Essen gegen Sparta Prag) bewegt, ist natürlich die nach Neuzugängen. Hofmann und Januzaj sind weg und intern scheint Trainer Tuchel ganz deutlich gemacht zu haben, dass er Verstärkung will. Als “absolut notwendig” hat er sie öffentlich bezeichnet. Tatsächlich ist vor allem die Situation im Sturm prekär, wenn man sich mal vorstellt, Aubameyang würde längerfristig ausfallen. Ob Adrian Ramos dann wirklich die Erwartungen erfüllen könnte?

Zuletzt ist vor allem der Name Yunus Malli, bester Torschütze von Mainz 05, gefallen. Von einem Interesse der Borussia kann man getrost ausgehen. Im Sommer soll der Deutsch-Türke eine Ausstiegsklausel haben, im Winter wäre er wohl deutlich teurer. Außerdem gibt es angeblich weitere Interessenten, nicht nur aus der Nachbarschaft. Ein klassischer Stürmer ist Malli zudem nicht.

Doch der BVB möchte sich scheinbar auch im offensiven Mittelfeld verstärken. Auf den Außenbahnen ist das sogar halbwegs nachvollziehbar. Nach Reus und Miki tut sich doch eine gewisse Qualitätslücke auf. Andererseits kann auch Kagawa außen spielen und mit Piszczek sowie vor allem Durm hat man weitere Alternativen. Trotzdem, gegenüber den eher überbesetzten zentralen Positionen wäre hier vielleicht noch ein Platz frei im Kader. Zumal wir auf (den natürlich auch eher zentral spielenden) Nuri Sahin noch eine Weile warten müssen.

Neben Malli wurde zuletzt aus dem Hause Springer wieder der Name Andriy Yarmolenko ins Spiel gebracht. Doch der Rechtsaußen hat kürzlich seinen Vertrag bei Dynamo Kiew bis 2020 verlängert und auf Transfermarkt.de einen Marktwert von 25 Millionen. Das ist kein Deal, den der BVB im Winter machen würde. Eher taucht da noch ein ganz anderer Name auf. Oder Ramos geht als Zugabe zu einer Ablösesumme für Malli nach Mainz. Obwohl solche Deals in der Regel der Fantasie von Journalisten entspringen. Doch in diesem Fall scheint zumindest das Mainzer Interesse an Adrian in der Vergangenheit verbürgt.

Wer auch immer bald in Dortmund auftaucht, die Borussia kann frohen Mutes in die Rückserie gehen. Ohne Verletzungsmisere haben die Schwarz-Gelben auch jetzt schon einen Kader beisammen, der den Aufgaben absolut gerecht werden kann.

Kevin isch a Schwoab – Januzaj back in Manchester

Kevin Großkreutz ist zurück in der Bundesliga – und es wird seltsam sein, ihn im nicht schwarz-gelben Trikot zu sehen. Nach dem völlig missratenen Wechsel nach Istanbul hat sich der 27-jährige Dortmunder Junge nun dem VfB Stuttgart angeschlossen. Die Schwaben müssen nach Istanbuler Angaben rund 2,17 Millionen Euro überweisen. Für Kevin dürfte es das glückliche Ende eines Irrwegs sein. Ich bezweifle allerdings, dass es am 9. Februar schon zu einem Wiedersehen auf dem Platz kommt.

Adnan Januzaj hängt offensichtlich nicht ganz so sehr an Dortmund wie Kevin. Das Gastspiel des für seine Fähigkeiten bisher hoch geschätzten Offensivakteurs bei der Borussia ist bereits wieder vorbei. Der 20-Jährige kehrt vorzeitig zu Manchester United zurück. Der noch von Louis van Gaal trainierte Premier League-Klub war wohl unzufrieden mit den Einsatzzeiten Januzajs – und der BVB hat sich gegen den Wunsch der Engländer nicht ernsthaft gesträubt.

Wir alle haben uns sicher mehr von Adnan versprochen. Gut möglich auch, dass er bald irgendwo anders aufblüht. Vorwürfe könnte man Thomas Tuchel oder Michael Zorc dann aber ebensowenig machen. Die Ergebnisse geben ihnen bisher recht.