15 Jahre zweite Liga und kein Ende in Sicht

Das Schlimmste wird Ipswich Town nicht passieren. Ein Abstieg des traditionsreichen Zweitligisten dürfte zu vermeiden sein, auch wenn er sich nur noch haarscharf über dem unteren Tabellendrittel bewegt. Es ist das ewig Gleiche, das die Fans zermürbt: Ipswich spielt im 15. Jahr in der Championship, länger als es deren heutigen Namen gibt. Die Erfolge der Vergangenheit machen das schwer akzeptabel für die, die sich erinnern können. 1978 gewann der Klub den FA Cup und 1981 sogar den UEFA-Pokal. In der Saison nach dem Abstieg 2002 war Town noch mal europäisch dabei.

Heute hat der Verein mit dem wohl lustigsten Spitznamen im englischen Profifußball wenig Spaß. Die „Tractor Boys“ (eine erst von gegnerischen Fans benutzte und dann adaptierte Anspielung auf die Lage Ipswichs in der ländlich geprägten Grafschaft Suffolk) haben noch keine zwei aufeinanderfolgenden Spiele gewonnen. Einem überraschend deutlichen und positiven 3:0 gegen die Queens Park Rangers folgte am Samstag ein ernüchterndes 0:2 bei Bristol City, zuletzt auf Abwärtskurs in der Tabelle. Ein Elfmeter und ein Sonntagsschuss – da war er wieder, der Yo-Yo-Effekt.

Die Konstanz fehlt den Tractor Boys – und den Fans langsam die Geduld. Ipswich hatte noch nie die enthusiastischsten Anhänger. Es sind aber vor allem die langen Jahre in der zweiten Liga, die ihren Tribut fordern. Die Zuschauerzahlen daheim an der Portman Road sinken ebenso wie die Anzahl der Auswärtsfahrer. Hinzu kommt: Mit jedem Rückschlag und jedem torlosen Spiel macht sich der jetzige Trainer Mick McCarthy unbeliebter. Die Fans werfen ihm negative Taktik und defensive Aufstellungen vor. Es hilft nicht, dass er in seinen gut vier Jahren in Ipswich keinen dauerhaften Fortschritt gebracht hat.Weiterlesen »

Borussia-Serien halten, Schwarz-Gelb darf feiern

1. Bundesliga, 13. Spieltag / BVB 4 Mönchengladbach 1

Nach frühem Schock schlägt diesmal die schwarz-gelbe Borussia blitzschnell zu und dreht das Borussen-Duell in beeindruckender Weise. Nur um die Halbzeitpause herum können die Gäste die Partie einigermaßen ausgeglichen gestalten, kommen jedoch nur zu wenigen Torszenen. Dann schlägt die brillante BVB-Offensive erneut zu und schon wirkt die „Tuchel-Wutrede“ so novembrig. Der Trainer bleibt in der Liga zu Hause ungeschlagen und der VfL wartet weiter auf einen Sieg.

Drei Gedanken zum Spiel

Heute hat Thomas Tuchel gezeigt, wie man richtig rotiert. Ich meine, hallo, Reus und Dembélé – wie geil war das denn? Unglaublich, in welcher Form sich Marco bereits wieder befindet, da sieht man auch von einem kritischen Fehlpass ab. Mit einem perfekten Hackentrick bereitet er Aubas zweiten Treffer vor. Und Ousmane? Jeden Cent wert und mehr als das. Wenn er uns eine Weile erhalten bleibt, werden wir noch viel Spaß haben. Marc Bartra kehrte in die Abwehr zurück und gab eine Art Kopfballvorlage zum 0:1. Dafür verlängerte er aber auch die Ecke zum 2:1 und zeigte, dass er an guten Tagen den Hummels schon ganz gut kann. Rotation ist also dann eine feine Sache, wenn sie auf Schwachstellen reagiert und den richtigen Spielern verdiente Pausen einräumt.

Ebenfalls in die Mannschaft kam Nuri Sahin, den manche auch in Frankfurt erwarteten, nachdem er im Rekordmatch gegen Legia Warschau überzeugend mitgewirkt hatte. Nun kam also seine nächste Chance und Nuri musste nach 36 Minuten verletzt raus. Bitter für ihn nach langer Warte- und Leidenszeit. Ich habe zwar vermutet, dass es leistungsmäßig für ihn in dieser Saison schwer werden würde, aber so ein Pech kann einem nur leid tun. Allzu schlimm sah es allerdings nicht aus, in der zweiten Hälfte sah man ihn wieder auf der Bank mit Marco Reus plaudern.

Wenn sich diese Mannschaft eingespielt und Thomas Tuchel ihre Fähigkeiten komplett ausgelotet hat, wird die schwarz-gelbe Kaderdichte noch eine wichtige Errungenschaft sein. Der Trainer hat selbst gesagt, dass er noch nicht das perfekte System oder die perfekten Systeme für alle Spieler gefunden hat. Der Trainer wird daran aber akribisch weiterarbeiten. Und wenn man einen Christian Pulisic oder Rohdiamant Emre Mor bringen kann, ist das einfach ein gutes Gefühl. Vor allem ersterer begeisterte in rund zwölf Einsatzminuten wieder so richtig. Ob man das bald auch wieder über die Freunde Götze und Schürrle sagen kann? Da lassen wir uns mal überraschen.

Nun darf das Spiel im Estadio Bernabeu kommen und zuvor Schalke noch einmal gewinnen. Alles wieder im Lot bei der schwarz-gelben Borussia – was man von der anderen nicht sagen kann. Denn zu den tollen Spielzügen der einen gehörten auch Akteure der anderen, die sich mehr als einmal zu leicht ausspielen ließen.

Die Aufstellung: Weidenfeller – Ginter, Sokratis, Bartra – Piszczek, Castro, Sahin (36. Weigl), Schmelzer – Dembélé (89. Mor), Reus (78. Pulisic) – Aubameyang. Gelbe Karte: Piszczek. Tore: Aubameyang (2), Piszczek, Dembélé

Der DFL gelingt die Quadratur des Kreises

Der Verteilschlüssel für die Fernsehgelder aus dem neuen Milliardenvertrag der Deutschen Fußball-Liga ist kompliziert. Es gibt verschiedene Töpfe, es geht dabei um Begriffe wie „Wettbewerbszonen“ und nach der Präsentation letzte Woche wusste noch niemand genau, welcher Verein künftig wie viel abbekommen wird. Allein dieser Fakt ist schon positiv, deutet er doch darauf hin, dass sich keine Interessengruppe eindeutig durchsetzen konnte. Eine verständliche Übersicht zu den wichtigsten Kriterien der Aufteilung liefert FAZ.net.

Durch das Befüllen neuer Töpfe konnten neue Kriterien geschaffen werden, die – und das ist das wirklich Bemerkenswerte – allesamt sportlich fair und nachvollziehbar erscheinen. Auch künftig ist die sportliche Leistung der letzten fünf Jahre der mit Abstand wichtigste Maßstab. Belohnt werden aber auch die Bundesligaergebnisse der letzten 20 Jahre – eine Art Fallschirm für Traditionsvereine also. Weitere Gelder werden zu gleichen Teilen an die Vereine einer Tabellenregion (oder eben „Wettbewerbszone“) ausgeschüttet, wobei erste und zweite Liga hier zusammen zu betrachten sind. Außerdem hat die DFL auch noch daran gedacht, den Einsatz von im eigenen Verband ausgebildeten U23-Spielern zu belohnen – immerhin 2 Prozent der nationalen Gesamtsumme werden nach Einsatzminuten für den eigenen Nachwuchs vergeben.

Das Wichtigste: Es bleibt sportlich. Sachfremde, unpraktikable und unfaire Kriterien, wie sie dem Team Marktwert um Werder Bremen, Eintracht Frankfurt, Hamburger SV, Hertha BSC, 1. FC Köln und dem VfB Stuttgart vorschwebten, wurden als Schaumschlägerei entlarvt. So sind die TV-Quoten der Einzelspiele bei Sky aufgrund der Ansetzungen schlicht nicht vergleichbar: ein Spiel am Freitagabend ohne Konkurrenz gegenüber fünf gleichzeitigen Begegnungen am Samstagnachmittag. Fanzahlen bei Auswärtsspielen sowie in den sozialen Medien sind wiederum manipulierbar. Die Größe von Vereinen oder deren Einzugsgebiet zu belohnen wäre einfach nur schreiend ungerecht.

Man hätte es einer kommerziell orientierten Organisation wie der DFL vorher nicht zugetraut, dass am Ende eine Regelung herauskommt, die so weit wie möglich die Interessen aller, auch der Kleinen wahrt. Der Preis sind schwierige Berechnungen. Die nehme ich gerne in Kauf – vor allem, da vorher das Schlimmste zu befürchten war.

Schwarz-gelbe Pfeifenallergie

1. Bundesliga, 12. Spieltag / Eintracht Frankfurt 2 BVB 1

Mit Wolfgang Starks Pfeife hatte die schwarz-gelbe Borussia schon häufiger Probleme. Vielleicht pfeift der bayerische Schiedsrichter einfach zu schrill und den unseren klingeln die Ohren. Besonders der Anpfiff scheint gefährlich: Stark bläst zur zweiten Halbzeit, wenig später steht es 0:1. Eine gute Minute nach dem Ausgleich fällt das 1:2. Das ist die humorvolle Sichtweise, die aus gutem Grund etwas gezwungen erscheinen mag. Ganz ernsthaft deshalb die drei Gedanken zum Spiel in Frankfurt.

Defizite auch bei der Einstellung. Thomas Tuchel nannte die Vorstellung „ein einziges Defizit“ und bezog dabei auch gleich die Trainingswoche seit Mittwoch mit ein. Damit meint er auch die Einstellung. Man kann sich ja gegen diese Eintracht wirklich schwer tun. Was Niko Kovac seit den Relegationsspielen dort geleistet hat, ist enorm. Aber zweimal so schnell in Rückstand zu geraten, ist fahrlässig. Schaut man sich die beiden Spielzüge vor den Toren der SGE an, sieht man verlorene Zweikämpfe, ungeordnetes, unentschlossenes Abwehrverhalten und Spieler, die schlicht zu weit weg vom Gegner stehen.

Stark wieder nicht stark. Ganz grobe Fehler waren beim in Dortmund eher ungeliebten Unparteiischen nicht dabei. Aber während das mögliche Foul in der Nachspielzeit gegen Auba umstritten ist und nicht unbedingt mit Elfmeter zu ahnden war, hätte Marco Reus zuvor einen zugesprochen bekommen müssen, als er im Strafraum gehalten wurde.

Schürrle nur anfangs stark. Thomas Tuchel sorgte für ein Novum in der Dortmunder Bundesliga-Geschichte, als er in der 58. Minute gleich dreimal wechselte. Gehen musste auch André Schürrle, für den Dembélé kam. Nach guten Aktionen zu Beginn hatte der Rekordtransfer stark nachgelassen, wirkte ideen- und glücklos. Den Durchbruch in schwarz-gelb hat Schürrle noch nicht geschafft. Fragt sich, ob er aus persönlichen oder opportunistischen Gründen anderen vorgezogen wird. Dass neben ihm auch andere Offensive wie Götze und vor allem Ramos abbauten, lenkt zumindest heute von einer genaueren Analyse ab.

Fazit: ein vollkommen gebrauchter Samstag für Schwarz-Gelb. Neun Punkte auf das Projekt, schon wieder sechs auf die Bayern und morgen womöglich nur noch Siebter.

Die Aufstellung: Weidenfeller – Piszczek, Sokratis, Ginter, Schmelzer – Weigl (58. Rode) – Ramos (58. Reus), Götze, Castro, Schürrle (58. Dembélé) – Aubameyang. Gelbe Karten: Sokratis, Castro, Schmelzer. Tor: Aubameyang

Bayern endlich wieder schlechte Verlierer

1. Bundesliga, 11. Spieltag / BVB 1 FC Bayern 0

Das Spiel ist aus. Vier Bayern-Spieler, darunter Mats Hummels und Manuel Neuer, bedanken sich bei den Fans. Die anderen verabschieden sich geschwind in die Katakomben. Was ist passiert? Der FCB hat mal wieder gegen den BVB verloren. Zeit wurde es ja.

Für die Schwarz-Gelben war das Topspiel die Riesenchance, noch mal in Kontakt zur Ligaspitze zu kommen. Dementsprechend akribisch war sicherlich Thomas Tuchels Matchplan vorbereitet. Der ging zwar nicht über 90 Minuten auf, die Taktik allerdings schon. Drei Innenverteidiger (Bartra, Sokratis und Ginter) entlasteten die Außen Schmelzer und Piszczek von der gröbsten Defensivarbeit. Mit Adrian Ramos lief neben Aubameyang ein zweiter Stürmer auf, der sehr engagiert und flexibel agierte und vor allem in der Anfangsphase für Belebung und Überraschung sorgte.

Nicht zum ersten Mal in den letzten Wochen wirkte der FC Bayern zu Beginn einer Partie nicht unverwundbar. Diesmal konnte das der Gegner ausnutzen. Natürlich war es Pierre-Emerick Aubameyang, der sogar per Hacke für Piszczu vorgelegt hatte, ehe der Ball über  Mario Götze zum Torjäger zurückkam, der ’nur noch‘ das Bein hinhalten musste. Den Bayern ging das in dieser Spielphase zu schnell. Dass Mario entscheidend beteiligt war: sweet. Ein weiterer sehenswerter Spielzug wurde nicht von Erfolg gekrönt.

Von der 25. bis zur 45. und von der 50. bis zur 80. Minute dominierten die Bayern. Zeitweise kam Schwarz-Gelb kaum noch nennenswert in die gegnerische Hälfte. Die echten Chancen für die Gäste lassen sich trotzdem an einer Hand mit fehlenden Fingern abzählen. Kribbelig war es trotzdem, gerade weil Auba in der 71. Minute auch noch allein gegen Neuer vergab.

Am Ende interessiert es keinen Schwarz-Gelben, dass der FCB mehr vom Spiel hatte und dass Marc Bartra bei sehr strenger Regelauslegung hätte Gelb-Rot sehen können. Die Chancen für den BVB waren da, eine wurde genutzt, der FCB war in dieser Hinsicht quantitativ und qualitativ schlechter. Ein enger, aber nicht unverdienter Sieg gegen die Bayern. Genau das hat der Verein, haben wir Fans jetzt gebraucht.

Die Aufstellung: Bürki – Ginter, Sokratis, Bartra – Weigl – Piszczek, Schmelzer (88. Pulisic) – Götze (77. Castro), Schürrle (68. Durm) – Aubameyang, Ramos. Gelbe Karten: Bartra, Götze, Ramos. Tor: Aubameyang

Wie RB Leipzig normal werden soll

Wir schreiben das Jahr 2016. Der deutsche Fußballalltag sieht mittlerweile so aus: Zehn Spieltage der Bundesliga-Saison sind absolviert. Auf Platz 1 steht der FC Bayern, punktgleich auf Platz 2 RB Leipzig. Was bedeutet der schnelle sportliche Erfolg für die Wahrnehmung des ungeliebten Emporkömmlings? Und welche Strategie verfolgt der Brauseklub bei seiner Selbstdarstellung?

Einerseits bestätigt der aktuelle Tabellenstand schlimmste Befürchtungen. Bei denen, die „das Konstrukt“ ohnehin ablehnen. Wird die Liga schon in absehbarer Zeit zu einem Zweikampf zwischen Dauermeister und Retortenklub? So weit ist es vielleicht noch nicht. Doch für die Akzeptanz beim neutralen oder nur leicht skeptischen Publikum ist die sportliche Situation Gold wert. Auch von BVB-Fans habe ich schon gehört, dass RB ja einen gepflegten Ball spiele. Und das im ersten Jahr in der höchsten Spielklasse, mit jungem Kader und einem Gehaltsbudget im Mittelfeld der Liga, wie Sportdirektor Ralf Rangnick gerne betont.

Der schnelle Erfolg ist eine gute Argumentationshilfe für die Leipziger Verantwortlichen, zumindest gegenüber dem Mainstream-Publikum. Denn noch kann ja nicht die Rede davon sein, dass etablierte Vereine wie der BVB, Schalke oder Gladbach von RBL wirtschaftlich überrollt werden. Dass viel Geld auch in die Strukturen und die Infrastruktur geflosen ist, die den derzeitigen Erfolg begünstigen, wird gerne übersehen. So kann dann unkritisch vom frischen Wind fabuliert werden, den der Klub in der Liga und natürlich im Osten verbreite. Einige Medien sind schon auf diesen Trip gekommen.Weiterlesen »

Uns Auba macht es vierfach

1. Bundesliga, 10. Spieltag / Hamburger SV 2 BVB 5

Unerklärlicherweise war dieser HSV zu unserem Angstgegner mutiert. Natürlich nicht wortwörtlich, aber die Ergebnisse waren bescheiden, gerade in Hamburg. Und das, obwohl der ‚Dino‘ in den letzten Jahren sonst nur Grütze gespielt hatte. In diesem Jahr ist bisher alles noch schlimmer – für den HSV. Die Borussia hat sich dagegen die Ergebniskrise – gegen diesen Verein und in der Liga allgemein – aus den Köpfen geschossen.

5:2, obwohl Thomas Tuchel erneut rotierte, etwa Rode, Mor und Bartra in der Startelf brachte. Und natürlich Pierre-Emerick Aubameyang. Ein kleiner Mailand-Trip hatte die Suspendierung für die Champions League verursacht. Von mir aus kann er auch noch nach Paris und Potsdam fahren, wenn es im Anschluss denselben Effekt hat. Vier Tore in einem Ligaspiel erzielte für den BVB zuletzt Susi Zorc in den spätern Achtzigern, wie Sky-Kommentator Wolf Fuß wusste.

Natürlich ging es auch sehr gut los für die Schwarz-Gelben. Nachdem Torwart Adler nach vier Minuten einen Mor-Schuss abklatschen ließ, war Auba schon zur Stelle. Und für den HSV ging es ganz düster, nicht mal zweitligatauglich weiter. Katastrophaler Fehler durch Djourou, den erneut Mor ausnutzte und diesmal mit Absicht für Auba vorlegte. Den Hattrick machte unser Torjäger dann dank der Schokoladenhände von Adler komplett.

Erst gegen Ende der ersten Hälfte deutete sich an, dass die Gastgeber zur Gegenwehr im Stande waren. Nicolai Müller, mit Abstand bester Hamburger, kam zweimal in Tornähe. Später gelangen ihm dann auch zwei Treffer, doch da war es für den HSV schon zu spät. In der 48. Minute hatte deren Abwehr den Ball in Strafraumnähe hergeschenkt, Pulisic hatte auf Auba gelegt und der trocken ins lange Eck getroffen. Nicht schön reden braucht man, dass der BVB es danach streckenweise etwas zu sehr schleifen ließ und nach dem Anschlusstreffer unter einen gewissen Druck geriet.

Doch als Thomas Tuchel endlich wechselte, ging alles ganz schnell. Und der eingewechselte Ousmane Dembélé machte endlich sein nächstes Tor, nachdem man bei seinen Schüssen zuletzt schon gar nicht mehr hinschauen mochte. Diesmal umso mehr. Dass Müller dann von der Strafraumgrenze erneut traf, war nur noch eine Unschönheit. Was will man mehr, als unter diesen Voraussetzungen fünf Tore in Hamburg schießen? Vielleicht eine weiter verkürzte Verletztenliste nach der Länderspielpause. Und dass dem Bundesliga-Dino endlich mal Gerechtigkeit widerfährt.

Die Aufstellung: Bürki – Ginter, Sokratis (81. Passlack), Bartra – Piszczek, Guerreiro – Rode, Castro – Mor (69. Dembélé), Pulisic (69. Schürrle) – Aubameyang. Tore: Aubameyang (4), Dembélé

Drei Punkte zu Dortmund v Sporting

  1. Gesprächsstoff gab es bereits vor dieser Champions League-Partie: Pierre-Emerick Aubameyang stand nicht im Kader, aus „internen Gründen“. Was vorgefallen war, blieb Spekulation. Wurde Auba mit Zinedine Zidane gesehen, hat er das Training verpasst? Oder wurde er etwa beim Feiern erwischt? Immerhin war in NRW am Dienstag Feiertag und die Entscheidung über die Suspendierung wurde laut Tuchel am Dienstagnachmittag getroffen. Das Ganze ist natürlich kein Drama, aber auch nichts, was man in dieser Phase braucht. Am Wochenende soll Auba wieder dabei sein und gerne den HSV abschießen.
  2. Der einzige Torschütze heute: Adrian Ramos. Stürmerkollege und Gegenpol zum zumindest visuell extrovertierten Aubameyang. Auch das Tor fiel ganz klassisch: kein fancy Lupfer, sondern schlicht Flanke, Kopfball, Tor. Ansonsten war Adrian stets bemüht, aber zu selten in Abschlusspositionen zu finden.
  3. Wenn selbst Thomas Tuchel gern den Mantel des Schweigens über dieses Spiel decken will, ziehe ich mit. Das Achtelfinale ist erreicht, was in der Liga von Vorteil sein kann. Trotzdem gibt es viele Baustellen: die Balance fehlt, etwa zwischen den beiden Flügeln. Tuchel sah defensive Probleme. Während mich die Innenverteidigung heute überzeugen konnte, fehlte sicher die Abstimmung zwischen den Positionen. Und offensiv lief in der zweiten Hälfte nichts mehr zusammen. Die Auswechslungen von Castro und Götze in der 69. Minute haben da auch nicht geholfen.

Wenn es kein Derby wäre

1. Bundesliga, 9. Spieltag / BVB 0 FC Schalke 0

Hätten sich gestern nicht Borussia Dortmund und Schalke gegenübergestanden, sondern etwa Darmstadt und Freiburg, würde man die Begegnung mit dürren Worten abhaken: Typisches Kampfspiel, wenig Torszenen, immerhin bemüht haben sie sich. Nach dem Duell eines Bayern-Jägers gegen seinen stets ambitionierten Rivalen sah es nicht aus. Da es aber doch ein, oder besser das Derby war, hielt die Spannung natürlich bis zuletzt.

Es war laut, es gab den üblichen Kindergarten auf den Tribünen und im Spiel ging es hart zu. Thomas Tuchel wie Markus Weinzierl hatten ihre Teams auf mehreren Positionen verändert. So begannen beim BVB etwa Pulisic und Dembélé auf den Außen sowie der Derby-erfahrene Kagawa. Die junge Borussia fand sehr schwer ins Spiel und wurde von Dr. Felix Brychs Zweikampfbewertung in den ersten 20 Minuten auch nicht begünstigt.

Man merkte den Blauen den Aufwind an. Vor allem gelang es ihnen zunächst, das numerische Übergewicht im Mittelfeld, bedingt durch die Dreierkette hinten, auszunutzen. Thomas Tuchels Entscheidung für potenziell schnelle, trickreiche Außen war daher absolut verständlich – doch in der ersten Hälfte funktionierte auch das nicht. Schalke wirkte zwar in der ersten halben Stunde reifer und der Ball lief bei ihnen besser, doch eine echte Chance konnten auch sie nicht verbuchen.Weiterlesen »

Später Punkt gegen Copy and Paste Ingolstadt

1. Bundesliga, 8. Spieltag / FC Ingolstadt 3 BVB 3

Da ist das Gefühl wieder: Borussia Dortmund macht vieles falsch, aber rettet einen Punkt in einem am Ende packenden Spiel. Wie gegen Hertha BSC. Doch wie vorletzten Freitag fühlt sich der Punkt nicht wirklich gut an.

Zusätzlich zu erwartbaren Veränderungen in der Startelf setzte Thomas Tuchel auf Roman Weidenfeller, Joo-Ho Park und Adrian Ramos. Zwei dieser drei Personalentscheidungen darf man nach der Partie wohl als falsch bezeichnen. Die Defensive sah gegen eine keinesfalls überirdische Offensive besonders schlecht aus. Bartra und Ginter vermitteln in der Innenverteidigung bei Weitem (noch?) nicht die Sicherheit der Kombination Hummels/Sokratis. Joo-Ho Parks Stellungsspiel ist teilweise schlichtweg katastrophal. Und all das und noch viel mehr kommt zusammen, wenn man sich zweimal den identischen Freistoß einschenken lässt.

Was der Borussia vor allem in der ersten Hälfte offensiv zu schaffen machte, war das aggressive Pressing der Gastgeber im Mittelfeld. Diese Taktik der BVB-Gegner – beherzt anlaufen, robust in die Zweikämpfe gehen, auf Fehler der Schwarz-Gelben und Konter lauern – kann aufgehen. Zumindest wenn sich unsere Abwehr so wacklig präsentiert wie heute. Doch gegen Ende schwinden den Gegnern wegen des lauf- und zweikampfintensiven Spiels häufig die Kräfte – der FCI lief gut drei Kilometer mehr als der BVB, bei nur 26 Prozent Ballbesitz.

Den Schwarz-Gelben fehlten heute in der ersten Halbzeit ein Ilkay Gündogan oder Henrikh Mkhitaryan in Bestform. Man hatte außerdem das Gefühl, dass die Motivation für die Partie beim Tabellenletzten etwas schwerer fiel als unter der Woche in Lissabon. In Ideenlosigkeit gegen eine kompakte Defensive kann man sich auch ergeben. Das wurde in den zweiten 45 Minuten nach einer vermutlich knackigen Halbzeitansprache von Thomas Tuchel besser. Bis auf zwei Minuten Tiefschlaf nach Aubameyangs Anschlusstreffer. Die Folge waren das 1:3 und eine weitere Großchance der Schanzer.

In der Schlussphase verdiente sich die Borussia fast noch mehr als einen Punkt. Der tolle Schuss des eingewechselten Passlack, Götze steht frei, Auba versuchts noch mal – es hätte schon früher zumindest 3:3 stehen können, nachdem Ramos bereits in der 69. Minute getroffen hatte. Gerade wir Schwarz-Gelben mögen ja Tore in der Nachspielzeit, manchmal kassieren wir sie auch. Diesmal traf Pulisic für den BVB im Nachschuss nach Piszczeks abgewehrtem Kopfball. Schon ziemlich lässig, so ’ne späte Bude, aber die Krönung wäre natürlich nur ein 4:3 gewesen. So aber ist die Borussia nur noch Sechster.

Die Aufstellung: Weidenfeller – Piszczek, Ginter, Bartra, Park (46. Pulisic) – Weigl – Castro (59. Götze), Kagawa (73. Passlack), Dembélé – Aubameyang, Ramos. Gelbe Karte: Ramos. Tore: Aubameyang, Ramos, Pulisic