Zu guter Letzt: Der Linksverteidiger ist da

In den letzten Tagen hatten sich die Anzeichen verdichtet, dass Borussia Dortmund unter Thomas Tuchel nachholen würde, was der Verein meiner bescheidenen Meinung nach seit Jahren versäumt hat: für echten Wettbewerb auf den Außenverteidiger-Positionen zu sorgen. Das Timing ist angesichts der jüngsten Blüte von Marcel Schmelzer zwar nicht so zwingend, doch die Entscheidung trotzdem goldrichtig: Wie bereits gestern spekuliert kommt Joo-Ho Park für rund drei Millionen Euro von Mainz 05. Der 28-jährige Südkoreaner unterschrieb einen Dreijahresvertrag.

Nach jetzigem Stand wird sich der neue Linksverteidiger zunächst hinter Schmelle einordnen müssen. In Stein gemeißelt ist die Rangordnung allein schon wegen möglicher Verletzungen nicht. Mit der Verpflichtung von Park ergibt sich auch eine neue Situation rechts hinten: Erik Durm dürfte nach seiner hoffentlich baldigen Genesung von Thomas Tuchel vorrangig dort eingeplant sein. Lukasz Piszczek hat seinen Vorsprung wohl eingebüßt und so könnte sich bald ein offenes Rennen um die Position ergeben, in das auch Matthias Ginter eingreifen wird.

Wie schon öfter erwähnt haben die BVB-Verantwortlichen mMn den Außenverteidigern nicht die Bedeutung beigemessen, die vielleicht angemessen gewesen wäre. Das ändert sich nun mit dem neuen Trainer. Wünschenswert wäre bis Transferschluss am Montag noch der Weggang von Moritz Leitner. Im Sturm kann man sich dagegen locker machen: Man kann handeln, muss aber nicht.

Hertha kommt, Kevin geht

Einen Tag nach der Qualifikation zur Europa League und drei Tage vor Ende der Transferphase kommt Bewegung in die Personalpolitik von Borussia Dortmund. Nach einem guten halben Jahr verabschiedet sich Kevin Kampl bereits wieder nach Leverkusen. Für angeblich elf Millionen Euro schließt er sich bis 2020 dem Werksklub an. Die Verluste für die Borussia halten sich also in Grenzen.

Wenn einer nach nicht mal acht Monaten den Verein verlässt und niemand ihn zurückhalten will, kann es aber trotzdem nicht so gut gelaufen sein. Kampl, zumindest in seiner Jugend BVB-Fan, spielte in schwarz-gelb engagiert, aber uneffektiv. Verpflichtet wurde er in einer Notsituation, die sich möglicherweise negativ auf das Gespür von Michael Zorc und Jürgen Klopp ausgewirkt hatte. Ob er in Leverkusen regelmäßig zum Einsatz kommen wird, ist zu bezweifeln. Trotzdem alles Gute, Kevin!

Mit Jeremy Dudziak verlässt außerdem eine Nachwuchskraft den Verein und wechselt zum FC St. Pauli. Noch vor nicht allzu langer Zeit wurde er als Alternative zu Marcel Schmelzer gehandelt – so schnell ändern sich die Dinge. Immerhin hat sich der BVB eine Rückkaufoption gesichert. Dass Thomas Tuchel nun allein auf Schmelle links hinten setzt, kann man sich trotz dessen vergleichsweise sensationeller Frühform aber nicht vorstellen. Gut möglich, dass nun, wie spekuliert, der Mainzer Koreaner Joo-Ho Park zu seinem früheren Trainer wechselt. Die 05er sind nach “Kicker”-Informationen bereits an einem Ersatz dran: Gaetan Bussmann vom FC Metz.

Bei der heutigen Auslosung der Europa League hat der BVB unterdessen die gesamte Exotik des Wettbewerbs zu spüren bekommen. Die Schwarz-Gelben müssen nach Thessaloniki zu PAOK, nach Russland zum FK Krasnodar und nach Aserbaidschan zum Verein mit dem vielleicht komischsten Namen, dem FK Qäbälä. Sportlich ist das alles sicherlich machbar, ansonsten wohl eher strapaziös.

Zunächst geht es jedoch im heimischen Westfalenstadion gegen Hertha BSC. Das letzte Spiel gegen die Berliner wurde gewonnen; ansonsten waren diese in den letzten Jahren nicht immer ein angenehmer Gegner. Den ersten Partien der neuen Saison nach zu urteilen, hat die Hertha ihre Abwehr weiter stabilisieren können. Den Hauptstädtern fehlen unter anderem Änis Ben-Hatira, Jens Hegeler und Ex-Borusse Julian Schieber – dennoch dürfte am Sonntagnachmittag ein bisschen Geduld gefragt sein.

Borussia Dortmund International

Europa League, Play-Offs / BVB 7 Odds BK Skien 2

Der BVB hat die Gruppenphase der Europa League erreicht. Nicht überraschend, aber doch überraschend spektakulär. Schließlich haben wir lange auf sieben eigene Treffer in einer Partie warten müssen. Dass die Borussia zunächst wieder in Rückstand geriet, wenn auch erst nach 19 Minuten, war im Nachhinein natürlich noch unwichtiger als im Hinspiel. Trotzdem darf man die Anfälligkeit bei Ecken nicht vernachlässigen. Also doch noch Arbeit für unseren Wondertuchel.

Es ist wirklich nur ein halber Spaß. Denn so wie es sich derzeit darstellt – ja, natürlich erst mal ist es eine Momentaufnahme, aber der Moment wird immer länger – ist da schon sehr viel richtig gemacht worden. Da kommt ein 19-Jähriger von 1860 und wird zum souveränen 6er. Da spielen ein Henrikh Mkhitaryan und, etwas weniger spektakulär, ein Shinji Kagawa befreit auf und schießen Tore. Da wird ein Matthias Ginter vielleicht zum soliden Rechtsverteidiger. Ein Ilkay Gündogan zaubert plötzlich, trotz anfänglichem Gegenwind von den Rängen. Und, mit das Überraschendste: Marcel Schmelzer wird offensiv immer stärker, passt und flankt und dribbelt sogar. Nicht immer gleich effektiv, aber mit unverkennbarem Aufwärtstrend.

Wer kann das alles noch erklären? Und wo soll das noch enden? In Thomas Tuchels Fußballwelt der Wunder?

Die Aufstellung: Weidenfeller – Ginter, Sokratis (64. Piszczek), Hummels, Schmelzer – Weigl – Hofmann, Gündogan (66. Bender), Kagawa, Mkhitaryan (64. Aubameyang) – Reus. Tore: Mkhitaryan, Reus (3), Kagawa (2), Gündogan

Spannung, Spiel und ein Sieg wie Schokolade

Europa League, Play-Offs / Odds BK Skien 3 BVB 4

Auch in der Europa League wird ein gepflegter Ball gespielt. Das musste Borussia Dortmund in den Play-Offs am Donnerstag auf die harte Tour lernen. 0:3 nach 22 Minuten – nicht mal die schlimmsten Pessimisten oder S04-Fans hätten daran nach dem Auftritt von Samstag geglaubt. Die Gründe sind schwer einzuschätzen – womöglich war es eine Kombination aus den Gegebenheiten des ungewohnten Kunstrasens, der daraus resultierenden Angst vor Verletzungen und der Unterschätzung des Gegners.

Eine durch Castro nicht verhinderte Flanke mit folgender Ratlosigkeit bei Ginter und Co, falsche Laufwege nahezu der kompletten Abwehr beim zweiten Gegentor und der endgültige Beweis, warum der neue Roman die verdiente Nummer 1 ist – es war eine Verkettung dummer Fehler, die zum hohen Rückstand führte. Gegen ein anderes Team wäre das schwer aufzuholen gewesen, aber vielleicht auch nicht passiert. Gestern war die Borussia in Skien tatsächlich meistens Herr der Lage und es wurde schnell deutlich, dass sich die norwegischen Gastgeber selbst mit diesem Ergebnis nicht sicher fühlen konnten.

Das schnelle 2:3 nach der Pause war natrürlich wichtig für den Fortgang der Aufholjagd. Ihr Ausgang hinterlässt dann endgültig ein süßes Gefühl, denn selbstverständlich ist so ein Vier-Tore-Lauf nicht. Auf Pierre-Emerick Aubameyang ist Verlass, auch wenn er eine hundertprozentige Chance Slapstick-haft verdaddelte. Letztendlich stehen zwei Tore auf seinem Konto und Henrikh Mkhitaryan sorgte per Kopf für den Sieg.

Lehren kann man aus dieser Energieleistung, diesem tollen Schlagabtausch durchaus ziehen: Die Außenverteidigung bleibt ein Platz zum Tüfteln. Während sich Marcel Schmelzer auf links erneut ins Spiel kämpfte und eine gute zweite Hälfte hinlegte, war die Option, Gonzalo Castro wie einst in Leverkusen rechts hinten aufzubieten, ein Fehlgriff. Zwar scheint Lukasz Piszczek nicht schwerer verletzt zu sein, aber die Position sollte in der Diskussion bleiben. Weiter vorne auf der rechten Seite wirkte auch Kevin Kampl bemüht, aber sehr ineffektiv. Shinji Kagawa fand dagegen nach schwachem Start immer besser ins Spiel.

Fazit: Die Startelf vom Gladbach-Spiel wusste besser zu gefallen – dennoch boten die schwarz-gelben Jungs auf dem Platz am Ende großes Entertainment, das nicht nur den rund 2000 BVB-Fans im Stadion gefallen haben dürfte.

Die Aufstellung: Weidenfeller – Castro (46. Sokratis), Ginter, Hummels, Schmelzer – Bender (68. Weigl) – Kampl (63. Ramos), Gündogan, Kagawa, Mkhitaryan – Aubameyang. Tore: Aubameyang (2), Kagawa, Mkhitaryan

Thomas Tuchels wunderbare Welt des Fußballs

1. Bundesliga, 1. Spieltag / BVB 4 Mönchengladbach 0

Wer sich vor dem Spiel Borussia gegen Borussia eine packende, enge Partie mit Chancen hüben wie drüben und einem allenfalls knappen Sieg von wem auch immer ausgemalt hatte, wurde gestern Abend von der Realität blitzschnell überholt. Und diese Realität war strahlend schwarz-gelb. Im ersten Ligaspiel fabrizierte das Team von Thomas Tuchel eine Leistung, die sogar besser war als im schnöden Lehrbuch – und vor allem die beste Leistung des BVB seit langem.

Man könnte jetzt bereits von einem Meisterstück des neuen Trainers sprechen und sogar gewichtige Gründe dafür anführen. Die Schwarz-Gelben zeigten nicht nur flüssige Kombinationen nach vorne, sondern auch ein äußerst souveränes Ballbesitzspiel, wie es die sogenannten Experten bei Jürgen Klopp vermisst hatten. Ging der Ball verloren, wurde er häufig schon im Mittelfeld, und durchaus auch von den offensiv ausgerichteten Spielern, zurückerobert. Erstaunlich ist, wie es Tuchel geschafft hat, den jungen Julian Weigl, in der letzten Saison noch bei 1860, auf sein gestern gezeigtes Niveau zu bringen. Und betrachtet man nur den gestrigen Abend, würde man dem Trainer auch zutrauen, aus Marcel Schmelzer doch noch einen Dede zu machen.

Das Einzige, was man gegen die nun einsetzenden, berechtigten Lobeshymnen, das Gerede von der Rückkehr als Bayern-Jäger einwenden kann: Es war eben nur ein Spiel. Gegen einen Champions League-Teilnehmer, klar. Aber gegen einen, der sichtlich überrascht von der neuen Kraft des BVB war und der seine eigene Abwehr wegen Verletzungen und Sperren neu formiert hatte. Es zeigte sich, dass Gladbach unter diesen Voraussetzungen eben nicht das Niveau von Wolfsburg und den Bayern hat. Weiterlesen

Die Luft vor dem Start

Was da nun genau in der Luft liegt – wer will das schon sagen? Der Bundesliga-Saisonauftakt 2015/16 beschert Borussia Dortmund ein Abendspiel gegen die andere Borussia, den amtierenden Tabellendritten und Champions League-Teilnehmer. Und es ist verdammt schwer abzuschätzen, wie die Schwarz-Gelben mit einem Gegner solchen Kalibers zurechtkommen.

Die bisherigen Partien unter Thomas Tuchel haben sich gut angelassen, es gab kein Gegentor in den Pflichtspielen. Aber natürlich sind Wolfsberg und Chemnitz nicht der Maßstab, um schon irgendwelche Aussagen zu tätigen. Wer sich unvoreingenommen auf den neuen Trainer einlässt, kommt dennoch zu dem Schluss, dass dieser einen positiven Eindruck macht. Niemand braucht einen zweiten Klopp, denn eine Kopie ist meist nicht so gut wie das Original. Dass ‘die BVB-Fans’, ‘die Westfalen’ oder ‘die Ruhrpott-Bewohner’ nur einen Typ wie Kloppo akzeptieren, war schon immer eine bloße Zuschreibung von außen. Sichtbar ist dagegen: Tuchel lässt mehr den Ball zirkulieren, verschiedene Formationen erproben und hat bisher Erfolg.

Gegen Mönchengladbach wird natürlich gerade die scheinbar gefundene defensive Stabilität auf die Probe gestellt. Es ist bekannt, dass ich vor allem auf den Außenpositionen der Viererkette die Schwachstellen vermute. Lukasz Piszczek und Marcel Schmelzer dürften zunächst mal auflaufen, denn Erik Durm hat auch am Donnerstag noch nicht trainiert. Dudziak steht derzeit wohl noch hinter Schmelle. Es bleibt nur zu hoffen, dass Thomas Tuchel genau hinschaut.

Viele werden erst mal gespannt zwischen die Pfosten schauen. Alles andere als eine Entscheidung für Roman Bürki wäre dort eine Überraschung und eher kontraproduktiv. Noch spannender ist deshalb, ob Weigl, Castro oder Bender neben Ilkay Gündogan ran dürfen. Entscheidend für den Spielverlauf könnte sein, ob Henrikh Mkhitaryan seine ausgezeichnete Frühform gegen das Favre-Team konservieren kann und zum kongenialen Partner von Marco Reus wird.

Gladbach sah im Pokalspiel bei St. Pauli zunächst gar nicht gut aus, um dann in der zweiten Hälfte umso überzeugender zurückzukommen und die Partie keine Minute mehr aus der Hand zu geben. Echte Formvorteile kann sich der BVB also nicht ausrechnen. Ja, die andere Borussia hat Christoph Kramer und Max Kruse verloren – aber das waren zuletzt zumindest nicht die Spieler, die den schwarz-gelben Jungs die meisten Probleme bereitet haben. Und mit Drmic sowie vor allem Lars Stindl haben Max Eberl und Lucien Favre echte Qualität ins Team geholt. In der Abwehr, wo bei den Gästen ein paar Spieler fehlen, wird voraussichtlich Chelsea-Leihgabe Andreas Christensen sein Liga-Debüt geben. Dennoch: Hier könnten die Gladbacher verwundbar sein.

Ein besseres Topspiel hätte sich die DFL für den ersten Spieltag nicht aussuchen können, das muss man den Verantwortlichen lassen. Hohes Tempo, viele Offensivaktionen und gehörige Spannung – es würde doch sehr verwundern, wenn wir nicht alle diese Attribute zu sehen bekommen.

Typisch Pokal, oder?

DFB-Pokal, 1. Runde / Chemnitzer FC 0 BVB 2

Borussia Dortmund hat es beim ersten eigenen Pflichtspiel der Saison in Deutschland versäumt, früh für klare Verhältnisse zu sorgen. Nach einigen vergebenen Chancen entwickelte sich eines jener typischen Erstrunden-Pokalspiele, bei denen der Erstligist am Ende schwächer beurteilt wird als er eigentlich war. Denn es gab da ja jene Phase, in der die Chemnitzer drauf und dran waren, den Ausgleich zu erzielen. In der sie – im Gegensatz zu ersten Halbzeit – früh pressten und Fehler der Schwarz-Gelben provozierten. Allerdings hatten die Gastgeber nach einer eher glücklichen Chance durch Danneberg in Hälfte 1 in den zweiten 45 Minuten auch nur noch eine echte Großchance durch einen Distanzschuss von Fink, bei dem Torwart Bürki seine Klasse zeigte.

Nachdem sich der BVB gegen erwartet tief stehende Chemnitzer im ersten Viertel des Spiels schwer getan hatte, aber eindeutig dominant agierte, genügten letztlich eine präzise Flanke von Mkhitaryan und ein gut ins lange Eck platzierter Kopfball von Aubameyang zur Führung. Und  die gut aufgelegte Offensive der Borussia hätte die Partie noch bis zur Pause klar machen können – etwa in Person von Marco Reus.

In der zweiten Hälfte zeigte der CFC in einigen Szenen gepflegtes, schnelles Kombinationsspiel. Möglich wurde das auch durch Ballverluste der Gäste im Mittelfeld, eine hoch aufgerückte Viererkette und weiterhin nicht wirklich überzeugende Außenverteidiger. Man kann sich wirklich nur wünschen, dass Erik Durm bald wieder fit und Jeremy Dudziak eine Chance gegeben wird – oder dass doch noch etwas auf dem Transfermarkt geschieht.

Am Ende lief es dann aber doch so, wie es in solchen Erstrundenspielen läuft – wenn man nicht der HSV, Hoffenheim oder der BVB vergangener Jahrzehnte ist. Weil sich die Schwarz-Gelben die Begegnung eben nicht dauerhaft aus der Hand nehmen ließen, sondern nach der Drangphase der Chemnitzer – die wie alles bei den heutigen Temperaturen Kraft kostete – zurückkamen. In der 83. Minute traf Mkhitaryan selbst, diesmal nach Aubas Vorarbeit. Erneut eine Torbeteiligung des “Fehleinkaufs”. Mal sehen, wann Matze oder Kalle durchklingeln.

Bei der Borussia besteht Verbesserungsbedarf. Und am Samstag kommt Gladbach, worauf nun die Kritiker hinweisen. Andererseits wollen wir doch erst mal sehen, wie die sich morgen am Millerntor schlagen. Tuchels Jungs haben ihren Job gemacht – mit der selben Tordifferenz wie der FC Bayern beim Fünftligisten Nöttingen.

Die Spielbeobachtung von “Fußball in Sachsen” gibt es hier.

Die Aufstellung: Bürki – Piszczek, Sokratis, Hummels, Schmelzer – Bender (72. Weigl) – Reus (83. Ginter), Gündogan, Castro (63. Hofmann), Mkhitaryan – Aubameyang. Gelbe Karte: Piszczek. Tore: Aubameyang, Mkhitaryan

Alles zu Chemnitz aus Chemnitz

Am Sonntag zur ungewohnt frühen Anstoßzeit um 14.30 Uhr steht für Borussia Dortmund das erste und hoffentlich nicht letzte Spiel in dem Wettbewerb an, in dem man in der Vorsaison am erfolgreichsten war. In der 1. Runde des DFB-Pokals geht es zum Chemnitzer FC. Da ich die 3. Liga auch vor dem Abstieg unserer zweiten Mannschaft nur sporadisch verfolgt habe, kann ich zum kommenden Gegner aus dem Stegreif nicht mehr beisteuern als dass einmal ein gewisser Chris Löwe von dort zum BVB kam. Ganz anders sieht das bei Sebastian vom neuen Blog “Fußball in Sachsen” aus. In diesem beschäftigt er sich mit den höher-, aber auch den niedrigerklassigen Klubs aus dem Bundesland. Er lebt in Chemnitz und kennt sich mit dem örtlichen Drittligisten bestens aus, auch wenn er selber kein Fan ist. Freundlicherweise hat er für “Any Given Weekend” ein kleines Briefing zum CFC verfasst.

Brütende Hitze, ein lautes, ausverkauftes Stadion, schwere Beine beim BVB und mit der nötigen Portion Glück könnte der CFC die Sensation schaffen. Realistisch betrachtet ist der Drittligist krasser Außenseiter. Der Start in die neue Saison läuft durchwachsen, die Mannschaft hat sich noch nicht gefunden. Mut macht die jüngere Pokalgeschichte mit dem Vorjahreserfolg gegen Mainz 05.

Die Sternstunde des CFC liegt dagegen weit zurück. 1967 wurde die einzige DDR-Meisterschaft eingefahren, damals noch als FC Karl-Marx-Stadt. Platz 12 der ewigen DDR-Oberligatabelle spiegelt das Kräfteverhältnis und Abschneiden der anschließenden Jahre wider. Dreimal stand der FCK zudem im FDGB-Pokalfinale, konnte dieses aber nie gewinnen. Seit dem 13.6.1990 firmiert der Verein als Chemnitzer FC. Weiterlesen

Miki, Bier, Borussia

Europa League-Qualifikation, 3. Runde / BVB 5 Wolfsberger AC 0

Borussia Dortmund hat sich keine Blöße gegeben und steht hochverdient in den Play-Offs der Europa League gegen einen morgen auszulosenden Kontrahenten. Der Wolfsberger AC war über 180 Minuten gesehen allerdings kein Gegner, der als Prüfstein für die Schwarz-Gelben bezeichnet werden kann.

Das fiel auf: Die Abwehr, vor allem die Innenverteidigung, stand gegen allerdings recht harmlose Gäste sehr solide. Thomas Tuchels Handschrift ist anders als die seines Vorgängers, aber auch kein kompletter Neuanfang. Vor allem in der zweiten Hälfte wurden das schnelle Zirkulieren des Balles und ein gepflegtes Kurzpassspiel stellenweise sichtbar. Die Qualitäten für gutes Kombinationsspiel sind vorhanden. Auffallend unauffällig blieb Roman Weidenfeller. Weil er kaum zu tun hatte, konnte er auch keine Pluspunkte gegenüber Roman Bürki sammeln.

Das war gut: Tore über mehrere Stationen. Gut aufgelegte Offensivkräfte wie Reus, Gündogan und natürlich Mkhitaryan. Auch wenn heute nicht alle Tage war: Wer Miki schon als Fehleinkauf abgestempelt hatte, versteht und verstand nichts von Fußball. Noch nie.
Der frühe Eindruck von den Neueinkäufen ist gut, vor allem der vom jüngsten unter ihnen, Julian Weigl. Der Junge hat Ideen, auch wenn noch nicht alle fruchten, und in seiner Person deutet sich an, dass Thomas Tuchel tatsächlich ein Macher, ein Entwickler von Spielern ist.
Gut ist außerdem, dass die Flügel mehr als zuvor in die Offensive einbezogen werden und sogar Marcel Schmelzer ein sehr ordentliches Spiel machte.

Das geht noch besser: Fangen wir mal mit dem Schiedsrichter an. Ionut Marius Avram sorgte mit seinen Fehlentscheidungen, einer lächerlichen Gelben Karte gegen Marco Reus und einem demselben Spieler verweigerten Elfmeter, immerhin dafür, dass die Borussia in die Puschen kam. Angefeuert von den Fans und mit Wut im Bauch kamen Torchancen zustande, die zuvor trotz großer Feldüberlegenheit viel seltener waren.

Es hakte beim BVB aber auch an bestimmten Stellen. So wirkte Shinji Kagawa sehr unglücklich und dürfte seinen Platz in der Startelf mit solchen Vorstellungen bald los sein. Ilkay Gündogan zeigte in der ersten Hälfte noch Licht und Schatten, ehe er sich deutlich steigerte.
Ansonsten dürfen in den nächsten Begegnungen Chancen wie die von Pierre-Emerick Aubameyang nicht mehr ausgelassen werden. Schon in Chemnitz könnte das bestraft werden.

Fazit: Das war in der zweiten Hälfte richtig gut. Machte Spaß, macht Hoffnung und Vorfreude.

Die Aufstellung: Weidenfeller – Piszczek, Sokratis, Hummels, Schmelzer – Gündogan (77. Bender), Weigl – Reus (77. Hofmann), Kagawa (65. Castro), Mkhitaryan – Aubameyang. Gelbe Karte: Reus. Tore: Reus, Aubameyang, Mkhitaryan (3)

Tuchels großer Tag

Can you feel the energy? Es lag ein Britzeln in der Luft, als BVB-Trainer Thomas Tuchel am Mittwoch über sein erstes Heimspiel im Westfalenstadion sprach. Der Mann hat richtig Lust auf den Job und die Stimmung, die ihn morgen Abend erwartet. Vor vermutlich 65.000 Zuschauern, bei einem Europa League-Qualifikationsspiel gegen den Wolfsberger AC.

Mir geht es genauso. Bei allem, was in der 2. Halbzeit des gewonnenen Hinspiels noch nicht stimmte: Tuchel hat Recht, wenn er sagt, dass die Borussia die Partie verdient gewonnen hat. Morgen wird sie sich den Einzug in die Play-Offs nicht nehmen lassen. Ob die Aufbruchsstimmung die nächsten Wochen, die ersten Pflichtspiele in allen Wettbewerben überdauert, wissen wir noch nicht. Aber der Kader hat die Qualität – und nicht nur auf der Bank sitzt jemand, der Bock auf Siege mit dem BVB hat.

Ein tolles Beispiel für die Anziehungskraft, die dieser Verein hat, ist die Vertragsverlängerung von Pierre-Emerick Aubameyang bis 2020. Ja, er dürfte eine kräftige Gehaltsaufbesserung bekommen haben. Aber anderswo hätte er noch mehr verdient und womöglich sogar noch höher gespielt. Dass er in Dortmund ein sehr gutes Standing bei den Fans hat, dürfte zu seiner Entscheidung ebenso wie die Aussichten auf einen Stammplatz beigetragen haben. Für die Borussia ist sein Bleiben jedenfalls eine exzellente Nachricht.

Ansonsten steht der Verein dank des neuen und des alten Trainers wenig überraschend noch mehr als sonst im Fokus der (Medien-)Öffentlichkeit. Es gibt Dinge, über die gesprochen wird, weil über sie gesprochen werden muss: Etwa die Frage, ob noch ein Stürmer geholt oder andere Spieler abgegeben werden sollten. Es gibt die Dinge, über die gesprochen wird, obwohl nicht über sie gesprochen werden müsste – etwa, wann Jürgen Klopp im P1 aufschlägt oder wo Kevin Großkreutz bald Karneval feiert. Und dann sind da noch jene Dinge, über die nicht gesprochen wird, obwohl es eigentlich getan werden sollte: die Qualität der Außenverteidiger. So bleibt wieder mal nur die Hoffnung, dass die, die da sind, uns endlich eines besseren belehren.

Morgen fehlen Erik Durm und Neven Subotic wohl noch verletzungsbedingt. Was Thomas Tuchel die Wahl der Viererkette vereinfachen wird. Bald wird er härtere Entscheidungen treffen müssen, auch in der Torwartfrage. Auf der Position wird derzeit noch rotiert, morgen spielt wieder Roman W. Aber Tuchel lässt sich bisher von Fragen nicht unter Druck setzen, geht die Sache undogmatisch und entspannt an. Möge es lange so bleiben. Wer weiß, wie man sich einst an das erste Heimspiel des Trainers zurückerinnern wird.