Nach erstem Saisonsieg: Babelsberg entlässt Trainer

14 Spieltage hatte Nordost-Regionalligist SV Babelsberg 03 nicht gewonnen und dabei triste bis tragische Auftritte hingelegt. So konnten die 03er etwa eine auswärts bei der Zweiten von Hertha BSC kurz vor Schluss erzielte Führung nicht über die Nachspielzeit retten. Doch Freitag vor einer Woche war es so weit, in einem klassischen Sechs-Punkte-Spiel gegen den Tabellennachbarn Optik Rathenow: Im heimischen Karl-Liebknecht-Stadion steckte Babelsberg den frühen Rückstand ebenso weg wie den späteren Ausgleich. Doppeltorschütze Bogdan Rangelov traf in der 81. Minute zum 3:2-Siegtreffer.

03 überholte Optik in der Tabelle und ist 16. – ein Platz, der aber je nach Gesamtkonstellation nicht zum Klassenerhalt reichen muss. Dennoch kam es sehr überrraschend, als der Verein eine Woche später in einer dürren, dreizeiligen Mitteilung an die Presse und auf seiner Webseite bekanntgab, dass man sich von Trainer Marco Vorbeck getrennt habe. Man hatte doch die ersten drei Punkte, neben acht Unentschieden, auf der Haben-Seite, und immerhin war man zuvor selten richtig untergegangen. Die Vereinsführung um Präsident Archibald Horlitz hatte sich wiederholt hinter Vorbeck gestellt – und Babelsberg war bisher wirklich kein Hire-and-Fire-Verein.

Eine weitere Schwierigkeit bei diesem Vorgehen: Marco Vorbeck, der vor seinem fünfmonatigen Engagement in Potsdam Jugendtrainer bei Hansa Rostock war, hat noch Vertrag bis Juni 2021. Er müsste also weiter- oder ausbezahlt werden. Was sich ein Verein, der seinen Etat vor der Saison um 50.000 auf 300.000 Euro kürzen musste, schwerlich leisten kann. 03 ist inzwischen auch für Regionalliga-Verhältnisse ein ärmerer Verein. Große Einnahmen und große Sponsoren fehlen. Weiterlesen „Nach erstem Saisonsieg: Babelsberg entlässt Trainer“

Und jährlich gibts die Auswärtsschlappe

1. Bundesliga, 11. Spieltag / Bayern München 4 BVB 0

Das fünfte Auswärtsspiel beim FC Bayern in Serie endet für Borussia Dortmund mit mindestens vier Gegentoren und drei Toren Unterschied. Immerhin bessern sich die Schwarz-Gelben: Vorletzte Saison gab es noch ein halbes Dutzend Bayern-Treffer, im Frühjahr fünf und gestern nur noch vier. Kämpfende Gastgeber gegen Angsthasen? Das ist nicht ganz von der Hand zu weisen und trotzdem lohnt sich der schmerzhafte Blick zurück.

Nicht über 90 Minuten miserabel

Kürzere Zusammenfassungen des „Topspiels“ zeigen dominante, spielsichere Bayern und einen weitgehend konfusen BVB. Dieses Bild trifft über weite Strecken der Begegnung auch zu. Die Schwarz-Gelben hatten viel zu viele einfache Ballverluste und ungenaue Pässe zu verzeichnen. Sie kamen oft nicht in die Zweikämpfe, standen zu weit weg von den Bayern, begleiteten häufig, anstatt zu attackieren. Die hoch stehenden Gastgeber behagten den Gästen überhaupt nicht.

Deutlich zu sehen war das aber erst nach dem Führungstreffer durch – natürlich – Lewandowski in der 17. Minute. Zuvor wirkten die Bayern zwar auch schon technisch stärker, aber noch nicht übermäßig dominant. Nein, es war das Gegentor, das den BVB scheinbar aller Energie beraubte – und danach sofort nachsetzende Rote. Es gab rund zehn Minuten in der zweiten Hälfte, in denen die Borussen wieder besser im Spiel waren – dann folgte das 0:3. Weiterlesen „Und jährlich gibts die Auswärtsschlappe“

Borussia schlägt Mönchengladbach

1. Bundesliga, 8. Spieltag / BVB 1 Borussia Mönchengladbach 0

Die Flaute ist vorbei, Borussia Dortmund holt zu Beginn der „Wochen der Wahrheit“ drei Punkte gegen den Tabellenführer. Es war ein spannendes Spiel von ordentlicher Qualität, in dem die Schwarz-Gelben das entscheidende Bisschen besser waren. Alles in allem wirkten die Gastgeber über längere Phasen dominant als die Gladbacher. Schaut man sich einige der wichtigsten Spieldaten zusammen an, ergibt sich das gleiche Bild: Der BVB lag vorne bei Torschüssen (16:14), Passquote (80:76 %), Ballbesitz (54:46 %) und Zweikampfquote (57:43 %).

Favre macht es mehrheitlich richtig

Bei den meisten Personalentscheidungen darf sich der Trainer nach der Partie bestätigt fühlen: Trotz der vollkommen nachvollziehbaren Suspendierung von Jadon Sancho hatte die BVB-Offensive mehr Zugriff auf das Spiel. Thorgan Hazard hatte gegen seinen alten Verein oder gegen den Spitzenreiter sichtlich etwas zu beweisen. Marco Reus durfte wie gewohnt auf ’seiner‘ 10 ran und zeigte es allen Zweiflern.

Für Julian Brandt ist auch die Sturmspitze nur bedingt etwas, aber was soll der Trainer gegen ein Team wie Gladbach anders machen? Nur ein defensiver Mittelfeldspieler wäre hier zu riskant gewesen – gerade, da sich Brandt beim Zweikämpfen schwer tut. Immerhin traf der ins Tor, mit einem Schuss, den Gladbachs Keeper Sommer wohl auch ohne Sichtbehinderung nicht gehalten hätte. Vielleicht hilft der Treffer Julian, selbst wenn er nicht gegeben wurde.

In der Viererkette stellte Favre etwas überraschend auf: Weigl kam neu ins Abwehrzentrum, während Manuel Akanji nach rechts rückte. Diese Entscheidung muss man zweigeteilt sehen: Der zweite Julian machte seine Sache gut, Mats Hummels sowieso, auch wenn er beinahe einen Elfmeter verursachte. Die Idee, gegen über die Flügel starke Gladbacher einen echten Defensivmann als Außenverteidiger aufzustellen, war prinzipiell gut. Manuel Akanji machte seine Sache auch nicht über 90 Minuten schlecht, doch man merkt einfach, dass er eine kleine Formkrise hat. Andererseits: Welche andere Lösung wäre besser gewesen? Piszczek nach mäßiger Saison und Verletzung? Hakimi? Mateu Morey hätten sicher viele gerne mal gesehen, aber die Lösung wäre sehr mutig gewesen. Weiterlesen „Borussia schlägt Mönchengladbach“

Der BVB, die Liga und was das alles zu bedeuten hat

Sieben Spieltage sind noch etwas früh für eine fundierte Bestandsaufnahme. Mit all der Aufregung sollte man doch traditionell bis zum 10. Spieltag warten. Doch es wird Zeit, auch bei Any Given Weekend endlich die Saison zu eröffnen und zu besprechen gibt es genug. Borussia Dortmund steht schließlich nur noch auf dem achten Platz, mit vier Punkten Rückstand auf Spitzenreiter Mönchengladbach.

Warum dieser Fehlstart?

Im Erfolgs- wie im Misserfolgsfall gilt: Man sollte im Fußball zunächst auf sich und erst dann auf andere schauen. Auch wenn dem BVB nur vier Punkte auf die andere Borussia fehlen und sogar nur zwei auf Bayern und Leipzig: Schwarz-Gelb hat einen ansehnlichen Auftakt inzwischen in einen Beinahe-Fehlstart verwandelt. Springender Punkt bei dieser Einordnung ist: Man überzeugt spielerisch nicht lange genug, auch wenn es wie in Prag zu einem Sieg reicht.

Sorgen muss in dieser Hinsicht bereiten, dass es eine Reihe von Punkten ist, die nicht stimmen. In den meisten Partien hatte der BVB die Spielkontrolle phasenweise inne und ließ sie entgleiten. Gerade in den letzten Ligaspielen, in denen die Schwarz-Gelben nach Führung noch zwei Punkte abgeben mussten, waren die Folgen zu sehen: Fehlende Dominanz führte zu einem offenen Schlagabtausch, die Gegner waren aktiver als die Borussia, kamen zu Chancen, die auch dank unglücklicher oder missratener Aktionen der schwarz-gelben Jungs zu den entscheidenden Gegentoren führten.

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Achtung, sie könnten wiederkommen!

Die Bayern kommen. Das Westfalenstadion ist ausverkauft, es ist das „erste Pflichtspiel“ der Saison, der Supercup. Es werden weltweit wohl sogar eine ganze Menge Menschen zuschauen. Trotzdem bin ich sicher nicht der Einzige, der es nicht so schlimm findet, die Partie nicht sehen zu können.

Spannend wird’s am Freitag drauf in Düsseldorf, wo der KFC Uerdingen nun umstrittenerweise spielt. Den Supercup sehe auch Lucien Favre nur als „einen Teil der Vorbereitung“, schreibt der Kicker. Diese Vorbereitung ist bisher zweifelsohne gut verlaufen. Dass sich die Neuzugänge Julian Brandt und Thorgan Hazard bereits leicht verletzt haben, ebenso Roman Bürki, kann zu diesem Zeitpunkt sicher aufgefangen werden.

Damit wären wir bei meinem ‚Aber‘ der letzten Wochen: dem großen Kader. Der umfasst Stand heute nach der Zählung von Transfermarkt.de immer noch 32 Spieler. Shinji Kagawa und Maximilian Philipp haben noch keinen neuen Verein gefunden. Berlin hat sich für „Milli“ zerschlagen, da Hertha BSC Ex-Fortune Dodi Lukebakio aus Watford geholt hat. Wie schon geschrieben: Aus Philipp hätten der BVB und seine Trainer mehr herausholen können. Es tut mir leid um ihn.

Was passiert 2020?

Zwei, die man loswerden wollte, sind gegangen: Jeremy Toljan und André Schürrle. Kaum jemand wird sie spielerisch vermissen. Doch beide Transfers sind eben nicht endgültig und bringen auch kein Geld ein, wenn man vom gesparten Gehalt absieht. Toljans neuer Klub UD Sassuolo sowie im Fall Schürrle Spartak Moskau haben zwar Kaufoptionen. Aber damit die gezogen werden, müssen die beiden sportlich überzeugen und sich persönlich wohlfühlen, denn auch die Spieler müssten einem endgültigen Wechsel zustimmen. Es würde mich nicht im Geringsten wundern, wenn Schürrle und Toljan Ende Juni 2020 wieder in Dortmund aufkreuzen.

Eine wirklich nachhaltige Transferpolitik macht der BVB gerade nicht. Vieles ist aktuell auf den schnellen Erfolg ausgerichtet. Die Verantwortlichen sehen eine Chance auf die Schale und haben die Möglichkeit, dafür einiges auszugeben. Klar: Wenn es gelingt, haben sie alles richtig gemacht. So muss man das sagen, denn die Liga war mit Ausnahme der letzten Spielzeit zuletzt quälend einseitig. Klappt es nicht so gut, wird der Punkteabstand wieder größer, könnte das entschlossene Erfolgsdenken, das den großen Kader vielleicht derzeit vereint, nicht aufrechtzuerhalten sein.

Klingt zu negativ? Ja, mir geht das mit dem Kader seit geraumer Zeit zu sehr in Richtung Chelsea etc. Dennoch sind die Chancen auf sportlichen Erfolg so groß wie lange nicht. Im Moment überwiegt die Vorfreude gegenüber den Bedenken.

Wie gut kann der BVB Transfermarkt?

Zeit ist ins Land gegangen, die Tage werden wieder kürzer und in drei Wochen startet der DFB-Pokal. Borussia Dortmund ist auf US-Tour, doch die größten Aufgaben haben momentan die für die Transfers Verantwortlichen zu stemmen. Michael Zorc und Hans-Joachim Watzke haben mit drei Streichen auf einen Schlag Julian Brandt, Nico Schulz und Thorgan Hazard geholt. Und dann mal eben Mats Hummels als Abwehrchef vom FC Bayern. Wie immer man jetzt zu Letzterem steht, vom Potenzial her sind die vier zusammen schon eine Ansage.

Applaus hat sich Zorc auch für den Pulisic-Deal mit Chelsea verdient. Geschickt und natürlich absolut berechtigt hat der BVB dabei eine Zwangssituation des Abramowitsch-Klubs ausgenutzt. Mit Abdou Diallo ein paar Millionen Plus zu machen ist dagegen kein Kunststück, wenn das Ziel PSG heißt. Der Transfer lässt auch niemand jubeln. Andere Verkäufe wären dringender.

Womit wir beim wunden Punkt der schwarz-gelben Transferpolitik wären. Dem was der BVB nicht so gut kann: Spieler wieder loswerden. Das liegt nicht daran, dass man es nicht versuchen würde, etwa aus sozialen Gründen. Nein, die Verantwortlichen haben den Kader über mehrere Jahre anwachsen lassen, auf derzeit 34 Spieler. Darunter sind Spieler, die man überschätzt hat, wie Dahoud oder zuvorderst André Schürrle. Und solche, die nicht genügend Chancen bekommen haben, wie etwa trotz einiger Einsätze zu Beginn Maximilian Philipp.

Wer nicht mit Fähigkeiten oder Einsatzzeiten überzeugen kann, findet dann auch schwer einen Abnehmer. Jeremy Toljan und Felix Passlack sind (erneut) nur verliehen worden. Ob der US Sassuolo die Kaufoption bei Toljan zieht, ist völlig ungewiss – da muss er schon gefallen. Ein Extrembeispiel ist André Schürrle: 2016 für 30 Millionen Euro geholt, jetzt könnte er für einen einstelligen Millionenbetrag gehen. Aktuell ist die Hoffnung seines Beraters die russische Premier Liga. Mehr weh tun ähnliche Schwierigkeiten bei Shinji Kagawa, der angeblich gerne nach Spanien will.

Nicht schön ist auch die Situation der jungen Leo Balerdi und Sergi Gomez. Ob bei ihnen eine Leihe Sinn macht? Sie gleich ganz zu verkaufen, wäre dagegen ein Eingeständnis, einfach mal so auf Vorrat gekauft zu haben. Es wird Zeit, dass die Borussia in der Breite wieder etwas umsichtiger und gezielter Abschlüsse tätigt.

Der Spielplan mit dem dicken Ende ist da

Gefühlsmäßig beginnt eine neue Saison ja, wenn der Spielplan veröffentlicht wird. Es darf wieder über mehr als nur Transfers diskutiert werden. Auch der heute bekanntgegebene Spielplan für 2019/20 dürfte bei den meisten Vereinen gemischte Reaktionen hervorrufen. BVB-Sportdirektor Michael Zorc hat sich schon kritisch geäußert: Dortmund muss nach allen sechs Vorrundenpartien in der Champions League auswärts ran. Der FC Bayern hat dagegen sechs Heimspiele. In der vergangenen Spielzeit war das Verhältnis allerdings fast umgekehrt. Man fragt sich trotzdem: Ist das nicht besser zu lösen?

Interessanter sind jedoch die Gegner in der Liga. Hier das Auftaktprogramm der Schwarz-Gelben:

Augsburg (H), 1. FC Köln (A), Union Berlin (A), Leverkusen (H), Frankfurt (A)

Die ersten drei Spiele scheinen machbar, allerdings muss man bei den beiden Aufsteigern hintereinander auswärts ran. Leverkusen zu Hause und die Eintracht auswärts sind dann schon echte Brocken. Insgesamt ein durchschnittlich schwerer Auftakt. Die Topspiele, also das Derby und die Bayern, sind wie meistens in den letzten Jahren mittendrin platziert worden. Vermeintlicher Vorteil für den BVB: Die beiden Heimpartien dieser Paarungen stehen in der Rückserie an.

Richtig dick kommt es dann an den letzten beiden Spieltagen: Am 33. muss die Borussia nach Leipzig, die letzte Partie ist ein Heimspiel gegen Hoffenheim. Da haben wir schon mal schlechte Erfahrungen mit gemacht. Wobei natürlich abzuwarten bleibt, welches Niveau die TSG in dieser Saison erreicht.

Ein spontaner Gedanke beim Blick auf den Spielplan: Gut, dass wir Mats Hummels haben! Ob er die hohen Erwartungen an seine Führungsqualitäten erfüllen kann, bleibt abzuwarten.

Return of the Mats

Ich hätte mit einer längeren Hängepartie gerechnet. Doch Borussia Dortmund handelt 2019 wie der Blitz, zumindest wenn es um Zugänge geht. Der Grund, warum die Rückkehr von Mats Hummels schon perfekt ist, sofern er den Medizincheck besteht: Der BVB zahlt den Bayern rund 30 Millionen Euro zuzüglich Boni (Ruhr Nachrichten, Der Westen) oder eben bis zu 38 Millionen inklusive Boni, wie der Kicker berichtet. Wahrscheinlich handelt es sich also um einen neuen Rekordeinkauf.

Hätte Mats 30 Millionen straight gekostet, wäre das ein nach heutigen Maßstäben gut vertretbarer Preis gewesen. In seiner Bayern-Zeit ist er nicht besser und nicht schlechter, aber 30 Jahre alt geworden. In der Rückserie war er laut Kicker der beste Innenverteidiger der Liga. Man sollte also nicht mehr für ihn ausgeben, als er vor drei Jahren eingebracht hat. Aber da Mats anscheinend zu uns und die Borussia ihn haben wollte, gab es nicht so viel Verhandlungsspielraum.

Sportlich macht der Wechsel Sinn, das sollten auch die zahlreichen Kritiker eingestehen. Hummels ist erfahrener und hat einen besseren Spielaufbau als die Spieler, die 2018/19 meist in der Innenverteidigung standen. Trotzdem ist es unglücklich, dass nun sechs Mann für zwei Positionen im Kader stehen. Womöglich muss neben Toprak auch einer der Jungen gehen.

Die Kritiker des Transfers führen auch die vielen Rückholaktionen der letzten Jahre an. Das ist so, aber sportlich kann man nicht gegen den Hummels-Transfer sein und die erneuten Verpflichtungen von Sahin und Kagawa als gelungen bezeichnen. Wer ein Problem mit Wechseln zum FCB hat, den kann ich verstehen. Andererseits möchte Mats nun aus freien Stücken zurück. Er hätte wahrscheinlich in der nächsten Saison mehr Konkurrenz in München gehabt, aber er kommt nicht als Gescheiterter zurück. Bei Mario Götze hat die Wiedereingliederung  am Ende funktioniert, die Fans akzeptieren ihn wieder. Kann man nicht das ganze Gepfeife und Gehate bei Mats überspringen? Dann wird er uns mit ziemlicher Sicherheit 2019/20 weiterhelfen.

Denn es ist doch offensichtlich: Watzke und Zorc wollen in der nächsten Saison die Bayern noch mal mindestens so hart ärgern wie in der vergangenen. Dazu braucht es noch mehr Willen und Glaube an die eigene Stärke. Man kann die Strategie angreifen, weil der BVB mal wieder in die vollen geht, ohne sich rechtzeitig um die Größe des Kaders zu kümmern. Aber wer die Voraussetzungen schaffen will, um trotz großen Einkäufen des FCB noch mal in deren Nähe zu kommen, muss leider auch selber protzen. Willkommen zurück, Mats Hummels (wenn du fit bist)!

Favre bleibt – kommt Mats?

Nicht ganz unerwartet, diese Meldung: Borussia Dortmund hat den Vertrag mit Trainer Lucien Favre um ein Jahr bis 2021 verlängert. Wie man das findet, hängt natürlich wesentlich davon ab, wie man Favres erste Saison bei den Schwarz-Gelben letztendlich bewertet. In der Hinserie wurden der neue Zusammenhalt und das taktische Gespür des Trainers gelobt, in 2019 das Festhalten an bekannten Mustern und die Ansprache des Schweizers kritisiert. Es gab natürlich auch Analysen, die fundierter ausfielen.

Am Ende dieser gespaltenen Saison muss man sich aber doch am Abschlussergebnis orientieren und da steht ein sicherer Platz 2 mit 76 Punkten. Es gibt also keinen echten Grund, Lucien Favre nicht weiter und auch zwei Jahre lang zu vertrauen. Dass er selbst ebenfalls Dinge auf den Prüfstand stellen muss, darüber werden Hans-Joachim Watzke und Michael Zorc bei den Verhandlungen mit Favre gesprochen haben.

Der größere Aufreger der letzten Tage in schwarz-gelben Kreisen war die mögliche Rückkehr von Mats Hummels vom FC Bayern. Der Ex-BVB-Kapitän soll die Gespräche darüber selbst angestoßen haben. Und seitdem vibriert es im Netz und in den sozialen Medien. Die Fans sind gespalten; es gibt viele, die sich mit deutlichen Worten gegen eine Rückholaktion aussprechen.

Man könnte sich die Energie auch sparen, zumindest bis der Transfer näher rückt. Noch ist das Ding nicht durch, es soll sehr unterschiedliche Auffassungen geben. Man darf sich außerdem an den Fall Mario Götze erinnern: Der ist inzwischen aufgrund deutlich verbesserter Leistungen doch wieder weitgehend akzeptiert in Dortmund. Und leistungstechnisch ist Mats Hummels zuletzt doch sehr positiv aufgefallen. Mehr zu dem möglichen Deal gibt es bei Any Given Weekend, wenn es so weit ist.

Alexander Isak geht nach San Sebastian

Das war es dann also mit dem „neuen Zlatan“ in Dortmund, zumindest vorerst: Nach seiner Leihe zum niederländischen Erstligisten Willem II wird Alexander Isak nicht zum BVB zurückkehren, sondern zu Real Sociedad San Sebastian in die Primera Division wechseln. Die Schwarz-Gelben sollen dafür acht bis zehn Millionen Euro kassieren, also etwa die Summe, die man vor zwei Jahren für den inzwischen 19-jährigen schwedischen Stürmer ausgab.

Manche nennen das nun ein gutes Geschäft, weil sich Isak bei der Borussia nie durchsetzen konnte. Seit seiner erfolgreichen Zeit in Holland muss man diese Wertung aber zumindest hinterfragen. Einerseits ist die niederländische Liga in der Breite natürlich nicht so stark wie die Bundesliga. Andererseits könnte Isak dort trotzdem eine positive Entwicklung durch Spielpraxis genommen haben. Nun hat der BVB in Paco Alcacer gerade nur einen echten Stürmer, der sich bisher verletzungsanfällig gezeigt hat. Wäre Isak nicht eine prima Ergänzung zu ihm?

Gegenargumente gibt es auch: Die Borussia muss ihren Kader eher verkleinern, hat außerdem mit Thorgan Hazard und Julian Brandt weitere Offensivleute geholt, so dass ein ‚echter 9er‘ vielleicht gar nicht mehr so wichtig ist. Es stimmt natürlich, dass unbedingt noch Spieler gehen sollten, zuvorderst die zuletzt verliehenen. Doch bin ich skeptisch, ob man die Stürmerposition so stiefmütterlich behandeln sollte. Sollte noch ein anderer für ganz vorne kommen, wird er sich auch an Isaks Leistungen in der Eredivisie messen lassen müssen.

Alexander Isak hat in San Sebastian bis 2024 unterschrieben. Über weitere Vertragsinhalte wurde das übliche Stillschweigen vereinbart. Michael Zorc hat aber sicher nicht unabsichtlich mit einer Aussage aufhorchen lassen:

Wir wünschen Alex Isak in Spanien den größtmöglichen Erfolg und werden seine Leistungen genau beobachten.

Das deutet doch sehr auf eine Möglichkeit hin, Isak irgendwann zurückzuholen. Vielleicht gegen eine bereits festgelegte Summe, die aber dann deutlich höher liegen dürfte als das jetzt Eingenommene. Nicht nur Zorc und Lucien Favre, auch alle BVB-Fans werden ein Auge darauf haben, wie es für Alexander Isak in Spanien weitergeht und ob der fehlende Glaube an ihn berechtigt war.