Die Woche vor der Wahrheit

In sieben Tagen bestreitet Borussia Dortmund das erste Pflichtspiel der Saison 2015/16. Nach Wolfsburg kommt nun Wolfsberg – der österreichische Erstligist hat sich in der 2. Qualifikationsrunde der Europa League auch im Rückspiel gegen Salihorsk durchgesetzt. Wie weit sind die Schwarz-Gelben eine Woche vor der wichtigen Partie in Klagenfurt?

Hauptberufliche BVB-Beobachter haben in den letzten Wochen vor allem die Unterschiede in den Arbeitsweisen und Inhalten von Thomas Tuchel und Jürgen Klopp betont. Häufiger wurde dabei angeführt, dass der neue Trainer mehr am Ballbesitzspiel arbeiten und ein leicht verändertes System, 4-1-4-1, einüben lässt. In dieser Variante gibt es keinen klassischen Achter – Ilkay Gündogan, Nuri Sahin oder ein noch offensiverer Vertreter würden nach vorne gezogen. Auch ein System mit zwei Stürmern sei vorstellbar, hört man.

In der Praxis zeigte die Borussia ein unglückliches Spiel mit guten Ansätzen beim Nachbarn in Bochum (1:2) und eine offensiv sehr ansehnliche Partie in Bad Ragaz gegen Luzern (4:1). Vorne scheint es mehr und mehr zu stimmen. Es wird spannend zu sehen sein, ob der wieder ins Mannschaftstraining eingestiegene Adrian Ramos, den Tuchel früher schon einmal verpflichten wollte, auf dieser positiven Welle mitschwimmen kann. Anderenfalls dürften die sicher schwierigen Bemühungen um einen vernünftigen Stürmer zu einem vernünftigen Preis doch noch mal intensiviert werden. Der Trainer schätzt die Personalsituation auf der Position als eng ein.

Noch nicht sattelfest wirkt die Viererkette. Hier ist noch kein neues Personal in Sicht und auch noch nicht klar, wer außer Hummels Stammspieler wird. Beide der letzten Gegner bereiteten dem BVB gelegentlich Probleme bei schnellen Gegenstößen – was natürlich auch dem Stand und der Mühe der Vorbereitung geschuldet sein kann. Weiterhin scheint man aber eine Verstärkung auf den Außenpositionen nicht als vorrangig anzusehen.

Nachdem glücklicherweise nach und nach alle Akteure auf den Trainingsplatz zurückkehren, hat die Borussia vor allem im Mittelfeld ein Überangebot. Trotz seines Testspieltors sollte Moritz Leitner der erste Abgabekandidat sein. Gespannt bin ich, wie Thomas Tuchel mit ‘Kuba’ Blaszczykowski plant.

Eine Woche bis zur Europa League. In der man wiederum in einer Woche ganz schnell für miese Stimmung sorgen kann. Wovon aber nicht auszugehen ist, denn die Ansätze sind unter Tuchel durchaus ansehnlich. Doch die Wahrheit sind sie eben nicht.

Immobile verlässt Dortmund leihweise

Man könnte es sich nun leicht machen und vom “Ende eines Missverständnisses” oder Ähnlichem schreiben. Vermutlich werden wir diese Schlagzeile noch irgendwo lesen. Doch der Abschied von Ciro Immobile, der für zunächst ein Jahr zum FC Sevilla wechselt, ist nicht so einfach zu bewerten. Die Anlagen für einen guten Mittelstürmer sind beim Italiener schon gegeben – allerdings fiel ihm anscheinend die Anpassung an eine sportlich ohnehin nicht richtig funktionierende Mannschaft schwer.

Wirklich vorauszuahnen war das nicht. Schade nur, dass Ciro seinen Abgang noch mit dem unrühmlichen Auftreten auf der Asien-Reise, wo er einen offiziellen Termin versäumte, garnieren musste. Hinzu kamen Bilder, auf denen er isoliert wirkte – und schon fällt das Urteil leicht, dass der Abschied das beste für beide Seiten ist.

Die Borussia wollte Immobile verständlicherweise lieber für einen ordentlichen Betrag verkaufen. Der FC Sevilla wollte – ebenso verständlich – nicht die Katze im Sack kaufen. Heraus kam ein Leihgeschäft, das den Schwarz-Gelben drei Millionen Euro einbringt. Vorteilhaft kann sich das nur auswirken, wenn der Stürmer in Sevilla einschlägt und sich sein Marktwert wieder erhöht. Immobile dürfte mit der Lösung weniger Bauchschmerzen haben – über eine Kaufoption der Andalusier wurde nichts bekannt und so könnte die Reise im nächsten Jahr doch noch in die geliebte Heimat führen.

Dem BVB fehlen zunächst mal die Transfer-Millionen. Ob das der alleinige Grund ist, dass Thomas Tuchel und Michael Zorc nach “Kicker”-Angaben keinen Ersatz verpflichten wollen, ist fraglich. Geht man davon aus, die meiste Zeit nur mit einem echten Stürmer aufzulaufen, macht es durchaus Sinn, nur mit Aubameyang, Ramos und Nachwuchsleuten in die Saison zu gehen. Schließlich gibt es ein breit aufgestelltes offensives Mittelfeld. Investitionen wären an anderer Stelle notwendiger.

Pop-up Ilkay

In Berlin sind sie gerade ziemlich angesagt: Geschäfte, die sich für einen temporären Zeitraum an einem Ort niederlassen, um dort manchmal durchaus besondere Produkte und Dienstleistungen anzubieten. Die Betreiber der Pop-Up Stores entscheiden sich in der Regel für diese Lösung, weil sie keine besseren Räumlichkeiten finden oder nicht vorhaben, sich langfristig zu binden.

Ganz ähnlich liegt der Fall Ilkay Gündogan – und die Überschrift ist gar nicht mal despektierlich gemeint. Zum Ausprobieren sind diese temporären Shops sowohl für Käufer wie für Verkäufer ja ideal. Ebenso könnte sich die Vertragsverlängerung des 24-jährigen Nationalspielers für den BVB entwickeln. Zwar hat Ilkay nur für ein weiteres Jahr, also bis Juni 2017, unterschrieben. Damit sind auch seine Aussagen über Thomas Tuchels überzeugendes Konzept weitgehend obsolet. Gündogan hat natürlich vor, bald zu einem vermeintlich größeren Verein zu wechseln. Doch die Borussia kann ihn nun nach einer im Idealfall besseren Spielzeit womöglich teurer verkaufen und bekommt mindestens so viel geboten wie vom Neu-Schalker Geis.

Dass die Sache besonders für Ilkay und von seinem Camp aus unglücklich gelaufen ist, steht außer Frage. Wie groß der sportliche Verlust bei einem Weggang gewesen wäre, darüber kann man sich trefflich streiten. Den genialen Spieler, für den manche Gündogan halten, habe ich auch vor der abgelaufenen Saison nur sporadisch gesehen. Klar, da ist schon richtig viel Qualität vorhanden, aber ist er ein echter Gamechanger?

Man sollte die Personalie also mit der gebotenen Gelassenheit betrachten. Es gibt ja noch andere Neuigkeiten: Milos Jojic steht laut Kicker unmittelbar vor einem Wechsel zum 1. FC Köln – für eine Ablöse von rund drei Millionen Euro. Zwar ist auch ihm mehr zuzutrauen als in der missratenen letzten Spielzeit, aber die Borussia muss schlicht und einfach ihren Kader verkleinern. Es dürfte also für beide Seiten die derzeit beste Lösung sein.

Des Weiteren hat der BVB drei junge, nach vorne orientierte Spieler verpflichtet – zunächst einmal für die in die Regionalliga West abgestiegene U23. Vom Oberligisten Westfalia Rhynern kommt Philipp Hanke (22 Jahre), aus der Jugend von Real Madrid Agoney Gonzalez Perez (20) und von NK Domzale aus Slowenien Alen Ozbolt (19). Natürlich dürften besonders die internationalen Verpflichtungen auch im Hinblick auf eine spätere Beförderung getätigt worden sein.

Und dann war heute noch der offizielle Saisonauftakt an der Strobelallee, nachdem Tuchels schwarz-gelbe Jungs schon am Freitag ihr erstes Testspiel beim Siebtligisten VfL Rhede mit 5:0 gewonnen hatten. Es geht wieder los … und es wird noch einiges passieren.

Torwart-Roulette zum Vorbereitungsstart

Die Profis von Borussia Dortmund sind heute mit leistungsdiagnostischen Tests in die Saisonvorbereitung gestartet. Mit dabei: ein älterer Torhüter, mit dem man nicht mehr unbedingt gerechnet hätte. Es fehlte: der langjährige Kronprinz zwischen den Pfosten, der nun sein Glück im Reich der Schwaben sucht. Mitchell Langerak wechselt für eine Ablöse von angeblich drei bis vier Millionen Euro zum VfB Stuttgart.

Diese Personalie kam überraschend, auch wenn mit dem Trainerwechsel in Dortmund manche Gewissheit zu Recht beseitigt wurde. Stuttgarts ebenfalls neuer Trainer hat Mitch über den grünen Klee gelobt: “Ich hab von ihm ein schlechtes Spiel gesehen, das war das im DFB-Pokalfinale”, so Alexander Zorniger, der Langerak außerdem als “richtig, richtig guten Keeper” bezeichnete. Allerdings haben Robin Dutt und Zorniger auch den Polen Przemyslav Tyton verpflichtet und zumindest öffentlich einen offenen Konkurrenzkampf um die Nummer 1 angekündigt.

Was bewegte Mitch Langerak also dazu, einen unsicheren Stammplatz in Dortmund gegen einen unsicheren Stammplatz beim schwäbischen Fast-Absteiger zu tauschen, der zudem nicht im Europapokal vertreten ist? Natürlich wird sich der Australier gegen Tyton und Nachwuchsmann Vlachodimos bessere Chancen ausrechnen als gegen Roman Bürki. Aber es muss bei seiner Entscheidung auch ein Element der Enttäuschung eine Rolle gespielt haben. Die Verpflichtung Bürkis war objektiv gesehen alles andere als ein Vertrauensbeweis. Einen solchen Mann holt man nicht als dauerhafte Nummer 2. Deshalb muss Langerak klar gewesen sein, dass er entgegen früherer Zusagen nicht die klare Nummer 1 werden würde.

Natürlich: Jeder Spieler muss durch Leistung überzeugen. Aber nun bereits ein abschließendes Urteil über Mitchells Qualitäten zu fällen ist voreilig. Wer über das Pokalfinale redet, muss  auch über das trotz eines kleinen Fehlers starke Halbfinale sprechen. Dass sich Langerak nun nicht noch mal auf die Bank setzen will, ist verständlich. Roman Weidenfeller ist demgegenüber inzwischen in Westfalen verwurzelt und dürfte damit weniger Probleme haben. Was genau hinter den Kulissen besprochen wurde, wird voraussichtlich nicht an die Öffentlichkeit gelangen. Es spricht aber einiges dafür, dass Mitch gewisse Zusagen der BVB-Verantwortlichen anders interpretierte hat als diese sie heute gemeint haben wollen.

Bevor es morgen für die Dortmunder Jungs auf den Trainingsplatz geht, noch ein kurzer Blick auf den neuen Spielplan. Das Auftaktprogramm in der Bundesliga beschert den Schwarz-Gelben den Kracher zu Hause gegen Mönchengladbach am 1. Spieltag. Es folgen Aufsteiger Ingolstadt (A), Hertha BSC (H), Hannover (A) und noch ein Heimspiel-Hit gegen Leverkusen. Ein ausgewogener Start, mit dem man leben kann – wie auch mit dem letzten Saisonspiel, das gegen die ‘befreundeten’ Kölner erneut zu Hause zu bestreiten ist.

Wir Ahnungslosen

Vor einem Jahr wussten wir Bescheid: Im schwarz-gelben Fußball-Universum war Ende Juni trotz Weltmeisterschaft in Brasilien lediglich unklar, ob Matthias Ginter als Ergänzung für die Defensive zu Borussia Dortmund wechseln würde. 2015 sieht es eine knappe Woche vor Trainingsauftakt ganz anders aus. In allen Mannschaftsteilen stellen sich Fragen: Wer den Verein verlässt, wer bleibt, oder zumindest, wer künftig zur Startelf zählt und wer am Rand steht.

Selbstverständlich ist diese Ungewissheit bis zu einem gewissen Maß unvermeidbar. Schließlich hat die Borussia einen neuen Trainer – das sind wir eben nur nicht mehr gewöhnt. Völlig klar, dass Thomas Tuchel zunächst seine Spieler kennenlernen muss. Und zwar persönlich und im Training, nicht nur am Telefon. Doch bei so vielen Fragezeichen wächst auch die Sorge, dass manche Personalie nicht zufriedenstellend geklärt werden könnte. Wagen wir noch mal den Überblick.

Tor. Roman Bürki ist gekommen, Mitch Langerak wird aller Voraussicht nach bleiben und sich mit ihm einen Zweikampf um die Nummer 1 liefern. Für Roman Weidenfeller soll es Interessenten geben und die Tendenz geht dahin, dass sich der langjährige Dortmunder Keeper auf einen Wechsel einlässt. Hendrik Bonmann wird nach Zlatan Alomerovics Abgang die neue Nummer Drei. Weiterlesen

Dortmund hat wieder einen Schweizer

Der BVB setzt wieder auf einen Eidgenossen und damit eine Tradition fort, die Stephane Chapuisat, Alexander Frei und, ähm, Philipp Degen begründet haben. Roman Bürki, in der abgelaufenen Saison Stammtorwart beim Absteiger SC Freiburg, kommt wie erwartet für rund vier Millionen Euro. Und bringt trotz des am letzten Spieltag verspielten Klassenerhalts aus dem Breisgau einiges an Vorschusslorbeeren mit: Laut “Kicker” war er mit einer Durchschnittsnote von 2,72 zweitbester Keeper der Bundesliga.

Mit Mitch Langerak deutet sich ein hoffentlich offener und fairer Zweikampf an. Unsere aktuelle Nummer 1 hat lange auf seine Chance warten müssen, diese aber zumindest in der letzten Spielzeit ansatzweise bekommen. Nun sofort komplett unangefochten zu sein, kann er nicht erwarten. Thomas Tuchel äußerte sich in dieser Frage so:

Roman wurde auf jeden Fall verpflichtet, mit der Möglichkeit, die Nummer eins zu werden. (…) Wir haben ihm da nichts versprochen, da sind keine Dinge entschieden.

Alles deutet darauf hin, dass aus dem Top-Torhüter-Trio, das die Borussia nun in ihren Reihen hat, Roman Weidenfeller derjenige ist, der den Verein verlassen soll. Im selben “Sky”-Interview, aus dem das obige Zitat stammt, sagte Tuchel über Weide, dass man “sehr ehrlich miteinander sprechen und eine gute Lösung finden” werde.

Bei allen Verdiensten, die der langjährige schwarz-gelbe Keeper hat, war klar, dass der Verein nach einer solchen Saison wie 2014/15 Dinge verändern und Weichen für die Zukunft stellen musste. Man könnte Langerak vermutlich nicht halten und hätte Bürki nicht bekommen, wenn man jetzt weiter uneingeschränkt auf Weidenfeller setzen würde.

Should Ginter stay or should he go now?

Nicht gut gelaufen ist diese Spielzeit auch für Matthias Ginter. Dass es für ihn gegen starke Konkurrenz in der Innenverteidigung nicht einfach werden würde, war klar. Doch der Ex-Freiburger konnte bei seinen wenigen Einsätzen auch selten überzeugen. Trotzdem wäre es traurig, wenn er nun tatsächlich zur falschen Borussia wechseln sollte – selbst wenn Max Eberl & Co mit zehn Millionen Euro eine ähnliche Summe bieten, wie sie der BVB letzten Sommer gezahlt hat. Gut möglich, dass Ginter in Gladbach tatsächlich aufblühen und sein Potenzial abrufen würde – und die Schwarz-Gelben mal wieder einen jungen Spieler mit Perspektive zu früh hätten gehen lassen.

Schwarz-Gelbe Personalfragen

Bereits in gut zwei Wochen beginnt die Saisonvorbereitung von Borussia Dortmund – geschuldet ist das bekanntlich der Europa League-Qualifikation. Je schneller ein Trainer, zumal ein neuer, seinen Kader beisammen hat, desto besser. Doch in diesem Sommer müssen Thomas Tuchel und Michael Zorc womöglich noch etwas Geduld haben. Schauen wir uns die derzeit diskutierten Personalien beim BVB einmal an:

Julian Weigl. Die Verpflichtung, die eigentlich schon länger durch war, wurde Anfang der Woche nun offiziell bestätigt. Nun haben wir also einen jungen Mittelfeld- und Juniorennationalspieler verpflichtet, der von 1860 München kommt und seine Idealposition im offensiven Mittelfeld sieht. Er gilt als dribbelstark, aber körperlich noch nicht robust genug. Auch erste Eskapaden sind schon zu vermelden. Hört sich alles nach Moritz Leitner an? Stimmt, nur dass Weigl mit – je nach Angabe – 1,86 oder 1,87 Meter deutlich größer ist. Leitner hat es in Dortmund und nun auch in Stuttgart nicht gepackt und sollte nach Möglichkeit abgegeben werden. Hoffen wir, dass Weigl einen anderen Weg geht.

Roman Bürki. Glaubt man der “Badischen Zeitung”, einem seriösen Blatt aus dem Südwesten, ist der Wechsel der Nummer 1 aus Freiburg zum BVB fix – nur dass das die Schwarz-Gelben noch Roman Weidenfeller beibringen müssen. Dass man jemand wie Bürki aus seinem Vertrag bei einem Absteiger herauskauft, kann man weder der Borussia noch dem Keeper vorwerfen. Er hat alles für den Sportclub gegeben und würde woandershin gehen, wenn Dortmund nicht zuschlagen würde. Als Ablöse sind 4,5 Millionen im Gespräch – sicher ein akzeptabler Preis. Wichtig ist jedoch, dass Mitch Langerak nach seiner langen Wartezeit eine faire Chance bekommt, die Nummer 1 zu werden.

Ilkay Gündogan. Es wurde viel geschrieben. Wo Ilkay hingehen könnte und wo er nicht hingeht. So richtig interessant ist das eigentlich nicht mehr, solange er nicht ausgerechnet zum FC Bayern geht. Tendenziell wäre ein Abschied in der Sommerpause wünschenswert, aber nicht zu jedem Spottpreis.

Außenverteidiger X: Mein Dauer-, aber kein Lieblingsthema. Um wieder eine komplette Spitzenmannschaft zu werden, braucht der BVB hier eine Alternative zu den Spielern, die in den letzten Jahren aufgelaufen sind. Wenn diese Jeremy Dudziak sein sollte – super. Doch die Zeit für Experimente und Halbgares auf dieser Position ist nun vorbei und man kann nur hoffen, dass das die Verantwortlichen endlich einsehen. Denken wir zurück an Chris Löwe, der vor vier Jahren von unserem nächsten Pokalgegner Chemnitzer FC als Schmelzer-Alternative geholt wurde und inzwischen in Kaiserslautern spielt. Es wird Zeit für ein neues Gesicht mit einer echten Chance.

Willkommen im Postkloppismus!

Bei einer erwartungsgemäß gut besuchten Pressekonferenz hat Borussia Dortmund heute Thomas Tuchel als neuen Trainer vorgestellt. Die ganz großen Überraschungen sind – auch nicht unerwartet – ausgeblieben. Dass der Neue einen nüchterneren Stil pflegen würde als Jürgen Klopp war klar. Was Tuchel aber glaubhaft vermitteln konnte: Er hat wieder Lust auf Fußball und brennt darauf, beim BVB anzufangen – nicht zuletzt wegen der Leidenschaft und den Emotionen rund um den Verein.

Neue Transfers wurden nicht vermeldet und Fragen danach von Hans-Joachim Watzke schon am Anfang präventiv abgeschmettert. Thomas Tuchel würdigte noch mal ausführlich die Leistung seines Vorgängers und die Qualität der Mannschaft. Wichtig sei es ihm, den Kader erst mal persönlich und im Training kennenzulernen. Über seine Fußball-Philosophie und eventuelle Unterschiede zu Klopps Ansatz war ihm zu entlocken, dass er den aktiven Angriffsfußball der Borussia beibehalten wolle. Es könnte eher in die Richtung einer Verfeinerung und Erweiterung des taktischen Spektrums gehen. So nannte Tuchel Ballbesitz und dessen Erhalt als ein weiteres potenzielles Element seiner Matchpläne.

Der Trainer machte aber keinen Hehl daraus, dass es aufgrund der wegen der Europa League-Quali kurzen Vorbereitung dauern könne, bis alle Feinheiten implementiert seien. Gut möglich, dass sich der Spielansatz in den ersten Begegnungen noch nicht groß von dem Klopps unterscheidet.

Die nächsten Wochen werden nun wieder diversen Transferspekulationen gehören. Ein paar Länderspiele gibt es leider auch noch, bevor Ende des Monats schon wieder Trainingsbeginn für die schwarz-gelben Jungs ist. Mit Thomas Tuchel, der trotz Watzkes Absage an eine Zielsetzung zum jetzigen Zeitpunkt davon sprach, ein Herausforderer für die ersten vier sein zu wollen. Ich traue es ihm zu und freue mich darauf. Willkommen, Thomas Tuchel!

Die nebulöse Zukunft des BVB

Lieber DFB, es war doch nur eine Metapher.
Lieber DFB, es war doch nur eine Metapher.

Am Mittwoch um 12 Uhr stellt sich Thomas Tuchel in Dortmund der schwarz-gelben Öffentlichkeit als neuer BVB-Trainer vor. Die meisten Fans dürften dem Termin trotz oder auch wegen des gerade erst verlorenen Pokalfinales mit großer Spannung entgegenblicken. Doch dass sich dann die Zukunft der Borussia so schnell klärt wie die gelben Nebelschwaden am Samstagabend im Olympiastadion ist nicht zu erwarten. Zwar ist nicht auszuschließen, dass Tuchel als Antrittsgeschenk einen weiteren festgeklopften Transfer bekommt – etwa 1860-Talent Julian Weigl – doch werden in den nächsten Monaten noch viele wichtige Entscheidungen fallen.

Die wichtigste Weichenstellung wird sein, ob die verbleibenden Vereinsverantwortlichen eine weithin verbreitete Rechtfertigung für den Klopp-Abgang wirklich glauben. Die besagte, dass ein echter Umbruch in der Mannschaft nicht mehr nötig sei, wenn der prominente Kopf der Schwarz-Gelben weg wäre. Diese Ansicht könnte sich als Trugschluss herausstellen. Es geht gar nicht darum, viel Geld für neue Spieler auszugeben oder wirklich zehn Mann auszutauschen. Nötig ist aber, wie schon gefordert, eine harte, ehrliche Analyse – ohne Schonung von Akteuren, über die bisher eher die Hand gehalten wurde.

Es ist kein Geheimnis, dass ich damit vor allem die in dieser Saison eingesetzten Außenverteidiger meine. Schmelle, Piszczu, Kevin, ja selbst Erik sind alles Jungs, die gefühlsmäßig zu uns gehören, aber auch auf den Prüfstand. Da muss man ja niemand direkt wegschicken, man sollte sich aber um die vorhandenen und eventuell verfügbare neue Alternativen kümmern. Um die defensive Stabilität wiederherzustellen muss Tuchel natürlich alle relevanten Positionen in den Blick nehmen – und die bisherigen Hierarchien überdenken. Weiterlesen

Jürgen Klopp geht ohne Pott

DFB-Pokal, Finale / BVB 1 VfL Wolfsburg 3

Pokalfinale2015Als kurz vor zehn eine frustrierende zweite Halbzeit zu Ende gegangen und das Pokalfinale 2015 Geschichte war, trat Jürgen Klopp auf Wunsch der Fans allein vor die BVB-Kurve. Es war für viele Schwarz-Gelbe der endgültige Abschied, das Ende einer Ära im Abendrot von Berlin. Die Pokalübergabe an die Wolfsburger musste man sich nicht antun, eine Feier am Borsigplatz hatte sich erübrigt. Bald wird uns Thomas Tuchel vorgestellt, doch gestern war der Tag des bitteren Abschieds.

Richtig begonnen hatte der Abend mit einer fast schon rührend archaischen Antwort der üblichen Verdächtigen aus der BVB-Fanszene auf die Choreo der zahlenmäßig deutlich unterlegenen Wolfsburg-Anhänger. Mit Nebel und Feuer gegen den Versuch der Autofans, als kreative Szene wahrgenommen zu werden – anders betrachtet war es auch ein trotziges Aufbäumen kindischer Ewiggestriger, das den Sympathievorsprung, den der BVB insgesamt gehabt haben dürfte, deutlich reduziert hat.

Im Spiel fehlte zunächst dem VfL der rechte Durchblick und der Borussia gelang endlich mal wieder ein Traumstart. Bei der Flanke von Kagawa funktionierte die Abseitsfalle der Wölfe nicht und Aubameyang traf mit einem schönen Volleyschuss. Sollte es endlich mal anders herum laufen, anders auch als beim kürzlichen Ligaspiel? Der BVB machte es in den ersten 20 Minuten gut, war präsent und nah am Mann. Und hätte Marco Reus in der 19. Minute freistehend nicht über das Tor gezielt, wäre ein anderes Ende möglich gewesen. Weiterlesen