Turbulent und erfolglos: BVB verliert gegen Nachbarn

1.Bundesliga, 32. Spieltag / BVB 3 VfL Bochum 4

Ob man es nun „Ruhr-Derby“ nennen darf oder will: Aufregend wie ein echtes Nachbarschaftsduell war die Partie gegen den VfL Bochum schon. Sieben Tore, davon drei per (Hand-)Elfmeter, doppelter Führungswechsel – für alle neutralen Zuschauer war es ein schönes Spektakel. Die Bochumer durften nach dem unerwarteten Auswärtssieg sogar den Klassenerhalt feiern. Die Schwarz-Gelben dagegen wurden von der Mehrheit der sich bemerkbar machenden Fans auf der Südtribüne ausgepfiffen. Das mag angesichts vieler Chancen und der unglücklichen Niederlage hart erscheinen – bedenkt man jedoch den Gegner und den Kontext dieser Saison, sind die Reaktionen wenig überraschend.

4,19 zu 1,76 Expected Goals für den BVB – die Gastgeber dominierten die Partie. Allerdings erst nach einer Anfangsphase, in der man sich mal wieder von einem aggressiven, früh störenden Gegner überrumpeln ließ. Und am Ende war die Dominanz nicht groß genug, um den sich nach dem Rückstand wieder aufbäumenden Gast unter Kontrolle zu behalten. Aus schwarz-gelber Sicht hatte die Begegnung zwei dicke Haken: Die notdürftig besetzte Defensive ließ gegen einen Aufsteiger im Westfalenstadion vier Gegentreffer zu. Und die stark besetzte Offensive nutzte mehrere Großchancen nicht.

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Topspiel erfüllt die Erwartungen

1.Bundesliga, 31. Spieltag / FC Bayern München 3 BVB 1

Es kam, wie es kommen musste: Der FC Bayern sicherte sich die deutsche Meisterschaft. Junge Frauen in Trachtenkleidern standen bereit, um überdimensionierte Weißbiergläser zu reichen, von denen die einheimischen Akteure auf dem Rasen den üblichen Gebrauch machten. In der Simulation eines echten Saisonfinales war es ausgerechnet der Tabellenzweite und ewig unterlegene Widersacher Borussia Dortmund, der den Gastgebern als erstes gratulieren musste.

Dabei hatte sich der BVB zuvor vergleichsweise anständig aus der Affäre gezogen – gegenüber früheren Auswärtsspielen in München und den letzten „Topspielen“ zu Hause gegen Leverkusen und Leipzig. Die Partie begann, wie dieses Aufeinandertreffen so häufig beginnt: mit engagierten Schwarz-Gelben, deren erste Fehler von den Bayern sofort eiskalt bestraft wurden. Das 1:0 nach einer Viertelstunde war sicherlich ein sehenswerter Schuss von Serge Gnabry, der aber nach einer Ecke an der Strafraumgrenze auch sträflich allein gelassen wurde. Vor dem 2:0 durch Lewandowski in der 34. Minute hatte Dan-Axel Zagadou den Ball verloren, als er ihn schlampig-überhastet von hinten heraus spielte. Die Bayern dominierten nach der Führung wie so oft das Spiel.

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Schwarz-gelbes Status-Update

30 Spieltage vorbei, 4 to go – höchste Zeit für ein Update in Sachen Borussia Dortmund, nachdem ich die letzten Spiele alle nur teilweise verfolgen konnte. Es bleibt eine Spielzeit des Auf und Abs. Mit einigen extremen Ausschlägen – Partien, wegen denen man die Schwarz-Gelben als bipolar bezeichnen könnte. Wie kriegt man sonst das 1:4 gegen die Leipziger Fußball-Konstrukteure und das 6:1 gegen Wolfsburg zusammen? Es fällt zumindest schwer – trotz aller Form- und Qualitätsunterschiede bei den Gegnern.

Aus Borussen-Sicht darf 2021/22 lieber früher als später enden. Gefühlt haben schon jetzt das Thema Neuaufbau und aktuelle Transfergerüchte einen höheren News-Stellenwert als das kommende Auswärtsspiel beim FC Bayern. Im Fokus steht derzeit die künftige BVB-Abwehr, die u.a. aus den deutschen Nationalspielern Niklas Süle und Nico Schlotterbeck bestehen könnte. Doch zum einen hat der 22-jährige Noch-Freiburger Schlotterbeck gestern gegenüber Sky eine Einigung mit dem BVB oder einem anderen Verein ausdrücklich dementiert und will sich erst nach Saisonende festlegen. Zum anderen hat das Beispiel Götze/Schürrle gezeigt, das aus einem dynamischen Nationalmannschafts-Duo nicht unbedingt ein schwarz-gelber Volltreffer wird.

Worin sich BVB und Bayern ähneln

Der Blick auf den FC Bayern lohnt sich vielleicht nicht hinsichtlich tagesaktueller Fakten wie Personalsituation oder Ergebnisprognosen. Vergleicht man jedoch die bisherige Spielzeit des Tabellenersten und -zweiten, zeigen sich interessante Parallelen. Beide Klubs sind in den nationalen wie internationalen Pokalwettbewerben deutlich hinter ihren Erwartungen zurückgeblieben. Beide Klubs stehen in der Bundesliga auf dem Tabellenplatz, mit dem sie am Ende zufrieden wären. Aber in der Summe überwiegen wohl die negativen Eindrücke, die kritischen Stimmen. So dass im Umfeld der Bayern genauso wie in Dortmund Umbauten im Kader angemahnt werden.

Trotz manch verpasster Ziele dürften beide Vereinsführungen den Trainern Marco Rose und Julian Nagelsmann das Vertrauen für 2022/23 aussprechen. Weil man sie jeweils für dynamisch, progressiv sowie für Verfechter eines attraktiven Spielstils hält. Und deshalb an höhere Erfolgsaussichten im zweiten Anlauf glaubt. Gesprochen wird auch über den Verbleib der jeweiligen Stürmer-Stars, wobei die Bayern bei Robert Lewandowski natürlich bessere Karten haben als der BVB bei Erling Haaland.

Nun will es der Spielplan so (und vielleicht wollten es auch die Spielplaner), dass der FC Bayern am 31. Spieltag, natürlich am Samstagabend um 18.30 Uhr, gegen die Borussia die Meisterschaft perfekt machen kann. Dazu reicht den Hausherren aufgrund der überlegenen Tordifferenz im Grunde ein Punkt. Doch es wäre für die Roten in einer höhepunktarmen Saison wohl ein Ersatz-Highlight, wenn der gewohnte Meistertitel wenigstens mit einem Sieg zuhause gegen den vermeintlichen Rivalen aus Dortmund eingefahren würde. Deswegen ist es außerordentlich unwahrscheinlich, dass den Schwarz-Gelben dort ausgerechnet jetzt der erste Punktgewinn seit acht Jahren gelingt. Da müssen wir jetzt auch noch durch.

Sind hier die guten Investoren?

Der Krieg in der Ukraine und die aus ihm folgenden Sanktionen gegen russische Oligarchen wie Roman Abramowitsch haben in England eine Debatte verstärkt, die durchaus schon geführt wurde, aber noch nicht mit der nötigen Intensität: Welche Voraussetzungen sollte der Besitzer/die Besitzerin eines Fußballklubs erfüllen müssen und wie sollten die Besitzverhältnisse generell strukturiert sein? Der Fall Newcastle United und noch mehr die jetzige Ungewissheit um Chelsea könnten – bei all den schrecklichen Hintergründen – den positiven Effekt haben, dass diese Diskussion nun unwiderruflich in Gang kommt.

Gibt es noch das „gute Geld“ im englischen Fußball? Bekanntlich existieren im Mutterland des Sports im Profibereich schon lange ganz andere Strukturen als in der deutschen Bundesliga oder gar im hiesigen Vereinswesen. Doch inzwischen ist auch der wohlhabende und -wollende, aus der Region stammende Klubbesitzer früherer Prägung rar. Die Besitzverhältnisse in den oberen Ligen sind internationaler geworden; eine Affinität zum Heimatort eines Vereins müssen viele Klubführungen erst von sich aus herstellen. Manche überzeugen dabei, manche weniger.

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Witsels Abschiedsgeschenk

1.Bundesliga, 25. Spieltag / FSV Mainz 05 0 BVB 1

Kaum jemand, der sich mit Borussia Dortmund beschäftigt, glaubt, dass Axel Witsel seinen Vertrag über den Sommer hinaus verlängern wird – oder dass er vom Verein verlängert werden würde. Zu selten war der belgische Mittelfeldspieler so wichtig wie gestern. Und auch die Partie in Mainz bestritt er bis zur 87. Minute nicht unbedingt glanzvoll: ein dummer Fehlpass und die gewohnten Geschwindigkeitsnachteile auf der einen Seite, ansonsten solide Arbeit auf der anderen. Doch gestern Abend ging es letztendlich nur darum, im richtigen Moment einmal zur Stelle zu sein – und genau das gelang Axel.

Es war erneut ein Spiel ohne viele Stammspieler – auch Mats Hummels war nicht rechtzeitig gesund geworden. Von der gestrigen Startelf war spielerisch nicht viel mehr zu erwarten – gegen heimstarke Mainzer, die eine vergleichsweise bemerkenswerte Saison spielen. Die Begegnung lebte vom Kampf und den daraus resultierenden Emotionen und nicht von der spielerischen Klasse. Man kann das ganz gut in Zahlen ausdrücken: Sieben gelbe Karten, davon vier für den BVB, sind heutzutage eher viel. Bei den Expected Goals lagen beide Teams ebenfalls dicht zusammen – auf niedrigem Niveau: 0,99 zu 1,06 für die Schwarz-Gelben. Jeweils etwa die Hälfte dieser Werte war auf Standardsituationen zurückzuführen.

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BVB bringt sich selbst auf den Punkt

1.Bundesliga, 24. Spieltag / FC Augsburg 1 BVB 1

Die Partie in Augsburg charakterisierte all das, was Borussia Dortmund in dieser Spielzeit ausmacht: eine erneute Verletztenmisere, fehlende Konstanz innerhalb der 90+ Minuten, Gegentreffer wegen Unordnung und fehlende Schlagkraft ohne Haaland. Ab sofort dürfen die Schwarz-Gelben von der Vizemeisterschaft reden.

Erling Haaland immer noch nicht im Kader, die Auswahl in der Defensive arg beschränkt, der Kapitän nicht an Bord – es stand zu befürchten, dass die Reise nach Augsburg nicht in einen Spaziergang münden würde. Marco Rose reagierte auf die personelle Situation mit einer Dreierkette inklusive Marin Pongracic. Letzterer war trotz ein, zwei Unsicherheiten mitnichten das Problem im BVB-Spiel. Es war insgesamt auch keine schwache Defensivleistung der Gäste. Nur beim 1:1, nach Ballverlust von Witsel in der gegnerischen Hälfte, standen die Schwarz-Gelben im Strafraum schlecht geordnet und zu weit weg von den zahlreichen Gegenspielern.

Dribbel-Star Hazard

Die Idee der Augsburger war die gleiche wie bei so vielen Gegnern des BVB: Frühes Stören und aggressives Anlaufen, gefolgt von sicher stehen und auf Konter lauern. Nach der lebhaften Anfangsphase hatten die Schwarz-Gelben zwar viel vom Spiel, kreierten aber zu wenig. Typisch also, dass der Torerfolg mal wieder aus einer Einzelaktion hervorging: Thorgan Hazard dribbelte sich in der 35. Minute einfach mal durch die Augsburger Verteidigung und traf anschließend ins lange Eck. Ein tolles Tor, welches das Spiel leider nicht entschied – kein Einzelfall in dieser Saison. Für Hazard darf man sich ruhig freuen – mir wurde er in den letzten Monaten etwas zu voreilig abgeschrieben.

Zu Beginn der zweiten Hälfte hätte der BVB in Person von Donyell Malen nachlegen können. Es reichte jedoch nur – aber immerhin – zu zwei Alu-Treffern. Danach hätten die Gäste dranbleiben müssen, doch es kam – auch nicht zum ersten Mal – anders. Ob sich Augsburg nach etwa einer Stunde in die Partie zurück kämpfte oder die Borussia sie dazu einlud, ist eine Frage der Interpretation. Ich tendiere zur zweiten Lesart. Ja, der FCA stellte in dieser Phase das Zentrum zu und verschob auch gut. Trotzdem hätte vom Tabellenzweiten mehr kommen müssen: mehr Zug, weniger „Hintenrum“ und Zögerlichkeit. Letzteres kitzelte die Gastgeber geradezu heraus – und der BVB konnte das nicht zu seinem Vorteil nutzen.

Am Ende hatte der BVB mehr Schüsse (10:8) und mehr Schüsse aufs Tor (6:3) aufzuweisen, der FCA dagegen die aussichtsreicheren Chancen (Expected Goals: 1,16:0,55) auf jedoch niedrigem Niveau. Das Unentschieden geht in Ordnung. Wir müssen aber nicht darüber reden, dass es Schwarz-Gelb nicht zufriedenstellen kann. Es scheint sich zu bewahrheiten, dass diese Spielzeit nun ihrem Ende entgegen plätschert. Ob das Erling noch verhindern kann?

Die Aufstellung: Kobel – Can, Hummels, Pongracic – Hazard, Witsel, Guerreiro – Brandt (68. Wolf), Dahoud (81. Reinier), Bellingham – Malen (68. Moukoko). Gelbe Karte: Bellingham. Tor: Hazard

Borussia Dortmund – einfach unerklärlich

1.Bundesliga, 23. Spieltag / BVB 6 Mönchengladbach 0

Ich habe es schon vor Wochen offiziell aufgegeben, vom BVB irgendetwas, ob Positives oder Negatives, zu erwarten und seine Ergebnisse erklären zu wollen. Mehr als Beobachtungen gibt es auch in dieser Woche nicht zu lesen, nachdem man dem Gegner im Borussen-Duell mal eben sechs Dinger eingeschenkt hat. Womöglich ist Borussia Dortmund auch ein riesengroßes Puzzle, an dem man jahrelang sitzt und erst ein Gesamtbild erkennt, wenn man die letzten der 5000 Teile einfügt.

Solange der BVB ein Rätsel bleibt, ist der beste Ansatz, um ein Resultat zu erklären, ein Blick auf den Gegner zu werfen. Da fanden wir am Sonntag eine Mannschaft vor, die noch inkonsistenter als die Schwarz-Gelben spielt, mit Sicherheit verunsichert ist und durch ihre grundsätzlich offensive Ausrichtung bei nicht sattelfester Abwehr den Gastgebern entgegenkam. Die Leistung der Fohlen war dabei vor allem in der ersten Hälfte nicht so ein großes Debakel, wie es das Endergebnis aussagt. Beide Teams starteten in einem 3-4-2-1-System, das vor allem der BVB häufig auch als 3-4-3 spielte. Drei Innenverteidiger auf dem Platz – das war wohl auch angesichts des Torhagels im Rangers-Spiel die richtige Entscheidung von Marco Rose.

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Premierensieg an der Alten Försterei

1.Bundesliga, 22. Spieltag / 1. FC Union Berlin 0 BVB 3

Ist dieser kleine Fluch also gebrochen: Borussia Dortmund gewinnt zum ersten Mal an der Alten Försterei und bleibt dabei zum ersten Mal seit 15. Dezember ohne Gegentor. Ersteres konnte man in einer unbeständigen Saison wie dieser fast schon erwarten, Letzteres kam durchaus überraschend, besonders angesichts der personellen Situation.

Marco Rose musste auf alle gelernten und angelernten Rechtsverteidiger verzichten und setzte stattdessen auf einen, der da auch schon irgendwann mal gespielt hatte: Manuel Akanji. Der machte dort das, was er auf dieser Position kann: seine Seite halbwegs dicht. Große Ausflüge nach vorne standen eher nicht auf dem Aufgabenzettel und Manuel verzichtete dementsprechend auf sie. Rose ließ ein 4-2-3-1 spielen, das ein wenig mehr auf Sicherheit ausgerichtet war als man es vom Trainer bisher kannte. Mit der Hereinnahme von Axel Witsel und dem vermutlich klaren Auftrag an Mo Dahoud, zunächst mal nichts anbrennen zu lassen, schuf er eine solidere Grundlage für erfolgreiches Defensivverhalten. Trotzdem mussten die Spieler ihre Rollen erstmal ausfüllen und das gelang gestern weitgehend.

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Dortmund Süle Nation

Wenn ein Spieler vom FC Bayern zu Borussia Dortmund wechselt, obwohl der Rekordmeister Interesse daran hatte, ihn zu halten, sorgt das für Schlagzeilen – und mehr als das. Auf den Sportseiten der Medien war es gestern bzw. heute im Print neben Biathlon-Gold bei Olympia das Hauptthema: Innenverteidiger Niklas Süle kommt im Sommer ablösefrei zum BVB. In München gibt sich unterdessen Bayern-Präsident Herbert Hainer nicht komplett erfolgreich Mühe, nicht beleidigt zu wirken.

Am Tag danach ist über den noch bevorstehenden Transfer des 26-jährigen Nationalspielers schon viel gesprochen und geschrieben worden. Schwatzgelb.de hat eine sehr lohnende Sonderausgabe des Podcasts Auffen Punkt veröffentlicht. und ist dabei unter anderem auf die teilweise gegensätzlichen Reaktionen auf den Wechsel eingegangen. Der Kicker spendierte uns eine Reihe von Artikeln zum Thema. Zu empfehlen ist besonders eine kleine Datenanalyse, die Süle mit der aktuellen Erstbesetzung der BVB-Innenverteidigung, Hummels und Akanji, vergleicht. SPOILER: Süle steht speziell bei Luftzweikämpfen, langen Pässen und mit seiner Geschwindigkeit gut da.

Die Rolle weicher Faktoren

Was zu Niklas Süle aus Dortmunder Fan-Sicht noch zu sagen bleibt, sind persönliche Einschätzungen. Grundsätzlich ist es ein Coup, einen aktuellen Nationalspieler ablösefrei von den Bayern zu verpflichten. Dass ein Jahresgehalt von 12 bis 15 Millionen Euro für jeden Borussen fragwürdig viel wäre, ist die andere Seite. Doch diese Summe wurde nur als Forderung der Süle-Seite kolportiert. Niemand außer den Beteiligten weiß, ob sie überhaupt zutreffend war und auf was man sich letztlich geeinigt hat – ich vermute, der Betrag liegt niedriger. Völlig abwegig erscheint es nicht, dass Süle von den um ihn werbenden BVB-Verantwortlichen subjektiv mehr Wertschätzung gespürt hat und ihm womöglich eine wichtigere Rolle versprochen wurde. Man sollte solche weichen Faktoren bei der Entscheidungsfindung eines Spielers nicht gleich als „Sweet Talk“ abtun – ein Spieler kann auch nicht immer funktionieren, vor allem nicht mental, nur weil er viel Geld verdient.

Ein Argument der Skeptiker des Wechsels war, dass die Borussia mit Verpflichtungen gestandener National- und/oder Ex-Bayern-Spieler nicht immer gut gefahren ist. André Schürrle, Mario Götze und Nico Schulz sind die Namen, die einem hier durch den Kopf gehen. Alle haben in Dortmund weniger gut gespielt als früher. Man kann dieses Argument durchaus verstehen, denn genau diese teuren Transfers und/oder hochdotierten Verträge kann sich die Borussia gerade jetzt nur leisten, wenn die Erfolgswahrscheinlichkeit sehr hoch ist. Bei Niklas Süle halte ich sie für annähernd so hoch wie bei Mats Hummels, dessen Rückkehr ich sportlich – und eigentlich auch sonst – immer begrüßt habe. Zu hoffen ist allerdings schon, dass die finanziellen Aspekte des Süle-Transfers nicht die im letzten Beitrag geforderte weitergehende Erneuerung des BVB unzumutbar einschränken.

Dortmund stellt die Qualitätsfrage

1.Bundesliga, 21. Spieltag / BVB 2 Bayer 04 Leverkusen 5

Viele Tore hat es mal wieder gegeben – alles andere hätten sich die Schwarz-Gelben beim Aufeinandertreffen mit Leverkusen anders vorgestellt. Nach der Partie gaben die beiden Marcos – Reus und Rose – unumwunden zu, dass die Borussen genau das nicht umsetzen konnten, was sie sich für diese Partie vorgenommen und was sie für wichtig erachtet hatten: früh in die Zweikämpfe zu kommen, leichtsinnige Ballverluste zu vermeiden, schnelle Gegenzüge zu antizipieren und zu verhindern.

Nach dem schweren Fehler von Dan-Axel Zagadou, der vor dem 0:1 einen waghalsigen Querpass spielte, wird dem 22-jährigen Innenverteidiger nun in den sozialen Medien von einigen die Qualität abgesprochen. Es war tatsächlich nicht Daxos erster Fehler seit seiner Rückkehr, aber man muss zumindest seine lange Verletzungsgeschichte mit erwähnen, wenn man ihn nun kritisiert. Selbstverständlich ist es legitim, die Qualitätsfrage zu stellen – der BVB stellt sie durch seine Auftritte selber immer wieder. Aber genauso wenig, wie sich die enormen Schwankungen des Teams erklären lassen, kann man die Qualitätsfrage an ein oder zwei Spielern festmachen – und schon gar nicht an Zagadou, der abgesehen von seinem Aussetzer kein Hauptproblem dieses Auftritts war.

Viel Aufwand ohne Haaland

Eine Ausnahme gibt es: Ohne Erling Haaland ist die BVB-Offensive gegen starke Teams nur die Hälfte wert. Es wurde hier und anderswo schon häufig genug diskutiert, wie der Norweger an seinen zahlreichen guten Tagen allein durch seine Präsenz schon einen Unterschied macht. Den Schwarz-Gelben fehlen ohne ihn die Räume, die Durchschlagskraft und häufig – auch gestern über weite Strecken – die Ideen. Am Ende der Partie war der Expected Goals-Wert ausgeglichen (1,86 zu 1,86). Dass der BVB auf diesen Wert kam, lag daran, dass in der zweiten Hälfte wenigstens der Aufwand und die Griffigkeit halbwegs stimmten, sich das Zweikampfverhalten verbesserte. Dass Leverkusen (nur) auf diesen Wert kam, lag daran, dass sie aus unspektakulären Situationen viel machten: saubere bis richtig starke Konter und das Nutzen von Fehlern führten zum Übertreffen der Erwartungen. Am erwartbarsten war da noch das Freistoßtor von Andrich aus gerade mal 17 Metern.

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