Dortmund verpflichtet Schürrle, doch noch zaubern andere

Nun sind die ziemlich besten Freunde vereint: Nach Mario Götze hat Borussia Dortmund wie erwartet auch André Schürrle verpflichtet. Der 25-jährige Nationalspieler kommt für rund 30 Millionen Euro vom VfL Wolfsburg und unterschreibt einen Vertrag bis 2021. Schürrle wird damit zum Rekordtransfer des BVB und muss allein schon deshalb erst mal die Fans überzeugen.

Eine Offensivreihe mit Reus, Götze und Schürrle in Bestform lässt einiges erwarten, keine Frage. Es bleibt nur zu hoffen, dass die anderen, teilweise jüngeren Spieler eine faire Chance bekommen. Auch ohne die drei Genannten machten die Schwarz-Gelben heute beim Champions Cup in Shanghai gegen Manchester United (4:1) viel Spaß. Aubameyang zeigte sich in Spiellaune und könnte mit Ousmane Dembélé ein tolles Offensiv-Duo bilden. Letzterer zeigte beim schönen 3:0 Dribbel- und Schussqualitäten.

Gar zwei Tore gelangen Gonzalo Castro: ein Abstauber in der ersten Hälfte und ein Traumschuss aus rund 18 Metern von halbrechts ins lange Eck einige Minuten vor Schluss. Gerade Castro hätte mMn mehr Startelfeinsätze verdient und könnte einer der Leidtragenden der ambitionierten Transferpolitik werden.

Um eins klar zu sagen: Auftritte wie der in Shanghai, und sei es nur ein Testspiel, machen Lust auf die neue BVB-Saison. Andererseits müssen zuvor die Vereinsverantwortlichen noch beweisen, dass sie den Kader auch schlanker machen können. Dabei sind Entschlossenheit und Fairness gefragt. Vor allem aber ist man auf Angebote angewiesen – keine einfache Aufgabe.

Ist Mario Götze der verlorene Sohn?

Er ist wieder da: Der Kicker vermeldet heute Abend, dass die Rückkehr von Mario Götze zu Borussia Dortmund perfekt sei – für einen „Basisbetrag“ von 26 Millionen Euro. Bayern-Vorstandsvorsitzender Karl-Heinz Rummenigge hatte am Rande des Testspiels gegen Manchester City verlauten lassen, dass morgen eine Einigung erfolgen könne. So scheint tatsächlich wahr zu werden, was sich viele nicht vorstellen konnten und viele nicht vorstellen wollten. Wobei die erste Gruppe nicht ganz kongruent mit letzterer ist.

Des Weiteren sollen auch die Verhandlungen mit dem VfL Wolfsburg wegen André Schürrle weit gediehen sein. Es ist wahrscheinlich, wenn auch noch nicht komplett sicher, dass die beiden Protagonisten des WM-Siegtors von 2014 bald in schwarz-gelb spielen. Für die zwei Freunde Schürrle und Götze dürfte der BVB dann rund 56 Millionen ausgegeben haben. Diese Transfers würden in Dortmunder Fankreisen polarisieren wie kaum eine andere Vereinsentscheidung der letzten Jahre. Zeit für einige Diskussionsanstöße.

Woher dieser Hass?

Wer in den letzten Monaten Internetforen oder die Leserkommentare in Sportportalen zum Thema BVB-Transfers gelesen hat, wird zweifellos auf eine Reihe äußerst kritischer bis gehässiger Beiträge zu Mario Götze und André Schürrle gestoßen sein. Während Götze sich nachweislich ungeschickt bis unfein aus Dortmund verabschiedet hat, ist Schürrles einziges Vergehen, dass er zeitweise seine Leistung nicht abrief und der BVB nun viel Geld für ihn bezahlen soll.Weiterlesen »

Ein Grund zur Freude

Borussia Dortmund hat den ersten Doppelpack in einer langen Serie von Testspielen bis Ende August absolviert. Wie meistens waren unterklassige Klubs aus der Region die Gegner. 5:2 bei der Spvgg Erkenschwick und 2:0 beim Regionalligisten Wuppertaler SV lauten die Resultate. Vier bzw. fünf Tage nach dem Start in die Vorbereitung wählte Thomas Tuchel für beide Partien die gleiche Herangehensweise: In der ersten Halbzeit ließ er eine stark besetzte Startelf auflaufen, die nach der Pause nahezu komplett ersetzt wurde.

Insofern waren die jeweils ersten 45 Minuten hinsichtlich der kommenden Saison die interessanteren. Von den Spielern, die bereits aus dem Urlaub zurück sind, konnten etwa Gonzalo Castro sowie Felix Passlack mit guter Frühform überzeugen und trafen beide. Aber bereits nach drei Minuten in Oer-Erkenschwick stach einer heraus, auf den man wohl ohnehin am gespanntesten war: Ousmane Dembelé erzielte das 1:0 und zeigte danach in beiden Partien, zu was er – hoffentlich auch höherklassig – fähig ist. Einige feine Dribblings, präzise Pässe, gutes Spiel über außen – auf den neuen Neunzehnjährigen können wir uns wirklich freuen.

Ein 27-Jähriger fehlte: Neven Subotic hat von der Borussia die Erlaubnis bekommen, sich um Vertragsverhandlungen mit anderen Vereinen zu kümmern. Es scheint beträchtliches Interesse zu bestehen – nicht nur aus Köln, sondern angeblich auch von mehreren Vereinen aus der Premier League. Arsenal soll bereits ein Angebot abgegeben haben. Ich würde Neven am liebsten beim FC Middlesbrough sehen, der gerade aufgestiegen ist. Ebenfalls unbestätigten Gerüchten zufolge soll unser Innenverteidiger sich bereits das Riverside Stadium angesehen haben.

Wo auch immer Neven landet – sein Weggang erzeugt Wehmut. Erinnerungen kommen hoch an die größten Erfolge der Klopp-Ära und die Feiern danach. Und natürlich ist er auch einfach ein feiner Kerl, soweit man das als Fan beurteilen kann. Wenn es jetzt für die Premier League reicht, die Neven wohl tatsächlich reizen würde, wäre das tröstlich.

Der bevorstehende Abschied ist mMn allerdings auch kein Grund, lange in Nostalgie zu verfallen. Die Borussia wird die Fußballwelt nicht grundlegend ändern können – wir müssen das Beste daraus machen. Dahingehend hat der Verein schon einiges getan. Es gibt viele Gründe, sich auf die neue Spielzeit zu freuen. Wer Veränderungen zulässt und annimmt, kann sich auch an der nun entstehenden Spannung erfreuen. Allerdings müssen Michael Zorc und Hans-Joachim Watzke nicht nur einen Mkhitaryan-Nachfolger finden, sondern auch noch Spieler verabschieden – vielleicht sogar die schwierigere Aufgabe.

Warum Watzke bei Mkhitaryan kein Vorwurf zu machen ist

Einer Lüge muss man sich bewusst sein. Als BVB-Geschäftsführer Hans-Joachim Watzke sagte, dass in diesem Sommer nicht gleichzeitig Mats Hummels, Ilkay Gündogan und Henrikh Mkhitaryan den Verein verlassen würden, konnte er sich das jedoch tatsächlich nicht vorstellen. Wenn man ihm etwas vorwerfen will, dann eine Fehleinschätzung oder meinetwegen ein gebrochenes Versprechen. Doch eigentlich weiß der aufgeklärte Fußballfan ja, wie kurzlebig die Branche ist und dass Aussagen ihrer Protagonisten nicht für die Ewigkeit getätigt werden. Immerhin behält durch den bevorstehenden Mkhitaryan-Abgang eine andere Aussage ihre Gültigkeit: Borussia Dortmund werde nach Robert Lewandowski keinen wertvollen Spieler mehr ablösefrei gehen lassen.

Nun scheint die Sache also durch zu sein – auch wenn laut BBC Henrikh Mkhitaryan noch keinen Medizincheck bei Manchester United absolviert hat und weitere Formalitäten zu klären sind. Da Miki in Dortmund noch ein Jahr Vertrag hat, soll die Borussia vom reichen Tabellenfünften der Premier League eine Ablöse in Rekordhöhe bekommen. Kolportiert werden 42,5 Millionen Euro – das wäre sowohl die höchste vom Verein als auch für einen Spieler mit einem Jahr Vertragslaufzeit erzielte Summe.

Watzke und der BVB wollten mit Mkhitaryan ernsthaft verlängern, sie wurden aber vom Spieler und dessen Berater Mino Raiola hingehalten, bis sich die Tür nach Manchester öffnete. Dagegen ist man als ein Verein mit dem Standing der Borussia nicht gefeit. Nach dieser vergangenen Saison war es keinesfalls naiv, sondern einfach zwingend, alles zu versuchen, um Mkhitaryan zu halten. Als die Vertragsverlängerung vom Tisch war, erwies sich Aki Watzke als Mino Raiola – oder zumindest Manchester United – ebenbürtig und lehnte einen Transfer in diesem Sommer zunächst ab.

Was jetzt wohl für die Borussia herausspringen wird, ist verdammt viel Geld. Enttäuscht darf man vielleicht von Miki sein – viele hatten ihn für einen charakterlich anderen Typen gehalten. Wer jetzt von den Regeln des Geschäfts und den Fußballern als Unternehmern anfangen will, hat natürlich nicht Unrecht – trotzdem sind alle im Business Menschen und keine Maschinen. Die einzige Lehre, die die BVB-Führung aus der Geschichte ziehen könnte, ist, die Zusammenarbeit mit Spielerberatern wie Raiola zu hinterfragen.

Sportlich bedeuten die drei Abgänge selbstverständlich einen herben Verlust. In der Form der letzten Spielzeit könnte Miki der herbste sein. Borussia Dortmund hat bereits vielversprechende Verpflichtungen getätigt und wird mit den sprudelnden Millionen mindestens eine weitere tätigen. Die Frage, wie gut die stark umgebaute Mannschaft 2016/17 funktionieren wird, ist eine so spannende, dass auch ein Wechsel von Andre Schürrle zum BVB die Ungewissheit nicht mehr sonderlich erhöhen würde. Ich für meinen Teil würde ihn lieber in schwarz-gelb sehen als Mario Götze – nicht aus Unversöhnlichkeit, sondern weil Letzterer selbst nach wie vor keine Anstalten macht, sich für eine Rückkehr zu erwärmen. Ob Schürrle allerdings immer noch mehr als 30 Millionen wert ist, wage ich zu bezweifeln. Vielleicht sprechen wir bald noch über ganz andere Namen.

So geht’s los

Am Montag ist Trainingsauftakt bei Borussia Dortmund. Im Juli und August planen die Schwarz-Gelben zehn Testspiele, unter anderem gegen die Premier League-Klubs Manchester United, AFC Sunderland und Manchester City. Doch natürlich warten wir alle auf den Moment, an dem es wieder richtig losgeht. Mit den Pflichtspielen, mit der Bundesliga.

Heute hat die DFL den neuen Spielplan bekanntgegeben. Der BVB hat ein interessantes und nicht zu schweres Auftaktprogramm zu bewältigen. Am 1. Spieltag, am 27. oder 28. August, gibt es ein Heimspiel gegen die mir nach wie vor sympathischen Mainzer. Danach geht es zum nach wie vor äußerst unsympathischen Aufsteiger nach Leipzig – dem man aber gerne so früh begegnet. Ins Westfalenstadion kommen die arg geschwächten Darmstädter und die aufgestiegenen Freiburger. Dazwischen muss die Borussia zum Noch-Schürrle-Klub VfL Wolfsburg. Kein Grund zum Zittern – hier noch mal die Übersicht der ersten fünf Spieltage:

(H) FSV Mainz 05
(A) RB Leipzig
(H) SV Darmstadt 98
(A) VfL Wolfsburg
(H) SC Freiburg

Immer spannend ist natürlich der Gegner am 34. Spieltag. Diesmal kommt Werder Bremen ins Westfalenstadion. Wie 15 Jahre zuvor.

Bringt bloß nicht die 90er zurück!

Musikalisch bin ich in den Neunzigern sozialisiert worden – und fand das Jahrzehnt in dieser Hinsicht deutlich besser als viele behaupten. Neben mancher Verirrung gab es vor allem abseits des Mainstreams viel Gutes, vor allem Tanzbares zu entdecken. Borussia Dortmund hat in den Neunzigern die größten Erfolge seiner Vereinsgeschichte errungen – allerdings auch dank finanzieller Konstruktionen, die uns später an den Rande des Abgrunds brachten.

Schaut man jedoch nur auf einen speziellen Wettbewerb, den DFB-Pokal, dann sinkt die Lust an einem 90s Revival gewaltig. Die Erfolge sind da nämlich äußerst überschaubar. Das Jahrzehnt begann ein Jahr nach dem Pokalsieg in Berlin mit einer Niederlage gegen Fürth und endete mit einer gegen die Stuttgarter Kickers. Das höchste der Gefühle war eine Viertelfinalteilnahme in der Meistersaison 95/96 – man scheiterte am Karlsruher SC. Eine der peinlicheren Pleiten trug sich in der Saison 1997/98 zu. Als amtierender Champions League-Sieger unterlag der BVB im Achtelfinale Eintracht Trier, damals Drittligist, mit 1:2. Ob es der Ehrenrettung dient, dass die Moselstädter eine Runde zuvor auch die Nachbarn aus Gelsenkirchen ausgeschaltet hatten?

Beenden wir unsere kleine Zeitreise. In der kommenden Saison 2016/17 muss Borussia Dortmund erneut nach Trier reisen und in der ersten Pokalrunde im Moselstadion antreten – das ergab die Auslosung gestern Nacht. Die Eintracht ist wieder Regionalligist, die Spielklasse aber nur noch die vierthöchste. Trainer ist Peter Rubeck, sowohl als Spieler wie als Trainer ein Mann der Region. Schaut man sich den Kader der Trierer an, klingelt es bei mir bei keinem Namen. Die vergangene Saison beendete der Verein als Fünfter, bei einem Zuschauerschnitt von gut 2300.

Warum sollte die Borussia sich trotzdem noch mal an die Geschehnisse von vor 19 Jahren erinnern? Trier könnte dann erneut zum Stolperstein werden, wenn es Thomas Tuchel und seinem Team bis Mitte August nicht gelingt, aus einem beträchtlich veränderten Kader schon eine Mannschaft zu formen, die solch ein vermeintlich leichtes Pflichtspiel ernsthaft und konzentriert angeht. Schön, dass der BVB heute einen solchen Status hat, dass so gut wie niemand an ein solches Szenario glaubt. Völlig ausgeschlossen ist es dennoch nicht.

Eine der heißesten Pokalpartien der letzten Jahre findet unterdessen in Sachsen statt: Dynamo Dresden gegen RB Leipzig. Urlaubsstopp bei der sächsischen Polizei?

Guerreirowatch

Gestern hat Raphael Guerreiro bei der Fußball-EM mit Portugal 1:1 gegen Island gespielt. Sein Teamkollege Cristiano Ronaldo war darüber not amused. Guerreiro hat sich heute erst mal untersuchen lassen, in der Nähe von Paris, vom BVB-Mannschaftsarzt Dr. Stefan Braun. Ob der Vertrag mit der Borussia auch noch während der EM unterschrieben wird, hängt wohl davon ab, ob das als stilistisch korrekt angesehen wird.

Das alles ist jedenfalls Grund genug, um sich Guerreiro mal in Aktion anzusehen. Gegen Island wurde er positionsgemäß als Linksverteidiger eingesetzt, rückte aber vor allem in der zweiten Hälfte immer öfter nach vorne nach. Doch zunächst wurde er eher selten angespielt und seine Aktionen wirkten noch ein wenig schmelzeresk. Die gute Passquote kam auch mit Hilfe des ein oder anderen Quer- und Rückpasses zustande. Defensiv sah man ein, zwei Unsicherheiten.

Anschließend zeigte sich allerdings mehr und mehr, welchen Mehrwert Raphael Guerreiro auch für Schwarz-Gelb haben könnte. Schnelle Antritte, der Mut, auch Gegenspieler anzulaufen, zu umspielen und in den Strafraum zu ziehen – war alles zu sehen. Außerdem durfte Guerreiro einige Freistöße schießen und machte das sehr respektabel. Wenn er einige Wochen mit seiner Mannschaft trainiert, könnte das richtig gut aussehen mit dem Beinahe-Neuzugang.

Weniger positiv hat sich unterdessen eine andere Personalfrage entwickelt: Henrikh Mkhitaryan will Borussia Dortmund verlassen. Oder sein Berater Mino Raiola will, dass er es will. Und Raiola behauptet auch, dass der BVB Miki das bereits vor Monaten zugesagt habe. Aber nicht nur wenn man die Geschichten über Raiola kennt, muss man sich fragen, wie glaubwürdig das ist. Hans-Joachim Watzke wird Mkhitaryan sicher kein bedingungsloses Versprechen gegeben haben. Warum sollte er das tun, wenn danach noch monatelang verhandelt wurde?

Fakt ist nun wohl, dass es keine Vertragsverlängerung geben wird. Der Verein will Miki Stand heute nicht vorzeitig abgeben. Und bei allen finanziellen Gründen, die dagegen sprechen: Ich finde das zumindest nicht falsch. Man muss hier ein Zeichen setzen, um sich nicht immer wieder auf der Nase herumtanzen zu lassen. Wenn es einen Fehler gab, dann den, überhaupt mit Leuten wie Raiola zusammengearbeitet zu haben. Auch auf die Berater sollte man bei der Spielerauswahl verstärkt achten.

Mangala ist der Nächste, Guerreiro wird noch untersucht

Die Fußball-EM hat begonnen, schöne und schlimme Bilder aus Frankreich drohen, den Transfermarkt aus den Schlagzeilen zu verdrängen … aber nicht hier. Denn wir ahnten es bereits – Michael Zorc und Hans-Joachim Watzke basteln unverdrossen weiter am BVB-Kader für die Saison 2016/17. Oder später. Denn mit Orel Mangala vom RSC Anderlecht haben sie nun einen Spieler verpflichtet, der zunächst in der U19 zum Einsatz kommen soll. Auch in Belgien hat er bisher im Nachwuchsteam gekickt. Mittelfeldspieler Mangala wird auf Leihbasis verpflichtet, die Borussia besitzt eine Kaufoption.

Für die Bundesligamannschaft ist die folgende Meldung zunächst deutlich interessanter: Auch der Transfer des 22-jährigen Linksverteidigers Raphael Guerreiro soll klar sein – vorbehaltlich des obligatorischen Medizinchecks. Da der Spieler jedoch mit Portugal bei der EM weilt, wird der Abschluss dieses Deals noch ein paar Wochen auf sich warten lassen. Der abgebende französische Verein FC Lorient soll 12 Millionen Euro plus mögliche Boni kassieren.

Das wäre nun ein Transfer ganz nach meinem Geschmack. Die Außenverteidigerpositionen sind seit Längerem eine Schwachstelle des BVB – da konnte weder die Verpflichtung von Joo-Ho Park helfen noch die Vertragsverlängerung mit Marcel Schmelzer darüber hinweg täuschen. Schmelle ist solide, aber eben keine „internationale Klasse“, wie es der Kicker nennen würde. Es gibt links hinten also künftig echten Konkurrenzkampf; außerdem kann Guerreiro auch weiter vorne spielen. Sollte dieser Transfer wie geplant über die Bühne gehen, wären die Schwarz-Gelben einen großen Schritt weiter.

Und die Vorfreude auf die neue Saison steigt! Ganz nebenbei wird am Samstagabend gegen 23.30 Uhr in Beckmanns Sportschule in der ARD auch die erste Runde des DFB-Pokals ausgelost.

Ein Kommen und kein Gehen: Mor wird Borusse

Da kann einem schon beinahe schwindlig werden: Am Tag nach der Verpflichtung von Sebastian Rode verlässt der Nationalspieler und drittjüngste EM-Teilnehmer Emre Mor das Trainingslager der Türkei, um ebenfalls einen Vertrag bei Borussia Dortmund zu unterschreiben. Mor kommt vom dänischen Erstligisten FC Nordsjaelland; in Dänemark ist der 18-Jährige auch aufgewachsen. Der Kicker nennt als Ablöse 9,5 Millionen Euro.

Ein weiteres Riesentalent, gar der „dänische Messi“, der zum BVB wechselt? Mit solchen Attributen sollte man bei einem Spieler seines Alters vorsichtig sein. Das klingt auch in den Zeilen durch, mit denen sich Sportdirektor Michael Zorc zum Transfer zitieren lässt:

Emre Mor ist ein hochveranlagter und in der Offensive vielseitig einsetzbarer junger Spieler mit riesigem Entwicklungspotenzial.

Mor gilt als enorm dribbelstark, ist auf den Außenbahnen oder hinter dem Mittelstürmer zu finden. Die Beschreibung erinnert nicht unwesentlich an Ousmane Dembelé – nur dass der schon wesentlich häufiger getroffen hat. Ein fertiger Spieler ist Mor sicher noch nicht. Sein Vertrag läuft bis 2021; wahrscheinlich wird er in seiner ersten Saison nicht direkt Stammspieler. Denn da stehen ja noch einige andere klingende Namen im Kader.

Bisher hat die Borussia fünf Neue geholt und zwei Schlüsselspieler sind gegangen. Einen Riesenkader, in dem fast die Hälfte der Akteure keine Perspektive hat, gilt es zu vermeiden. Nur dass der Verein dabei weniger das Heft des Handelns in der Hand hat als bei Neuverpflichtungen. Im Wesentlichen müssen Spieler, deren Berater und interessierte Klubs selbst aktiv werden. Ob und wann das geschieht, ist ungewiss. Diesen Aspekt sollte man bei aller Euphorie über hochtalentierte Neuzugänge nicht vergessen.

Emre Mor braucht das nicht zu stören: Er spielt EM, bald Champions League und wird die Gelegenheit bekommen, sich zu beweisen. Ich bin gespannt, was er drauf hat.

Hereinspaziert, Sebastian Rode!

Nun geht es Schlag auf Schlag: Kurz nachdem Marc Bartra einen Vertrag beim BVB unterschrieben hat, landet bereits der nächste Neuzugang in Dortmund. Medizincheck, Unterschrift, Sebastian Rode ist ein Borusse. Der 25-jährige defensive Mittelfeldspieler kommt vom FC Bayern und soll, da scheiden sich die Medien, 10 bis 15 Millionen Euro kosten. Sein Vertrag läuft bis 2020.

„Sebastian Rode ist ein dynamischer, zweikampfstarker und charakterlich ungemein wertvoller Spieler“, sagt Michael Zorc. „Ich bin von Kindesbeinen an BVB-Fan und freue mich schon deshalb sehr, dass es mit dem Transfer zu meinem Lieblingsklub geklappt hat“, sagt Sebastian Rode. Tatsache bleibt, dass er vor zwei Jahren zum FC Bayern gewechselt ist und nun vor allem aufgrund geringer Einsatzzeiten das Weite gesucht hat. Ob schon bei den Hummels-Verhandlungen über Rode gesprochen wurde, dürften Aki Watzke oder Susi Zorc sicher bald mal von einem Journalisten gefragt werden.

Nun kann man sicher anmerken – und ich habe das bereits getan – dass im zentralen Mittelfeld der Borussia auf den ersten Blick kein Spielermangel herrscht. Da sind Weigl, der zur EM fährt, Neuzugang Merino, der gute ‚alte‘ Sven Bender, Sahin, Ginter. An was es vielleicht mangelt, ist ein Spielertyp: zweikampf- und gleichzeitig mental stark. Einer, der nie nachlässt und nie aufgibt. Kann Sebastian Rode das erfüllen, könnte er im BVB-Mittelfeld wirklich einschlagen und ein wertvoller Akteur werden.

Vielleicht müssen wir künftig mehr als bisher damit leben, dass es auch im Kader der Borussia unzufriedene Spieler gibt. Weil viele Positionen mehrfach besetzt sind. Vielleicht gehört das zu den Geheimnissen der absoluten Spitzenklubs dazu – nicht die Unzufriedenheit, aber die Möglichkeit des Trainers, auf alle Eventualitäten eine überzeugende personelle Antwort zu haben. Es ist schade, dass dann auch verdiente Spieler mit ihrer Nichtberücksichtigung rechnen müssen. Überdrehen sollte man das mit der Kaderdichte aber auch nicht. In diesem Sinne, nun sind andere Positionen dran!