Malen, Haaland und drei Punkte

1.Bundesliga, 13. Spieltag / VfL Wolfsburg 1 BVB 3

Fußball eben: Da war Borussia Dortmund nach dem verfrühten Champions League-Aus gerade am Saison-Tiefpunkt und dreht dann am Samstag darauf nach frühem Rückstand die spannende Partie beim – nun ehemaligen – Verfolger Wolfsburg. Noch dazu kehrt eine Woche vor dem Topspiel gegen die Bayern unerwartet der Superstar zurück auf den Platz. Größer könnte der Unterschied in den Gefühlswelten zwischen Mittwoch und gestern nicht sein. Vielleicht bin es auch nur ich, wegen meines gestörten Verhältnisses zur Champions League, aber mit dem Auftritt von gestern hat der BVB stimmungsmäßig einiges wieder gut gemacht.

Es ist ein positives Zeichen hinsichtlich des Verhältnisses von Marco Rose zu seiner Mannschaft, dass er Spielern, die nicht überzeugt haben, eine zweite Chance gibt. Nicht blindlings – der Trainer wird seine Gründe haben. Nico Schulz und Emre Can waren in Lissabon am Ausgang des Spiels mitentscheidend beteiligt. In Wolfsburg zahlten sie Roses Vertrauen zurück; im Rahmen ihrer Möglichkeiten: Von Can kam mehr als von Schulz, aber auch Letzterer hatte ein paar gelungene Szenen vorzuweisen. Zwar fiel das frühe 1:0 der Gastgeber über Dortmunds linke Seite, aber Nico war diesmal nur mittelbar beteiligt.

Aktives Zentrum und zwei treffende Stürmer

Wie der BVB auf den frühen Rückstand reagierte, war eindeutig positiv. Mit Mo Dahoud und eben Can standen dafür genau die richtigen Spieler im Zentrum. Mit Marius Wolf kehrte ein weiterer Aktivposten nach Verletzung ins Team zurück und beackerte die rechte Seite. Marco Reus war vorne wie hinten an wichtigen Aktionen beteiligt und sein Lauf in den Strafraum führte zum Elfmeter zum 1:1. Die Borussia war auch danach das bessere, aktivere Team, kam wach und offensiv ausgerichtet aus der Pause zurück. Dass es dann Donyell Malen war, der mit einem tollen, jedoch nicht völlig unhaltbaren Schuss aus 18 Metern zum 1:2 traf, passte natürlich perfekt. Nun ist er wohl endgültig angekommen in der Bundesliga und wir mussten uns keine so großen Sorgen mehr machen, dass Erling Haaland nicht da war…

Vor allem aber, weil wir dessen Abwesenheit nach der Führung nur ganze 16 weitere Minuten ertragen mussten. Völlig überraschend für Fans und Medien hatte Marco Rose unter der Woche die Rückkehr von Haaland in den Kader bekanntgegeben – Wochen, bevor man das erwartet hatte. Und das Phänomen lieferte prompt. In einer Phase, in der der BVB unter Druck geriet und vor allem über die Seiten nicht unverwundbar wirkte, erwischte Erling eine Hereingabe von Brandt dank eines Sprungs mit seinem gestreckten Bein und bugsierte den Ball zum 1:3 ins Tor. Was soll man dazu noch sagen? Genießen wir es, so lange wir können!

Mi Zagadou kam fünf Minuten vor Schluss ein weiterer Spieler, der am Mittwoch an einer unglücklichen Aktion beteiligt war. Gestern ging alles gut aus und das wird nicht nur Schulz, Can und „Daxo“ Auftrieb geben. So sehr das CL-Aus sportlich und finanziell enttäuschend war, so sehr ist dem BVB trotzdem zuzutrauen, dass er in der Liga hinter den Bayern eine sehr gute Rolle spielen wird. Bleibt Haaland jetzt fit, könnte auch in der Europa League noch einiges gehen.

Die Aufstellung: Kobel – Meunier, Akanji, Hummels, Schulz (85. Zagadou) – Can (85. Witsel), Dahoud – Wolf (62. Knauff), Reus, Brandt – Malen (72. Haaland). Gelbe Karte: Wolf. Tore: Can (EM), Malen, Haaland

Vorahnung bestätigt: BVB scheitert in Lissabon

Champions League, 5. Spieltag / Sporting 3 BVB 1

Es war kein gutes Omen: Raphael Guerreiro verletzte sich vor der Partie in Lissabon beim Aufwärmen und wurde in der Startelf durch Nico Schulz ersetzt. Ein Leistungsträger raus, ein gerade genesener Ersatzspieler rein: Ich war bestimmt nicht der einzige Fan, dem nach dieser Nachricht Böses schwante. Die Balance, die mit Guerreiro zwischen den Teams bestanden hätte, kippte in Richtung Sporting – es war ein Ausfall zu viel für die Schwarz-Gelben.

Es dauerte eine halbe Stunde, bis die Gastgeber aus genau der angesprochenen Personalie Kapital schlagen konnten. Zuvor hatte es die Borussia gar nicht schlecht gemacht und die Partie weitgehend kontrolliert ohne zwingend zu werden. Doch dann reichte ein langer Ball, den Schulz oder Pongracic hätten klären müssen, um das 1:0 einzuleiten. Schulz ging halbherzig hin und verlängerte nur, Pongracic konnte Goncalves nicht mehr aufhalten. Der Treffer veränderte natürlich die Statik dieses entscheidenden Spiels: Sporting konnte es noch ruhiger und defensiver angehen lassen.

Vorne und hinten zu wenig

Nicht, dass sich die Grün-Weißen ausschließlich damit begnügten – schließlich bedeutete ein Sieg mit zwei Toren die sichere Qualifikation fürs Achtelfinale. Der zweite Treffer neun Minuten später lag in der in dieser Szene einfach schlechten Raumdeckung begründet, an der eine Reihe von BVB-Spielern beteiligt war. Zu viele von ihnen orientierten sich am Ball, niemand deckte den Rückraum, wo wiederum Goncalves kurz vor der Strafraumgrenze lauerte. Satter Schuss, 2:0.

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Vergesst Leipzig: Daxo ist zurück!

1.Bundesliga, 11. Spieltag / RB Leipzig 2 BVB 1

Der BVB verliert beim Fußball-Projekt mit 1:2 und hat Glück und sich bei Gregor Kobel zu bedanken, dass es nicht noch höher ausgeht. Die Stimmen, die sich nun negativ überrascht äußern, gehören wohl zu jenen Beobachtern, die entweder immer etwas zu kritisieren oder die Borussia tatsächlich für einen Meisterschaftskandidaten gehalten haben. Um nicht falsch verstanden zu werden: Das Spiel war Mist und das sollte man auch sagen. Nichts macht weniger Spaß, als gegen das Projekt zu verlieren – es ist ja schon eine Zumutung, dagegen spielen zu müssen. Ich kann nur die Überraschung nicht verstehen: Die Vorzeichen waren miserabel.

Ohne eine überzeugende Lösung auf der Linksverteidiger-Position, ohne den Super-Stürmer und mit nur einem schnell handelnden Mittelfeldspieler mussten die Schwarz-Gelben in die Partie gehen. Für Leipzig, deutlich weniger von Verletzungssorgen gebeutelt, war es die Gelegenheit, vor heimischem Publikum endgültig in die Saison zu finden und den Anschluss bis zu Platz 2 wieder herzustellen. Und so kam es, wie es vielleicht kommen musste. Marco Reus formulierte es so:

Wir haben es einfach nicht geschafft, auf Augenhöhe zu sein. In der Aggressivität, in der Spieleröffnung. Im Gesamten war das zu wenig.

Kicker.de

So bitter das ist: Wer hätte gestern den Unterschied machen sollen? Mats Hummels, Jude Bellingham und mit Abstrichen Marco Reus traut man das zu; ebenso natürlich Gregor Kobel im Tor. Zu wenige gegen ein mit technisch und gestern auch mental starken Spielern gespicktes Leipziger Team. Wo selbst ein Defensivmann wie Mukiele im Vorwärtsgang den Schwarz-Gelben arge Probleme bereitet. Julian Brandt, Axel Witsel oder Thomas Meunier sollten eigentlich gestandene Spieler sein, aber sie sind zu druckanfällig. Alle drei hatten in Leipzig auch ein paar ordentliche Szenen, zuvorderst Meunier mit seiner starken Vorlage zu Reus‘ Ausgleich. Demgegenüber standen aber Gruselpässe (Brandt in Hälfte 1), verlorene Zweikämpfe, fehlende Ideen und Handlungsschnelligkeit.

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Ajax knackt das Westfalenstadion

Champions League, 4. Spieltag / BVB 1 Ajax 3

Der Heim-Nimbus ist weg: Unter kontroversen Umständen verliert der BVB auch das zweite Gruppenspiel gegen Ajax, kann allerdings mit erhobenem Kopf aus der Partie gehen. Die Widrigkeiten, mit denen Schwarz-Gelb zu kämpfen hatte, entschuldigen das Ergebnis gegen das Ajax-Team von 2021/22 – sie könnten der Borussia allerdings noch arg zu schaffen machen.

Den überwiegenden Teil der ersten Halbzeit – teilweise noch nach dem Platzverweis – machten die Gastgeber vieles richtig, was in Amsterdam nicht gelungen war. Die sichtbarste Veränderung: Dortmund presste häufig hoch und ließ keinen rechten Spielfluss bei Ajax zu. Zu diesem Zweck machte auch der Einsatz von Steffen Tigges anstelle von beispielsweise Donyell Malen Sinn. Im Mittelfeld agierte neben Jude Bellingham auch Axel Witsel aggressiver als sonst und so konnte der BVB den Ball eine halbe Stunde lang meist vom eigenen Strafraum fernhalten.

Ich bin ein VAR-Skeptiker, aber kein dogmatischer – von einer regelmäßig gelungenen Anwendung ließe ich mich vermutlich überzeugen. Die Szene, die zum Platzverweis führte, hatte jedes Potenzial dazu. In Realgeschwindigkeit hätte Schiedsrichter Michael Oliver sie wohl nur aus nächster Nähe richtig beurteilen können. Im Fernsehen sah es in der ersten Einstellung nach einer rücksichtslosen Grätsche von hinten aus, die Mats Hummels im Mittelfeld ohne wirkliche Not gegen Antony auspackte. Letzterer ließ es sich nicht nehmen, dies noch mit seinen Schauspielkünsten zu unterstreichen.

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Dortmund gewinnt wie der Effzeh gegen Köln

1.Bundesliga, 10. Spieltag / BVB 2 1. FC Köln 0

Vertauschte Rollen im Westfalenstadion: 21:8 Schüsse und 58 Prozent Ballbesitz – für die Gäste. Der Effzeh über lange Strecken die aktivere Mannschaft. Doch der BVB holt sich dank Effektivität, einem Standard und einem starken Torwart die drei Punkte.

Die Aufstellung war das Beste, was Marco Rose bei der angespannten Personallage aufbieten konnte. Eine Dreierkette machte zunächst mal ebenso Sinn wie ein Sturm aus Hazard und Reus, mit Julian Brandt auf seiner eigentlichen Lieblingsposition dahinter. Donyell Malen nach seinem Magen-Darm-Infekt nicht von Beginn an zu bringen war ebenso nachvollziehbar. Gefährlich wurde der BVB aber nur wenige Male. Es waren eher Nadelstiche gegen einen in der Spielkontrolle mehr als ebenbürtigen Effzeh.

Borussia effektiv per Kopf

Die Gastgeber hatten jedoch besonders in der ersten Hälfte die gefährlicheren Szenen und gewannen die xG-Wertung hierfür mit 0,89 zu 0,31. Reus vergab zweimal, ehe Jude Bellingham nach Vorarbeit von Brandt auf Thorgan Hazard flankte und der per Kopf traf. In der zweiten Halbzeit ging die Wertung dann an die Kölner (0,72 zu 1,28), doch das Ergebnis war das Gleiche: Die Borussia traf durch den eingewechselten Nachwuchsstürmer Steffen Tigges, per Kopf nach einer Ecke von Brandt. Bis zu jener 63. Minute konnte man fast von einem Sturmlauf der Gäste sprechen. Uth und der zuvor formstarke Modeste forderten BVB-Keeper Kobel heraus, doch der behielt nicht nur in dieser Phase die Oberhand. Allerdings kamen auch nur fünf Kölner Schüsse aufs Tor – wie beim BVB – und diese meist zentral.

Das letzte Viertel der Partie gestalteten die Schwarz-Gelben mit der Zwei-Tore-Führung im Rücken wieder ausgeglichen, ohne selbst noch groß Gefahr auszustrahlen. Trainer Rose hatte in Hazard, Wolf und spät noch Brandt drei der Top-Performer ausgewechselt (dazu noch Pongracic, für den der Torschütze Tigges kam), was aber nichts an der wiedererlangten Souveränität der Gastgeber änderte.

Für alles, was zuvor passiert war, muss man dem Effzeh, der unter Steffen Baumgart unheimlich weit gekommen ist, ein Kompliment aussprechen. Keine Ahnung, ob die Kölner das über die gesamte Saison durchhalten, aber hier ist ein Team, das definitiv seine Stärken ausspielt. Nur die zuvor gezeigte Effektivität fehlte gestern. Der BVB muss sich einige Fragen zum Abwehrverhalten und der teilweise fehlenden Kontrolle im Mittelfeld stellen, darf sich aber auch über eine weiße Weste in einer schwierigen Phase gegen einen spielerisch unangenehmen Gast freuen.

Die Aufstellung: Kobel – Akanji, Hummels, Pongracic (58. Tigges) – Meunier, Witsel, Bellingham, Wolf (70. Passlack) – Brandt (87. Knauff) – Hazard (58. Malen), Reus. Gelbe Karten: Meunier, Bellingham. Tore: Hazard, Tigges

Promi-Joker gewinnen Spiel

DFB-Pokal, 2. Runde / BVB 2 FC Ingolstadt 0

25.130 Zuschauer waren gestern Abend im Westfalenstadion. Der Hauptgrund für den spärlichen Zuspruch dürfte nicht die Aussicht auf einen wenig glanzvollen Arbeitssieg gewesen sein. Trotzdem passte die Kulisse zu dem, was lange Zeit auf dem Platz zu sehen war. Denn es fehlten zunächst nicht nur eine Reihe prominenter Kranker und Verletzter, sondern auch drei potenzielle Stammkräfte, die geschont wurden: Marco Reus, Thorgan Hazard und Manuel Akanji.

Der Gegner – der Tabellenletzte der 2. Bundesliga FC Ingolstadt – war gekommen, um zu verteidigen. Am Ende standen für die Schanzer drei Torschüsse, von denen keiner aufs Ziel kam. Das ist nur einer mehr, als mein lokaler Regionalligist Babelsberg 03 zuvor gegen RB Leipzig geschafft hatte. Trotzdem gelang es dem BVB lange nicht, aus seiner drückenden Überlegenheit Kapital zu schlagen. Eine Angriffs-Drei mit Julian Brandt, Steffen Tigges und Reinier ist schlicht nicht torgefährlich genug. Wenn zudem im Mittelfeld mit Jude Bellingham nur einer steht, der wirklich kreativ werden und in der gegnerischen Defensive für Aufregung sorgen kann, kommt selbst das Kellerkind aus Liga 2 nicht an seine Grenzen.

Game Management gelungen

Man muss das bis zur 71. Minute Gesehene allerdings nicht zu einem bleibenden Eindruck überhöhen. Dass Marco Rose mit den Kräften seiner Spieler haushalten muss, zeigen ja gerade die vielen Verletzungen. So gesehen war die Startelf nachzuvollziehen. Die Frage nach der qualitativen Tiefe des Kaders ist legitim, doch der Verein wird die Situation schon aus finanziellen Gründen nicht von heute auf morgen ändern können. Letztlich handelte der Trainer gestern noch rechtzeitig, wechselte in eben jener 71. Minute Reus und Hazard für Tigges und den schon gelb belasteten Meunier ein – und damit den Erfolg. Was einen ausgeruhten Hazard von den restlichen gestrigen Offensivkräften unterscheidet, war unverzüglich zu sehen: Läufe mit und ohne Ball in aussichtsreiche Positionen und schnelle Abschlüsse. Mit den zwei eingewechselten „Promis“ als Partner im Angriff wurde Julian Brandt doch noch zum Assist-Geber.

Obwohl er nicht so auffällig wie Jude Bellingham agierte, sollte der die linke Seite beackernde Marius Wolf mal Erwähnung finden. Er galt als abgeschrieben, als einer der ersten Wechselkandidaten im Sommer. Inzwischen ist Marco Rose angesichts der personellen Situation sicher froh, dass er ihn als sehr ordentliche Alternative für beide Seiten zur Verfügung hat. Wolf muss sich hinter keinem Konkurrenten verstecken; nur Raphael Guerreiro ist ihm in Normalform ein gutes Stück voraus. Das sagt etwas über die Schwachstellen des aktuellen schwarz-gelben Kaders aus, ist aber einfach auch eine schöne Geschichte.

Am Samstag kommt der Effzeh ins Haus – ein vermutlich deutlich schwererer Test für den verletzungsgeschwächten BVB. Danach geht’s gegen Ajax und Leipzig, immer noch ohne Erling Haaland. Der November hat es also in sich – im Fall des Norwegers nur gut, dass der Monat eine weitere Länderspielpause mit sich bringt.

Die Aufstellung: Hitz – Can, Hummels (83. Akanji), Pongracic – Meunier (71. Hazard), Witsel, Bellingham, Wolf (87. Knauff) – Brandt (87. Passlack), Tigges (71. Reus), Reinier. Gelbe Karte: Meunier. Tore: Hazard (2)

Harte Nacht in Amsterdam

Champions League, 3. Spieltag / Ajax Amsterdam 4 BVB 0

Die Borussia auf dem Boden der Tatsachen: Ja, die Pleite im Johan-Cruijff-Stadion war auch einem besonders gebrauchten Tag der Schwarz-Gelben geschuldet. Aber sie zeigte ebenso, wo sich der Verein derzeit international einordnen muss. Für die europäische Spitze reicht es jedenfalls nicht.

Manche Beobachter hatten es sich nach der Auslosung der CL-Vorrunde einfach und Dortmund zum klaren Favoriten der Gruppe C gemacht. Das war schon damals eine bequeme, oberflächliche Analyse, die auf einer statischen Sichtweise beruht. Vielleicht liegt diese ein wenig daran, wie zementiert die Verhältnisse in der Bundesliga erscheinen. Vielleicht glauben hiesige Fans und Experten deswegen, dass sich auch an der internationalen Stellung der deutschen Vereine wenig ändert. Ajax kommt aus Holland, verliert dauernd wichtige Spieler an größere Clubs und überhaupt hat der BVB sie vor neun Jahren in der Champions League klar dominiert. Dieses Narrativ scheint ein bisschen den Blick auf die jüngste Vergangenheit verstellt zu haben. Spätestens nach dem 1:5-Sieg von Ajax in Lissabon hätte man gewarnt sein müssen. Nicht zu vergessen: Noch 2019 scheiterte Ajax nur knapp im Halbfinale des Wettbewerbs an den Spurs.

Spielfreude gegen Ratlosigkeit

Fast forward in den Oktober 2021: Ajax hat wieder eine Super-Truppe zusammen und in Erik ten Hag einen ebenso starken Trainer. Es gibt keinen Grund, warum sie nicht wieder eine gute Rolle in der Champions League spielen sollten. Der BVB durfte das gestern erfahren. De facto hielten die Gäste acht, neun Minuten gut mit – tatsächlich so lange, wie Rauchschwaden über der Arena hingen. Dann stieg der Druck von Ajax gewaltig. Der BVB kam nicht mehr in die Zweikämpfe und wurde, teilweise auch auf engem Raum, schlicht ausgespielt. Dazu kamen einige erzwungene, aber auch unnötige Ballverluste. Es war insgesamt eine Demonstration der Spielfreude von Ajax, die sich in der Expected Goals-Wertung dieser Partie nur ansatzweise ausdrückt: 2,08 zu 1,23 für die Gastgeber heißt es da lediglich. In diesem Fall aussagekräftiger ist eine andere Zahl: Der BVB hatte immerhin 45 Prozent Ballbesitz, spielte aber nur 148 erfolgreiche Pässe in der gegnerischen Hälfte – Ajax 266.

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Ein Haaland = zwei Tore + drei Punkte

1.Bundesliga, 8. Spieltag / BVB 3 FSV Mainz 05 1

Man konnte sich schon wundern, warum der gerade von einer Verletzung genesene Erling Haaland in der Partie gegen Mainz nicht ausgewechselt wurde. Bis er dann mal wieder in der Nachspielzeit zur Entscheidung traf – und sich offensichtlich gut dabei fühlte. Es war sein zweiter Treffer in einer Begegnung, die der BVB verdient gewann. Doch ob das ohne die Präsenz des Norwegers gegen größtenteils diszipliniert verteidigende Gäste auch gelungen wäre?

Der Start war zweifellos optimal und das auch ohne Zutun von Haaland: Meunier hatte nach drei Minuten geflankt, die Mainzer konnten den Ball nicht klären, der zu Marco Reus sprang. Und der Kapitän zog sehenswert ab zum 1:0. Angesichts des folgenden Dortmunder Dauerdrucks hätte man eine klare Angelegenheit erwarten können – doch Mainz ist nicht das Mainz der Vorsaison. Trotz erdrückendem Übergewicht beim Ballbesitz gelang es dem BVB nach der wirklich starken Anfangsphase kaum noch, gefährlich in den Strafraum vorzudringen. Die Gäste standen zwar sehr defensiv, attackierten aber rechtzeitig in der Mitte ihrer eigenen Hälfte. Den Querpässen der Schwarz-Gelben in dieser Zone des Spielfelds folgte selten ein kreativer Pass in die Spitze. Hier machte sich womöglich das Fehlen von Rafa Guerreiro und Mo Dahoud bemerkbar.

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Malens erstes Tor, Dortmunds zweiter CL-Sieg

Champions League, 2. Spieltag / BVB 1 Sporting Lissabon 0

Zu null gespielt, Donyell Malens ersten Treffer gesehen, schon sechs Punkte vor Platz 3 – ergebnistechnisch war es ein perfekter Champions League-Abend im Westfalenstadion. Auf den BVB-Trikots war sogar ein schwarz-gelbes Emblem zu sehen. Doch für den Erfolg war einiges an Mühe und Arbeit nötig…

Zurück zur Viererkette, wieder mit Marco Reus in der Offensive – Marco Rose knüpfte mit der Aufstellung an die erfolgreichen letzten Wochen an. Die offensichtliche Ausnahme: Wie am Samstag fehlte Erling Haaland erneut verletzungsbedingt, saß aber auf der Tribüne. Ein weiterer Rückschlag folgte bereits nach drei Minuten, als Mo Dahoud verletzt vom Feld musste und durch Julian Brandt ersetzt wurde. Der ist selbst erst seit Kurzem wieder spielfähig – das merkte man ihm gestern Abend an.

Überzeugend gegen den Ball, wenig zwingend mit ihm

Der BVB tat sich schwer, klare Torchancen zu kreieren. Vieles wurde von Sportings Verteidigern an oder kurz hinter der Strafraumgrenze geklärt. Ein Erling Haaland tankt sich da manchmal einfach durch – dies gelang Malen, Reus oder Hazard am Dienstag kaum. Und auch über außen ging wenig: Kaum Dribblings und von 18 Flanken kam gerade eine ans Ziel. Dass Sporting nicht erneut wie zuhause gegen Ajax die Schießbude öffnen würde, war klar. Etwas mehr Torgefahr hätte man sich aber schon gewünscht: Die Borussia kam gerade einmal auf einen xG-Wert von 0,28, Sporting vor allem aufgrund von Standardsituationen auf 0,36. Umso besser, dass Donyell Malen in der 37. Minute ein starkes Zuspiel von Jude Bellingham nutzen konnte und den Ball von rechts aus spitzem Winkel ins lange Eck schob.

Marco Rose lobte nach der Partie vor allem das „herausragende Gegenpressing“. Dieses war Voraussetzung dafür, dass die Schwarz-Gelben nur selten unter großen Druck gerieten. Es gab einige Angriffe der Gäste, in denen die Viererkette gefordert war. Es gab einige Fehler, die Mehrheit ausgerechnet von Mats Hummels, die aber wieder ausgebügelt oder nicht genutzt wurden. Gegen den Ball war es ein reifer CL-Auftritt des BVB gegen ein allerdings nicht übermäßig Furcht einflößendes Team. Darauf lässt sich aufbauen. Mit Erling Haaland sollte in dieser Gruppe nichts mehr schief gehen. Mit ihm stünden auch die Chancen am Samstag gegen Augsburg nicht schlecht.

Die Aufstellung: Kobel – Meunier, Akanji, Hummels, Guerreiro (75. Schulz) – Witsel – Bellingham, Dahoud (8. Brandt) – Reus, Malen (75. Reinier), Hazard (71. Wolf). Gelbe Karten: Bellingham, Hummels. Tor: Malen

„Experiment“ gescheitert: no Haaland, no party!

1. Bundesliga, 6. Spieltag / Mönchengladbach 1 BVB 0

Be careful what you wish for: Nach dem letzten Spiel hatte ich geschrieben, dass ich mir als Experiment „einen Sturm aus Donyell Malen und Youssoufa Moukoko schon mal gerne anschauen“ würde – aber nicht unbedingt in der Realität. Warum wurde gestern mehr als klar.

Nicht nur hier wurde die große Abhängigkeit des BVB von Erling Haaland schon länger thematisiert. In Gladbach musste Marco Rose nun nicht nur den Über-Stürmer wegen muskulären Problemen ersetzen, sondern auch noch den ebenfalls formstarken Kapitän Marco Reus wegen einer Kapselreizung im Knie. Beide Verletzungen sollen keine längerfristigen Ausfälle nach sich ziehen. Inwiefern also der enge Terminkalender mit dem bevorstehenden Champions League-Spiel gegen Sporting Lissabon eine Rolle spielte, bleibt dahingestellt. Völlig klar ist natürlich, dass auch Erling Haaland mal eine Pause braucht.

Es blieb auf schwarz-gelber Seite aber nicht bei personellen Veränderungen: Trainer Rose passte auch das System an das der Gastgeber an und ließ mit Dreierkette spielen, gebildet von Akanji, Pongracic und Hummels. Nicht, dass diese drei es nicht alle verdient hätten, zu spielen. Aber der Mannschaft insgesamt schien diese Umstellung, die nach der Pause zurückgenommen wurde, eine zusätzliche Bürde zu sein. Wenn die Außenverteidiger Guerreiro und Meunier weit aufrückten, wirkten die drei hinten einige Male entblößt. Man hätte auch ahnen können, dass ein Mittelfeld aus Witsel, Bellingham und Dahoud und der neue Sturm aus Moukoko und Malen von Anfang an die Unterstützung eines Thorgan Hazard gebraucht hätte, der zugegebenermaßen noch nicht lange wieder fit ist.

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