Zwei reiche Männer und ein Stadion

Die 345.000-Einwohner-Stadt Coventry in Englands West Midlands hat genau ein Fußballstadion, das den Ansprüchen eines Zweitligisten genügt. Mehr braucht sie auch nicht, denn es gibt im Fußball der Männer stadtweit nur einen Profiverein: Coventry City, die „Sky Blues“. Für den wurde die 2005 unter dem Namen Ricoh Arena eingeweihte Spielstätte hauptsächlich gebaut; der Gesamtkomplex umfasst aber auch ein Einkaufszentrum, eine Kongresshalle, ein Hotel und ein Casino. Inzwischen heißt das Stadion nach einem neuen Sponsor „Coventry Building Society Arena“.

Doch die Sky Blues hatten immer ein Problem: Die CBS Arena, unter Fußballfans häufig noch schlicht „Ricoh“ genannt, gehörte ihnen nie. Der Club hätte sich das gut 32.600 Zuschauer fassende Stadion Anfang des Jahrtausends einfach nicht leisten können. Zunächst gehörte es über die Betreibergesellschaft ACL der Stadt Coventry und einer wohltätigen Stiftung; der Fußballverein war Hauptmieter. 2013 sollte sich eines der Mantras von Fußball-Finanzexperte Kieran Maguire vom Price of Football Podcast bewahrheiten: Wenn ein Verein nicht Eigentümer seines Stadions ist, steht er im Krisenfall schlecht da.

Zwischen den Besitzern des Stadions und denen des Fußballclubs – damals wie heute der Londoner Hedgefonds SISU – gab es Streit um die Miete und die Einnahmen vom Spieltag, die an die Stadiongesellschaft gingen. Es waren nicht die einzigen Turbulenzen rund um den Verein – sie führten aber letztendlich zum Auszug der Sky Blues aus der Ricoh Arena. Da es in der Stadt wie gesagt keine ernstzunehmende Ausweichmöglichkeit gab, zog man für die Heimspiele ins 53 Kilometer entfernte Sixfields Stadium des zwischen dritter und vierter Liga pendelnden Northampton Town FC um – mit einer Kapazität von nicht mal 8000. Die Fans der Sky Blues waren gelinde gesagt nicht begeistert. Sowohl für SISU als auch den Stadtrat – das letztlich für die Arena zuständige Gremium – hagelte es Kritik.

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Was war denn da los? Gedanken zur BVB-Hinrunde

Nennen wir es nicht Analyse! Es wäre für einen mehr oder weniger Außenstehenden anmaßend zu behaupten, man könne diese wechselhafte, aber zum Ende hin doch enttäuschende Hinserie 2022/23 vollständig erklären. Besonders skeptisch bin ich gegenüber zum Monokausalen tendierenden Ansätzen: Es lag nicht nur am Trainer, nicht nur am Haaland-Weggang, nicht nur an den Herren Watzke oder Sammer. Hilfreich ist eher, Konstanten und Kontinuitäten über die generell inkonstante Saison hinweg aufzudecken – oder sogar saisonübergreifend.

Trainer und Taktik

Es ist der älteste Reflex im modernen Fußball: Läuft es für einen Club schlecht und bringen Startelf-Variationen keine schnellen Erfolge, wird das am Trainer festgemacht. Selten ganz zu Unrecht, doch genauso selten lassen sich die Fehler des Trainers zu einer hinreichenden Erklärung zusammenfügen. Wer jetzt schon wieder Edin Terzic loswerden möchte, sollte sich bewusst machen, dass auch unter den Trainern Favre und Rose keine Konstanz beim BVB herrschte. Es gab bei jedem der drei letzten Dortmunder Trainer Phasen und Aspekte, die besser waren als bei den anderen, und es gab eher schwierige Momente.

Edin Terzic kommt in dieser Saison auf einen Punkteschnitt von 1,74 über alle Wettbewerbe; in seiner ersten Amtszeit lag der Wert bei glatt 2. Für Marco Rose stehen 1,85 Punkte zu Buche, für Lucien Favre 2,01. Letzterer Wert erinnert uns an die guten Zeiten unter dem Schweizer, ehe die Ergebnisse im letzten Halbjahr zu unbeständig wurden. Ich bin ein Freund davon, Trainer – wie alle anderen am Fußball Beteiligten – an den Ergebnissen zu messen, da wir trotz aller Medien zu wenig von der Arbeit und der vereinsinternen Situation jenseits des Spieltags mitbekommen, um daraus Schlüsse zu ziehen. Die Unterschiede bei der Punkteausbeute der drei Genannten sind allerdings zu gering, um einen von ihnen zum besten BVB-Trainer der letzten Jahre zu küren. Schließlich darf man die Fluktuationen im Kader und auf der Verletztenliste auch nicht ganz außer Acht lassen.

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Pleite, Pannen und gar nicht so viel Pech im Borussia-Park

1.Bundesliga, 15. Spieltag / Mönchengladbach 4 BVB 2

Frühes Gegentor – check! Standard-Gegentor – check! Noch ein frühes Gegentor? Ja, wirklich – check! Ausgerechnet im Borussen-Duell, ausgerechnet am letzten Spieltag vor der langen Winterpause, liefert der BVB eine Pannen-Parade ab, in der viele saisontypische Schwächen nochmal kulminieren. Und dabei gelingt den Schwarz-Gelben sogar das erste Liga-Tor nach einer Ecke!

Die Borussia startete nicht schläfrig, worauf Julian Brandt nach der Partie zurecht hinwies. Vielmehr flogen die schwarz-gelben Jungs regelrecht aus den Startblöcken, pressten mit fünf, sechs Mann hoch in der gegnerischen Hälfte und ließen die Gastgeber nicht zur Entfaltung kommen – für vier Minuten. Nach bereits zwei Dortmunder Abschlüssen war es der buchstäblich erste Gladbacher Angriff, der zum 1:0 führte. Logisch, dass die beiden Ex-Dortmunder Julian Weigl und Jonas Hofmann die Verantwortlichen waren. Mit präzisen langen Pässen und gutem Laufweg überspielten sie die aufgerückte Hintermannschaft und Hofmann traf ins linke Eck.

Missglückte Taktik des BVB

Es sollte nicht die einzige Szene dieser Art bleiben. Die Spielidee des BVB war wohl, die auch nicht immer sattelfeste Gladbacher Defensive von Beginn an zu stressen und auf ein frühes Tor zu drängen. Das hat der Borussia in der Vergangenheit ja schon öfter gut getan. Nur bedeutete das teils wirklich intensive, frühe Pressing, dass die eigene Abwehrreihe schnell selbst einem Stresstest ausgesetzt wurde, wenn die Gastgeber sich mal freispielen konnten. Was ihnen im Verlauf der ersten Hälfte zunehmend besser gelang. Im schnellen Rückzug ist Dortmund häufig unsortiert und anfällig für Fehler – das nutzten die Gladbacher immer wieder gut aus.

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91 Ecken, null Tore

Diese Statistik wird rund um Borussia Dortmund gerade heiß diskutiert. Kein Wunder, lässt sich an ihr doch endlich mal festmachen, woran es bei den Schwarz-Gelben unter anderem hapert. Die meisten anderen Probleme sind nicht so einfach an Zahlen abzulesen. Mit 91 Eckbällen liegt der BVB weit vorne in der Bundesliga – nur der FC Bayern hat mehr. Mit keinem daraus direkt resultierenden Tor steht man natürlich ganz hinten.

Es ist tatsächlich schwer zu ertragen, wenn eine von Julian Brandts Ecken mal wieder nur bis zum Gegenspieler am ersten Pfosten kommt. Wenn wer auch immer den Ball planlos irgendwo in den Strafraum schlägt. Oder das Spielgerät bei den seltenen Versuchen einer alternativen Variante nicht mal die Gefahrenzone erreicht. Doch wie relevant ist die Eckenstatistik im Gesamtkontext der Saisonleistung? Wie viele Tore nach Eckbällen sind eigentlich normal?

Keine Erfolgsgarantie

In der aktuellen Ausgabe des schottischen Fußball-Magazins Nutmeg (Nr. 25, S. 40f.) hat Autor Vinny Ferguson dies mit Hilfe von Dave Carbery untersucht – für die letzten fünf Spielzeiten in den fünf europäischen Top-Ligen (England, Spanien, Italien, Deutschland und Frankreich) sowie die EM 2016 und die WM 2018. Die Resultate sind eher ernüchternd – nicht nur für alle Schlüsselrassler und „Oooooh“-Rufer. Nur nach knapp 3,93 Prozent aller Ecken fällt innerhalb von fünf Ballberührungen ein Tor. Und „Ecke-Kopfball-Tor“ klappt sogar nur in 0,36 Prozent der Fälle!

Wenn statistisch nicht mal jedem 25. Eckball ein Treffer folgt, muss man auch die Kritik an den aktuellen Zahlen des BVB etwas relativieren. Normalerweise hätten die Schwarz-Gelben demnach in dieser Saison in der Liga drei Tore mehr erzielen müssen. Wie viele zusätzliche Punkte das bedeutet hätte, hängt natürlich von den jeweiligen Spielen ab. Tabellenführer wäre der BVB damit eher nicht, etwas besser stünde er aber wohl da. Ob das Grund genug für einen eigenen Ecken-Trainer ist, wage ich zu bezweifeln – üben dürfen die schwarz-gelben Jungs aber schon.

Zu unbeständig für jede Serie: BVB verliert in Wolfsburg

1.Bundesliga, 14. Spieltag / VfL Wolfsburg 2 BVB 0

Vor siebeneinhalb Jahren gewann der VfL Wolfsburg das Pokalfinale gegen Borussia Dortmund. Es war der letzte Sieg der Wölfe in diesem Duell – bis gestern. Trotzdem kann die Dortmunder Niederlage in dieser Saison niemand überraschen. Die Mannschaft ist einfach die personifizierte Inkonstanz. Damit verbunden stellt sich die Qualitätsfrage: Die Schwarz-Gelben entscheiden in der Regel die Spiele gegen Teams aus der (Stand heute) unteren Tabellenhälfte für sich, geben aber gegen die Anderen Punkte ab. Ausnahmen gibt es natürlich: Freiburg und Frankfurt wurden geschlagen; der Sieg gegen Letztere war aber bekanntlich sehr glücklich.

Ist es also mehr eine Frage des Niveaus als der mangelnden Konstanz? Kann man die Wechselhaftigkeit der Ergebnisse doch an etwas festmachen? Eine Antwort fällt nach einer Partie wie der in Wolfsburg nach wie vor schwer. Derzeit würde sie wohl „ja und nein“ lauten. Ja, die Gastgeber hatten die hochkarätigeren Gelegenheiten (Expected Goals: 2,91:1,30 laut Understat, 2,54:1,58 laut Fotmob), doch die Borussia hatte mehr Torschüsse (17:21, allerdings 8:6 pro Wolfsburg aufs Tor).

Immer wieder diese Ecken

Die Schwarz-Gelben waren deutlich mehr im Spiel als in Frankfurt (nach allem, was ich von jener Partie gehört und gelesen habe). Das hatte natürlich auch mit dem Spielverlauf zu tun. Diesmal war es wieder die Borussia, die einem frühen Rückstand hinterherlaufen musste. Schuld war erneut die Ecken-Problematik, die Edin Terzics Team hinten wie vorne durch die Saison begleitet. In der 6. Minute verlängerte Nico Schlotterbeck eine Ecke von rechts unglücklich direkt zu van de Ven, der die Riesenchance nutzte. Der Wolfsburger Innenverteidiger entkam hier dem ansonsten starken Süle. Es war schon die zweite gute Gelegenheit für Wolfsburg – die erste durch Mamoush in der 3. Minute hatte Kobel noch großartig parieren können. Immerhin: Bei eigenen Ecken hat die Borussia in vergangenen Partien auch schon schlechter ausgesehen. Mehrere Male kam es gestern in der Folge immerhin zu Torschüssen (xG nach Ecken: 0,60).

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The Catch-up: Moukoko und Chelsea

Was passiert beim BVB? Nach knapp zwei Wochen Ruhe bei Any Given Weekend gibt es das eine oder andere zu besprechen. Nicht dass sich Borussia Dortmund in der Zwischenzeit neu erfunden hätte. In der Bundesliga haben die Schwarz-Gelben zweimal gewonnen: sehr glücklich in Frankfurt und wenig überraschend, zumal nach einer frühen Führung, zu Hause gegen Bochum. Beide Partien können nicht als Anzeichen für einen Trend in die eine oder andere Richtung oder eine Stabilisierung der Borussia gewertet werden.

Spannend wird in dieser Hinsicht Wolfsburg: Historisch gesehen ist der BVB klarer Favorit, hat die letzten acht Partien gegen den VfL gewonnen und 14-mal nicht verloren. Doch was zählt ist jetzt und in der jüngsten Vergangenheit haben sich Niko Kovacs Wölfe in der Bundesliga stabilisiert: In den letzten fünf Spielen gab es drei Unentschieden, gefolgt von zwei Siegen. Es gibt wenig Anzeichen, dass diese Partie ähnlich wie gegen Bochum laufen wird.

Warten auf die Unterschrift

Aus dieser letzten Begegnung der Schwarz-Gelben, dem kleinen Nachbarschaftsduell gegen den VfL, können wir jedoch eines mitnehmen: Youssoufa Moukoko zeigt langsam auch im Profibereich, warum er jahrelang als Dortmunder Wunderkind galt. Zu einem Tor wie dem Lupfer über Riemann beim 3:0 gehört jede Menge Selbstvertrauen und das war vermutlich eine der Eigenschaften, die Youssoufa in dieser Saison noch nicht im Übermaß hatte. Nun stehen auf dem Konto des in zwölf Tagen 18-Jährigen sechs Tore in zwölf Einsätzen. Das sind noch keine Haaland-Zahlen; es lässt einen aber sehnsüchtig darauf hoffen, dass sich Moukoko und der Verein bald auf eine Vertragsverlängerung verständigen.

Gestern wurde das Achtelfinale der Champions League ausgelost, nachdem sich der bereits qualifizierte BVB im letzten Vorrundenspiel Unentschieden von Kopenhagen getrennt hatte. Die Schwarz-Gelben treten als Gruppenzweiter zunächst zu Hause gegen den FC Chelsea an. Ein attraktives Los – vor allem, weil wir es mit den Londonern im Europapokal noch nicht zu tun hatten. Mit Graham Potter ist dort ein interessanter Trainer am Werk, der den Verein nach den Turbulenzen des Frühjahrs wieder zum Erfolg in der Premier League und international führen soll. Natürlich sind bei den Blues auch noch die Ex-Dortmunder Pierre-Emerick Aubameyang und Christian Pulisic beschäftigt. Auf die Borussia wartet zweifellos eine schwere Aufgabe, bei der die Schwarz-Gelben nicht favorisiert sind. Es fühlt sich aber nicht aussichtslos an – dafür fehlt Chelsea noch die Konstanz in den Ergebnissen. Doppelt zufrieden mit dem Los können wir sein, wenn man guckt, wen Leipzig und die Bayern erwischt haben.

Danke Greg! BVB vorzeitig im Achtelfinale

Champions League, 5. Spieltag / BVB 0 Manchester City 0

Das darf man echten Fortschritt nennen: Im Gegensatz zur Vorsaison qualifiziert sich Borussia Dortmund für das Achtelfinale der Champions League und das sogar schon am vorletzten Spieltag. Mit großer Hilfe von Keeper Gregor Kobel gelingt den Schwarz-Gelben ein Statement, dass diese Saison vielleicht doch besser wird als die letzte.

Volles Haus zu Haus – entsprechend trat die Borussia in der ersten Halbzeit auf. Und das ohne gelernte Außenverteidiger: Rechts musste mal wieder Niklas Süle ran, links sogar Thorgan Hazard für den ausgefallenen Guerreiro. Gleich mal vorweg: Süle spielte solide und Hazard überraschenderweise auch. Es waren recht offene erste 45 Minuten, in denen City zwar schon begann, sich den Großteil des Ballbesitzes zu erarbeiten, dem BVB aber einige Durchbrüche und mehr echte Torchancen gelangen. Die größte vergab Youssoufa Moukoko aus kurzer Distanz in der 37. Minute. Es war eine Gelegenheit jener Güteklasse, die du gegen Manchester City eigentlich nicht vergibst, ohne bestraft zu werden. Vorbereiter war Karim Adeyemi – nicht zum einzigen Mal. Ihm gelang zwar nicht jede Aktion, aber seinen Fleiß, gerade auch in der Defensivarbeit, muss man nach dieser Partie hervorheben. So wie es auch Mats Hummels tat.

Kaum am Ball, aber Punkt verdient

Die zweite Hälfte ähnelte nach einer Weile dem, was wir schon in Manchester gesehen hatten: ein klar überlegener englischer Meister, der nun gefühlte 95 Prozent Ballbesitz hatte (am Ende der Begegnung waren es reale 73 Prozent über die 90+ Minuten). Es gab drei Unterschiede zum Hinspiel: Erling Haaland war nicht mehr dabei – er wurde von Pep Guardiola in der Pause ausgewechselt. Den Gästen reichte ein Unentschieden zum Gruppensieg. Und ja, Dortmund machte es in der letzten Reihe ganz vernünftig, Mats Hummels war immens. All das trug wohl dazu bei, dass die Schwarz-Gelben ohne Gegentor blieben und ihrerseits den Einzug ins Achtelfinale feiern konnten. Rein optisch sah das vom BVB in den letzten 20, 25 Minuten aber nicht besser aus als in Manchester.

Trotzdem: Dieser Punktgewinn gegen den großen Titel-Favoriten war verdient. Das sagen auch die Zahlen, zumindest die Expected Goals-Werte. Hier liegt die Borussia nur knapp hinten (1,16:1,19). Rechnet man noch den – zweifellos berechtigten, mal wieder von Emre Can verursachten – Elfmeter heraus, der allein einen xG-Wert von 0,79 hatte, sieht es für die Schwarz-Gelben sogar noch viel besser aus. Wäre Gregor Kobel nicht gewesen, hätte das dem BVB aber vermutlich nichts genutzt. Er hielt Mahrez‘ Versuch stark und wirkte auch sonst souverän wie immer. Ein Unterschiedsspieler eben. Früher war das Haaland, jetzt teilen sich „Greg“ und Jude Bellingham diese Rolle. Die Beiden verstehen sich ja ohnehin ganz gut…

Die Aufstellung: Kobel – Süle, Hummels, Schlotterbeck, Hazard (82. Wolf) – Bellingham, Can – Adeyemi (73. Malen), Brandt, Reyna (87. Papadopoulos) – Moukoko (82. Modeste). Gelbe Karte: Hummels.

BVB 5 VfB 0 – Favre hätte das gefallen

1.Bundesliga, 11. Spieltag / BVB 5 VfB Stuttgart 0

Späte Rache für Lucien Favre: Vor knapp zwei Jahren sorgte der VfB Stuttgart mit einem 1:5 im Westfalenstadion für die Entlassung des damaligen BVB-Trainers. Gestern gab es die Quittung – die Schwaben wurden mit fünf Gegentreffern und ohne eigenen Torerfolg nach Hause geschickt. Stuttgarts Interimstrainer Michael Wimmer kostete das nicht seinen Job: Nach aktuellem Stand soll er mindestens bis zur Winterpause weitermachen dürfen. Nicht, dass nach Schlusspfiff der erste Gedanke der Dortmunder Fans Favre gegolten haben dürfte. Eines hat sich aber seit Dezember 2020 nicht verändert: Viele Schwarz-Gelbe fragen sich nach wie vor, wie diese, ihre Mannschaft tickt.

Zwei schwachen Auswärts-Auftritten folgte eine Heim-Gala – da liegt es nahe, dass das laute Westfalenstadion dabei eine Rolle gespielt haben könnte. Das war allerdings am 3. Spieltag gegen Bremen auch ausverkauft. Wenn natürlich der Gast so mitspielt wie der VfB, haben es die Borussen auch nicht so schwer. Beim Blitztor in der 2. Minute durch Jude Bellingham waren die Verteidiger viel zu weit vom Schützen entfernt, orientierten sich in Richtung Fünf-Meter-Raum und ließen den 19-Jährigen fast ungestört seinen ersten Saisontreffer erzielen. Hört sich das schon ein wenig bekannt an, erlebten die BVB-Fans auch beim 2:0 ein Déja-Vu: Ein Standard, bei dem der entscheidende Mann laufen gelassen wird – sowas passiert doch normalerweise auf der anderen Seite. Doch gestern unterboten die Gäste das in dieser Saison gelegentlich schludrige Abwehrverhalten der Dortmunder nochmal deutlich.

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BVB stolpert ins Achtelfinale

DFB-Pokal, 2. Runde / Hannover 96 0 BVB 2

Ein 0:2-Auswärtssieg beim Tabellenfünften der zweiten Liga ist zunächst mal ein vollkommen akzeptables Ergebnis. Die andere Borussia wäre sicher auch mit einem Sieg im Elfmeterschießen beim aktuellen Spitzenreiter jener Liga zufrieden. Doch war es natürlich die Art des BVB-Auftritts im Niedersachsenstadion, die gerade im Kontext der bisherigen Saison Fragezeichen hinterlässt. Denn in jenem Licht kann man den mühsamen Sieg eben nicht als „bad day at the office“ abtun. Trotzdem gab es auch etwas – jemanden – zu feiern…

Nach seinem angeblichen Fehler an der Alten Försterei präsentierte sich Torwart Gregor Kobel, als sei er die letzten Wochen nicht weg gewesen. Sieben gehaltene Schüsse auf sein Tor, davon mindestens drei wirklich starke Paraden, gute Strafraumpräsenz – da fallen auch zwei, drei ins Aus geschlagene Bälle nicht ins Gewicht. Ohne Kobel, das legte nach der Partie auch Emre Can nahe, hätte die Borussia in Hannover noch mehr, vielleicht sogar unlösbare, Probleme gehabt.

Besser als in Berlin, aber nicht in jeder Hinsicht

Dabei lief es zunächst gegensätzlich zum und deutlich besser als beim Union-Spiel: Schon nach zehn Minuten gingen die Schwarz-Gelben in Führung. Moukokos Schuss von rechts war eher eine Hereingabe, doch Hannovers Arrey-Mbi fälschte den Ball ins lange Eck ab. Trotzdem gebührt Youssoufa unbedingt Respekt dafür, wie er sich in der Szene flink durchsetzte – und Julian Brandt dafür, wie er den Ball über den Kopf zu Hazard weiterleitete. Überhaupt Brandt: Auch wenn bei ihm immer noch zu viel falsch läuft – er ist andererseits der Borusse für die besonderen Momente. Die münden nicht immer in einem Tor, aber man hat Spaß beim Zuschauen.

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Zehn Spieltage und kein bisschen weise

1.Bundesliga, 10. Spieltag / 1. FC Union Berlin 2 BVB 0

Rechtzeitig zur Zwischenbilanz, die man nach zehn Spieltagen gerne zieht, rutscht Borussia Dortmund in einer zugegeben engen Bundesliga um gleich vier Plätze auf Rang 8 ab. Nach der Niederlage beim Tabellenführer Union Berlin liegen die Schwarz-Gelben nun schon sieben Punkte hinter den Köpenickern zurück und nur noch drei vor beispielsweise Augsburg. Immerhin: In einer derzeit noch spannenden Saison ist der FC Bayern bisher nur drei Punkte enteilt. Viel besorgniserregender als der Tabellenstand ist dementsprechend die Leistung, die wir an der Alten Försterei zu sehen bekamen.

Der BVB tritt ganz offensichtlich auf der Stelle: Beachtliche Leistungen oder willensstarke Auftritte wie gegen Kopenhagen, in Sevilla und gegen Bayern wechseln sich ab mit den Pleiten gegen Bremen, in Köln oder jetzt Berlin. Klar, die Borussia wird auch in dieser Spielzeit über Gebühr von Verletzungen und Krankheiten sowie schlichtem Spielpech gebeutelt. Letzteres war schließlich der Ausrutscher von Gregor Kobel vor dem 1:0 – eigentlich verbietet es sich fast, von einem Torwartfehler zu sprechen. Hätte unsere Nummer 1 da irgendwie weniger riskant zum Ball gehen können? Fraglich. Nur reicht das Pech bei weitem nicht als Erklärung für die vielen individuellen Fehler, lethargische Spielphasen und fehlende Kreativität.

Individuelle Aussetzer und die M-Frage

Nehmen wir das 2:0, das bereits in der 21. Minute fiel. Karim Adeyemi probiert in der eigenen Hälfte einen Querpass mit der Hacke – macht also genau das, was Mats Hummels nach dem letzten Spiel kritisiert hatte, ohne Namen zu nennen. Union schnappt sich den Ball, bringt ihn nach vorne und muss dann natürlich nicht automatisch treffen. Man hätte das als Abwehr konsequenter verteidigen können. Doch gegen einen formstarken Tabellenführer, der in der Offensive klar und einfach agiert, war es nach Adeyemis Aussetzer auch nicht soo einfach. Karim muss jedenfalls noch viel lernen und arbeiten, um die erhoffte Verstärkung und kein neuer Schürrle zu werden. Ich war angesichts der beträchtlichen Ablöse skeptisch, hoffe aber trotzdem noch, dass es anders kommt.

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