Klare Lösungswege für BVB-Dilemma

Zu den wichtigsten Dingen, die Borussia Dortmund mittelfristig für Sebastien Heller tun kann, zählt, ihm den Weg zurück in die Mannschaft so einfach wie möglich zu machen. Wir wünschen uns alle vor allem, dass er wieder vollständig gesund wird. Egal wie lange das dauert, gibt es für den Verein zwei Alternativen, wie er Haller bis dahin ersetzen kann.

Option 1: Der BVB setzt auf die anderen Offensivkräfte. Besonders naheliegend ist das natürlich, wenn Hallers Rückkehr eher früher als später zu erwarten ist. Klar dürfte einem dabei nicht ganz wohl sein, denn Karim Adeyemi, Donyell Malen und Youssoufa Moukoko als die nominellen Stürmer haben noch nicht nachgewiesen, dass sie im BVB-Trikot regelmäßig treffen können.

Vielleicht hilft es Neuzugang Adeyemi oder dem noch so jungen Moukoko aber auch, wenn man ihnen explizit das Vertrauen als Torschützen schenkt und sie im Sturmzentrum einsetzt. In jedem Fall dürfte es die Chancen vergrößern, Letzteren zu halten, nachdem Youssoufa zuvor im Blitztempo dem schwarz-gelben Nachwuchs entwachsen war, seine Entwicklung in der ersten Mannschaft jedoch stagnierte. Edin Terzic müsste bis zum Saisonstart noch ausprobieren, in welcher Konstellation – etwa mit ein oder zwei Spitzen – Option 1 funktionieren könnte. Und natürlich bräuchten die genannten Spieler gehörig Unterstützung aus einem nachrückenden Mittelfeld.

Option 2: Die Borussia leiht einen Stürmer aus – je nach Lage für ein halbes oder ganzes Jahr. 2018 hat das mit Michy Batshuayi in einer nicht einfachen Saison solide funktioniert. Der springende Punkt: Es gibt vertraglich gebundene Offensivkräfte bei Klubs mit entsprechendem Standing, etwa in der Premier League, die dort nicht oder nicht ausreichend zum Zuge kommen, dem BVB aber vermutlich weiterhelfen könnten. Natürlich müssten Sebastian Kehl, Edin Terzic & Co abwägen, wie schnell jemand, der nicht so oft wie gewünscht gespielt hat, bei 100 Prozent wäre und wie viel eine Leihe inklusive Gehalt und möglicher Gebühr kosten würde. Passende Leihstürmer findet man zwar nicht wie Sand am Meer und jemand vom Niveau Sebastien Hellers dürfen wir wohl nicht erwarten. Jemanden auszuleihen, der mehr Torgefahr ausstrahlt als die vorhandenen Angreifer, sollte jedoch möglich sein.

Einen Stürmer für eine Ablöse fest zu verpflichten verbietet sich eigentlich angesichts der anderen Baustellen, die der BVB noch hat. Als Alternative geistert seit Kurzem der Name Luis Suarez durch das Web und die sozialen Medien, also ein vertragsloser Spieler, der den Schwarz-Gelben vermutlich sofort weiterhelfen könnte. Doch zu dieser Verpflichtung wird es wohl kaum kommen. Abgesehen von den Fragezeichen hinsichtlich seines Charakters würde Suarez wohl so gar nicht ins Gehalts- und Mannschaftsgefüge der Borussia passen.

Grundsätzlich dürfte es nur ganz wenige ungebundene Spieler geben, die die Qualität für den BVB haben und zu dessen Gehaltsstruktur passen. Und auch noch bereit für die Feuerwehrmann-Funktion sind, also einen kurzzeitigen Vertrag unterschreiben würden. Wenn der BVB eine solche „Perle“ finden sollte – her damit! Wahrscheinlich dürfte es jedoch auf Option 1 oder 2 hinauslaufen.

Komm gesund zurück, Sebastien!

Eigentlich sollte an dieser Stelle heute ein vorläufiger BVB-Kader-Check erscheinen. Dann kam gestern Abend die Nachricht, dass bei Neuzugang Sebastien Heller im Trainingslager in der Schweiz ein Hodentumor diagnostiziert wurde. Und alles andere Schwarz-Gelbe wird erstmal unwichtig. Es werden jetzt weitere Untersuchungen folgen; es besteht noch die Hoffnung, dass der Tumor gutartig ist. Und ich bin natürlich nicht der einzige BVB- und Fußballfan, der Sebastien eine erfolgreiche Behandlung und vollständige Gesundung wünscht. Alle inklusive den Patienten würde es freuen, wenn sich diese Wünsche schnell erfüllen. Aber es braucht so lange, wie es braucht und nur Sebastien Heller ist jetzt wirklich wichtig.

Wenn es wirklich eine große BVB-Familie gibt oder so etwas wie „Echte Liebe“ im Verein, dann steht der erkrankte Schwarz-Gelbe jetzt in den Gedanken an erster Stelle. Dass in den nächsten Tagen über die Konsequenzen für den Klub nachgedacht werden wird, ist unvermeidlich. Die Verantwortlichen tun es wahrscheinlich schon unter sich, viele Fans auch. Ab wann man das öffentlich tun sollte ist mehr als eine rhetorische Frage. Ich finde es okay und legitim, wenn in den nächsten Tagen behutsam darüber gesprochen wird und wir in Gedanken gleichzeitig immer bei Sebastien Heller sind. Alles erdenklich Gute, Sebastien!

Schafböcke nach neun Monaten gerettet

Ein Happy End. Nur im Fußball, aber immerhin. Der Traditionsverein Derby County, gegründet 1884 und einst erfolgreich unter dem großen Brian Clough, hat einen neuen Besitzer, der die ersten drei Buchstaben seines Nachnamens mit der Trainerlegende gemeinsam hat. David Clowes beziehungsweise sein Unternehmen Clowes Developments hat heute die Übernahme der „Rams“ vollendet und somit den Klub aus den East Midlands aus der Insolvenz geholt.

Die ganze Vorgeschichte findet ihr im letzten Beitrag. Zwei Tage nach dem ursprünglich angepeilten Mittwoch hat die existenzbedrohende Situation nun ein Ende gefunden. Die Abwicklung des Deals sei beispiellos komplex gewesen, betonte Andrew Hosking, einer der Insolvenzverwalter – sicherlich nicht ganz ohne den Hintergedanken, die Länge des Verfahrens zu rechtfertigen, das im September 2021 begonnen hatte.

Clowes schreibt den Fans

Doch das Ende scheint nun beinahe ideal. Ein erfolgreicher und gleichzeitig bodenständiger Unternehmer aus der Region als Eigentümer – viel besser wird es im englischen Profifußball abseits der wenigen fangeführten Vereine nicht. David Clowes hat in einem offenen Brief an die Fans um Geduld gebeten. Er und sein Team bräuchten noch Zeit, um sich ein Bild von innen zu verschaffen, Gespräche zu führen und dann im Anschluss womöglich Veränderungen vorzunehmen.

Dort, wo es schnell gehen muss, soll es schnell gehen: Die Rams brauchen rund vier Wochen vor Saisonstart dringend Spieler – mehr als eine gute Handvoll Profis stehen derzeit nicht unter Vertrag. Natürlich wurden im Hintergrund schon Gespräche vor allem mit vertragslosen Spielern geführt. Es könnten also schon bald erste Vollzugsmeldungen folgen. Alle Transfers müssen einem Business Plan gehorchen, auf den sich die neuen Besitzer mit den Insolvenzverwaltern und dem Ligaverband EFL geeinigt haben. Das heißt: Neuzugänge können nur registriert werden, wenn Transfersumme, Spielergehalt und Beraterkosten vorgegebene Beträge nicht überschreiten. In diesem Rahmen steht es Derby County aber wieder frei, die Transfers zu tätigen, die der Trainer und andere künftig sportlich Verantwortliche für nötig halten.

David Clowes macht in seiner Botschaft an Fans und Angestellte des Vereins auch Hoffnung, dass Vieles, was bei den Rams in der Vergangenheit gut gelaufen ist, erhalten bleibt: Die Jugendakademie soll weiter zur höchsten Kategorie gehören, die gemeinnützige Arbeit des „Community Trust“ in Derby und Umgebung fortgeführt werden. Und Clowes will auch die Frauenmannschaft, Derby County FC Women, ein eigener Verein, aber eng mit den Männern assoziiert, weiter unterstützen. Das alles hört sich für lang leidende Fans sehr positiv an. Einfach wird der Weg zurück aber sicher nicht – für den Verein, der noch vor wenigen Jahren ans Tor zur Premier League klopfte und sich nun einen Kader für die dritte Liga basteln muss. Es könnte heute trotzdem ein entscheidender, womöglich historischer Schritt gelungen sein.

Weiche Landung in Sicht? Neue Hoffnung für Derby County

Seit fast zwei Jahren geht es für die „Rams“ abwärts. Nicht stetig, aber bisher unaufhaltsam. Genau das ist das besonders Schmerzhafte für die Fans: Immer wieder keimte Hoffnung auf, schien sich etwas zu bewegen. Und immer wieder wartete man vergebens. Die sportliche Talfahrt von Derby County begann bereits in der Saison 2020/21: Unter Trainer-Novize Wayne Rooney konnten sich die Rams erst am letzten Spieltag vor dem Abstieg retten. Nicht geholfen hatte in jener Saison ein weiches Transferembargo aufgrund von Verfehlungen der Vereinsführung im finanziellen Bereich. Alles zur Situation im letzten Sommer könnt ihr in meinem damaligen Artikel nachlesen.

Der damalige Klubbesitzer Mel Morris galt selber als Derby-Fan und hatte sich in den Jahren zuvor immer mal wieder in die Arbeit der Angestellten eingemischt. 2021 wollte er den Klub verkaufen. Zwei Übernahmeversuche waren bereits gescheitert (siehe den oben verlinkten Artikel). Dann folgte das Szenario, das die Fans nicht für möglich gehalten hätten und das Morris alle Sympathien gekostet hat: Der Eigentümer meldete für die Rams Insolvenz an. Allerdings nicht für das Stadion Pride Park, das er sich ein paar Jahre zuvor quasi selbst verkauft hatte.

Mit 21 Minuspunkten gegen den Abstieg

Die Konsequenz: In der abgelaufenen Saison wurden den Rams zunächst 12 Punkte für die Eröffnung eines Insolvenzverfahrens abgezogen. Als Insolvenzverwalter wurde die Firma Quantuma eingesetzt. Sie konnte nicht verhindern, dass im November ein weiterer Neun-Punkte-Abzug aufgrund von Verstößen gegen die Regeln zur Profitabilität und Nachhaltigkeit im Zusammenhang mit dem Stadionverkauf erfolgte. Mit insgesamt 21 Minuspunkten war der Klassenerhalt der Rams schon mitten in der Saison in weite Ferne gerückt. Nicht, dass Wayne Rooney, sein Assistent Liam Rosenior und die Mannschaft nicht alles versuchten: Bis ins neue Jahr hinein hatten sie den enormen Rückstand auf einen Nichtabstiegsplatz so weit reduziert, dass der Klassenerhalt zumindest denkbar erschien. Die Fans zogen mit und feierten den fast aussichtslosen Kampf ihres Teams.

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Sebastien Haller kommt im Juli zum BVB

Borussia Dortmund hat seinen Königstransfer in trockenen Tüchern. Denn bei allem Respekt vor Niklas Süle und Nico Schlotterbeck dürfte die entscheidende Frage in dieser Transferperiode sein, ob es den Schwarz-Gelben gelingt, Erling Haaland zu ersetzen – wenn schon nicht gleichwertig, dann zumindest intelligent. Dabei hatte Sebastien Haller, bisher bei Ajax Amsterdam, den Norweger in dieser Saison zumindest in der Champions League sogar hinter sich gelassen – mit elf Toren in acht Spielen.

Der Ex-Frankfurter Haller wechselt also zum BVB – dem Kicker zufolge für 31 Millionen Euro zuzüglich möglicher Boni, die mehrere Millionen betragen könnten. Laut den Ruhr Nachrichten hat der Ivorer heute einen Vier-Jahres-Vertrag unterzeichnet. In Kraft treten wird der am 1. Juli; die Bekanntgabe ist ebenfalls erst für Anfang Juli geplant. Dies soll ein buchhalterischer Wunsch von Ajax gewesen sein, um den Transfer im neuen Geschäftsjahr zu verbuchen. Für die Borussia macht dieses Detail offenbar keinen Unterschied, da Haller aufgrund seiner kürzlich absolvierten Länderspiele ohnehin erst am 8. oder 9. Juli ins Training einsteigen muss.

Mitleid mit Ajax

Dass man Ajax hier entgegenkommt, ist nur recht und billig. Die Niederländer können einem schon leid tun: Jahr für Jahr bauen sie Talente auf oder bringen fertige Spieler wie Haller noch größer heraus. Und Jahr für Jahr verlieren sie ihre Topspieler an noch größere Klubs. Allein in diesem Sommer ziehen drei nach Deutschland weiter, zwei zum FC Bayern und Haller nun eben zum BVB. Nicht zu vergessen: Erfolgstrainer Erik Ten Hag ist der Neue bei Manchester United. Der Fluch des Erfolgs: Im Gegensatz zur Borussia hat sich Ajax in dieser Spielzeit in der Königsklasse mit Ruhm bekleckert.

Borussia Dortmund bekommt einen echten Mittelstürmer, aber keinen, der nur in und am Strafraum zuhause ist. Sebastien Heller kann sich auch ganz gut bewegen – ob mit oder ohne Ball. Ob er diesen unnachahmlichen Antritt von Erling, diese faszinierende Kombination aus Kraft, Technik und Schnelligkeit, emulieren kann, ist fraglich. Technisch versiert und durchsetzungsstark ist der 1,90 Meter-Stürmer jedoch mit Sicherheit. Neben seinen CL-Toren traf er in der niederländischen Eredivisie 21-mal in 31 Spielen. Und für den BVB ist die zweite Zahl wohl ähnlich bedeutend wie die erste: Haller stand in nur drei Liga-Partien nicht im Kader. Einmal war er krank, zweimal fehlte er wegen seiner Teilnahme am Afrika-Cup mit der Elfenbeinküste.

Werden Haller und die anderen Neuzugänge dazu führen, dass die Schwarz-Gelben wieder Bayern-Jäger sind? Wohl kaum, wenn man die bisherige Transferpolitik des Rekordmeisters bedenkt. Denn der war ja mit seinem einen nationalen Titel auch nicht zufrieden und hat entsprechend gehandelt. Wir BVB-Fans können uns trotzdem auf Sebastien Haller freuen – ich tue es auf jeden Fall.

Tigges zu Tünnes

Borussia Dortmund lässt Steffen Tigges zum 1. FC Köln ziehen. Dort unterschreibt der 23-jährige Stürmer aus dem schwarz-gelben Nachwuchs einen Vertrag bis 2026. Es ist eine Transfer-Vollzugsmeldung, die man im Kontext der Planungen für die Saison 2022/23 schnell abhaken kann – man kann aber auch noch ein paar Zeilen darüber nachdenken.

Der Effzeh ist zunächst mal ein Verein, für den der durchschnittliche Borusse eher Sympathie als Antipathie hat. Vor wenigen Wochen hat sich der BVB dort Mittelfeldspieler Salih Özcan geangelt – warum also nicht etwas zurückgeben? Eine Ablöse von 1 bis 1,5 Millionen ist für die Bundesliga nicht viel, könnte aber durch Bonuszahlungen und eine Beteiligung an einem möglichen Weiterverkauf von Tigges noch steigen. Kölns Geschäftsführer Christian Keller attestiert dem Neuzugang „viele wichtige Stürmereigenschaften“. Gleichzeitig wird Steffen aber noch nicht als fertiger Spieler, sondern eher als Projekt gesehen, das „viel Fantasie für die Zukunft“ bietet. Die Hoffnung des Spielers ist wohl trotzdem, das er in absehbarer Zeit mehr Spielzeit bekommt als in Dortmund.

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Rote Bullen bringen’s nicht

Die einzig wahren Bullen im Fußball sind keine mit Taurin vollgepumpten Mast-Exemplare, sondern Hereford-Rinder – die Wappentiere des aus der gleichnamigen Stadt stammenden Fußballvereins. Über Hereford FC – die „Bulls“- habe ich bereits mehrfach geschrieben – hier etwas über die Geschichte des Phönix-Vereins, hier das letzte Update von 2020. Gerade dieser Tage ist es wieder an der Zeit für einen Blick in den Westen Englands, in die ländlich geprägte Grafschaft Herefordshire. Wo der Hereford United Supporters Trust, die Fan-Stiftung der Bulls, weiterhin daran arbeitet, genügend Mitglieder und Unterstützer zu finden, um die magische Grenze von 50 Prozent der Vereinsanteile zu erreichen, so dass der Club in Zukunft wahrhaft Fan-geführt ist. Die anderen 50 Prozent sollen im Besitz der restlichen Anteilseigner bleiben.

In der abgelaufenen Saison hat Hereford den zwölften Platz in der sechstklassigen National League North belegt, in der die Bulls auch 2020 schon spielten. Doch immerhin sah es lange so aus, als könnte der Sprung auf die Play-Off-Ränge (bis Platz 7) gelingen. Trainer ist nach wie vor der ehemalige Spieler Josh Gowling. Der steht jetzt vor der nicht einfachen Aufgabe, einen Kader für die nächste Saison zusammenzustellen, um einen neuen Anlauf zu starten. Damit ist er in der Liga nicht alleine. Im semi-professionellen Fußball sind längerfristige Verträge selten und so zerfallen Mannschaften am Saisonende regelmäßig zu einem großen Teil, vielleicht mit Ausnahme der Aufsteiger. Auch Tom Owen-Evans, einer der wenigen Spieler und Leistungsträger, die mehrere Jahre in Hereford kickten, hat den Verein nun verlassen.

Fans zahlen für Spieler

Ob Gowling Ersatz für ihn und andere findet, der einen Angriff auf die Play-Off-Plätze zulässt, hängt natürlich auch vom Budget ab. In der sechsten Liga, kurz nach einer Pandemie, ist das in der Regel nicht üppig, soll aber bei Hereford nicht unter dem der Vorsaison liegen. Vereine auf diesem Level, insbesondere Fan-geführte Vereine, versuchen gerne, ihre Finanzen mit Hilfe der Fans aufzubessern. Eine Reihe von Clubs hat sogenannte „Boost the Budget“-Kampagnen gestartet – mit dem klar definierten Zweck, die monatlichen oder einmaligen Spenden in den Spielerkader zu investieren.

Bei den Bulls hat man sich bei der Spendenkampagne ein Ziel von 50.000 Pfund gesetzt – bisher sind 18.880 zusammengekommen (Stand 1. Juni). Zwei Ligakonkurrenten – beides Fan-geführte Vereine – sind schon weiter. Darlington FC aus der nördlichen Grafschaft County Durham hat unglaubliche 137.000 Pfund eingesammelt – hier ist die Aktion bereits beendet. Und Chester FC aus dem Nordwesten Englands hat vier Wochen vor Ende der Kampagne bereits gut 58.000 der avisierten 75.000 Pfund beisammen.

Die Bullen von Hereford schwimmen also nicht gerade in Geld. Zu Beginn der Pandemie, im ersten Lockdown, sah man sich gezwungen, die Jugendakademie und die Frauenmannschaft auf Eis zu legen. Die Nachwuchsarbeit ist in der abgelaufenen Saison wieder angelaufen, allerdings nur in bestimmten Altersgruppen und mit Hilfe der mit dem Verein assoziierten gemeinnützigen Stiftung. Ein Frauen-Team ist unterdessen noch nicht in Sicht.

Große Schritte sind in Hereford derzeit nicht drin. Und trotzdem sind die Rinder von Hereford tausendmal schöner als irgendwelche roten Bullen. Schaut euch einfach das Vereinswappen an…

BVB holt Jayden und Herrn Meyer

Er kommt von Manchester City, fühlt sich auf den offensiven Außenbahnen zuhause und heißt fast Jadon: Da lassen sich Vergleiche nun wirklich schwer vermeiden. Borussia Dortmund hat Jayden Braaf ablösefrei vom englischen Meister verpflichtet und natürlich muss man da zunächst an den Ex-Borussen denken, der inzwischen wieder in Manchester, wenn auch nicht an alter Stelle, kickt.

Doch es gibt schon gewichtige Unterschiede: Dass der 19-jährige Braaf Niederländer ist, zählt vielleicht noch nicht dazu. Dafür aber die Knieverletzung, durch die das Offensivtalent die gesamte letzte Saison verloren hat. Ob er ohne sie schon an Pep Guardiolas Kabinentür klopfen würde, ist Spekulation. Zum Zeitpunkt der Verletzung war Braaf gerade an Udinese Calcio verliehen. Bei seinem Wechsel 2018 aus der Jugend des PSV Eindhoven nach Manchester galt er als „eine der vielversprechendsten Offensivhoffnungen im europäischen Fußball„, wie zumindest die BVB-Webseite berichtet. Solche werden in den U18- und U23-Kadern der englischen Top 6 ja gerne mal gehortet, so dass die Spieler meistens nochmal einen Umweg zum großen Erfolg nehmen müssen.

Erst mal Dritte Liga

Bei Jayden Braaf waren den Verantwortlichen von City die Unwägbarkeiten nach einem Jahr Ausfall wohl zu groß. Aus deren Sicht verständlich. Der BVB hat zugegriffen und geht damit ein Risiko ein – allerdings ein überschaubares. Das Ziel ist, Braaf über die zweite Mannschaft (wieder) ans Topniveau heranzuführen. Anders als bei Jadon Sancho ist das ein Experiment, dessen Gelingen natürlich wesentlich davon abhängt, ob Jayden physisch fit ist und bleibt. Sein Vertrag läuft über drei Jahre.

Sportlich sicher weniger spektakulär ist die nun fix gemachte Verpflichtung von Alexander Meyer von Jahn Regensburg. Den 31-jährigen Torhüter hält Sebastian Kehl für einen der stärksten seiner Zunft in der 2. Bundesliga. Dass ein Stammkeeper aus der zweiten Liga nun die klare Nummer 2 in Dortmund wird, ist für den BVB der richtige Weg. Sinnvoller jedenfalls, als einen vermeintlichen Herausforderer für Kobel zu verpflichten – denn der ist schließlich als der Torwart geholt worden, der bei Schwarz-Gelb wieder eine Ära prägen soll und könnte. Meyer erreichte beim SSV Jahn in der abgelaufenen Spielzeit eine Kicker-Durchschnittsnote von 3,07 – ordentlich, aber nicht überragend für einen Torhüter. Doch man muss die Note auch im Kontext der bescheidenen Regensburger Saison mit Abschlussplatz 15 sehen. Ein vernünftiger Transfer scheint das also zu sein – davon brauchen wir in Zukunft eher mehr als weniger.

Terzic und Özcan bestätigt

Ein Wochenende brauchten die BVB-Verantwortlichen, um die Trainerfrage zu klären. Es habe „intensive Gespräche“ mit Edin Terzic gegeben, so der künftige Sportdirektor Sebastian Kehl. Danach hat der wohl einzige Kandidat zugesagt und wird laut der Vereinswebseite morgen einen Vertrag bis Juni 2025 unterschreiben. Einiges habe ich dazu bereits im vorherigen Beitrag geschrieben. Um es nochmal auf den Punkt zu bringen: Ich mag die schon nicht mehr ganz neue Kurzlebigkeit auf dem Trainerstuhl nicht und glaube, sie schadet einem Verein in der Regel. Deshalb hoffe ich, dass Edin Terzic nun seinen Vertrag erfüllen darf und man mit ihm auch durch ein Tal gehen würde. Was bei einem börsennotierten Bundesligaverein natürlich nicht so einfach ist.

Grundsätzlich freue ich mich, dass Terzic wieder Trainer in Dortmund ist – nur der Zeitpunkt stimmt nicht. Es ist eher unwahrscheinlich, dass Edin mit den schwarz-gelben Jungs über die glatte See in den Sonnenuntergang segeln wird. Außer dem BVB gelingt mal ein perfekter Transfer-Sommer – was Zu- und Abgänge betrifft. Und wann gab es einen solchen zuletzt? Trotzdem: Nur das Beste – play it again, Edin!

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Das Beben vom Rheinlanddamm oder: Der Nächste, bitte!

Da hatte ich gedacht, ich würde nach der Rückkehr aus dem Urlaub ganz in Ruhe zwei erwartete Transfers aufarbeiten. Und dann das: Marco Rose und sein Team verlassen Borussia Dortmund bereits nach einer Saison. Die langfristig angedachte Zusammenarbeit endet wie alle jüngeren schwarz-gelben Trainer-Engagements vorzeitig. Es muss beim BVB mehr Spannung in der Luft gelegen haben als von außen fühlbar war. Sie entlud sich in der sogenannten Saisonanalyse am Donnerstag. Oder, um im Bild der Überschrift zu bleiben: Rose, Watzke, Kehl und Sammer, die tektonischen Platten der Borussia, verschoben sich, rieben sich und dabei knirschte und rumpelte es gewaltig.

Die Entscheidung zur Trennung von Rose muss erst am Donnerstag gefallen sein. Alles andere würde die Kommunikation des BVB noch unglaubwürdiger machen als sie es in dieser Causa ohnehin schon ist. Denn trotz aller berechtigten Kritik am Abschneiden in den Pokalwettbewerben war man sich nach außen hin ja einig, mit Marco Rose in die neue Spielzeit gehen zu wollen. Man verortete die Probleme mehr im Kader und in der Verletzungsproblematik als auf der Trainerbank und wollte gemeinsam daran arbeiten. In die Transfers von Nico Schlotterbeck und Karim Adeyemi war der Trainer noch eingebunden.

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