Dortmund nutzt Überzahl

1. Bundesliga, 26. Spieltag / Hannover 96 2 BVB 3

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Eine nüchterne Überschrift für ein Spiel, das im Stadion durchaus Spaß gemacht hat – doch am Ende war es natürlich ein mühsamer Sieg, bei dem der BVB seine Überzahl zunächst brillant ausnutzte, um am Ende doch noch zittern zu müssen.

Während die Schwarz-Gelben im inzwischen HDI-Arena benannten Stadion stimmlich dank Stimmungsboykott der Gastgeber jederzeit die Oberhand hatten, gelang das auf dem Spielfeld nur streckenweise: Im ersten Viertel des Spiels und nach dem Platzverweis des Ex-Borussen Bittencourt gut 20 Minuten lang. Immerhin gelangen in diesen Phasen drei Tore, darunter das besonders schöne 3:1, das Kagawa mit einem tollen Pass per Außenrist für Aubameyang vorbereitete. Sieht man es positiv, waren im BVB-Spiel wieder jene Elemente zu sehen, die in den letzten Wochen fehlten: flüssig herausgespielte Torgelegenheiten, effektiver Kombinationsfußball.

Hätten Sokratis aus kurzer Distanz nach einer Flanke oder Reus allein vor Zieler den Ball ebenfalls im Tor versenkt, wäre die Partie nach 80 Minuten gelaufen gewesen. Da das nicht gelang, wurden wir mit der Tatsache konfrontiert, dass die Dortmunder Defensive immer noch nicht die Stabilität vergangener Jahre erreicht hat. Dabei waren die beiden Gegentreffer noch insofern verzeihlich, dass sie von 96 wirklich gut gemacht waren: ein gut kombinierter Angriff (nach Ballverlust von Kuba) und ein schöner Schuss von Stindl. In anderen Szenen wirkte das Positionsspiel der BVB-Abwehr noch unsicherer – doch die Gastgeber vergaben oder Roman Weidenfeller und Mats Hummels waren noch zur Stelle.

Was am Ende zählt: Der Borussia gelangen ein Auswärtssieg bei einem spielerisch passablen Gegner und drei Tore. Mit ‘Kuba’ Blaszczykowski (trotz seines Fehlers), dem verbesserten Kagawa und dem Debüt von Jeremy Dudziak als Linksverteidiger überzeugten drei personelle Alternativen. Jetzt ist Pause und dann kommen die nicht unbesiegbaren Bayern.

Die Aufstellung: Weidenfeller – Kirch (58. Dudziak), Subotic, Hummels, Sokratis – Kehl, Gündogan (72. Bender) – Blaszczykowski, Kagawa, Reus (90. Ramos) – Aubameyang. Gelbe Karte: Subotic. Tore: Aubameyang (2), Kagawa

Endstation im falschen Wettbewerb

Champions League, Achtelfinale / BVB 0 Juventus Turin 3

Borussia Dortmund ist raus aus der Champions League. Das ist angesichts des Ergebnisses bitter, aber insgesamt folgerichtig. Wer gedacht hatte, der unerklärliche Spagat zwischen Liga und Europa würde sich bis Berlin fortsetzen, hat wohl zu viel in die Sonne geschaut und die Finsternis nicht kommen sehen. Schaut man zurück auf die souveräne Gruppenphase des BVB, erkennt man, dass die Gegner entweder nicht die Qualität oder nicht den Gameplan für einen Sieg gegen die Schwarz-Gelben hatten. Im Viertelfinale ist nun auch Arsenal nicht vertreten.

Gegen Juventus war die Borussia nicht nur nicht clever, sondern auch nicht stark genug. Natürlich spielte der frühe Rückstand den Gästen im Westfalenstadion extrem in die Karten, doch wer danach so wenig Torgefahr erzeugt, hat das Viertelfinale natürlich nicht verdient. Juve zog im Anschluss eine beeindruckende Raumdeckung in der eigenen Hälfte auf und hatte insgesamt die besseren Chancen. Die Gäste waren effektiv und in entscheidenden Momenten zu spielstark für die Borussia – bei aller berechtigten Kritik an der Härte eines Arturo Vidal.

Man kann darüber diskutieren, ob die auf den ersten Blick konservativ-defensive Lösung mit Sokratis rechts hinten die richtige Entscheidung von Jürgen Klopp war. Man muss den Blick auf die schwachen Darbietungen der Schwarz-Gelben im Aufbauspiel richten. Ilkay Gündogan kam nicht annähernd an sein Potenzial heran. Tevez beim frühen 0:1 frei zum Schuss kommen zu lassen war ein Fehler an anderer Stelle.

Dass die Champions League für den BVB der Saison 2014/15 vorbei ist, braucht uns nicht übermäßig zu ärgern. Dieser Wettbewerb war spätestens nach der Winterpause nicht mehr der unsere. Die Borussia hätte noch etwas Geld verdienen können; gewonnen hätte sie die CL sicher nicht. Das deutliche 0:3 gegen Juve hat erneut gezeigt, dass sich das Triumvirat Klopp/Zorc/Watzke  zur nächsten Saison Gedanken machen muss. Dass wieder erst der 32-jährige Kirch kommen musste, um von hinten über außen Druck zu erzeugen, kann kein Dauerzustand bleiben. Hinter den Rückkehrern Kagawa und Sahin bleiben Fragezeichen stehen. Denn die  mediale Beförderung Nuris zum Schlüsselspieler war möglicherweise etwas verfrüht und Shinjis Hoch ist erst mal vorbei. Auch die Situation im Sturm bleibt unter Beobachtung.

Das Aus gegen Juve ist also schade, aber ok. In der Bundesliga und im Pokal hat der BVB noch Aufgaben zu erledigen, die ihm zuzutrauen sind.

Die Aufstellung: Weidenfeller – Sokratis, Subotic, Hummels, Schmelzer (46. Kirch) – Bender (64. Ramos), Gündogan – Kampl, Mkhitaryan (64. Blaszczykowski), Reus – Aubameyang. Gelbe Karte: Reus

Läuft wieder nicht gegen den HSV

1. Bundesliga, 24. Spieltag / Hamburger SV 0 BVB 0

Schon nach den ersten paar Spielzügen in Hamburg, zu einer Zeit, in der Bayer Leverkusen schon Tore schießt, war zu sehen, dass die gestrige Partie ein gemütlicher Frühlingskick werden könnte. Es wurde letztendlich ein harter Frühlingskrampf. Borussia Dortmund war die überlegene Mannschaft und hätte einen Sieg mehr verdient gehabt als der HSV. Doch Quantität und Qualität der Torgelegenheiten waren dafür am Ende zu gering.

Das volle Programm in den letzten zwei Wochen kann nur ein Grund für das deutlich weniger zwingende Spiel der Schwarz-Gelben gewesen sein. Die Herangehensweise mit weniger flüssigen Kombinationen und mehr langen Bällen hatte mehrere sichtbare Ursachen. Zum einen verdichteten die Gastgeber geschickt die Räume. So harmlos die Hamburger vorne agieren – mit Härte und Disziplin machten sie auch nach Djorous Ausscheiden hinten zu.

Dagegen bekam die Borussia keinen Zugriff im zentralen Mittelfeld. Vor allem in der ersten Halbzeit nahmen Bender und Gündogan kaum am Spielaufbau teil – oder zumindest nicht auf den vorgesehenen Positionen. Weiter vorne konnten sich Kagawa und Mkhitaryan kaum in Szene setzen – die Einwechslung von Kampl für den Japaner zur Halbzeit war folgerichtig. Shinji und Miki können vorhandene Räume brillant nutzen, doch der neue Kevin kann sie möglicherweise besser schaffen. Andererseits muss man sagen: Obwohl die zweite Hälfte von Schwarz-Gelb streckenweise stringenter aussah, blieben echte Chancen Mangelware.

Ein weiteres Problem des BVB: Oliver Kirch konnte von rechts hinten weit weniger nach vorne bewegen als noch im Derby, wirkte zeitweise spielerisch ziemlich unglücklich. Somit fiel auch das Flügelspiel weitgehend weg, da die einzigen Offensivaktionen von Marcel Schmelzer nach wie vor die Freistöße sind, die er unerfindlicherweise immer häufiger treten darf.

Die Härte des HSV war stellenweise jenseits des Vertretbaren. Dass Behrami für seinen Schlag gegen den Hals von Mkhitaryan kein Gelb sah, ist nicht nachzuvollziehen. Später hätte er durch einen Platzverweis und nicht durch seinen Trainer vom Spielfeld gehört. Andererseits wurde an diesem Spieltag ein anderer HSV noch viel mehr verpfiffen als der BVB, denn wirklich spielentscheidende Fehler machte Peter Gagelmann nicht.

Man hätte gestern mit Recht mehr von unserer Borussia erwarten können als zu sehen war. Man hätte Boden gut machen können, auch wenn nicht alle anderen Ergebnisse optimal für Schwarz-Gelb ausfielen. Wenn man dagegen sieht, woher der BVB kommt, dann ist ein Punkt in Hamburg nach vier Siegen in Folge okay. Der Vorsprung auf Platz 16 wird heute Abend mindestens vier Punkte betragen. Zwingend wäre dann eher wieder ein Sieg im Topspiel zu Hause gegen Köln.

Die Aufstellung: Weidenfeller – Kirch, Subotic, Hummels, Schmelzer – Bender, Gündogan – Mkhitaryan (76. Blaszczykowski), Kagawa (46. Kampl), Reus – Aubameyang (76. Immobile). Gelbe Karten: Mkhitaryan, Subotic.

Ciro bestraft Dresden

DFB-Pokal, Achtelfinale / Dynamo Dresden 0 BVB 2

Dynamo Dresden hat im positiven Sinn alle Tugenden gezeigt, die sie auch schon bisher im Pokal auszeichneten: Defensive Kompaktheit, unheimlich viel Kampfgeist und ein enthusiastisches Publikum. Für andere Ruhrpott-Vereine mag das ausreichen, doch der BVB war für die Schwarz-Gelben des Ostens zu stark.

Ja, der BVB tat sich nach der verletzungsbedingten Auswechslung von Marco Reus schwer. Doch die SG Dynamo bekam letztendlich, was sie verdiente. Nachdem Reus nach einem Dresdener Foul vom Platz musste, hätte es nach einem Ellbogencheck gegen Ciro Immobile noch vor der Pause Gelb und Elfmeter für die Borussia geben müssen. Es gab nichts und Ciro musste behandelt werden. Dafür traf er nach der Pause doppelt.

Wem die Leistung der heute Weißen, aber eigentlich Schwarz-Gelben zu wackelig erschien: Der Platz war offensichtlich in bescheidenem Zustand. Der Reviernachbar sah hier bedeutend schlechter aus. Und ohne Batman und Robin hat der Klub einfach noch nicht die nötigen Superkräfte.

Die Auslosung des Pokal-Viertelfinales findet übrigens am Sonntag zu einer zivilisierten Zeit, ab 18 Uhr, in der ARD-Sportschau statt.

Die Aufstellung: Langerak – Kirch, Subotic, Hummels, Schmelzer – Kehl, Gündogan – Blaszczykowski (90.+1 Bender), Kagawa (67. Ramos), Reus (24. Mkhitaryan) – Immobile. Gelbe Karte: Blaszczykowski. Tore: Immobile (2)

Der verdienteste Derbysieg aller Zeiten

1. Bundesliga, 23. Spieltag / BVB 3 FC Schalke 0

Solange ich diesen Verein verfolge, kann ich mich an kein derart einseitiges Derby erinnern. Und gerade deshalb war es 78 Minuten lang nicht nur spannend, sondern auch nervenaufreibend. Denn je überlegener der BVB die Blauen an die Wand spielte, desto größer war die Furcht, dass diese am Ende herrliche Partie durch einen einzigen Blackout ruiniert werden könnte.

Die Chancenverwertung der Schwarz-Gelben war jene 78 Minuten bis zur Führung eigentlich grotesk schwach, doch andererseits war es extrem beeindruckend, wie viele Möglichkeiten sie sich gegen die gelobte Schalker Defensive erspielten. Die Gäste mussten auf Innenverteidiger Joel Matip verzichten, den Roman Neustädter in der Fünferkette nicht adäquat ersetzen konnte. Bis zum 0:3 konnten sie sich beim jungen Torwart Wellenreuther bedanken, dass es nicht 0:6 oder höher stand – dann kam Marco Reus.

Offensiv ging bei den Blauen fast nichts. Nicht mal die drei, vier Dortmunder Fehlpässe in der ersten Hälfte vermochten sie zu nutzen. Rückkehr Huntelaar hing komplett in der Luft – unter anderem, weil Prinz Boateng dahinter ein Komplettausfall war und die beiden 6er Höger und Aogo schon mit der Defensivarbeit überfordert waren. Von der Spielfreude und der Zweikampfstärke des schwarz-gelben Mittelfeldes wurden die Gäste überrollt. Die ganze Ratlosigkeit des S04 zeigte sich auch in der Tatsache, dass es Roberto di Matteo bei einem Wechsel, Barnetta für Boateng, beließ. Weiterlesen

Better call Mitch

Champions League, Achtelfinale / Juventus Turin 2 BVB 1

Borussia Dortmund hat sich mit einer streckenweise guten Leistung im Hinspiel des Champions League-Achtelfinals alle Chancen für die Partie in Dortmund offen gelassen. In der ersten Halbzeit bekamen wir eine Borussia im CL-Modus zu sehen, die sich von Rückschlägen nicht aus dem Konzept bringen ließ und in Turin engagiert mitpielte. Doch letztlich fielen alle Tore unter gnädiger Mithilfe des Gegners: Beim 0:1 hätte Roman Weidenfeller die Turiner Hereingabe womöglich energischer abwehren können. Beim Ausgleich verlor Chiellini den Ball an den aufmerksamen Reus. Und beim 1:2, das seinen Ausgang durch eine höchstens künstlerisch wertvolle Aktion eben jenes Spielers im gegnerischen Strafraum nahm, sahen vor allem Hummels, aber auch Schmelzer bescheiden aus.

Der Borussia fehlten zur europäischen Spitze teilweise nur die Genauigkeit in ihren Aktionen – oder wahlweise die Entscheidung für die nahe liegenderen, weil unkomplizierteren Mittel. Im letzten Drittel des Spiels wirkten die Schwarz-Gelben allerdings ein bisschen platt und waren nach rund 93 Minuten mit dem 1:2 gut bedient.

Insgesamt hätte man sich mehr Aktionen im Sechzehnmeterraum gewünscht. Spätestens nach Piszczeks verletzungsbedingter Auswechslung erlahmte zudem Borussias Flügelspiel und wurde erst durch Landsmann Kuba nach 76 Minuten wiederbelebt. Nicht verschweigen sollte man, dass sich Turins Arturo Vidal nicht über eine Gelb-Rote Karte hätte beschweren brauchen.

Letztendlich war es ein Spiel der Fehler. Für die Partie im Westfalenstadion muss man nicht übermäßig pessimistisch sein, denn es bleibt abzuwarten, wem im März dann mehr unterlaufen. Unter Beobachtung ist ab sofort und nicht zum ersten Mal in dieser Saison Roman Weidenfeller: Neben seinem Patzer beim 0:1 fiel er durch ein, zwei Szenen mit bescheidener Strafraumbeherrschung und sein Zurechtweisen von Matthias Ginter auf. Hätte Mitch Langerak in Turin schlechter ausgesehen?

Die Aufstellung: Weidenfeller – Piszczek (32. Ginter), Hummels, Sokratis (46. Kirch), Schmelzer – Sahin, Gündogan – Aubameyang, Reus, Mkhitaryan – Immobile (76. Blaszczykowski). Tor: Reus

Aufwärtstrend, doch keine Euphorie

1. Bundesliga, 22. Spieltag / VfB Stuttgart 2 BVB 3

DSC_0115 Ausverkauftes Stadion, Freitagabend-Flutlichtspiel, ein Auswärtssieg mit erneut drei erzielten Toren – kann man mehr verlangen? Borussia Dortmund katapultiert sich vorerst auf Platz 10 der Bundesliga, doch die kommenden Aufgaben und einige Unzulänglichkeiten lassen alle auf dem Boden bleiben.

Für den VfB Stuttgart wird es ganz eng, nimmt man die gestrige Leistung zum Maßstab. Selten, eigentlich fast ausschließlich durch Standards wurden die Gastgeber dem BVB-Tor gefährlich – und das obwohl Mats Hummels erneut nicht in der Dortmunder Startelf stand. Die Schwarz-Gelben hatten die Partie weitestgehend unter Kontrolle und hätten sie viel früher entscheiden können. Mit Aubameyang im Sturmzentrum, einem wieder aufblühenden Marco Reus, einem Selbstvertrauen tankenden Shinji Kagawa und den erfreulich konstanten Sahin und Gündogan ist mehr als das Rückgrat einer ansehnlichen Offensive beisammen. Kagawa bereitete zwei Treffer vor; sehenswert vor allem das 2:1, wo er mit der Hacke zu Gündogan weitergab. Den Gegentreffer nach einem von unserer Position aus nicht so deutlichen Elfmeter steckten die Borussen gut weg.

In der zweiten Halbzeit war die Idee wohl zeitweise, ein ruhiges, abwartendes Ballbesitzspiel aufzuziehen, um den VfB zu locken und zu Fehlern zu zwingen. Wiederholt machte etwa Nuri Sahin beruhigende Handbewegungen. Es hätte gegen die ganz schwachen Stuttgarter eine verständliche Taktik sein können, wenn man eigene Ballverluste vermieden und die sich bietenden Chancen genutzt hätte. Lange Zeit geschah das nicht – speziell Henrikh Mkhitaryan, zur Pause für Kampl eingewechselt, tat sich dadurch hervor, in jeder seiner drei auffälligen Szenen die falsche Entscheidung zu treffen. Weiterlesen

Volle Kapelle gegen Stuttgart

Dieser launige Ausdruck von Jürgen Klopp aus der Pressekonferenz vor dem Stuttgart-Spiel bedeutet keineswegs, dass Borussia Dortmund am Freitagabend seinen vollen Kader zur Verfügung hätte. Vielmehr wollte der Trainer zum Ausdruck bringen, dass niemand, der dem BVB körperlich und spielerisch weiterhelfen kann, geschont wird – etwa wegen eines Champions League-Spiels.

Es gibt jedoch eine Reihe von Spielern, die definitiv nicht auflaufen können. Die Grippewelle hat Dortmund immer noch im Griff. Erik Durm und Kuba sind nach wie vor betroffen; Mats Hummels fehlt ebenfalls schon einige Tage und scheint eher kein Thema für Freitag zu sein. Dagegen könnten sich die Optionen im zentralen Mittelfeld dank der möglichen simultanen Rückkehr von Sven Bender und Sebastian Kehl schlagartig erhöhen. Sollten sie topfit sein, könnten sie eine Alternative darstellen – ansonsten gibt es wenig Änderungsbedarf bzw. -möglichkeiten.

Der VfB Stuttgart ist trotz Huub Stevens neuerdings Tabellenschlusslicht, ohne in den letzten Partien katastrophal aufgetreten zu sein. Immerhin ging es auswärts nach Köln und Hoffenheim sowie zu Hause gegen Gladbach und Bayern. Trotzdem fehlt den Schwaben die spielerische Rafinesse, die der BVB zuletzt hier und da wieder gezeigt hat. In dieser Hinsicht ist jedoch der Winter-Neuzugang fürs Mittelfeld Serey Dié zu beachten, der vom FC Basel kam. Dagegen müssen die Gastgeber am Freitag auf Kapitän Christian Gentner verzichten, der gesperrt ist und auch noch Vater wird.

Jürgen Klopp erwartet morgen einen aggressiven VfB auf einem schlechten Platz. Für die Borussia muss beides kein Nachteil sein. Aggressivität kann sich auch in Fehlern äußern, gerade bei schwierigem Untergrund. Die Schwarz-Gelben haben dagegen bereits in Freiburg bewiesen, dass sie mit solchen Voraussetzungen zurechtkommen können. Dagegen steht für die Stuttgarter bisher ein einziges Rückserien-Tor zu Buche.

So scheinen die Chancen für den sage und schreibe dritten BVB-Sieg in Folge nicht so schlecht zu stehen, auch wenn es gegen den VfB wirklich nicht immer rund lief. Vorbedingung: Ähnliche Aufmerksamkeit wie zuletzt, gepaart mit Selbstbewusstsein.

Borussia zurück im Torzirkus

1. Bundesliga, 21. Spieltag / BVB 4 FSV Mainz 05 2

Die Bundesliga erlebt an diesem Wochenende einen ihrer spektakuläreren Spieltage: mit vielen, schönen und späten Toren. Und das Schönste: Borussia Dortmund mischt kräftig mit. Schon am Freitagabend trafen die Schwarz-Gelben viermal und drehten erstmals in dieser Saison ein Spiel. Dabei erinnerte der Beginn fatal an die tragikomisch vergeigten Auftritte in der Hinserie: Schwaches Abwehrverhalten von Neven Subotic im Strafraum veranlasste Roman Weidenfeller zu einer Faustabwehr weit vor seinem Tor, so dass ihn anschließend Soto mit einem feinen Heber überwinden konnte. Zwar traf Neven später per Kopf zum Ausgleich, machte aber ansonsten ein deutlich schwächeres Spiel als in der zweiten Hälfte in Freiburg.

Eindeutig positiv zu bewerten war die Reaktion der Schwarz-Gelben auf den frühen Rückstand und die allgemeine Leistung der Offensive. Da wächst möglicherweise etwas zusammen, was genau so zusammengehört: Aubameyang, dahinter Reus, Kampl und einer aus dem Trio Kagawa, Kuba und Miki – daran könnten wir für den Rest der Saison noch viel Freude haben. Der BVB kreiert endlich wieder genügend Chancen, schoss 21-mal Richtung Mainzer Tor. Den Gästen gebührt durchaus Lob für ihre disziplinierte erste Hälfte, in der sie sogar noch einen Handelfmeter hätten bekommen können. Doch Jürgen Klopp muss in der Pause die richtigen Worte gefunden haben: Nach 55 Minuten führte die Borussia. Nevens Ausgleich folgte das 2:1 durch den Helden der Woche, Marco Reus.

Kurz darauf stand es 2:2. Roman Weidenfeller kam schlecht getimet aus dem Kasten und gab Malli die Gelegenheit, auszugleichen. Zwei Rückschläge in einem Spiel hätte dieses Team vor Freiburg vielleicht noch nicht verkraftet, doch man merkte, dass das Selbstbewusstsein wieder zurück ist. Zwar schlugen die Schwarz-Gelben nicht postwendend zurück, aber dafür war das 3:2 in der 71. Minute umso schöner. Marco Reus legte von links herrlich mit dem Außenrist für Aubameyang vor und der spitzelte den Ball gekonnt ins Tor. So macht die Borussia wieder Spaß – egal ob sie auf Platz 16 oder 6 steht. Weiterlesen

Kein Karneval vor Rosenmontag

Borussia Dortmund steht trotz Feierlaune unter den eigenen Fans nach der Reus-Verlängerung zunächst vor der Aufgabe, am Freitagabend den Gästen aus Mainz ein fröhliches Karnevalswochenende zu vermiesen. Nach wie vor gehört der Klub aus der Landeshauptstadt zu den sympathischsten der Liga und leistet erstaunlich gute Arbeit. Doch nach dem Abschied von Thomas Tuchel läuft es in dieser Saison noch nicht reibungslos. Europa League- und Pokal-Aus, schwankende Leistungen in der Liga – wohin die Reise mit dem neuen Trainer Kaspar Hjulmand geht, bleibt abzuwarten.

Der Däne hat viel ausprobiert. Jürgen Klopps Aussage in der heutigen Pressekonferenz, dass er nicht wisse, welche Formation er von Mainz zu erwarten habe, klingt plausibel. Bei der Heimniederlage gegen die Hertha handelte es sich um ein 4-2-3-1, das dem der Borussia ähnelte. Eine Änderung am Freitag dürfte dennoch nicht unwahrscheinlich sein.

Neben dem Spanier Jairo, der vom aus Gelsenkirchen ausgeliehenen Christian Clemens ersetzt werden dürfte, stehen den Mainzern auch Moritz und Nedelev nicht zur Verfügung. Am gravierendsten dürfte die Gäste jedoch der Ausfall des jungen Torwart-Shooting-Stars Loris Karius treffen, der gesperrt ist. Für ihn kommt zum ersten Mal von Beginn an die griechische Nummer 2 im Kasten, Stefanos Kapino, zum Einsatz. Außerdem könnten die Schwarz-Gelben dem aus eigenem Haus verliehenen Jonas Hofmann gegenüberstehen.

Jürgen Klopp hat das Hinspiel in der Coface-Arena als den eigentlichen Beginn der Dortmunder Talfahrt ausgemacht – damals gab es eine dumme 0:2-Niederlage nach dem Gala-Auftritt gegen Arsenal. Vor der Chance zur Wiedergutmachung hat sich die schwarz-gelbe Stimmung aufgehellt. Personell stehen dem Trainer offensiv jede Menge Alternativen zur Verfügung; nur Kuba könnte mit einer Nasennebenhöhlenentzündung ausfallen. Kevin Großkreutz, zuletzt defensiv eingesetzt, fehlt ebenfalls. Dazu gesellen sich mit dem kranken Durm sowie Kehl und Bender, die noch nicht im Mannschaftstraining sind, weitere Defensivspieler. Es dürften also erneut Schmelzer und Piszczek außen sowie Sahin und Gündogan im zentralen Mittelfeld beginnen.

Kann die Borussia das Ausmaß an Selbstbewusstsein und Freude am Spiel aus Freiburg bewahren, wäre Mainz 05 ein Gegner, der uns derzeit liegen könnte. Mit einem Sieg mit drei Toren Differenz würde der BVB an den Gästen vorbeiziehen; mit jedem Sieg würde eine tolle schwarz-gelbe Woche gekrönt und gegenüber der Konkurrenz im Abstiegskampf ordentlich vorgelegt. Weniger sollte es aber auch nicht sein.