Die Dilemmas des BVB

Kann doch nicht so schlimm sein, oder? Wollen wir wirklich von Problemen reden, nachdem Borussia Dortmund Testspiele gegen PSV Eindhoven und Standard Lüttich mit 4:1 respektive 3:0 gewonnen hat? Noch dazu ohne Pierre-Emerick Aubameyang. Womit wir beim ersten Thema wären, dass den BVB medial im neuen Jahr begleitet. Die beiden Partien während des Trainingslagers in Spanien waren natürlich NUR Vorbereitungsspiele und Auba wird auch zum Rückserienauftakt noch fehlen. Schließlich spielt er mit Gabun den Afrika-Cup.

Man muss die Winterloch-Spekulationen über Mega-Angebote aus China nicht ernst nehmen. Wichtiger ist die Frage: Wie stellt sich die Borussia im Sturm auf, wenn Aubameyang nicht da oder gar verletzt ist? Dass mir jetzt niemand von Götze als falscher 9 anfängt. Standardmäßiger Ersatz für unsere Nummer 17 ist Adrian Ramos. Doch genau diese Rolle behagt dem Kolumbianer nicht mehr und man kann das ein Stück weit nachvollziehen. Die China-Gerüchte um ihn scheinen deutlich plausibler zu sein.

So könnte es also sein, dass die Schwarz-Gelben Ende des Monats vorübergehend ohne zwei Stürmer da stehen. Das wäre kein Weltuntergang, denn natürlich kann Ousmane Dembélé Mittelstürmer spielen und auch Marco Reus ist torgefährlich. Bleibt zu hoffen, dass beide sich schnell von ihren Wehwehchen erholen. Trotzdem müsste Ramos perspektivisch ersetzt werden – ob noch im Januar oder im Sommer. Der Idealfall wäre eine Perspektivlösung, die Erfolg innerhalb eines Jahres verspricht, ohne sofort einschlagen zu müssen. Also mal wieder der Spieler kurz vor dem großen Sprung, den alle Vereine der 1B-Kategorie suchen. Schön wäre es, zumindest gelegentlich wieder mal einen Angreifer aus dem eigenen Nachwuchs zu sehen.

Erst heute ist ein Thema wieder aufgepoppt, das noch kontroverser diskutiert werden dürfte. Ömer Toprak hat im Trainingslager von Bayer Leverkusen bestätigt, dass er den Verein am Saisonende verlassen möchte. In seinem Vertrag gibt es eine Ausstiegsklausel über 12 Millionen Euro. Der Kicker will wissen, dass der 27-jährige Innenverteidiger nach Dortmund kommt. Hans-Joachim Watzke hat das letzten Sommer ausdrücklich nicht ausgeschlossen. Doch aktuell gibt es dazu keine Äußerungen vom Verein oder vom Spieler.

Sicher ist der Wechsel aber nicht so unwahrscheinlich, dass er nicht zu diskutieren wäre. Er hätte mehr als einen Hauch von Halbherzigkeit an sich. Will man Bartra als Hummels-Nachfolger aufbauen, Bender als tollen Typen weiter in der Mannschaft haben und Ginter nicht verlieren, macht der Toprak-Transfer wenig Sinn. Nur wer knallhart sagt, dass diese drei nicht mit dem türkischen Nationalspieler mithalten können – eine gewagte Behauptung – vertritt eine nachvollziehbare Linie.

Bleibende Eindrücke

2016 hat es einem nicht leicht gemacht. Der globale Gesamteindruck, der bleibt, sorgt nicht gerade für Zuversicht. Weitaus positiver fällt da der Rückblick auf den Lieblingsverein aus – bei allem Gesprächsstoff und Anlässen für Kritik, die es in der ersten Saisonhälfte 2016/17 gab. Man sollte ja nie vergessen wo man herkommt.

Auf den ersten Blick kann die Zwischenbilanz nicht ganz zufriedenstellen. Platz 6, deutlicher Rückstand auf gleich zwei Vereine, die Champions League mit Bravour gemeistert, dafür national nicht genügend Konstanz gezeigt. Doch erinnern wir uns daran, dass viele, die sich bei Borussia Dortmund auskennen, genau davor gewarnt haben. Es ist trotz allem Geld schwer, drei Schlüsselspieler gleichzeitig zu ersetzen.

Fragen nach der Transferpolitik sind trotzdem erlaubt, wenn man noch keine abschließenden Antworten erwartet. Reden wir also vom Bisher! Ousmane Dembele hat sich als einziger echter Volltreffer erwiesen – aber was für einer. Junge Neuzugänge wie Bartra und Mor haben vollkommen verständlicherweise Licht und Schatten dabei gehabt. Emre hat gute Ansätze gezeigt, war manchmal zu ungestüm oder eigensinnig. Der Unterschied zu Bartra: Er war noch nicht als Stammkraft eingeplant. Auch bei Marc sieht man das Potenzial, aber seine Fehler wiegen schwerer.

Am meisten hat man natürlich von den gestandenen Spielern Schürrle, Götze und Rode erwartet. Über den weniger prominenten Zugang vom FCB fällt das Urteil schwer, von einem Stammplatz ist er jedenfalls weit entfernt. Die teuersten Einkäufe waren bisher keine entscheidende Verstärkung. Während Mario immerhin die Fans wieder weitgehend hinter sich gebracht hat, wird der  Schürrle-Transfer am intensivsten diskutiert werden. Sicher, Andre hatte Verletzungspech. Aber geht man von der bisher unbewiesenen Prämisse aus, dass er vor allem ein Tuchel-Transfer war, ist der Trainer hier angreifbarer als bei den Themen Rotation oder Schiedsrichter-Kritik, die letztlich Eintagsfliegen waren.

Wenn man derzeit Jürgen Klopp mit Liverpool Erfolge feiern sieht, ist da ein klein wenig Wehmut. Aber Thomas Tuchel macht einen guten Job und mMn auch keine schlechte Figur. Taktisch könnte man allenfalls über die Dreierkette diskutieren, die der ohnehin noch nicht stabilen Abwehr keine Sicherheit verleiht. Hier bleibt zu hoffen, dass in der restlichen Winterpause noch fleißig geübt wird. Dann gibt es auch keinen Bedarf an Verstärkungen.

Ein gutes neues Jahr euch allen!

Der lange Prozess des Wiederaufstehens

Boxing Day 2016. Gut 16.000 Zuschauer verfolgen im Macron Stadium den 2:1-Heimsieg der Bolton Wanderers über Shrewsbury Town bei windigem Wetter und einstelligen Temperaturen. Der 29-jährige Innenverteidiger David Wheater reagiert in der ersten Hälfte nach zwei Standards am schnellsten und sorgt für drei Punkte. Die Spielstätte der Wanderers ist mehr als halb voll und die Besucherzahl an diesem beliebten Spieltag die dritthöchste der Liga.

Dennoch: Shrewsbury hat bei allem Respekt nicht den gleichen Glamour-Faktor wie der FC Bayern, den die „Trotters“ noch 2007 im Europapokal mächtig ärgerten – Stichwort: Fußball ist keine Mathematik. Als Any Given Weekend vor genau zwei Jahren zum letzten Mal über Bolton berichtete, war der Verein bereits in die zweite Liga abgestiegen und steckte bis zum Hals in Schulden. Doch immerhin gab es in Eddie Davies einen scheinbar geduldigen Besitzer, der viele Millionen investiert hatte und selber Fan war. Damals war nicht abzusehen, wie viel schlimmer es noch kommen konnte.

Inzwischen spielt Bolton drittklassig in der League One. Doch für die größten Negativschlagzeilen sorgte das Geschehen abseits des Platzes. Die finanzielle Situation spitzte sich so zu, dass sowohl die Steuerbehörden als auch die Football League tätig wurden. Wegen Verstößen gegen das Finanical Fair Play – es ging um nicht eingereichte Unterlagen – wurden die Trotters mit einem Transferembargo belegt, das ihnen verbietet, Transfer- oder Leihgebühren zu bezahlen. Sie dürfen allerdings Spieler kostenlos verpflichten und natürlich Gehälter zahlen. Noch dramatischer waren die Steuerschulden: Wäre es nicht zu einer Reduzierung der Verbindlichkeiten gekommen, hätte Bolton in die Insolvenz gehen müssen. Besitzer Davies suchte inzwischen nach einem Käufer für den Klub.Weiterlesen »

Es ist doch nur Fußball, aber trotzdem

1. Bundesliga, 16. Spieltag / BVB 1 FC Augsburg 1

Wieder gerät die Borussia in Rückstand, wieder muss sie sich in ein Spiel zurückkämpfen. Dank defensiver wie offensiver Unzulänglichkeiten reicht es ein Tag nach dem Vereinsgeburtstag nur zu einem Unentschieden gegen Augsburg.

Drei Gedanken zum Spiel

Was ist falsch an der guten alten Viererkette? Die Idee der von Thomas Tuchel zuletzt häufig aufgebotenen Dreierkette ist klar: Im Mittelfeld soll gerade gegen tief stehende Gegner ein Übergewicht geschaffen werden. Doch was nutzt es wenn man immer in Rückstand gerät? Gerade in einer nicht eingespielten Abwehr ist es hilfreich, die Außenverteidiger immer an seiner Seite zu haben. Ohne Sokratis ist die Dreierkette ein Experiment am offenen Herzen.

Die Sache mit dem Schiedsrichter. Eine zweischneidige Geschichte. Einerseits wurde der BVB in den letzten beiden Partien eindeutig benachteiligt. Gestern hätte Guido Winkmann zwei Elfmeter für Schwarz-Gelb geben können, einen davon müssen. Doch vielleicht hat die exzessive Debatte, die von den Medien an den Verein herangetragen und dort aufgegriffen wurde, geschadet. Wenn man an so etwas wie unterbewussten Trotz bei den Unparteiischen glaubt. Nicht hilfreich waren gestern auch die unbegründeten Proteste von Schmelle und Mario Götze vor dem Gegentreffer, mitten im Augsburger Angriff. Ob sie das Tor begünstigt haben, ist noch mal eine andere Frage.

Performer, Teilzeit-Performer und Nicht-Performer. Die Borussia spielt derzeit zu selten geschlossen auf höchstem Niveau. Greifen wir mal ein paar Akteure raus: Mario Götze lässt zu selten seine frühere Spritzigkeit aufblitzen. Shinji Kagawa war gestern am Tor beteiligt, aber sonst an nicht viel. Selbst Ousmane Dembélé blühte erst in der zweiten Hälfte aus. Und Schürrle entwickelt sich langsam zu einem Unglücksvogel, wie es Jürgen Klopp vielleicht ausdrücken würde. Nach seinem Tor im Heimspiel gegen Madrid gelingt ihm kaum noch was. Auch kein Schuss aufs Tor aus aussichtsreichster Position.

Nun ist Weihnachten. Vorher könnte einer der beiden Spitzenklubs auf zwölf Punkte davonziehen. Die Meisterschaft ist passé. Die Hoffnung: keine Verletzten in der Winterpause. Und immerhin gab es doch ein Weihnachtsgeschenk: Julian Weigl hat bis 2021 verlängert.

Nichts Neues in Sinsheim – aber spannend war’s

1. Bundesliga, 15. Spieltag / TSG Hoffenheim 2 BVB 2

Der BVB kommt nach teils selbst-, teils fremdverschuldeten Nackenschlägen zweimal zurück, spielt dabei 50 Minuten in Unterzahl. Die nötige Energieleistung führt dazu, dass die Gastgeber in Hälfte 2 mehr Ballbesitz haben. Kurz vor Schluss vergibt die TSG die Chance zum Sieg, der aber nicht gerecht gewesen wäre.

Drei Gedanken zum Spiel

We were robbed. Man muss den 27-jährigen Schiedsrichter Benjamin Brand nicht gleich in eine Reihe mit Hartmut Strampe, Michael Weiner und Wolfgang Stark stellen. Doch in der Partie gegen die gewohnt unsauberen Hoffenheimer hat er die Borussia zweimal massiv benachteiligt. Vor dem 1:2 schubste Sandro Wagner Rückkehrer Sven Bender im entscheidenden Moment weg. Sonst wäre vermutlich ‚Manni‘ zum Kopfball gekommen – oder zumindest Wagner nicht so frei. Es war natürlich nur ein Allerweltsfoul im Strafraum – aber eines, das Stürmern immer abgepfiffen wird.

Noch eklatanter die zweite Fehlentscheidung: Von anderen fragwürdigen Zweikampfbewertungen fangen wir nicht an, aber diese hätte genau andersherum ausfallen müssen. Marco Reus ging, schon mit Gelb belastet, als defensiver Akteur in ein Laufduell mit Nadiem Amiri. Wie Fernsehbilder beweisen, zieht Amiri Reus am Trikot. Dadurch kommt Marco nach mehreren Sekunden aus dem Tritt und am Ende Amiri zu Fall. Ursache und Wirkung sind zumindest im Fernsehen unstrittig zu erkennen – doch weder Schiri Brand noch sein nicht weit entfernter Assistent sehen die Szene so. Es war auch ‚geschickt‘ gemacht vom Hoffenheimer, der von unten zieht, was womöglich schwieriger zu sehen war. Selbstredend gibt Amiri das Foul nicht zu.

Would the Real Roman please stand up! Im Bernabeu war er sensationell, doch in der Bundesliga zeigt sich, warum Roman Weidenfeller nicht mehr regelmäßig im BVB-Tor steht. Dass das nur fehlende Spielpraxis ist, glaube ich nicht. Natürlich, vor dem 0:1 hebt ein noch von einem Zusammenprall angeschlagener Matthias Ginter das Abseits auf und vor dem 1:2 ereignet sich besagtes Foul von Sandro Wagner. Doch zur Wahrheit gehört auch, dass Weidenfeller beim ersten Gegentreffer zwischen dem Tor und dem heraneilenden Uth strandet und beim zweiten den Ball fast schon durch die Hände rutschen lässt. Bei allen Verdiensten hat mMn eine Vertragsverlängerung mit Roman keine Priorität. Inzwischen scheint er große Gegner oder große Momente wie ein Elfmeterschießen für Höchstleistungen zu brauchen.

Punktgewinn dank Batman and Fantomous: Schön zu sehen, dass Superstars oder Bald-Superstars wie Pierre-Emerick Aubameyang und Ousmane Dembélé keine Champions League für starke Auftritte brauchen. Auch sie haben schwächere Partien, doch die gestern gehörte nicht dazu. Wann hatten wir seit Tomas Rosicky einen derart dribbelstarken Spieler wie Ousmane? Es waren ja nicht nur die tollen Vorarbeiten für Mario Götzes erstes Liga-Saisontor und Aubas 16., womit Letzterer nun vier Treffer vor Modeste liegt. Für die Hoffenheimer Abwehrreihen war Ousmane phasenweise ein Phantom. Ich bekenne: Dembélé ist noch besser als ich es mir vorgestellt habe. Und natürlich war auch Aubas Heber toll gemacht.

Leider ist nun fraglich, ob wir das Duo beim letzten Spiel vor Weihnachten, am Dienstag gegen Augsburg, noch mal gemeinsam sehen werden. Schließlich wurde ‚Ous‘ nach mehreren Wirkungstreffern verletzt ausgewechselt. Trotzdem ist ein Heimsieg gegen Augsburg, die gerade Dirk Schuster entlassen haben, natürlich Pflicht, um nach oben nicht wieder abreißen zu lassen.

Die Aufstellung: Weidenfeller – Ginter, Bender, Bartra – Pulisic (83. Ramos), Weigl, Götze, Schmelzer – Dembélé (69. Mor), Reus – Aubameyang (90. +2 Aubameyang). Gelbe Karte: Bartra. Gelb-Rote Karte: Reus. Tore: Götze, Aubameyang

Dortmund verpasst Chance beim Spiel der raren Chancen

1. Bundesliga, 14. Spieltag / 1. FC Köln 1 BVB 1

Wie in Madrid, so in Köln: Marco Reus rettet der Borussia in den letzten Spielminuten ein Unentschieden. Trotzdem fühlt es sich natürlich ganz anders an. Die Schwarz-Gelben haben lange Zeit höchstens das Niveau aus dem Frankfurt-Spiel, doch der Effzeh verwertet seine wenigen Chancen eben nicht und macht doch noch einen entscheidenden Fehler.

Drei Gedanken zum Spiel

Kann man das schon Auswärtsschwäche nennen? In dieser Saison hat die Borussia in der Liga auf fremden Plätzen acht Punkte aus sieben Partien geholt. Das ist zwar immerhin Platz 6 in der Auswärtstabelle, aber eindeutig der Grund, dass man insgesamt nicht besser dasteht. Oft müssen die Schwarz-Gelben auch auswärts das Spiel machen, während sich der Gegner zurückzieht und aggressiv drauf geht. Im fremden Stadion fehlen dann leider häufig die sich gegenseitig bedingenden Eigenschaften mentale Klarheit und technische Präzision. Ob das etwas mit dem erneuten Erfolgserlebnis in der Champions League zu tun hatte, ist spekulativ.

Die alte Sport-Weisheit „Defence wins championships“ bekam heute wieder mal Nahrung. Natürlich gewinnt und verliert man mit elf Mann, aber was waren die spielentscheidenden Momente? Beim Freistoß zum Kölner 1:0 wurde Rudnevs schlicht nicht richtig gedeckt, wofür in erster Linie Erik Durm verantwortlich war. Auffallend war auch die Dortmunder Harmlosigkeit bei Standardsituationen. Die ist aber zu einem guten Teil durch das starke Kopfballspiel der Gastgeber zu erklären. Weswegen die vom BVB von Zeit zu Zeit eingestreuten hohen Bälle ebenfalls wirkungslos blieben und offensichtlich das falsche Rezept waren. Einmal klärte jedoch ungestraft eine Kölner Hand. Als die Uhr Richtung 90 Minuten tickte, ließen sich dann zwei Kölner an der Außenlinie von Dembélé düpieren; über Ramos kam der Ball zu Reus – 1:1.

Überhaupt: Marco Reus. Wie entscheidend ist der schon wieder für das Dortmunder Spiel? Auch wenn er heute nicht überragend spielte, war er wie schon im Madrid zur richtigen Zeit am richtigen Ort. In den Partien seit seiner Rückkehr war er die Konstante in einer eher wechselhaften Offensive. Außerdem ist Marco der Spieler, der am besten alle Positionen im offensiven Mittelfeld ausfüllen kann. Wie schön, dass sich der Dortmunder noch mal für Dortmund entschieden hat und keine Anstalten macht, Abwanderungsgedanken zu entwickeln.

Zwar ist nach diesem Spieltag der Abstand zu Platz 3 weiterhin gering, doch natürlich haben die Schwarz-Gelben eine Chance vertan, weiter nach ganz oben aufzuschließen. Mit dem Ergebnis bei in dieser Saison starken Kölnern könnte man prinzipiell leben, wären die Gastgeber nicht so ersatzgeschwächt und die eigene Leistung nicht so dürftig gewesen. Bleibt als einziges Highlight das erneute späte Tor. Auftrag: Es in Sinsheim mit Flutlicht-Atmosphäre besser machen.

Die Aufstellung: Weidenfeller – Piszczek (27. Bartra), Sokratis (75. Ramos), Ginter – Durm, Schmelzer – Weigl, Castro (53. Rode) – Dembélé, Reus – Aubameyang. Gelbe Karten: Schmelzer, Dembélé, Sokratis. Tor: Reus

15 Jahre zweite Liga und kein Ende in Sicht

Das Schlimmste wird Ipswich Town nicht passieren. Ein Abstieg des traditionsreichen Zweitligisten dürfte zu vermeiden sein, auch wenn er sich nur noch haarscharf über dem unteren Tabellendrittel bewegt. Es ist das ewig Gleiche, das die Fans zermürbt: Ipswich spielt im 15. Jahr in der Championship, länger als es deren heutigen Namen gibt. Die Erfolge der Vergangenheit machen das schwer akzeptabel für die, die sich erinnern können. 1978 gewann der Klub den FA Cup und 1981 sogar den UEFA-Pokal. In der Saison nach dem Abstieg 2002 war Town noch mal europäisch dabei.

Heute hat der Verein mit dem wohl lustigsten Spitznamen im englischen Profifußball wenig Spaß. Die „Tractor Boys“ (eine erst von gegnerischen Fans benutzte und dann adaptierte Anspielung auf die Lage Ipswichs in der ländlich geprägten Grafschaft Suffolk) haben noch keine zwei aufeinanderfolgenden Spiele gewonnen. Einem überraschend deutlichen und positiven 3:0 gegen die Queens Park Rangers folgte am Samstag ein ernüchterndes 0:2 bei Bristol City, zuletzt auf Abwärtskurs in der Tabelle. Ein Elfmeter und ein Sonntagsschuss – da war er wieder, der Yo-Yo-Effekt.

Die Konstanz fehlt den Tractor Boys – und den Fans langsam die Geduld. Ipswich hatte noch nie die enthusiastischsten Anhänger. Es sind aber vor allem die langen Jahre in der zweiten Liga, die ihren Tribut fordern. Die Zuschauerzahlen daheim an der Portman Road sinken ebenso wie die Anzahl der Auswärtsfahrer. Hinzu kommt: Mit jedem Rückschlag und jedem torlosen Spiel macht sich der jetzige Trainer Mick McCarthy unbeliebter. Die Fans werfen ihm negative Taktik und defensive Aufstellungen vor. Es hilft nicht, dass er in seinen gut vier Jahren in Ipswich keinen dauerhaften Fortschritt gebracht hat.Weiterlesen »

Borussia-Serien halten, Schwarz-Gelb darf feiern

1. Bundesliga, 13. Spieltag / BVB 4 Mönchengladbach 1

Nach frühem Schock schlägt diesmal die schwarz-gelbe Borussia blitzschnell zu und dreht das Borussen-Duell in beeindruckender Weise. Nur um die Halbzeitpause herum können die Gäste die Partie einigermaßen ausgeglichen gestalten, kommen jedoch nur zu wenigen Torszenen. Dann schlägt die brillante BVB-Offensive erneut zu und schon wirkt die „Tuchel-Wutrede“ so novembrig. Der Trainer bleibt in der Liga zu Hause ungeschlagen und der VfL wartet weiter auf einen Sieg.

Drei Gedanken zum Spiel

Heute hat Thomas Tuchel gezeigt, wie man richtig rotiert. Ich meine, hallo, Reus und Dembélé – wie geil war das denn? Unglaublich, in welcher Form sich Marco bereits wieder befindet, da sieht man auch von einem kritischen Fehlpass ab. Mit einem perfekten Hackentrick bereitet er Aubas zweiten Treffer vor. Und Ousmane? Jeden Cent wert und mehr als das. Wenn er uns eine Weile erhalten bleibt, werden wir noch viel Spaß haben. Marc Bartra kehrte in die Abwehr zurück und gab eine Art Kopfballvorlage zum 0:1. Dafür verlängerte er aber auch die Ecke zum 2:1 und zeigte, dass er an guten Tagen den Hummels schon ganz gut kann. Rotation ist also dann eine feine Sache, wenn sie auf Schwachstellen reagiert und den richtigen Spielern verdiente Pausen einräumt.

Ebenfalls in die Mannschaft kam Nuri Sahin, den manche auch in Frankfurt erwarteten, nachdem er im Rekordmatch gegen Legia Warschau überzeugend mitgewirkt hatte. Nun kam also seine nächste Chance und Nuri musste nach 36 Minuten verletzt raus. Bitter für ihn nach langer Warte- und Leidenszeit. Ich habe zwar vermutet, dass es leistungsmäßig für ihn in dieser Saison schwer werden würde, aber so ein Pech kann einem nur leid tun. Allzu schlimm sah es allerdings nicht aus, in der zweiten Hälfte sah man ihn wieder auf der Bank mit Marco Reus plaudern.

Wenn sich diese Mannschaft eingespielt und Thomas Tuchel ihre Fähigkeiten komplett ausgelotet hat, wird die schwarz-gelbe Kaderdichte noch eine wichtige Errungenschaft sein. Der Trainer hat selbst gesagt, dass er noch nicht das perfekte System oder die perfekten Systeme für alle Spieler gefunden hat. Der Trainer wird daran aber akribisch weiterarbeiten. Und wenn man einen Christian Pulisic oder Rohdiamant Emre Mor bringen kann, ist das einfach ein gutes Gefühl. Vor allem ersterer begeisterte in rund zwölf Einsatzminuten wieder so richtig. Ob man das bald auch wieder über die Freunde Götze und Schürrle sagen kann? Da lassen wir uns mal überraschen.

Nun darf das Spiel im Estadio Bernabeu kommen und zuvor Schalke noch einmal gewinnen. Alles wieder im Lot bei der schwarz-gelben Borussia – was man von der anderen nicht sagen kann. Denn zu den tollen Spielzügen der einen gehörten auch Akteure der anderen, die sich mehr als einmal zu leicht ausspielen ließen.

Die Aufstellung: Weidenfeller – Ginter, Sokratis, Bartra – Piszczek, Castro, Sahin (36. Weigl), Schmelzer – Dembélé (89. Mor), Reus (78. Pulisic) – Aubameyang. Gelbe Karte: Piszczek. Tore: Aubameyang (2), Piszczek, Dembélé

Der DFL gelingt die Quadratur des Kreises

Der Verteilschlüssel für die Fernsehgelder aus dem neuen Milliardenvertrag der Deutschen Fußball-Liga ist kompliziert. Es gibt verschiedene Töpfe, es geht dabei um Begriffe wie „Wettbewerbszonen“ und nach der Präsentation letzte Woche wusste noch niemand genau, welcher Verein künftig wie viel abbekommen wird. Allein dieser Fakt ist schon positiv, deutet er doch darauf hin, dass sich keine Interessengruppe eindeutig durchsetzen konnte. Eine verständliche Übersicht zu den wichtigsten Kriterien der Aufteilung liefert FAZ.net.

Durch das Befüllen neuer Töpfe konnten neue Kriterien geschaffen werden, die – und das ist das wirklich Bemerkenswerte – allesamt sportlich fair und nachvollziehbar erscheinen. Auch künftig ist die sportliche Leistung der letzten fünf Jahre der mit Abstand wichtigste Maßstab. Belohnt werden aber auch die Bundesligaergebnisse der letzten 20 Jahre – eine Art Fallschirm für Traditionsvereine also. Weitere Gelder werden zu gleichen Teilen an die Vereine einer Tabellenregion (oder eben „Wettbewerbszone“) ausgeschüttet, wobei erste und zweite Liga hier zusammen zu betrachten sind. Außerdem hat die DFL auch noch daran gedacht, den Einsatz von im eigenen Verband ausgebildeten U23-Spielern zu belohnen – immerhin 2 Prozent der nationalen Gesamtsumme werden nach Einsatzminuten für den eigenen Nachwuchs vergeben.

Das Wichtigste: Es bleibt sportlich. Sachfremde, unpraktikable und unfaire Kriterien, wie sie dem Team Marktwert um Werder Bremen, Eintracht Frankfurt, Hamburger SV, Hertha BSC, 1. FC Köln und dem VfB Stuttgart vorschwebten, wurden als Schaumschlägerei entlarvt. So sind die TV-Quoten der Einzelspiele bei Sky aufgrund der Ansetzungen schlicht nicht vergleichbar: ein Spiel am Freitagabend ohne Konkurrenz gegenüber fünf gleichzeitigen Begegnungen am Samstagnachmittag. Fanzahlen bei Auswärtsspielen sowie in den sozialen Medien sind wiederum manipulierbar. Die Größe von Vereinen oder deren Einzugsgebiet zu belohnen wäre einfach nur schreiend ungerecht.

Man hätte es einer kommerziell orientierten Organisation wie der DFL vorher nicht zugetraut, dass am Ende eine Regelung herauskommt, die so weit wie möglich die Interessen aller, auch der Kleinen wahrt. Der Preis sind schwierige Berechnungen. Die nehme ich gerne in Kauf – vor allem, da vorher das Schlimmste zu befürchten war.

Schwarz-gelbe Pfeifenallergie

1. Bundesliga, 12. Spieltag / Eintracht Frankfurt 2 BVB 1

Mit Wolfgang Starks Pfeife hatte die schwarz-gelbe Borussia schon häufiger Probleme. Vielleicht pfeift der bayerische Schiedsrichter einfach zu schrill und den unseren klingeln die Ohren. Besonders der Anpfiff scheint gefährlich: Stark bläst zur zweiten Halbzeit, wenig später steht es 0:1. Eine gute Minute nach dem Ausgleich fällt das 1:2. Das ist die humorvolle Sichtweise, die aus gutem Grund etwas gezwungen erscheinen mag. Ganz ernsthaft deshalb die drei Gedanken zum Spiel in Frankfurt.

Defizite auch bei der Einstellung. Thomas Tuchel nannte die Vorstellung „ein einziges Defizit“ und bezog dabei auch gleich die Trainingswoche seit Mittwoch mit ein. Damit meint er auch die Einstellung. Man kann sich ja gegen diese Eintracht wirklich schwer tun. Was Niko Kovac seit den Relegationsspielen dort geleistet hat, ist enorm. Aber zweimal so schnell in Rückstand zu geraten, ist fahrlässig. Schaut man sich die beiden Spielzüge vor den Toren der SGE an, sieht man verlorene Zweikämpfe, ungeordnetes, unentschlossenes Abwehrverhalten und Spieler, die schlicht zu weit weg vom Gegner stehen.

Stark wieder nicht stark. Ganz grobe Fehler waren beim in Dortmund eher ungeliebten Unparteiischen nicht dabei. Aber während das mögliche Foul in der Nachspielzeit gegen Auba umstritten ist und nicht unbedingt mit Elfmeter zu ahnden war, hätte Marco Reus zuvor einen zugesprochen bekommen müssen, als er im Strafraum gehalten wurde.

Schürrle nur anfangs stark. Thomas Tuchel sorgte für ein Novum in der Dortmunder Bundesliga-Geschichte, als er in der 58. Minute gleich dreimal wechselte. Gehen musste auch André Schürrle, für den Dembélé kam. Nach guten Aktionen zu Beginn hatte der Rekordtransfer stark nachgelassen, wirkte ideen- und glücklos. Den Durchbruch in schwarz-gelb hat Schürrle noch nicht geschafft. Fragt sich, ob er aus persönlichen oder opportunistischen Gründen anderen vorgezogen wird. Dass neben ihm auch andere Offensive wie Götze und vor allem Ramos abbauten, lenkt zumindest heute von einer genaueren Analyse ab.

Fazit: ein vollkommen gebrauchter Samstag für Schwarz-Gelb. Neun Punkte auf das Projekt, schon wieder sechs auf die Bayern und morgen womöglich nur noch Siebter.

Die Aufstellung: Weidenfeller – Piszczek, Sokratis, Ginter, Schmelzer – Weigl (58. Rode) – Ramos (58. Reus), Götze, Castro, Schürrle (58. Dembélé) – Aubameyang. Gelbe Karten: Sokratis, Castro, Schmelzer. Tor: Aubameyang