Sommer, Sonne, Arbeitssieg

1. Bundesliga, 1. Spieltag / BVB 2 FSV Mainz 05 1

Der erste richtige Praxistest. Bundesliga gegen einen Europa League-Teilnehmer. Am Samstag war es endlich möglich, Borussia Dortmund mit seinen neuen Gesichtern richtig zu beurteilen. Was von den Schwarz-Gelben zu sehen war, entspricht ungefähr den Erwartungen, die man zum jetzigen Zeitpunkt unter den gegebenen Bedingungen haben konnte.

Hochsommerliche Temperaturen weit jenseits der 30 Grad sind nicht förderlich für ein packendes Fußballspiel, das sich keine Pausen nimmt. Dafür war die Partie vor allem in der ersten Hälfte offen. Die Borussia hatte mehr Ballbesitz, die Mainzer aber eine ähnliche Zahl von Torgelegenheiten. Von den Gastgebern waren schöne Ansätze zu sehen: Dembélé ist antrittsschnell, immer für einen Haken gut und wird sich über kurz oder lang noch besser ins Spiel der Borussia integrieren. Rode und Castro im Mittelfeld arbeiteten mehr als dass sie glänzten, aber das sind Typen, die wir gebrauchen können.

Das Tor für den BVB fiel nach einem Standard: Nach einer kurzen Ecke flankte André Schürrle an den langen Pfosten, von wo aus Pierre-Emerick Aubameyang ins lange Eck nickte. Eine Koproduktion von ‚altem‘ und ’neuem‘ Dortmund, die hoffen lässt. Überhaupt Schürrle. Er war zweifelsohne Aktivposten, holte später den Elfmeter zum 2:0 raus, zog auch mal selber ab. Die Summe, die Watzke und Zorc für ihn hingelegt haben, ist riesig, aber er dürfte die Fans schneller auf seiner Seite haben als Freund Mario Götze.

In der zweiten Hälfte hatten die Schwarz-Gelben das Spiel besser im Griff, nachdem sie nach der Führung noch mehrere Gästechancen zugelassen hatten. Vorne kam allerdings wenig dabei rum. Ein Schuss von Rode, sonst gab es bis zum Elfmeter kaum Aufregendes. Der Strafstoß nach Ziehen an Schürrle war berechtigt, der Mainzer Anschlusstreffer in der Nachspielzeit gerecht. Spektakulär war am Auftaktsieg nichts, aber wer verlangt das jetzt schon vom erneuerten BVB? Vielleicht jene, die glauben, Schwarz-Gelb könnte die Liga wieder spannend machen.

Die Aufstellung: Bürki – Passlack (77. Piszczek), Sokratis, Bartra, Schmelzer – Rode (89. Guerreiro), Castro (59. Weigl) – Dembélé, Kagawa, Schürrle – Aubameyang. Tore: Aubameyang (2, davon 1 EM)

Was anschließend geschah

Für alle, die ebenfalls im Urlaub waren: eine kurze Rekapitulation, was in der schwarz-gelben Welt zuletzt passiert ist.

1. Moritz Leitner ist weg. Dass es Abgänge geben würde, war klar. Regelmäßige Leser dieses Blogs ahnen, dass mich dieser Abschied wenig schmerzt. Leitner hat im schwarz-gelben Trikot weder vor noch nach seiner Ausleihe jene Konstanz zeigen können, die er auf diesem Niveau benötigt. Das hat dann auch etwas mit fehlender Klasse zu tun. Angesichts der illustren Namen im Kader war er auf meiner Liste der erste, der gehen durfte. Viel Erfolg bei Lazio!

2. Fast schon zu souverän gegen Trier gewonnen. Reden wir nicht drum herum: Es war einseitig im Moselstadion. Der übertragenden ARD und neutralen Zuschauern vermutlich zu sehr. Nachdem die Borussia in der ersten Halbzeit die Drei-Tore-Führung hergestellt hatte, verlegte man sich später aufs Auslassen von Chancen und wurde inkonseqenter. Aus der Innenperspektive gefielen zumindest drei Aspekte: Shinji Kagawa weiß, was die Stunde geschlagen hat und kämpft um seine Startelfchance. André Schürrle zeigt ordentliche Frühform und kann erwartungsgemäß gut mit Tuchel. Richtig begeistert hat gegen später dann aber vor allem Emre Mor. Was für ein Dribbler!

3. Wieder Real in der Champions League. Kein einfaches Los ergab die heutige Auslosung der CL-Gruppenphase. Über Real brauchen wir nicht reden; ein Leckerbissen ist es immer wieder. Sporting sollte man bloß nicht unterschätzen. Legia Warschau sollte man dann doch schlagen – noch ist der polnische Vereinsfußball nicht auf dem Niveau des Nationalteams. Diese Gruppenphase wird kein Selbstläufer – aber fragt mal die andere Borussia!

Götzes Rückkehr

Es war nicht das Westfalenstadion, sondern nur die Cashpoint-Arena in Altach (oder viel hübscher: das Schnabelholz). Mario Götze wird es nicht unrecht gewesen sein, dass sein erster Auftritt in schwarz-gelb nach seinem Münchener Seitensprung fernab der Heimat stattfand. Die Rückkehr verlief sehr unspektakulär: Größere Reaktionen der Zuschauer auf Götzes Einwechslung nach 67 Minuten im Testspiel gegen den Premier League-Klub AFC Sunderland blieben aus. Anschließend war von der Nummer 10 kaum etwas zu sehen. Die ebenfalls in der zweiten Hälfte eingewechselten Neuzugänge André Schürrle und Emre Mor fielen deutlich mehr auf.

Der AFC Sunderland, unter dem neuen englischen Nationaltrainer Sam Allardyce knapp dem Abstieg entronnen, wird nun vom ehemaligen Man United-Trainer David Moyes angeleitet. Neue Spieler wird der neue Mann auf der Bank in den nächsten Wochen suchen; seine erste Verpflichtung war gestern der letzte Saison an Werder Bremen ausgeliehene Verteidiger Papy Djilobodji vom FC Chelsea. Gegen Dortmund gelang es den „Black Cats“ am Freitag, die Zahl der gegnerischen Großchancen überschaubar zu halten. Selber nach vorne aktiv wurden die Nordostengländer jedoch selten. In Erinnerung bleiben vor allem Roman Weidenfellers elfmeterverdächtiges Tackling gegen Duncan Watmore bei der ersten Aktion des Keepers sowie Sunderlands Ausgleich durch Kone nach einem Freistoß von links.

David Moyes wird dennoch sicher zufrieden sein; Thomas Tuchel war es nicht ganz. Die Ansätze sind da – erneut zu sehen etwa bei Dembélé. Manche Spieler zeigen starke Frühform – etwa Gonzalo Castro. Doch die Überlegenheit gegen ein mit einem durchschnittlichen Bundesligisten vergleichbares Team wie Sunderland muss besser ausgespielt werden. Im Idealfall gelingt das, wenn nicht mehr munter durchgewechselt werden darf und die besten Elf auf dem Platz stehen. Selten wird die Aufstellung so spannend wie beim ersten Ligaspiel der neuen Saison gegen Mainz.

Nach diesem Beitrag ist bei Any Given Weekend erst mal zwei Wochen Pause wegen Urlaubs. Hier geht es weiter nach dem Pokalspiel am 22. August.

Klaus, Susi, Aki und die Kuba-Frage

Bei Mario Götze mag das alles etwas komplizierter gewesen sein. Im Fall Jakub „Kuba“ Blaszczykowski kommen nicht nur Verschwörungstheoretiker auf die Idee, dass hier zwei Transfers miteinander verknüpft werden sollen. Der Kicker meldete gestern Abend, dass der Wechsel von Kuba zum VfL Wolfsburg perfekt sei. Für 5 Millionen Euro soll der polnische Nationalspieler zum Ligakonkurrenten wechseln. Bekanntlich ist es gerade mal  zehn Tage her, dass André Schürrle für 30 Millionen den umgekehrten Weg gegangen ist.

Im Gegensatz zu manchem Fan, der sich noch nicht so recht mit dem Ende der Klopp-Ära anfreunden mag, halte ich den ‚Tausch‘ für sportlich allemal sinnvoll. Kuba ist nicht mehr der spritzige, dribbelstarke Außenbahnspieler aus seinen besten BVB-Zeiten. Dass Schürrle unter Tuchel wieder zu einem solchen wird, ist lediglich ein Versprechen, aber eines, das nicht unglaubwürdig klingt.

Selbstverständlich darf aber über die bezahlten Summen diskutiert werden. 30 Millionen für einen Spieler ohne längerfristige Konstanz sind happig. Jedoch immerhin weniger als der VW-Klub für Schürrle an Chelsea überwies – so dachte man. Nun könnte, sollte sich die Meldung bestätigen, Kuba für eine trotz seines Alters moderate Summe nach Wolfsburg gehen. Eine Lösung, mit der beide Seiten das Gesicht gewahrt hätten. Es ist also sehr wahrscheinlich, dass die Personalie Blaszczykowski schon bei den Schürrle-Verhandlungen auf dem Tisch war.

Klar: Weder ist das Ding schon offiziell, noch werden die Vereine irgendwelche Transfersummen bestätigen. Das macht ja heutzutage keiner mehr. Auch Zusatzklauseln sind meistens Medienspekulationen oder werden zumindest nicht von den offiziellen Vereinskanälen veröffentlicht. Doch es spricht einiges dafür, dass das Verrechnen von Spielern nun auch in Dortmund Einzug gehalten hat.

Dortmund verpflichtet Schürrle, doch noch zaubern andere

Nun sind die ziemlich besten Freunde vereint: Nach Mario Götze hat Borussia Dortmund wie erwartet auch André Schürrle verpflichtet. Der 25-jährige Nationalspieler kommt für rund 30 Millionen Euro vom VfL Wolfsburg und unterschreibt einen Vertrag bis 2021. Schürrle wird damit zum Rekordtransfer des BVB und muss allein schon deshalb erst mal die Fans überzeugen.

Eine Offensivreihe mit Reus, Götze und Schürrle in Bestform lässt einiges erwarten, keine Frage. Es bleibt nur zu hoffen, dass die anderen, teilweise jüngeren Spieler eine faire Chance bekommen. Auch ohne die drei Genannten machten die Schwarz-Gelben heute beim Champions Cup in Shanghai gegen Manchester United (4:1) viel Spaß. Aubameyang zeigte sich in Spiellaune und könnte mit Ousmane Dembélé ein tolles Offensiv-Duo bilden. Letzterer zeigte beim schönen 3:0 Dribbel- und Schussqualitäten.

Gar zwei Tore gelangen Gonzalo Castro: ein Abstauber in der ersten Hälfte und ein Traumschuss aus rund 18 Metern von halbrechts ins lange Eck einige Minuten vor Schluss. Gerade Castro hätte mMn mehr Startelfeinsätze verdient und könnte einer der Leidtragenden der ambitionierten Transferpolitik werden.

Um eins klar zu sagen: Auftritte wie der in Shanghai, und sei es nur ein Testspiel, machen Lust auf die neue BVB-Saison. Andererseits müssen zuvor die Vereinsverantwortlichen noch beweisen, dass sie den Kader auch schlanker machen können. Dabei sind Entschlossenheit und Fairness gefragt. Vor allem aber ist man auf Angebote angewiesen – keine einfache Aufgabe.

Ist Mario Götze der verlorene Sohn?

Er ist wieder da: Der Kicker vermeldet heute Abend, dass die Rückkehr von Mario Götze zu Borussia Dortmund perfekt sei – für einen „Basisbetrag“ von 26 Millionen Euro. Bayern-Vorstandsvorsitzender Karl-Heinz Rummenigge hatte am Rande des Testspiels gegen Manchester City verlauten lassen, dass morgen eine Einigung erfolgen könne. So scheint tatsächlich wahr zu werden, was sich viele nicht vorstellen konnten und viele nicht vorstellen wollten. Wobei die erste Gruppe nicht ganz kongruent mit letzterer ist.

Des Weiteren sollen auch die Verhandlungen mit dem VfL Wolfsburg wegen André Schürrle weit gediehen sein. Es ist wahrscheinlich, wenn auch noch nicht komplett sicher, dass die beiden Protagonisten des WM-Siegtors von 2014 bald in schwarz-gelb spielen. Für die zwei Freunde Schürrle und Götze dürfte der BVB dann rund 56 Millionen ausgegeben haben. Diese Transfers würden in Dortmunder Fankreisen polarisieren wie kaum eine andere Vereinsentscheidung der letzten Jahre. Zeit für einige Diskussionsanstöße.

Woher dieser Hass?

Wer in den letzten Monaten Internetforen oder die Leserkommentare in Sportportalen zum Thema BVB-Transfers gelesen hat, wird zweifellos auf eine Reihe äußerst kritischer bis gehässiger Beiträge zu Mario Götze und André Schürrle gestoßen sein. Während Götze sich nachweislich ungeschickt bis unfein aus Dortmund verabschiedet hat, ist Schürrles einziges Vergehen, dass er zeitweise seine Leistung nicht abrief und der BVB nun viel Geld für ihn bezahlen soll.Weiterlesen »

Ein Grund zur Freude

Borussia Dortmund hat den ersten Doppelpack in einer langen Serie von Testspielen bis Ende August absolviert. Wie meistens waren unterklassige Klubs aus der Region die Gegner. 5:2 bei der Spvgg Erkenschwick und 2:0 beim Regionalligisten Wuppertaler SV lauten die Resultate. Vier bzw. fünf Tage nach dem Start in die Vorbereitung wählte Thomas Tuchel für beide Partien die gleiche Herangehensweise: In der ersten Halbzeit ließ er eine stark besetzte Startelf auflaufen, die nach der Pause nahezu komplett ersetzt wurde.

Insofern waren die jeweils ersten 45 Minuten hinsichtlich der kommenden Saison die interessanteren. Von den Spielern, die bereits aus dem Urlaub zurück sind, konnten etwa Gonzalo Castro sowie Felix Passlack mit guter Frühform überzeugen und trafen beide. Aber bereits nach drei Minuten in Oer-Erkenschwick stach einer heraus, auf den man wohl ohnehin am gespanntesten war: Ousmane Dembelé erzielte das 1:0 und zeigte danach in beiden Partien, zu was er – hoffentlich auch höherklassig – fähig ist. Einige feine Dribblings, präzise Pässe, gutes Spiel über außen – auf den neuen Neunzehnjährigen können wir uns wirklich freuen.

Ein 27-Jähriger fehlte: Neven Subotic hat von der Borussia die Erlaubnis bekommen, sich um Vertragsverhandlungen mit anderen Vereinen zu kümmern. Es scheint beträchtliches Interesse zu bestehen – nicht nur aus Köln, sondern angeblich auch von mehreren Vereinen aus der Premier League. Arsenal soll bereits ein Angebot abgegeben haben. Ich würde Neven am liebsten beim FC Middlesbrough sehen, der gerade aufgestiegen ist. Ebenfalls unbestätigten Gerüchten zufolge soll unser Innenverteidiger sich bereits das Riverside Stadium angesehen haben.

Wo auch immer Neven landet – sein Weggang erzeugt Wehmut. Erinnerungen kommen hoch an die größten Erfolge der Klopp-Ära und die Feiern danach. Und natürlich ist er auch einfach ein feiner Kerl, soweit man das als Fan beurteilen kann. Wenn es jetzt für die Premier League reicht, die Neven wohl tatsächlich reizen würde, wäre das tröstlich.

Der bevorstehende Abschied ist mMn allerdings auch kein Grund, lange in Nostalgie zu verfallen. Die Borussia wird die Fußballwelt nicht grundlegend ändern können – wir müssen das Beste daraus machen. Dahingehend hat der Verein schon einiges getan. Es gibt viele Gründe, sich auf die neue Spielzeit zu freuen. Wer Veränderungen zulässt und annimmt, kann sich auch an der nun entstehenden Spannung erfreuen. Allerdings müssen Michael Zorc und Hans-Joachim Watzke nicht nur einen Mkhitaryan-Nachfolger finden, sondern auch noch Spieler verabschieden – vielleicht sogar die schwierigere Aufgabe.

Warum Watzke bei Mkhitaryan kein Vorwurf zu machen ist

Einer Lüge muss man sich bewusst sein. Als BVB-Geschäftsführer Hans-Joachim Watzke sagte, dass in diesem Sommer nicht gleichzeitig Mats Hummels, Ilkay Gündogan und Henrikh Mkhitaryan den Verein verlassen würden, konnte er sich das jedoch tatsächlich nicht vorstellen. Wenn man ihm etwas vorwerfen will, dann eine Fehleinschätzung oder meinetwegen ein gebrochenes Versprechen. Doch eigentlich weiß der aufgeklärte Fußballfan ja, wie kurzlebig die Branche ist und dass Aussagen ihrer Protagonisten nicht für die Ewigkeit getätigt werden. Immerhin behält durch den bevorstehenden Mkhitaryan-Abgang eine andere Aussage ihre Gültigkeit: Borussia Dortmund werde nach Robert Lewandowski keinen wertvollen Spieler mehr ablösefrei gehen lassen.

Nun scheint die Sache also durch zu sein – auch wenn laut BBC Henrikh Mkhitaryan noch keinen Medizincheck bei Manchester United absolviert hat und weitere Formalitäten zu klären sind. Da Miki in Dortmund noch ein Jahr Vertrag hat, soll die Borussia vom reichen Tabellenfünften der Premier League eine Ablöse in Rekordhöhe bekommen. Kolportiert werden 42,5 Millionen Euro – das wäre sowohl die höchste vom Verein als auch für einen Spieler mit einem Jahr Vertragslaufzeit erzielte Summe.

Watzke und der BVB wollten mit Mkhitaryan ernsthaft verlängern, sie wurden aber vom Spieler und dessen Berater Mino Raiola hingehalten, bis sich die Tür nach Manchester öffnete. Dagegen ist man als ein Verein mit dem Standing der Borussia nicht gefeit. Nach dieser vergangenen Saison war es keinesfalls naiv, sondern einfach zwingend, alles zu versuchen, um Mkhitaryan zu halten. Als die Vertragsverlängerung vom Tisch war, erwies sich Aki Watzke als Mino Raiola – oder zumindest Manchester United – ebenbürtig und lehnte einen Transfer in diesem Sommer zunächst ab.

Was jetzt wohl für die Borussia herausspringen wird, ist verdammt viel Geld. Enttäuscht darf man vielleicht von Miki sein – viele hatten ihn für einen charakterlich anderen Typen gehalten. Wer jetzt von den Regeln des Geschäfts und den Fußballern als Unternehmern anfangen will, hat natürlich nicht Unrecht – trotzdem sind alle im Business Menschen und keine Maschinen. Die einzige Lehre, die die BVB-Führung aus der Geschichte ziehen könnte, ist, die Zusammenarbeit mit Spielerberatern wie Raiola zu hinterfragen.

Sportlich bedeuten die drei Abgänge selbstverständlich einen herben Verlust. In der Form der letzten Spielzeit könnte Miki der herbste sein. Borussia Dortmund hat bereits vielversprechende Verpflichtungen getätigt und wird mit den sprudelnden Millionen mindestens eine weitere tätigen. Die Frage, wie gut die stark umgebaute Mannschaft 2016/17 funktionieren wird, ist eine so spannende, dass auch ein Wechsel von Andre Schürrle zum BVB die Ungewissheit nicht mehr sonderlich erhöhen würde. Ich für meinen Teil würde ihn lieber in schwarz-gelb sehen als Mario Götze – nicht aus Unversöhnlichkeit, sondern weil Letzterer selbst nach wie vor keine Anstalten macht, sich für eine Rückkehr zu erwärmen. Ob Schürrle allerdings immer noch mehr als 30 Millionen wert ist, wage ich zu bezweifeln. Vielleicht sprechen wir bald noch über ganz andere Namen.

So geht’s los

Am Montag ist Trainingsauftakt bei Borussia Dortmund. Im Juli und August planen die Schwarz-Gelben zehn Testspiele, unter anderem gegen die Premier League-Klubs Manchester United, AFC Sunderland und Manchester City. Doch natürlich warten wir alle auf den Moment, an dem es wieder richtig losgeht. Mit den Pflichtspielen, mit der Bundesliga.

Heute hat die DFL den neuen Spielplan bekanntgegeben. Der BVB hat ein interessantes und nicht zu schweres Auftaktprogramm zu bewältigen. Am 1. Spieltag, am 27. oder 28. August, gibt es ein Heimspiel gegen die mir nach wie vor sympathischen Mainzer. Danach geht es zum nach wie vor äußerst unsympathischen Aufsteiger nach Leipzig – dem man aber gerne so früh begegnet. Ins Westfalenstadion kommen die arg geschwächten Darmstädter und die aufgestiegenen Freiburger. Dazwischen muss die Borussia zum Noch-Schürrle-Klub VfL Wolfsburg. Kein Grund zum Zittern – hier noch mal die Übersicht der ersten fünf Spieltage:

(H) FSV Mainz 05
(A) RB Leipzig
(H) SV Darmstadt 98
(A) VfL Wolfsburg
(H) SC Freiburg

Immer spannend ist natürlich der Gegner am 34. Spieltag. Diesmal kommt Werder Bremen ins Westfalenstadion. Wie 15 Jahre zuvor.

Bringt bloß nicht die 90er zurück!

Musikalisch bin ich in den Neunzigern sozialisiert worden – und fand das Jahrzehnt in dieser Hinsicht deutlich besser als viele behaupten. Neben mancher Verirrung gab es vor allem abseits des Mainstreams viel Gutes, vor allem Tanzbares zu entdecken. Borussia Dortmund hat in den Neunzigern die größten Erfolge seiner Vereinsgeschichte errungen – allerdings auch dank finanzieller Konstruktionen, die uns später an den Rande des Abgrunds brachten.

Schaut man jedoch nur auf einen speziellen Wettbewerb, den DFB-Pokal, dann sinkt die Lust an einem 90s Revival gewaltig. Die Erfolge sind da nämlich äußerst überschaubar. Das Jahrzehnt begann ein Jahr nach dem Pokalsieg in Berlin mit einer Niederlage gegen Fürth und endete mit einer gegen die Stuttgarter Kickers. Das höchste der Gefühle war eine Viertelfinalteilnahme in der Meistersaison 95/96 – man scheiterte am Karlsruher SC. Eine der peinlicheren Pleiten trug sich in der Saison 1997/98 zu. Als amtierender Champions League-Sieger unterlag der BVB im Achtelfinale Eintracht Trier, damals Drittligist, mit 1:2. Ob es der Ehrenrettung dient, dass die Moselstädter eine Runde zuvor auch die Nachbarn aus Gelsenkirchen ausgeschaltet hatten?

Beenden wir unsere kleine Zeitreise. In der kommenden Saison 2016/17 muss Borussia Dortmund erneut nach Trier reisen und in der ersten Pokalrunde im Moselstadion antreten – das ergab die Auslosung gestern Nacht. Die Eintracht ist wieder Regionalligist, die Spielklasse aber nur noch die vierthöchste. Trainer ist Peter Rubeck, sowohl als Spieler wie als Trainer ein Mann der Region. Schaut man sich den Kader der Trierer an, klingelt es bei mir bei keinem Namen. Die vergangene Saison beendete der Verein als Fünfter, bei einem Zuschauerschnitt von gut 2300.

Warum sollte die Borussia sich trotzdem noch mal an die Geschehnisse von vor 19 Jahren erinnern? Trier könnte dann erneut zum Stolperstein werden, wenn es Thomas Tuchel und seinem Team bis Mitte August nicht gelingt, aus einem beträchtlich veränderten Kader schon eine Mannschaft zu formen, die solch ein vermeintlich leichtes Pflichtspiel ernsthaft und konzentriert angeht. Schön, dass der BVB heute einen solchen Status hat, dass so gut wie niemand an ein solches Szenario glaubt. Völlig ausgeschlossen ist es dennoch nicht.

Eine der heißesten Pokalpartien der letzten Jahre findet unterdessen in Sachsen statt: Dynamo Dresden gegen RB Leipzig. Urlaubsstopp bei der sächsischen Polizei?