Der Einzeltäter

So langsam muss man es zur Kenntnis nehmen: Hertha BSC KANN in dieser Saison Deutscher Meister werden. Die Tabelle lügt ja nach dem 23.Spieltag nicht mehr. Nach dem Auswärtssieg bei Angstgegner Cottbus stand gestern natürlich Torjäger Andriy Voronin mit seinem Hattrick im Fokus. Aber wie Enno bei „Welt-Hertha-Linke“ schreibt: Zwei der drei Tore hätten auch die anderen Stürmer machen können. Damit rückt die Mannschaftsleistung in den Mittelpunkt und die ist im zweiten Jahr unter Lucien Favre sehr konstant. Womit wir beim Hauptverantwortlichen für den überraschenden Aufschwung wären.

Favre muss ein sehr gutes Auge für das Potenzial von aktuellen und zukünftigen Spielern des Vereins haben. Denn unter ihm funktioniert nun, was Hertha in der Vergangenheit meistens misslungen ist: Das Zusammenkaufen einer Mannschaft. Organisch aufgebaut ist diese Truppe nicht – nur gut zusammengestellt. Ein weiteres Geheimnis dürfte in der täglichen Arbeit mit dem Team liegen. Der Schweizer hat es geschafft, den Spielern ein taktisches System beizubringen, das diese befolgen und das ihren Fähigkeiten entspricht. Die großen Stars fehlen der Hertha bekanntlich – Voronins ‚Blüte‘ ist erst ein paar Wochen alt und Marko Pantelic fällt allenfalls durch Starallüren auf. Dementsprechend ist die Spielweise meist eher abwartend und ‚kompakt‘, wie man so schön sagt – aber erfolgreich.

In der Schweiz, beim FC Zürich, war Lucien Favre ein Meistermacher. Kaum jemand hätte gedacht, dass er in Deutschland so schnell ähnlichen Erfolg haben könnte. Noch ist es ein gutes Stück bis zum Titel; der Glaube ist bei mir sicher nicht so groß wie schon bei vielen Hertha-Fans. Wenn sie es aber schaffen sollten, dann hat der Erfolg genau einen Namen, gegen den alle anderen verblassen.

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4 Kommentare

  1. „Organisch aufgebaut ist diese Truppe nicht – nur gut zusammengestellt.“

    Interessante Unterscheidung. Woran machst Du die Unterschiede fest und wieso stellst Du „organisch aufgebaut“ moralisch über „zusammengestellt“?

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  2. Das hat nichts mit Moral zu tun, aber es ist doch so, dass Klubs, die regelmäßig einen Großteil ihres Personals austauschen, mehr Schwierigkeiten haben, als Mannschaft zu funktionieren (wem sage ich das?). Es dauert eben, bis es ‚klick‘ macht; bei manchen klappt es nie, andere Vereinsvorstände verlieren vielleicht verfrüht die Nerven. Bestes Beispiel in den vergangenen Jahren…Gladbach.

    Das Interessante an Favre ist, dass er diesen Problemen weitgehend entgangen ist. Das erste Jahr war nicht berühmt, aber man hat ihn in Ruhe arbeiten lassen. Letzten Sommer hat er – und er war der entscheidende Mann – noch mal eine Reihe von Neuen geholt. Scheinbar waren es die Richtigen und Favre ist es gelungen, sie zügig zu integrieren. Damit solche ‚Umwälzungen‘ im Kader funktionieren, scheint ein starker Trainer mit viel Sachverstand nötig zu sein – anderes Beispiel Magath und Wolfsburg, wobei da noch viel mehr Geld im Spiel war.

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  3. Ich würde dein Argument noch auf die Spitze treiben und behaupten, dass es für eine geschlossene Mannschaftsleistung (die Hertha ja so stark macht), in erster Linie auf den Trainer ankommt. Die Zusammenstellung der Mannschaft macht nur dann einen bedeutenden Unterschied, wenn es auf Einzelkönner (Toni, Ribery, Diego, Pizarro, Ibisevic, etc.) ankommt oder entscheidene Positionen nicht oder sehr schlecht besetzt sind.

    Und ich stimme dir zu: Favre lässt sehr gut trainieren und schafft es, ein Team zu bilden.

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  4. Vielleicht hatte Favre bei den Transfers auch vor allem die Mannschaftsdienlichkeit der Neuen im Auge. Nach dem ersten Jahr wusste er, was er vom Team erwarten kann und was nicht und hat u.U. danach ausgewählt, wer zum System passt und wer nicht. Wie auch immer, er hatte eine glückliche Hand.

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