BL 26.Spieltag / Hertha BSC Berlin 1 BVB 3

Party in Berlin.

Die Aufstellung: Weidenfeller – Dede, Santana, Subotic, Owomoyela – Kehl – Sahin, Kuba (76. Lee) – Hajnal – Frei (73. Zidan), Valdez (83. Kullmann).

Seht ihr, Bayern, so wird das gemacht! Gestern passte in der Hauptstadt alles; es wurde der erwartet herrliche Fußball-Nachmittag, aber nicht nur vom Wetter her. Der BVB scheint die durch das schwere Auftaktprogramm und die Ausfälle entscheidender Spieler bedingte Durststrecke zu Beginn der Rückrunde endgültig überwunden zu haben –  diesen Erfolg beim bisherigen Serien-Heimsieger und Tabellenführer kann man kaum anders deuten. Sebastian Kehl fand wieder zu alter Stärke, nicht nur als Abräumer, sondern auch als Antreiber; Dede machte erneut ein gutes Spiel und bereitete das zweite Tor vor; Kuba kehrte in die Startelf zurück und deutete seine Gefährlichkeit an, wobei da natürlich noch Potenzial nach oben ist. Diese Spieler bzw. ihre Bestform haben wir in der Vergangenheit vermisst.

Wichtig war auch, dass Tamas Hajnal gestern spielen konnte. Er zeigte sich von seiner Erkältung unbeeindruckt und hatte nach wenigen Minuten die erste Dortmunder Chance, als er allein vor Drobny knapp am Tor vorbeischoss. Später war er es, der mit einem hohen gelupften Pass Frei frei spielte und dem Schweizer seinen nächsten Streich ermöglichte. Alex macht sich in der Rückrunde immer unverzichtbarer – die Frage ob er bleibt oder geht, wird ohne Zweifel ein heißes Eisen und ein dankbarer Sommerloch-Stopfer für die Medien. Bei seiner Auswechslung wurde er von den wieder knapp 10.000 Dortmundern gebührend gefeiert.

Die Aufstellung im vollen Olympiastadion

Kurz vor Anpfiff. Sonne. 22 Grad.

Bis zur Dortmunder Führung hatten die Berliner ihren bekannten, für eine Heimmannschaft sehr abwartenden Stil gespielt. Da sich die Schwarz-Gelben davon aber nicht überrumpeln ließen, muss man den Gastgebern ankreiden, dass sie, wie wir auch gelegentlich, erst nach dem Rückstand aufwachten. Die Berliner Taktik kann gegen einen Gegner eine Stärke und gegen einen anderen eine Schwäche sein. In der Viertelstunde vor der Pause machten sie dann richtig Dampf; der BVB hatte in dieser Phase Glück (Torwart- und Lattentreffer der Berliner) und einen starken Schlussmann.

Es musste wie so oft erst der Ausgleich fallen, bis der BVB wieder ins Spiel fand. Unserer Defensive gelingt eben zur Zeit keine perfekte Leistung über 90 Minuten; das kann man angesichts des Alters unserer Innenverteidiger auch akzeptieren, solange vorne die Tore gemacht werden. Beim 1:1 sah neben Subotic und Santana auch Owomoyela nicht gut aus, aber Berlins Raffael machte bei seinem Solo auch alles richtig und ein schönes Tor. Zum Glück hatte es keinen Schockeffekt auf die Schwarz-Gelben; in den folgenden Minuten war es ein offenes Spiel, und knapp zehn Minuten nach dem Ausgleich war es eben bezeichnenderweise Sebastian Kehl, der nach präziser Flanke von Dede einen Kopfball aus etwa zehn Metern präzise in die rechte Torecke platzierte.

Es blieb danach zunächst ein spannendes Bundesliga-Spiel, die Hertha wollte natürlich Serie und Tabellenführung retten und hatte Chancen zum erneuten Ausgleich. In einer Szene musste Neven Subotic zweimal für den schon geschlagenen und in der zweiten Hälfte etwas nachlassenden Weidenfeller retten. Der trotz einiger ebenfalls guter Reaktionen deutlich schwächere Tormann war jedoch Jaroslav Drobny. In der 82.Minute ließ er einen nicht allzu harten Fernschuss von Nuri Sahin nach vorne abprallen und Nelson Valdez zeigte, dass er sich trotz aller berechtigten Kritik an seiner Effektivität doch im Aufwärtstrend befindet – vor allem, wenn man die von ihm mit vorbereiteten Tore in Betracht zieht. ‚Überlegt‘ und ohne Gewalt lenkte er den Ball ins Tor. 3:1. Jubel in der schwarz-gelben Kurve, denn alle waren sich sicher: An diesem Tag und zu diesem Zeitpunkt war das die Entscheidung. Das schienen auch die Hertha-Spieler zu wissen, denn von denen kam dann gar nix mehr.

Feiern vorm Balkon

Feiern vorm Balkon

Schönes Spiel, tolle Atmosphäre, Sonnenschein –  nach der Partie herrschte bei den BVB-Fans rund ums Olympiastadion einfach nur gelöste, fröhliche Stimmung. Umso schöner, da es vor dem Spiel nach dem Ausfall einer S-Bahn mal wieder ziemlich stressig gewesen war, wir uns mit Bus und zu Fuß zum Stadion durchgeschlagen hatten und erst fünf Minuten vor Anpfiff im Block waren – über letzteres waren wir angesichts der üblichen Berliner Organisationsprobleme bei vollen Spielen noch froh.

Man kann gespannt sein, wie nahe wir der Hertha punktemäßig noch kommen. Die Formkurven zeigen zur Zeit definitiv in entgegengesetzte Richtungen, wobei es nicht ausgeschlossen ist, dass Lucien Favre sein Team wieder auf Kurs bringt – jedoch nicht den Meisterkurs. Für den BVB gibt es unterdessen überhaupt keinen Grund, an etwas anderes zu denken als das nächste Spiel, und das ist keine falsche Bescheidenheit wie etwa bei Felix Magath. Schauen wir mal, wo wir um den 32. Spieltag stehen…

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9 Kommentare

  1. Glückwunsch zum Sieg. Er war verdient, weil Hertha indisponiert war. Die Chancen nicht gemacht und deutliche Schwächen in der sonst so starken Abwehr. Da muss man dann leider die Punkte herschenken.

    Aber Hertha wird sich wieder berappeln. Da bin ich mir sicher.

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  2. Das traue ich euch auch durchaus zu, vor allem dank Lucien Favre; ich denke aber, dass die Wolfsburger, die Hamburger, das entscheidende Stück souveräner bleiben werden (gut, der HSV muss noch nach Dortmund) und dass es deshalb nicht für ganz oben reichen wird. Würde euch aber den dritten Platz vor Bayern wünschen – hat allerdings mehr mit meiner Einstellung gegenüber denen zu tun. ;-)

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  3. Du solltest uns noch nicht so schnell abschreiben, Nick. Schon mal einen Blick auf das Restprogramm der Spitzengruppe geworfen? Ich würde mal sagen, die Schale bleibt da, wo sie jetzt ist, bei uns in München. Klingt (frisch nach dem 1:5 von gestern zwar zugegebenermaßen) komisch, ist aber so. ;-)

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  4. Ich würde die Bayern doch nie abschreiben. ;-)
    Gegen Barca wird das zwar nichts, aber das mit dem Restprogramm in der Liga ist mir bewusst. Wobei gerade die Wolfsburger zur Zeit schon mächtig souverän wirken und das eigentlich schon seit Anfang Februar. Aber es darf von mir aus gerne spannend bleiben!

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  5. Alles in allem nachdem ich mir nach dem Stadionbesuch noch 2x die Wiederholung in der Sportschau angeschaut habe fand ich den Sieg für den BVB glücklich aber nicht unverdient.

    Glücklich, weil der Elfmeter für Hertha nicht gepfiffen wurde und zahlreiche Möglichkeiten im letzten Moment noch bereinigt werden konnten.

    …und verdient, weil der BVB kaum Chancen für ihre drei Tore brauchte. Eine Trefferquote von ca. 50% ist schon allerhand. Diese effektivität bin ich sonst eigentlich nur von Hertha gewohnt.

    Belustigend fand ich mal wieder die Dortmunder Fans, die „Hey was geht ab“ kurzerhand zu ihrem Liedgut machten. …und das, obwohl Frauenarzt so viel mit Dortmund zu tun hat wie GinTonik mit Berlin.

    „Ihr werdet nie Deutscher Meister“ (Hertha wurde übrigens schon mal Meister) hat mir natürlich auch gefallen. Solche Gesänge bekommen nur diejenigen zu hören, die ganz oben mitmischen. Und darauf bin ich stolz.

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  6. @Felix: Als Auswärtsmannschaft brauchst du gegen einen ordentlichen Gegner halt drei Dinge: Engagement, Effektivität und Glück. Und das alles hatte der BVB am Samstag, deshalb finde auch ich, es war ein verdienter Sieg.

    Dass man sich ‚gegnerisches‘ Liedgut aneignet, ist doch in Fankreisen gang und gäbe, eine übliche Form der Stichelei. Fast alle Fangruppen ‚verunglimpfen‘ ja auch unser „Adiadiadiadiooo…B-V-B-Null-Neun“ mit einem neuen Ende. Ich weiß nicht, ob du es von deinem Platz aus hören konntest, aber wir haben am Samstag „Hey was geht ab“ auch ein bisschen umgetextet! ;-)

    „Ihr werdet nie mehr deutscher Meister“ würde halt wegen der Silbenzahl nicht so gut passen, deshalb ohne „mehr“, dann ist das „nie“ halt verstärkend gemeint und bezieht sich nur auf diese Saison!

    @Kirsten: Ja! Dieses Wetter hat aber auch durstig gemacht! ;-)

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  7. Die Kritik an Jaro Drobny ist unberechtigt. Er ist ein erstklassiger Torwart, der nicht umsonst tschechischer Nationalspieler ist. Jaro Drobny war nicht umsonst der beste Torwart in der vergangenen Saison und ist auch ansonsten ein Riesentyp. Ein sehr wertvoller Mensch, dem ich zweimal persönlich begegnen durfte.

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