Es kann nur einen Lambert geben

Diese Wochen, in denen sich mal wieder eine deutsche Mannschaft daranmacht, aus der Champions League zu fliegen, sind wohl der richtige Zeitpunkt, um sich mit einem Mann zu beschäftigen, der beim vorletzten Triumph einer deutschen Mannschaft in diesem Wettbewerb eine wichtige Rolle spielte. In München, beim legendären 3:1 von Borussia Dortmund über Juventus, machte der Schotte Paul Lambert ein starkes Spiel im Mittelfeld und bereitete das erste BVB-Tor durch Kalle Riedle vor. Auch wenn er nur etwas mehr als ein Jahr bei den Schwarz-Gelben blieb, war Lambert damals doch ein ausgesprochener Fan-Liebling. Im November 1997 wechselte er zurück nach Schottland zu Celtic und war damit Auslöser einer losen Fanfreundschaft zwischen dem schottischen Spitzenklub und uns.

Der Auslöser dieses Beitrags ist natürlich nicht das wahrscheinliche Scheitern des FC Bayern gegen den FC Barcelona, sondern ein Artikel der englischen „FourFourTwo“ über Lambert in der aktuellen Ausgabe (FourFourTwo May 2009, S.108). Darin stellt sich der Schotte den Fragen der Leser. Nach vielen weiteren erfolgreichen Jahren bei Celtic wechselte Lambert 2005 zu Livingston, half noch einige Male als Spieler aus und begann dort parallel seine Trainer-Karriere. Auf dieser ersten Station blieb er ausgesprochen erfolglos und trat nach gut acht Monaten zurück. Besser lief es beim englischen Viertligisten Wycombe Wanderers, mit dem Lambert das Halbfinale des Ligapokals gegen Chelsea erreichte. In seiner zweiten Saison dort verpassten die ‚Chairboys‘ den Aufstieg in den Play-Offs knapp. Im Anschluss daran trat Lambert zurück – aufgrund einiger Geschehnisse hinter den Kulissen, wie er in FFT sagt.

Interessanterweise absolvierte Paul Lambert seinen Trainerlehrgang in Deutschland beim DFB. Auf die Leserfrage nach dem ‚warum‘ antwortet er, dass er die große Herausforderung suchte. Anscheinend ist die Ausbildung hierzulande zumindest thematisch umfassender, man lernt beispielsweise etwas über Medizin und Orthopädie; Lambert hält sie jedenfalls für nicht vergleichbar und offensichtlich schwerer als die englische Version. In weiteren Antworten geht er auf Ottmar Hitzfelds herausragendes taktisches Verständnis ein und bezeichnet die Bundesliga der Mitt-Neunziger als die wahrscheinlich stärkste Liga Europas.

Inzwischen ist Paul Lambert seit einem halben Jahr Trainer beim League One (dritte englische Liga)-Klub Colchester United. Bis vor kurzem hegte der Verein noch Hoffnungen auf das Erreichen der Play-Offs (Plätze 3-6), aber nach einer 0:1-Niederlage gegen die gefallenen Riesen von Leeds United am Wochenende und zehn Punkten Rückstand bei noch fünf verbleibenden Partien hat Lambert eingeräumt, dass das wohl nichts mehr wird, gleichzeitig aber daran erinnert, wo man her kam:

We were right down there in 23rd, but because we gave it a fight people thought we should be up there, but we’ve just fallen short.

Die bisherigen Anzeichen deuten darauf hin, dass dem akribischen Arbeiter Lambert eine aussichtsreiche Trainer-Karriere bevorsteht. Ob er noch mal in einem Champions League-Finale stehen wird, ist natürlich fraglich; die Erinnerungen an seinen größten Tag als Spieler kann ihm aber niemand nehmen:

When the last goal went in, I knew we’d done it (…). The noise in the Olympic Stadium in Munich is something I’ll never forget.


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