Die Kunst, um nichts zu spielen

Vorgestern ist Werder Bremen durch den Sieg in Hamburg in einem spannenden, aber nicht hochklassigen Spiel verdient ins Pokalfinale eingezogen. Die Bremer wirkten reifer und kreativer, im Gegensatz zur jeweiligen Tabellenposition. Durch das Ausscheiden des HSV wird nun der Sechste der Bundesliga definitiv nicht in der Europa League spielen.

Drei Tage zuvor schienen die Bremer lange Zeit das Spiel bei Hertha BSC zu kontrollieren und führten 1:0. Nach dem Berliner Ausgleich war keinerlei aggressive Reaktion zu sehen und die Gastgeber gewannen die Partie bekanntlich noch glücklich mit 2:1. Was zur Folge hatte, dass der BVB nicht drei oder vier, sondern weiter fünf Punkte Rückstand auf Platz 5 hat.

Jetzt soll es in diesem Beitrag natürlich nicht darum gehen, den Bremern deswegen Vorwürfe zu machen. Die sind nun mal in der unglücklichen Situation, dass es für sie in der Liga um wirklich (fast) gar nichts mehr geht, während ihre Gegner und deren Konkurrenten noch voll im Wettbewerb stehen. Der ‚Mechanismus‘, der da abläuft, ist ja kein Einzelphänomen. Anderes Land, anderes Beispiel: Zu den Vereinen, die ich in England etwas näher verfolge, gehört auch Zweitligist Coventry City. Die ‚Sky Blues‘ stehen schon seit einigen Wochen um Platz 15 rum, das ist in der Championship Mittelfeld, und Abstiegsgefahr bestand kaum noch, auch wenn der rechnerische Klassenerhalt erst am vorletzten Spieltag sichergestellt wurde.

Nun hat der Klub in den letzten vier Partien gegen vier Abstiegskandidaten gespielt, für die es natürlich noch um etwas ging, und hat keinen Sieg mehr einfahren können. In Plymouth, übrigens der westlichste Profiklub Englands, gab es beim 0:4 eine ganz peinliche Vorstellung. Danach folgte ein 0:0 gegen das danach abgestiegene Charlton, ein 0:1 in Nottingham und zuletzt, wieder in der heimischen Ricoh Arena, ein 1:1 in letzter Minute gegen Barnsley, durch einen fragwürdigen Handelfmeter. Klar, in Coventry wie in Bremen gab bzw. gibt es Verletzte, klar, der Trainer appelliert hier wie da, die Saison nicht abzuschenken und mit einem Hoch zu beenden. Vor dem letzten Heimspiel der Sky Blues gegen das allenfalls noch theoretisch vom Abstieg bedrohte Watford fordert Trainer Chris Coleman noch mal einen Sieg für die Fans:

Our supporters deserve it for sticking by us and to finish with three points would be nice.

Aber irgendwie scheinen solche oder ähnliche Appelle bei vielen Vereinen in vergleichbarer Situation nicht zu fruchten. Auch die Einwechslungen von talentierten Nachwuchsspielern (Coventry hat eine der besten Jugendakademien Englands) brachten zwar frischen Wind, aber nicht genug, um die Spiele für sich zu entscheiden.

Weder in Bremen noch in Coventry wollen sie diese Spiele verlieren. Meistens funktioniert es so: Die Spieler sind bemüht und spielen ordentlich, solange es gut läuft. Um aber Gegentore wegzustecken und zurückzukommen, fehlt dann doch das 100%ige Engagement und die 100%ige Konzentration. Letzteres kann zu weiteren Gegentoren führen, gerne durch Konter nach eigenen, halbherzigen und fehlerhaften Angriffen. Gegen diese ‚Saisonendkrankheit‘ scheint fast nichts zu helfen, nur wenn wirklich jeder Spieler die Einstellung voll aufrechterhalten kann. Eine Sisyphus-Arbeit für den Trainerstab.

Noch ein Satz zum Spiel von morgen: Der HSV, den ich am Mittwoch im Pokal gesehen habe, macht mir keine Angst! Wetten, dass Trochowski in Dortmund wieder dabei ist?

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