Elfmeterschießen ist nicht schwarz-gelb

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Freitag, 29. Mai, gegen halb neun abends: Der BVB verliert mal wieder ein Elfmeterschießen. Nicht zum ersten Mal habe ich mich ein bisschen englisch gefühlt. Zuvor war es ein sehr schöner Abend gewesen. Einen Tag vor dem ‚großen Pokalfinale‘ in Berlin stand in Potsdam-Babelsberg das DFB-Pokalfinale der A-Junioren an – zwischen dem SC Freiburg und dem BVB, beide zur Zeit auch Tabellenführer ihrer jeweiligen Liga-Staffeln. Die Partie wurde im Karl-Liebknecht-Stadion ausgetragen, sonst Heimstätte des Regionalligisten SV Babelsberg, und die Voraussetzungen waren exzellent: Babelsberg ist ein schöner Ort, das angenehm altmodische Stadion von Bäumen gesäumt und nach einem wechselhaften Tag war es ein sonniger, warmer Frühlingsabend geworden.

Man muss dem DFB zugestehen, dass er sich Mühe gab, das Spiel zu einem würdigen Finale zu machen. Für nur zwei Euro wurden die Tickets für die Stehränge hinter dem Tor verkauft – dort fand sich der Dortmunder Fanblock zusammen, der den Freiburgern zahlenmäßig und stimmlich deutlich überlegen war. Nicht so schön war das Netz, das zusätzlich zum Zaun vor der gesamten Kurve hing, aber für den Preis kann man darüber hinwegsehen sowie über den fehlenden Bier-Ausschank und das flache DFB-Entertainment, das vor und nach dem Spiel geboten wurde (ganz so schlimm wie gestern in Berlin war es zum Glück nicht).

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Aufstellung vor dem Spiel

Das Stadion war zwar bei weitem nicht ausverkauft, aber rund 2.400 Zuschauer sorgten für eine ordentliche Kulisse und die BVB-Fans für gute Stimmung. Bei den Schwarz-Gelben mussten drei Leistungsträger in Dortmund bleiben, um am nächsten Tag für die Zweite Mannschaft in Münster aufzulaufen (dazu später mehr). Die erste Halbzeit im Karl-Liebknecht-Stadion wurde zwar offen und engagiert gespielt, die BVB-Junioren hatten mehr vom Spiel, konnten sich aber kaum echte Chancen erarbeiten. Die besten Szenen waren zwei Aluminium-Treffer, einer auf jeder Seite.

In der zweiten Hälfte war der BVB besser in der Partie, wirkte gleich zwingender und ging in der 65. Minute endlich durch Arslan in Führung. Danach sah das ganz souverän aus, bis die Freiburger in der 79. Minute einen Freistoß von links direkt verwandeln konnten. Es kam zur Verlängerung und zur erneuten BVB-Führung in der 99. Minute. Der große, zwar leicht ungelenk, aber trotzdem torgefährlich wirkende Marco Stiepermann machte endlich den Treffer, den ich ihm schon länger zugetraut hatte. Nach Vorarbeit von Arslan und Götze schlug er noch einen Haken und kam dann zentral zum Schuss – 2:1.

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Abschlag vom starken Torwart Alomerovic

Erneut gab es großen Jubel und beste Stimmung im BVB-Block; mit diesem zweiten herausgespielten Tor und dem engagierten Auftritt hätten unsere A-Junioren den Sieg spätestens verdient gehabt, aber die bittere Zeit begann in der 120. Minute. Ganz kurz vor Schluss gelang dem SC nach einem Eckball noch der Ausgleich – danach gab es direkt Elfmeterschießen. Und auch wenn ich ja nicht an ein ‚Vereinsschicksal‘ glaube – das hat den Schwarz-Gelben in den letzten Jahren selten gelegen. Natürlich wählte der Schiedsrichter das dem lautstarken BVB-Fanblock gegenüberliegende Tor aus – vielleicht wegen ein paar Schimpfworten, die er sich gelegentlich hatte anhören müssen.

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Nicht unser Ding

Trotz der herben Enttäuschung in der letzten Minute machten unsere ersten fünf Schützen ihre Sache gut, darunter Abwehrmann Marc Hornschuh, der ja auch schon für den A-Kader im Gespräch war, und der starke Arslan. Einmal war etwas Glück dabei, als der Innenpfosten im Spiel war. Leider sah man bei unserem Torwart Alomerovic deutliche Parallelen zu Roman Weidenfeller: Im Spiel hatte er mehrmals stark bis sensationell gehalten, im Elfmeterschießen war er glücklos, obwohl er einmal mit der Hand am Ball war.

Das bittere Ende kam mit dem sechsten Schützen: Der kleine, im Spiel sehr überzeugende Abwehrmann Fabian Götze schoss nicht platziert genug, der Freiburger Keeper hatte den Ball und deren sechster Schütze verwandelte sicher. Ich habe selten so enttäuschte Spieler gesehen – minutenlang saßen oder lagen die schwarz-gelben Jungs auf dem Rasen und konnten erst verspätet zur Siegerehrung gedrängt werden. Besser als der Gegner gewesen, in der letzten Minute vor der Verlängerung den Ausgleich kassiert und das mit 17 oder 18 – hart. Hoffentlich haben sie in der Meisterschaft mehr Glück.

Den Kontrapunkt setzte dieses Wochenende die Zweite Mannschaft: Die hat durch einen Punktgewinn in Münster den Aufstieg in die Dritte Liga klargemacht! Hier gelang dem BVB ein spätes Tor durch Uwe Hünemeier; das 2:2, das zum Aufstieg reichte. Das wird sicher keine einfache Aufgabe in der nächsten Saison, aber sehr reizvoll und für die jungen Spieler lehrreich – die Kluft zur ersten Mannschaft könnte mit diesen Erfahrungen kleiner werden. Glückwunsch an die Zweite! :-)

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